Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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summe, f.

summe, f.,
ältere nebenformen summ, sumb, im mnd. meist masc. (Schiller-Lübben 4, 468ᵇ). im hohen mittelalter aus lat. summa entlehnt, gewinnt das wort, zunächst vielfach noch in lat. form, später meist in eingedeutschter gestalt, gegen 1500 auffällig an boden und ist seitdem gängiger bestandteil aller sprachschichten. die im lat. fruchtbare räumliche bedeutung 'höchster punkt, gipfel' hat sich dabei im deutschen nicht entfaltet und ist nur schattenhaft spürbar, im bild:
ein summe ob allen summen
der hôhen sælekeit du bist (Maria)
Konrad von Würzburg gold. schmiede 1236 Schröder;
dagegen wohnt dem wort im deutschen wie auch dem frz. somme, nl. som, summa, dän. sum, schw. summa fast ausschlieszlich quantitativer charakter inne, infolgedessen in den meisten bedeutungen konstruktion mit folg. genitiv.
1)
auf eine gegebene einheit abzielend, also eine totalität betreffend, 'ganzes' in verschiedenen spielarten, die teilweise ineinander verschwimmen.
a)
'inbegriff', 'das höchste', meist von eigenschaften, gefühlen u. ä.: ein gott haben allein, und kein andern neben ihm, ist die summ der säligkeit Seb. Franck paradoxa (1558) 18ᵃ;
kurtz meine nymff Myrt ist ein kunststück der natur ...,
der schönheit gantze sum, der tugenden richtschnur
G. R. Weckherlin ged. 1, 465 lit. ver.;
sobald geschmack die summe der gefühle eines ganzen volkes ist Lenz vertheidigung des herrn Wieland (1776) 25; was die summe seines (des kindes) elends ausmacht Herder 5, 26 S.; das gefühl des überschwankens der menschheit in die gottheit, was doch die summe alles menschlichen fühlens ... ist W. v. Humboldt br. an Welcker 102; jenes goldene wort, das die summe aller protestantischen weisheit über kirchliche verfassungsfragen enthält Treitschke hist. u. polit. aufs. (1886) 1, 12; gegensätze umspannend: denken und thun, thun und denken, das ist die summe aller weisheit Göthe 24, 30 W.; ähnlich: heut und morgen ist die summe dieses allzu kargen lebens Platen 1, 139 Redl.; parallel geordnet mit verwandtem begriff: weisz sust wol, dasz die summ und vollkummenheit Christus ist H. Zwingli dt. schr. (1828) 1, 211.
b)
'inhalt' von schriftstücken, reden, 'resumé, quintessenz', seit beginn des 19. jh. nur noch selten, dann meist von historikern gebraucht:
daz ist des buches summe gantz
kurtz, gemeinlich, sunder schrantz
Hiob 433 Karsten;
wann die summ der brief was dise erste deutsche bibel 6, 98; die glos und die gantze summe dieses psalms Luther 19, 315 W.; die summ disz artikels oder worten Christi Zwingli dt. schr. (1828) 1, 40; die summ, was in disem dritten buch gehandelt wird Sebiz feldbau (1579) 312;
sol ich einmal rechenschafft gebn,
wie ich regiert hab in meim lebn,
ist diss die summ vnd die antwort
jedermanns jammerklage (1621) c 4ᵃ;
die summ der christlichen lehr
Dannhawer catechismusmilch (1657) 1, 17;
so sey die summe (des lebens) diesz: er lebte schlecht und recht
ohn amt und gnadengeld, und niemands herr noch knecht
Lessing 1, 8 M.;
die summe von allem ist, es kommt nicht auf die abschaffung einzelner miszbräuche an, sondern auf die umschaffung der verwaltung Dahlmann franz. revol. (1845) 44; die summe des vorgedachten möchte ich in folgende sätze fassen W. H. Riehl die deutsche arbeit (1861) 216; besonders von juristischen büchern: (eine handschrift) enthält eine summe zum decret Savigny gesch. d. röm. rechts 3, 476. s. auch summarium.
