rauch adj
Fundstelle: Lfg. 2 (1886), Bd. VIII (1893), Sp. 241, Z. 57
hispidus, hirsutus, nebenform zu rauh, s. d.; auch in zusammensetzungen, vergl. unter den folgenden.
rauch m
Fundstelle: Lfg. 2 (1886), Bd. VIII (1893), Sp. 235, Z. 4
fumus, vapor, odor. mit seinem verbum riechen (s. d.) altes gemeingermanisches wort, dem nichts urverwandtes entspricht; goth. rauks ist nur zufällig nicht bezeugt, aber altnord. reykr, schwed. rök, dän. rog; ags. rêc, engl. reek; fries. rêk; alts. rôk, altnfr. rouc, ndd. ndl. roke, rook; ahd. rouh, mhd. rouch. die abwesenheit alles vergleichbaren auszerdeutschen läszt schlieszen, dasz wir es mit einem auf germanischem boden eigens für germanische verhältnisse gebildeten worte zu thun haben, dasz also die allgemeine bedeutung (unten 1) nicht auch die ursprüngliche sein kann. erwägt man, dasz alle wörter des hauses und seiner theile eigene germanische bildungen sind, die in den urverwandten sprachen nichts entsprechendes haben, so steht zu vermuten, dasz auch rauch eigentlich zu solchen hauswörtern gehört und seinem ältesten begriffe nach nur beziehung zu herd gehabt habe (die bedeutung 2 wäre der nachklang davon), und dasz es erst später in die allgemeine bedeutung übergetreten sei, die wir auch in den alten quellen an ihm sehen. als stoffwort entbehrt rauch des plurals; doch findet sich in der älteren sprache räuche: die räuch (dünste) zwischen uns und den himeln. Megenberg 79, 12; eʒ (das kraut) hât die art, daʒ eʒ den räuchen und den dünsten wert, daʒ si iht aufgên in daʒ haupt von dem magen. 395, 19; von vergiften und unvergiften reüchen und dämpfen. feuerwerkerbuch von 1591 bei Schm. 2, 15 Fromm., auch rauche: der driackers weret den rauchen von dem magen. Ortolf arzneib. ebenda; vergl. auch unten 4. es bedeutet:
1)
fumus, rauch von etwas brennendem: der rauch des feuers, des tabaks, pulvers, der kanonen, der geschütze; rauch von holzfeuer, von strohfeuer, von kohlen; rauch aus einem kamine, einem ofen, einer esse, einer pfeife; rauch im zimmer, im hause, in der küche; rauch eines hauses, einer hütte, wenn er aus der esse derselben empor steigt:
freundlicher kräuselt der hütte rauch
in des thales silbergewölk still empor.
Seume mein sommer 160;
der lunte rauch
zu ihnen trägt des windes hauch.
A. v. Droste-Hülshoff ged. 383;
rauch, fumus, dicitur vapor ignis. voc. inc. theut. r 2ᵇ; das kein rauch gibt oder nit reücht, acapnus. Maaler 325ᶜ; man spricht, daʒ der hirz verr smeck den rauch ainer gepranten pfäwenfedern. Megenberg 129, 24; das haus ward voll rauchs. Jes. 6, 4; das gottlose wesen ist angezündet wie fewr, und verzeret dornen und hecken, und brennet wie im dicken walde, und gibt hohen rauch. 9, 18; wie der essig den zeenen, und der rauch den augen thut, so thut der faule denen, die jn senden. spr. Sal. 10, 26; ich habe in der küche meine rechnung geschrieben, und die küche ist voll rauch. Lessing 1, 519; er möge Bern gar nicht sehen, sagte er, wenn er einmal höre, es brenne an allen vier ecken, dann gehe er express hin und nicht davon weg, so lange noch eine hand voll rauch sichtbar sei. J. Gotthelf schuldenb. 261;
daʒ fiur viel genôte   ûf si in den sal:
dô leiten siʒ mit schilden   von in hin zetal.
der rouch und ouch diu hitze   in tâten beidiu wê.
