rauben verb
Fundstelle: Lfg. 2 (1886), Bd. VIII (1893), Sp. 218, Z. 55
praedare, rapere, diripere. ahd. roubôn, mhd. rouben (mit der nebenform reuben, die auf ein ahd. rouban zurückweisen würde: hiute werdent die altere bereubet. Germ. 7, 335); alts. rôƀôn; ags. reáfian, engl. reave in bereave; fries. râvia, râva; altnord. reyfa, schwed. röfva, dän. röve; goth. raubôn wird durch biraubôn ἐκδύειν Luc. 10, 30, ρυλᾶν 2 Cor. 11, 8 bezeugt. das uralte gemeingermanische wort schlieszt sich in der entfaltung seiner bedeutung seinem subst. raub genau an. es steht
1)
als kriegerwort, im sinne von plündern, beute machen, durch friedlichen überfall entreiszen (vgl.raub 2, a. 3, a): roubôn, roubô despolio Graff 2, 358; predare rauben, roben, nd. roven Dief. 453ᵃ; spoliare rauben, roben 548ᵃ;
dô hûb sich mit den sînen
brûdern und pilgerînen
meister Cûnrât ûf die vart
hine kein Semegallen wart ..
dô daʒ her quam in daʒ lant,
er roubete und slûc zû hant
waʒ er mochte begrîfen.
livländ. chron. 7306;
nhd. bis ins 17. jahrh., in verschiedener fügung; absolut: auf das du rauben und plündern mügest, und deine hand lassen gehen uber die verstöreten, so wider bewonet sind. Hes. 38, 12; du seiest recht komen, zu rauben, und hast deine haufen versamlet zu plündern. 13; und wirds also ausrichten ... mit rauben, plündern, und ausbeuten, und wird nach den aller festen stedten trachten. Dan. 11, 24; die kriegsleute hatten geraubt ein jglicher fur sich. 4 Mos. 31, 53;
im krieg wolt ich der fraidigst sein (spricht der kriegsmann),
hab mein dail oft genümen ein,
wo ich loff auf die pewt und raubt.
H. Sachs fastn. sp. 6, 77, 353;
mit persönlichem acc. einen rauben, einen plündern, ausplündern: so ergrimmet denn der zorn des herrn uber Israel, und gab sie in hand dere, die sie raubten. richt. 2, 14; ich und die meinen halten und leren friede, der bapst mit den seinen krieget, mordet, raubet, nicht allein seine widerwertigen, sondern .. auch die unschüldigen. Luther 4, 437ᵇ; auf einen rauben: warf sich sein bruder Simon Matern den Dantzigkern zum feinde auf, raubete auf sie, wo er könte. Micrälius alt. Pomm. 3, 494; mit sächlichem acc. etwas rauben: und die kinder Israel namen gefangen die weiber der Midianiter und jre kinder, alle jr vieh, alle jre habe, und alle jre güter raubten sie. 4 Mos. 31, 9; und es war der ubrigen ausbeute, die das kriegsvolk geraubet hatte, sechs mal hundert und fünf und siebenzig tausent schafe. 32; so raubet nu silber, raubet gold, denn hie ist der schetze kein ende, und die menge aller köstlichen kleinoten. aber nu mus sie (die stadt Ninive) rein abgelesen und geplündert werden. Nahum 2, 10; und Antiochus hat die festen stedte in Egypten eingenomen, und gros gut geraubet und davon bracht. 1 Macc. 1, 20;
der krieg verderpt euch oft vil pas,
wen man schlösser und stet gewint,
all euer hab raupt und verprint.
H. Sachs fastn. sp. 2, 31, 168.
der unverfängliche sinn aber, den das wort in dieser bedeutung bewahrt, wird je später je mehr von dem strafrechtlichen (unten 2) beeinträchtigt, rauben musz als nicht entehrend vertheidigt werden:
reiten und rauben ist keine schande,
das thun die besten hoffeleut im lande.
Peters des Teutschen weiszheit (1605) S ss 1ᵇ;
doch fällt trotz dieser versicherung auf das wort ein makel, um so mehr als für den kriegerischen begriff nun beute machen, erbeuten aufkommt (vgl.raub 3, a a. e.). jener makel war von alters her durch gelegentliche zusammenstellung mit stehlen angedeutet, Notker schreibt aus dem munde eines armen mannes: uuanda ih nieht ne habeta, be diu stal ih. der rîcho roubot, unde ne uuile daʒ is sâr ieman geturre geuuânen (sich darüber aufhalte). ps. 72, 7, das sittliche des rechts ist damit in frage gestellt; und im 17. jahrh. ist er ausgebildet, wenn man da rauben durch beute machen beschönigend ersetzen will:
sih an das wörtlein beut und seinen frischen brauch.
was feinden wird entwehnt, dasz heisze, meinstu, beute?
nein, was der bauer hat und was die edelleute,
auf straszen was man stielt, ausz kirchen was man raubt,
disz hat das wörtlein beut, an freund und feind erlaubt.
