säufen schwaches verb
Fundstelle: Lfg. 10 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1882, Z. 78
trans. facere ut aliquis bibat, mergere. dem ahd. mhd. soufen, eintauchen, versenken entsprechend, schon früh im nhd. untergegangen und nur in zusammensetzungen mit vorsilben erhalten. Stieler 1685. niederd. söpen, saufen lassen, tränken brem. wb. 4, 1103; in Pommern zu saufen geben, aber auch ersäufen. Dähnert 442ᵇ. selten im ältern hochd.: ich hatte dies gethan und sie alle vollgeseuft. Schweinichen 1, 266.
saufen verb
Fundstelle: Lfg. 10 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1877, Z. 35
sorbere, potare, mergi.
I.
Form und verwandtschaft. mhd. sûfen, ahd. sûfan Graff 6, 170, altn. sûpa, schwed. supa, dän. söbe, ags. sûpan, mnd. supen, holl. zuipen, engl. to sup; im goth., altsächs. und altfries. ist das wort unbezeugt, zu dessen wurzel in den nichtgermanischen sprachen verwandtes sich nicht findet (Kluge 291). das mhd. prät. souf noch in nhd. zeit: nun forcht sich der herr gar übell, drumb souff er sich alle tag voll. Th. Platter 71 Boos; do souff er den noch mer. ebenda. unter anlehnung an den plur. prät. im mhd. suffen finden sich noch im nhd. präteritale und participialformen mit u. bair. neben sauffet und gesoffen suff und gesuffen Schm. 2, 230. tirol. neben sauffet suff Schöpf 583, suff Seiler 284: suffe sich auch einmal so gar voll ein, das man sie auf einem karren muͦst haym füren. Lindener Katzipori 77 Lichtenstein; ich kan nicht ohn gesuffen bleibn. Ayrer 2649, 31 Keller; ich süff ietz das meer ausz. Garg. 94ᵇ. scherzhaft noch in der studentensprache:
ein kerl wie sammt und seide,
nur schade, dasz er suff (: schuf).
Leipziger commersbuch 162.
das verb. zeigt in seinen formen mehrfach besonderes.
1)
schwaches prät., bair. sauffet (neben suff) Schm. 2, 230, ebenso tirol. Schöpf 583: warn drei brüeder ... fraszen und sauften. Aventin. chron. 1, 292, 21; wiewol der maist tail ... sauften. 2, 14, 32; ich saufte brüderschaft mit ihm. Schiller räuber 2, 3 schauspiel.
2)
in der 2. und 3. person sing. präs. fehlt der umlaut im oberdeutschen: du saufst, er sauft Adelung; du saufest, er saufet, vulgo du säufst, er säuft Frisch 2, 151ᵇ; der mensch, der .. unrecht saufet wie wasser. Zür. bibel (1530) Hiob 15, 16;
und mancher setzt sich selber drein (in den gasthof zum kreuz),
und sauft darin liqueur und wein.
Hebel 1, 297.
3)
der imper. häufig saufe: sauf oder saufe Adelung; misch daʒ alleʒ zesamen und soufe daʒ siben tage. Pfeiffer arzneib. 2, 16ᵈ; so sauffe du nu auch, das du daumelst. Habakuk 3, 16. prät. soffe (vergl. gramm. 1, 907 neudruck) bei Frisch 2, 151, s. oben (Katzipori) und II, 2, a, β sp. 1881 oben. die alemannische form sûffen in schriftlichen denkmälern: warumb bult er? warum sufft er? Terentius dram. (1499) 97ᵃ adelph.;
wie wir zuͦ trincken einander nötten
und mit suffen selber tödten.
Murner schelmenz. 63, 1 neudruck.
II.
Bedeutung.