c)
'gesamtheit, gesamtzahl, gesamtmenge', erst seit ende des 18. jh. gebräuchlich, stark anschwellend in der ersten hälfte des 19. jh., besonders bei historischen schriftstellern, seitdem weniger häufig: man kann daher auch die summe der nationalglückseligkeit nicht wohl angeben M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 6, 205; von der summe der anlagen, welche der begriff der gattung in sich faszt W. v. Humboldt ges. schr. (1903) 1, 354; das recht ist also nur die summe der erlassenen gesetze Jhering geist des röm. rechts (1852) II 1, 25; die summe aller negerleiden Mommsen röm. gesch.⁴ 2, 78; der päpstliche legat bedrohte die widerspenstigen mit der summe aller geistlichen strafen Ranke s. w. (1867) 1, 48; aus der summe der lebensäuszerungen eines menschen G. Freytag ges. w. 14, 262; unter dem klima eines landes versteht man die summe seiner witterungserscheinungen Ad. Tromnau lehrb. der schulgeogr. (1909) 2, 3, 14; das volkstum ist die summe aller natürlichen lebensäuszerungen eines volkes J. Goebbels Michael (1931) 37; mit sichtbarbleiben der einzelnen im ganzen enthaltenen teile: mein kopf ist eine summe von vielerlei naturen, in welchem ich oft ein sehr gemischtes publikum ertappe Brentano 9, 16;
... durch der thaten lange summe ('reihe')
Frida Schanz ährenlese² 23;
d)
summe als rechnerischer begriff, 'ergebnis der addition einzelner posten', häufig auch in freiem gebrauch: totus die summa Joh. Orsäus nomencl. method. (1623) 20; wenn das jahr um wäre und er die summa (der einkommensposten) zusammen rechnete (1696) Chr. Reuter Schelmuffsky 69 ndr.; die gegebene zahlen werden die summirenden, die gefundene aber wird die summe oder das aggregat genennt H. v. Fleming vollk. teutsche soldat (1726) 17; aus dem begriffe einer summe von sieben und fünf Kant 3, 37 akad. ausg.; frei: wenn wir für raçenschädel das mittel aus der summe beider geschlechter erhalten Peschel völkerkde (1874) 53; vielfach in verbindung mit verben: addier die zwo summen zuͦsammen und ausz der gantzen summ ziehe die wortzel Seb. Münster cosmography (1550) 30; lernt viel zalen in ein summa pringen M. Stifel coss Rudolffs (1553) 2ᵃ; summare ein sum machen gemma gemmarum (Straszburg 1508) b 2ᵃ; in eine summe ziehen 'als ganzes betrachten': nachmals wöllen wir in ein summ ziehen die handlungen der Römer W. Xylander Polybius (1574) 117; vgl. Luther 33, 36 W. und ziehen I C 2 a; seit dem anfang d. 18. jh. sehr verbreitet die summe ziehen, vgl. M. Kramer teutschit. 2 (1702) 1038ᵇ; gern auf geistiges übertragen, z. t. ohne weiteren zusatz: schwerlich, obgleich wir bey vielem keine andere summe ziehen Hippel lebensläufe n. aufst. linie (1778) 1, 418; ziehen wir die summe, Vitzewitz, so haben wir uns aus drei gründen zu gratuliren Fontane vor dem sturm 4, 96; jede stelle suchte er (Luther) prüfend in ihrem zusammenhang zu verstehen, dann zog er die summe G. Freytag bilder 1 (1859) 144; öfter mit genitiv, besonders von leben, lebenszeit, umständen, eigenschaften:
(wenn wir) des lebens summe nun gezogen,
und einsam uns verloren sehn
Schiller 11, 422 G.;
ihr brief, in welchem sie ... die summe meiner existenz ziehen (1794) Göthe IV 10, 184 W.; wenn ich die summe seiner fehler ziehen sollte Fontane ges. w. I 2, 219; ähnlich: gleichsam die summe eines langen gedankenexempels ziehend Storm ges. schr. 7 (1877) 47; mit ersetzendem nebensatz: überlegen sie alles dies, und ziehen sie die summe, ob sie ... nur den zehnten teil dieser überschwenglichen und beispiellosen liebe verdient haben Tieck schr. (1828) 14, 374; präpositional gewendet mit aus: das kriegskommissariat, das ... die summe zog aus der bisherigen entwickelung H. Prutz preusz. gesch. (1900) 2, 103.
e)
formelhafter gebrauch, an die abschnitte a bis d anschlieszend, in einer bedeutung wie 'zusammenfassend, kurz, alles in allem'. in verschiedenen wendungen, die meistens am satzeingang stehen.
α)
summa, ohne formvarianten, nur bis ins 18. jh. reichend: summa, der sabat und alle zyt sind an den menschen gebunden, und der mensch nit an den sabat (1522) Zwingli von freiheit der speisen 13 ndr.;
aber aller prasz bleibt liegen,
weil ich keine fraw kan kriegen,
summa, ich bin vbel dran
Gabr. Voigtländer oden u. lieder (1642) 67;
summa, es ist keine gassen noch straszen ... welche der rasende tod nicht hätte durchstrichen Abr. a s. Clara mercks Wien (1680) 29; summa, seine seele und auch sein geist stunden gegen die äuszere natur ganz indifferent Liscow samml. sat. u. ernsth. schriften (1739) 670.
β)
in summa, durchweg in lat. form, besonders gehäuft im 16./17. jh., später selten und dann hauptsächlich archaisierend gebraucht: in summa ein solch herlich hausz, dergleichen ich ... nie gesehen hab (1520) Dürer tagebuch 52 L.; alt und jung, weib und jungfer und in summa alles, was gehen konte Grimmelshausen 2, 345, 4 Keller; nicht weniger haben sie (die kadetten) allen königlichen civil- und militairbedienten ... ehrerbietig zu begegnen, und in summa, einem jeden mit geziemender und einem edelmann anständigen höflichkeit entgegen zu gehen H. v. Fleming vollk. teutsche soldat (1726) 135; in summa, nehmen sies nur nicht so gar genau! Göthe 9, 111 W.; in summa, die geistesarbeit der Italiener lebte und webte schon überall in der renaissance W. H. Riehl die dt. arbeit (1861) 67; er ist bescheiden und selbstbewuszt ... in summa ein Märker Fontane ges. w. I 1, 131.
