Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

sündenschuld, f.

sündenschuld, f.,
eine alte, durch den gebrauch des grundwortes mehrfach nahegelegte verbindung. 1) in religiöser betonung: sünde, insofern sie ein schuldverhältnis vor gott begründet (s.sünde I C). der eigentliche sinn des zweiten bestandteils ist in den gebrauchsformeln häufig noch fühlbar: ich mag min sündschuld nit bezalen Geiler v. Keisersberg bilgersch. (1512) b 3ᵃ; wer hilft aber der vergangenen sündenschuld, die ... in gottes schuldbuch aufgeschrieben stehet Dannhawer catechism. (1657) 6, 143; wie nun ein grosz elend ist, in schweren schulden stecken, so ists ja viel elender, mit sündenschulden überhäuft sein und tief in gottes register stehen Chr. Scriver seelenschatz (1737) 1, 105;
... die sündenschuld zu zahlen,
Mariae sohn, errette mir das leben!
Fr. Kind ged. (1817) 5, 157;
kirchlich: ein frommer patriarch versagte ihm die lossprechung einer sündenschuld J. v. Müller (1810) 2, 299; wenn er (der sünder) darauf gebührlich opfert, so mag die kirche ihn seiner sündenschuld erbarmend entledigen G. Freytag (1886) 11, 39. 2) oft einfach für sünde, die beiden bestandteile tautologisch (vgl.sünde II A 1 b u. VII 2):
... fahr immer fort, tu recht, leb auszer sündenschuld
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 360;
mich nur hat der höchste rat einzig und allein erkohren,
dasz ich ohne sündenschuld so empfangen, als gebohren
D. W. Triller betrachtung. (1750) 1, 615;
'und du hast heute gegen meinen befehl die königin gesehen', dachte ich, würde nachfolgen, glühend in meiner sündenschuld Immermann 18, 50 Boxb.; wir trieben allerlei närrisches zeug ..., aber die sündenschuld war bereits der kindlichen unschuld beigemischt B. Goltz jugendleben (1852) 1, 160. 3) folge der sünde: denn ich bin sicher und gewisz, wo tyrannisch ungerechte oberkeit sind, das ist irer underthon sündenschuld H. v. Cronberg schr. 97 ndr.; sonst auf neueren gebrauch beschränkt: ertragen sie (anrede) ihr schicksal gedultig, und denken sie, es sey die sündenschuld, dasz sie ehedem St. Bennern so oft zum zorn reizten K. Fr. Bahrdt d. III. u. IV. aufzug d. lustspiels: d. religionsedikt (1789) 42; so ist der verbrecher immer die sündenschuld des staates Bettine dies buch gehört dem könig 2, 314. 4) gelegentlich ist sünde hier als erster bestandteil blosz verstärkung des zweiten: dasz man die ganze sündenschuld auf Österreich schob Fr. Gentz schr. 5, 141; immer mehr verschwindet durch eigene sündenschuld unsere volkstümlichkeit Fr. L. Jahn w. 1, 155 Euler.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1941), Bd. X,IV (1942), Sp. 1154, Z. 15.

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Zitationshilfe
„sündenschuld“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/s%C3%BCndenschuld>, abgerufen am 12.07.2020.

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