Nib. 2055, 3;
(und sollte ich) den ruck krump an schusseln waschen, ..
und in dem rauch in der kuchen erplinten.
fastn. sp. 267, 13;
wenn itzt des pulvers rauch mit kugeln hat gesummt.
J. G. Albinus jüngst. gericht (1653) B 4ᵃ;
schwerer, dicker, leichter, schwarzer rauch; beisziger, scharfer rauch, fumus lacrymosus Stieler 1528; ein dicker rauch, fumus crassior, ein stinkender rauch, fumus grave olens Steinbach 2, 226;
unwillig schnauben sie (die rinder) den gelben rauch.
A. v. Droste-Hülshoff ged. 31;
wie überm eisenhammer schwer
und schwarz des rauches säule wallt.
222;
rauch und flamme, rauch und qualm, rauch und dampf, rauch und stank: der rauch und dampf gehet vorher, wenn ein fewr brennen wil. Sir. 22, 30; in warheit es steht schön, wann man in ihre studierstuben kömmt, und nicht weisz, ob man in einer bauerschenke, oder in einem wachhause ist, vor rauch und stank. Chr. Weise erzn. 157 Braune;
entreisze dich einmal dem städtischen getümmel,
geniesze die natur, und sieh den freien himmel,
den dorten rauch und dampf betrübt und finster macht.
Cronegk 2, 90;
dort in rauch und flammen
Theben! es stürzen
tief die palläste.
Fr. Müller 2, 247;
durch rauch und qualm seh ich den matten schein
des todtenflusses mir zur hölle leuchten.
Göthe 9, 52;
da bald von Ilios trümmern
rauch und qualm sich erhebt.
40, 342;
rauch entwickelt sich (vergl. rauchentwickelung), geht auf, erhebt sich, steigt in die höhe, lagert sich, wird gesehen; und wand sein angesicht gegen Sodom und Gomorra, ... und sihe, da gieng ein rauch auf vom lande, wie ein rauch vom ofen. 1 Mos. 19, 28; sahen den rauch der stad aufgehen gen himel. Jos. 8, 20; sie hatten aber eine losung mit einander, die menner von Israel und der hinderhalt, mit dem schwert uber sie zu fallen, wenn der rauch von der stad sich erhübe. richt. 20, 38; der rauch bedeckt den himmel wie eine wolke, fumus ingens velut nubes abscondit coelum. Steinbach 2, 226; der rauch gehet durch ein mäsziges loch heraus, fumus emanat modico foramine. ebenda;
zû hant sach man den brant vil grôʒ,
sîn rouch als ein sturmweter dôʒ
uber al der Oselêre lant.
livl. reimchron. 6178;
(dampfschiffe) mit rädergebraus und keuchendem schlote,
draus das gekräusel des rauchs aufstrebt wie ein schwankender helmbusch.
Geibel werke 4, 37;
der rauch des herdes, hauses, landes, wirtlichkeit, heimatlichkeit, gastlichkeit anzeigend:
der abendtsteren glanzend schein.
ich west nicht, wo ausz oder ein,
doch sah von ferren ich ein rauch,
dem selben ich zuͦ eilet auch.
H. Sachs fastn. sp. 1, 23, 27;
aber Odysseus,
sehnsuchtsvoll nur den rauch von fern aufsteigen zu sehen
seines lands, ja, zu sterben begehret er!
Odyss. 1, 58;
aber das land der Kyklopen erkannten wir, nahe von dannen,
wallenden rauch und stimmen des volks.
9, 167;
ach, und das erfuhrt ihr auch,
was es heiszt, mit thränen
nach der heimat fernem rauch,
wie Ulysz, sich sehnen.
Geibel 3, 184;
wenn vor herrn Jordan plötzlich aus seiner tintenflasche ein schwarzer rauch gestiegen wäre, wenn dieser rauch sich zu einem fürchterlichen geiste zusammengeballt hätte, wie in jenem alten märchen. Freytag soll und haben 1, 98;
auf einmahl steigt ein schwarzer rauch
aus des gefäszes hohlem bauch,
verbreitet sich immer weiter umher,
liegt wie ein berg auf land und meer.