γ)
in der (einer) summ, summen, summa, lebendig nur bis in die 2. hälfte des 17., lexikalisch gebucht bis in den anfang des 18. jh., gern in verbindung mit verben des sagens: confero in pauca ich machs kurtz, sags in einer summ Alberus (1540) 89ᵃ; aber in einer summ davon zu reden, so ist zauberey ein rechte teufelische abgötterey theatr. diabol. (1569) 206ᵇ; kurtz in einer summa darvon geredet: wir müssen alle sterben Lehman floril. polit. (1662) 3, 334; gern neben kürzlich, z. b.: kürtzlich und in einer summa davon zu reden Gretter ep. Pauli (1566) 653 u. ö.; auch ohne verbale formel:
in der sum da man alle tadel list,
spricht man das der aigenlich geitig ist
der da verhalt das, das man verzeren sol
Vintler blumen der tugend 2128 Zingerle;
wier bitten jn disem gebet als jn der summa ('kurz zusammenfassend') Luther 30, 1, 254 W.;
yetz weist, min fründ, in einer summ ('kurz und bündig'),
worumb ich oft nit zuͦ dir kumm
(1548) H. R. Manuel weinspiel 1771 ndr.;
disz ist in einer summ mein wesn
Prätorius Katzenveit (1665) l 4ᵇ;
auch summierend in verbindung mit zahl- oder mengenbegriffen, so öfter bei Hans Sachs:
ire künig ...
wol ein und dreissig in der sumb ('zusammen, alles in allem')
1, 211 lit. ver.;
von eim waltbruder und darbey
von verwegener mörder drey,
wie die all vier in einer sumb ('zusammen')
brachten einander selber umb
ebda 11, 451;
auch:
ach dasz doch in der summen
die blumen allerhand auff dise krippen kommen,
und krönen jhren printz
M. Opitz deutsche poemata 186 ndr.
δ)
wenig verbreitet in kurzer summ:
so find sich war inn kurtzer summ,
der posshafft schwach und starck der frumm
J. v. Schwarzenberg der teutsch Cicero (1535) 126ᵇ;
ich widerum
(rief) in kurtzer summ ('kurzerhand') ...
Spee trutznachtigall (1649) 12.
ε)
summa summarum: da ist summa summarum kein ander rat noch hülffe in dieser sache, denn das man nur gen himel sehe Luther 17, 1, 230 W.;
doch sag ich auch, bey meinem aidt,
das kein lieb ist ohn hertzenleidt.
das sag ich summa summarum
H. Sachs s. fastnachtsp. 1, 2 ndr.;
archaisierend in späterer zeit: also summa summarum ... bist du ein närrchen Göthe 38, 77 W.; so ein alter einsiedler ... musz ... summa summarum wohl dreihundert jahre alt geworden sein Görres ges. br. (1858) 3, 117; in etwas abgewandelter form: in summa summarum es war überall sonst nichts als armut zu sehen Grimmelshausen 2, 412 Keller; vereinzelt mit bestimmtem artikel:
das ist die summa summarum,
der todt würgt alles umb und umb
Petri d. Teutschen weiszheit (1604) 1, a 5ᵇ;
ein neues stück ... wovon allemal die summa summarum ist: Lavater gehört entweder ins zuchthaus oder ins tollhaus
Lavater verm. schr. (1774) 2, 256;
mit spielerischem vokalwechsel:
summirum, summarum, ich liebe dich nicht,
du gelbes verwelktes citronengesicht
le Pensiv poet. grillen (1729) 103.
f)
schweiz. 'die satzungen betr. die allmendgüter der korporationen', heute meist summverordnung: schweiz. id 7, 972.
2)
eine quantität schlechthin.
a)
'menge, anzahl.' mit folgendem sing., vorzugsweise als genitiv, in älterer zeit meist von sachen: disser vorgeschrebin summa gutis ... des habe ich eynen usgesneten briff vnde der obirste marschalk den andern (1402) handelsrechnungen d. dt. ordens 271, 7 Sattler; ein guͦtte summ zuckers vnd vil ander frücht S. Franck weltbuch (1534) 187ᵃ; mächtigste summa honigs Sebiz feldbau (1579) 307; summe volkes: eyner ... somme reysigis folckes (1472) Frankfurts reichscorresp. 2, 176 Janssen;
Traianus da, der kayser frum,
von Rom furt volcks ain grosze summ
J. v. Schwarzenberg der teutsch Cicero (1535) 117ᵇ;
in neuerer zeit durchweg von abstrakten: allen familien ... die summe ihres glücks ... zu vermehren Herder 23, 169 S.; eine noch verwunderliche summe von nichtwissen Fontane ges. w. I 4, 256; (die aufgabe,) die summe des auf erden vorhandenen leids zu vermindern M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 114; selten präpositional mit von:
mancher hat ein gar grosze sum
von korn, weitzen, und anderm mehr
Eyering prov. copia (1601) 2, 40;
mit verbundenem plural, von personen und sachen:
der (Griechen) zal ich niht vermelde,
wan ich ir summe niht enweiz
Konrad von Würzburg Trojanerkrieg 39167;
nichten zele das geschlecht Leui: noch ensetz ir summ mit den súnen Israhel erste dt. bibel 4, 5 K.; da Florus ... sahe, das jr (der heiden) so ein grausame summe was Saltzman Octavian (1548) q 1ᵃ;
(der tyrann) liesz seine brüder bringen umb,
auch seiner freundt ein grosse sumb
H. Sachs 2, 133 K.;
als er nun gen Baiersfurt kommen, seind die beede hauffen innerhalb der schussen ... in grosser summen gelegen F. Haarer bawrenkrieg (1625) 8; das die bawleüt, von den selbigen feldern, ein uberschwencklich summa frücht erbawen Boner Plutarchus teutsch (1534) 57ᵇ; verspätet, archaisierend:
wollt ihr nicht mehren selbst der kämpfer summe
Fr. Rückert w. (1867) 1, 6;
von abstrakten:
swer hât gelesen der laster summen
und der tugende, der vindet dâ wol,
waz er tuon und mîden sol
Hugo von Trimberg renner 2712 E.;
und hab ein summ beschluszreden in kurzen tagen ... zemmen bracht Zwingli dt. schr. (1828) 1, 171; eine gar kärgliche summe von realitäten Schubart leben und gesinnungen (1791) 1, 116; eine hinreichende summe von erfahrungen Melch. Meyr erzählungen a. d. Ries (1868) 1, 214.
