Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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rüster, f.

rüster, f.
ulmus campestris (vgl.ulme, f.). diese bezeichnung des bekannten baumes ist ursprünglich speziell hochdeutsch. rüster vergleicht sich bildungen wie ahd. aphaltera, affoltera, affoltra, apholter (malus), hiufaltar u. ä. gramm. 2, 530 und ist gewisz alt, obgleich ältere belege für rüster fehlen (rüster J. Wigand catal. herbarum in Borussia nasc. 1580, s. 88). früher bezeugt ist die zusammensetzung des ersten bestandtheiles mit baum und holz: ruʒboum ulmus ohne quellenangabe bei Graff 2, 866. später gewöhnlicher mit einschub eines t rüst-, rustbaum: rusz-, ruster-, ruͦst-, rystenbaum Diefenb. 625ᵃ, rüsterholtz ebenda, rüstbawm nov. gl. 384ᵃ, aus hochdeutschen quellen. Kilian hat rustboom, das er als hoch- und niederd. bezeichnet. in rusterbaum, rüsterholz ist wol unser rüster bezeugt, ebenso wie rüstenbaum auf rust, ruost zurückweist, das als benennung von ulmus früh begegnet (vgl. die glosse ruͦst in zeitschr. f. d. alterth. 9, 390) und später neben den übrigen namen des baumes fortlebt, ruszbaum bestätigt die ahd. glosse ruʒbaum. rüstbaum, ulnus Dasyp. ruͦstbaum, rysenbaum, ulmus. Maaler 338ᵈ. πτελέα, ulnus rüstbaum. Frischlin nomencl. (1586) 33ᵇ. germ. rustholz, rustbaum, ulmbaum belg. olmen Dodon. stirp. hist. pempt. (Antverp. 1583) 825; nit in marmor, sonder auf olmen oder rüstbaumründen. Fischart Garg. 32ᵇ; rüsten, aspen, eschen. Sebiz 59, rustbaum Tabernaemont. 1394 D ff. rustbaum ulmus Stieler 115, rüstbeumenbast, ulmeum 157, ulm, der alias ulmbaum, ilmenbaum et rustbaum 2383. rüstebaum, rüezbaum, rüstholz, rüsche, rust. Nemnich 2, 1519, der rusten, die russel Höfer 3, 54, vergl. Schm. 2, 163. 157. Pritzel - Jessen 419 ff. Frisch 2, 138ᶜ hat rüster; rüstbaum ist ihm veraltet. Adelung bezeichnet rüster noch als landschaftlich, das jetzt neben ulme durchaus schriftgemäsz geworden ist: durch eine von hohen rüstern gemachte allee. irrgarten 421; einzelne reihen hochstämmiger eschen oder knorrichter rüstern, zu beiden seiten der alten grenzgräben gepflanzt, faszten einen theil der kornfelder ein. Immermann werke 1, 142;
nebelgrau
webt im thau
elfenreigen, dort wo rüstern
am druidenaltar flüstern.
Matthisson ged. 115;
die winde wehn und flüstern
im laub erhabner rüstern.
Platen 18ᵃ.
belege aus der älteren litteratur für rüstbaum: nit wirt ufhoren zuͦ süfzen die turteldub von dem hohen luftigen rüstboum ulmus. J. Adelphus Mülich das hirtenb. Virgilij 5ᵇ;
wie sich zusammen reimen
neglin und roszmarein,
weinreben zu rüstbeumen.
P. Denaisius bei Opitz (1624) 167;
seht, wie der eppich kan die grünen armen schlingen,
ringt üm den rûstbaum her.
P. Fleming ged. 152 (1666).
die rüste:
ergreifft er einen strick, und wirfft jhn der Gabrinen
zu hals', und hengt sie auff, es must jhm darzu dienen
ein alte dicke rüst.
Dietr. v. d. Werder ras. Roland 24, 44.
in der ahd. glosse ruʒboum scheint der charakterisierende bestandtheil von rüster in seiner ursprünglichen form gewahrt zu sein; er wird am natürlichsten zu dem gemeingermanischen verb. ags. reótan, altn. rjóta, ahd. riuʒan, mhd. rieʒen, flieszen, flieszen lassen gestellt. sehr treffend würde die rüster als der triefende, flieszende baum bezeichnet; die blätter der rüster bedecken sich im frühjahr massenhaft mit kleinen von blattläusen (s. unter rüstergalle) herrührenden bläschen, die mit flüssigkeit gefüllt sind. diesem sog. rüstersaft wurden grosze heilkräfte zugeschrieben: man pfleget im junio den safft zu sammlen, welcher in den knöpfflein gefunden wird ... wer einen weydbruch am gemächt hat, dem soll man leine tüchlein in diesem safft netzen und überlegen ... etliche rühmen diesen safft hoch, die frische wunden damit zu heylen ... das angesicht darmit bestrichen, soll es schön und klar machen. Tabernaemontanus 1395 F und G.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1548, Z. 35.

rüster

rüster,
für riester (s. dieses).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1549, Z. 23.

rüstern, adj.

rüstern, adj.
ulmeus Frisch 2, 138ᶜ. in gleicher bedeutung und ebenso von rüstbaum (s. oben rüster) gebildet: rüstbäumin, ulmeus Frischlin nomencl. 33ᵇ (1586).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1549, Z. 49.

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Zitationshilfe
„rüstern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/r%C3%BCstern>, abgerufen am 07.05.2021.

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