Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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sumpf, m.

sumpf, m.
herkunft. das wort ist ursprünglich heimisch wohl nur im deutschen: mhd. sumpf, mnd. sump 'sumpf, trog' Schiller-Lübben 4, 469ᵃ; ostmnl. somp, sump, m., moeras, poel, lacuna Verwijs-Verdam 7, 1535; neunl. somp, m., f., poel, drassige of moerassige plek, doornatte turf woordenbook 14, 2514; sompe drijftil zonder vasten bodem Dijkstra friesch wb. 3, 166ᵇ. aus dem nd., auch in den dem holl. fremden bedeutungen 3 und 4, entlehnt ins engl.: sump, sumph, sumpt, in älterer form sompe 'sumpf; sammelgrube oder -behälter, bes. in berg- und hüttenwerk' Murray 9, 2, 149ᵇ, und ins skand.: dän. schwed. sump 'sumpf', ädän. auch 'cisterne' (Kalkar 4, 208ᵇ), agersump 'gruben, welche zwischen den äckern hinein gemacht werden, damit das wasser abflieszen kann' (Kalkar 1, 39ᵇ), schwed. fisksump 'fischbehälter', badsump 'bassin' (vgl. Falk-Torp 1204, Hellquist 907ᵃ), norw. sump, f., 'kleine höhlung oder senkung in der erde, im schnee, im holze u. dgl.' (Torp 744ᵇ). dazu ins tschech. entlehnt: žumpa, wohl aus ostmd. sump, vgl.(wenn auch falsch erklärt) A. Mayer d. dt. lehnw. i. tschech. (1927) 15 u. ö. sumpf steht, wenn aus *swumpa-, im ablaut mit westfäl. swampen, vb., schwappen, schwanken, von sumpfigem, morastigem grunde Woeste 264ᵇ, und engl. swamp feuchtes, sumpfiges gelände, see, seichte lake Murray 9, 2, 278ᶜ (vielleicht selbst aus dem mnd. stammend), weiter mit and. suamp in dannensuamp agaricus (ahd. gl. 3, 594, 55, 13. jh.), dän.-schwed. svamp schwamm, pilz, an. svǫppr pilz, ball Cleasby-Vigfusson 613 aus germ. *swampu-, s. Falk-Torp 1209. lautlich identisch mit dt. sumpf ist an. soppr (Cleasby - Vigfusson 578ᵃ) mit abgeleiteter bedeutung 'ball', dän., norw., schwed. sopp pilz, schwamm Falk-Torp 1108; A. Torp 682; Hellquist 826. als ausgang beider reihen gilt idg. *su̯ombu-, nebenform zu *su̯ombho-s schwammig, porös (worunter sich auch sumpf fassen läszt), gr. σομφός dass., mit anderer ableitung (*su̯ombhmo-?) got. swamms σπόγγος, ags. meteswamm pilz, ahd., mnd. swam, swammes pilz, schwamm Walde-Pok. 2, 534.
verbreitung und form. im mittelalter ist das wort wesentlich auf mittel- und norddt. boden beschränkt, in hd. und nd. lautung: sump sächs. weltchron. 125; sumpf passional 89, 70 H.; Kasseler hs. d. Rennewart (md. 1334) 22376 H.; für 1385 bei Böhme schles. rechte (1770) 6, 150; bruder Hans Marienlieder 2258; sump in nd. gll. d. 15. jh. bei Diefenbach gl. 316ᵃ, n. gl. 226ᵇ; als sump und sumpf in der Harzer und ostmd. bergmannsspr. seit d. 14. jh., s. 3 und 4. vereinzeltes vorkommen bei den Oberdeutschen Hugo v. Langenstein und Berthold v. Regensburg (s. sp. 1084) erklärt sich durch beziehung zu ostdt. ordens- und mystikerkreisen. seit dem 16. jh. drängt sumpf das literarisch bisher vorherrschende mos in die obd. mundarten ab (s.moos 2 teil 6, 2519); seine träger sind wie bisher Ostmitteldeutsche, z. b. Luther: sumpf 34, 2, 396 W., Mathesius: sump Sarepta (1578) 125ᵇ; sumpf ebda (1562) 318ᵃ, Sebiz: sumpf feldbau (1579) 5, dazu nun nachbarn: sumpf voc. teut. (Nürnberg 1482) f f 6ᵃ, Hans Sachs, z. b. 17, 421 K., vor allem Alemannen: Paracelsus op. (1616) 1, 239 H.; Fischart practic 27 ndr.; Ryff spiegel d. gesundheit (1544) 56ᵃ; Stumpf Schweizerchron. (1606) 496ᵇ; vgl. auch sompf Calvin inst. christ. rel. (1579) 115. die Züricher bibel (1531) 30ᵃ übernimmt Luthers wassersumpf 2. Mos. 7, 15 gegenüber lachen bei Eck (1537) 30ᵃ. — allgemein hoch- und umgangssprachlich wird sumpf erst vom 17. jh. ab über die ost- und norddt. kreise der sprachgesellschaften, z. b.: Lohenstein Ibr. sult. 37; A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 1057; Stieler (1691) 251; auch unmittelbar aus der mundart als sump, z. b. D. v. d. Werder ras. Roland (1636) 14, 25. seitdem ist sumpf die herrschende sachbezeichnung. die mundarten zeigen den verbreitungsstand des frühnhd. bodenständig als somp, sump im rheinisch-fries. (vgl. das nl.) und (von hier aus gewandert?) hauptsächlich auf ostdt. kolonialboden; s. z. b. Follmann lothr. 512ᵇ; Hönig Köln 179ᵃ; Doornkaat-Koolman ostfr. 3, 364ᵇ. am mittelgebirgsrand ostwärts, z. b. Bauer-Collitz Waldeck 101ᵇ; Damköhler Nordharz 190ᵇ. in Ostdtl.: Danneil altmärk. 216ᵃ; Fischer Samland 88ᵇ; als sump und sumpf Müller-Fraureuth obersächs. 2, 589ᵃ. auf obd. boden ist sumpf nur im elsässischen (an stelle von mos) lebendig, z. t. in der mittelrhein. lautung sump und sumpen Martin-Lienhart 2, 359ᵇ und 957ᵃ. im schwäb.-schweiz. bleibt es ungewöhnlich, s. Fischer 5, 1957, schweiz. id. 7, 992; im bair.-österr. ist es ungebräuchlich. dagegen lebt im südlichen obd. eine sonst spärlich bezeugte dentalerweiterung (s. Wilmanns 2, 339): ahd. sunft Otfrid V 23, 110 E. (vgl. 1 d β); mundartlich in verschiedenen varianten: žũft (aus sunft) Tschinkel Gottschee 48; sumpften, m., f. Unger-Khull steir. 600ᵇ; im alem. sumpft Fischer 5, 1957; schweiz. id. 7, 992; sumfteren, f., ebda; mit i-bildung fem. sümpfte Fischer 6, 3259; sünfte Martin-Lienhart 2, 359ᵇ; sunfti schweiz. id. 7, 993; sönfte (von 1743) ebda. auf nd. gebiet entspricht sumpt 'sumpf, trog' Schiller-Lübben 4, 469ᵃ. flexion ist stark nach der i-klasse mit umlaut im pl.; ohne umlautszeichen z. b. Luther 34, 2, 396 W.; Eppendorff Plinius (1543) 9, 135; Aitner jagd- u. weidbüchlein (1681) 82. gelegentlich im frühnhd. schwache beugung: acc. sing. sumpfen H. Sachs 15, 548 K.; dat. sing. Prätorius winterquartier (1676) 411; acc. pl. sumpfen Dannhawer catechismusmilch (1657) 1, 25.
bedeutung und gebrauch.
