Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

sündenschlaf, m.

sündenschlaf, m.,
umschreibung für sünde als zustand geistlichen todes, gewohnheitsmäsziges sündigen (s.sünde VI 1 a, VII 4):
... ob sie durch die straff
bewogen, von dem sündenschlaff
im glauben möchten aufferstehn
Ringwaldt christl. warnung (1588) e 6ᵃ;
manchmal war es mir, als sei es gottes stimme, welche die trägen menschen wecke aus ihrem sündenschlaf
Jer. Gotthelf (1855) 10, 258;
auch auf eine gemeinschaft bezogen:
die ... nicht aufwachen von dem sündenschlaf dieser welt
Joh. Arndt Thomas a Kempis (1631) a 5ᵇ;
wach auf vom sündenschlafe,
du werde christenheit
Wackernagel kirchenlied 4, 995;
der weckruf formelhaft, besonders im geistlichen lied:
aber wache erst recht auf
von dem sündenschlafe
Leipz. gesangb. (1753) 708ᵇ;
wach auf, o mensch, vom sündenschlaf
Henrici ernsth. ged. (1727) 3, 53.
auch im eigentlichen sinne, 'sündlicher schlaf':
wende diese nacht von mir alle finsternisse,
dasz ich nicht im sündenschlaf meine augenlider schliesze
B. Schmolck s. trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 32;
im jüngeren gebrauch oft scherzhaft, für vergeszlichkeit, bequemlichkeit u. ä. (s.sünde III B 2): ew. hochwohlgeboren haben mich, wie schon öfters, durch freundlichen zuruf aus meinem sündenschlafe geweckt, so dasz ich den kühnen entschlusz faszte, beikommendes heute früh zu extemporiren Göthe IV 34, 246 W.; so wird sie (die akademie) ... noch lange in ihrem sündenschlafe bleiben schr. d. Göthegesellsch. (1885) 14, 71. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1941), Bd. X,IV (1942), Sp. 1153, Z. 38.

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sühnungsweg
Zitationshilfe
„sündenschlaf“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/s%C3%BCndenschlaf>, abgerufen am 05.07.2020.

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