reihe f
Fundstelle: Lfg. 4 (1890), Bd. VIII (1893), Sp. 636, Z. 36
linea, series, ordo, mhd. rîhe, reihe, mit übergang des h in ch reiche Lexer mhd. wb. 2, 430, vgl. Weinhold mhd. gr.² § 233, bair. gr. § 183, alem. gr. § 222; ahd. mit grammatischem wechsel rîga Graff 2, 430 von rîhan, part. garigan, nhd. reihen sertare (s. d.); nld. rij, rijg, mnld. rijghe, rije, nd. rije brem. wb. 3, 492; auf ein ahd. riga mit kurzem stammvocal zurückgehend erscheint mhd. rige, nhd. riege (s. d.), mnd. rige, rege Schiller-Lübben 3, 480ᵇ. 447ᵇ. von ahd. rîga abgeleitet ist mlat. riga linea, sulcus literarum Ducange, ital. riga zeile, streif, rigo lineal, rigoletto reihentanz, reigen Diez³ 2, 58; derselbe a. a. o. 416 führt auch prov. rigot krauses haar, rigotar kräuseln auf rîga zurück. vergl. auch franz. rigot rinne, kanal, kymr. rhig einschnitt Dief. Celt. 1, 54. im älteren nhd. neben reihe mit einem auch sonst gebräuchlichen übergange (Kehrein gr. der deutschen sprache² § 195) reige, so Stieler 1586, reig linea Alberus h 2; geben auff der reige Susannen die handt. Heinr. Jul. v. Braunschweig 202. Adelung erwähnt noch diese form des wortes als mundartlich. neben den starken formen des singulars begegnen in der älteren sprache auch schwache formen: von einem stoʒ holtz awz der reihen in daʒ nebenhawse zu furen. d. städtechron. 1, 271, 15; und also umb dasselb eck in der reihen hinab. Tucher baumeisterbuch 174, 12; accusativ sing.: dieselben reihen hab ich raumen lassen durchausz im sibentzigsten jar zu Martini. ebenda 119, 30; dazu der nom. die reihen: ein reihen, die do geet durch und zwischen der jüden heüser herab an die ledergassen. 119, 28; ein geszlein und reien zwischen Fritzen Derrers und Linhart Stromers heusern. 266, 7. auch masculine formen kommen vor: eyn iczlich man sal sinen swinkoben buwen dry fusze von deme rie. Ortloff rechtsquellen 1, 110, ebenda kegin deme rien.
1)
ahd. rîga tritt in der bedeutung linea auf: linea uuirdit kediutit reiʒ unde zîla unde rîga. Notker 1, 419, 11 Piper. vielleicht ist die ursprüngliche bedeutung, dem zusammenhange des wortes mit dem starken verbum rîhan gemäsz, durch stiche oder einschnitte bezeichnete linie. im nd. begegnet noch ein rije in dem sinne: lose naht mit weiten stichen. brem. wb. 3, 492. in ähnlicher anwendung bezeichnet mhd. rîhe, nhd. reihe die vertiefte linie, die sich am menschlichen körper bildet, wo der oberschenkel sich an den bauch schlieszt: auch habent sie wee umb die reiche; prüch, die oberhalb der reich sein; legs warm über dy rewch. bei Schmeller 2, 84; wan einer nicht harnen kan, so nehme er geschelte zwibel, siede sie in einem topf mit wasser, bisz sie gantz weich werden, binde sie also warm auf die reye des bauchs. Hohberg 1, 294ᵇ; bei gleicher bedeutung in masculiner form: item er mache ein pflaster von balsamkraut, und legs zwischen den reyen und nabel. ebenda. vgl. der reihen unten.
