Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

rüpel, m.

rüpel, m.
ungeschliffener, grober mensch. das wort ist eine koseform des namens Ruprecht, Robert; daher Rüpel, Rüppel als familienname. als eigenname erscheint es vereinzelt: das fünfft new würd am gelben mittwoch, als der Ripel die stieg abfül mit drey schüssel eingesultzter hundsfüsz. Fischart groszm. 19 neudruck;
mein Rupel, wie bist so allein?
Ayrer 2706, 26 Keller
(vorher Ruprecht, der jung baurs knecht, geht ein). und noch mundartlich: my grüwet, sede Rüpel. Agricola sprickwörde bl. 46ᵃ nr. 105. der übergang in die appellative bedeutung vergleicht sich der entwicklung von metze, roland u. a., und lehnt sich an die volksthümliche gestalt des knecht Ruprecht (th. 5, 1394) an, vgl. Grimm myth. 472 (⁴417). Wackernagel in Germ. 5, 352. Weigand 2, 505. Kluge 286ᵇ. Hintner 180. die ableitung von franz. ribalt, ribaut bei Adelung, Frommann mundarten 6, 85, Kehrein 1, 334 hat wenig wahrscheinlichkeit. neben rüpel, oberd. rüepel begegnen ferner die form riepel Albrecht 192ᵇ, die auch in die schriftsprache eingedrungen ist, so bei Adelung und Campe, und rüppel Kehrein a. a. o.
1)
die ältest bezeugte bedeutung ist die eines ungebildeten, ungeschliffenen menschen. so verwenden es Stieler 1636 und Schottel 1389 zur erklärung von rülz (s. auch Schmid 439. Kehrein 1, 334): Stenzel liebt noch den riepel den Pegauer zum sterben. der junge Göthe 1, 74;
schaw zu wie ein so grober rüppel
hat schuͦlin an wie ein ackerbaur.
Mart. Montanus Titus u. Gisippus E 11.
2)
daher auch ungeschliffener, lustiger mensch, auch geradezu hanswurst, clown Campe, Albrecht 192ᵇ. als lustiger knecht im älteren schauspiel Germania 5, 353; wegen des clown habe ich mich nur in dem namen geirrt. der character ist auf unserm alten theater sehr gewöhnlich gewesen, und ist es unter den gemeinen komödianten im reiche noch. aber er heiszt nicht tölpel, sondern rüpel. Lessing 12, 418.
3)
liederlicher, unstäter mensch Adelung. rüpel für einen mutwilligen, unruhigen buben. Hintner 180.
4)
mit bezug auf das äuszere aussehen, ein schwarzer, unreinlicher mensch. Campe. person von schwarzer hautfarbe Schm. 2, 130. Albrecht 192ᵇ, ebenda auch für vierschrötiger bursche. in einzelnen gegenden für den schornsteinfeger, so in Schlesien Campe, und Leipzig Albrecht a. a. o.
5)
rüpel als bezeichnung des katers, wol in anlehnung an die bedeutung 3 und gleichsam als eigenname Adelung. Nemnich.
6)
mundartliche und technische bedeutungen.
a)
ein loser streich: einen rüpel machen oder loslassen. Albrecht 192ᵇ.
b)
der hohe rüpel, das ende einer holzriese. riepel aufwurf bei der hauptriese, um den schwung des herabrollenden holzes zu mindern. Schm. 2, 131, vgl. Germania 5, 353.
c)
im hüttenbau, der gewöhnliche satz von gestübe, wie er zu testen und heerden gebraucht wird. Jacobsson 3, 419ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. VIII (1893), Sp. 1528, Z. 73.

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Zitationshilfe
„rüpel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/r%C3%BCpel>, abgerufen am 09.05.2021.

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