1)
die ausgangsbedeutung von sumpf als geländeform ist die einer engen verbindung von feuchtigkeit und erde in einer bodenvertiefung, im gegensatz meist zu klarem (stehendem und flieszendem) gewässer und zu trockenem erdreich. von hier läszt sich als 'schwammiger boden' die brücke schlagen zur etym. urbedeutung 'schwammig, porös'.
a)
erdkundlich, 'palus', 'ein ständig mit wasser stark durchsetzter boden an der erdoberfläche' Hager techn. wortschatz (1919) 353ᵇ: de duvel sagede ime (Julian): '... heve mich ut deme sumpe, ere mich, ich wille di geven alle wunne' sächs. weltchron. 125 W.; das man (den selbstmörder) nicht begrabin sulle yn keyne trewge adir herte erde, sundir man sal en werfin yn eynen sumph adir bruchtecht (von 1385) schöppenorteile bei J. E. Böhme schles. rechte u. gesch. (1770) 6, 150; vgl. rechtsaltertümer⁴ 2, 327; palus ein tieffer und breyter sumpff Alberus (1540) Z z 2ᵃ; vom Bourtanger see, einen tieffen sumpffen, der des winters über kaum gefrieret Prätorius winterquartier (1676) 411; und eben in die sümpfe, die ihn (Alfred) vor den siegenden Normännern verborgen hatten, gründete er auf pfäle ein kloster Haller Alfred (1773) 79; diese pflanze ist für das meer, jene für den sumpf, diese für quellen und seen geschaffen Herder w. 13, 57 S.;
schlangen, die der sumpf genährt,
kocht und zischt auf unserm herd
Schiller 13, 100 G.;
die canäle, die durch die sümpfe durchgehn Göthe III 1, 285 W.;
ein sumpf zieht am gebirge hin,
verpestet alles schon errungene
Göthe 15, 1, 315 W.
aus den blumen sind böse kräuter geworden, aus dem hellen see ... ein schnöder sumpf Fouqué zauberring (1812) 2, 27; weil hier alles sumpf ist und blosz so tut, als ob es wiese wäre Fontane ges. w. I 5, 174; dasz die ... offensive ... in sumpf und blut erstickt ist amtl. kriegsdepeschen 1. 4. 1916. sprachläufig sind die pontinischen sümpfe z. b. Archenholz England u. Italien (1785) 2, 286; Lichtenberg briefe 2, 167; Ranke s. w. (1867) 40/41, 80; vgl. im bild: (ihre liebe sei) blutschlecht und ... ein pontinischer sumpf Jean Paul 1, 270 H.
b)
die mit sumpf als landschaftsform gegebenen vorstellungen verdichten sich sprachlich zu gelegentlichen und festen verbindungen mit gemeinsamem oberbegriff.
α)
substantivisch. in zweigliedrigkeit mit begriffen, denen das schlammerfüllte mit sumpf gemeinsam ist: nirgends aber geschicht solchs (schlechter geruch nach regen) also merklich, dann da es sümpf und pfützen hat Sebiz feldbau (1579) 5;
du zeigst dem andern wol die rechtgebähnten straszen,
wilst gleichwol selbsten nicht die sümpf und pfützen laszen
(18. jh.) der wolgeschliffene narrenspiegel (Freystadt o. j.) f 1ᵃ;
wegen der ... groszen sümpff und gebrücher
Hennenberger preusz. landtaffel (1595) 4.
häufiger mit morast: nachdem ehr sammt dem ross ihn eine sumpff oder morast gerahten und stecken blieben G. Kraus siebenb. chron. 1, 33;
irrwischreiche sümpf und dörnichte moräste
Lohenstein Ibrahim sultan 37;
als wenn ein irrlicht uns in sumpf und morast führet
Gottsched dt. schaubühne (1741) 3, 393;
nur in engen thalschluchten ... zeigen sich sümpfe und moräste Ritter erdkde (1822) 1, 119. — ebenso mit moor:
schlangenbrut aus sumpf und moor
Bürger w. 303 Bohtz;
ein bezirk, wo ... keine kahle höhe, kein sumpf und moor ... von der trägheit ihrer bewohner zeige Herder w. 22, 132 S.;
leben rauscht von allen blüthenzweigen,
regt sich einsam unter sumpf und moor
Sophie Mereau ged. (1800) 1, 44;
die ganze gegend ist durch moor und sumpf, den niemand zu betreten wagt, eingeschlossen deutsche sagen (1891) 2, 13. zumeist zweigliedrig wird auch der begriff des unwirtlichen gefaszt, sumpf und wildnis, sumpf und wald: (die Deutschen, welche) vor alters ... haben in den sümpffen und wildnüssen gewohnet Butschky Pathmos (1677) 540; ein kaltes, unfreundliches, rauhes, mit waldungen und sümpfen angefülltes land M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 2; einmal durchzog er die unwirthbaren wälder und sümpfe des alten Deutschlands Aurbacher volksbüchlein (1835) 15; kein teil Galliens sei ohne anbau, auszer wo sümpfe und wälder ihn unmöglich machten Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 9. lockerer sind verbindungen mit dem oberbegriff 'gewässer'; wiederkehrend ist dabei see und sumpf: auch wuszte ich alle berühmte paludes, seen, sümpfe und lachen zu beschreiben Grimmelshausen Simplicissimus 529 ndr.; dasz man die störche des winters in seen und sümpffen gefunden Prätorius winterflucht (1678) vorhab a 6ᵃ. wasser und sumpf: umb die wasser und sumpffe halten sie sich gerne Aitinger jagd- u. weidbüchlein (1681) 82; durch eine kleine vertiefung, wo weder wasser noch sumpf sich bemerken liesz Göthe 33, 293 W.
