Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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sündenregister, n.

sündenregister, n.
'verzeichnis von sünden' (s. teil 8, 540f. u. sündenconto, sündenliste). 1) im älteren religiösen sprachgebrauch:
die straf der sünd durch sünd vertreiben,
ist mehr ins sündregister schreiben
Kirchhof wendunmuth 2, 364 lit. ver.;
so werden die alten sündenregister durch Christi blutströpflein gelescht und cassiret V. Herberger hertzpostilla (1613) 1, 109; so komt er (der teufel) mit der unwürdigkeit, mit dem sündenregister Jac. Böhme der weeg zu Christo (1682) 19. in diesem ernsthaften sinne bis ins 18. jh.: das sündenregister wird immer gröszer, und die rechnung schwerer, wie auch die busze und bekehrung Scriver seelenschatz (1737) 1, 93ᵃ. 2) auf kirchlichem boden: listen von einzelsünden, besonders für den beichtgebrauch: die verblendung, die aus ... beichtformeln entsteht, ... worin ... von ... sündenregistern ... erzählt wird allg. dtsche bibl. 86, 393; so hatte man mit dem sündenregister die ganze charte der verirrungen des menschlichen geistes und herzens in seiner gewalt Herder 20, 13 S.; einmal enthalten sie (die betbüchlein) beicht- und abendmahlsgebete, ... vor allem aber einen sündenspiegel, der auf grund mannigfacher sündenregister zur selbstprüfung anzuleiten bestimmt ist Drescher bei Luther 10, 2, 333 W. 3) der hintergrund eines disziplinarischen verfahrens schimmert auch im neueren, durchweg auszerreligiösen sprachgebrauch noch durch: o! was das vor ein erbärmliches spektakel ist, wenn einer so wie ein armer delinquent dastehn — sein schulden- und sündenregister vorlesen hören ... musz U. Bräker s. schr. (1789) 1, 199; der richter ... liesz ihm sein langes sündenregister vorlesen J. P. Hebel 2, 294 Behaghel; das ganze sündenregister der römischen curie ... führte er jetzt ... vor Ranke s. w. (1867) 1, 309. meist mit gutmütigem oder leicht ironischem unterton (s.sünde VII 1), vor dem sich der ernsthafte gebrauch mehr und mehr zurückzieht: ist sie mit ihren vorwürfen zu rande, so beginnt sie wieder von vorne, dasz es wirklich zu hören ist, als nehme das sündenregister des gatten gar kein ende Rosegger II 1, 334; das sündenregister des Pastorenfranz, auf welchem übrigens die unterlassungssünden am schärfsten hervortraten, war diesmal nicht klein W. Raabe schüdderump (1870) 2, 79; wieder einmal stand der sonnabend bevor, und ein langes sündenregister harrte der erledigung P. Deussen mein leben (1922) 31; vgl. die redensart: jemandem sein sündenregister vorhalten. 4) seit dem 19. jh. speziell im anschlusz an sünde III A 2 u. 3, 'fehlerverzeichnis': die gewöhnlichen theaterkritiken sind unbarmherzige sündenregister Göthe I 42, 251 W.; er, der ... die italienische malerei so ganz meisterte und sündenregister derselben schrieb, sollte nun selbst einmal als armer sünder dastehen Justi Winckelmann 2, 2, 215; das sünden- und strafregister bei Wagenseil 525 hat 32 artikel Uhland schr. z. gesch. d. dichtung u. sage (1865) 2, 316; er (Brüning) hat einen schlechten tag (als redner) und bekommt von uns in zwischenrufen sein ganzes sündenregister zu hören Göbbels v. kaiserhof z. reichskanzlei (1934) 52. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1941), Bd. X,IV (1942), Sp. 1152, Z. 30.

sündregister, n.

sündregister, n.,
s. sündenregister. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1941), Bd. X,IV (1942), Sp. 1191, Z. 33.

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Zitationshilfe
„sündregister“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/s%C3%BCndregister>, abgerufen am 08.08.2020.

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