Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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runden, verb.

runden, verb. intrans.
vom adj. rund.
1)
rund sein, werden:
die sonn fährt in das westen-thal,
der wachsam mon fangt an zu runden.
Rompler (1647) 191.
2)
rund gehen, die runde machen, so von der militärischen runde: runden, rundieren, vigilias vel excubias orbiter lustrare, circumire. voc. von 1735 bei Schm. 2, 119; aber auch in allgemeinerem gebrauch: braune krüglein .. rundeten im familienkreise. Göthe 43, 268;
so kan ich eine ein tanzweis leren,
das ir der ars nit kan gefern
und wirt die fuesz dan runden laszen,
sam wolt sie zwei locher in himel stoszen.
fastn. sp. 240, 25;
im bilde:
also, gleichwie das jahr, weil sein end und anfang
in sich umbwendet, rund, sich niemahl gar kan enden,
mög ewer lob endlosz mit rundendem umbgang
sich über die welt stehts mit newen thon umbwenden!
Weckherlin 506.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. VIII (1893), Sp. 1510, Z. 24.

runden, ründen, verb.

runden, ründen, verb. trans.
vom adj. rund. zuerst in der participialform gerunt nachgewiesen aus einer quelle von 1496 bei Lexer mhd. handwb. 2, 538. der factitiven bildung entsprechend, eigentlich umlautend; die umlautlose form findet sich jedoch schon früher ziemlich häufig (s. die belege) und ist heute die regelmäszige geworden.
1)
im allgemeinen transitiven gebrauch.
a)
sinnlich:
schaf und rinder nun verschnaufen
auf den wiesen wolgerüst,
da der schöne säugend haufen
ründet seine flache brüst.
Spee trutzn. 240, 40 Balke;
du halfst dem ewigen den teig der monden runden.
Lichtwer 184;
bist du ohne bedacht nicht oft bei mondschein gekommen,
grau, im dunkeln sürtout, hinten gerundet das haar?
Göthe 1, 267;
schon wird der platz gerundet, wo mein könig,
als oheim, sie an seine brust geschlossen.
9, 321;
wer es (das feuer) entzündete,
sich es verbündete,
schmiedete, ründete
kronen dem haupt.
40, 382;
schon erhebt
der neue mensch sein antlitz von der erde,
voll leichter kraft, die scheinbar ihn belebt,
die arme schwellt, die breite brust ihm ründet.
A. v. Schlegel Prometheus im musenalmanach von 1798. 55.
seinen landbesitz runden: der pabst hatte zwey herrn ... gegen einander getrieben, um einige herrschaften in dem tumult zu fischen, die verlassenschaft des heiligen vaters zu ründen. Klinger 3, 19; er rundete seine güter durch ankauf und tausch. Schlosser weltgesch. 6, 452;
nun steht das reich gesichert wie geründet.
Göthe 13, 259.
b)
bildlich: alles friedliche und freundliche wird in einen leichten frohen kreis gerundet. J. Paul bei Campe unter zerrbild;
der den bund der weltseiten bündet
und das rund der jahreszeiten ründet.
Rückert (1882) 11, 399.
eine summe runden, sie zu einer runden machen (vgl. rund II, 5): das herz klopfte ihm vor freude, die summe seines schatzes zu runden. Klinger 3, 198. die sprache ründen, sie glätten, zu gröszerem ebenmasz erheben (vgl. rund II, 6):
gelehrte deutsche manner, ...
sie reichen sich die hand,
die sprache zu ergründen,
zu regeln und zu ründen
in emsigem verband.
Uhland 75.
ähnlich: er ründet auch im umgange seine perioden. Sturz 1, 2; ein gedicht, ein kunstwerk runden; es ist recht löblich ein polnischer jude seyn, der handelschaft entsagen, sich den musen weihen, deutsch lernen, liederchen ründen. Göthe 33, 41; das worauf ihr euch soviel zu gute thut, ein theaterstück so zu lenken und zu ründen, dasz es sich sehen lassen darf, ist ein talent, ja, aber ein sehr geringes. 281. eine seele runden: wenn körper seelen ründen und herzen gatten. J. Paul flegelj. 2, 128.
c)
