Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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rangen, verb.

rangen, verb.
sich in drehungen, windungen bewegen (vgl.rang sp. 91), ringen, winden, streben u. ähnl.; mnd. wrangen, vom ringenden kämpfen. luctari vrangen, wrangen, rangen Dief. 338ᵃ; luctari wranghen l. ranghen 240ᵃ; rangeten zwene mit einander um gelt, und einr den andern dor zu tode drucke. Magdeb. blume 1, 118; auch vom ringen mit dem tode: si wurde sterbin und rangete itzunt mit dem tode. Germ. 9, 177 (aus script. rer. pruss. 2, 253); vom verliebten ringen, kosen, buhlen: als die (junge tochter) getanzt hatte, und frolichen unkusche lieder gesungen, und ir unkuscher bule an dem tanz was gewest, gieng sie zu jme und rangte mit jme. altd. blätter 1, 54;
czu ir mit armen rangen,
das hercz gein hercz in frewden sprung, ..
das äsz ich fur all sangen (delicate fischlein),
ob mir an ir so wol gelung.
fundgr. 1, 336, 8,
vom drehen und wenden bei einem bestreben:
vernimpt er dann, dasz etwar im stat
und empter besser nutzung grat,
so gat er winden, rangen und träjen,
wie er könd andre anschlag säjen
und mög sin sach ouch höher bringen.
H. Salat 197, 488 Bächtold;
niederd. rangen und wrangen, im spiele mit ringen ein wildes lärmen machen, wild herumlaufen. brem. wb. 3, 432. 5, 296; rangen, immer in bewegung sein, nach etwas streben Dähnert 373ᵇ; sik wrangen, seine kräfte mit einander probieren, versuchen wer den andern zu boden werfen könne: sü, wo de jungs sik wrangen. 558ᵃ; in wörterbüchern des 15. jahrh. aber erscheint auch alare, rangen, tenen o. ranken Dief. 20ᵇ; alare, alarare, ranggen nov. gloss. 14ᵃ, was sonst erklärt wird brachia extendere, brachia ad modum alarum extendere, also ein renken; rangen, rengeren, pandiculari Dasyp. 192. vergl. auch ranken.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1886), Bd. VIII (1893), Sp. 96, Z. 76.

rängen, verb.

rängen, verb.
drehen, wenden: einen rängen, einem eine drehung geben, zu boden werfen. Garg. 138ᵇ, s. die stelle unter rang 2, sp. 92.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1886), Bd. VIII (1893), Sp. 97, Z. 31.

ringen, verb.

ringen, verb.
vier verba verschiedener bildung sind hier zusammen zu fassen, drei schwache und ein starkes, die aber im nhd. nur zum theil in lebendigem gebrauche sind.
I.
ringen, schwaches verb., einen ring, ringe bilden, zu einem ringe, zu ringen formen, mit einem ringe, mit ringen versehen u. ähnl. ringen, in orbem torquere, circulum circumscribere, conficere, mehr theoretisch aufgestellt. Stieler 1650 (vgl. beringen th. 1, 1524, umringen): dieweil er (der same) sich also rings umbher ringet und krümbt, hat er auch den namen ringelblume billich. Bock kräuterb. 116; sê ringen sük d'r um to. ten Doornkaat-Koolman 3, 42ᵃ. einen baum ringen, die rinde eines baumes in einem ringe um denselben herum abschälen. Frisch 2, 121ᵃ. die schweine ringen, ihnen einen ring durch die nase ziehen, damit sie nicht wühlen. a. a. o. (vergl. auch ringeln). sprichwörtlich de 't swîne-ringen anfangt, môt sik 't gieren (schreien) gefallen laten. Schiller-Lübben 3, 484ᵇ. br. wb. 6, 255. im kärnt. werden die schweine berungen Lexer 209; zur starken form vergl. oben beringen theil 1, 1524. nld. ringhen, annulo circumdare, domare Kilian; 'n bulle ringen ten Doornkaat-Koolman a. a. o. in besonderer anwendung, nd. den torf ringen, ihn zum trocknen in runde haufen setzen Dähnert 382ᵃ. ten Doornkaat-Koolman a. a. o., den torf upringen, hochringen Schütze 3, 297. eigenthümlich gebraucht: traue der schlange nicht. sieben farben ringen (später in ringeln verwandelt) auf ihrem spiegelnden rüken. Schiller 3, 136 (Fiesco 5, 1);
enge fessel, geringt
an lemnischer esse.