2)
der begriff linie entwickelt sich weiterhin zu: linie des wasserlaufs, wasserrinne, graben; in dieser bedeutung begegnet besonders nd. rige, ryge Schiller-Lübben 3, 477ᵃ, ebenso hd. reihe in der composition wasserreihe: umb wasserreihen und dachrinnen. Schmeller 2, 83. in Nürnberg und anderen städten bezeichnete reihe die abzugsrinne, welche in einem sehr schmalen gäszchen zwischen zwei nebeneinanderstehenden häusern angelegt war, um das traufwasser beider häuser aufzunehmen und abzuführen. von dem abzugsgraben gieng dann sehr bald der name reihe auf das enge gäszchen selbst über (vgl. unten reihlein): es ist auch erteilt etc. umb all graben und reihen zu Nuremberg, das niemant kein privet dorein haben noch machen soll. Tucher baumeisterb. 282, 27; so ist in der stat buch am hundert und dreuundneuntzigsten platt ein prief eingeschriben über der Rapen haus die reichen antreffent, dardurch das wasser doselbst fleust. 268, 29; die reihen war in 18 jaren nit geraumpt worden. solch unflat kümpt vill von den juden heusern und auch von irem schlachhaus, und wenn grosz platzregen komen von sant Gilgen hoffe furt der regen vill santz und ertrichs herab. 120, 1; item das ain yede reichen zwischen tzwain nachtpawrn sol habn dreyer schuch weyt. pan- u. bergtaidingsb. in Österr. u. d. Enns herausg. von Kaltenbäck 3, 28. auf dem lande der schmale gang hinter der scheune zwischen dieser und dem zaun. Schm. 2, 83. von der bedeutung abzugsgraben für abwasser u. a. ausgehend nimmt die reihe sogar den sinn von cloaca, latrina an:
und auch die groszen (schweine-)braten swer
die kummen von der cleyen
und auch von manichem pawern ey (obscön)
das legen sie in die reyhen.
fastn. sp. 1106 (miszverstanden von K. Bartsch ld.² 342);
und als ich mich het zogen ausz,
wolt mich nider legen zu betth
und ein scholar mir leichten thet
(mit urlaub) auff ein heimlichs gmach,
da mit mir ein kleins prett zerbrach
und prellet mich nab in die reyhen.
J. Ayrer 2351, 25 Keller.
3)
eine fortlaufende, sinnlich wahrnehmbare, räumlich verbundene linie von gegenständen oder personen, welche ihrer zusammengehörigkeit gemäsz geordnet sind. die nähere bestimmung, woraus die reihe besteht, wird mit von oder dem genitiv angefügt. von gegenständen: reihe der zäne, dentium ordo et series Stieler 1586; eine reihe perlen, korallen, häuser, bäume, schiffe u. s. w.; eine reihe pfähle, spundpfähle, im wasserbau. Jacobsson 3, 388ᵇ; schritt mit musterndem blicke durch die reihe der zimmer. Freytag soll u. haben 2, 360; eine reihe kleiner öffnungen im zaune. 36; wir finden sofort wohnung an wohnungen, dorf an dörfern, und den herrlichen flusz hinab eine reihe von lustorten. Göthe 6, 188;
stolpert über ein'ge späne,
stürzt im fallen auf die uhr,
und zerbricht zwo reihen zähne:
blinder eifer schadet nur.
Lichtwer fabeln 1, 20;
wann unmündig und klein noch das kind ist, wirft es der zähne
reihen im wechsel zuerst ab bis ins siebente jahr.
Geibel 5, 109;
und aus dem schwarzen schlunde dräun
der zähne stachelichte reihn.
Schiller 11, 276.
von personen:
wenn man den vierdten theil
der nacht ausblasen wird; musz in geschwinder eil
die reyh der priester, der die schlosz-kirch anbefohlen,
sich finden auf die burg.
A. Gryphius (1698) 1, 67;
da drängen die, so grollend ferne standen,
sich fröhlich wieder in der bürger reihn.
Uhland ged. 102;
so hab ich endlich dich gerettet
mir aus der menge wilden reihn.
25;
im hofe seht ihr eine reihe sklaven,
bepackt mit kisten oder säcken, schon
dem thor sich nähern.