Wieland 18, 224;
beim verbrennen geht etwas in rauch auf, vergl. auch unter aufgehen th. 1, sp. 654, nr. 4; oft, wenn die kaiserlichen einen platz nicht länger zu behaupten wuszten, lieszen sie ihn in rauch aufgehen, um dem feinde nichts als den schutt zurück zu lassen. Schiller hist.-krit. ausg. 8, 157; Dortchen ist nicht da, und unsere mahlzeit geht im rauch auf. Göthe 11, 99; ein zeichen wird gegeben dadurch dasz man rauch steigen läszt:
wenn am bestimmten tag die burgen fallen,
so geben wir von einem berg zum andern
das zeichen mit dem rauch.
Schiller Tell 2, 2;
bei schlechtem kochen schmeckt das essen nach rauch, vergl. auch rauchig; zum dörren wird etwas in den rauch gehängt, vergl. dazu rauchfang, rauchkammer: im rauch derren, digen machen, infumare, suffumigare Maaler 325ᶜ; in den rauch hängen, infumare Frisch 2, 91ᵃ; das grüne fleisch, oder fische durch untergemachten rauch trocknen, damit es sich länger halte. öcon. lex. 1960; so bald nun dieses (salz) zergangen, und in das fleisch gedrungen, so hänge man es unverweilt in den rauch, und lasse es so lange darinnen hängen, bis es getrocknet, aber nicht erhärtet ist. ebenda.
2)
rauch sinnbildlich für das haus, dessen mittelpunkt der stets brennende und rauchende herd ist; rechtsformeln: rauch und brod, eigen haus und nahrung, domus propria. Frisch 2, 91ᵃ; so die güther mit feuer und rauch besitzen wollen. Haltaus 1506; mit einander haus und rauch halten, eigen haushaltung, feuer und rauch überkommen u. s. w. 1506. 1507; feuer und rauch halten, eigenes haus, eigene wirtschaft halten: ein ieglicher, der von diesen ... handwerken alhier meister werden, sein handwerk treiben, feuer und rauch halten wil. 1506; aber auch eigene wirtschaft erhalten, bestehen lassen: und (gott hat) rauch und fewer oft bei den bergkleuten gehalten, darein er mit seinem wort einkeret hat. Mathesius Sar. 6ᵇ; seinen eigenen rauch haben, focum proprium habere. Frisch 2, 91ᵃ; swenne daʒ ist, daʒ man ainen ledigen man hie ze burger empfahte, der sol haben seinen aigen rauch, oder er sol sich verdingen in eineʒ burgers kost ein vierteil jares oder ain halbes jar. Nürnberger pol.-ordn. 14; der selb hofman, der uf dem hof gesessen ist buwelich und heblich und sin eigin roch hat. weisth. 1, 441 (Schwarzwald, um 1370); es sol niemand binnen unser stadt haus, hof oder eigen rauch halten, er habe denn das bürgerrecht gewonnen. Danziger willkür 1732 67; mit dem eignen rauche geht auch die marknutzung verloren. Stüve wesen u. verf. 118.
3)
rauch von der vorstellung des herdes aus in einer verblaszten redewendung: in der ganzen übrigen welt ist man von der alten deutschen gewohnheit, mit seinem gesinde in éinem rauche zu leben, zurückgekommen .. überall wo ich in der welt gewesen, haben die bedienten ihre eigne stube. Möser patr. phant. 1, 48, d. h. in éinem und demselben raume, es ist an die alte niedersächsische einrichtung des hauses gedacht.
4)
rauch, der zins der vom eigenen herde gegeben wird: do haund sie den schuolthaisen gemainlich gebeten, das er inen das satzte an ain urtaul: weder der lip (der von der person entrichtete zins) sul vor fallen, oder der rouch? do saczt der schuolthais an ain urtaul zun richtern .. do sprachen si zuo dem rechten, das es von alter her an si wer kummen, das der rouch vor sölt fallen. weisth. 5, 233 (Schwarzwald, von 1429); in der Lausitz werden die abgaben nach rauchen, d. i. nach den feuermauern bestimmt, ein edelmann bezahlt vier rauche, ein anspanner zwei, und ein kothsasse einen rauch. Adelung; von da aus selbst als name eines feldmaszes: ein rauch land in der herschaft Muskau, 18 scheffel korn aussaat enthaltend. ebenda.