Klopstock 2, 60;
dasz die himmelgeborne (freiheit)
an der kette, die sie sinnlos ihr ringten, verstummt.
2, 155;
da flattert ihr haar
am rücken, geringet,
wie schlangichte gluth,
hernieder.
maler Müller 2, 384;
wie's auf klarem teichkristalle
sich's von eines tropfen falle
weiter stets und schwächer ringet.
Müllner schuld (1821) 5.
mhd. ringen:
die rîbent an dem tanze   dicke ir langeʒ hâr;
daʒ gêt ûf die schultern   breit geringet hin ze tal.
minnes. 3, 200ᵃ Hagen.
ahd. hringôn gyrare Graff 4, 1170:
odo iawiht thara ingegini   murmulo thiu menigi,
suntar sar sih ringot   so druhtin iʒ githingot.
Otfrid 5, 20, 35.
daneben mit anderer ableitung bringan: kerinctiu in circulum ducta (corona). Graff a. a. o. alts. hringôd circulato (tractu corporis). Straszb. glossen bei Heyne kleine altnd. denkm. 93, 40, ags. hringan, part. prät. hringed: hringed byrne, geringte brünne Beówulf 1246, altn. hringja.
II.
ringen leicht, wertlos machen, abgeleitet von ringe, adj. ahd. ist karingit levigatur Graff 2, 530; sehr ausgebreitet ist der gebrauch des wortes im mhd., vgl. mhd. wb. 2, 712ᵃ. Lexer 2, 449ᵃ. in späterer zeit selten: das der getemperirt schlaff gar gesunt ist dem leibe und gibt dem menschen einen ringen syn und ringet im seinen leib. Ortolf v. Bayerland arzneib. 49ᵇ (1477). mnd. ringen als schlecht ausschieszen Schiller-Lübben 3, 484ᵃ; in der bedeutung 'mildern':
nû ringe und senfte ouch Jêsus mînen val.
Walther 123, 26.
III.
ringen, läuten, s.ringeln, nld. ringhen, ringkelen, sonare, pulsare, tinnire Kilian, engl. to ring, dän. ringe, schwed. ringa (ringare glöckner), nur hier und da an der deutschen küste gebräuchlich, z. b. in Helgoland, s. Frommann ztschr. 3, 28. mehrfach findet es sich bei Arndt:
laszt hörner und trompeten klingen,
laszt sturm von allen thürmen ringen,
die freiheit soll die loosung sein.
ged. 137;
(wehmuth) die süsze liebesworte
mit engeltönen singt
und an der himmelspforte
der sehnsucht glocken ringt.
272;
es haben engel einzuläuten
dies fest die glocken selbst gerungen.
325.
die starke flexion zeigt auch das engl. to ring, indessen ist dieselbe nicht ursprünglich, ags. hringan zeigt schwache flexion, ebenso altn. hringja. intransitiv ags. byrnan hringdon die brünnen klirrten Beów. 327. im ahd. und mhd. fehlt das verbum. vgl. Fick³ 3, 82.
IV.
ringen, starkes verbum, torquere, luctari.
A.