1)
saufen heiszt im ahd. und mhd. zunächst schlürfen, trinken, ohne einen unedlen nebenbegriff; diese bedeutung hat sich nur vereinzelt in die nhd. periode hinübergerettet. in ahd. glossen wird sûfan gleichgesetzt hausisse, bibere, sorbere, sorbillare. Graff 6, 170. dieselbe bedeutung bleibt im mhd. (wb. 2, 2, 720), Lexer handwb. 2, 1289. Dief. gloss. 543ᵃ; noch jetzt wird das engl. to sup und dän. söbe in diesem sinne angewandt.
a)
unter saufen ist zu verstehen ein schlürfen, trinken, bei dem die flüssigkeit direct mit dem munde aufgenommen wird: unde durftigir souf ih den guoten keist (adtraxi spiritum), ich schlürfte, zog den geist ein, gleichsam wie eine flüssigkeit. Notker 3, 278; swenne den wîben ir siehtuomes niht chümt, sô nemen si des gîrs hirne unde souphen eʒ in warmen wîne. arzneib. 2, 16ᵈ Pfeiffer; misch daʒ alleʒ zesamen und soufe daʒ siben tage gegen einem halben trinchen. 18ᵃ; ir einguʒ sterkt der unkäusch gelider, wenn man si nüehtarn säuft und trinkt. Megenberg 389, 34; die wurzel ist auch für der lenden smerzen guot, oder wer der wurzeln pulver in ainem waichen ai in sich säuft, daʒ ist auch dâ für guot. 421, 4; so sol man den saft saufen, so speit man die kröten aus dem leibe. Ortolff v. Baierland (1477) 30ᵇ; wer auch vergifft getruncken hat, der sol einer eselein milch drei stund saufen, als der mon zunympt. 31ᵃ; im trincken so lappet und saufft der bär nit wie ein ander thier, sonder .. beyszt er in das wasser. Forer (Zürich 1583) 15ᵇ;
nû briuwe hie, und sûf dort in der helle sak.
minnes. 3, 91ᵃ Hagen;
mit schüʒʒeln sûfen niemen zimt,
swie des unfuore maneger lobe,
der si frevellîchen nimt
und in sich giuʒet als er tobe.
Tanhausers hofzucht bei Haupt 7, 175, 25;
sîn eigen bluot dâ sûfen
begunde manger ûf dem wal.
Konrad v. Würzburg troj. krieg 373ᵃ;
dar nach so mach sich ieder man
auf und leg sein härnäsch an
und segen sich, er sauff ein äy,
dreu ald viereu oder zway
mit einem glass von guotem wein.
Wittenweiler ring 49ᵇ
b)
saufen, schlürfen, trinken, wobei die flüssigkeit (suppe) mittels eines löffels aus einem gefäsz geschöpft und zum munde geführt wird, eine art des trinkens, schlürfens, für die wir die bezeichnung 'essen' gebrauchen:
nieman selbander sûfen sol
mit éinem leffel, daʒ stêt wol.
Tanhausers hofzucht bei Haupt 7, 175, 23.
diese bedeutung von saufen hat sich noch im Berner ober- und unterland in der sprache der hirten erhalten, in der das wort geradezu dem trinken, d. h. dem zusichnehmen einer flüssigkeit ohne löffel und dem trinken der thiere entgegengesetzt ist und 'mit dem löffel schöpfen' heiszt: d' milch isch noh z' heisz zum trihe, mier weisi suuffe (die milch ist zum trinken noch zu warm, wir wollen sie mit dem löffel schöpfen). Stalder 2, 304; noch unterscheidet der Berner oberländer das förmliche trinken vom bloszen sauffen (sufen), welches aus dem löffel statt hat. seine kuh tríhht, trêihht (trinkt), er selbst sûft (iszt) seine milch, schotten, suppe etc. mit dem löffel. Schm. 2, 230. vergl. die altbair. ausdrücke der zuesauf und das zuesaufen, welche flüssigkeiten (milch, brühe, suppe) bezeichnen, welche auch mit dem löffel gegessen werden können. Schm. 2, 230, vgl. auch Vilmar 338. 380 und die von saufen abgeleiteten substantiva. auch das schwed. supa hat neben anderen bedeutungen die des essens mit dem löffel. das part. act. steht in passivem sinne: eʒ sint auch läut, die sô klain münd habent, daʒ si neur mit aim klainen halm saufendʒ dinch in sich zihent. Megenberg 490, 10.