5)
rauch, in sprichwörtern und bildlichen reden: sie haben den rauch gesehen, wissen doch nicht, wo das feuer brennt. Luther 6, 110ᵇ; wer das feur wil hon, der muͦsz den rauch leiden. Agr. spr. 360ᵇ; wo rauch, ist feüwr nach darbei, flamma fumo est proxima. Maaler 325ᶜ; mancher meint sein rauch sei so hell als eines andern feuer. Lehmann flor. 1, 32; rauch ist beschwerlich, friszt aber niemand. 96; hat er (der neue religionsstifter) aber da die ersten anhänger sich verschaft, so sucht er ein gröszeres theater, und die gröszte stadt ist für ihn immer die beste. ein jünger fängt auf dieser, der andere auf jener ecke an; die verschiedenen flammen fressen in der stille fort; endlich treffen sie zusammen, und die halbe stadt steht in der schrecklichsten feuersbrunst, noch ehe die policey rauch gemerkt hat. Lessing 11, 79; kein rauch ohne feuer. rauch geht vor dem feuer her. wo rauch aufgeht, da ist feuer nicht weit. man leidet den rauch des feuers wegen. unser rauch ist besser denn des nachbars feuer. er flieht den rauch und fällt ins feuer. je mehr der rauch aufsteigt, je mehr verfliegt er. Simrock sprichw. 441;
wenn rauch nicht aus dem hause will,
so ist vorhanden regens viel.
ebenda;
an das lästige, drückende und vertreibende des rauches anlehnend: (schmarotzer) als die von kleinem rauch sich nit jrren oder vertreiben lassen. Kirchhof wendunm. 212ᵇ, d. h. man musz ihnen kräftiger zu leib gehen;
der bitter todt mit seinem rauch
hat jhn zu loch getrieben.
Ringwaldt evang. A 2ᵇ;
rauch vertreibt die bienen, sünde die engel. drei dinge treiben den mann aus dem hause, ein rauch, ein übel dach und ein böses weib. Simrock sprichw. 441;
rouch, übel wîp, durkel dach
füegent manic ungemach.
Renner 20291;
ein rauch beiszt: lasz dich nicht von jedem rauche beiszen. kleiner rauch beiszt mich nicht. Simrock sprichw. 441;
was du thust klagen, klag ich auch,
uns beiszt zugleich ein scharfer rauch.
Opel u. Cohn 35, 34;
einem einen rauch machen, verdrusz, last: man hat ihm ein rauch ins haus gemacht. Lehmann flor. 1, 95; die redensart sich aus dem rauche machen, wie sonst sich aus dem staube machen, vor lästigem weichen: sich aus dem rauche (staube) machen. Schottel 1117ᵇ; darum machte er sich aus dem rauche. Schütz Preuszen 116, wird an das ausräuchern von thieren (vergl.den fuchs ausrauchen, ausräuchern th. 4¹, 334) angelehnt sein, wiewol auch eine beziehung auf kriegerischen brauch möglich ist: die besatzung die einen belagerten ort nicht mehr halten kann, zündet ihn an und macht sich unter dem schutze des brandrauchs davon:
stadt Kulmbach die zundens an,
plötzlich zugen sie im rauch darvon, ..
vor war sie verlieszen ein schone stadt,
seint schendlich daraus entpflogen.
Hildebrand volksl. 274 (v. 1553);
rauch des unfriedens, der bösen zeit, des lebens: wie musz ein mann den dampf und rauch des lebens durch seine schreibspuhle von sich weggeblasen haben. J. Paul leben Fibels s. 83;
des kreuzes hitz und rauch (die last des christen).
Opel u. Cohn 41, 15;
wolan! wolan mein freund! so musz man dann nur dämpfen
den rauch der bittern zeit, so musz man lernen kämpfen
mit dieser sterbligkeit.
Logau 1, 190, 98;
der zuͦ dem friden redt und demt unfridens rauch.