Formales. das verbum ist gemeingermanisch Fick³ 3, 294, goth. bezeugt durch das fem. wruggo παγίς, altn. ist die 3. pers. pl. prät. vrungu einmal bezeugt, ebenso mit altem anlaut vrong, n. plur. zu rangr, adj. schief, verkehrt auf vreiþi gereimt im Fafnism. 33, 6. ags. vringan, engl. to wring. auch im nld. und nd. ist der alte anlaut bewahrt, wringhen torquere, contorquere Kilian, mnd. wringen Schiller-Lübben 5, 781ᵇ. ebenso noch jetzt allgemein im nd. im hd. ist das anlautende w aufgegeben (bezeugt ist auch hringan Graff 2, 528), ahd. ringan, rang, rungun, girungan und entsprechend im mhd.; nhd. ringe, rang, rangen, gerungen. die entwicklung der nhd. formen weist besondere erscheinungen nicht auf. das alte u im plural und conjunctiv des präteritum hält sich lange in der schriftsprache: so wer so mancher theurer junger man in Rom, der zu solcher hauptmanschaft geschickt wer und gern nach lob und ehr rüng. Livius (Mainz 1546) 88ᵇ; der riesz sprange zu Goffroy, und begriff jn zu ringen um seinen leib, deszgleichen thet jhm auch Goffroy, und rungen beyde so mannlich und starck, dasz jhn beyden begundt athems zerrinnen. buch der liebe 278, 2. Schottelius 592 conjugiert ich rang, du rungest, er rang, wir rungen, ich rünge: die pancratiasten welche rungen und zugleich auf einander schlugen. Winckelmann 2, 434; die jüngeren aber, da sie mit einander rungen. 6, 54. archaisierend: hierauf rungen die beiden aus allen kräften. Tieck 13, 84. der plural zwingt seinerseits den singular zur ausgleichung, so entsteht ich rung, ich runge: ich rang, ich runge Stieler 1610; seine seele rung mit gott. Stilling häusl. leben (1789) 35;
eylt ich zuͦ jn rung mit jn hart.
Schmelzl David 21ᵃ;
er rung mit thränen beide hände.
Gellert 1, 184;
wie sehr die kröte runge
und den leib zu schwimmen zwunge,
fand sie doch allhier ihr grab.
Lichtwer 150.
diese alten verhältnisse sind z. th. mundartlich gewahrt. vringen vrang, vrungen Woeste 309ᵇ; wringe, wrung, wrungen (wrüngen), wrünge, ewrungen Schamb. 306ᵃ. br. wb. 5, 299. ten Doornkaat-Koolman 3, 576ᵇ; ringe, rung, gerunge Hunziker 206. der niederdeutsche anlaut wr geht auch in die hochdeutsche schriftsprache auf niederdeutschem gebiete über, wenn hier zumal von wäsche wringen geredet wird oder wenn zeitungen wringmaschinen für den haushalt empfehlen. zeugnis für die ältere sprache vgl. unter B, I, 2 aus Scriver. vereinzelt begegnet ein schwaches part. prät. geringet im mnd.: du heft myt dem dode gerynget. gebetb. bei Schiller-Lübben 3, 484ᵃ; he heeft dar na geringet unde getrachtet. Beninga ebenda.
B.
Bedeutung und gebrauch.
I.
winden, zusammendrehen, pressend winden.
1)
mit betonung des pressens, wäsche ringen, wäsche ausringen, das wasser aus der wäsche ringen. so wird besonders nd. wringen allgemein gebraucht. Woeste 309ᵇ. Schütze 4, 378. Schambach 306ᵃ. ten Doornkaat-Koolman 3, 576ᵇ. ags. ic nam þâ wînberian and wrang on þät fät. genes. 40, 11. durch pressen herstellen: gude keyse wryngen Schiller-Lübben 5, 782ᵃ; thränen aus den augen ringen, auch refl.: es rangen sich heisze thränen aus seinen augen; gekrümte allegorien, verwänte gleichnussen ..., wie sie Plutarch, Heraclid, Cornut ... nach jren köpffen ausz jm (dem Homer) gepreszt, gekältert, getrott, gezwungen, und wie ein bauchwäscherin gerungen haben. Fischart Garg. 22ᵃ; dor enen dock wringhen, etwas durch ein tuch auspressen, colare Dief. 131ᵇ;
dreymal hat nun der mond die erde schon gegrüszet,
seit sich der schmerz um eure (der augen) nerven schlang,
und thränen, die ihr sonst so fest in sie verschlieszet,
aus euren fasern rang.
Göckingk 3, 46.
jemanden etwas aus der hand ringen, durch druck und windung losziehen oder reiszen: er rang ihm den dolch aus der hand (vgl. abringen th. 1, 91); ein schlosz (an der thür) abwringen. Frischbier 2, 481. sich ringen:
es zeugt von einer abschiedsstunde,
wo hand aus hand sich schmerzlich rang.
Uhland ged. 153.
frei übertragen:
vernichtet sei der schreckliche vertrag,
den du im süszen taumel einer warmen stunde
vom träumenden erzwangst,
mit meinem heiszen blut in unerlaubtem bunde,
betrügerisch aus meinem busen rangst.