β)
beigefügte adjectiva heben die eigenschaften des sumpfes hervor. das trüb-moderige: alle fisch, so in truͤben, masigen sümpffen und wuͤstem wasser geend, die seind ... schleimig und unrein Ryff spiegel d. gesundheit (1544) 56ᵃ; mit vielen pfürtzsichten, feuchten sümpfen H. Rätel chron. d. herzogt. Schlesien (1607) 291; schande aber dem trüben, wolkigten sumpfe, der es (das sonnenbild) empfängt und niemals zurükgiebt Schiller 4, 55 G.; in einem faulen sumpfe Treitschke hist. u. pol. aufs. (1886) 1, 244. — das verwachsene und unwegsame:
wir gönnen dir die lust in schilfbewonten sümpfen
S. v. Birken forts. d. Pegnitzschäferey (1645) 82;
rohrichter sumpf M. Kramer t.-ital. 2 (1702) 366ᶜ;
legten wir nahe der burg, im dichtverwachsenen sumpfe
zwischen weiden und schilfen uns nieder, unter der rüstung
J. H. Voss Odüssee 266 Bernays;
die unwirthbaren sümpfe Naumann vögel (1822) 1, 72; unzugängliches land ..., wolfsklippen, windige felsen, unwegsame sümpfe Laistner nebelsagen (1879) 89.
γ)
verbal den sumpf trocknen, austrocknen, später entwässern: kriegsübungen, ... die ... die neugeworbenen des tages zweymal ... treiben und noch dazu sümpfe trocknen ... musten Lohenstein Arminius (1689) 1, 44ᵃ; indem er wälder ausreutet und sümpfe austrocknet Schiller 1, 156 G.; anstalten, um sümpfe zu entwässern Herm. Grimm Michelangelo (1890) 1, 46; hast du keinen sumpf zu entwässern und gräben zu ziehen? G. Freytag ges. w. 5, 163.
c)
weniger scharf, von einer dem streng erdkundlichen begriff des sumpfes ähnlichen bodenbeschaffenheit, 'durchfeuchtete erde, schlammgrund, faulige, kotige masse' (wirksam vor allem in zusammensetzungen, s. 5 b); vgl. die bauernregel: roggen in klump un weiten in sump (d. h. in nassen boden) Damköhler Nordharz 190ᵇ, sowie die gll. forica sumpf (md. 15. jh.), sump o. aytzucht (obd. anf. d. 15. jh.) Diefenbach 242ᶜ: (wie gott) Jeremiam in seinem schlam und sumpffe erhalten hat (d. i. in der schlammgrube Jer. 38, 6) Mathesius Sarepta (1562) 318ᵃ;
morastig, schlüpfrig, tief der weg ...
des nassen wandrers fusz beklebte.
oft löset er sich kaum, wie sehr er sich bestrebte,
dem sumpf sich zu entziehn
Brockes ird. vergnügen (1712) 2, 403.
in moderner sprache mehr als vergleich mit 'palus' (1 a) verstanden: wenn es regnete ..., so verwandelte sich bald der burghof in einen undurchwatbaren sumpf Immermann 1, 51 B.; der vor einer stunde staubdürre pfad des dammes verwandelte sich in einen sumpf Holtei erz. schr. 1, 144; die festwiese war zum sumpf geworden Steub wand. im bayr. geb. (1862) 208.
d)
bildlich-übertragener gebrauch ist alt wie der eigentliche. er geht aus von sumpf 1 a als dem schlammerfüllten, verwesenden, verderbenbringenden grund (vgl. einen anderen übertragenen gebrauch bei 3 d).
α)
real gedacht war mittelalterlich die vorstellung des höllensumpfes (wie höllenpfuhl, pfuhl der hölle); vgl. infernus est ym ̃ (immus?) sumph des ertreichs (15. jh.) bei Schmeller-Fr. 2, 284:
wil si min herre binden
zuo den helle kinden ...
ir witze machen stunpfe
in der helle sunpfe
Hugo v. Langenstein 152, 62 K.,
vgl. sp. 1081; in dem stinkenden hellensumpfe Berthold v. Regensburg 337, 20; da wurfen sy in in den fewrin sumpf d. heil. leben i. winterteil (1471) 235ᵃ; in später übernahme: da sie diese (verdammten seelen) in die sümpfe der hölle ausschütten, so wachsen sie wieder zusammen Klinger w. (1809) 3, 19. z. t. real gemeint ist auch sumpf der verdammnis:
leider mir, ich armer gief,
ich bin gesunken also tief
in der vertumnisse sumpf!
väterbuch 33069 R.;
denn sie werden in den fewrigen pfuel oder sumpf des ewigen verdamnis gestürzet werden V. Herberger herzpostilla (1613) 1, 857.
β)
als plastisch geschautes bild sittlichen makels oder verkommens, gekennzeichnet meist durch genetivattribute aus geistig-sittlichem bereich; zufrühst mit sünde:
wir birun zi ummezze   hiar emmizen mit hazze,
in suntono sunftin   mit grozen ungizunftin
Otfrid V 23, 110 Erdm.;
du (Maria) salt ouch wesen eine brucke
uber den sumpf der sunde
passional 122, 33 H.;
wir können uns nicht wie Münchhausen am eigenen zopf aus dem sumpf der sünde ziehen zeitwende 12 (1935/36) 2, 94. dazu die buntheit neuerer sprache: andere, die im schlamme kriechen und die niedrigen sümpfe des lasters lieben br. d. neuest. literat.-betr. (1759) 18, 123;
wenn ich auch einst von diesen höhen
herab zum sumpf der untreu fiel
v. Göckingk ged. (1780) 1, 101;
nun ist mein herz so grabesdumpf,
verlassen wie die wüste,
seit in den bodenlosen sumpf
gesunken ich der lüste
Lenau s. w. 102 Barthel;
du schwarzer see aus angst, gebirg aus leid ...
gestrüpp aus laster, sumpf der trunkenheit
J. Weinheber späte krone (1936) 114.
nun auch ohne genetivattribut:
so sehr er sich auch schwingt, so sinkt er immer wieder
in den gewohnten schlamm bekannter sümpfe nieder
J. E. Schlegel w. (1761) 4, 87;
es steckt so etwas thierisches in der menschheit, das sie immer wieder in den sumpf zurücksinken läszt Dahlmann im briefw. zw. Grimm, Dahlmann u. Gervinus (1885) 1, 86; erst den leichtgläubigen thoren in den sumpf gezogen und darauf fein das hämische weh über dir sünder! Schiller 2, 291 G.; (es) kam bei der nichtigkeit der comitien sehr wenig darauf an, ob in diesen sumpf noch eine kloake mehr sich entleerte Mommsen röm. gesch. 2 (1903) 252. daneben steht unsinnlicherer, mehr uneigentlicher gebrauch: ja wir wissen, dasz die seel ein sompf und herberge ist aller sünde und unreinigkeit J. Calvin instit. christ. rel. (1572) 115; als den giftigen sumpf ... giebt Schubart in seinem leben die pfaffen an Schubart br. 1, 231 bei Strausz w. 8.