J. W. Simler gedichte (1648) s. 189;
der rauch der verheerung, in hinblick auf sengen und brennen im kriege:
näher stets
und näher wälzt sich der verheerung rauch
an diese thäler, die noch friedlich ruhn.
Schiller jungfrau von Orl., prol. 1;
geh die geschichte durch: das buch der zeiten lehrt,
dasz purpur sich in blut, der thron in rauch verkehrt.
Lichtwer schriften s. 219;
mit bezug auf das dämpfende und verdunkelnde des rauchs:
dasz sein rhum unaufhörlich leuchtet,
trutz aller fünstern hässer rauch.
Weckherlin 571;
die stille that nur, kaum bemerkt durch einen,
zerstreut der worte dicken rauch.
Seume ged. 38;
anknüpfend an das unbeständige, vergängliche des rauchs: sein groszes thun und vermögen ist zu rauch worden. pers. baumg. 2, 9;
(dein leben war) ein rauch, welchen der wind zerstöret.
Weckherlin bei Opitz (1624) 195;
rauch ist alles irdsche wesen;
wie des dampfes säule weht,
schwinden alle erdengröszen,
nur die götter bleiben stet.
Schiller das siegesfest;
was finden sie doch wohl für ruhm in ihren künsten?
wann er am höchsten steigt, wird rauch und funken draus.
Caniz 64;
du glänzend nichts! o rauch der ehre!
dich kauf ich nicht mit wahrem weh!
Uz 1, 54;
in der verbindung rauch und dunst, mit anrühren an die bedeutung 9:
was ist glatte jungfergunst?
nichtes als nur rauch und dunst.
G. H. Schreiber nachschöszlinge (1664) s. 85;
ein schlagflusz und der seüche brunst
macht aus der klugheit rauch und dunst.
Reinh. von Freientahl (1700) s. 20;
ihr (der welt) pracht ist eitel dunst, und alles ihr vergnügen
nur schatten, rauch und schein.
Caniz 49;
vergehen, verschwinden, verweht werden wie rauch: werden sie doch vergehen, wie der rauch vergeht. ps. 37, 20; vertreibe sie, wie der rauch vertrieben wird, wie das wachs zurschmelzt vom fewr. 68, 3; meine tage sind vergangen wie rauch. 102, 4; des gottlosen hoffnung ist .. wie ein rauch vom winde verwebd. weish. Sal. 5, 15;
und sein doch all die gabe dein (des glücks)
vergenklich, wie rawch oder dampf.
H. Sachs fastn. sp. 6, 69, 111;
der argen welt verkehrtes scherzen ..
wird wie ein rauch und dampf zu nicht
eh als der athem uns gebricht.
S. Dach in den ged. des Königsberger dichterkreises s. 4;
ich werde nichts, und währ ich auch
hie noch so auszerlesen,
gleich einem schatten, traum und rauch,
und dem, der nie gewesen.
s. 224;
du, ewge kraft   machst brüderschaft
mit uns, die wie ein dampf und rauch vergehen.
P. Gerhard 153, 12;
da doch ihr (der welt) tuhn wie rauch verschwindet.
Reinh. v. Freientahl (1700) 71;
wenn nicht mit diesem leib der geist im rauch verschwindet,
wenn Medons überrest im grabe noch empfindet,
so glaub, du stöhrest ihn durch klagen in der ruh.
Cronegk 1, 176;
etwas ist wie rauch:
so schwöre mir denn sogleich:
seis wenig oder viel,
was du vernahmst am teich,
dir seis wie rauch und spiel.