Platen 197ᵇ.
besondere anwendungen:
a)
militärisch bilden eine reihe die in einer geschlossenen abtheilung hinter einander stehenden leute, während glied die neben einander stehenden bezeichnet: ein reyhen ist die höhe, nemlich, wann 4. 5. 6. 10. 12. 20. 30. mann hinter einander stehen, und den rücken wenden, so spricht man, so viel mann .. stehen sie hoch. Böckler kriegssch. 301; eure reyhen recht, das ist, dasz einer hinter dem andern recht stehe, und die reyhe die länge hinausz gerad, und keine krümme mache. ebenda; die doppelte distantz, ist vier schritt (von mann zu neben- und hintermann) weit, insonderheit wann man heiszet glieder und reyhen öffnen. 304; rechts schliest ewre reyhen, man läst die erste reyhe auff der rechten seiten still stehen, und läst die andere, dritte, vierdte etc. nechst anschlieszen. 309; hinder jhnen folgen in der reyhe und rotte jhre rottgesellen, deren dann hinder einem jeden corporal und rottmeyster fünff befunden werden. Troupitzen kriegsk. 14; in neuer militärischer sprache ist reihe in der alten bedeutung gebräuchlich in den kommandos in reihen gesetzt, rechts oder links — um! (vgl. reihenmarsch). reihen und glieder zusammen bezeichnen die ordnung einer geschlossenen abtheilung nach der längsrichtung und der seitenrichtung: alle soldaten ins gemein, müssen underwiesen werden, wie sie jhre seitenwehre führen, jhre reyen und glieder halten, jhre distantzen nemmen, beydes zur musterung und zum treffen. Jacobi v. Wallhausen kriegsmanual 6; reyhen und glieder recht, das ist, dasz beydes die reyhen und glieder ein jedes wie vor gemeldet, recht in seiner ordnung stehen solle. Böckler kriegsk. 302; als endlich die sonne den horizont beschien, waren die hauptleute und obersten des Basilakus geschäfftig, ihre auf plünderung zerstreuten truppen wieder in reihen und glieder zu bringen. Schiller 9, 208; dann überhaupt für regelrecht geordnete truppenkörper: denn die nackte deutsche tapferkeit und kraft, ohne die kunst des krieges, vermochte nie auszuhalten in die länge gegen die geharnischten reihen und glieder der Römer. Hebel 3, 41; (Georg von Frondsberg) .. hatte sie (die landsknechte) gelehrt, geordnet und in reihen und gliedern zu fechten. Hauff werke 6, 9; daher in reih und glied marschiren, treten, stehen u. ä. so ist also der gewöhnliche brauch der schriftsprache der alten technischen bedeutung von reihe nicht entsprechend, denn wir verwenden es vorwiegend im sinne von glied: man nahm an, dasz, wenn die ganze (preuszische) armee in vier reihen gestellt würde, die köpfe vier schnurgerade linien machen müszten. Freytag bilder 4, 193 (die aufstellung der infanterie war damals vier glieder hoch); denkt auch daran, dasz ihr nicht in die erste reihe gestellt seid und nicht in die zweite, sondern in die dritte, weil ihr nicht selbst um euch schlagen sollt, sondern das tuch (die fahne) gegen den wind halten. ahnen 4, 346. freier gewendet: auch hier war der sieg schon völlig in den händen der tapfern und trutzigen Alemannen, und die reihen der Franken wichen auf allen seiten. Hebel 3, 43;
es ras't das schnelle mord-metall
und reihen krieger trifft der fall.
Lichtwer 278;
auf! fliege hohes siegspanier
voran den kühnen reihen!
Arndt ged. 195;
sie springen von den pferden, sie ziehen stolze reihn.
Uhland ged. 363;
auszerhalb militärischen sinnes:
und wehrlos blosz gestellt so vieler feinde grimm
fliegt er mit ängstlich scheuem blicke
die reihen durch.
Schiller 6, 350;
du gehst, in reihen stehen sie,
die mützen fliegen in die höh'.
