Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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sinten, sinter

sinten, sinter,
s. sint I, 5, a. b.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 1215, Z. 28.

sinter, m.

sinter, m.
schlacke, hammerschlag, tropfstein.
1)
ein gemeingerm. wort, altn. sindr, n. (dazu sindra funken sprühen, und Sindri, schmied, als zwergname); ags. sinder, -or, n., sindra (m.?), neuengl. cinder noch glühende asche, ausgeglühte kohlen, vgl. Skeat 110ᵇ; alts. sinder scoria. Wadstein kl. alts. sprachdenkm. s. 76ᵇ, 12; mnd. sinder, sinter, sindel (-stein), sundel, zundel Schiller-Lübben 4, 210ᵇ. 215ᵃ, vergl. sinder-, sunderklôt schlackklumpen. 210ᵇf. 6, 261ᵇ; ahd. sintar, -ter, -tir, -dar, -der, -dir, sintarn. Graff 6, 265 f.; mhd. sinder, sinter, sindel, m. n. Lexer handw. 2, 928 f. nachtr. 365. s. Weigand 2, 721. Grimm gr. 3, 380. — die herkunft des wortes ist unsicher. Kluge⁶ 366ᵃ. Fick³ 3, 322 hat es zu skr. √syand tropfen, sindhu flusz (dazu kelt. *sindâ Fick⁴ 2, 303), slav. se̜dra tropfen gestellt (danach Skeat a. a. o.), doch ist die vergleichung mit rücksicht auf die bedeutung nicht überzeugend.dazu gehört der alte name der heldensage, der in ahd. urkunden des 9. jh. als Sintarfizilo, Fizzilo (ags. Fitela, altn. Sinfjo̜tli) belegt ist, s. J. Grimm zschr. f. d. alterth. 1, 2—6 = kl. schr. 7, 52—55, vgl. 2, 356. ferner ztschr. f. d. alterth. 12, 306f. 28, 161—3. Paul-Braune beitr. 16, 363—6. 509 f. 18, 182, anm. 2. — die glossen bieten folgende formen: astora, ascoria (aus scoria) synder. Dief. gl. 56ᵇ; sinder, asceria sintter. nov. gloss. 39ᵃ; cadmia .. sindel, sinter, sijnter. gl. 87ᵇ; casme sundern, casinia sin[d]er klump. nov. gl. 64ᵇ; coliandrum sinter. gl. 131ᵇ (hierher? bei Lexer handwb. 2, 935 als besonderes wort); litargirum sinder, sudor (?), zundel vel swam (statt sindel vel schum?). 333ᵇ; schnider, sinther. nov. gl. 237ᵇ; scoria .. der brant o. abgang vom metall, kaut o. unsubere des metalsz, sinder, .. sintter, sindele, syntelen uyt der smede aeven. gloss. 520ᵃ; sundel, zundel, est faculenta (statt feculenta) residentia ex .. metallo ignito, sindel stein, zinder (voc. v. 1420), sinter nov. gl. 331ᵇ, vgl. auch Dief.-Wülcker 855. Weigand a. a. o.
2)
das geschlecht des wortes, das im altn. und ags. neutr. ist, im mhd. zwischen dem masc. und neutr. schwankt, hat sich im nhd. als masc. festgesetzt. dagegen bieten die formen noch abweichungen.
a)
das heute herrschende sinter steht in den wörterbüchern erst seit Frisch fest, findet sich jedoch auch in ältern belegen (bei Mathesius u. a.), s. unten.
b)
die ältern wörterbücher bis Steinbach bevorzugen das auch im mhd. herrschende sinder, woneben vereinzelt zinder (bei Kramer, auch mundartlich), und zünder, zunder, s. 3, a.
c)