A. v. Droste-Hülshoff ged. 193;
etwas geht in rauch auf, verschwindet wie beim verbrennen, anknüpfend an die eigentliche verwendung der formel oben unter 1: wenn man .. das wunderbare darin vom natürlichen scheidet, so wird man finden: dasz gerade so viel wahres daran ist, als am boden sitzen bleibt, nach dem das wunderbare im rauch aufgegangen ist. Wieland 14, 21; bemerkte, dasz sein moralischer sinn durch das beschauen dieser schandthaten immer mehr in rauch aufging. Klinger 3, 216; mein zeichnen, meine schönen studien, meine angenehme musik gingen mir alle im rauch fort. Göthe 34, 108; die behandlung wird immer flacher und schwächer werden. aus den gemählden verschwinden die farben, die striche des kupferstichs verwandeln sich in punkte und so wird alles nach und nach, zum ergötzen der zarten liebhaber, in rauch aufgehen. 38, 135; was ging nicht alles durch diese anerkennung in dunst und rauch auf: ein zweites paradies, eine welt der unschuld, dichtkunst und frömmigkeit, das zeugnis der sinne, die überzeugung eines poetisch-religiösen glaubens. 53, 136; man lasse sich nicht irre machen, wenn analogie manchmal irre führt, wenn sie, als zu weit gesuchter willkürlicher witz, völlig in rauch aufgeht. 55, 45;
mir ist ganz weh und bang, dasz unsre freude
in rauch aufgeh, so lang ein wüthend weib
sich unter éinem dach mit euch befindet.
Schiller Turandot 5, 2;
soll denn in rauch aufgehn der rath, und die sorge der männer?
Ilias 2, 340,
ἐν πυρὶ δὴ βουλαί τε γενοίατο μήδεά τ' ἀνδρῶν;
schriftsteller seit dem 16. jahrh. übersetzen gern Martials fumum vendere für wind machen, leere redensarten machen (vergl. auch rauchverkäufer): es ist eine gemeine sucht an den meisten höfen, das man betrüglich mit einander ümgehe, auch wohl den rauch verkaufet, um sich damit zu bereichern. Butschky kanzl. 395;
ich bin kein hofemann, ich kan nicht rauch verkaufen,
nicht küssen frembde knie.
Opitz 2, 20;
ist anders dann (ich wil nicht rauch verkaufen)
desz lebens garn dem menschen abgelaufen.
Tscherning früling (1642) 126;
rauch zu kaufen und verkaufen,
mit dem fuchsschwanz umbzulaufen,
anzuknüpfen wann es bricht,
hab ich nie gelernet nicht.
Rist poet. lustgarte D 2;
mit rauche speisen, mit nichtigem:
sie (die ehre) wohnt in prächtigen pallästen,
und hat selbst könige zu gästen,
allein mit rauche speiset sie.
Haller schweiz. ged. 11;
etwas in den rauch hängen, einstweilen beiseite setzen, für künftige benutzung zurücklegen, knüpft an an das räuchern des fleisches für längeres aufbewahren und erst späteren gebrauch (vergl. oben 1 a. e.): ja (ihr fürsten) nemet dieweil für euch des Luthers sachen, und handelt des teufels namen, ob man fleisch in der fasten essen, und nonnen menner nemen mügen, und dergleichen, davon euch nichts ist befohlen zu handeln ... und hengt dieweil in den rauch dis ernste, gestrenge gebot gottes, damit er euch zu schutzherrn uber das arme Deudschland gesetzt hat (indem ihr nicht gegen den Türken zieht). Luther 4, 441ᵃ;
die dreu haben sich müd gegangen,
die hab ich inn rauch gehangen.
fastn. sp. 716, 18.
6)
rauch, der durch verbrennen von räucherwerk entstehende wolriechende oder vor krankheit schützende rauch: dirigatur oratio mea sicut incensum in conspectu tuo, mîn gebet recche sih ûf, alsô rouh fore dir. Notker ps. 140, 2; wenn du ein stücklein vom herzen legest auf glüende kolen, so vertreibt solcher rauch allerlei böse gespenst. Tob. 6, 9; und der rauch des reuchwergs vom gebet der heiligen gieng auf, von der hand des engels fur gott. offenb. 8, 4; man kan auch (in pestzeiten) des abends .. etliche löffel rauten-, rosen-, scordien- oder theriacalischen essig auf vorerwehnte glüende steine gieszen, und also einen dampf, oder rauch erwecken. der stadt Leipzig ordn. 1701 370; geschwind die spinnräder mit dem haspel aus der stub, und dein plümerant kleid angethan! aufgeraumbt! ein rauch in die stuben gemacht! Simpl. 3, 294 Kurz; weil sie damals eine handvoll loser schelmen und böser buben, als der rauch den gestank, vertrieben. Simpl. 1 (1713), s. 50;
man must ir (der vom kalten fieber befallenen) wermen ziegelstein,
vil seft zur labung nam sie ein,
ein wachslicht brinnen tete,
ein köstling rauch must man in kamern machen.
