suhlen, sühlen vb.
Fundstelle: Lfg. 7 (1937), Bd. X,IV (1942), Sp. 1007, Z. 63
beschmutzen, im schmutze wälzen.
herkunft und form. mhd. süln (neben häufigerem soln, dem alten ôn-verbum, vgl.solen, ↗sölen teil 10, 1, 1449), ahd. im participium des compositums bisulida gravati (porci coeno) ahd. gl. 2, 35, 7; bisultun illitum 4, 170, 63, ags. sylian (daneben wie im ahd. das ôn-verbum solian): also ein gemeinwestgerm. jan-verbum zu dem nominalstamm *sula- (ags. ahd. sol, n., kotlache). diesem westgerm. *suli̯an entspricht im ostgerm. mit andrer ablautstufe *sauli̯an: got. bisauljan μιαίνειν (bisaulnan μιαίνεσθαι), schwed. dial. söla, norw. søyla beschmutzen. dagegen steht as. suliad Heliand 1723 M wahrscheinlich für *sulwiad (suiliuuat 1723 C), gehört also nicht unmittelbar zu sühlen, sondern zu der danebenstehenden w-stämmigen gruppe, dem adj. ahd. salo mit den verben mhd. selwen und sülwen. vgl. auch ags. solu, solwes f. 'kotlache' neben sol, soles n. die w-losen formen haben verwandte auszerhalb des germ. (zum teil mit langem ū): im baltischen lit. sulà, lett. sula, f., baumsaft, sich absondernde flüssigkeit, altpreusz. sulo geronnene milch, lett. sūlât einen saft von sich geben, flieszen, tröpfeln Trautmann balt.-slav. wb. 291; griech. ῡ͏́̔λη schlamm, kot; indoiran. worte für gegorenes getränk: aw. hurā- kumys, altind. súrā branntwein Walde-Pokorny 2, 468. in den mundarten Mittel- und Niederdeutschlands verbreitet, nd. als sölen und solen (vermischung mit dem alten on-verbum), s. unter solen, sölen, im ostmd. entrundet zu sielen, s. d. umlautloses suhlen ist besonders in der waidmannssprache fest geworden.
bedeutung und gebrauch.
1)
transitiv, etwas oder jemanden im schmutze hin und her wälzen:
darzu wil ich gantz gereide sein
und wil sie sülen und pfregken
und stossen von den winckeln in die egken
(1480) D. Schernberg spiel von frau Jutten v. 1379 Schröder;
der bundte rock mus yhm ... ausgezogen und ynn bocksblut gesület werden Luther 24, 617 W.; sie torckeln von einer wand zur andern, die mäntel schleppen und sühlen sie auff der erden, durch die pfützen Joh. Göritz freiburg. weinlese (1619) 29;
als ich dem Celebes ...
den kahlen kopf abhieb, den ihre hoheit kriegte,
gesielt in sand und blut, geworfen für den thron
Lohenstein Ibr. Bassa (1689) 8;
er sagt, er will gehn und den pförtner von Rom bei den ohren im koth sühlen Shakespeare 6 (1854) 308; jetzt sühlet sie der teufel in diesem pfuhl, bald in einem andern Jac. Böhme vom dreyfachen leben des menschen (1682) 131; wenn sie ihre glieder nicht mehr in den lüsten herumsühlen können Zinzendorf Socrates (1726) nr. 24.
2)
reflexiv, sich im kot wälzen.
a)
besonders vom wild: sich suhlen in einer suhle sich herumwälzen, oft geraume zeit auf eine seite hingestreckt darin liegen bleiben, in schlamm und wasser sich zu kühlen Behlen forst- u. jagdkunde (1840) 5, 736; wie sich die saw nach der schwem in der nehesten pfützen weltzet und sület Luther 33, 670 W.; die sauen ... genieszen die mast ... an eicheln und buchnüssen häufig, welche ihnen den leib feiste machen und erhitzen, dasz sie dahero gezwungen sind, in brüchen und morästen, auch wasserpfützen, sich zur erfrischung zu sühlen H. v. Fleming vollk. teutsch. jäger 1 (1719) 395; wenn der hirsch brunftet, ist er so erhitzt, dasz er allenthalben wasser suchet, nicht nur seinen brennenden durst zu stillen, sondern sich zu suhlen und abzukühlen v. Heppe jagdlust (1783) 1, 151; an heiszen sommertagen suhlt sich der hirsch gewöhnlich einmal in den mittagsstunden Behlen forst- u. jagdkunde (1840) 5, 736; das reh sühlt sich nicht wie das edelwild v. Train waidmannspractica (1889) 121 v. Thüngen;
der hirsch sprang in die trübe lache.