Göthe 12, 57;
wie find ich dich, mein trauter, hier!
du eilest nicht zu jenen festgesellen?
nun zaudre nicht und komm mit mir,
in reih' und glied auch uns zu stellen.
2, 33;
zuerst manch abgebrochnes wort
fliegt durch die reihe hier und dort.
A. v. Droste-Hülshoff 322;
ich allein der verstoszene, ich allein ausgemustert aus den reihen der reinen. Schiller räuber 3, 2.
b)
reihe, die sitzreihe im conzertsaal, theater, sitzungssaal, schulraum, kirche u. s. w., sowie die personen darauf: die vordersten reihen des parterres waren unbesetzt; in der vordersten, in der hintersten reihe sitzen. ebenso von den über einander angeordneten reihen der bücher in einem regal: das buch steht in der obersten reihe u. ähnl.
c)
reihe für geschriebene oder gedruckte zeilen, mehr indessen mundartlich als schriftdeutsch: nd. kommet dy sodane breeff (urkunde), so lesz en myt vlyte, unde se, efte he nicht twyschen den regen geschreuen steyt. bei Schiller-Lübben 3, 447ᵇ; hier mercke und liese die zwo reyen, die hie uber geschrieben sindt. Spittendorf 359, 11; nog ên rige lesen oder schrîfen. ten Doornkaat-Koolman 3, 38ᵇ; in derselben bedeutung mlat. und italien. riga.
d)
reihe bildet auch eine art maszeinheit für knoblauch, zwiebeln u. ähnl.: ligatura ein ryge ut halii ceparum etc. Trochus R 2ᵇ; eine reihe knoblauch, restis alliorum Steinbach 2, 249; und Salomon de hadde alle daghe to syner spise druttich reghe semellen. Merzdorf bücher der könige 130, erat autem cibus Salomonis per dies triginta cori similae. 3 kön. 4, 22 übersetzend, wahrscheinlich meint der übersetzer 30 reihen semmeln, von der jede eine bestimmte anzahl umfaszte.
e)
bunte reihe, zunächst in allgemeiner bedeutung, den farben, den gestalten nach gemischte, mannigfaltige reihe: in bunter reihe drängten sich soldaten aller waffengattungen unter den flüchtigen;
die wang — ein chor von scherzen sasz
darauf in bunter reihe.
Hölty 20 Halm;
im engeren sinne bezeichnet bunte reihe diejenige anordnung der geschlechter in gang, tanz und sitz, bei der jede person zwei des anderen geschlechtes zu seinen seiten hat. zu den oben 2, 528 gegebenen stellen noch folgende (zeitschr. für d. phil. 16, 231):
maior maiori, iunior consedit herili
..............
eius contribulis conviva fiebat herilis.
Ruodlieb XIII, 62. 64 Seiler;
der bischof dâ den hovemeister hieʒ eʒ alsô ahten,
daʒ ie ein ritter und ein magt
mit einander æʒen.
Lohengrin 947;
do hieʒens under mîne man
ir ingesinde wol getân
sich teilen in dem palas,
daʒ kein mîn reche dâ was,
ern sæʒe zwischen magedîn.
Biterolf 7399;
der ausdruck selbst ist vor dem 17. jh. nicht nachzuweisen: bunte reihe .. speciatim autem dicitur alternata collocatio adolescentum et virginum. Stieler 1586; sie hatten denselben tag eine bunte reihe gemacht. Schelmuffsky (1696) 92; nd. wî willen'n bunten rige maken. ten Doornkaat-Koolman 3, 38ᵇ;
drum hab' ich gar zu gern
die bunten reihn am schmause.
ein wunderlich gesause
verüben lauter herrn.
