Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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raufe, f.

raufe, f.
gerät zum raufen.
1)
im stalle die futterleiter: clathrum rauf, raufe, niederd. en rope Dief. 126ᵃ; mit umlaut, den das verbum bisweilen auch zeigt: in der stallung die peren, reifen, und rechen zu den settelen und zeumen. Tucher baumeisterb. 302, 20; häw in die räufe zu schlagen. Kirchhof wendunm. (1602) 3, 232; die unumgelautete form ist die gewöhnliche: der kuehirt sal ... den alten und jungen stiehern und den reitochsen stro in die raufen tragen. Michelsen Mainzer hof in Erfurt 42; nam er (im stall) den sattel mit dem buben vom pferdt und legt jn auf die raufen. Pauli schimpf 171ᵇ; seine pferde wurden wol gestellet, und hetten barren und raufen, die schon in den gezelten gemacht waren. buch der liebe 265ᵈ; wann ein solches sieches rosz nur in einem stand gestanden, ausz einem baaren oder raufen gessen. Seuter rossarzn. (1599) 188; dasz man in Schweden maschinen im felde und auf den wiesen hat, einer groszen aufgestellten leiter oder raufe gleich, auf denen man das getreide oder das heu trocknet. Seume mein sommer 138; ich sitze in einer raufe, wo eine kuh den klee herausfriszt und schreibe. Bettine briefe 2, 19; seine pferde hatten in jeder woche gutes heu von den raufen des freiherrn gerupft. Freytag soll und haben 1, 469;
ich sags bei eid, wann das war wer,
das man uf gablen ritt do her,
so wolt ich mir ein gablen koufen,
die fresz kein hew mir ausz der roufen,
so würd der habern nit so tür.
Murner narrenbeschw. t 3ᵃ (cap. 83, 56);
die leuchte
von durchsichtigem horn, bei deren schein er des abends
drosch, und häckerling schnitt, und den pferden die raufe voll heu trug.
Voss 1, 179 (Luise 3, 541),
mit der erklärung s. 226: raufe, eine längs über die krippe befestigte leiter, durch welche das aufgesteckte futter vom viehe gerauft wird;
thu nur brav heu in die raufen,
und misz den hafer nicht knapp.
Geibel werke 4, 90;
in bildlichen wendungen: ich bin aufseher von bücherschätzen; und möchte nicht gern der hund sein, der das heu bewacht: ob ich schon freilich auch nicht der stallknecht sein mag, der jedem hungrigen pferde das heu in die raufe trägt. Lessing 10, 125; ich verspreche, ihn auf der andern seite nie unter dem niedrigen bilde eines stallknechts, der nur heu auf die raufe tragen soll, sondern unter dem ehrwürdigen bilde meines lehrers zu betrachten. 11, 525; gedanken und blumen, die nicht durch die raufen der vier fakultäten durchfallen. J. Paul Hesp. 2, 190; da jetzt die sache ins grosze ging, und ganze länder und zeiten aus der raufe und dem futtergerüste des letternkastens zu ernähren waren. leben Fibels 140.
2)
raufe, ein werkzeug, auf welchem die knospen mit dem samen vom lein abgerauft werden. Jacobsson 3, 368ᵇ; raufe, pecten, quo aliquid decerpitur Steinbach 2, 228;
ach! die harte raufe hat
gleich zur saat
dir (flachs) die boll entrissen.
Voss 3, 139.
3)
raufe, die zeit, wenn den gänsen die federn ausgerauft werden. Adelung. vgl. raufzeit.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1886), Bd. VIII (1893), Sp. 257, Z. 28.

raufen, verb.

raufen, verb.
vellicare.