Schiller 4, 23.
im drehen pressen, so dasz knarrendes geräusch entsteht: de mö͏̂len wringd so, dat man hum drönen hören kan. ten Doornkaat-Koolman 3, 576ᵇ. frei übertragen im sinne von bedrücken, quälen:
wie soll doch manches weih in ihren kindesnöthen,
so übermännlich seyn, und auch gar kaum erröthen
in ihrem angesicht', ob schon die last sie ringt.
Opitz 3, 292.
2)
mit betonung des windens, krümmens: mnd. he wringet sinen stert. Hiob 49, 17 bei Schiller-Lübben 5, 781ᵇ; he wringt säk fan pîn. ten Doornkaat-Koolman 3, 576ᵇ; hê wringt sick ass'n worm. Danneil 250ᵇ. vom drehenden windenden schmerze: ik hebbe wringen im live. brem. wb. 5, 299. die hände ringen, als geberde des tiefen schmerzes, der verzweiflung, des leidenschaftlichen flehens (vgl. th. 4, 2, 334, h): die hände überm kopf ringen, die hände wund, sich die hände wund ringen; wenn ich nicht zeit und gelegenheit habe, mein verlangen gott mit worten zu entdecken, so thue ichs mit aufhebung meiner augen gen himmel, mit händen falten oder ringen. Scriver seelensp. 1, 714; prinzessin in verzweiflung die hände ringend. Schiller 5, 126; lautschreiend, die hände ringend und mit aufgelöstem haar stürzt die wittwe des geschlagenen feldherrn durch die haufen, um rache, um erbarmen zu flehen. 7, 270; so stand er ... starr, in sich gekehrt, mit niedergesenkten armen, gefalteten, mitleidig gerungenen händen. Göthe 17, 409; warum weint der mann und ringt die hände? Freytag bilder 1¹⁴, 13;
heiʒe weininde
sîne hande wringinde.
könig Rother 3824 Maszmann;
o liebe, liebe Adelheid!
so rief er sonder ende,
der ich mein treues herz geweiht,
und rang die welken hände.
Hölty 29 Halm;
ringt nicht die hände so! still! setzt euch nieder,
laszt euer herz mich ringen.
Shakespeare Hamlet 3, 4
(leave wringing of your hands. peace! sit you down,
and let me wring your heart);
übt dort oben sich in donnerklängen
Zeus und läszt die wolken runzlicht hängen,
meint ihr wohl, ich ring' die hände schon?
Arndt ged. 48.
in eigenthümlicher fügung:
was liegt hier am boden in blutender qual?
es ist die gebieterin die mir befahl.
die hände sie ringen, die arme sie bangen.
Göthe 40, 396.
II.
luctari, niti.
1)
in körperlichem sinne ringen, kämpfen.
a)
in engerer anwendung vom eigentlichen ringkampfe: und sich aber etlich understeen, auff demselben eingefangen und verzeichentem des reichs podem ir spil mit springen, ringen und anderm fürbitz zu üben. Nürnb. polizeiordn. 90; da rang ein mann mit jm bis die morgenröte anbrach. 1 Mos. 32, 24; ringen und balgen. wenn man sich beim ringen und balgen durch die kniffe der halbüberwundenen nicht irre machen läszt. Göthe 24, 101; jemanden zu boden ringen. in bequemer sprache sich ringen.
sie rungen alsô starke,   daʒ eʒ grôʒ wunder was,
daʒ ir ieslîcheʒ   vor dem andern ie genas.
Nibel. 622, 11 (C);
alsus begunde er ringen
mit dem vil hôhen künige wert,
der ouch von im schilt unde swert
warf zuo dem plâne grüene
und als ein ritter küene
sich werte ringende alzehant.
troj. krieg 4202;
und wie vor an der stet
er in dem kampf mit ringen,
kempfen, laufen und springen,
rennen und allen dingen
das best für allen tet.
H. Sachs meisterl. 319 Gödeke;
fechten und ringen,
dantzen, hoffieren unde singen.
fastn. sp. 1, 20, 205 neudruck;
so treib hie ritterspil mit springen,
kempffen, fechten, lauffen, ringen!
104, 180;
die maid in die sackpfeiffen singen,
da unser knecht ölpern und ringen.
2, 35, 275;
und zum dritten mal hätten sie beid' aufspringend gerungen,
wenn nicht Achilleus selber vom sitz aufstand und sie abhielt.