daneben finden sich, im 15. und 16. jh., mit ausweichung der r in l, sintel, sindel u. ähnl., vergl. auch die glossen unter 1: iserin negel und syntellen. quelle des 15. jahrh. bei Ch. Schmidt histor. wörterb. der els. mundart 325ᵃ; morter zu machen nim lebenden kalk und geribne ziegel und gestoszen sindel und sand und leinöl und wasser. quelle bei Schm. 2, 306; dazu auch sindelschlack, scoria. Dasypodius. das wort scheint im nhd. niemals sehr häufig gewesen zu sein, ist jedoch auch heute noch lebendig, auch auszerhalb der technischen sprache. dagegen in mundarten nur spärlich bezeugt. dem hochd. gebiete scheint es grösztentheils zu fehlen, so ausdrücklich angegeben für Handschuhsheim bei Lenz 66ᵃ, nur für Luxemburg als senter bezeugt. Gangler 414; nd. sinder Strodtmann 211, ostfries. (s)sinder, (s)sinner ten Doornkaat Koolman 3, 184ᵃ, westf. sinner, f., zinder (Iserlohn). Woeste 237ᵇ.
3)
bedeutung.
a)
metall-, besonders eisenschlacke: sinder, m. eisenschlacke, f. l'escume de fer. Hulsius 298ᵇ; recrementa ferri. Agricola bergwerckb. gloss.; sinder, m. scoria ferri, schlakken. Schottel 1416; sinder ò zinder, m. scoria di ferro in massa che si tira tutta infocata dalla fucina de' fabbri ferrari. Kramer dict. 2, 813ᵃ; sinder (der, pro eisenschlacken) scoria ferri. Steinbach 2, 593; speziell: beim eisen-schmiden sind es die äussersten schiefern und dünnen schuppen so vom eisen abspringen, wann es im feuer gewesen, squamae candentis ferri decidentes, hammerschlag. Frisch 2, 280ᵇ, eigentlich eine unter einwirkung der luft gebildete oxydschicht. Karmarsch-Heeren³ 8, 289. diese bedeutung eines glühenden eisensplitters scheint die ursprüngliche zu sein, denn nur von ihr aus versteht sich die im altn. daneben begegnende 'funken', und sindra funken sprühen, vgl. Weigand 2, 721. daher auch die im nhd. häufige entstellung zu zinder (Kramer), zünder, zunder: es sprechen die meisten dieses sinter als zünder aus, und verstehen es von den glüenden theilgen die vom glüenden eisen herab fallen, als von candere, accendere, s. zünden, davon auch zunder, fomes. Frisch a. a. o., vgl. Adelung; hammerschlag, sinter, zünder, paillettes de fer. Jacobsson 2, 201ᵃ; s. auch schmiedesinter theil 9, 1066. doch bezeichnet sinter auch die beim schmelzen, verfrischen u. s. w. des eisens abfallende schlacke, eisenschaum. Scheuchenstuel 226, vgl. ten Doornkaat Koolman a. a. o.belege: daʒ eisen dœnt haiserleichen und sein schaum haiʒt ze latein scoria und haiʒt ze däutsch sinder. Megenberg 479, 27;
ach wê, ich nâch dir brinne
sam in der gluot ein sinder.
Frauenlob 416, 7;
synder von ysen. Gersdorf, s. Schmidt els. wb. 324ᵇ; man lesst es (das eisen) offt durchs fewer gehen, und im schmiden lesst man jmmer wasser auffgiessen, damit man den sinter und hammerschlag davon bringe. Mathesius Sar. 79ᵃ; wie denn auch ausz alten schlacken und sintern, wenn man sie buchet und weschet, heut zu tag das zeheste eisen geschmeltzet wird. ebenda; was den sinter, eisenschlacken, und hammerschlag betrifft. 80ᵃ. zuweilen unter den mörtel gemischt, s. Schmidt 325ᵃ und die stelle aus Schm. 2, 306 unter 2, c.von andern metallen, in bildlicher redeweise: du sun des menschen, das haus Israhel ist gekert in sinter. alle dise das ere, und das zinn und das eisen und das blei die sind gemacht in sinter des silbers in mitt des ofens. bibel 1483 400ᵇ (scoria argenti facti sunt. Hesek. 22, 18, Luther: silberschaum);
