reiflich adj. und adv
Fundstelle: Lfg. 4 (1890), Bd. VIII (1893), Sp. 633, Z. 73
1)
von reif maturus abgeleitet. reyfflich, rijfflich mature Dief. 352ᵃ, nd. rijplich ebenda, nld. rijpelyk. im mhd. und ahd. ist das wort nicht belegt; es ist erst in neuerer zeit allgemein gebräuchlich geworden und begegnet sowol in adjectivischer wie in adverbialer anwendung stets in abstractem sinne. vgl. Grimm gr. 2, 660: etwas mit reiflichem urteil und nachdenken zu werke richten; alte leute bedenken alle dinge reiflich. Stieler 1585; ich unterscheide, nach der genauesten untersuchung, nach der reiflichsten überlegung, in der composition dieses stücks zweyerlei. Göthe 19, 160; v. Hutten. hat er das wohl erwogen? Abel. reiflich erwogen, ihr gnaden, und rundweg ausgeschlagen. Schiller 6, 293;
ihr habt
es reiflich bei euch überlegt, dasz hier
das gröszre übel schweigen ist — drum schwiegt ihr.
5¹, 177.
2)
auch von reif pruina ist ein adj. reiflich gebildet worden, das aber nur spurweise im älteren nhd. auftritt und später völlig verschwunden ist: reyffleich bruinalis Dief. nov. gl. 60ᵃ, neben einem von der schwachen form des substantivs gebildeten reyffenlich Dief. gloss. 82ᵇ.
Zitationshilfe
„reiflich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/reiflich>, abgerufen am 15.11.2019.

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