Voss Il. 23, 733.
b)
der mann ringt mit der frau, um die höchste liebesgunst zu erlangen, dann auch freier vom minnespil selbst. häufig in älterer sprache: der mensch bekannt im weg ein jungfrowen, ich weisz nit welche verfelt haben, und er sagt sich, da gerungen ward, ein fingerlin abgezogen haben. Terenz deutsch (1499) 166ᵇ; damit er wider mit der frauwen zuringen kommen möcht, und sich in jren armen beschliessen. Bocc. ander theil 114ᵃ (Frankfurt 1601);
dô rang er nâch ir minne   und zerfuorte ir diu kleit.
Nibel. 587, 1;
si sprach: welt ir iuch êren,
sölhe mâʒe gein mir kêren
daʒ ir mit mir ringet niht,
mîn ligen aldâ bî iu geschiht.
Parz. 193, 29;
der (der vater) lieʒeʒ âne zürnen gar,
ob diu maget wol gevar
ihts dâ wære betwungen,
und ob dâ was gerungen.
555, 19.
einander ringen in freierer wendung von leidenschaftlicher umarmung (nach I, 1 hinweisend):
manec truric stimme erschal
da si di lieben sahen
ein ander also nahen,
ir antlitz unde ir bilde,
unde in zarter milde
einander also rungen.
Elisabeth 4282.
c)
mit den wellen ringen: Friedrich .. watete zu den beiden ringenden. Freytag ahnen 5, 250; nur der stärkste rang sich auf dem schilde schwimmend durch die strömung zum andern ufer. bilder 1¹⁴, 99;
steht nicht da, schroff und unzugänglîch, wie
die felsenklippe, die der strandende
vergeblich ringend zu erfassend strebt.
Schiller M. Stuart 3, 4;
mit arm, mit fusz er rudert und ringt,
der schwere panzer ihn niederzwingt.
Uhland ged. 331.
d)
von kämpfenden thieren:
(da sah ich) al der tiere hande,
die man mir ie genande,
vehten unde ringen
mit eislîchen dingen.
Iwein 405;
sieh' den tiger mit dem leoparden ringen.
Freiligrath 1, 155.
e)
ringen, mit waffen kämpfen, in älterer sprache: undurftes rungen sie uuider mir, so ih sie gruoʒta, cum loquerer eis debellabant me gratis. Notker ps. 119, 7; so scolde us use bere mid den van Veltem ringhen laten. städtechron. 6, 55, 25;
nist liut, thaʒ es biginne,   thaʒ widar in (gegen die Franken) ringe.
Otfrid 1, 1, 81;
hilf doch ritterlich ringen,
o mein herr Jesu Christ,
die feinde zu bezwingen.
Opel u. Cohn 88, 17.
sich ringen:
ir schlachtung haten sie wol bestelt,
si teten sich ritterlichen ringen;
dar sach man so manigen feinen jungen held
sein leben zum ende bringen.
Liliencron volksl. 2, 187, 27.
2)
übertragungen von ringen, kämpfen.
a)
von feindlich zusammenstoszendem, gegenwirkendem in der unbelebten natur: das licht ringt mit der finsternis, die wärme mit der kälte;
von Jesu will ich überall
in feld und wälden singen,
von ihm soll schall und widerschall
in luft und kluften ringen.
Spee trutzn. 153 Balke;
wenn stürme gegen stürme ringen
und wanderern verderben dräun.
Gotter 1, 8;
weicheres rang mit hartem und lastendes gegen das leichte.
Voss Ovid met.
b)
vom wettstreit menschlicher bestrebungen: durch dieses medium also (den deutschen hexameter) glaubte er es schlechterdings aufgeben zu müssen, mit der schönheit des Virgilischen verses zu ringen. Schiller 6, 343; recensent erinnert sich, hn. B.(ürger) über alle erhoben zu haben, die mit ihm um den lyrischen lorbeer ringen. 339;
hievor dô was reht meistersanc
in al der werlt genæme,
dô er bî rîchen künegen ranc.
minnes. 3, 163ᵃ Hagen;
zwo gewalt'ge nationen ringen
um der welt alleinigen besitz.
Schiller 11, 332;
mächtiger fühle ich mich
zu ringen mit schwerdt und mit leyer.