Voss 5, 88.
f)
besondere verbale wendungen: eine reihe bilden, machen, sich in eine reihe stellen, sich zur reihe ordnen u. ähnl.; Gelanor mit den seinigen satzten sich auch, und machten die vornehmste reihe von unten auf, dasz der mahler und etliche lumpichte diener, die sonst hätten auffwarten müssen, neben dem juncker oben an zu sitzen kamen. Chr. Weise erzn. 119 neudruck; eine reihe machen in der besonderen bedeutung geordnet sein: es waren darunter bemerkungen zum entsetzen; allein es machte keine reihe, alles stand vielmehr zufällig durcheinander. Göthe 48, 147; eine reihe eröffnen, eine reihe schlieszen, der erste, der letzte einer reihe sein; reihe halten, die ordnung eines zuges innehalten: nur die würdige darstellung im zuge gelang den groszen geistern nicht, sie hielten schlecht reihe. Freytag verl. handschr. 2, 120; ebenso in der reihe bleiben, aus der reihe, in die reihe kommen, wieder in die reihe bringen, wobei reihe ganz allgemein den sinn von ordnung annehmen kann; besonders nd. sind solche wendungen sehr beliebt: dat schal wol bold all' wër in de rige kamen; hê kan't all' wër in d'rige brengen; hê is nog nêt mit hör in de rige, er ist noch nicht mit ihr fertig. ten Doornkaat-Koolman 3, 38ᵇ; ich bin wieder in der reihe. Vilmar 322; mit jemandem in eine reihe stellen, einem gleich stellen, vergleichen:
mich hat der ruhm noch nicht genannt, ich darf
mich in die reih' nicht stellen mit den rittern,
die siegberühmt und glänzend euch umwerben.
Schiller Tell 3, 2;
so lang von dir verachtet hätte Venus
des vaters ehre nun an dir gerächet?
sie hätt' in eine reihe dich gestellt
mit andern, dich gezwungen ihr zu opfern.
Phädra 1, 2.
4)
reihe für ein ganzes von zeitlich aufeinander folgenden, logisch mit einander verbundenen, oder nur in der vorstellung verknüpften elementen: eine reihe von tagen, nach einer langen reihe von jahren; eine reihe mehrerer jahrhunderte, welche die ganze innere gestalt der provinzen verwandelte, hatte diese form der hierarchie unverändert gelassen. Schiller 7, 108; er hörte in der ganzen reihe von jahren nichts, was auf sein voriges leben bezug hatte. Arnim Hollins liebel. 76; es war, als ob uns eine grosze zufriedenheit fehlte, dasz wir nicht mit einem blicke die reihe unsrer betrübten begebenheiten übersehen sollten. Gellert 4, 341; an diese allgemeinen beschwerden schlosz sich nach und nach eine reihe von besonderen vorfällen an, welche die besorglichkeit der protestanten zuletzt bis zu dem höchsten misztrauen spannten. Schiller 8, 41; es ist eine entzückung, welcher nichts gleicht, auf eine reihe künftiger menschen hinaus zu blicken, welche uns lieben, sich in unsere tage zurückwünschen, von uns zur tugend entflammt werden. Hölty 221 Halm; reihen von 30 bis hundert versuchen hintereinander. E. v. Hartmann spiritism. (1885) 64; eine reihe beweiskräftiger schlüsse; (ein gedanke) der zwar schluszweise zusammenhängt, den wir aber leicht selber denken können, und deswegen in der reihe auszulassen pflegen. Gellert 4, 25;
darum verzeiht dem dichter, wenn er euch
nicht raschen schritts mit einem mal ans ziel
der handlung reiszt, den groszen gegenstand
in einer reihe von gemälden nur
vor euren augen abzurollen wagt.
Schiller prolog zu Wallenstein;
und darauf grüszten sie (die hexen) prophetisch ihn (Banquo),
den vater einer königlichen reihe.
Macb. 3, 3;
wohl dem, der seiner väter gern gedenkt,
der froh von ihren thaten, ihrer grösze
den hörer unterhält, und still sich freuend
an's ende dieser schönen reihe sich
geschlossen sieht.