2)
saufen, gierig und unmäszig oder in unschicklicher weise eine flüssigkeit aufnehmen; wann und wo diese bedeutung zuerst aufgekommen, ist nicht näher zu bestimmen. bei Luther ist saufen schon durchaus ein starker ausdruck. nachdem saufen die bedeutung einer art des trinkens erlangt hatte, wie sie sich für den menschen nicht geziemt, fand dieses wort allmählich anwendung zur bezeichnung des trinkens der thiere; doch erst in den letzten jahrhunderten ist dieser gebrauch des wortes in der allgemeinen sprache aufgekommen. Luther sagt von den thieren in ruhigem stile trinken. auch Forers thierbuch gebraucht bei weitem häufiger von den thieren trinken als saufen. wir sagen jetzt in der gewöhnlichen redeweise von den thieren saufen, trinken nur noch im hohen stile oder auch angewandt auf kleine thierische wesen, für die wir das gröbere wort zu gebrauchen nicht angemessen finden.
a)
in bezug auf den menschen gebraucht, besonders vom reichlichen genusz geistiger getränke, heute meist in burschikoser und in niedriger sprache. häufig bedient man sich hier des derberen ausdrucks saufen auch dann, wenn kein unschickliches oder unmäsziges trinken bezeichnet werden soll.
α)
absolut: wenn ich ein irregeist were, und ein lügenprediger, und predigete, wie sie sauffen und schwelgen, solten, das were ein prediger fur dis volck. Micha 2, 11; ich zech wol, sauff weydlich. Alb. dict. 5ᵇ; als aber die Saxen- und Hessenkerle mueszen saufen oder doch das vil jar im prauch haben gehapt. Zimm. chron. 1, 27, 33; allein sauffen ist viehisch. Garg. 96ᵃ; was soll ein mann, der nit all tag sauffen kan. 87ᵇ; der (Faust) ... viel seltzamer abenthewr und grewliche schandt und laster getrieben, mit fressen, sauffen, hurerey und aller uppigkeit. Faustbuch 9 neudruck; das kayser Tiberius so starck gesoffen, das haben die Römer seiner versoffenen amme zugeschrieben, welche den kannen gern den boden besehen. Schuppius schriften 478; is dos nit a greul, dasz ma dirs sauffen so gor nit o gwena kon? Simpl. 2, 296, 6 Kurz; er frist nicht, er säuft nicht, er schläfft nicht, wenn er euch einen tag nicht gesehen hat. Schoch 24, 25 Fabricius; wir wissen gar wol, was ihr für gesellen seyd, ihr thut nichts allhier, als dasz ihr fresset und sauffet. 88, 21; dasz zuweilen die herren musicanten ein stimm haben, wie die hirten, wann sie durch ein kühhorn blasen, ist kein so groszes wunder, dann sie durch das übermäszige saufen, durch den öfteren cantharum, ein catharrum bekommen. Abr. a S. Clara etwas f. alle 157; die freude, das lachen, das kurtisiren, das saufen sind seine pflichten. Lessing 1, 413; es gibt eine art wein zu trinken, die sich zu der gewöhnlichen niedrigen, die der Deutsche mit saufen bezeichnet, eben so verhält, als wie die platonische liebe zu der thierischen. Lichtenberg (1844) 3, 34; sauf, bruder, sauf. Schiller räuber 1, 2 schausp. verstärkt durch zu: sauf zu, hauptmann — hier ist wasser genug, und frisch wie eis. 3, 2;
dann wer wol fressen und sauffen kan,
den preist man vor ein helden.
bergreihen 77, 16 neudruck;
wenn es kumpt gegen der herbest zeit,
so heben sich viel der kirmessen,
so hebt sich denn ein groszes mage füllen,
ein sauffen und ein fressen.
92, 29;
der apt der sprach 'wir brüder wollen tollen,
wir wollen sauffen zu halben und zu vollen'.
68, 4;
vollsauffen ist die gröste ehr.
wenn jetzt die leut zusammen kommn,
so wird das sauffen vorgenommn.
Ringwald laut. wahrh. 67;
sih also ist an allem ordn
das sauffen ein gewonheit wordn,
das man es auch im hertzen still,
für keine sünd mehr halten wil.
68;
worzu dient dann der wein? der gläserkrieg? das sauffen?
Opitz 2, 30;
bleybt beym sauffen! bleybt beim sauffen! saufft jhr Deutschen jmmer hin!
nur die mode, nur die mode, last zu allen teuffeln ziehn.
Logau 3, 256, 220;
zur thür hinaus wer sich entzweyt!
mit offner brust singt runda, sauft und schreit.
