Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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rupfen, verb.

rupfen, verb.
ausreiszen, zupfen, vellere, intensivbildung zu raufen (s. daselbst). das wort ist auf die deutschen sprachen im engern sinne beschränkt: mhd. rupfen, ropfen; mnd. roppen, niederl. ruppen Kilian, beide gewöhnlich durch ropen raufen ersetzt. ebenso in nnd. mundarten: ruppen brem. wb. 3, 560. Danneil 177ᵃ. Woeste 221ᵃ und roppen ten Doornkaat Koolman 3, 52ᵃ. Schambach 174ᵇ; dieselben formen erscheinen auch in den benachbarten mitteld. mundarten: harz. ruppen Liesenberg 188, rhein. roppen Kehrein 1, 331, hess. Vilmar 334, westerw. Schmidt 165. auf hd. gebiete begegnet ropfen neben rupfen sowol in der schriftsprache bis ende des 17. jahrh., als in den mundarten, z. b. schwäb. Schmid 435. das wort gehört mit raufen zu der wurzel, die im sanscr. als ruj, rujáti 'zerbrechen' erscheint, s. Fick 1⁴, 115, 526.
1)
ruckweise ausreiszen oder abreiszen, besonders wenn diese handlung wiederholt geschieht. ich ropff vello Alberus. so besonders
a)
haare rupfen: de sik selden kemt, de roppet de hare. Tunnicius 1137 Hoffmann; ich führt den jüngling zu jr ... alsbald sie jhn sahe, ropffet sie jhr haar. buch d. liebe 195ᶜ. gewöhnlich in der zusammensetzung ausrupfen (vgl. daselbst); das haar ausz rupffen, depilare Dasyp.; der edelmann ... fiel dem keyser in den bart, ropfft ihm ein gut theil dessen ausz. Zinkgref teutsche apophth. (1653) 1, 17.
b)
federn rupfen:
o! seufzte Reinecke! wenn diesem also ist,
so werd' ich keine feder rupfen.
Lichtwer 124.
c)
gras, blumen u. s. w. rupfen, abreiszen. gras roppen. Schambach 174ᵇ; niederhess. flachs rupfen ausraufen. Vilmar 334; so auch heu rupfen, mit einem haken aus der raufe ziehen. Hunziker 213; so wolt er kole und latiche in dem garten ropfen. städtechron. 8, 60, 11 bei Lexer mhd. handwb. 2, 554; nimm die frischen blümlein wann sie vollkommenlich blühen, ropffe von jhren stielen. Tabernaemont. 1135 K;
wie freut er sich so sehr, wenn er die bieren ropfft
vom baume, den er selbst vor dieser zeit gepfropfft.
Opitz 1, 155;
aber mein Soldan
rupfete gras auf dem weg', auch schöpft die sonne sich wasser.
Voss 2, 210.
2,
a)
sodann mit veränderter beziehung: etwas rupfen, von ihm haare, federn u. ähnl. abreiszen. ein fell, ein thier, jemanden rupfen, ihm die haare ausreiszen: an vil orten ist noch der brauch, das man sie (die schafe) rupfet (statt sie zu scheren). Eppendorf Plinius 8, 46 s. 82; wie nun Theagenes solch grausam feuwer sahe, schlug er und ropffet sein haupt. buch d. liebe 185ᵉ. bildlich: Ruodmann .. der die seinen tyrannisch leitete, und das fell zerrisz, das er nicht zu rupfen verstand. Freytag bilder 1¹⁴, 395;
die hunde begunden in (Reinhart) rupfen.
Reinhart 305 Grimm;
seh' ich perrücken,
möcht' ich sie rupfen.
Göthe 11, 146.
daher die sprichwörtliche redensart:
wer gelt nimpt, do keyns nit ist,
und rupfft mich, do myr hor gebrist, ..
der ist von kunsterichen synnen.
Murner schelmenz. 10, 2 (s. 20 neudruck).
vgl. mit einem kalen hovede is quât roppen. Tunnicius 890 Hoffmann. bildlich ist die wendung: den fuchs rupfen für: sich erbrechen (vgl. th. 4¹, sp. 334): (dasz) der jenig, so den füchs geropfet (am rande: pfaffen kotzet), als bald dasselb ohn saltz wider hinein schlucken sollen. Fischart bienenk. 203ᵇ.
b)
besonders vögel rupfen, deplumare, pennas extrahere. Frisch 2, 92ᵃ; gö͏̂s' ruppn. Danneil 177ᵃ; mhd. die gense ropfen Lexer handwörterb. 2, 554; fasanten und holztauben rupfen. Wickram nachb. 38ᵃ;
habs dir, mein trauter Hans,
rupf sie (die gans), seud sie, zreisz sie, frisz sie!
Gödeke-Tittmann liederb. s. 175 (170, 7);
sprach der lantsknecht zum wirt: mein gsell,
ge hindern ofen in die hell
und balt den armen teufel (einen hahn) nem,
rupf und lasz braten in!
H. Sachs spruchged. 135, 74 Tittmann;
ein essn vögl er her gschickt hat,
die will er helffen rupffen mir.
Ayrer 2730, 13 Keller;
da flog rechtsher ihm ein vogel,
Phöbos' schneller verkünder, ein habicht; und in den klauen
hielt er und rupfte die taub' und gosz ihr gefieder zur erde.
Voss Od. 15, 526;
da fing er an, rupft' sich den braten (der fuchs die taube).
Göthe werke 2, 205 Weim. ausg.
bildlich: und dann hatte ich wieder bedenken, unter meinem schutz und ansehn irgend einen schlechten, gerupften vogel (ein ruppig aussehendes mädchen) einzuführen. Göthe 34, 78.
c)
