rasse f
Fundstelle: Lfg. 1 (1886), Bd. VIII (1893), Sp. 143, Z. 39
thier- oder menschenart. lehnwort aus dem franz. race (welches aber selbst mit ital. razza, span. portug. prov. raza, stamm, geschlecht vom deutschen reiʒa, linie, strich stammt, wie auch das aus dem franz. eingeführte engl. race noch strich und geschlecht bedeutet, vergl. Diez wb. der rom. sprachen 1, 343 fg.), erst in der zweiten hälfte des vorigen jahrh. übernommen, anfänglich in der französischen schreibart, die selbst jetzt noch zum theil angewendet wird, bald aber auch in der auf die deutsche aussprache gegründeten schreibung rasse, die jetzt die übliche wird; in bezug auf thiere: unter den erblichen verschiedenheiten der thiere, die zu einem stamme gehören, heiszen diejenigen, welche sich sowohl bei allen verpflanzungen in langen zeugungen unter sich beständig erhalten, als auch in der vermischung mit andern abartungen desselben stammes jederzeit halbschlächtige junge zeugen, racen. Kant 10, 26; der begriff einer race enthält erstlich den begriff eines gemeinschaftlichen stammes, zweitens nothwendig erbliche charaktere des klassischen unterschiedes der abkömmlinge desselben. 57; höchstens ein dutzend kühe sind brauchbar ... das ganze ist schlechte race. Freytag soll und haben 2, 24; gute, reine, edle rasse;
ja, ja, ihr lauft so auf der liste mit!
wie dachs und windspiel alle hunde heiszen;
die eigne race aber unterscheidet
den schlauen spürer, den getreuen wächter,
den flüchtgen jäger.
Schiller Macbeth 3, 4;
(der Bernhardiner hund) nicht wachtelhund, nicht dogge ganz,
halb Spaniens, halb Englands race,
ists eine eigne edle klasse.
A. v. Droste-Hülshoff ged. 321;
in bezug auf menschen wird das wort von Herder zur philos. 4, 180 als ein unedles gekennzeichnet, s. die stelle unter menschenrasse th. 6, 2064, im derben sinne wenigstens steht es später:
wachtmeister. ja, ihr gehört auch so zur ganzen masse.
erster jäger. ihr seid wohl von einer besondern rasse?
Schiller Wallensteins lager, 6. auftr.;
und auch jetzt noch, wenn von guter, kernhafter, fester rasse, auf rasse halten gesprochen wird: für einen anfänger war ihr debüt gar nicht übel. ich sehe, es ist race in ihnen. Freytag soll und haben 1, 109; trotz ihrer (der frau) wehrlosigkeit steckt etwas heroisches in der gestalt. der wahlherr hat diesmal wirklich auf race zu halten gewuszt! G. Keller sinnged. s. 153; ja sogar verächtlich: sorge du für verproviantirung der race (arbeiter mit weibern und kindern sind gemeint). Freytag soll und haben 2, 224; andererseits jedoch mit wissenschaftlichem klange: rassen der menschen, der völker; es giebt keine race, welche so wenig das zeug hat, vorwärts zu kommen .. als die slavische. Freytag soll und haben 1, 384.
Zitationshilfe
„rasse“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/rasse>, abgerufen am 12.12.2019.

Weitere Informationen …