Arndt ged. 88.
das vorwärtsstreben des einzelnen, einer ganzen zeit, der menschheit wird als kampf gedacht: das alles darf mich nicht abhalten, dem kampf und ringen der zeit, welcher ich angehöre, mein leben hinzugeben. Freytag journalisten 90;
so wird er (gott) dich durch seinen geist
auf wegen, die du jetzt nicht weiszst,
nach wolgehaltnem ringen
aus allen sorgen bringen.
P. Gerhardt 223 Gödeke;
und o, dem kämpfer, der hier standhaft ringet,
die siegeskrone dort aus des vergelters hand.
Gotter 1, 388.
vom kampf gegen fremdes von auszen widerstrebendes, oder angreifendes: erst auf ihren (Elisabeths von England) schöpferischen ruf sollte dieser staat aus einer demüthigen dunkelheit steigen, und die lebendige kraft, womit er seinen nebenbuhler endlich darnieder ringt, von der fehlerhaften politik dieses letztern empfangen. Schiller 7, 64; gegen die aristokratische führung rang siegreich die wilde demokratie des heeres. Freytag bilder 1¹⁴, 479;
dem undank haben sie gebaut — umsonst
den harten kampf mit der natur gerungen.
Schiller don Carlos 3, 10.
ringen um etwas im sinne 'zur vertheidigung oder erreichung von etwas kämpfen': eine begebenheit, wo die bedrängte menschheit um ihre edelsten rechte ringt. Schiller 7, 7; an dem Rhein finden wir ein unaufhörliches ringen um die municipale unabhängigkeit. Ranke werke 1, 44.
c)
besondere wendungen: sie ringt mitm kind, parturit, aegrius enititur. Schönsleder e 7ᵈ; mit der not, mit dem mangel ringen;
wenn undank triumphirt, verdienst mit mangel ringt.
Gotter 1, 415.
mit der sprache, mit dem ausdrucke ringen, nur mühsam den sprachlichen ausdruck des gedankens finden: viele geschlechter muszten mit dem ausdruck ringen, bevor eine selbständige deutsche prosa geschaffen wurde. Freytag bilder 1¹⁴, 297. besonders geläufig seit alter zeit ist die wendung mit dem tode ringen von sterbenden (vgl.todeskampf). über die einst lebensvolle vorstellung, welche dem ausdruck zu grunde liegt, vergl. myth. 806.
die bluomen allenthalben   von bluote wâren naʒ,
dô rang er mit dem tôde:   unlange tet er daʒ,
wan des tôdes zeichen   ie ze sêre sneit.
Nib. 939, 1;
und es kam, dasz er mit dem tode rang, und betet hefftiger. Luc. 22, 44; als er schon mit dem tode rang, winkte er mich noch zu sich. Schiller 4, 212;
wenn nun mein leben nichts mehr kan
und ich mus mit dem todte ringen.
S. Dach in ged. d. Königsb. dichterkr. 237 neudr.;
indem ich hier getanzt, wirst du
vielleicht schon mit dem tode ringen.
Lichtwer 9 (fabeln 1, 3).
in älterer sprache auch der tod ringt mit einem: an iren letzten zeiten, so der tod mit inen ringen wirt, da werden dise dorn herfürstechen. Keisersberg pred. 74ᵇ (1510);
mit dem der tot fast mit ir rank,
das herz ir aus den armen sank,
damit so schid ir arme sel von hine.
H. Sachs meisterl. 24 Gödeke.
verschiebung des bildes: wehe! wehe! will mir keiner das haupt halten, will keiner die ringende seele entbinden? Schiller räuber 2, 2 schauspiel;
Lenorens herz, mit beben,
rang zwischen tod und leben.
Bürger 15ᵇ.
d)
von innerem kampfe, wider einander streitenden bewegungen der seele: der uuîg ist in dir, sament dir selbemo ringest dû. Notker ps. 75, 4. ringen ohne weitere bestimmung von leidenschaftlicher innerer bewegung: bald brach er überlaut aus: o Jesu, Jesu, wie bitter! und dann schwieg er wieder und schnaufte und rang innerlich. maler Müller 1, 304; der ringende kummer, worin dieser sich an die pyramide gelehnt und gehalten hatte. J. Paul uns. loge 2, 141;
wenn mit unaussprechlicher wehmuth, mit ringender inbrunst,
Daniel, Hiob, und Noah mit uns, wenn selber der erste
aller erschaffnen, Eloa es thut, wir flehen vergebens!
