rude f.
Fundstelle: Lfg. 8 (1891), Bd. VIII (1893), Sp. 1384, Z. 56
nd. für raute, f. (s. oben sp. 318).
rüde f
Fundstelle: Lfg. 8 (1891), Bd. VIII (1893), Sp. 1384, Z. 57
pflugstocker, kleine schaufel, zum abkratzen der erde, welche sich am pflug ansetzt; nd. und md. nebenform zu hd. reute (s. sp. 849): rüde, rallum Chytraeus bei Frisch 2, 131ᶜ (vgl. Woeste 218ᵇ. Schambach 175ᵃ); riede im Fuldaischen Vilmar 325.
rüde m
Fundstelle: Lfg. 8 (1891), Bd. VIII (1893), Sp. 1383, Z. 20
canis, molossus, mhd. rüde, ahd. rudo Graff 2, 490. rud, ruͦd, ruͤd Dief. 366ᵃ (15. jahrh.), schäfferriede aus Frisius ebenda. rüdenhund (der) rüd, molossus Maaler 337ᵇ, schles. ried, dazu demin. das riedel Steinbach 2, 261, s. Weinhold schles. wb. 78ᵇ. eigenthümlich die riede bei Opitz, s. unter 2. besonders md. mit verschärfung der consonanz im inlaut, so dasz der kurze stammvocal gewahrt bleibt: ridde Dief. a. a. o. Weigand 2, 498. dum wanne canis dat riddichen keuft os dat knörichen. de fide meretr. 71, 30 Zarncke; wie ein faulfressiger, schlefferiger rüdde. Luther 6, 162ᵇ; das rüttchen Schmidt 167. nd. rode Dief. 95ᵇ. 366ᵃ. wie im hd. mit umlaut, längung des stammvocals, verschärfung der inneren consonanz: rodde Dief. 366ᵃ, röde, rödde Schottel 1388, roͤde brem. wb. 3, 513. Woeste 217ᵃ, rodde Schütze 3, 299. das d verschwindet in der aussprache vieler gegenden: brem. wb. a. a. o. und 3, 518. ten Doornkaat Koolman 3, 47ᵃ. Schambach 174ᵃ. Frommann mundarten 3, 263, 87. 268, 19. 4, 271, 64. 5, 57, 13. 5, 161, 13. 6, 367. mndl. rode, reude, canis mas Kilian gr. 1³, 302, nld. reu. dem alt-nd. rode vergleicht sich ags. rođhund (auch hd. rüdenhund), weiter ab steht ags. ryđđa, molossus. die herkunft des wortes ist dunkel.
1)
ursprünglich scheint rüde eine besondere art groszer, starker hunde zu bezeichnen; es glossiert daher molossus (s. Graff 2, 490). ags. ryđđa und rođhund tragen die gleiche bedeutung: molosus haiʒt ain rüd, daʒ ist ain grôʒer hunt, sam man si gar grôʒ vint in Lamparten. Megenberg 151, 2; als die dapfern rüden, die groszen hund thund, wen die kleinen mistbellerlin über sie schreien, sie gond für und verachtens. Keisersberg evang. (1517) 158ᵇ. als besondere gattung wird rüde sogar im gegensatz zu hund gebraucht: nicht wie der bapst thut, der weder hund noch rüde, weder fürst noch bischoff ist, und will doch beides unter sich haben. Luther 5, 476ᵃ. vor allem ist rüde der hetzhund, jagdhund (engl. the hound), so schon im mhd. im Schwabenspiegel unter anderen bezeichnungen für jagdhunde: für einen rüden drî schillinge und einen als guten rüden. 282, 6 Gengler;
vreche rüden, den meisters hant
abe stroufet ir bant.
Parz. 281, 3;
im ranc nâch herschaft sîn sin,
als nâch dem âse tuot der rüde.
ges. abent. 3, 84, 63;
man beiʒet mit den raben und mit der bunten krâ,
sô jagt man dâ
mit rüden und mit hovewarten.
minnes. 2, 348ᵇ Hagen;
er sol für triuwen nimmer fuoʒ gesetzen
mit rüden zu dem swîne
an gemeineʒ wild mag man in ouch wol hetzen.
Hadamar v. Laber jagd 417.
mnd. alze se hadden wesen in der wulwejacht myth oren roden yn dem roderbuske (1493). Schiller-Lübben 3, 495ᵇ; nhd. ich hielt unter ihnen als wie ein wildes schwein unter den rüden. Götz v. Berlichingen 84; saurüde Frisch 2, 131ᵇ;
dann leydthund, wynd, rüden, und bracken
on kosten füllen nit jr backen.
S. Brant narrensch. 74, 4;
damit sie die windspiel und rüden
im murren kunden machen zfriden.