koth spritzte draus hervor; die bache,
die drin sich sühlte, grunzte dumpf
Immermann 13, 58 Boxb.;
er ist auf eine sau gezogen,
hier hat sie sich gesuhlt, da ist ein bruch
P. Ernst kaiserbuch (1923) 1, 1, 204.
selten von andern tieren, einfach 'sich wälzen': das pferd will sich sühlen Hennig preusz. wb. (1785) 269;
wie wenn ein ochse sich des joches ledig fühlet,
bald aus dem stalle reiszt und sich im grünen sühlet
W. Scherffer Hugonis pia desideria (1662) 95.
b)
von menschen, zunächst ganz real:
(der betrunkene) geht denn an den wenden heim,
sühlt underwegen sich im kot
vor yederman in schand und spot
H. Sachs 9, 431 K.;
(die vom tanz erhitzten) suhlen und weltzen sich des winters im schnee, dasz sie sich erkühlen theatr. diabol. 1 (1587) 181ᵇ; bildlich:
Teutschland ...
itzt sülst du dich in der aschen,
eingesakkt, mit leeren taschen
W. Scherffer geist- u. weltl. ged. (1652) 99;
des nachts hat alles durcheinander in den betten sich gesielt, und hat wie heringe auf einander geschichtet gelegen C. F. Bahrdt pastor Rindvigius (1790) 2, 41, vgl. lexikalisch: sich im bette sühlen in lecto se volvitare Steinbach dt. wb. (1734) 2, 772; O. Lind teutsch-schwed. (1749) 1509. im sinne von 'sich drehen und winden': das ist eine wünderliche rede (1. Mos. 2, 4-6), denn es fehlet dem capitel nichts denn das man der sprache nicht kündig ist. wer die nicht weys, der wird sich sülen und brechen, das er nicht weys, wo er ein odder aus sol, wie auch Augustino widderfaren ist (Augustinus hic adeo se torsit nec expedire se potuit) Luther 24, 64 W. unterm einflusz von 2 a (suhlen der tiere) in bildlichem und übertragenem gebrauch, besonders in weltlicher und geistlicher didaktik:
dein buhlen ist ein hurerey,
so thust dich in dem unlust süln
wie die sew in den misthüln
H. Sachs 3, 379 K.;
das wir nit als die reudig schaff
uns sülen in der pfütze
B. Ringwaldt evangelia (1581) y 3ᵇ;
die säuffer sich ihrs sauffens rühmen,
die volln lauffen im dreck herumen
und süln sich drinnen wie die sew
Eyering proverb. copia 1 (1601) 467;
sület und waltzet sich in allerlei schlam der sünden Artomedes christl. auslegung (1609) 2, 178; sollen ... uns auch nicht wie ein saw nach der schwemme wieder im koht sühlen und wühlen S. Gedicke postilla (1609) 2, 25ᵇ; dasz sie im sündenschlam sich haben gesület V. Herberger hertzpostilla (1613) 1, 871.
3)
bisweilen intransitiv, ohne reflexivum, im sinne von 2 a:
der eber suhlt im sumpf
Ad. Pichler neue marksteine (1890) 20;
es summeln und brummeln die hummeln in heiteren lüften,
es spielet und sület und wület das waldwild bei klüften
S. v. Birken forts. d. Pegnitzschäferey (1645) 36;
was klimmt und springt und kriecht und suhlt,
mit allen hab ich umgebuhlt
K. Wolfskehl in: blätter für die kunst (1910) 48.
dazu suhlerei, f.: der jäger musz ausspühren, wo sie (die wildschweine) ihre sülereyen in den pfützen und marassen zu halten pflegen v. Hohberg georg. cur. (1682) 2, 622.
suhlen, sühlen vb.