Klopstock Mess. 10, 757;
o königin, dasz ich gerungen habe,
gerungen, wie kein sterblicher noch rang,
ist gott mein zeuge.
Schiller don Carlos 1, 5;
als ich ohnmächtig flehend rang vor dir,
damals gelobt ich mir in meinem innern
mit furchtbarm eidschwur, den nur gott gehört.
Tell 4, 3;
drüben Antilochos auch wehklagete, thränen vergieszend,
haltend Achilleus händ', als beklemmt sein muthiges herz rang.
Voss Ilias 18, 32;
vorüber
ist das ringen, wilde pochen.
Lenau werke 236.
ringen um:
das war es, was der strenge ernst bedeutet,
womit ich blutig um die tugend rang.
Arndt ged. 41.
lebhafter tritt wieder die vorstellung des kampfes in wendungen, wie die folgenden sind, hervor: rache und gewissen rangen hartnäkig und zweifelhaft, aber die rache gewanns, und der jäger lag todt am boden. Schiller 4, 71; der lord .. empfing ihn .. mit einer rührung, die noch mit seiner gewöhnlichen kälte rang. J. Paul Hesp. 1, 218; noch unter dem hinunter gehen rangen hasz und freundschaft mit gleichen kräften in Amandus. uns. loge 2, 34;
so war in meinem busen wildes ringen
der mächte, die ich nie mit augen sehe.
Arndt 216.
mit dem zorne, mit scham, mit den thränen ringen (wobei ein sinnliches element in die vorstellung eintritt), mit sorgen ringen, mit einem entschlusse ringen u. ähnl.: es ist ersichtlich, dasz seit den Sachsenkaisern fast jeder ... mit diesem entschlusse rang. Freytag bilder 1¹⁴, 464;
ê ze grabe kæme   Sîfrides wîp,
dô ranc mit solhem jâmer   ir getriwer lîp,
daʒ man si mit dem brunnen   dike dâ begôʒ.
Nibel. 1006, 1;
der kumberhafte werde man
wol mit schame ringen kan
(daʒ ist ein unsüeʒ arbeit):
dem sult ir helfe sîn bereit.
Parz. 170, 29;
si ringent mit zorne,
die fürsten wol geborne.
30, 21;
nû mugen si doch bedenken die gemeinen nôt,
wie al diu welt mit sorgen ringe.
Walther 58, 23.
anders gewendet: mîn zorn ringet in mînemo herzen. Notker ps. 30, 10;
der könig ist ein frommer man,
hat vil gesehen und wol studiert,
mit gleichem recht das reich regiert
und es mir gemeint sehr gut,
dasz es hart mit mir ringen thut,
euch eur begern zuzusagen.
Ayrer opus 116ᶜ (829, 25 Keller).
e)
die vorstellung des kampfes verblaszt, ringen erhält die allgemeine bedeutung 'niti, sich anstrengen, sich abmühen, um etwas zu erreichen, um vorwärts zu hommen', je nach dem zusammenhange, mehr sinnlich oder unsinnlich: vorwärts, sich vorwärts, sich empor, sich weiter ringen; auch sie rangen sich zu kurzer macht empor. Freytag bilder 1¹⁴, 130;
daʒ wir vil tumben mit der âmeiʒen niht rungen (nicht, wie die ameise, uns mühten).
Walther 13, 28;
aber wann ir (die flöhe) wolt weiter ringen
wie raupen, die nicht alleyn pfezen
am laub, sonder auch frucht verlezen.
Fischart flöhhatz 2736;
bis an der sonnen letzte ringe,
genährt vom siege, dieses herz.
Hölderlin bei Wackernagel;
wer frisch umher späht mit gesunden sinnen,
auf gott vertraut und die gelenke kraft,
der ringt sich leicht aus jeder fahr und noth.