1)
das goth. raupjan τίλλειν erscheint weiter als ahd. roufan vellere, vellicare, mhd. roufen, mnd. ropen, mnl. roopen; im ags.-friesischen, sowie in den scandinavischen sprachen ist es unbezeugt. in engster beziehung zu rupfen stehend, das als intensivum zu raufen anzusehen ist, setzt es ein starkes verbum goth. riupan etwa der intransitiven bedeutung reiszen, abreiszen voraus, von welchem indes nachweise nicht zu geben sind, wie auch raufen und rupfen ohne weitere verwandte dastehen. neben dem ersteren hat sich mitteldeutsch eine bis ins 17. jahrh. vielgebrauchte umgelautete präsentiale form räufen entwickelt, die die schriftsprache wieder aufgegeben hat (in mitteldeutschen mundarten erhalten, düringisch rêfen zeigt umlaut zu rôfen für raufen): vellicare uszreufen Dief. 609ᵇ; depilare uszreufen, uszreifen, uszreffen 174ᶜ; royfe des krudes das unter dyme höbte gewachsen ysz. altd. blätter 1, 306; reufen jm die feddern nicht ausz. Luther tischr. 242ᵇ; wenn man die gansz gleich bereuft. ebenda; reufen neben raufen Stieler 1532 (weitere belege im folgenden verstreut); im prät. bleibt der umlaut nur selten: (sie) reufeten ihn fluchs, das er seer geschrieen. Henneberger landtafel 16. alemannisch raupfen, das wort war in diesen gegenden unüblich:
roupft, krawt und schluͦg ir den kratten vol.
H. Salat 127, 195 Bächtold.
2)
raufen zufrühest als ein ausdruck des feld- und ackerlebens, auszupfen, zupfend entfernen, von pflanzen: goth. jah varþ þaírhgaggan imma sabbatô daga þaírh atisk, jah dugunnun sipônjôs is skêvjandans raupjan ahsa. Marc. 2, 23; jah raupidêdun ahsa sipônjôs. Luc. 6, 1; hochd. gras, kraut, laub raufen; czu hant roufte dy frowe des krudes alzo vyl alzy es yn yrem boseme behalden konde. altd. blätter 1, 306;
hunde würgen, feuer sehn, pillen drechseln, kräuter raufen,
auf gerathewohl verschreiben (sind pflichten des arztes).
Günther 859;
gät und raufe mit mir das geile unkraut!
Voss 3, 111;
besonders als landwirtschaftliches wort flachs raufen: raufen, ziehen (heiszt es), wenn der flachs und hanf, nachdem er reif geworden, mit den händen aus dem acker gezogen wird. Jacobsson 369ᵃ; in dem selbin jare uff di zit alse di frouwen phlegin flachs zu roufene, do was zu Iwenheim ein wittewe geseʒʒin, .. di was an daʒ felt gegangen mit iren nackeburen unde wolden flachs roufe. Ködiz 97, 27; wenn der lein reif ist, so reufet, röstet, dörret, plewet, precht, hechelt, spinnet, wirket man jn. Luther tischr. 221ᵇ; gleich unter Molimenti rauften die bauern den flachs. Göthe 28, 186.
3)
in bezug auf hausvögel, denen man die überflüssigen federn nimmt (was sonst beraufen und berupfen heiszt, s. d.): deplumare, federn raufen, vogil rawfen l. pflucken Dief. 174ᶜ; deplumare, feder plenkchen l. rawfen nov. gloss. 131ᵃ; gänse reufen et bereufen, deplumare anseres Stieler 1533 ; und danach ist ein scherzwort vom käse gebildet: man schabt darum die käse, weil man sie nicht bereufen kan. Stieler 1533; Parmasaner (käse) ausz Walen, die man nicht schneiden, brechen, raufen noch ropfen darf, sondern schaben, wie die bayrischen rüblein. Garg. 55ᵃ; auch in anderer weise bildliche anwendung: die reichen soll man im beutel räufen. Luther br. 2, 207.
4)
raufen in erweitertem gebrauche, einen raufen, einem rupfend das haar schädigen; raufen, depilare, crinisare, videlicet pilos evellere. voc. inc. theut. r 2ᵇ; es geschieht bei ungeschicktem kämmen: einen raufen im kämmen, vellicare aliquem pectinando Frisch 2, 91ᶜ; der knabe, mehr trotzig und unwillig als ungeschickt, benahm sich (beim frisieren) nicht zum besten, raufte Wilhelmen, und schien sobald nicht fertig werden zu wollen. Göthe 18, 146; wahrlich das ist Philinens pudermesser, das sie euch jenen tag schenkte, als ich euch so gerauft hatte. 20, 225; gewendet auf das gerät beim kämmen: ein guter kamm darf nicht raufen; und übertragen auf ein schlechtes rasiermesser: wer da weisz, dasz ein frisch abgezogenes messer eben so gut rauft als ein stumpfes. Göthe 15, 60; sprichwörtlich:
wer in der hand mich rauft,
das dutt mir doch nit we.
