Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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ritze, f.

ritze, f.
rima, scissura.
I.
Formales. das wort erscheint zuerst im 15. jahrh. (Dief. nov. gloss. 319ᵃ); die mittel- und niederd. formen rissze, rysse (Dief.-Wülcker 821) und risse (Schiller-Lübben 3, 490ᵃ) gehören zu risz (s. dort); dän. ridse, fehlt bei Dasypodius und Kramer; ritz f. Schottel. Stieler 1595 scheint den schwachen plur. ritzen noch nicht zu kennen. im ahd. und goth. unbelegt; ritze erscheint als eine junge nebenbildung zu ritz, und dieses wiederum erst von dem verb. ritzen abgeleitet, s. oben unter ritz. auch über die bedeutung von ritze wurde dort gehandelt, so dasz nur noch erübrigt, die belege anzuführen.
II.
Bedeutung.
1)
kunstausdruck der bergleute (s. oben unter ritz); zweifelhaft im folgenden, wo auch das masc. vorliegen kann: und man hawet, filbet oder bildet mit pillen und ritzeisen ein ritz, und setzet keyl und plotz, und fidert oder ketzert die ritz ausz mit fimmeln und federn. Mathesius Sar. (1571) 138ᵇ. sicher dagegen: eine ritze oder eingehauene runst. Sperges (1765) bei Veith bergwb. 384.
2)
im sinne von sonstigen länglichen öffnungen aller art ist ritze häufig überliefert: umb diese zeit (1555) kamen die groszen hosen auf, schlodder- oder durchzogene hosen, wurden gemacht von 6 ellen englischen tuch und 99 ellen karteken durchgezogen, hatten vorn eine grosze ritze, auch kraus mit karteken durchgezogen, das bisweilen ganz schändlich liesz. Hildesh. chron. in Spangenbergs neuem vaterländ. arch. (1827) 1, 295; .. so fand, dasz der berühmte geschichtschreiber Johannes Leznerus in seinem Pleszischen stammbuche, von diesem brunnen die wahrheit geschrieben, wenn er meldet, dasz derselbe unten am grunde nicht allein viele grosze scharten, ritzen, winckel, lücken und gänge hätte, sondern dasz man daselbst weit zur seiten gehen könnte, und aus den scharten und ritzen das schönste wasser in den brunnen hinein und aus einigen zum theil wieder heraus flösse. Plesse 1, 19; sie eilte und fand auf dem gewohnten wege bald die ritze, durch die sie in das heiligthum zu schleichen pflegte. Göthe 15, 218; (ich hörte) den seufzenden windlaut durch die rizen des thurms. Schiller räuber 4, 5 schauspiel;
locket dich der Maja sohn
in Cyllene rizen
von des Pindus spizen?
R. v. Freientahl 58;
des zimmers warme luft
befördert ihren (der wurzeln einer im wasser blühenden hyacinthe)
trieb sich weiter auszudehnen,
wie eine holde reih von perlenweiszen zähnen,
wenn sie der erste druck aus ihren höhlen stöszt,
bey einem zarten kind sich allgemach entblöszt:
nicht anderst drangen sich der zasern erste spitzen
durch den geschwellten kiel aus hundert kleinen ritzen;
und füllten nach und nach, gleich einem dichten strausz
verwirrt, doch angenem, den raum des glases aus.
Drollinger 67;
das heiszt emsig! es scheint der helle morgen in's fenster,
alle ritzen und spalten sind seines weiternden lichts voll;
und wir schnarchen!
Herder 14, 141;
gold in blättchen, gold in flittern
durch die ritzen seh' ich zittern.
Göthe 41, 138;
wer zerrisz das heiligthum,
zeigte dir elisium
durch des grabes rize?
Schiller 1, 242;
nimmt (Ceres) von ihres kranzes spitze
einen kern, mit kraft gefüllt,
senkt ihn in die zarte ritze,
und der trieb des keimes schwillt.
11, 295;
aber wehe dem mörder, wehe,
der dahin geht in thörigtem muth!
hinab, hinab in der erde ritzen
rinnet, rinnet, rinnet dein blut.
14, 93;
es weiche keiner von dem sitze —
dies heilige gesetz steh' fest!
solange uns der tonne ritze
noch einen tropfen flieszen läszt.
Arndt 48.
in kühner wendung für die lichten stellen zwischen den ästen und zweigen eines waldes:
purpurisch zuckt durch düstrer tannen ritzen
das junge licht, und äugelt aus dem strauch.
Schiller 8ᵇ, wo in der anthologie (1, 304 Gödeke) gestanden hatte durch düstre tannenrizen.
3)
über ritzen als kuhname s. oben unter ritz. sprichwörtlich in redewendungen aus Preuszen: auf die ritze hauen, glück haben beim kartenspiel. wer mit der fuge der tischplatte in einer richtung sitzt, also beim ausspielen 'auf die ritze haut', pflegt nach der volksmeinung zu gewinnen. Frischbier 1², 3149; er ist in die ritze geschorrt (spurlos verschwunden) 3150; längs der ritze gehen, zum zeichen, dasz man noch nicht betrunken. 3151. letztere redensart wol allgemein in Deutschland üblich.
4)
die zusammensetzungen mit ritze sind zahlreich und können stets vermehrt werden: erdritze, felsritze, fensterritze, mauerritze, tischritze, thürritze, steinritze, wolkenritze u. s. w.;
... und auf nichts hast acht,
als dasz du recht viel beerlein haschest
aus grabes brunnenritzen naschest.
Rückert 69.
5)
ob hierher zu ziehen das diminut. rizeli (rima im sinne von cunnus?) scheltwort für ein arges mädchen in Basel. Spreng bei Seiler 240ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1891), Bd. VIII (1893), Sp. 1081, Z. 24.

rutze, rütze, f.

rutze, rütze, f.,
verschleimung. s. oben rotze sp. 1327.
1)
pituita: zitwar nimpt im di rüctzen umb prust. Schm. 2, 196.
2)
rotznase:
wart, das ich dir eins in die rutzen geb!
fastn. sp. 38, 21.
3)
im hannöv. nach dem brem. wb. 3, 556 ein kleines mädchen etwa unter 7 jahren; s. unten rützel und rützing.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1572, Z. 34.

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Zitationshilfe
„rütze“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/r%C3%BCtze>, abgerufen am 14.05.2021.

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