γ)
daran schlieszt sich bei abklingender moralischer betonung mannigfache freiere verwendung, die verschiedenen vorstellungen von 'sumpf' (vgl. 1 b) wie trübe wasserstauung, das unsichere, das unentrinnbar hinabziehende, hemmende, tote, dem bild zugrunde legend: jetzt magstu ein artzt geheissen werden, auff ein felsen gebawen, nit auff einen sumpff und mosz Paracelsus op. (1616) 1, 239 H.; (es) hat mich die grosse fahr und unertregliche verfolgung ... tiefer in den sumpf des grewlichen geschreyhs (von Karlstadt) gestossen Luther 18, 439 W.; es sei die flut (der reformation), welche sich aus den Genfischen sümpffen in Franckreich auszgegossen, ... schädlich und verterblich gewesen V. Thilo franz. historien (1584) 1, 40ᵃ; in Maynz ... haben die Carthäuser die schönsten gegenden im besitze, leute ... die durch trübsal und ganze sümpfe voll ungemach ins reich gottes wandern müssten Heinse s. w. 9, 42 Sch.; alles ... steckt doch im sumpf der dummheit Bettine Günderode (1840) 1, 372; wieder in den alten sumpf kleinlicher bedenken zu gerathen ... das schien mir unvereinbar mit einem kunstinstitute H. Laube ges. schr. (1875) 16, 168; ich habe mit innerer freude getrunken an seinen (des mittelalters) stillen brunnen, die mir kein sumpf schienen J. Grimm kl. schr. (1864) 1, 31; abweg: die bewegung (revolution) geht nur dadurch in den sumpf, weil man ihr irrlichter vorantanzen läszt Gutzkow ritter v. geiste (1850) 7, 387; (Lachmann) wuszte, ... dasz viele, scheinbar ebene wege in den sumpf führen W. Scherer kl. schr. 1, 96. redensart, 'in schwierigkeiten bringen': der kerl hat den karren in den sumpf geschoben Nestroy ges. w. (1890) 11, 218, vgl.den karren in den dreck schieben. ganz frei von werturteil: die folgenden hefte ... werden bereitet, indem ich die alten teiche und sümpfe meiner studien wieder anzapfe Göthe IV 28, 251 W.
δ)
in burschikoser sprache übertragen für trinker, s. schweiz. id. 7, 992, vgl. dazu budensumpf saufgelage auf der stube, budenzauber, s. auchsumpfen 4; mensch von nicht streng moralischer art: er stand vertieft in das bild ... da erhielt er einen schlag auf die schulter: 'verliebst du dich in die göttliche Victoria, du sumpf?' C. F. Meyer versuchung d. Pescara (1901) 27. auch philister, stumpfsinniger mensch: schweiz. id. 7, 992. vgl.: nun freylich hat Fabritius ein träges gemüthe. (hofrath:) der ganze kerl ist ein sumpf Iffland theatr. w. (1872) 4, 244.
2)
die vorstellung der wasserhaltigen erdvertiefung kann die der schlammerfüllten überwiegen bis zur gleichsetzung von sumpf sogar mit see und meer.
a)
'kleines oder seichtes gewässer, pfütze, lache, tümpel', wobei der gedanke der trübe mehr oder weniger deutlich mitspricht, vgl. hierfür etwa mistsumpf für mistwasser (von 1780) schweiz. id. 7, 992. als md. variante zu obd. in den lachen:
ich tuͦn als der wise tuͦt
und der den esel da tribet,
so er in deme sumpfe blibet:
er nimet in die hant den zagel
Ulr. v. Türheim Rennewart 22376 Alfr. Hübner (Kasseler hs.),
vgl. umgekehrt Ecks lachen für Luthers wassersümpfe sp. 1081; ähnlich: lacuna sumiph (Lpz. 1517) Diefenbach 315ᶜ; regenpfütze (bei sturmwetter): schöpfte er (Nero auf der flucht) wasser mit der hand aus einem sumpfe A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 1057; wohl ähnlich: wan schlupfenen oder sumpfenen in denen landstraszen ... sich ergeben (von 1711) schweiz. id. 7, 993; was ist Deutschland anders als ein strand, von welchem sich die fluth zurückgezogen hat? hier ein sumpf, dort ein sumpf voll elender geschöpfe W. Raabe hungerpastor (1864) 1, 220.
b)
als gröszeres stehendes gewässer kann sumpf unter den begriff 'lacus' gezogen werden, zunächst einfach als interpretation: lacus putte vel sump (nd. 1425) Diefenbach 316ᵃ; pol, poul, sump, pute (nd. 15. jh.) n. gl. 226ᵇ; sumpff oder pful lacus voc. teut. (1482) f f 6ᵃ. in schärferer fassung als éine erdform neben anderen: lacus, aquae perpetuae receptaculum ein sumpff, ein see, ein teich Corvinus fons lat. (1660) 737. die verbindung stehender sumpf betont das regungslose, erstorbene gegenüber flieszendem gewässer: stehender sumpf aqua reses, uligo, scaturigo languida et sine fluxu Stieler (1691) 2238; besser unter stürmen und ungewittern wandeln, als in stehenden sümpfen verschmachten! Fr. Gentz schr. 2, 105 Schlesier. dieser gegensatz dient darum gerade bildlichem gebrauch gerne (vgl. 1 d γ):
fliesze, wogiger strom (des lebens)! nirgend ein stehender sumpf
Herder s. w. (1805) 16, 37;
ohne diese nie einschlummernden streitigkeiten würde die gelehrte welt bald einem stehenden sumpfe gleichen Schelling w. (1856) 1/3, 650. sodann bezeichnung für 'see' im eigentlichen sinn, sofern er 'stehend', d. h. abfluszlos ist: auch solche seen (nennt man) sümpfe, welche keinen sichtbaren abflusz haben und die höhe ihrer oberfläche nicht merklich verändern, ob sie gleich ... oft ansehnliche flüsse aufnehmen ... Kaspischer see, ... Aralsee, ... Totes Meer Krünitz 178, 395;
Wäinämöinen selbst, der alte,
rudert eines tags auf sümpfen
und auf seen des andern tages
und am dritten tag im meere
Platen w. 1, 84 Redlich.