rupfen in dieser bedeutung wird dann in übertragenem sinne gebraucht: jemandem sein geld ablocken, durch list oder drängen. dafür auch, besonders in der älteren sprache berupfen, bonis exhaurire. Frisch 2, 92ᵃ. Schmid 440 (vgl. th. 1, sp. 1538): gestern hab'n s' mi' beim spül'n tüchti' g'rupft. Hügel 131ᵇ. dasz man darin noch die sinnliche bedeutung fühlt, beweist die wendung: er musz wolle laszen, von einem so gerupften. während man hier an das gerupfte schaf (s. 2, a) denkt, liegt in anderen wendungen das bild des gerupften vogels (der gans) zu grunde, so besonders deutlich in folgender stelle: Philargia eine von den offentlichen dirnen rupfte diesen vogel nach und nach. Harsdörfer lust- u. lehrreiche gesch. (1653) 2, 59; (der mineralgraue philosoph) gieng zwar jeden sonntag in die kirche, mausete aber seiner frau die kleider aus dem schrank ... legte sich darauf, seit die einheimischen ihn zu genau kannten, die fremden zu rupfen. Siegfr. v. Lindenb. 1, 133; wenn er damit hofleuten glich, welche fürsten wie köchinnen tauben aufblasen, um wie diese besser zu rupfen. J. Paul leben Fibels 144; da müssen die ersten herren brav geblecht haben .. nu, uns wird er (der gastwirt) vollends rupfen .. und ich möchte meine federn nicht hergeben. komet 3, 100; es würden sich geschwind genug blutsauger an dich machen und dich in allen ecken rupfen. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 2, 23; wie werden die gerupften gänse hinter uns hergacksen! Lenz 2, 164;
doch ist er an den sinnen sein
gar einfeltig, grob und auch schlecht,
als ob er sey ein pawren knecht.
darumb ist er sehr gut zu rupffen.
H. Sachs fastn. sp. 5, 33, 107 neudruck.
auch mit gewalt berauben, ausplündern, beute machen: also nemen, ziehen, reiszen, rauben, ropfen und stelen die pfaffen täglich. Schade sat. u. pasqu. 2, 24, 15;
ein jeder wurd ein anspruch han
uf uns, zuͦ rupfen, schinden und püten.
Hans Salat 209, 898 Bächtold.
in ähnlichem sinne rupfen mit sächlichem object, also an die bedeutung 1 anknüpfend, wegnehmen, erbeuten: meines Jupiters konte ich nicht losz werden, dann der commendant begehrte ihn nicht, weil nichts an ihm zu ropffen war. Simpl. 1, 274, 5 Kurz. rupfen stehlen Birlinger 378ᵇ.
3)
dann bedeutet rupfen auch nur: an etwas reiszen, ziehen, zerren, wie um es auszureiszen, ohne dasz dabei der erfolg des ausreiszens eintritt: die schläff zuͦm dickernmal mit hartz ropffen. Celsus deutsch von Khüffner (1531) 44ᵃ. so gewöhnlich intransitiv an etwas rupfen. sehr beliebt ist hier die verbindung zupfen und rupfen: ein wandt aber die den fall dräwet, daran seychen die hunde, rupfft und zupfft, und gibt jederman ein stöszlin, bisz sie auff einn hauffen fellt. Agr. sprichw. 142ᵃ; auch die starken mögen zu hunderten daran zupfen und rupfen. Bürger 183ᵇ (Il. vorr.); der sumpfige theil (Venedigs) ist mit wasserpflanzen bewachsen, und musz sich auch dadurch nach und nach erheben, obwohl ebbe und fluth beständig daran rupfen und wühlen. Göthe 27, 144. einen am rocke rupfen, zerren: der fuchs aber, sobald er in die gruͦben kam, fieng er an, den pfaffen zuͦ stupfen und zuͦ rupfen an seinem rock. Wickram rollwagenb. 82, 7 Kurz. bei den haaren rupfen: wie solt ich dich bei dem har ropffen. Eulensp. s. 12 neudr. (dafür s. 13: wie solt ich dich bei dem har ziehen). auch mundartlich ain rupfe, einen empfindlich bei den haaren ziehen. Seiler 244ᵃ; bey den ohren rupfen, auricula trahere. Frisch 2, 92ᵃ. daher auch die übertragenen verwendungen: a) necken: du kast (kannst) mi net ung'rupft laun (lassen). Wander 3, 1776. b) unpersönlich: es rupft an em ume, er leidet bald an diesem, bald an jenem. Hunziker 213. c) ropfen, ungeschickt und erfolglos an einer arbeit zerren. Schmid 435.
4,
a)
allgemeiner bedeutet rupfen auch schlagen, treffen, selbst mit geschossen verwunden:
arme und reich, oberster oder under,
wen sy ansichtig war lies sy nit hin,
sy dette in mit iren pfeylen rupffen.
meisterl. f. 23, nr. 245.
b)
so besonders sich rupfen, sich raufen, balgen (vgl. raufen 6, sp. 260), nd. sek roppen. Schambach 174ᵇ; sê roppen sük d'r um, wel 't mêste krigt. ten Doornkaat Koolman 3, 52ᵃ; wann sy gleich einandern gerupft, hetten sy demnach nit frid nemmen (ruhe schaffen) künnen. Wickram rollwagenb. 94, 14 Kurz.
c)
auch rupfen allein in demselben sinne (vgl. raufen 7). roppen mit jemand handgemein werden. Schmidt 165; dann gleich in meiner jugend ward ich von meines gleichen schüler-jungen so zerkratzt, wann ich mit ihnen ropffte. Simpl. 1, 439, 6 Kurz; derowegen kamen wir beyderseits zu scheltworten, von den worten zu nasenstübern und von den stössen zum rupffen und ringen. 3, 19, 19.
5)
dialektische und besondere bedeutungen. a) vorwerfen, vorrücken, so gewöhnlich in den zusammensetzungen aufrupfen (s. theil 1, sp. 716. Hunziker 213) und vorrupfen (Schöpf 571, vgl. Schm. 2, 131); einem jeden fal auffrupfen. Fischart ehz. 16. selten rupfen allein in demselben sinne: dann es rupfft ihnen disz jhr eigne Fortuna, und zeiget sie gleichsam mit dem finger, und führt offt ihrer gedächtnus zu gemüth. Schuppius 756. b) nd. ruppen mausern, von vögeln, an 2, b sich anschlieszend. Danneil 177ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. VIII (1893), Sp. 1529, Z. 71.