Göthe 12, 103.
in floribus saufen, besondere studentische art des trinkens: da sitzen eben diese vier kavallier und saufen einander rechtschaffen auf die haut .. der dritte stehet auf dem tische und säuft in floribus. Rist friedew. Teutschl. 111; da trunken sie carlemorlepuff, da soffen sie flores. Weise erzn. 150 neudruck. ohne jeden zusatz hat saufen oft die bedeutung des gewohnheitsmäszigen: warumb bult er (der jüngling)? warumb sufft er? Terentius (1499) 97ᵃ;
er ist ein taugenichts, der voller thorheit steckt,
spielt, säuft und taback raucht und tolle streiche heckt.
Göthe 7, 41.
zu saufen werden öfter vergleiche gesetzt, die eine besonders entwickelte ausübung dieser thätigkeit oder eine besonders hohe leistungsfähigkeit bezeichnen sollen. diese vergleiche werden hergenommen von der gesellschaft: ich lernte mit fleisz fluchen wie ein anderer soldat, und daneben sauffen wie ein bürstenbinder. Simpl. 3, 16, 12 Kurz; du sauffst dann as wei a berstenbinder. 2, 296, 8; er suft wie ne bürstebinder. Seiler 284ᵇ. vergl. auch: das sprichwort ist schon 3 meil hinder Babylon bekannt; er saufft wie ein bürstenbinder. Abr. a S. Clara etwas f. alle (1699) 1, 926; ich sauff wie ein thumherr, ich wie ein tempelherr, unnd ich tamquam sponsus. ich tamquam terra sine aqua. Garg. 100ᵇ. vom thierreich: ich sahe einmal, dasz die gäste die trachten fraszen wie die säue, darauf soffen wie die kühe, sich dabey stelleten wie die esel, und alle endlich kotzten wie die gerberhunde. Simpl. 1, 101, 17 Kurz; schles. saufen wie ein zugochse. Weinhold 80; westfäl. supen as en hürperd, as en dorposse. Woeste 263; in Basel er suft wie nes chüeli, wie nes chalb. Seiler 284ᵇ;
der tölpel seufft auch wie ein kuh.
wird bald widrumb werden zum schwein,
und legen sich in dreck hinein.
Hollonius somnium 52 neudruck.
vergl. die ausdrücke kuhschluck, kuhsuff, kuhzug theil 5, 2582. 2583. 2584. auch saufen wie ein igel, vgl. dazu igel 2, th. 4², 2044. die vergleiche auch von sachen hergenommen: saufen wie ein loch;
so 'ne musikantenkehle die sauft als wie ein loch.
Geibel lied 'ein lustiger musikante'.
β)
saufen mit angabe dessen, was gesoffen wird, der flüssigkeiten (wein, wasser, blut u. a. m.), sodann mit angabe des gefäszes (fasz, flasche, glas, tasse u. a.), dessen inhalt geleert wird: weh denen, so helden sind wein zu sauffen, und krieger in fullerey. Jes. 5, 22; etlich fallen zuͦ der erschlagnen leib nider, sauffen das warm bluͦt der erschlagnen in sich. Franck weltb. 96ᵇ; bey Puteolis wöllen wir den guten falernischen wein sauffen. Garg. 221ᵇ; mein schwester ist ein bierfasz, sauff jhr die heffen aus dem arsz. 94ᵃ; möcht des teufels werden! säufst einem den wein und thust einen noch dazu quälen. F. Müller 1, 167; er hat bey einem dutzend flaschen auf seines meisters rechnung gesoffen. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 1, 54 (1830); hört er's, dasz er mir in der stadt nicht sagt, hab' mit ihm chocolade gesoffen. 2, 46; willst du dein leben im tiefsten meiner thürme vollends ausschmachten, wo der hunger dich zwingen wird, deine eigene knochen abzunagen, und der brennende durst, dein eigenes wasser wieder zu saufen. Schiller räuber 4, 2 schausp.;
der weinschlauch und der leer das glass,
ein ieder seüfft ein eymrichs vas,
wie kan er dann nüchtern bleyben?
bergreihen 78, 9 neudruck;
ich kann nicht fröhlich sein,
zu theuer ist der wein.
musz ich denn wasser saufen,
so schlafe ich gleich ein.
des knaben wunderhorn 1, 487 Boxberger;
süsze ruh! ich kann verschnaufen
hier im Orkus unterdessen!
punsch mit lethe will ich saufen,
um die gattin zu vergessen.