für teile des offenen meeres, die auf morastigem grund stehen oder auch z. t. durchsumpft sind; das zwischengebiet von ebbe und flut: aestuaria ein arm des meers, ein sumpff oder graben des meers Calepinus XI ling. (1598) 49ᵇ; sumpf des auszgetretenen meers aestuarium Aler (1727) 1866ᵃ. lagune: sumpf laguna M. Kramer t.-ital. 2 (1702) 1838ᶜ; alsdann würde ihm der kapitän ... führer schicken, damit er nicht an den sandbänken scheiterte, welche den sumpf, der Venedig umgiebt, so gefährlich machen Schiller 4, 162 G.auf diesen linien liegt ein vereinzelter gebrauch als wasserflut schlechthin:
da fur auff meeres sumpff
mit jubel und triumpff
fraw Welt mit groszem pracht
Hans Sachs 3, 280 K.
c)
bei stärkerem hervortreten des begriffes der erdeintiefung und des versinkens darin erscheint eine bedeutung 'tiefes, grundloses wasserloch'. vgl. als übergang (noch 'schlammwasser im erdloch'): wunderbarlich ding von fischen ... die an den feuchten orten, wenn das wasser abgehe, in den löchern, da sumpffe seind, steen bleiben Eppendorf Plinius (1543) 135. — 'wasserloch im erdboden', nächstverwandt mit pfuhl: sumpff oder schlund, ein bodenlosz loch mit wasser in der erden, barathrum et vorago Duez dict. germ. (1664) 505ᵇ; an dieses barathrum klingt ein nicht klarer gebrauch bei Hans Sachs an, wo sumpf wie als schlucht, tiefe, abgrund an sich erscheint:
(der teufel die juden) füret auff ein gebirge hoch
welches stund an des meeres joch ...
sie solten sich waltzen hinab
ins meer ...
(fischer) sahen der juden heer ...
sich waltzen ohn vernunft und witz
hinab in dieses felses sumpffen
und in das grewlich meer einpflumpffen ...
(die fischer die juden) anschryren, was sie sich ohn not
nab stürtzten von dem felsz zu todt
und darnach in das meer sich senckten
15, 548 K.-G.
'loch, kessel innerhalb eines gewässers': gurges ein flusz oder sumpff in einem wasser gemma gemmarum (1508) l 6ᵇ; (der schiffer) führt eine lange stangen ... und pfächtet, ob nicht etwan im wasser ein tiefer sumpf, darein das (im flusz das schiff ziehende) pferd möchte fallen Abraham a s. Clara etwas für alle 2 (1711) 274; unter dem einflusz der Harzer bergmannssprache (s. 3 a): bald wirbeln und drehen (die flüsse) sich in tiefen felsenkesseln oder, wie die Harzer solche steinlöcher ... nennen, 'in sümpfen' J. H. Kohl dt. volksbilder 281.
3)
künstliches sammelbecken für flüssigkeiten und ablagerungen. (entsprechende bedeutungen in den nord. und engl. entlehnungen s. bei 'herkunft.') die breite entfaltung auf verschiedenerlei sachbereiche in älterer sprache, auch auf obd. gebiet (s. 3 a δ, auch 4 a und b), engt sich neuzeitlich wieder auf die fachsprache der frühesten bezeugung (seit anf. d. 14. jh.), nämlich des bergwesens und verwandter alter gewerke ein (3 a und b, 4 a) und erweist sich dadurch als sekundäre anwendung. es ist darum im bergmänn. die umbildung aus dem natürlichen sumpf zu suchen (vgl. auch 5 a), und zwar aus 2 a 'kleine, trübe wasseransammlung' und 2 c 'wasserloch'. — als '(erd)gegrabenes behältnis' zeigt sumpf noch deutlich den ausgang, der zunächst nur durch den begriff der künstlichen entstehung gegenüber 2 verändert wird; der 'schlamminhalt' (vgl. 1) bleibt fast durchweg gegeben.
a)
'grube' oder 'mulde', vgl.: cisterna eyn water sump (nd. 1417) Diefenbach 93ᵇ.
α)
schachtgrube im bergbau, 'vertiefung zur ansammlung der wasser, insbesondere bei dem abteufen eines schachtes der jedesmalige tiefste theil' Veith dt. bergwb. 483. gerade hier ist der übergang vom natürlichen sumpf unterirdischer wasserstuben zum künstlichen sehr gleitend, vgl.: der son gottes ... verdemmet die wasser (der sintflut) wider in seine sümpffe und schleuche unter und uber der erden Mathesius Sarepta (1571) 11ᵇ. — si haben ir wasser in irem tifesten und iren sumphfen Iglauer bergr. (1325-60) bei Jelinek mhd. wb. 698; wann aber in eim schacht einer gruben ... alles wasser ... zu hauff fleuszt, alsdann ist von nöthen, das ein streich sumpff gemacht werde, der alles wasser samle Bech Agricolas bergwerckb. (1621) 85; vgl. noch 'sumpff (im bergwerk) ist, darin man das wasser hält' Speidel notabilia (1634) 119; ebenso G. Junghans gräublein ertz (1680) f 1ᵃ und die späteren fachwbb. in modernem betrieb: die sümpfe der wasserhaltungsmaschine sollen hinreichenden raum haben Achenbach bergpolizeivorschr. (1859) 93. als klärsumpf im besonderen für sinkstoffe: um die stollenwasser möglichst klar zu tage zu führen und dadurch verschlämmungen der sie aufnehmenden gräben und flüssen vorzubeugen, werden ... sogenannte klärsümpfe angelegt zs. f. berg-, hütten-, salinenwesen 8ᴮ, 10; vgl.sumpen 'stelle in der grube, an der sich wasser und schlamm sammeln' Schön Saarbrücken 207ᵃ.
β)
grube an der erdoberfläche. im hüttenwerk breites, flaches sammelbecken bei der aufbereitung des erzes als letzter teil des gerinnes zur aufnahme der feinsten teile der 'mehlführung', s. Karmarsch-Heeren 1, 235; auch lediglich zum abklären der trübe dienend, s. Gätzschmann samml. bergm. ausdr. (1881) 98: dann solle unter den büdden eine rinne ligen, darinn die laugen zusammen in eine eingegrabene büdden oder sumpff rinnen kan L. Ercker beschr. aller miner. erzt (1580) 127ᵇ; 'eine viereckige, in die erde gemachte, ... grube, ... durch welche das wasser gehet und die zähen schlämme hineinführet, damit sich die schwere darinnen setze' bergm. wb. (1778) 544; (für das auslaugen von schwefeleisen) müssen ... die sümpfe wasserdicht und mit geneigter sohle hergestellt sein Karmarsch-Heeren 2, 757; s. auch bei sumpfeschel. — in ziegeleien grube zum einsumpfen des lehmes, s. Mothes ill. baulex. (1882) 4, 290, vgl.sumpfen 3, auch hier eine schlammasse aufnehmend. alt bezeugt als dachsump (dach, dahe lehm, s. Lexer 1, 407): item 7 fird. vor dachsumpe ze follen (in rechnung für ziegeleiarbeiten von 1404) Marienburger treszlerb. 294 J.; sumpf als sumpfloch (s. d. 1) Zincke ök. lex. (1744) 2857; das einsumpfen (des thones) wird ... in gröszeren gruben, sog. sümpfen, vorgenommen Karmarsch-Heeren 9, 261.