rüpfen, verb.

rüpfen, verb.,
causativ zu rupf, einen rupf thun. nur in der Schweiz gebräuchlich. 1) rippenstösze geben. 2) von reiszenden schmerzen: es rüpft mich. Stalder 2, 293.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. VIII (1893), Sp. 1532, Z. 8.

rupfen, adj.

rupfen, adj.
aus werg, stupeus, mhd. rupfîn. die form rupfin noch bei Frisch 2, 92ᵃ, jetzt besonders in oberd. dialekten verbreitet Schm. 2, 132. Lexer 212. Höfer 3, 53. Schöpf 571. Schmid 440, rupfin garn Frisch a. a. o.: ein hänffen oder rupffenes seil. Hohberg 2, 645ᵇ; östreichisch rupfana pfât hemd aus grober leinwand. Schöpf a. a. o. besonders oft rupfen tuch für grobe leinwand. Schöpf a. a. o., von rupheinem tuche, s. Schm. 2, 132: ain viech oder hausdiern sol ain jar haben zween gulden, vier elln herben und vier ellen rupfen tuech. landpot in Ober u. Nieder Beuern (Ingolst. 1516) 47ᵇ; nimb dann ein leinin oder rupffen tuech, so noch nit geblaicht. Seuter 322; hänffene oder rupffene tücher. Hohberg 2, 52ᵃ. mit zu ergänzendem subst.: quod textores faciant tres ulnas rupfein. quelle von 1256 bei Lexer handwb. 2, 255. s. Schm. a. a. o.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. VIII (1893), Sp. 1532, Z. 11.

rupfen, f. oder m.

rupfen, f. oder m.
werg, grobe leinwand aus werg. Jacobsson 7, 123ᵇ, besonders in Österreich und Baiern. als m. bei Schöpf 571. Schmid 440; als f. bei Schm. 2, 132. vergl. oben rupf, m. und rupfe, f. rupfen als spottname eines kleinen, streitsüchtigen menschen. Schm. a. a. o.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. VIII (1893), Sp. 1532, Z. 25.

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Zitationshilfe
„rüpfen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/r%C3%BCpfen>, abgerufen am 20.09.2021.

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