Wickram irr. reit. bilger 18ᵃ.
fast ausschlieszlich in diesem sinne gebraucht die neuere schriftsprache das wort:
hörst du nichts? — mir ist
vor dem ohr, als bellten rüden.
Müllner schuld (1821) 19;
es haben sich die müden rüden
im hohen gras zur ruh gelegt.
Rückert ges. ged. 1, 272.
2)
von starken groszen bauernhunden, die als hofwart dienen, oder die schafheerde zusammenhalten und vor wölfen schützen. rüde, m., hofhund, ein bauerhund. Schottel 1388. so in nd. mundarten: rodde, hund, schäferhund, baurenpetze. Schütze 3, 299 (vgl. Schambach 174ᵃ. brem. wb. nachtr. 244. ten Doornkaat Koolman 3, 47ᵃ): die herde bedenkt nicht, dasz da, wo der rüde fehlt, sie den wölfen ausgesetzt ist. Göthe 25, 256. eine alte nd. bezeichnung ist scaprode, hohes wergeld setzt der Sachsenspiegel für ihn an: den hunt, den man scaprode het, mit dren schillingen. 3, 51, 1; it. sendet X grote rodden, de dar waken mogen wor des not is (1395). Schiller-Lübben 3, 495ᵇ;
dein hund daʒ sei ein rud vil guot,
der dir daʒ dein beschirm mit huot.
Wittenweiler ring 31ᵈ, 6;
komb! so wil ich mein groszen wacker
mit nemen. so nimb du dein rüden (spricht ein bauer zum andern).
H. Sachs fastn. sp. 3, 118, 163 neudr.;
kann nur der wolff erlangen,
dasz ihm die riede wird zum ersten weggethan,
gewiszlich musz das schaaff hernachmals auch daran.
Opitz 3, 316.
3)
als bezeichnung des männlichen thieres, bei hund, wolf und fuchs: rode, reude, canis mas Kilian; das mänlin oder der ried soll allwegen kurzleibig und gebogen sein, die hindin aber oder die präcke einen langelechten leib haben ... es werden auch vil mehr rüdlin dann zätzlin von solchen belegen geworffen. Sebiz feldbau (1580) 578; die fähin (füchsin) unterscheidet sich vom rüd nur durch einen etwas spitzigern kopf. v. Thüngen weidm. pract. 120; die wölfe rollen oder ranzen auch um lichtmesz, da es denn unter den rüdden, wo ihrer etliche zu einer hitzigen fähe kommen, ohne ein gewaltiges raufen und würgen nicht abgehet. v. Heppe leithund 296. als bezeichnung des männlichen hundes ist rüde oder eine diminutivform (vgl.männchen) mundartlich noch lebendig: schles. rüdel, rîdel Weinhold 78ᵇ. im Westerwald rüttchen Schmidt 167. vgl. Pfister 238 (Oberhessen). Frommann mundarten 6, 367 (Lippe). 4, 195 (Siebenbürgen).
4)
in einzelnen mundarten wird rüde als allgemeine bezeichnung gebraucht und hund tritt zurück. so besonders in den gebirgigen gegenden der grafschaft Mark, daher sagt man: dä es dàhēr, wà de hongd ruͤe hett. Woeste 219ᵃ. Frommann mundarten 5, 138, 16. vgl. Schambach 174ᵃ.
5)
übertragen und bildlich. juden heiszen des teufels rüden:
sint bœse jüden des tiuvels rüden,
wes rüden sint getoufte jüden.
H. v. Trimberg renner 23344.
der teufel heiszt der hellerüde. myth.⁴ 832. daʒ ich rüd (ich niedriger, armseliger mensch) dir daʒ niht gesagen kan. Megenberg 278, 30. einen wucherer nennt H. Sachs einen geltrüden (ein wokener is snoder wan eyn rode Schiller-Lübben 3, 495ᵇ):
den wuchrer und den geitzing jüden,
den nehrwolff unde den geltrüden.
H. Sachs fastn. sp. 4, 140, 64 neudruck.
wo rüde in der volkssprache in allgemeinerem gebrauche noch lebt, ist es natürlich auch scheltwort. ten Doornkaat Koolman 3, 47ᵃ.
rüde f
Fundstelle: Lfg. 8 (1891), Bd. VIII (1893), Sp. 1384, Z. 61
mundartlich für räude, scabies (s. dieses oben sp. 255).
rüde adj
Fundstelle: Lfg. 8 (1891), Bd. VIII (1893), Sp. 1384, Z. 62
roh, ungesittet, franz. rude, lat. rudis, neueres lehnwort.
Zitationshilfe
„rude“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/rude>, abgerufen am 12.11.2019.

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