γ)
den begriff 'erdgrube' verlierend, 'sammelbecken des geschmolzenen gutes, muldenförmige eintiefung in der sohle des schachthochofens' (vgl.sumpfofen), auch ofensumpf, herdsumpf genannt, vgl. Karmarsch-Heeren 1, 576 u. 581; Scheuchenstuel 240. auch auszerhalb des ofens: das in dem vorherd angesammelte blei ... sticht man in den seitlich angebrachten sumpf ab Karmarsch-Heeren 1, 575. auch zum klären (der schmelzmasse) dienend: vielfach gieszt man nicht unmittelbar in die eingusztrichter, sondern bringt einen sumpf, eine muldenförmige vertiefung an, ... damit das eisen ... erst noch unreinigkeiten ausstoszen kann Lueger lex. d. ges. techn. 3, 629.
δ)
die breitere anwendungsmöglichkeit älterer sprache lebt in vereinzelten bezeugungen aus anderen sachgebieten (vgl. 3 kopf), z. t. ebenfalls stark vom ausgang sich entfernend. als kunstwort der anatomie s. bei sümpflein. — in der baukunst 'gemauertes bassin': als man ... den altar dannen brach, fand man den gemachten sumpff und abgang des verlornen wassers und alle anzeigung, dasz der taufstein vor zeiten auch da gestanden Stumpf Schweizerchron. (1606) 496ᵇ; vgl.sumpfloch im Holst., sp. 1100. beim deichbau: nachdem machet man in die vier ecken in die klufft-dämme bronnen oder sümpffe, und setzet pumpen hinein L. Chr. Sturm fangschläussen (1715) e 1ᵇ. bezeichnenderweise halten sich reste dieses breiteren gebrauchs nur in zusammenhang mit hüttenwerk und schachtarbeit: sumpf kastenähnlicher raum vor dem rad eines hüttenwerks, worin man wasser sammelt Mothes ill. baulex. (1882) 4, 290; ebenso Blumhof eisenhüttenkunde 3, 494. 'sumpf im bauwesen eine vertiefung im boden von schächten, behältern oder gruben, in welchem sich der rest des wassers beim entleeren ... sammelt' Hager techn. wortsch. (1919) 353ᵇ.
b)
als graben in berg- und hüttenwesen, gleichen zwecken des sammelns und ableitens von wasser und schlamm dienend: fiunt in profunditate argentifodinarum fosse, que vulgariter 'sump' vocantur, ... ut ibidem aqua in unum locum profluens congregetur Kuttenberger bergordnung (von 1300) bei Veith 484; in dt. fassung: in der silbergruben graben, di heissen sumphe bei Jelinek mhd. wb. 698; sümpffe werden auch genennet die ... gräben ... durch welche die zehschlämme bisz in die fluth geleitet Minerophilus (1730) 653.
c)
die bergmannssprache entwickelt aus den arbeiten mittels des sumpfes eine reihe von kunstmäszigen wendungen.
α)
für das anlegen einer sammelgrube: 'sumpff stoszen, ist, einen sumpff machen von rasen' G. Junghans gräublein ertz (1680) f 1ᵃ; 'einen damm mit lehm und rasen ausrammen' Thiel-Birnbaum 7, 271ᵃ. sumpf schlagen: in Steiermarck schlegt man sumpff in die ... gebirge, drein sifert ein eisenschüssig wasser Mathesius Sarepta (1571) 78ᵃ; sümpffe brechen Deucer bergrecht (1698) 22ᵇ; schieszen Veith 484.
β)
für die arbeiten des entwässerns. zu sumpf ziehen, bringen 'die wasser aus den bauen soweit wegschaffen, dasz arbeiten darin vorgenommen werden können' Veith 484: dieser bronn prodelt oder strudelt stets uber sich, drumb kan man ihn nicht ... zu sump ziehen und ausschepffen Mathesius Sarepta (1571) 125ᵇ; als noch die gruben zu sumpfe zu bringen und mit arbeitern zu belegen gewesen Voigt bergwerksstaat (1771) 85 anm.; von diesem zeitpunkte gelang es nicht weiter, die wasser zu sumpfe zu bringen, so gut ... die maschine arbeitete bei Veith 484. — zu sumpf halten, erhalten das wasser der grube auf normalem stand halten, d. h. in den vorgesehenen sümpfen. absolut gebraucht: darauff der steiger dem hertzogen ... geandtwortet ..., er wolt es damit weltigen und zu sumpe halten, wenn auch der gantze berg voller wasser were Hardanus Hake bergchr. (v. 1583) 42 Harzverein; vgl. Schönberg berginf. (1693) 2, 95. transitiv: wann man mit keiner kunst die wasser zu sumpff halten kan Löhneysz bergwerck (1617) 50; die grundwasser gewältigen und die gruben zu sumpfe erhalten Voigt bergwerksstaat (1771) 85 anm.; auch: es gelang, die wasser bis auf einen sumpf von ... 2 fusz zu halten zs. f. berg-, hütten-, salinenwesen 6ᴮ, 186. zu sumpf sein: 'grube ist zu sumpf, ... wenn das wasser nicht höher als in sumpff stehet' G. Junghans gräublein ertz (1680) c 3ᵃ; 'wenn kein wasser im tiefsten sich befindet' Schönberg berginf. (1693) 2, 45; Chr. Herttwig bergbuch (1734) 390ᵇ.