H. Sachs dicht. 1, 271, 32 Gödeke;
und ironisch:
so lesch das liecht, das steht gar wol,
und blosz (blase) daran erst uber langk,
und mach vom liecht ein groszen gstank.
das ist ein guͦter edler rauch,
und ziert ein Grobianer auch.
Grobian. G 2ᵇ (v. 1704);
st. Kürins rauch, in einer verwünschung:
wir meinten, der böse herzog solt uns haben rettung gethan.
er bleibt ausz. dasz in müsz sant Kürisz rauch bestan!
Schade sat. u. pasqu. 1, 58, 149;
wolauf ins ritten namen auch,
jr mägd habt euch sant Kürins rauch!
Grobian. F 4ᵃ (v. 1557);
es war name einer krankheit, vergl. th. 5, 2801 fg., auch unter dem namen st. Johannis rauch, th. 4², 2333 fg., aber man meinte zunächst darunter das von gebet begleitete räuchern, das man gegen solche krankheit, namentlich gicht und beinschaden, anwendete, gegen welche der heilige Quirinus (oder Johannes) helfer war, und übertrug dann den namen des mittels auf die plage selbst. Die redensart einem einen bösen rauch machen, einen in übeln ruf bringen, wird eher hierher als zu 5 gehören, da der gegensatz der gute rauch wol an den wolgeruch des räucherwerks angelehnt ist: aber wie ich zu Parisz gehaust, davon schwieg ich stockstill, dann ich sorgte, er mögte es zu L. auszbringen und mir deszwegen bei meinem weib einen bösen rauch machen. Simpl. 1, 396 Kurz; mit dieser erzehlung kam ich den jenigen vor, die mir sonst etwan bei ihm (meinem manne) einen bösen rauch gemacht, wann sie ihm vielleicht solches und noch mehr dazu, ja mehr als mir lieb gewesen, erzehlet hätten. 3, 54.
7)
rauch, das räucherwerk selbst (vergl. weihrauch):
dô gâben si (die drei könige) im zeleste
aller rouch beste,
di rôten mirren umbe daʒ,
daʒ er wârer mensch was.
fundgruben 1, 146, 12;
im wechsel mit der vorigen bedeutung: ein bewährter rauch für die pestilenz: r. (recipe) weinrauten, wermuth, beifusz, krannwethbeer, eines so viel als des andern, vermisch es zu einem rauch, so viel man davon mit dreyen fingern fassen kan, auf eine glut gelegt, ehe man aus dem hause gehet und einen rauch davon gemacht, gehet der rauch in die höhe, so sind die leute, die dabei sind, gesund, bleibet er aber in der niedern herum schweben, so ist eines unter ihnen krank, ist oft probiret worden. Hohberg 1, 260ᵃ.
8)
der athem ist rauch, nicht nur beim flammen speienden drachen: aus seiner (des leviathans) nasen gehet rauch, wie von heiszen töpfen und kesseln. Hiob 41, 11; grimmige, unbekandte thier, oder die da feuer speieten, oder mit grimmigem rauch schnaubeten. weish. Sal. 11, 19;
unz er gesach
sîner ougen ungemach
den egeslîchen trachen,
der warf ûʒ sînem rachen
rouch und flammen unde wint
rehte als des tiuvels kint.
Trist. 226, 17;
auch bei dem innerlich erhitzten menschen:
daʒ in uns werde ein hitze
daʒ gegen dem trunke gange ein dunst,
alse rouch von einer brunst.
Steinmar in Bartschs liederdichtern², 240, 35;
und selbst in ganz verblaszter bedeutung: denn das schnauben in unser nasen ist ein rauch, und unser rede ist ein fünklin, das sich aus unserm herzen regt. weish. Sal. 2, 2.