wer gît mir tac, und wirt mîn silber sinder?
Kolm. meisterl. 118, 13.
auch sonst in freierer verwendung:
wellent ich gugk, sô hindert mich
köstlîcher ziere sinder.
Osw. v. Wolkenstein 3, 2, 14;
der sel funklin, sinder, ignis
tuͦ im sein herz gerecht gewisz!
Liliencron hist. volksl. nr. 50, 1677;
alte menschen! kalte menschen!
ihre häupter grauer winter,
ihre längst verglühten herzen
längst erstarrte harte sinter.
Weber Dreizehnlinden 282 (vgl. unter e).
b)
in der ältern sprache zuweilen für pottasche, die man ebenfalls für eine art schlacke hielt: weidesche, sinder, genant. Brunschwig medicinarius (1509) 175ᵃ s. Schmidt a. a. o. 324ᵇ; weidäsch, sünkel, sünter, eisenfall, eisenschiefer cinis clarellatum, kali. Joh. Fischart onomast. philos. (1574) 34.
c)
in nd. mundarten heute die rückstände und schlacken von ausgebrannten steinkohlen. Strodtmann 211. ten Doornkaat Koolman 3, 184ᵃ, so auch westf. sinnern.
d)
auf leinwandbleichen heiszt sinter, sinterasche die asche von faulem, morschem holze, zum unterschied von der ofenasche; grauer sinter, asche von morschen weisztannen; weiszer sinter, asche von morschen eichen, buchen und espen. Campe.
e)
kalkartiges gestein, das sich aus hervorsinterndem, kalkhaltigem wasser durch verdunstung absetzt und zu einer festen masse, zuweilen, in unterirdischen höhlen, auch zu wunderlichen von oben herabhängenden gebilden formt, bei metallgehalt zuweilen gefärbt, auch steinsinter, tropfstein, stalactites. Adelung. Jablonski 725ᵃ. Jacobsson 4, 179ᵃ; tuffstein, topfstein, rauhwacke, tophus, tofus. Nemnich; sinter, m. in den bergwerken. Schönberg nennt es eine fliesige materie, so aus den wänden der erd-gänge dringet, und sich an das gesteine legt, als ein anzeig, dasz erz-gänge da, materia a humoribus in meatibus fodinae undique adhaerens. Frisch 2, 280ᵇ; feste absätze aus einer flüssigkeit, die aus dem gestein hervorgedrungen ist. Weigand 2, 721:
da sind mit weiszem sinter
die wände tapeziert.
Freiligrath⁵ 1, 47.
bildlich:
grimme wittib; neunzig winter
brachen wohl den eisennacken,
nicht der brust verkalkten sinter.
Weber Dreizehnlinden s. 169
(vgl. unter a; die beiden bedeutungen scheinen hier in einander zu flieszen). nach der art des gesteins unterscheidet man bleisinter (theil 2, 102), eisensinter (3, 373), kalksinter (5, 67), kieselsinter, s. auch steinsinter, badesinter (1, 1074).
f)
schlamm der solbehälter in gradierwerken. Karm.-Heeren³ 8, 289.
g)
luxemb. senter bodensatz von geschmolzener butter, butterdrüse, schmalzdreck, les fondrilles, effondrilles. Gangler 414.
h)
der herabhängende schluszstein eines gewölbes (übertragung von e).
4)
das nd. synter, nebengebäude einer kirche, sakristei, camera, hat nichts mit diesem worte zu thun und scheint aus sanctuarium entstellt, s. nd. korrespondenzbl. 7, 7 f. 46 f.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1901), Bd. X,I (1905), Sp. 1215, Z. 29.