γ)
anders von sumpf als dem wassererfüllten (unbrauchbaren) teil einer grube ausgehend, bezeichnen wendungen das verfallen eines bergwerks (wenn gewissermaszen das ganze zu einem sumpf wird); grube zu sumpf treiben unbergmännisch behandeln, verkommen lassen, vgl. G. Junghans gräublein ertz (1680) f 4ᵃ: aus was ursachen die bergwerck in abnehmen kommen und zu sumpf getriben werden Löhneysz bergwerck (1617) 49; die uhralten, schönen und kostbahren stöllen (sind) zu sumpff und boden getrieben worden Chr. Herttwig bergbuch (1710) 69ᵃ. dagegen wasser zu sumpf treiben die grube auspumpen: wer das wasser herausbringen und zu sump treiben könte, der würde gros reichthumb erlangen Albinus meiszn. bergchr. (1590) 25. zu sumpf gehen 'ersaufen': darauff gemeinigklich die bergwerck gar umbschlagen und zu sumpff gehen Mathesius Sarepta (1571) 23ᵃ; sie haben gutwillig wieder auf- und den bergk zu sumpffe gehen lassen Melzer Schneebergk (1684) 510. — zu sumpf liegen 'ersoffen sein': wie wil ... der herr so viel neue erschöpfte und fast zu sumpf liegende bergwerk besuchen und so viel verborgene schätze eröffnen? Harsdörffer gesprächspiele (1641) 3, 256; bleibet doch die stadt in vergleichung anderer vielen orter, da die bergkwercke gantz zu sumpffe liegen, eine gesegnete Melzer Schneebergk (1684) 478; ebenso im sumpfe stehen Richter berg- u. hüttenlex. (1805) 2, 485.
d)
übertragen gebraucht werden die wendungen für den verfall eines bergwerks in älterer sprache für 'zugrunde gehen, vernichtet werden'. nahe dem ausgang, dem sinnlich sichtbaren zerfallen steht noch: warumb wilstu ... dasz dieses gantzes gebewde ... zu sumpff gehe und uber einen hauffen falle? Cervantes unzeitiger furwitz (1617) c 6ᵃ. sonst ganz abstrakt: aber es (das römische reich) ist wieder zu sumpff gegangen Luther 16, 5 W.; erstlich (bringt das alter) schwachheit des leibes, das alles abnimt und zu sumpffe gehet Fr. Rhot Jesus Sirach (1587) 1, 142ᵇ; wenn das thor zu nahe beym rathausz stehet, so wird ein regiment gemeiniglich zu sumpff getrieben Petri d. Teutschen weiszheit (1604) 2, A a a 7ᵃ; dasz ... solches brauwerck aber ... sehr gemiszbrauchet ... auch der amtsbrauhof zu sumpfe getrieben ... worden bei Klingner samml. z. dorf- u. bauernrechte (1755) 4, 821. — verstärkt durch trümmer, boden, grund (vgl. bei c γ): alle ihr raub und schetze ginck zu sumpff und grunde, das meer verschlunge alles A. Scherdiger novae novi orbis historiae (1591) 60; dasz ... dieses uhralte geschlechte (der esel) ... zu trümmern, sumpff und boden gehen müsse R. v. Dieskan legation (1638) b 2ᵃ; darumb wolte der feldmarschalck ... diese ... stadt nicht ... mit einer ... unerträglichen einquartierung, dadurch sie gar zu sumpff und boden getrieben ... würde, belegen v. Chemnitz schwed. krieg (1648) 3, 1, 79ᵃ. sekundär kann anschlusz an den bildlichen gebrauch von sumpf 1 d entstehen:
ach schnöde lieb ...
pflegstu mich doch zu grund und in den sumpff zu führen
Dietr. v. d. Werder ras. Roland (1636) 2. ges., 1. str.
4)
unter aufgabe auch des begriffes der bodenvertiefung als oberirdischer, tragbarer behälter.
a)
trog, bütte, tonne. nahe liegt es, den gebrauch im bergmännischen wie bei 3 für den ursprünglichen zu halten, vom eingetieften behälter auf den, ähnlichen zwecken dienenden, frei angebrachten angewandt, meist auch schlammige, trübe flüssigkeit aufnehmend. als waschtrog: hat solicher zeug (das gebirge) vil stein, so ... seübert (man) in mit syben, wescht in in sümpffen Seb. Münster cosmographia (1550) 13; s. auch bei sümpflein. hauptsächlich 'der trog, darein die sätze (vgl.sumpfsatz) auszgissen und ausz diesen entweder in die schlungröhre des andern satzes oder uff den stollen lauffen' G. Junghans gräublein ertz (1680) f 1ᵃ; bergm. wb. (1778) 544. vgl.sumpfkasten, -korb, -röhre. — in verwandten techniken: 'in der bergschmiede das fasz, ... wird über die hälfte mit lehm und erde und wasser darauf angefüllt, darinnen der bergschmidt härtet' Jacobsson 7, 495; Mothes ill. baulex. (1882) 4, 290. als gradierfasz ebda. in vitriolwerken die kühlpfanne ebda. 'untersatzfasz in der potaschsiederei, darein die lauge aus den keschern gelassen wird' bergm. wb. (1778) 544. im frühnhd. auch auszerhalb der technischen fachsprache, anscheinend nur ostmd. (vgl. sp. 1081): item Nickel Molner vor einem neuen sompff in die judenstube 22 gr. (1431) cod. dipl. Lusatiae sup. II 2, 220 Jecht; auch weniger (soll) solches auswaschen bei dem brunnen und wasserbütten oder sümpfen geschehen (1625) Neumarkter rechtsbuch 335 M.; wie die gassenmeister ihnen angelegen sein lassen sollen, dasz solche sümpfe und brunnen richtig und bauständig fort erhalten werden Breslauer feuerordnung (1630) 23; es sollen ... sonderlich diejenigen, so nahe an den wasserkünsten gelegen, in ihren brunnen, röhren oder sümpffen häne oder stangen halten und haben Breslauer bauordnung (1668) 16.
b)
kleines, tragbares gefäsz: cotula zump brevilogus (1403) bei Schiller-Lübben 4, 469ᵃ; ein sumph (md. 15. jh.) Diefenbach 154ᵇ; auch obd.: cottula sumpff (15. jh.) n. gl. 117ᵃ; cottula i. mensura vini sumpff (Straszb. 1515) Diefenbach 154ᵇ; vgl.sumpfel bei sümpflein.
5)
zusammensetzungen mit sumpf. herrschend ist die bildung mit der grundform sumpf-, nur gelegentlich mit dem gen. sing., von metrik und sprachrhythmus beeinfluszt: sumpfesluft Schiller 14, 380 G.; sumpfesgraun A. v. Droste-Hülshoff w. 3, 103 Sch. auch in prosa: sumpfesgefahr Scheffel ges. w. 3, 29. — zusammensetzungen mit dem adj. sind selten, s. u. 2. die gesamte kompositionsbildung vollzieht sich im bereich der hochsprache; die mundarten bringen nur vereinzelte eigenbildungen, etwa sumpfloch. die belege für die folgenden einzelbildungen s. an alphabet. stelle.
a)
alt sind die häufigsten bildungen mit sumpf 3 und 4 (künstliches sammelbecken) als fachausdrücke gerade des berg- und hüttenwesens (s. 3 kopf); bezeugt seit dem 16., 17. jh., einmal gegenstände der arbeit am und im schachtsumpfe (3 a) benennend: -eisen, -kiel, -korb, auch -wasser, nach 4 a -trog, sodann das letzte produkt des erzschlämmens (3 a β): -schlamm, -werk (s. d. 2). vereinzelt, aber das alter auch dieser bildungsmöglichkeit beleuchtend, im ziegeleiwesen (3 a β): sumptretir (anf. d. 15. jh., s.sumpftreter). das 18. und 19. jh. fügt nur noch einige ausdrücke hinzu: -arbeit, -bütte, -eschel, -kasten, -ofen, -ort, -satz, -strecke.