Fundstelle: Lfg. 7 (1937), Bd. X,IV (1942), Sp. 1007, Z. 63
beschmutzen, im schmutze wälzen.
herkunft und form. mhd. süln (neben häufigerem soln, dem alten ôn-verbum, vgl.solen, ↗sölen teil 10, 1, 1449), ahd. im participium des compositums bisulida gravati (porci coeno) ahd. gl. 2, 35, 7; bisultun illitum 4, 170, 63, ags. sylian (daneben wie im ahd. das ôn-verbum solian): also ein gemeinwestgerm. jan-verbum zu dem nominalstamm *sula- (ags. ahd. sol, n., kotlache). diesem westgerm. *suli̯an entspricht im ostgerm. mit andrer ablautstufe *sauli̯an: got. bisauljan μιαίνειν (bisaulnan μιαίνεσθαι), schwed. dial. söla, norw. søyla beschmutzen. dagegen steht as. suliad Heliand 1723 M wahrscheinlich für *sulwiad (suiliuuat 1723 C), gehört also nicht unmittelbar zu sühlen, sondern zu der danebenstehenden w-stämmigen gruppe, dem adj. ahd. salo mit den verben mhd. selwen und sülwen. vgl. auch ags. solu, solwes f. 'kotlache' neben sol, soles n. die w-losen formen haben verwandte auszerhalb des germ. (zum teil mit langem ū): im baltischen lit. sulà, lett. sula, f., baumsaft, sich absondernde flüssigkeit, altpreusz. sulo geronnene milch, lett. sūlât einen saft von sich geben, flieszen, tröpfeln Trautmann balt.-slav. wb. 291; griech. ῡ͏́̔λη schlamm, kot; indoiran. worte für gegorenes getränk: aw. hurā- kumys, altind. súrā branntwein Walde-Pokorny 2, 468. in den mundarten Mittel- und Niederdeutschlands verbreitet, nd. als sölen und solen (vermischung mit dem alten on-verbum), s. unter solen, sölen, im ostmd. entrundet zu sielen, s. d. umlautloses suhlen ist besonders in der waidmannssprache fest geworden.
bedeutung und gebrauch.
1)
transitiv, etwas oder jemanden im schmutze hin und her wälzen:
darzu wil ich gantz gereide sein
und wil sie sülen und pfregken
und stossen von den winckeln in die egken
(1480) D. Schernberg spiel von frau Jutten v. 1379 Schröder;
der bundte rock mus yhm ... ausgezogen und ynn bocksblut gesület werden Luther 24, 617 W.; sie torckeln von einer wand zur andern, die mäntel schleppen und sühlen sie auff der erden, durch die pfützen Joh. Göritz freiburg. weinlese (1619) 29;
als ich dem Celebes ...
den kahlen kopf abhieb, den ihre hoheit kriegte,
gesielt in sand und blut, geworfen für den thron
Lohenstein Ibr. Bassa (1689) 8;
er sagt, er will gehn und den pförtner von Rom bei den ohren im koth sühlen Shakespeare 6 (1854) 308; jetzt sühlet sie der teufel in diesem pfuhl, bald in einem andern Jac. Böhme vom dreyfachen leben des menschen (1682) 131; wenn sie ihre glieder nicht mehr in den lüsten herumsühlen können Zinzendorf Socrates (1726) nr. 24.
2)
reflexiv, sich im kot wälzen.
a)
besonders vom wild: sich suhlen in einer suhle sich herumwälzen, oft geraume zeit auf eine seite hingestreckt darin liegen bleiben, in schlamm und wasser sich zu kühlen Behlen forst- u. jagdkunde (1840) 5, 736; wie sich die saw nach der schwem in der nehesten pfützen weltzet und sület Luther 33, 670 W.; die sauen ... genieszen die mast ... an eicheln und buchnüssen häufig, welche ihnen den leib feiste machen und erhitzen, dasz sie dahero gezwungen sind, in brüchen und morästen, auch wasserpfützen, sich zur erfrischung zu sühlen H. v. Fleming vollk. teutsch. jäger 1 (1719) 395; wenn der hirsch brunftet, ist er so erhitzt, dasz er allenthalben wasser suchet, nicht nur seinen brennenden durst zu stillen, sondern sich zu suhlen und abzukühlen v. Heppe jagdlust (1783) 1, 151; an heiszen sommertagen suhlt sich der hirsch gewöhnlich einmal in den mittagsstunden Behlen forst- u. jagdkunde (1840) 5, 736; das reh sühlt sich nicht wie das edelwild v. Train waidmannspractica (1889) 121 v. Thüngen;
der hirsch sprang in die trübe lache.