zitter2, m., f., (auch n.?)

²zitter, m., f. (auch n.?),
ein nur im nördlichen Harzvorland, bes. aus Gernrode, Quedlinburg, Halberstadt und Magdeburg bezeugtes wort, die z. t. auch als archiv verwendete sakristei in den kirchen bezeichnend. die herkunft des seit der mitte des 14. jhs. aus mnd. urkunden belegten wortes ist noch nicht eindeutig geklärt. von den durch eine anfrage im nd. kbl. 7, 7 angeregten deutungen ist zu erwägen die herleitung aus mlat. sanctuarium (˃ nd. sinter ˃ siter nd. kbl. 7, 46f.) oder aus secretarium (über dt. zwischenformen ˃ mlat. siterum ˃ dt. siter nd. kbl. 16, 30), die mlat. beide die bedeutung 'sakristei' haben. während die frühen belege (s. u.) das masc. zeigen (das neutr. läszt sich nicht belegen), herrscht in neuerer zeit im genus unsicherheit, anscheinend hervorgerufen durch Adelung² 4, 1727, der das wort als fem. kennzeichnet. in der lautgestalt und schreibweise variiert das wort stark. der anlautende dental schwankt in den frühen urkunden zwischen spirans und affrikata: unter dem syttere (1396) Erath codex dipl. Quedlinb. (1764) 617; in dem czitere (1457) 782; in dem czytter (1458) 786. inlautenden nasal zeigt: XXII gr. vor eyn schrangkdör an den alden syntere (1458) Magdeburger baurechn. in: allg. archiv f. d. gesch.-k. d. preusz. staates 10 (1833) 184 Ledebur. nur aus sekundären quellen belegt ist die form: syterie nd. kbl. 7, 7; siterie Lübben-Walther mnd. hwb. 350ᵃ. belege: so scole wy ... datsilve gelt ... lecghen up unsen siter tuͦ Gherenrod (Gernrode 1358) cod. dipl. Anhaltinus 4, 130 Heinemann; alse der von Osterwick bref utwiset, den we in unsem zitere to sinte Mertene licgene hebben (Halberstadt 1377) urk.-b. d. st. Halberstadt 1, 473 G. Schmidt; deme altare sunte Johannis Baptisten up unser borch up dem sytere (Quedlinburg 1389) urk.-b. d. st. Quedlinburg 1, 191; ein richtiges inventarium über den cyter (17. 12. 1705) protok. d. Halberst. domkapitels in: allg. archiv f. d. gesch.-k. d. pr. staates 10 (1833) 179 Ledebur; in der sacristei der oberkirche, dem sogenannten zitter, wies man ihnen ... den bartkamm des unten begrabenen königs D. Fr. Strausz ges. schr. (1876) 10, 4; die zitter (in der stiftskirche zu Quedlinburg) enthält wertvolle denkmäler mittelalterlicher kunst Meyers reisebücher, d. Harz (¹⁶1901) 33; im nordkreuz (der Quedlinb. stiftskirche) ist dann noch vor 1200 der sog. zither, einst sakristei, jetzt schatzkammer, eingebaut worden P. J. Meier d. kirchen in Quedlinburg (1932) 19. noch jetzt ist in der umgebung von Wernigerode tsītər 'sakristei' älteren leuten bekannt (auskunft von K. Bischoff). — zusammensetzungen zitter-gewölbe, -mann, -meister (s. d.).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1956), Bd. XV (1956), Sp. 1681, Z. 68.

sunter, m.

sunter, m.,
s. sinter 3 a teil 10, 1, 1215, metallschlacke, abfallprodukte der eisenschmiede: letztlichen auch der sünter wochentlich aus den hütten an ein gewisses ort ... geführt werden (1632) Lori bair. bergrecht 468; es seien auch ... die schmidt und schlosser ... schuldig ohne d. o. ö. regierung ... sondern bevelch ... ainiges alteisen oder sunter ... kaines wegs ... zu ... verkaufen (hs. d. 17. u. 18. jh.) Tiroler weist. 1, 24. — dazu sünterstein, m., s. sinterstein teil 10, 1, 1218: vor dem salben soll er ein schweiszbad brauchen von rautten ... darvon soll man auff heisze sündterstein gieszen, dasz es ein dampf gebe und den schweisz fürdere Gäbelkover artzneybuch (1595) 1, 409.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1941), Bd. X,IV (1942), Sp. 1194, Z. 23.

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Zitationshilfe
„sünter“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/s%C3%BCnter>, abgerufen am 11.05.2021.

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