Altswert 170, 36;
einen raufen im zorn, ihn zu strafen oder ihm weh zu thun; er rauft dich, involat in capillos tuos. Steinbach 2, 228; einen bei den haaren, bei dem barte, am barte raufen; einen bei den haren zur erde reufen, capillo aliquem in terram protahere, in terram praecipitem dare acceptis capillis. Stieler 1533; wo aber yemant gerauft, gekratzt, gestoszen, gepissen oder geslagen .. wurde. Nürnb. pol.-ordn. 45; swelh kint daʒ ander sleht oder raufet. 322; ob ain alter Jude ain kint sleht oder raufet. 323; raufte der geist immerdar einen nach dem andern bei dem krenzlin an der platten, da sagt einer zum andern, lieber, reuf mich doch nit. Luther tischr. 211ᵇ; und ich schalt sie, und flucht jnen, und schlug etliche menner, und rauft sie. Neh. 13, 25; ich hielt meinen rücken dar, denen die mich schlugen, und meine wangen denen die mich rauften. Jes. 50, 6; der tuchmacher trit vor den tisch, expostuliret mit den junkern, das sie jn on ursach geraufet. Ringwald speculum mundi C 4ᵃ (vorher: die junkern fahren zu, und huschen jn im ligen zimlich abe);
er ist so wunderlicher sit,
thüet mich mit vil hönworten faczen,
auch schlagen, rawfen, kreln und kraczen.
H. Sachs fastn. sp. 6, 6, 156;
bant er an einer seulen an
sein weib und hart raufet, schlug und stiesze.
dichtungen 1, 109, 8 Gödeke;
Elberich. mit dir so will ichs fangen an
und dir jtzt auszreiszen dein bart.
Soliman. ach männlein, rauf uns nicht so hart!
wir glauben, dasz du voll teufel seist,
dasz du uns also zerst und reist.
J. Ayrer 209ᶜ (1043, 23 Keller);
in freiem sinne, wie schlagen oder strafend wehthun:
o du betrübte stadt (Regensburg 1634), schaw an der feinde laufen,
die so begierlich sein, dich und dein volk zu raufen.
Rist poet. lustgarte E 2.
5)
haar raufen, beim opfer:
es wird ein bock herbeigeführt,
den sie mit mehl und salz bestreuen;
man rauft aus seiner stirne haar
und wirft es auf den rauchaltar.
Hagedorn 3, 128;
anders aber das eigene haar raufen, sich das haar, den bart raufen als zeichen der verzweiflung und des wütenden schmerzes:
thie brustî sie in ougtun (die mütter den kindermördern), thaʒ fahs thana rouftun;
nist ther io in gâhî   then jâmar gisâhi.
Otfrid 1, 20, 11;
da stund Hiob auf und zureis sein kleid, und rauft sein heubt. Hiob 1, 20; da er sie (die frau) sahe weinen, und jr haupt schlahen und räufen. buch der liebe 296ᶜ; eines basreliefs, .. worauf Jupiter, vor mitleidendem schmerze, sich das haar raufe. Lessing 11, 247;
darmit das freulein er umfinge,
nam urlaub, traurig von ir ginge;
die wand ir hend und rauft ir har.
H. Sachs dicht. 1, 278, 53 Gödeke;
Philosetta kömt daher
ganz verirret ohn gefehr,
zieht und räufet jhre haar.
J. Gamper in den ged. des Königsberger dichterkreises 288;
Momus sah nechst unsre fürstin, raufte drauf sein haar,
dasz er kunte nicht ergründen, was zu tadeln war.
Logau 3, 139, 8;
Chloris, rauf dein gelbes haar!
Homburg Clio (1642) 1, G 6ᵃ;
die alte wüthet wie ein drache,
kratzt sich die schminke ab, und rauft ihr dünnes haar.
