Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

rülz, m.

rülz, m.
ructus, ein schallnachahmendes wort von gleicher bedeutung wierülp undrülps, vgl. das. es gehört vorwiegend der ältern sprache an, findet sich bereits mhd. und ist im 15.—17. jahrh. sehr verbreitet, während jetzt rülps gewöhnlicher ist. der plur. ist stets schwach die rülzen; im sing. findet sich der rülze vereinzelt bei Luther neben gewöhnlichem rülz, und nur in übertragener bedeutung: der rültze kan kein ander liedlin mehr. Luther 3, 75ᵃ (vorher auf derselben seite: hie kompt Peter Rültz abermals mit seinem taratantara daher); kein rülze ist jetzt so grob, wenn ihm etwas träumet odder dunket, so musz der heilig geist ihm eingeben haben. briefe 3, 61. selten finden sich die formen riltz, rils: was thut sidher unser ander heer, welchs disen koderrotzigen riltz Graszpissier (Grandgusier) soll bestreyten. Fischart Garg. 223ᵃ; ein solcher grober rils fils (die andre hdschr.: rültz fültz) esel und ochs. Schweinichen 3, 117.
1)
das aufstoszen, ructus rültz Dief. gloss. 502ᶜ. Stieler 1636 (s.rülps). Steinbach 2, 313. vgl. Weigand 2, 502:
er flucht auch grob mit manchem rültz,
das sie würden so karge filtz.
Rollenhagen froschm. Cc 6ᵃ (2, 2, 13);
drauf der potztausenddegen,   vornen wol auf dem milz,
damit wir die stein fegen,   wann uns aufsteigt der rülz,
fein ist uns aufgebunden.
Opel-Cohn 414, 9 (alamodo monsiers).
2)
ungebildeter mensch, grobian. da diese bedeutung schon sehr früh vorkommt, so könnte man fast versucht sein, sie als ursprüngliche zu fassen, vgl.rolzen, ↗rölzen, ↗rülzen ausgelassen sein (sp. 1152), rolzig brünstig, rülz dirne. Stalder 2, 291, und die erstere bedeutung, sowierülzen davon herzuleiten. allein erstens decken sich weder form noch bedeutung recht, sodann spricht doch die analogie zu rülp, rülps zu entschieden für den angenommenen ursprung und bedeutungsübergang. rültz rupex, ein ungeschliffener grober gesell .. ein rüpel. Schottel 1389. Stieler 1636 (s.rülps), ungeschliffene rülzen s. Frischbier 2, 237ᵃ. Hügel 210ᵇ. mit beziehung auf das rülzen: mancher rülz gewöhnet sich mit fleisz zu diesem übelstand (dem rülpsen) und reiszet possen damit bei den collationibus. Colerus hausapotheke 141. gewöhnlich ohne solche beziehung: du bist bey gott ein narr, hett schier gesagt ein rultz auch. Paracelsus opera (Straszb. 1616) 1, 150 C. besonders gern von bauern gesagt: doctor Simon Pauli fragete einsmals einen bauern .. hierauff gab ihm der rültz diese antwort. Matth. Hammer histor. rosengarten (Zwickau 1654) 8;
dâr nâch giengen si zuo dem wîn ...
ein rülz brach sich im stalle.
es tet dem Nîthart also wol,
daʒ si wâren vol,
die selben bûren alle.
minnes. 3, 300ᵃ Hagen (unechtes lied Neidharts).
aber auch von pfaffen, wo dann weniger die grobheit als die unwissenheit und dummheit hervorgehoben wird: der pfarrherr, ein fast bewrischer und ungelehrter rültz. Kirchhof wendunm. 1, 2, 113 (1, 561 Österley). so namentlich bei Luther: ich wolt dir einen andern gemser haben fürgestellt, der einen solchen rültzen solt den pflug wol gekeilet haben. 3, 64ᵇ. als eigenname: ja spricht mein Peter Rültz. 65ᵃ; wie das müssen zeugen alle die da griechisch können, on Peter Rültz zu Orlamunda .. der eselskopff wil griechische sprache meistern .. und trit so unverschampt auff, für aller welt, als weren eitel Peter Rültzen von Naschusen hie, die sich auff griechisch nicht verstünden. 66ᵇ. rülz verbunden mit synonymen: es mus doch weltlich regiment bleiben, sol man denn zu lassen, das eitel rültzen und knebel regieren, so mans wol bessern kan. Luther 2, 474ᵃ; denn das fichtet mich nicht seer an, das ein rültz oder tölpel lestert. 6, 210ᵇ; und der grobe filtz, rultz und tölpel, der esel aller esel zu Wolfenbüttel, schreiet daher sein esel geschrey. wider Hans Worst, s. 31 neudr. besonders beliebt ist die reimende verbindung rülz und filz: ja man findet wol etliche rültzen und filtze, auch unter dem adel. Luther 4, 386ᵃ; der rülz und filz Nabal schnauzet Davids gesandte an. Mathesius bochzeitpred. L 4ᵃ; aber der ambtman, der den kogen nochdan zerschnitten, muest seiner grobkeit halber als ain grober filz und rülz zur stund vom disch weichen. Zimmer. chron. 2, 526, 8; den rültzen und filtzen, die onwitz plaudern, denen stehet schweigen wol an. Lehmann 1, 374;
komm her du dölpel, knosp und filz,
du flegels-kopf und grober rülz.
teutsch. sprichw. 32ᵇ bei Frisch 2, 136ᵇ.
rülz mit sinnverwandten adjectiven, grober, ungeschliffener rülz: die groben rültzen. Luther 6, 219ᵇ; wiewohl jetzund die pfaffen sagen, wir haben nichts darein zu sagen .. heissen uns grobe rülzen und knotasten. Hutten werke 5, 480; o ir groben rülzen, euer herz sölt sich freuen .. wo ir unwiszende leut überkembt, dasz ir in das wort gottes .. brüderlich mitteilet. H. Sachs dialoge 71, 24 Köhler; wie man denn wol etliche grobe rültzen findet, die sich so schendlich zieren. Freder lob u. unsch. d. frauen (titel); wie? wilt du mir die augen auszstechen du grober rültz? Rist d. friedej. Teutschland (1653) 172;
und sein die pfaffen jetzt gar hültzen
und gar viel gröber denn die rültzen.
B. Waldis Esopus 4, 83, 18;
fürwar! man findt gar selten
von solchen groben rültzen einen,
ders hertzlich und mit trew solt meinen.
98, 79;
und wart allzeit der grobe rültz.
hasenjacht B 2ᵇ;
das man nicht findt nur harte stöck,
ungschliffen rültzen und holtzböck,
die von keim ding zu sagen wissn,
denn sie han sich keinr kunst geflissn.
Mauritius vom schulwesen A 4ᵇ;
wir haben auch solche ungeschliffene rültzen in diesem groszen Marjenburgischen werder, die der teufel also eingenommen, dasz sie ungescheut sagen dürfen: wer einmal todt ist, der wird wohl todt bleiben. Hartwich landesbeschr. der dreyen werdern (Königsb. 1722) 529 bei Frischbier 2, 237ᵃ; schelm, langöhrichter esel, ungehobelter rültz. Simpl. 1, 63, 12 Keller, lesart.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. VIII (1893), Sp. 1478, Z. 18.

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Zitationshilfe
„rülz“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/r%C3%BClz>, abgerufen am 09.05.2021.

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