b)
dagegen treten ältere bildungen mit sumpf 1 und 2 (geländeform) nur vereinzelt auf: -wasser (1586), im 17. jh. -werk (s. d. 1), -pfuhl, -blume, -grube, -tag. die hauptmasse setzt seit der 2. hälfte des 18. jh. mit gelegentlichen und bleibenden bildungen beinahe schlagartig ein und steigert sich noch im 19. jh. sie steht in engstem zusammenhang mit den beschreibenden naturwissenschaften; so geographisch-schildernd, z. b.: -bauer, -bewohner, -jäger, besonders die landschaft: -boden, -ebene, -gebiet, -gegend, -gewässer, -gürtel, -lache, -land, -niederung, -see, -wiese; zoologisch-botanisch, z. b.: -brüter, -geflügel, -tier, -vogel, -wurm; -dickicht, -geblüm, -gebüsch, -gras, -pflanze und viele andere, bes. einzelnamen, vgl. die fachwbb. ähnlich im anorganischen bereich: -dunst, -eisen, -erde, -erz, -gas, -luft. dazu adj. wie: -artig, -liebend, -reich. bezug besteht dabei auf sumpf 1 a als formation (z. b. -fläche, -flusz) und 1 c als sumpfartigen boden (sumpfige wiese, wald, uferstelle, bes. bei pflanzen), im einzelnen nicht immer unterscheidbar. sumpf 2 klingt an, wo sumpfiges wasser sachlich vorliegt (z. b. -biber, -graben, -loch). auszerhalb dieser sachkreise liegen nur wenige komposita, zeugen aber ebenfalls für die geschärfte moderne naturbeobachtung. so prägungen dichterischer sprache (zu 1, gern auch bildlich nach 1 d): -feuer, -geschiller, -licht, sumpfesgefahr, -grauen; die adj.: -entsprossen, -entsprungen, -erfüllt, -geboren. dazu -burg, -festung, -lager, -nest, -schlosz, -stadt, sowie -geist, -gespenst, -unhold u. a.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1937), Bd. X,IV (1942), Sp. 1080, Z. 44.

sumpfen, vb.

sumpfen, vb.,
ableitung von sumpf.
1)
zufrühst, jedoch nur lexikalisch bezeugt, als schmecken nach dem sumpf, modern: sumpfen putrem et viaticum saporem habere Stieler (1691) 2238; der fisch sumpft, i. e. schmekt nach dem sumpf ebda; saper di pantano M. Kramer t.-ital. 2 (1702) 1038ᶜ; paludem sapere Aler dict. (1727) 2, 1866ᵃ; sentir la bourbe Schrader dt.-frz. (1781) 1340ᵃ; 'modern' Kluge studentenspr. 129ᵇ. dazu mundartlich sumpfelen nach sumpfwasser schmecken, riechen, von fischen, auch jauche, gülle ausführen Fischer schwäb. 5, 1957; vgl. mistsumpf bei sumpf 2 a.
2)
sumpfig, morastig sein, tümpel und lachen, gelände von sumpfcharakter bilden, stagnieren, vgl. versumpfen teil 12, 1, 1846: das wässern der wiesen darf ... im winter und frühjahr geschehen, doch so, dasz das wasser nirgends sumpfet, stehen bleibet allg. haushaltslex. (1749) 3, 724ᵃ; die sohle des tales dazwischen sumpft grösztenteils B. Weber bei J. E. Wackernell B. Weber 281. gern in dichterischer sprache, besonders liebt es J. H. Voss:
es stand der see, lang eingehemmt
und sumpft in ödem rohr
sämtl. ged. (1802) 5, 51;
nicht wo lauliche tränke
sumpft
3, 200;
denn wo das glückliche volk der pelläischen veste Kanopus
wohnt an des sumpfenden Nils weit ausgegossenen wassern
(effuso stagnantem flumine Nilum)
Virgils georgica 4, 387;
(sie) wateten ... durch aufgeweichte gassen ... jenseits von tor und graben sumpfte nur mehr die kurze qual des pfahldorfes. dann fühlte der fusz den rasen Kolbenheyer Paracelsus 1, 2. vereinzelt als versinken im sumpf: Campe 4, 750ᵃ.
3)
in technischer fachsprache 'mit flüssigkeit in der grube durchsetzen zu breiartigem gemenge', vgl.sumpf 3 a β: das sumpfen bezweckt ... das versetzen des thones in die zur verarbeitung geeignete consistenz durch wasseraufnahme Muspratt chemie 8, 387; ein gesumpfter kalkbrei (erscheint) speckiger ... als frisch bereiteter Karmarsch-Heeren 2, 208; vgl.: einsumpfen 'd. h. (den kalkbrei) in einer grube ... noch längere zeit sich selbst ... überlassen' ebda.
4)
in übertragenem gebrauch von sumpf 1 d δ her. 'stumpfsinniges, verkommenes leben führen': dieser 'lumpenhund' Söller muszte von den andern, nachdem er sein ehrloses sumpfen und dahinstieren durch gemeinen diebstahl gekrönt hatte, mit den füszen weggestoszen werden Bielschowsky Göthe 1, 87. 'dösen': das faultier sumpft die ganze geschlagene woche im wirtshaus Rosegger schr. (1895) III 6, 171; student., 'unmäszig trinken' schweiz. id. 7, 992; Jungandreas schl. zeitwortbildung (1923) 97.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1937), Bd. X,IV (1942), Sp. 1092, Z. 24.

sümpfen, vb.

sümpfen, vb.,
kunstwort des bergbaus, die wasser aus dem schachtsumpf auspumpen, die schachtsohle trocken legen. abgeleitet von sumpf 3 a: Gätzschmann samml. bergm. ausdr. (1881) 98; das sümpfen der wasser mittels einer handpumpe und groszer kübel zs. f. berg-, hütten-, salinenwesen 6ᴮ, 169; eine grosse anzahl von rosskünsten langten nicht hin, (die wasser) zu sümpfen, und erst mit hülfe von dampfmaschinen gelang es, die felder trocken zu legen ebda 1ᴮ, 11. auch sümpen, vgl.sumpf sp. 1081: (es) wurde ... das grubengebäude bis zur tiefsten sohle gesümpt ebda 15ᴬ, 139.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1937), Bd. X,IV (1942), Sp. 1093, Z. 1.

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Zitationshilfe
„sümpfen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/s%C3%BCmpfen>, abgerufen am 12.06.2021.

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