Wieland 17, 289 (Idris 5, 64);
aber er selber, grosz auf groszem bezirk, in dem staube
lag und entstellete raufend mit eigenen händen das haupthaar.
Ilias 18, 26;
dort sich setzend erhuben sie klag und rauften ihr haupthaar.
Odyss. 10, 567;
vergl. auch zerraufen; die augenbrauen raufen: o, rief der patriotencaspar, das ist eben die ausbündige bosheit des alten blutsaugers! er raufte seine buschichten augenbrauen. Immermann Münchh. 4, 28; auch sich raufen, sich beim haar raufen, in gleicher stimmung:
sich selber roufen unde slahen
begunde er ob im unde sprach:
ôwê mir hiute und iemer ach!
troj. krieg 12112;
du bist in dich ergrimt, und raufst dich in dem har.
Rompler 138.
6)
raufen, in den sinn eines mehr balgenden kämpfens übergetreten, oder als derberer ausdruck für kämpfen geradezu, mit einander oder gleichbedeutendem sich verbunden; aus raufen 4 deutlich hervorgegangen: so unterliesz er nicht bei irer schwebenden uneinigkeit, indem sie sich unter einander wol rauften, auch haar davon zu lesen (sich zu bereichern). Schütz Preuszen 21; schon mhd. entwickelt, ebenso mnd.: roepen sik twe under enander. Schiller-Lübben 3, 505ᵃ;
sô sprechet ir den tischsegen
mit sô grôʒem schalle
daʒ die knehte alle
vaste zuo loufent,
wænt daʒ ir iuch roufent.
buch d. rügen in Haupts zeitschr. 2, 60, 526;
welches i. f. g. gerne thaten, lieber als dasz wir uns hätten raufen sollen. Schweinichen 1, 181; und fordert mich auch bald: wäre ich ein redlicher mann, so sollte ich mich mit ihm raufen. 348; sich mit einem raufen, conserere manus cum aliquo. Steinbach 2, 228; wenn grosze herren sich raufen, so müssen die unterthanen die haare hergeben, ... quicquid delirant reges, plectuntur Achivi. Pistorius thes. par. 9, 12; die gelehrten rauften sich deswegen untereinander wechselseitig dermaszen, dasz man die haare häufig auf dem boden sah. J. Paul a. d. teuf. pap. 1, 65; ich hatte einen vetter von gleichen jahren, mit dem ich mich oft wacker raufte, weil wir die besten freunde waren. Seume mein leben 10; die jungen fanden, dasz noch nie so lustig schule gehalten worden sei, rauften sich, dasz es eine art war. Immermann Münchh. 1, 77;
(er) steirt ten alten haufen
ta teufel ainantar raufen.
Garg. 37ᵃ;
ich dacht, jhr wolt beid sander
also frü an dem tag
hie raufen an einander.
J. Ayrer fastn. sp. 137ᵈ (3027, 27 Keller);
es poltert alles übr eim haufen,
wie sich die bauren in zechen raufen.
froschmäus. Dd 5ᵇ (2, 2, 15);
Trepicordus soll sich raufen; wil nicht kummen; denn er wil
nicht verrücken, wil erwarten, jhm von gott gesetztes ziel.
Logau 3, 6, 4;
wan man zu rechten pflegt, deszgleichen sich zu raufen.
Reinh. v. Freientahl (1700) s. 103;
sich um etwas raufen: er fühlte in diesem augenblick entschiedene neigung, sich mit allen Krakusen um die waarenballen zu raufen. Freytag soll und haben 1, 381;
die leute raufen sich hier und wissen nicht warum!
Wieland 4, 174 (n. Amadis 8, 5);
als bild für heftiges begehren:
man hört nicht, dasz man sich um deine tochter rauft.
Reinh. v. Freientahl (1700) s. 193.
7)
raufen dieser bedeutung intransitiv, so gern in bairischen mundarten, bair. rauffen, handgemein werden mit einem, diesz möge nun wirklich mit haarraufen, oder mit schlägen, stöszen, hieben, stichen, ja selbst schüssen abgehen. Schm. 3, 65 Fromm.; tirol. raffen, râfen, rôfe Schöpf 527; in schriftquellen seit alters:
aber dâ man rouft und sticht,
diu gesellschaft ist enwiht.