technisch: der maler rundet seine figuren, wenn er ihnen durch vertheilung von licht und schatten u. s. w. die natürliche rundung zu geben sucht. Jacobsson 3, 470ᵃ (vgl. rund II, 7, b).
2)
reflexiv.
a)
sinnlich: an der calla entwickeln sich sehr bald die blattrippen zu blattstielen, ründen sich nach und nach, bis sie endlich ganz geründet als blumenstiel hervortreten. Göthe 55, 103;
und die rauhen stämme runden
zierlich sich in ihrer hand.
Schiller 11, 297.
freier:
wenn am gebirg der morgen sich entzündet,
gleich, allerheiternde, begrüsz' ich dich,
dann über mir der himmel rein sich ründet,
allherzerweiternde, dann athm' ich dich.
Göthe 5, 200.
b)
bildlich:
schon hat sich still der jahre kreis geründet.
Göthe 3, 101;
der kranz des daseins musz sich blühend runden.
Rückert ges. ged. 1, 326;
eh es sich ründet in einen kreis,
ist kein wissen vorhanden;
solang nicht einer alles weisz,
ist die welt nicht verstanden.
2, 377.
von künstlerischer vollendung: unmittelbar darauf werden die wahlverwandtschaften in die druckerey gegeben, und indem diese fleiszig fördert, so reinigt und ründet sich auch nach und nach die handschrift. Göthe 32, 45. der schall rundet sich zum ton:
jeder höret gern den schall an
der zum ton sich rundet.
Göthe 5, 21.
die seele rundet sich:
jede seele, die als ganzes sich harmonisch rundet, haszt!
Platen 272.
sich schlieszen und runden: ich habe diese zeit wieder viel studirt und die epoche, auf die ich hoffte, hat sich geschlossen und geründet. Göthe 29, 302. sich zum ganzen runden: man geht gar so weit, zu behaupten, sie (die neuere geschichte) ründe sich durchaus zu keinem ganzen, leite zu keinem bestimmten zwecke. Klinger 12, 146; nehmt die französische geschichte ... und seht zu, ob sie sich nicht zu einem ganzen rundet. 148;
es soll sich sein gedicht zum ganzen ründen.
Göthe 9, 112.
sich zur gestalt runden: schnell und üppig wechseln züge auf züge (in Kleists frühling), aber ohne sich zum individuum zu concentrieren, ohne sich zum leben zu füllen und zur gestalt zu runden. Schiller 10, 471.
c)
technisch (vgl. 1, c): sobald er (der maler) aber dessen (licht und schatten) bedarf, wie bei ästen und zapfen, die sich körperlich hervorthun, weisz er mit einem hauch, mit einem garnichts nachzuhelfen, dasz die körper sich runden, und doch eben so wenig gegen den grund abstechen. Göthe 39, 236.
3)
das part. prät. kommt im gebrauch oft dem adj. rund nahe.
a)
in sinnlicher bedeutung: der grosze geründete bogen schlägt tönend auseinander. Lessing 6, 463; alle meine dukaten sind schön und wohl gerundet. Klinger 1, 130; Lianens ihre (lettern) glichen nicht den gallischen sudel-protokollen, sondern der reinlichen geründeten handschrift des Britten. J. Paul Tit. 2, 55; denke nicht, dasz ich jetzt alle meine tuschschalen um mich stellen und dir das kunstlose gerundete thal durch das quadrat der kunst abzeichnen werde. Kampanerthal 18; gerundete stirn, wangen u. dgl.;
im tiefen boden
bin ich gegründet;
drum sind die blüthen
so schön geründet.
Göthe 3, 54.
b)
im bildlichen gebrauch:
... wo die liebe wirkt und gründet,
da wird die kraft der tugend offenbar,
das glück ist sicher und geründet.
Göthe 13, 312.
4)
eigenthümlich absolut erscheint das part. präs. in folgender stelle gebraucht:
jetzo brach sie gespross von der myrtenstaud' an dem fenster,
band es ründend mit seid' und kränzte dich, edle der jungfraun.
Voss 1, 136.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. VIII (1893), Sp. 1510, Z. 43.

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Zitationshilfe
„ründen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/r%C3%BCnden>, abgerufen am 07.05.2021.

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