H. Heine 1, 289 Elster;
Birch-Pfeiffer söffe terpentin,
wie einst die römischen damen, —
(man sagt, dasz sie dadurch den urin
besonders wohlriechend bekamen).
2, 453.
saufen auch mit angabe dessen, was in einer flüssigkeit getrunken wird: Fiesko. die pulver? mohr. soll ich eurer frau in der schokolade zu saufen geben. Schiller Fiesko 3, 4. bildlich: dasz ichs in jedem glas wein zu saufen — in jeder suppe zu fressen kriege: du bist der spizbube. kabale 1, 2. blut saufen auch in der bedeutung 'blutige thaten verrichten' (vgl. den ausdruck blutdürstig): blut saufst du wie wasser, menschen wägen auf deinem mörderischen dolch keine luftblase auf. Schiller räuber 2, 3 schauspiel; blut, blut! ... blut mus ich saufen. 5, 2. tabak saufen, starker ausdruck für das veraltete und nur noch landschaftlich erhaltene (Schmeller 1, 667) tabak trinken, jetzt tabak rauchen: viel bey den armeen werden sterben, welche weder schnecken, oder frösche, oder schildkröten gefressen, sondern nur toback gesoffen, welchen die soldaten für ein solch gesundes werck halten, dasz sie vermeinen, wenn Methusala hätte toback getruncken, er lebete noch bisz auff diese heutige stunde! aber der feldmarschalck Schmalhans werde solcher armen tobacksäuffer viel darnider machen. Schuppius 577; da findet man sie (die marodebrüder) hauffenweis beyeinander ... taback zu sauffen und zu faullentzen. Simpl. 1, 406, 27 Kurz; Hans Kopp in Braggingen hält unordentlich haus, sauft thapak, fängt händel an und schlägt seine frau. quelle vom j. 1662 bei Tiedemann gesch. d. tabaks 167;
sie müssen all voll teuffel seyn,
oft sitzen da, sauffen taback.
Philander 1, 654;
weidlich fluchen, balgen, raufen
und taback mit haufen saufen
ist soldaten proprium.
Keil stud. lieder des 17. u. 18. jahrh. 141;
bier, toback und branntewein
müssen da gesoffen sein.
76.
saufen, bildlich: nicht der da wein sauffe, sondern ... gleich wie der tod, rafft, seufft, und verschlingt alle leute. Luther 3, 244ᵇ. ferner, ebenfalls im bild, vom aufnehmen eines gefühls in sich: indem ich solcher massen den vorwitz meiner augen contentiert, soffe ich mit den stärcksten zügen gantz unvermerckt das süsze gifft der liebe. Simpl. 4, 93, 2 Kurz;
denn hatte ich in mich der liebe gifft gesoffen,
dasz ich von geilheit voll, von wollust trunken sei.
polit. stockf. 103.
in der übersetzung Luthers von Hiob 15, 16: ein mensch, der .. unrecht seufft wie wasser ist ein uns nicht geläufiges bild herübergenommen (vgl. Hiob 21, 20. 34, 7 u. a. m.).
γ)
mit angabe der wirkung, sich voll saufen: ein erbeiter, der sich gern vol seufft, der wird nicht reich. Sirach 19, 1; sauffet euch nicht vol weins, daraus ein unordig wesen folget. Ephes. 5, 18; denn du weiszest, das alle welt von dir weis, wie du deine löbliche fürstin heltest ... als ein unsinniger wütiger tyrann, der sich nicht voll weins, sondern vol teufel gefressen und gesoffen habe. Luther 7, 424ᵇ; der phaff hat sich die ander nacht so voll wein zu den cartheusern gesoffen, dasz er gespeyet, gekotzt. gartenges. 105ᵃ; wer sich nicht vollsauffen darff, hat entweder ein bösz stück gethan, oder wils begehn. Garg. 101ᵃ; sauff dich voll und leg dich nider, steh frü auff, und füll dich wider. 95ᵇ; es sind ein tisch voll penäle aus der stadt auch hauszen, haben sich auch vollgesoffen. Schoch studentenl. 93, 29 Fabricius;
die schlimmen Türcken, weistu wol,
im bier noch wein sich sauffen vol.