Logau 1, 66, 67,
von den wahllos plündernden kriegsvölkern seiner zeit, namentlich den Schweden, den rauben im schärfsten sinne vorgeworfen ist:
alles inselt von dem vieh, das jhr raubtet durch das land,
asche von gesammtem ort, den jhr setztet in den brand.
2, 86, 38;
auf dem meer rauben, mare infestum habere Maaler 325ᵇ; kompt mir der jenige meerräuber zu muth, welcher mit einem einzigen schifflein raubete, und derohalben verschreit war, da Alexander unter diesem die ganze welt mit völliger schiff-armada überzohe, und dessentwegen der grosze könig genent wurde. Schuppius 749.
2)
im strafrechtlichen sinne erscheint rauben schon früh: si quis in via alterum adsalierit et eum raubaverit. lex sal. 20, 10; der begriff bildet sich schärfer aus mit der ausbildung des begriffes vom staate und von der pflicht des letzteren, seiner glieder frieden und eigenthum zu schützen. rauben in dem angegebenen sinne steht
a)
absolut: das, weil alle welt zum schwert, rauben und mord lust hat, einmal einer keme, der jr mordens und raubens gnug gebe. Luther 4, 437ᵃ; das volk im lande ubet gewalt, und rauben getrost, und schinden die armen und elenden. Hes. 22, 29; auch wil ich zur selbigen zeit, die heimsuchen, so uber die schwelle springen, die jrer herrn haus füllen mit rauben und trigen. Zephanja 1, 9; wo rauben, brennen, todschlagen ein tägliches handwerk ist. Chr. Weise erzn. 224 Braune; sie rauben und stehlen, praedantur et furantur. Steinbach 2, 225; sie rauben auf den straszen, in viis publicis latrocinantur. ebenda;
(du reichthum) hast auch der neider vil darbei,
die dir gar heimelich zu setzen,
an ehren, leib und gut zu letzen
mit stelen, rauben und vergeben.
H. Sachs fastn. sp. 1, 31, 299.
b)
mit sächlichem acc.: es müsse der wucherer aussaugen alles was er hat, und frembde müssen seine güter rauben. ps. 109, 11; sie rauben die herde und weiden sie. Hiob 24, 2; umbzubringen alle Jüden beide jung und alt, .. und jr gut zu rauben. Esther 3, 13; etwas von eines andern gelde rauben, de nummis alicujus praedari. Steinbach 2, 225;
nichts ist heilig ihm (dem fliehenden) mehr; er raubt es.
Göthe 40, 292;
auch auf eine geraubte person gehend, in verbindung mit stehlen, beide verben auf einen acc. bezogen:
wie konnten räuber aus des klosters mitte
die wohlverschloszne heimlich raubend stehlen?
Schiller braut von Mess. v. 1603;
ein imperativer name für einen straszenräuber:
Czwickenwürfel und Raubdietasch.
fastn. sp. 1290;
mit sächlichem acc. und persönlichem dat.: wie kan jemand in eines starken haus gehen, und jm seinen hausrat rauben? Matth. 12, 29; es kan niemand einem starken in sein haus fallen, und seinen hausrat rauben. Marc. 3, 26.
c)
seit alters häufig mit persönlichem acc. einen rauben, wie heute einen berauben:
waʒ wânist themo irgange,   ther anderan roubôt thanne?
Otfrid 5, 21, 10;
der den man slêt oder vêht, oder roubet oder burnet .. den (plur.) sal man die houbete abslân. Sachsensp. 2, 13, 5; er hat ja noch keinen mord noch ehebruch gethan, niemand gestolen noch geraubt, noch gott gelestert. Luther 6, 232ᵃ; und die menner zu Sichem bestelleten einen hinderhalt auf den spitzen der berge, und raubeten alle die auf der straszen zu jnen wandelten. richt. 9, 25; es rauben jn alle die fur uber gehen. ps. 39, 42; die ubrigen meines volks sollen sie rauben. Zephanja 2, 9; die geraubte sache stand im genitiv (vgl. dazu unten 5, e):
daʒ ich iuch genzlich rouben wil
des guotes, des ir hânt ze vil.