Göthe 9, 17;
es ist ein schönes, herrliches gefühl,
durch lange reihen seiner groszen ahnen
auf den zurückzuzählen, der den adel,
dies heiligthum des menschenwerths, erwarb.
Körner 3, 219;
wohl hab' ich euer grüszen,
ihr heldengeister, gehört:
eure reihe soll ich schlieszen;
heil mir! ich bin es werth.
Uhland ged. 199;
wer theilt die flieszend immer gleiche reihe,
belebend ab, dasz sie sich rythmisch regt?
Göthe 12, 13;
er (der menschliche geist) wünscht, geneuszt, und wünscht aufs neue,
durchirrt der güter lange reihe,
und kan bey keinem stille ruhn.
Drollinger ged. 23.
5)
reihe, als das zeitlich auf einander folgende zusammenfassend, geht geradezu in den begriff geordnete folge, reihenfolge über: in grader reihe von jemandem abstammen; (ein volk) bei dem in einer folge von zeit und leben sich eine bildung in schöner und stätiger reihe entwickelt, die bei uns nur als stückwerk vorübergehend erscheint? Göthe 38, 4; sey dir mein wort das schönste, heiligste deiner gefühle und dieses nur symbol des höchsten, was du ahndest, und so in unendlicher reihe fort alles nur symbol, andeutung des höhern. Arnim Hollins liebel. 53; daher hat er den naturaldienst beibehalten, jedoch darin eine reihe eingeführt, dasz einer vor dem andern damit nicht beschweret werden kann. Möser patr. phant. 3, 222 (bei demselben mehrfach die gemeine reihe als die gesetzlich durch die gemeinde festgesetzte ordnung und reihenfolge: nunmehr ging es mit den höfen über und über. einige rissen sich aus der gemeinen reihe los. 1, 330); wer kommt an die reihe?; er hat sich nicht streng genug an die reihe gehalten u. ähnl.; die reihe geht herum, die reihe ist an mir, die reihe trifft mich, ich bin an der reihe: und als die reye an Simplicissimus kam, seine meynung auch zu öffnen. Simpl. 4, 225, 8 Kurz; hierauff kam die reih an den priester. Weise erzn. 21 neudruck; ich halte sie stund in den gedancken, weil keine hochzeit vorbracht würde, da man nicht eine andere erdächte, so würde sie nun die reihe treffen. 172; tröste dich .. mit dem frommen gedanken, dasz sie in einem andern leben, wo die reihe an dich kommt glücklich zu seyn, sich in den flammen des Flegethon wälzen werden. Wieland 1, 208; wen wird die reihe in unserm hause treffen, mich oder meine tochter? Gellert 3, 158; die reihe war jetzt an den unirten, der stärke nachzugeben. Schiller 8, 59; endlich muszte Wilhelm auch an die reihe. Göthe 18, 261; ja es geschah, dasz sie die küchenthür öffnete und harrte, bis er an die reihe kam. Freytag ahnen 4, 79;
in ein götterbegünstigtes glückliches haus,
wo die kränze des ruhmes hängen,
und das goldene zepter in stetiger reihe
wandert vom ahnherrn zum enkel hinab.
Schiller 14, 59;
bald komt die reig' an dich.
Rist Parnasz C 2ᵇ;
dann kömmt der bewundrung reih,
an den schatz von küch und keller.
Gotter 1, 50;
gebt euch zufrieden. auch an euch wird einst
die reihe seyn, wenn diese stämme brechen.
Schiller don Carlos 3, 7;
das geht vorbey,
trifft ihn einmal die reihe zu befehlen.
2, 10;
die zeiten
der liebe sind vorbey, der zarten schonung,
und hasz und rache kommen an die reihe.
Wallensteins tod 3, 18;
habt ihr freude gehabt, so kommt nun endlich die reihe
wieder an mich.
Göthe 40, 94;
wohl billig kommt die reihe nun an dich.
11, 314.