b)
'geldbetrag': der gaugler die gänsz ime umb ein summa botte (1557) M. Montanus schwankbücher 29 lit. ver.;
hat er die summen zu lohn mir geben
Albr. Dietrich bawrenknecht (1618) a 5ᵇ;
glauben sie, dasz es mir gleichgültig ist, dasz sie summen verlieren
allg. dt. bibliothek 10, 12;
mir fehlts an geld und anstalt, eine summe gleich baar zu heben
Shakespeare 4, 15;
die ... summe, die ich für meinen vater einkassiert ... hatte
E. M. Arndt s. w. (1892) 1, 65;
dann schrieb er die summe genau in sein buch
G. Keller ges. w. 1, 145;
mnd. als masc. (s. o. sp. 1065): dessen summen scole wy vnde willen em oder synen eruen bereden to sunte med reden penninghen (1376) meckl. urkb. 19, 51. in verbindung mit adjektiven der quantität, meist steigernden, vorzugsweise grosz:
(edeling) dem er muͦsz geben ein grosze summ
Murner narrenbeschwörung 125 ndr.;
der dieb ... hat nicht angefangen von einer groszen summa, sondern von groschen Abr. a s. Clara etwas für alle (1699) 1, 266; er verlohr ein paarmal grosze summen Knigge roman meines lebens (1781) 3, 176; mit anderen beiwörtern: ungeheuer Th. Abbt verm. w. 6, 2, 85; hoch G. Ph. Harsdörffer d. teutsche secretarius (1656) 1, 221; ansehnlich Brentano ges. schr. (1852) 5, 324; bedeutend Dahlmann gesch. d. franz. revol. (1845) 99; unermesslich Hippel über die ehe (1792) 10; erklecklich G. Keller ges. w. 2, 24; gut engl. comedien u. trag. (1624) G g 4ᵇ; Göthe 43, 116 W.; schön E. Raupach dram. w. ernster gattung (1835) 8, 278; hübsch Mörike w. 3, 27 Göschen; voll (1618) L. Sandrub hist. u. poet. kurzweil 36 ndr.; mindernde epitheta: klein Knigge roman meines lebens (1781) 1, 40; gering H. Grimm Michelangelo (1890) 1, 33; ungewöhnlich und vereinzelt sind andere bezeichnungen:
(sie) sehn mit edler verachtung,
dasz der verschnittne tausende nimmt, dasz güldene summen
in die schürze der tänzerin regnen
Zachariae poet. schr. (1763) 4, 89;
Leo der zehnte vergab christliche sünden, und wandte die heiligen summen auf das unheilige schöne der heiden Herder w. 3, 232 S. mit näherer angabe des betrages: dofür (für die bannweide) gebt das dorf ein sume gelts, mit namen drei phunt geldes (vor 1463) weistümer 6, 41; umb ein grosze summa rheynischer gulden Stumpf Schweizerchronik (1606) 411ᵇ; honorar in einer runden summe von rthlr. 200 Müllner dram. w. (1828) 8, 35; eine summe von 11 mill. thlr. Mommsen röm. gesch.⁴ 3, 103. mit folgendem genitiv, in der regel geldes, bereits im 14. jh. gebraucht, stärker verwendet im 16./17. jh., seitdem nur noch vereinzelt: umb die obgenant summe geltes (Speier 1353) K. Zeumer goldene bulle 2, 61; ain summe gelts (1437) urkb. des Cistercienserstifts Goldenkron 430ᵃ Pangerl; summa geldes B. Ringwaldt die lauter wahrheit (1585) 27; ihr vater hat eine grosze summe geldes dafür erhalten Göthe 21, 104 W.; dasz er ... eine bedeutende summe geldes ... mit sich führte Fr. M. Klinger w. (1809) 8, 291; sporadisch andere subst. wie gold: einem beruͤmbten juristen ward ein stattliche summ golds auff seinen tisch presentiert Lehman floril. polit. (1662) 1, 314; der könig läszt ihm eine grosze summe goldes zahlen Göthe 44, 49 W.