Boner edelst. 94, 49;
eine imperative bildung als schelte:
du fegenpeutel, du raumslant, pubenstrigel,
du lerenschrein, zuckszschwert, du raubengast.
fastn. sp 254, 31.
d)
auch einen um das seine rauben, durch rauben bringen; ferner kirchen u. ähnl. rauben, wo der acc. im sinne des persönlichen (c) gebraucht ist: alle morder, dy uf dem velde leute um daʒ irr raubin und nicht intsait habin (ohne fehde angesagt zu haben, vgl. oben 1), und dy molin und kirchin und kirchobe raubin, sol man radebrechin. Magd. blume 2, 5, 2; die kirchen rauben und entplündern, despoliare templum Maaler 325ᵇ;
swer nû kan tac unde naht hûs unde strâʒen rouben.
minnes. 3, 57ᵃ Hagen.
3)
ein mädchen, eine frau rauben, sich in ihren besitz setzen, vornehmlich um sie zu ehelichen, ohne des leibherren erlaubnis und ohne die gesetzliche abfindungssumme zu erlegen. Lexer mhd. wb. 2, 511 (der gegensatz die braut kaufen, vergl. th. 5, 327 fg.); wenn ain frow ab den obgenanten gotszhüsern Thanegg oder Vischingen gerobt würt. weisth. 1, 282 (Thurgau, von 1432); dieser raub aber war in gewissen gegenden unter leibeigenen zu einer allgemeinen sitte geworden, welcher die leibherren nachsahen, sobald eine busze dafür (die wieder das alte lösegeld ersetzte) erlegt wurde: vas ain ieder bisz uf dato geroubet, das soll geroubet sein und darbei bleiben, und die kinder, so ausz denen personen, so also geroubet sein, erboren, nit wider hinder sich der bösern hand nachschlagen, sonder der bessern hand nachvolgen. so und wann aber in künftigem ainer ain weibsperson roubet, so soll er dem herrn, dem er si abgeroubet hat, drei batzen und ain par hendschuoch oder 18 D darfür in ainem jars frist ... erlegen und damit den roubschiling bezalen und sich dardurch irem herrn anzeigen, wie er si die weibsperson von ainem stift oder gotshaus an das ander geroubet. weisth. 5, 736 (Konstanzer urkunde von 1560); wann ouch aine ainmal geroubet würde, und uberkäme bei dem mann, der si also geroubet hete, kinder, und sturbe der man vor ir ab, und es roubet si ain anderer mann widerumb von disem stift oder gotshaus an ain anders hinweg, so sollen die kind erster ehe dem ersten herrn gehören. ebenda; vgl. dazu raub 2, c. ohne diesen rechtlichen bezug: die kinder Ben Jamin thaten also, und namen weiber nach jrer zal, von den reigen (von den zum tanz gekommenen), die sie raubten. richter 21, 23;
halt an! halt an! du ehrendieb!
mit deiner losen beute!
herbei vor meinen klingenhieb!
dann raube wieder bräute!
Bürger 54ᵃ.
4)
rauben, von wilden thieren (vgl.raub 2, c. 3, c): ain iegleich vogel, der væht oder raubt, der væht anderlai vogel wan seines geslähtes. Megenberg 165, 8; ain iegleich raubent vogel vertregt seinem gesläht, sam ain habich aim andern habich und ain falk aime andern falken. 208, 5; der lewe ist umbkomen, das er nicht mehr raubet. Hiob 4, 11; wie ein brüllender löwe, wenn er raubet. Hes. 22, 25; der lewe raubete gnug fur seine jungen. Nahum 2, 13; diese (neuntödter) rauben allerhand kleine vögel. Göchhausen not. venat. (1741) 152; verschiedene miszlungene versuche des wolfs, .. des gefährlichen raubens künftig müszig gehen zu können. Lessing 5, 409; von den bienen (vergl. dazu raub 3, d):
schau, die bienlein ernstlich hausen,
rauben, klauben hönig ein.
Spee trutzn. 74, 32 Balke;
o wol, wie friedlichs rauben,
wie süszer blumenkrieg!
in hönig, musz ich glauben,
verwendt sich aller sieg.
94, 69.
5)
rauben, in freierer bedeutung und mancher abstufung des sinnes.
a)
gewaltsam und habsüchtig entziehen, in nächster anlehnung an 2: du sprichst, man solle nicht ehebrechen, und du brichest die ehe, dir grewelt fur den götzen, und raubest gott was sein ist. Röm. 2, 22; wer hat sie gelehrt solchen gewalt, der ihn (ihnen) nicht gebührt, zu sich zu rauben? Luther br. 4, 634; wenn du ein glück hast, so theilen sie es mit dir; wenn du ein unglück hast, so begnügen sie sich dir zu rauben, was noch übrig ist. Pestalozzi 12, 36;
ihr losen schelmen allgemein,
treibet so grosze büberei
mit geiz und listen allerlei,
thut gelt und guth von leuten rauben,
wenn sie thun ewren lügen glauben.