Teichner im mhd. wb. 2, 1, 774ᵇ;
was soll ein mann, der nicht mit eim raufen und saufen kan, ich haw eben so mär mit eim, als ich mit jm sauf. Garg. 94ᵇ;
ich fluch und schmech hienein den haufen,
wolt nur geren schlagen und raufen,
keins menschen ich darinn verschan.
H. Sachs fastn. sp. 2, 56, 228;
der mit dem stecken schmeiszt, der stöszet, schlägt und räuft.
J. Grob versuchgabe 1678 s. 50;
man schilt und rauft, man schreit und ficht.
Göthe 12, 196;
im substantiv gesetzten infinitiv: als lang das gütlein wehret .. so lang thawret die liebe, darnach gehet es an ein neifeln, raufen und schlagen. Mathes. post. 1, 58ᵇ; die bücher wurden weggeschleudert, und das knuffen und beinstellen und raufen ging an. Seume mein leben 10;
sich hebt ein raufen oder ein spil
zwischen uns paiden,
unz das uns der hunger wirt schaiden.
Erlauer spiele 3, 159 Kummer;
wen wir etwan sint schellig worden
und einander im haus umb jagen
mit krazen, krellen, raufn und schlagen.
H. Sachs fastn. sp. 1, 155, 274;
da wirt sich darob in idem haus
erheben mancher wilder straus
mit zanken, hadern, raufn und schlagen.
6, 141, 152;
steh bei dem armen haufen,
welcher ist bedränget sehr
mit schlagen und mit raufen.
Opel u. Cohn 84, 2;
dan wo Bernhäuter tönt, geht straks ein raufen an.
Reinh. v. Freientahl 1700, 219;
mit angabe des zieles und der wirkung heiszt es sich satt raufen, sich einmal ausraufen:
und ich seh nicht was es frommt
aus der welt zu laufen,
magst du, wenns zum schlimmsten kommt,
aus einmal dich raufen.
Göthe 5, 101;
sie war die braut des schulmeisters, wollt aber seine frau .. nicht werden, weil sie sich mit dem schuldiener ein hitziges fieber gleichsam gerauft und ihm nicht so viel haare gelassen hatte, als ein truthahn noch in der pfanne anhat. J. Paul biogr. belust. 1, 130.
8)
raufen, wie reiszen, zucken; von dem hute beim grüszen:
so gib bei leib kein achtung drauf (auf gute lehren),
und lasz dein schön filzhütlin auf:
dann soltst dus oft heraber raufen,
wie bald müst du ein anders kaufen?
Grobian. E 2ᵇ (v. 1182);
besonders aber von dem aus der scheide gerissenen schwerte oder messer:
diu swert begunden si zehant
zücken unde roufen.
Engelhard 4831;
dar nâch sô rouftens unde zugen
diu swert bald ûʒ den scheiden.
troj. krieg 33608;
Caspar Girlachs knecht und Ulners Heincze han sich mit gerauften messern geslan. buszregister der grafschaft Büdingen von 1475—82; derselbe hat sin hant gebessert (vergl. bessern 1, th. 1, 1647) und ein messer gerauft. ebenda; Aymonet ging mit gerauftem schwerdt. Aimon bog. E; darumb lief er mit gerauftem schwerdt und vorgesetztem schilt daselbst hin. bog. p 1; ehe auf meinem theil kein schwerdt gerauft wirdt. Livius von Schöfferlin 73ᵃ; rauft damit sein schwert und erschlug elendiglichen Heracliam des königs dochter. 129ᵃ.
9)
raufen, wie rupfen oder zupfen, von thieren gesagt:
wann dann die geiszen steigen an
zun felsen hoch hinaufen
und weiches laub, so für thut gahn,
von zarten stauden raufen.
Spee trutzn. 151, 116 Balke;
oder an das der abstammung nach unverwandte raffen rührend:
under den baumen rauft zuͦsam
das abgefallen laub mit nam
draus er im selb ein bettlin macht.
Wickram bilg. 36ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1886), Bd. VIII (1893), Sp. 258, Z. 10.

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„raufen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/raufen>, abgerufen am 06.12.2021.

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