3)
zusammensetzungen erscheinen meist zu 1 d als junge mathematische fachausdrücke, z. b. summenausdruck: kommen in einem summenausdruck positive und negative glieder vor, so trägt man erstere in dem einen sinne, letztere im entgegengesetzten sinne auf Lueger 4, 762; summenformel: summenformel für veränderliche recten allgem. dt. bibl. anh. z. bd. 53-86 (1771) 2626; summenfunktion E. Czuber wahrscheinlichkeitsrechnung 1 (1908) 352; summenreihe Lueger 7, 587; summensystem: die berechnung des summensystems E. Czuber a. a. o. 315; seltener zu anderen abschnitten, z. b. summenton, zu 1 b: der aufgeklärte mensch der spätern zeit, allhörer nicht blosz will er sein, sondern selbst der letzte summenton aller töne Herder 5, 560 S.; summenvertheilung, zu 2 b: die groszen summenvertheilungen der frühern dynastie zu devoten zwecken sind später weggefallen Ritter erdkde (1822) 3, 1053.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1937), Bd. X,IV (1942), Sp. 1065, Z. 63.

sümmen, vb.

sümmen, vb.,
eichen?: desglich sol er (der ziegelmeister) ouch die zuͦber zuͦ dem kalcke lassen sümmen, das die gereht sind. und sol keinen zuber lassen bruchen, der zuͦ clein oder zerbrochen, zerslissen oder nit gesümmet ist (1447) bei Eheberg verfassungsgesch. d. st. Straszburg 1, 156. vgl. ⁴summer, ²summen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1937), Bd. X,IV (1942), Sp. 1075, Z. 34.

summen1, vb.

¹summen, vb.,
lautwort. im hd. seit dem spätmittelalter bezeugt; als summe aus dem nd. in das dän. entlehnt, s. Falk-Torp 1204. vgl. das elementarablautende simmen, teil 10, 1, 1059; ferner engl. simmer 'leise singend kochen' Murray 9, 1, 60ᶜ. — mundartlich hauptsächlich wmd. und nd. verbreitet, vgl. die wbb. das schweiz. id. 7, 974 bezeichnet summen als nicht volkstümlich, vgl.sumsen. summen bezeichnet die vibrierende klangart eines tones, ohne ursprünglich an eine bestimmte stärke geknüpft zu sein. erst das überwiegen des gebrauchs von 2 und 3 engt das wort dann auf die bedeutung 'leise, verhalten oder dumpf zitternd tönen' ein (1 b und 4).
1)
bei klangstarken subjekten.
a)
bei schwerem, fülligem ton in älterer sprache synonym mit dröhnen, brausen:
so alle dunderschleg und pliczen,
was ir ye wart und werden pis der welt zu end,
wart nie erschröcklichers gehort
allsz so die stim der fier horn werden sumen
H. Folz 5, 73 M.;
laszt summen
und brummen
das grobe pedal
bei Fischer-Tümpel 1, 341;
knalle donnerndes geschütz!
krache mit beflammtem blitz!
klage mit erzürntem summen,
dasz dich Fridrich heisch erstummen
bei Weichmann poesie der Niedersachsen (1721) 1, 66;
vor dem sausen und brausen, von dem summen und brummen (des meeres) erschrecken J. M. Meyfart d. jüngste gericht (1637) 1, 247. ebenso:
den wind man höret, wan er sumpt,
weisz aber nicht, von wann er kumpt
Eyering proverbiorum copia (1601) 1, 423;
ihm (gott zum lobe) saust und summt es überall.
ihm wehen die winde
bald hefftig bald linde
A. Silesius heilige seelenlust 166 ndr.
bei glocken lebt die möglichkeit, einen starken ton als summend zu bezeichnen, am längsten nach: so bezeugen ja die groszen und summenden glocken, dasz unser vaterland keinen stummen nachklang hinter sich verlassen wolle Chr. Weise politischer redner (1677) 127; es war ein starker, summender glockenklang von einem alten heiligen tempel in ihr ohr (als aufrüttelndes zeichen) Herder 7, 401 S.; das tiefe, dröhnende summen, das so lang anhielt, war nicht mehr der verhallende glockenton (sondern der beginnende sturm) O. Ludwig zwischen himmel u. erde (1856) 287. z. t. besagt hier summen einfach 'schlagen, läuten': kaiser Karl! mit dieser einzigen sylbe will ich sie niederwerfen, dasz in ganz Genua auch keine glocke mehr summen soll Schiller 3, 67 G.; wenn die glocke neun uhr summte W. Hauff sämtl. w. (1890) 2, 96.
b)
daneben greift die eingeschränkte bedeutung von 2 und 3 her platz und bestimmt den schweren ton als verhalten, dumpf oder ähnlich; vorerst bei glocken:
welch tiefes summen, welch ein heller ton
zieht mit gewalt das glas von meinem munde?
verkündiget ihr dumpfen glocken schon
des osterfestes erste feierstunde?
