Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

rundlich, ründlich, rundlicht, ründlicht, adj.

rundlich, ründlich, -licht, adj.
ein wenig rund, dem runden nahekommend. Dief. gloss. 501ᵃ verzeichnet runtlich als adv., rotunde, aus einer wahrscheinlich dem 15. jahrh. entstammenden quelle. ebenfalls als adv. bei Maaler 338ᵃ rundlächt, rotunde. bei Tabernaemont. begegnet rundlicht in adjectivischer verwendung: den ersten (sonnenthau) beschreibet Dodonaeus, dasz es ein kleines und nideriges kräutlein sey, hab seine blätter an kleinen stielein, aber derselbigen sehr wenig, klein und rundlicht. ausg. von 1664. 1202ᵃ; daneben rundlecht: seine (des bauernsenfs) blume ist weisz, und der same rundlecht. 853ᵇ. die form rundlicht hat sich bis in die neueste zeit erhalten: über des küsters rothbräunliches gesicht hatten sich die stärksten falten gelagert .. und zerlegten es in mehrere bedenkliche abschnitte von viereckter, rundlichter, winklichter gestalt. Immermann 1, 184 Boxberger; weit häufiger belegt ist jedoch das heute am meisten gebrauchte rundlich (die belege s. unten). selten begegnet umlaut des u (Adelung und Campe geben nur rundlich):
eilend stieg sie (Penelope) hinan die erhabenen stufen der wohnung,
nahm in die ründliche hand den schöngebogenen schlüssel.
Voss Odyss. 21, 6;
die schultern weit, die arme derb und tüchtig,
von prallen muskeln ründlich überragt.
Grillparzer 6, 31.
gebrauch. vorzugsweise im sinne von rund II, 1: hier (bei der lepas polliceps) ist nämlich, bei derselben hauptbildung, die haut des schlauches .. rauh mit unzähligen kleinen erhabenen, sich berührenden, rundlichen punkten dicht besäet. Göthe 55, 328;
dort anlehnt sich mit rundlichem dach die bescheidene wohnung
dürftiger fischer.
Platen 119ᵃ.
adverbial: weil die falten in flanellen und tüchern nur stumpf und rundlich brechen. Sturz 1, 48; der (diamant) ist rundlich geschliffen wie ein schild. Fr. Müller 3, 36. gern von formen des menschlichen körpers: eine kleine rundliche frau; rundliche wangen, rundliche arme u. dgl.; sie wollte sich, erröthend von den rundlichen wangen bis an den schneeweiszen hals, zurückziehen. Heinse Ardingh. 1, 69;
eilig faszte darauf der gute verständige pfarrherr
erst des vaters hand und zog ihm vom finger den trauring,
(nicht so leicht; er war vom rundlichen gliede gehalten).
Göthe 40, 334;
rundlich und zart vorscheinend und weisz aus bräunlichem handschuh
kühlte die rechte hand mit grünem fächer das antliz.
Voss 1, 18.
bildlich in adverbialer fügung:
rollt die stunde glatt und rundlich,
greif' ich mir die lust sekundlich
in dem wein.
Arndt 323.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. VIII (1893), Sp. 1514, Z. 36.

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Zitationshilfe
„ründlich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/r%C3%BCndlich>, abgerufen am 04.05.2021.

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