Schiller Tell 3, 1.
besonders nach etwas ringen. in alter sprache ist der gebrauch beweglicher. sprichwörtlich: wonach man ringt, das gelingt. Schottel 1114ᵃ. Wander 3, 1690. Göthe 3, 243; darnach man ringt, so eim gelingt, meldet das allgemein teutsch sprichwort. Kirchhof wendunm. 222ᵇ; wer da guts sucht, dem widerferet guts, wer aber nach unglück ringet, dem wirds begegen. sprüche 11, 27; wer seine thür hoch machet, ringt nach unglück. 17, 19; ringet nicht so nach dem verderben. weish. 1, 12; die lippen des narren bringen zanck, und sein mund ringet nach schlegen. sprüche 18, 6; ringe nicht nach gewalt beim könige. Sir. 7, 4; Ephraim wil unglück haben, nos dicimus ringet nach unglück. Luther Weim. 13, 37 anm.; du hast lang nach dem bad gerungen. Eulensp. 3; dasz die heutige welt nach lauter unordnung ringet. maulaffe vorr.; es wäre eine schlechte ehre, nach streit und schlägen zu ringen. Chr. Weise erzn. 29; nach nichts ringt die weibliche gefallsucht so sehr als nach dem schein des naiven. Schiller 10, 438; von keinem auge ausgespäht, von keinem verstande bewundert ringt in der schweigenden muschel die perle, ringt der krystall in den tiefen der berge nach der schönsten gestalt. 6, 298; ich danke dir noch, mein lieber bruder! lasz mich dich so nennen, und nach odem ringen, wenn ich's lebendig denke. Klinger 1, 32. ähnlich nach worten ringen. ich ringe nach keinem titel. Gotter 3, 66; um euch zu zeigen, dasz ich nach eurer angst gar nicht ringe. J. Paul teuf. pap. 2, 18; dasz sie nach der stelle eines darin (im schacht) verschütteten (bergknappen) eifrig ringen. jubels. 63; dieses letzte unwillkürliche ringen nach leben. Arnim Hollins liebeleben 33 Minor; ringt nicht jedes wesen nach seinem gesetze, alles vom sonnenstäubchen an, nach licht und freyheit. 10; in ihnen (den bettelklöstern) rang das gewissen Taulers und Luthers nach erleuchtung. Freytag bilder 1¹⁴, 504;
wol im der ie nach stæten fröiden ranc!
Walther 13, 25;
nideriu minne heiʒet diu sô swachet
daʒ der lîp nâch kranker liebe ringet.
47, 5;
nicht sulvest rynghe na state,
men malken by eren late
der got oͤm ghan unde de luͤde.
d. städtechron. 16, 254, 4906;
nach lieb tun ir vil ringen.
Gödeke-Tittmann liederb. 14;
nun bin ich einmal frei von liebesbanden
und tu jetzund allein nach kurzweil ringen.
40;
dasz sie sey ewer lieb gewisz,
nach der sie so hitzig sey ringen.
H. Sachs fastn. sp. 5, 72, 111 neudruck;
ich mein, das er nach unglück ringe.
Rebhun Susanna 5, 2;
aber wie man keinen klaget
der nach losen händeln ringt.
Soltau volksl. 521;
was ist die lieb' auf allen seiten,
nach der die meiste jugend ringt.
S. Dach in ged. des Königsb. dichterkr. 214 neudr.;
das ringt mit macht nach eignem falle.
Günther 144;
meine list und meine schätze
sind des reiches grund-gesetze,
das nach ruh und hoheit ringt.
339;
nicht nur streiten, überwinden
musz, wer nach der krone ringt.
Klopstock 7, 255.
in gleichem sinne auch mit dem infinitiv oder einem abhängigen satze: ringet darnach, das jr durch die enge pforte eingehet. Luc. 13, 24; wie jede grosze empfindung des Deutschen darnach ringt, sich im bilde darzustellen. Freytag bilder 1¹⁴, 413;
vergebens rang sein gefühl sich
nun zur stimme zu werden.
Klopstock Mess. 9, 103;
du ringest vergebens hier noch zu danken.
11, 828.
für jemanden ringen: es grüszet euch Epahras, der .. allezeit ringet fur euch mit gebeten. Col. 4, 12 (ἀγωνιζόμενος, goth. usdaudjands);
er sey ein solcher mann,
der auch aus groszer trew vor frembden nutzen ringet.
Rist poet. lustg. D 1.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1891), Bd. VIII (1893), Sp. 1001, Z. 35.

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Zitationshilfe
„ringen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/ringen>, abgerufen am 22.01.2021.

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