Ringwald laut. wahrh. (1597) 60;
saufst du dich dapffer voll, so schwindt dir dein verstand.
Rompler 213.
voll saufen, ohne reflex.: kompt her, lasset uns wein holen und vol sauffen. Jes. 56, 11; wie viele tausende, die voll gesoffen haben vom becher der wollust, sind durch leiden gebessert worden. Schiller räuber 1, 1 schausp.; einen voll saufen: kombt jemand in person zu uns, der schuld fordern wil, so musz unser hoffmeister ... den creditoren tag und nacht voll sauffen, bisz er ... sich besorget, er möge todt gesoffen werden. Schuppius 26; er soff sie sternsvoll, zog sie spitternackendt ausz. Elis. Charl. v. Orleans 486 Menzel (vgl. Schiller-Lübben 4, 477). sich satt, todt, zu tode, arm u. s. w. saufen: saufft euch satt, weil mans gestatt. Garg. 95ᵃ. daher ein scherzhaft ersonnener eigenname:
noch ander zwen die nenn ich dir,
der ein mit namen Sauffdichsatt.
Alberus fabeln (1590) 56ᵇ;
fresz ich mich arm, unnd sauff mich zu tod, so hab ich gewisz gewalt uber den tod. Garg. 84ᵇ; (grabschrift) eines so sich am moste zu tode gesoffen. Lohenstein 59;
doch da gilt's fleiszig seyn, und nicht sich dumm zu saufen!
Göthe 7, 43;
sich zum narren saufen u. ähnl.: ergo, eben als wann einer, der ein jahr oder zehen auf universitäten gesoffen hat, sich nohtwendig müsse zu einem doctor sauffen. Schuppius freund in der not 61 neudruck;
wie etlich' spieln mit jhrn pastorn,
die offtmahl müssn vom tisch entlauffn,
oder sich zu narren sauffn.
Hollonius somnium 46 neudruck;
Ulyssens schifsvolk das ... aus Circens zauberbecher
zum vieh sich säuft.
Wieland Horaz briefe (1782) 1, 114.
einen arm, krank, todt, zu boden, unter den tisch saufen: ich süff dich tod unnd wider lebendig, ich wolt dich in ein stro sauffen, ha, du sauffst an galgen. Garg. 93ᵇ; war er nicht auf der jagd, so sasz er bey tische, und alsdann war er vermögend, seine ganze hochadliche nachbarschaft zu boden zu saufen. Rabener 1, 170;
die Deutschen (das es gott erbarm)
die fressn und sauffn einander arm,
darzu gebrechlich, kranck und todt,
und aus der welt in jene not.
Ringwald laut. wahrh. (1597) 68;
(sich) einen rausch, eine krankheit, den tod saufen, an den hals saufen u. ähnl.: die jungen saufen inen die hels ab. Zimm. chron. 1, 134, 31; das mier der narr nicht erfrier, sauff ich mir mit disem pocal ein beltz. Garg. 85ᵃ; was? sie sauffen auch zu zeiten einen guten rausch! Simpl. 1, 136, 18; bey universiteten gesoffene räusche. Meyfart christl. erinnerung (1636) 230; daher er ihm eine kranckheit an den hals gesoffen. Schoch studentenl. 79, 9; oh, ich möchte den ocean vergiften, dasz sie den tod aus allen quellen saufen. Schiller räuber 1, 2 schauspiel; auch kann die wirkung durch einen nebensatz ausgedrückt sein:
und (er) sauffet, dasz er schwitzet.
Rachel 43.
δ)
saufen, in einzelnen festen redewendungen, in denen die art näher bestimmt wird: ich soff brüderschaft mit denen, die ich vermeinte, das sie meines gleichens wären. Simpl. 3, 16, 13 Kurz; s. auch Schiller räuber 2, 3 (oben unter I, 1);
der säufft dem zu
auff einem du.
gedichte der Königsberger 31;
jemandes gesundheit saufen: gesundheitsaufen, bibacitas salutarium Stieler 1686;
da soff man nun mit gantzen pässen
auf aller h. ... wohlseyn losz.