Göthe 14, 41 W.;
traulich summen benachbarte abendglocken zusammen
Hölderlin dichtungen 1, 62 Litzmann.
oft ist gerade das dem schlage nachhallende verklingen gemeint: in ihm zitterte jede erschütterung lange ... und zwar darum nach, weswegen eine sturmglocke länger summt als eine schafglocke Jean Paul s. w. 21, 16 R.; bis das letzte summen (vom schlage der turmuhr) verklungen war O. Ludwig ges. schr. (1891) 1, 351;
noch wann lange der schall der hohen glocken verklungen,
summt ihr gewaltiger ton in der erschütterten luft
M. Greif gedichte (1889) 431.
bei naturlauten: (am stillen abend) tönen die gärten — die luft summet — die vögel durchkreuzen sich rufend Jean Paul 8, 247 R.; ein ton, so tief, wie ihn das menschliche ohr eben noch erkennen kann, summte leise, aber gewaltig durch die stille Moltke ges. schr. (1892) 6, 187; wie ein sturmwind, der aus der ferne kommt. zuerst summt er nur dumpf W. Alexis Roland von Berlin (1840) 1, 396; der donner summt weit ab, schwillt jedoch rasch näher H. Watzlik d. wilde Eisengrein (1927) 61. später auch von gegenständen, die an sich nur einen leisen oder gedämpften ton von sich geben können: wie munter gleich beim singen die spinnräder wieder werden und den basz dazu summen K. Bücher arbeit und rhythmus (1899) 85; zur seite summte der ... theekessel H. Seidel vorstadtgeschichten 140; aus den telegraphenstangen, ... tönten summende akkorde G. Hauptmann bahnwärter Thiel (1892) 26. als technischer ausdruck: summen ..., sausen ... der telegraphendrähte Hoyer-Kreuter 1, 752.
c)
auszerdem mehr für ein helleres, zischendes geräusch, vgl.: tinnire, tintire zummen voc. (1420) 3075; 2957 Schröer, als bezeichnung des pfeifenden fluggeräusches von geschossen. zu der damit verbundenen visuellen vorstellung vgl. die einer kreisbewegung:
iz sal werdin getribin
di sêle um und umme
nâch schîbelehtir crumme ...
als in einim summin gar
und in einim ummeswenkirn
des zirkils einir slenkirn
Nikolaus von Jeroschin 2891 Strehlke;
vgl. auch bei 2: siehe da kam noch ein andere mandelkern gesummet, traff ihn uff die faust Bastel v. d. Sohle Harnisch aus Fleckenland (1648) 206; ich meyne die rechtschaffenen cavalliere, die sich vor (zuvor) die kugeln müssen durch die haare summen lassen (ehe sie offiziere werden) Chr. Weise die drey klügsten leute (1675) 290;
kugeln summten oft dicht um die ohren
Tieck schr. (1828) 2, 351;
die bomben und die summen,
dasz man seine freude hat
Ditfurth hist. volkslieder des preusz. heeres (1869) 73.
2)
vom fluggeräusch von insekten: ambizare summen (apum) (15. jh., obd.) Diefenbach 29ᵃ; so müste ich ... solches so wenig als das summen einer fliege achten Lohenstein Arminius (1689) 2, 1636ᵃ;
wo unterdesz die rüstge biene,
was ihr zum süszen honig diene,
bald summend sucht, bald sitzend saugt
bei Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 6, 93
schwarze käfer, uns umgebt
nicht mit summen! macht euch fort!
Shakespeare (1797) 1, 208;
das summen eines vorüberfliegenden kerbtieres Brehm tierleben (1890) 1, 314 P.-L. vom ganzen schwarm:
hört ihr dort im forste
jene bienenschwärme summen?
Zach. Werner kreuz a. d. Ostsee (1806) 30;
wie das summen eines bienenvolkes W. v. Scholz erzählungen (1924) 241. der gebrauch neigt nicht selten zu stehender verwendung:
wie die summenden heere der fliegen den vorrath des schäfers
durstig umschwirren
grafen zu Stolberg ges. w. (1820) 11, 67;
auf brauner heide, wo die summende biene zu tausenden arbeitet Holtei erz. schr. 2, 147. es wird als gedämpftes, zartes geräusch empfunden:
nur leise, wie die biene summt,
ganz leise scheint die luft zu beten
A. v. Droste-Hülshoff w. 2, 82 Sch.;
ihr leises gespräch wird fast vom summen der bienen übertönt Holtei erz. schr. 5, 196; ich ... streckte mich ... ermattet ... unter die blühenden bäume, wo mich die bienen gar bald in schlummer summten Eichendorff s. w. (1864) 3, 282. es wird selbst als leise, gedämpft charakterisiert:
wechselndes harfenlied
tönte nachts, wie die biene
leis im lilienkelche summt
J. H. Voss s. ged. (1802) 3, 45;
(bienen) summen leis im frühlingsstral
Tieck schr. (1828) 1, 113;
nur käfer summen hier mit sachten stimmen
Platen (1839) 318.
