Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

süll, sülle, m., (gelegentlich n. u. f.)

süll, sülle, m. (gelegentlich n. u. f.),
auch als sull, soll, söll u. a. westnd. wort, im ablaut mit hd. schwelle (aus *swallja-). s. darüber unter schwelle teil 9, 2487. mnld. sille, zille, sulle, mnd. sul, sulle, sille Schiller-Lübben 4, 461; ags. syll, 'schwelle, grund, basis', me. sille, ne. sill; anord. syll, svill 'grundbalken', schwed. syll, svill, dän. syld (aus *sulljo oder svilljō, s. Torp 756, Hellquist 926, Falk-Torp 1217. zu vergleichen sind got. gasuljan (M. 7, 25; zum sachlichen Ebert Truso [1926] 38). ferner an. svalar, norw. sval, schwed. dän. svale 'offener oder gedeckter gang, welcher um das obergeschosz des hauses herumläuft'. grundbedeutung ist 'balken', vgl. Walde-Pokorny 2, 504. — süll ist meist m.; gelegentlich auch n. (Woeste westf. 262ᵇ, Mensing schlesw.-holst. 4, 949) und f. (einflusz von schwelle?). über die verbreitung s. die karten 16, 17 u. 18 bei Peszler plattdt. wortatlas). es bedeutet die feste schwelle an der diele, 'unterlage für die beiden ständereihen, welche ihrerseits je das hauptgerüst tragen' Peszler zu karte 16, sodann die herausnehmbare torschwelle am einfahrtstor, karte 17. sülle steht gleichbedeutend neben lede, grunt und dreppel, dröppel, drümpel für die feste schwelle, neben lede und dröppel für die torschwelle. vgl. z. b. süll schwelle Hasenclever Wermelskirchen 96; Frederking Hahlen bei Minden 39; Bauer-Collitz Waldeck 101ᵇ; der süll ist eine türschwelle Schönmark-Stüber hochbaulex. 806; sülle 'die schwelle in schleusen und sielen, vor welcher die türen anschlagen' Benzler deichbau (1792) 2, 219: dann kummest du an n grot open schlott, up n süll most du de rose fallen laten kinder- u. hausmärchen (1812) 2, 77; daar stund he up, un as he äver den süll ging, so vörloor he eenen tüffel 1, 210. redensartlich: he kumt nich över de süll er kommt nicht aus dem hause Richey Hamburg 300; die schwelle, der dürpel oder sühl ist der höchste berg Lehman floril. pol. (1662) 3, 42; wenn Fritz die breite putzbürste auf den obern 'süll' der tür legte H. Sohnrey im grünen klee (1903) 190, (d. i. die obere schwelle, der der schwelle entsprechende balken, der die tür oben deckt und abschlieszt). weitere bedeutungen, mit der grundbedeutung zusammenhängend, im schlesw.-holst. 'erhöhter platz vor der haustüre', 'bettkante' Mensing 4, 949.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1937), Bd. X,IV (1942), Sp. 1045, Z. 67.

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sühnungsweg
Zitationshilfe
„sülle“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/s%C3%BClle>, abgerufen am 12.05.2021.

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