6)
reihe verbindet sich mit präpositionen zu adverbiellen wendungen: auf der reihe soviel als in ununterbrochener reihe, nach der reihe, gehört dem älteren nhd. an: wer mag allzeit lauter klaglieder, wer mag hingegen eitel schertz und freudengedichte auf der reige daher lesen. Rist Parn., nothwendiger vorbericht; weil ihre dritthalb massige flasch zuvernemmen gab, dasz sie nicht mehr herumb reichen könnte, einem jeden auf der reige einen vollkommenen trunck mitzutheilen. Simpl. 3, 304 Kurz; diejenigen aber, so bauholz verlangen, müssen es des morgens, wann das freienfest gehalten wird, bei uns anzeigen, und dann senden wir unsern verwalter mit zweien der ältesten freien herum, die es ihnen auf der reihe auszeichnen. Möser patr. phant. 3, 223; mnd. grave Ghert nam de vlucht unde reet van Segebarge na Rendsborch, van dar to den anderen sloten up de reghe. bei Schiller-Lübben 3, 448ᵃ; die vorwerber sind abgetreten, den mitwerbern ist es nicht besser gegangen, und sie haben vielleicht doch auch ihre zwecke erreicht und sind beruhigt; die nachwerber sind nun an ihrer reihe der lehre, des raths, der hülfe bedürftig. Göthe 53, 167; auszer und in der reihe, aus und in der reihe jemanden fragen, das einmaleins abfragen u. ähnl.; es geht nach der reihe oder der reihe nach: sie sangen von der jungfrau, welche aus dem schiff in die tiefe versenkt werden soll und der reihe nach ihre lieben zu hülfe ruft. Freytag ahnen 4, 250; was ihr (der kirche) aber zur gröszten zierde dient, sind Christus und seine apostel, die reihe her an den pfeilern des schiffs, nach zeichnungen Raphaels farbig in lebensgrösze gemahlt. Göthe 29, 168; er (der Sicilianer) hielt inne, wurde sichtbarlich unruhiger und sah uns alle in der reihe herum mit verlegnen blicken an. Schiller 4, 230; ebenso der pocal ging die reihe um;
dabey bedung er aus,
was für den preisz wohl jeder billig fände,
ihn reih herum zu speisen bis ans ende.
Göckingk 3, 232;
indesz thut keinen zwang euch an,
der reihe nach uns auszulachen.
248;
lies diese eidesformel,
ob dir's gefällt, so wie wir's aufgesetzt.
es haben's alle nach der reih' gelesen,
und jeder wird den namen drunter setzen.
Schiller Piccol. 4, 1;
die mäusefalle stand im corridor,
sie öffnend liesz ich nach der reihe sechs
gefangne mäuse d'raus entspringen.
Platen 177ᵇ;
alte frauen schweiszbedeckt,
junge mägd' im lauf,
spenden was der korb verdeckt,
reihen ab und auf.
A. v. Droste - Hülshoff 171.
7)
in der mathematik ist eine reihe dasselbe wie eine progression, gebildet durch zahlenwerthe, die nach einem bestimmten mathematischen gesetz auf einander folgen: steigende, fallende, arithmetische, geometrische reihen, endliche, unendliche reihen.
8)
reihe, reihen f., auch reihen m. im bair. die leiste (des tischlers, der näherin) Schmeller 2, 84; schwäb. handhabe am pflug zur lenkung desselben; ferner derjenige theil am wagen, wo die räder beim umwenden durchgehen; eine gute reihe hat der wagen, wenn die räder leicht durchgehen; in die reihe fahren, den wagen umlenken. Schmid schwäb. wb. 429. bei den förstern sind reihen, schragen, zeilen mehrere in gewisser länge zusammengesetzte klafter holz. Jacobsson 7, 271ᵇ.
9)
in der heraldik die zwischen horizontal durch den wappenschild gezogenen linien entstehenden räume: vocantur .. ordines, die reihen, oder gegenden der felder, oder quartiere. J. Weber examen artis heraldicae 29.
Zitationshilfe
„reihe“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/reihe>, abgerufen am 23.10.2019.

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