mit der akustischen vorstellung verbindet sich oft die visuelle des schwirrenden umherfliegens, sprachlich vor allem in der wendung summen um, durch, über etwas u. ähnl. hervortretend, vgl. herumsummen teil 4, 2, 1183, umsummen teil 11, 2, 1209: so brummet (bienen) umb und umb, brummt, summet auff ihn losz, stecht, was ihr könnt Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 199; da summet mir eine wespe vor den ohren herumb Chr. Weise d. drey klügsten leute (1675) 264; eine welt von geflügelten tierchen summte ungestört über ihm (dem acker) G. Keller (1889) 4, 74; als ob die biene um ihren teller summe G. Hauptmann einsame menschen (1891) 47. beliebt ist bildliche verwendung, die vielfach zu dem gebrauch von 4 hinüberführt: die falsche bienen und summende hummeln ihr süszes honig der liebkoserei manchem keuschen hertzen beibringen Neumark musik.-poet. lustw. (1657) zuschrift 8; und die deistischen fliegen und käfer flogen und summten fort, über glauben, philosophische bekanntmachung der religion Herder w. 5, 269 S.; wie ich neulich hier in das wespennest der freiwilligen stach, und die entrüsteten hornissen auf mich her summten Bismarck br. a. s. braut u. gattin 92; im bienenkorb der geistesarbeiter summte es ... tausendtönig W. H. Riehl d. dt. arbeit (1861) 309.
3)
von menschlicher stimme, als anhaltender, gedämpfter, schwingender ton, vgl.: summen lallare, mutire Stieler stammbaum (1691) 2238.
a)
melodisches summen, im gegensatz zu vollem singen: der handwerker summt seinen strohbasz zum liede seines weibes Schubart ästhetik d. tonkunst (1806) 5; er summt mit der stimme ein allegro Göthe 45, 36 W.; sie summte leise ein altes lied Laube ges. schr. (1875) 8, 204; wobei er (Mozart) ohne es zu wissen oft summte, ja laut sang O. Jahn Mozart (1856) 3, 440; ein mann ... summte eine zigeunermelodie zwischen den zähnen Th. Storm (1899) 1, 35. die vorstellung des verhaltenen tons tritt in der wendung vor sich hinsummen besonders zu tage: das (kind) summte friedlich vor sich hin Hölderlin ges. dicht. 2, 106 L.; doch vergasz ich mich immer mehr und summte anhaltender vor mich hin G. Keller 1, 151; ebenso für sich: er summt für sich die alten lieder A. Pichler marksteine (1874) 3. auch: die stimme ..., die mich einst in den schlaf gesummt Th. Storm w. (1899) 1, 282.
b)
als undeutliches, murmelndes oder flüsterndes sprechen: ich summte schon gelegentlich meine hexameter Göthe gespr. (1889) 6, 133 W. v. Biedermann;
und gekrümmt gleich einem wurme
beugt sich in des zirkels runde
Apo, dunkle worte summend
Brentano ges. schr. (1852) 3, 388;
er ... las halblaut ... die anfangsverse ... er summte sacht in seinem Vondel weiter Immermann w. 2, 93 Boxb.; 'setzen sie (anr.) sich auf die schwelle', flüsterte Gabriel, ... 'kann diese hoftoilette mir nicht erspart werden?' summte Hummel G. Freytag verlorene handschrift (1864) 3, 178; zu 4 überleitend, als gemurmel einer menge: ein beifälliges summen der offiziere bestätigte die worte G. Freytag ges. w. (1886) 13, 10.
4)
von dem dumpf verworrenen getöse einer menschenmenge, von unverständlichem oder gedämpftem durcheinandersprechen vieler, das den eindruck eines gleichmäszig summenden tones ergibt: die flittergoldenen heiligenbilder an allen ecken, die summenden processionen Schubart br. in Strausz w. 8, 1, 202; die bürger sind zahlreich an den thoren, das volk summt in den gassen Göthe 8, 199 W.; die musikanten stimmten, die lichter blitzten, die menge summte Brentano ges. schr. (1852) 5, 339; in der ... gaststube summte es durcheinander von bauern Herm. Schmid gesch. a. Bayern (1861) 1; ein summen und schwirren der vielen stimmen durcheinander H. v. Kahlenberg fam. Barchwitz (1902) 34. vom dumpfen zusammenklingen verschiedenartigster geräusche, besonders gern von entferntem getöse und getriebe einer stadt: welches summende gewühl! ... wie müssen sie schaffen ..., um diese grosze stadt ... zu unterhalten! K. Gutzkow ges. w. (1872) 7, 349; das gewühl der stadt, das summen in der luft, das dumpfe rollen der wagen auf den straszen H. Steffens was ich erlebte (1840) 1, 205; ich hörte, wie ... die nachtruhe der kreatur eintrat, während das geräusch in der fröhlichen stadt herüber summte G. Keller ges. w. 3, 62. durch den dabei beliebten vergleich mit einem insektenschwarm entsteht vielfach berührung mit 2: es gehet uns, als wenn man in ein wespenloch gestochen, wie summet und zürnet die böse welt V. Herberger trawrbinden (1614) 3, 29; noch summt es dort unten (in der stadt) wie in einem bienenkorbe G. Freytag ges. w. (1886) 2, 22; die lastwagen rollten, hammerschlag und emsige arbeit tönte, die gegend summte wie von ungeheurem bienenschwarm ebda 17, 327.