L. Sandrub kurzweil 182;
wenn meiner söhne éiner
euer erbtheil euch zu rauben
je gedenkt, dem geb ich meinen
schwersten väterlichen fluch.
Herder z. litt. 5, 111.
b)
gewaltsam wegnehmen, als edlerer ausdruck: das sie stark sind, und zorniges gemüts, wie ein beer, dem die jungen auf einem felde geraubt sind. 2 Sam. 17, 8; was kümmert es die löwinn, der man die jungen geraubet, in wessen walde sie brüllet? Lessing 2, 158;
stolz auf die edle that,
dasz ich das bild geraubt, betret ich kühn den pfad,
der zu dem tode führt.
Cronegk 1, 309;
so legt die taube noch ein doppelt laster
mit ehrner noth mir auf: das heilige,
mir anvertraute, viel verehrte bild
zu rauben, und den mann zu hintergehn ..
Göthe 9, 77;
fühlt, so lang es gott erlaubt,
kusz und süsze trauben,
bis der tod, der alles raubt,
kommt, sie euch zu rauben.
Hölty 198;
ist es wahr,
dasz mir éin tag zwei söhne rauben soll?
Schiller braut von Mess. v. 2668;
die welt wird nie das glück erlauben,
als beute wird es nur gehascht;
entwenden muszt dus oder rauben,
eh dich die miszgunst überrascht.
das geheimnis;
mit mächtigem gefieder
er (ein falke) in die luft sich schwang;
da wollten seine brüder
ihm rauben den goldenen fang (einen ring).
Uhland ged. 294;
entziehen, von einem geliebten, bräutigam oder braut: dir, redliches kind, soll ich deinen liebsten rauben? Gellert 3, 188; aber ihnen sollte ich ihre braut rauben? Cronegk 1, 141; ungewöhnlich dagegen einem die hand rauben, ihn in den ehestand ziehen:
wenn aber einst, durch seine schöne seele
ein junger mann dein herz dir stöhle,
und du — für deinen werth, ein klein
geschenk, so grosz es ist! — die hand ihm raubest:
je tugendhafter du ihn glaubest,
je glücklicher wirst du als gattin sein.
Gökingk 3, 187;
aber angelehnt an die formel einem das herz rauben, in liebe zu sich ziehen:
arme schönen! wo sind nun die grübchen,
wo die scherze saszen
und die herzen raubten?
Hölty 53 Halm.
c)
gern einen kusz, ein mäulchen rauben, einen nicht gegebenen nehmen:
ach nur wäre mir erlaubet,
zu gemelter herben stund
ich doch einen kusz geraubet
hätt von deinen lefzen wund.
Spee trutzn. 201, 115;
die weste flüsterten vertraut,
und raubeten den veilchen,
wie der geliebte seiner braut,
auf jeder wiese, mäulchen.
Hölty 24 Halm;
fröhlich raubten sie dem vater küsse
von den braunen wangen.
51;
(ich) raubt ihr bebend den ersten kusz.
116;
küsse geben, küsse rauben,
ist der welt beschäftigung.
140;
und sonst rauben, im liebesgetändel:
der liebsten band und schleife rauben,
halb mag sie zürnen, halb erlauben,
euch ist es viel.
Göthe 1, 48.
d)
rauben, stärkeres nehmen, von inneren gütern, eigenschaften: nein, ich fühle mein unglück zu sehr, als dasz ich mir selbst diese letzte einzige versüszung desselben rauben sollte. Lessing 2, 8; das bedürfnis, zu gefallen, unterwirft den mächtigen des geschmackes zartem gericht; die lust kann er rauben, aber die liebe musz eine gabe sein. Schiller hist.-krit. ausg. 10, 381;
hab ich doch   Christum noch,
wer will mir den nehmen?
wer will mir den himmel rauben,
den mir schon   gottes sohn
beigelegt im glauben?
P. Gerhard 122, 4;
geduld kömmt aus dem glauben
und hängt an gottes wort;
das laszt sie ihr nicht rauben.
268, 35;
ja! führe diesen streich, lasz uns der wuth entfliehn,
eh man die macht uns raubt, ihn künftig zu vollziehn.
Cronegk 1, 223;
die tugend, die vernunft bracht erst mein herz zum glauben;
in dem erzog ich dich; und diesen uns zu rauben
ist niemand stark genug.
