Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

sündendeckel, m.

sündendeckel, m.,
was sünde verbirgt, insbesondere für den vorwand, mit dem man sündliches tun rechtfertigt, vgl.sündendeckel coperta, pretesto, scusa di peccato Kramer 2 (1702) 1039ᶜ:
hie siht man, wie der geistlich stand
die göttlich schrift helt vor ein tand,
wenden dieselb nur für zum schein
und musz ir sündendeckel sein
Burkh. Waldis Esopus 2, 54 Kurz;
dasz Christi theur verdienst zum sündendeckel wird,
dasz das verführte volk vom rechten wege irrt
Zinzendorf kl. schr. (1740) 863;
der himmel vergibt die sünden, ... aber er vergibt sich nicht selber an sünder. ich bin im nämlichen fall und möchte so wenig als er sündendeckel werden Zschokke s. ausgew. schr. (1824) 26, 75; noch bildlich gefühlt: nachdem Lutherus ... unserm Teutschland den sündendeckel vom hafen hat gethan und uns Teutschen gesagt, wer wir seyen Tob. Wagner (1651) bei Fischer schwäb. 6, 3259. seltener, wohl im anschlusz an Röm. 3, 25, vom sühnopfer Christi: eine lehrmeinung, die ... ursache und zweck dieser botschaft verstümmelt, um sich am blutbesprengten gnaden- und sündendeckel festzuhalten, hat sie die schrift ausgelegt oder verfälscht? Herder 20, 257 S.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1941), Bd. X,IV (1942), Sp. 1144, Z. 67.

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sühnungsweg
Zitationshilfe
„sündendeckel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/s%C3%BCndendeckel>, abgerufen am 12.07.2020.

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