5)
übertragener gebrauch.
a)
auf körperliches gefühl. nahe dem eigentlichen gebrauch als tonwort bei ohrensausen: ambizare summen vor den oren (md., 15. jh.) Diefenbach 29ᵃ; das summen in den ohren Ludwig t.-engl. wb. (1716) 1925; das summen, sumsen, brausen der ohren Schwan nouv. dict. (1783) 2, 747ᵃ;
es war den ganzen tag so heisz, ...
vor augen schwebt es wie ein flor,
dann summts und sausts und zischt im ohr
Göthe 15, 281 W.
von hier für das in ohren oder kopf nachzitternde gefühl nach einem schlag, das wie ein ohrensummen wirkt: aber mich deucht, sie kriegte die instruction (schläge), daz ihr die ohren summten Chr. Weise erznarren 172 ndr.; auch summte ihm der kopf noch von den gewaltigen ohrfeigen Heinse s. w. 6, 83 Sch.; (er) schleuderte die grosze mit messing beschlagene bibel nach mir hin, dasz ich ... von der last getroffen zusammenstürzte ... der kopf summte mir A. v. Arnim werke 10, 80; für kopfschmerz an sich: schon hatte ich mein (von einer beule) summendes haupt in das küssen gehüllt Thümmel reise (1791) 2, 232; sein kopf summte sehr unleidig G. Keller ges. w. 5, 227.
b)
dieses körperlich-sinnliche gefühl wird bild für geistigseelische vorgänge. im übergang, als 'benommensein':
da summt uns unser kopf den ganzen tag von lobe! (das man zu hören bekommt)
Göthe 9, 51 W.;
dem fürstabt summte der kopf von verordnungen Kolbenheyer Paracelsus 1, 111. — so vielerlei einem im laufe des lebens um die ohren summt — es ist unvergeszliches darunter M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 168. vor allem für herumgehen von gedanken, erinnerungen u. ä. im kopf:
meine lipp ist izt verstummet!
denn vor meinem ohre summet
Günthers letztes rufen noch
Göckingk ged. (1780) 3, 204;
im ohr des alten summen noch die lieder,
die dieser flöte einst so froh entquollen
Lenau s. w. 53 Barthel;
diese verse summten mir unaufhörlich im kopfe Hebbel w. 10, 168 Werner; überhaupt summten ihm die mannigfaltigsten pläne durch den kopf Immermann w. 19, 30 Boxb.; als ich Laszbergs brief ... abgesegelt glaubte ..., summte mir die schönste reisebeschreibung im kopfe A. v. Droste-Hülshoff br. (1893) 117 Schücking; das gewichtige wort komponieren (von malereien) summte mir mit prahlerischem klang in den ohren G. Keller ges. w. 2, 49.
c)
anders vom sinnlichen moment ausgehend summen als undeutliches, flüchtiges oder geheimes reden, munkeln, hörensagen, das unklare, nicht faszliche, schwankende daran bezeichnend, hierin an 3 b und 4 erinnernd: von weitem summte ein gerücht um mich Klinger w. (1809) 2, 21; ich bin neugierig zu vernehmen, was uns das intelligenzblatt bringt, schon gestern in der comödie hört ich davon summen Göthe IV 10, 316 W.; was an gesprächen darüber in der kleinen stadt gesummt hatte, verstummte allmählich Th. Storm w. (1899) 5, 117; vergleichbar ist: ein ... künstler, dessen name wohl jedem kunstliebhaber mehrmals um die ohren gesummt, dessen talent jedoch ... nicht immer verdiente anerkennung genossen hat Göthe 49, 1, 156 W.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1937), Bd. X,IV (1942), Sp. 1070, Z. 74.

summen2, vb.

²summen, vb.,
zu summe gebildet. seit dem mhd., in urkunden des 14.-16. jh. häufig, der hochsprache fremd geblieben, heute hauptsächlich mundartlich und umgangssprachlich gebraucht. vgl.summern.
1)
'aufhäufen':
diu kerge laster enpfêt unde summet
(ende 13. jh.) meister Boppe in: minnesinger 2, 378ᵇ v. d. Hagen.
2)
'addieren, zusammenrechnen': lúte, die des ersten summetint alle unser schulden und ouch alle unser nútze und zuͦfälle (Rottweil 1379) württ. gesch.-qu. 3, 185; dis vorgenant gült järliches zinses haben wir gesumet und gerechnet fur acht stuck järliches zinses (Glarus 1412) schweiz. id. 7, 974;
zur zeit des zils summ ich all sach
und wuchergelt zuͦ hauptguͦt mach
J. v. Schwarzenberg der teutsch Cicero (1535) 182ᵇ;
grosz guot ist da (bei Carignan) gewunnen,
es ist nit als zuo summen,
gott geb, wo mans hie bhalt
(lied von 1544) schweiz. id. 7, 974.
3)
schweiz. speziell: 'die verordnungen für die corporation erlassen' (s.summe 1 f): schweiz. id. 7, 974.
4)
mundartlich vielfach reflexiv, dass. wiesummieren 5 a (s. d.): dat summd sük ten Doornkaat-Koolman 3, 364; schweiz. id. a. a. o.; Paul dt. wb.³ 531ᵃ. vgl. das comp.: es summt sich hoch auf Stieler (1691) 1678.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1937), Bd. X,IV (1942), Sp. 1075, Z. 7.

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Zitationshilfe
„sümmen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/s%C3%BCmmen>, abgerufen am 12.05.2021.

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