koth spritzte draus hervor; die bache,
die drin sich sühlte, grunzte dumpf
Immermann 13, 58 Boxb.;
er ist auf eine sau gezogen,
hier hat sie sich gesuhlt, da ist ein bruch
P. Ernst kaiserbuch (1923) 1, 1, 204.
selten von andern tieren, einfach 'sich wälzen': das pferd will sich sühlen Hennig preusz. wb. (1785) 269;
wie wenn ein ochse sich des joches ledig fühlet,
bald aus dem stalle reiszt und sich im grünen sühlet
W. Scherffer Hugonis pia desideria (1662) 95.
b)
von menschen, zunächst ganz real:
(der betrunkene) geht denn an den wenden heim,
sühlt underwegen sich im kot
vor yederman in schand und spot
H. Sachs 9, 431 K.;
(die vom tanz erhitzten) suhlen und weltzen sich des winters im schnee, dasz sie sich erkühlen theatr. diabol. 1 (1587) 181ᵇ; bildlich:
Teutschland ...
itzt sülst du dich in der aschen,
eingesakkt, mit leeren taschen
W. Scherffer geist- u. weltl. ged. (1652) 99;
des nachts hat alles durcheinander in den betten sich gesielt, und hat wie heringe auf einander geschichtet gelegen C. F. Bahrdt pastor Rindvigius (1790) 2, 41, vgl. lexikalisch: sich im bette sühlen in lecto se volvitare Steinbach dt. wb. (1734) 2, 772; O. Lind teutsch-schwed. (1749) 1509. im sinne von 'sich drehen und winden': das ist eine wünderliche rede (1. Mos. 2, 4-6), denn es fehlet dem capitel nichts denn das man der sprache nicht kündig ist. wer die nicht weys, der wird sich sülen und brechen, das er nicht weys, wo er ein odder aus sol, wie auch Augustino widderfaren ist (Augustinus hic adeo se torsit nec expedire se potuit) Luther 24, 64 W. unterm einflusz von 2 a (suhlen der tiere) in bildlichem und übertragenem gebrauch, besonders in weltlicher und geistlicher didaktik:
dein buhlen ist ein hurerey,
so thust dich in dem unlust süln
wie die sew in den misthüln
H. Sachs 3, 379 K.;
das wir nit als die reudig schaff
uns sülen in der pfütze
B. Ringwaldt evangelia (1581) y 3ᵇ;
die säuffer sich ihrs sauffens rühmen,
die volln lauffen im dreck herumen
und süln sich drinnen wie die sew
Eyering proverb. copia 1 (1601) 467;
sület und waltzet sich in allerlei schlam der sünden Artomedes christl. auslegung (1609) 2, 178; sollen ... uns auch nicht wie ein saw nach der schwemme wieder im koht sühlen und wühlen S. Gedicke postilla (1609) 2, 25ᵇ; dasz sie im sündenschlam sich haben gesület V. Herberger hertzpostilla (1613) 1, 871.
3)
bisweilen intransitiv, ohne reflexivum, im sinne von 2 a:
der eber suhlt im sumpf
Ad. Pichler neue marksteine (1890) 20;
es summeln und brummeln die hummeln in heiteren lüften,
es spielet und sület und wület das waldwild bei klüften
S. v. Birken forts. d. Pegnitzschäferey (1645) 36;
was klimmt und springt und kriecht und suhlt,
mit allen hab ich umgebuhlt
K. Wolfskehl in: blätter für die kunst (1910) 48.
dazu suhlerei, f.: der jäger musz ausspühren, wo sie (die wildschweine) ihre sülereyen in den pfützen und marassen zu halten pflegen v. Hohberg georg. cur. (1682) 2, 622.
Zitationshilfe
„sühlen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/s%C3%BChlen>, abgerufen am 08.12.2019.

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