285;
mit recht schrieb jener thor, der sonst sich reich geglaubt,
als ihm der freunde fleisz den süszen wahn geraubt:
ich habe wahn und glück zugleich durch euch verloren.
2, 110;
Sejan findt nicht die ruh, die er doch andern raubt.
140;
ich fühlte, wie ihr reiz mir alle freiheit raubte.
Gellert 3, 113;
und (ich) trinke jedem fürsten fluch,
der uns die freiheit raubt.
Hölty 169 Halm;
der gang, den sie durchs lager heut mich führten,
raubt meine hoffnung mir, mit der ich kam.
Schiller Piccol. 1, 3;
musz ich der brust den kühnen muth nicht rauben?
Körner werke 2, 122;
was sich unsterblich mir verkündet,
das halt ich fest mit männermuth,
und kein despot soll mir es rauben.
Arndt ged. 97;
so sehr ihm furcht die sinne raubt.
A. v. Droste-Hülshoff ged. 295;
das leben rauben:
du bethest noch für mich?
für mich, die dich verfolgt, die dir das leben raube?
Cronegk 1, 349;
den athem, die sprache rauben:
(sie) vergiftet dir das blut, und raubet dir
den freien athem.
Herder zur litt. 3, 57;
so viele schläge, unvorgesehn, auf einmal,
zerschmettern mich und rauben mir die sprache.
Schiller Pnädra 4, 2;
einem seine zeit rauben:
wo kein verwirrter stosz unsinnger folianten ..
die edeln stunden raubt.
Cronegk 2, 141;
interesse, vorwand rauben: die verschrobenen ideen aller über liebe und ehe, um welche die ganze handlung sich dreht, rauben der wirklich poetischen anlage des ganzen .. alles interesse. Arnim Hollins liebeleben 21 Minor;
dieser eitle trotz wird schnell
verschwinden, wenn man ihm den vorwand raubt.
Schiller Maria Stuart 1, 8;
den glanz, die schönheit rauben; dafür:
denn geht ihr nicht aus allen leidensproben
als eine königin hervor? raubt euch
des kerkers schmach von eurem schönheitsglanze?
Maria Stuart 1, 6,
mit nur verstandenem object etwas oder irgend etwas; die aussicht, den anblick rauben; in solchem sinne auch einen rauben, ihn dem anblicke entziehen: das gebüsche raubte sie mir wieder. ich erwartete lange, lange, sie wieder hervorkommen zu sehen, aber vergebens. hist.-krit. ausg. 4, 339; verschieden einen einem andern rauben, entziehen, verhindern dasz er in dessen gewalt komme:
um dich dem tod zu rauben,
verbirg dein christenthum.
Cronegk 1, 341.
e)
auch hier in älterer sprache einen einer sache rauben, wie oben 2, c:
si roubet mich der sinne mîn.
minnes. frühl. 40, 22;
itzt müssen deine stralen
das blaue schöner mahlen,
uns rauben desz gesichts.
Fleming 332.
f)
rauben statt entziehen vielmehr an sich ziehen, an sich reiszen bedeutend: das menschliche geschlecht ... welches seinem müsziggang und auszschweifung, ja boszheit, den theuren namen desz elends vorsetzet, und der guten mitleiden raubet. Schuppius 749.
6)
rauben, bergmännisch:
a)
nach erfolgtem abbau eines bestimmten feldestheils die zur unterstützung der firste eines baues angebrachte zimmerung sowie das an der firste etwa noch stehen gelassene nutzbare mineral hinwegnehmen und demnächst den bau zusammen brechen lassen.
b)
mittels raubbaues gewinnen.
c)
in fremdem felde unbefugter weise das nutzbare mineral aushauen und sich aneignen. Veith bergwb. 374.
7)
rauben, in den hüttenwerken, von einer bergart gesagt, welche beim schmelzen die erze verzehrt: rauberisch erz ist, welches das silber raubet und verzehret, als die blenden, kobelte etc. mineral. lex. 439ᵇ; nun ist es waar, kobelt ist ein zehes und heisgretig metall, gibt die silber ungern von sich, raubet oft und verzeret die silber, und macht die blei madt und müsig. Mathesius Sar. 100ᵃ; dann so die capeln nit von gutem zeug sein, so rauben sie etwas über die gebür. Erker (1580) 9ᵃ.
8)
rauben, im kartenspiele, sich statt eines in händen habenden niedrigsten trumpfes nach gewissen spielregeln einen höheren trumpf aus der karte nehmen.
Zitationshilfe
„rauben“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/rauben>, abgerufen am 18.07.2019.

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