Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

ruhestand, m.

ruhestand m
stand, zustand der ruhe.
1)
ruhestand allgemein im gegensatz zur bewegung: der feste ruhestand der materie (eines planeten). Kant 8, 495; diejenige kraft der seele, die die beurteilung und das nachsinnen regiert, ist von einer trägen natur, sie ist vergnügt, den punkt ihres ruhestandes anzutreffen, und bleibt gerne bei demjenigen stehen, was sie von einem mühsamen nachdenken losspricht. 150; und hierin dann, in diesen ausdrückenden mienen, in diesem entbrannten auge, und in dem ruhestande des ganzen körpers, bestehet die mischung von feuer und kälte, mit welcher ich glaube, dasz die moral in heftigen situationen gesprochen seyn will. Lessing 7, 17.
2)
im gegensatz zur arbeit und thätigkeit, besonders im alter: jemanden in ruhestand versetzen, sich in ruhestand begeben, in den ruhestand treten.
3)
harmonisches gleichgewicht.
a)
von äuszeren zuständen und verhältnissen: die wanderungen und das häufige umziehen in Griechenland dauerten noch nach dem trojanischen kriege fort, so dasz es wegen mangel nöthigen ruhestandes nicht aufkommen konnte. Heilmann Thucyd. 15; allenfalls auch habe ich ohne das groszmut genug, mein eignes recht dem gemeinen ruhestande aufzuopfern. Drollinger 253;
sie (die natur) gab uns wider den, der unsern ruhestand
feindselig stören will, die waffen in die hand.
Lichtwer 251.
b)
das innere gleichgewicht des menschen: wird das erregte geblüte wieder zu dem vorigen ruhestande gelangen. Butschky Pathm. 2.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. VIII (1893), Sp. 1434, Z. 18.

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