9)
rauch, dem rauche ähnlicher dunst, in verschiedener abstufung des sinnes. nebel, wie er von der erde emporsteigt; manchmal ausdrücklich in beziehung gesetzt zu der bedeutung 1: wenn abends die sonne einsank wie ein berg und ihre flammen aus der erde fuhren und nur noch ihr rother rauch hinanzog an den silbernen sternen. J. Paul Titan 2, 86; es war aber um die zeit der roggenblüthe; der rauch ging von den ähren und wallte in den warmen sommerlüften, ein opfer der scholle. Immermann Münchh. 1, 148;
wenn von dem morgenschleier nun
dein liebesblick das land enthüllet,
die saaten tief im rauche ruhn,
der aus der ähren blüte quillet.
Thümmel 2, 144;
in freiheitsluft erquickt alsdann
verhöhnt er kind und weib und mann,
die tief, in thales dampf und rauch,
behaglich meinen, sie leben auch.
Göthe 41, 55;
seht, wo noch grad die biene sasz,
wie weiszer rauch die glocken (der blüten) füllt.
A. v. Droste-Hülshoff ged. 55;
dampf der von erhitzten körpern aufsteigt:
von Nervis der grâve reit
ze velde lobelîchen gar
und fuor ouch in der selben schar,
daʒ von dem rosse gienc der rouch.
K. v. Würzburg turnei v. Nantheiz 681 Bartsch;
leibesdunst:
dann es merklichen schaden bringt,
so man die bläst im leib verzwingt.
die dämpf die steigen in das haubt,
dardurch deinr gsundtheit wirst beraubt, ..
drumb treib von dir den bösen rauch.
Grobian. B 2ᵃ (v. 350);
im spiel mit der bedeutung 6:
lasz farn was nit hat lust zu pleiben,
ich muͦsz den unflat von mir treiben.
und lasz jm dann ein par darzuͦ,
dasz er die nasz verhalten thuͦ.
der rauch kompt deinem herren eben,
er darf kein gelt umb kerzlin geben.
D 3ᵇ (v. 968);
dunst im innern des körpers: der rauch, der auf gêt von dem magen in daʒ haupt, betrüebt die gaist. Megenberg 8, 27; unkäuschet mit seiner frawen, wenne der leip noch voller rauchs ist und dunstes von eʒʒen und von trinken. 183, 6; wem daʒ gesiht tunkel sei von übrigem rauch in dem haupt. 417, 23; und bildlich: wer ein rauch von affecten im kopf hat, dem ist die vernunft vernebelt. Lehmann floril. 1, 8; mit anklang an die verwendung oben 5:
die fabel die nicht lehrt, kehrt sich in leere dünste,
und füllt das haupt mit rauch; das sind der Perser künste.
Lichtwer fabeln, 4. buch, einleitung;
in oberdeutschen quellen älterer zeit selbst bis zu der bedeutung ausdünstung, geruch verblaszt: odor, rouch Dief. 393ᵇ; obsolere, verriechen, sein smach und rauch verlieren. Aventin. gramm. bei Schm. 3, 15 Fromm.; andreu tier fliehent den rauch, der da kümt von des helfands ingewaid und von seiner haut. Megenberg 135, 21;
wand ime benam al sîne maht
diu leide zunge die er truoc (die er dem drachen ausgeschnitten
hatte);
der rouch, der von der an in sluoc,
der eine entworhte in garwe
an krefte und an der varwe.
Trist. 229, 14;
Eulenspiegel sprach: ich bin sat,
der rauch vom braten hat
gefüllet mir den bauch.
der wirt sprach: ist dein brauch,
das dich der rauch tut mesten?
H. Sachs dicht. 1, 228, 27 Gödeke.
10)
rauch in den hüttenwerken, der vom feuer und von den erzen aufsteigende dampf, der schwefel, arsenik, zink oder silber gibt, wo er von rösten oder schmelzöfen aufgefangen wird oder sich in den öfen anlegt. Jacobsson 3, 366ᵃ; vergl. bleirauch, hüttenrauch, kupferrauch, zechenrauch; wie sie die hell mit salpeter, schwefel, bech, hütten und büttners rauch erstenken. Ayrer proc. 2, 11.
Zitationshilfe
„rauch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/rauch>, abgerufen am 17.11.2019.

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