Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

revier, n., früher f.

revier n., früher f.
bezirk, gebiet, kreis; lehnwort aus dem romanischen. das ital. riviera, span. ribera, portug. provenz. ribeira, franz. rivière, dem lat. riparia entstammend, bezeichnete zunächst das ufergelände, die ufergegend, gieng aber auch mit leichter übertragung in den begriff des flusses selbst über, in welchem es dem französischen ausschlieszlich verblieben ist (vgl. Diez wörterb. 1, 354). das höfische mhd. hat das wort in beiden bedeutungen herübergenommen, zum theil mit geschlechtswechsel, indem neben dem fem. sich das neutr. (in hinblick auf wasser und gelände) festsetzt; die bedeutung des wasserlaufs ist weniger häufig und schwindet später wieder:
bî einer rivier, diu dâ vlôʒ.
Lanz. 5137;
sîn lîp was clâr unde fier:
ûf dem plân am rivier
twuog er sich alle morgen.
Parz. 118, 12;
während die bedeutung des ufergeländes, die auch später noch vortritt: umb dise refier ist gefar zu faren. Franck weltb. 213ᵃ, sich zu der des bezirks, der gegend überhaupt erweitert; die form schwankt anfangs zwischen rivier und revier, das fem. ist noch im 18. jahrh. gekannt: daʒ her lag alleʒ zu Orenpurg und zu Hailprunne und zu Spalt und do umb in der refier (varianten ryfir, rifir, riefier) wol acht tag. d. städtechron. 4, 34, 9; wann man die giftige thier gar vertreiben will aus der refir herum. Tabernaem. 400; in dieser revier herum, sagen sie, werd ich ihn antreffen. Schiller 2, 119 (räuber schauspiel 3, 2, später geändert: in diesem revier. 2, 275, räuber trauerspiel 3, 4);
im thumb wirst du mich allmal sehen
nach essens in disen refiern
oder im creutzgang umb spatziern.
H. Sachs fastn. sp. 5, 72, 105;
der vater der revier, gesteifet an sein rohr,
setzt frischen kaffiar und gute krebse vor.
Fleming 91;
welch ein glanz und welcher schein
musz denn nicht dort oben sein
in den himmlischen revieren.
Brockes 2, 297;
die grüne zier
und das dadurch so lustige revier
der landschaft.
310;
in dem revier der nimmer stillen sterne.
3, 189;
sich dieses himmlische revier
von diamant, rubin, saphier,
smaragd und perlen vorzustellen.
632;
doch an blumen fehlts im revier,
sie (die sonne) nimmt geputzte menschen dafür.
Göthe 12, 53;
vgl. lustrevier. bisweilen selbst zu der bedeutung des landes im politischen sinne: donoch fuͦte es sich, daʒ der künig zuͦ schaffende gewan und usser landes fuͦr, und befalch sinre künigin Helenam, das sü solte den frömden gesten tuͦn zuht und ere erbieten, die wile sü do in der rifiere werent. d. städtechron. 8, 288, 30;
weit umbher im jüdischen refire.
B. Ringwald evang. Y 8ᵇ.
in technischem sinne: im forstwesen ein gewisser distrikt von holz oder feld, der einem jäger anvertraut und zur aufsicht übergeben wird, im bergwerk ein gewisser distrikt, in welchem ein bergherr das bergregal ausüben kann, oder der einem bergamt angewiesen ist. Jacobsson 3, 409ᵃ; reviere der erzgänge im streichen, die weltgegenden, in welchen die erzgänge streichen. ebenda; militärisch: der von dem theil eines regiments in der kaserne oder im lager eingenommene raum; auch ärzte reden von revieren, bezirken, deren begehung in krankheitsfällen ihnen zufällt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1890), Bd. VIII (1893), Sp. 851, Z. 46.

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