Günther 165.
b)
saufen, von thieren: seine (des adlers) jungen sauffen blut. Hiob 39, 30; sage allen vogeln .. und allen thieren auff dem felde .. fresset fleisch und saufft blut. Hes. 39, 17; lasset mir die satten fliegen sitzen, kommen hungerige, die saugen und sauffen viel härter. Schuppius 833; liesz solchen (den schweinen) einen baderschwamm in sich sauffen. Simpl. 1, 248, 17; annoch ist zu mercken, dasz die raub-vögel nicht sauffen. Döbel jägerpract. 75ᵇ;
wo man hat bier und mete,
da ist den fliegen wohl;
sie kommen ungebeten
und saufen sich auch voll.
wunderh. 1, 372 Boxberger;
nachtigall ich seh dich laufen,
an dem bächlein thust du saufen.
1, 132;
sie (die ratte) fuhr herum, sie fuhr heraus,
und soff aus allen pfützen.
Göthe 12, 106;
kleines völkchen, unsre sahne
nascht es von der milch und läszt
unbedeckt die schüssel stehen,
und die katze säuft den rest.
H. Heine 3, 47 Elster.
c)
saufen, von sachen:
diu wasser sauf die erde wider.
weltchr. bei Vilmar recens. 25;
er soll ... gegen thal bruntzen, oder auff eyn weych sandig erdtrich, das den harn bald verzör und an sich sauff. Franck weltb. 144ᵃ; ye mer die reb den weinstock ergreifft, und basz in jm steet verwurtzelt, je mer sie in sich saufft. trunkenh. A 2ᵃ; alle menschen schienen mir an einem langen ufer einen strom zusammen zu bluten, der über die erde hinaus in eine saufende tiefe hinabsprang. J. Paul uns. loge 2, 163; die erde säuft das blut der erschlagenen. Campe.
3)
saufen, in älterer sprache 'ertrinken, wasser ziehen': gifiltun beidu thiu skef, sô thaʒ siu suffun (impleverunt ambas naviculas ita ut mergerentur). Tatian 19, 7;
doch was er (der Parnass) sô gesoffen
daʒ nicht beleib offen
wan sîn scheitel.
Albr. v. Halberstadt 1, 587 Bartsch;
ich bin tôt unt gesoffen.
27, 133.
dieser gebrauch des wortes ist ganz verdrängt und ersetzt durch die composita.
saufen n
Fundstelle: Lfg. 10 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1882, Z. 54
sorbitium, mhd. sûfen, mnd. supent, supen Schiller-Lübben 4, 477ᵇ; in einzelnen formen schwer zu unterscheiden von dem fem. saufe (s. d.).
1)
als bezeichnung für schlürfbare flüssigkeiten, ein gebrauch, der auf die alte bedeutung von saufen als schlürfen zurückgeht, glossiert durch ableitungen von sorbere: sorbicium, sorbellum, sorbillus, sorbillum, eyn suffen, sauffen Dief. 543ᵃ; Thamar halede dat suppen, dat se bereyt hadde. Schiller-Lübben 4, 447;
ein supent brachte he (der wirt) om do
van berensape unde van mele.
Gerh. v. Minden 86, 62;
ostfr. sûpen (supen), auch die suppe, die mit dem löffel gegessen wird. ten Doornkaat Koolman 3, 366ᵇ. bis etwa 1830 wurde suffen in Kassel und umgebung der morgentrunk genannt. Vilmar 338. im fürstenthum Lippe ist sûpen (sîupen) noch die mehlsuppe, die übliche morgenmahlzeit auf bauernhöfen. Frommann 6, 483. sûpen in der Diemelgegend speciell die buttermilchsuppe genannt. Vilmar a. a. o.
2)
saufen, entsprechend der vergröberten bedeutung des zeitwortes, das was gesoffen wird: sauffen her, das ist nicht gewichtig. Garg. 101ᵃ; sie hat gestern abends mit einem hexenmeister getrunken, der hat ihr unfehlbar so was ins saufen geschüttet. Chr. F. Weisze kom. opern 2, 115. saufen, nach dem gegenwärtigen gebrauch des wortes, auch das für die thiere bestimmte getränk.
Zitationshilfe
„säufen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/s%C3%A4ufen>, abgerufen am 09.12.2019.

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