Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

sürfeln, vb.

sürfeln, vb.,
schlürfen; undeutlich reden. obd., überwiegend alemannisch; seit dem frühnhd. bezeugt: Seb. Brant narrensch. 110 Z.; umlautlos surfeln: Geiler v. Keisersberg narrensch. (1520) 50ᵃ; J. Pauli schimpf u. ernst 164 Ö.; sürffeln Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1041ᶜ. setzt sich mundartlich fort, vgl. Lexer kärnt. 246; Unger-Khull steir. 601; Insam Meran 40; Martin-Lienhart elsäss. 2, 374; Fischer schwäb. 5, 1967. daneben sürpfeln Frisius (1556) 1226ᵇ; Dentzler (1716) 282ᵃ; Martin-Lienhart 2, 374; Staub-Tobler 7, 1332 (auch surpflen) sowie ohne l-suffix surpfen: Höniger (1579) 79; Stieler (1691) 1686; Martin-Lienhart 2, 375; Staub-Tobler 7, 1332. auch sürpfen ebda sowie Kramer 2 (1702) 1041ᶜ; Ludwig teutsch-engl. (1716) 1929, vgl. entrundetes sirfeln teil 10, 1, 1235. mit den ablautenden serfeln (bair. sárfeln) ebda 623, sörfeln ebda 1755 lautnachahmenden ursprungs wie norw. surpa 'plantschen, sudeln, verwirrtes zeug ohne ende reden' Torp 746, schwed. sörpla 'schlürfen' sowie die im konsonantenstande abweichenden, mit sürfeln gleichbedeutenden surbeln Zwingli bekentnusz (1528) 43ᵃ (s. u.), sorbeln teil 10, 1, 1754, sirbeln ebda 1230 (in der bedeutung stehen abseits surbeln 'schwirren' Schmeller-Fr. 2, 325; 'hudeln' Martin-Lienhart 2, 373; schweiz. surplen 'eine hausarbeit pfuscherisch machen' Staub-Tobler 7, 1331; schwerlich diese mit Torp 747 b-erweiterungen zu surren), ferner lat. sorbeo, gr. ροφέω, ρυφέω, lit. srebiù, surbiù (sriubà 'suppe'; idg. wurzel nach W. Schulze su̯rebh; sonst immer als srebh angesetzt Walde-Pokorny 2, 704, wo weiteres); auch schweiz. surggen, surgglen Staub-Tobler 7, 1322, schlürfen teil 9 851, norw. slurpa 'sudeln, plantschen, schlürfen' Torp 654, schwed. dial. slurpa 'schlürfen' Hellquist 791, schlurken teil 9, 853 = norw., schwed. dial. slurka Torp 653; Hellquist 791, schweiz. sülferen Staub-Tobler 7, 865 = schwäb. sulferen Fischer 5, 1954, kärnt. sulfern Lexer 245 malen die gleiche bedeutung mit ähnlichen lautlichen mitteln. sürfeln bezeichnet ein schmatzendes, schlürfendes und von da aus oft ein langsames oder sparsames trinken; auszerhalb lexikograph. buchung vorwiegend bei alemannisch-schwäbischen autoren begegnend:
wenn man so sürflet durch die zen,
solch drinken gibt ein bös getön
Seb. Brant narrenschiff 110 Zarncke;
der ein surfelt, der ander sauft, der drit trinkt J. Pauli schimpf u. ernst 164 Ö.; dann es werden etlich bei ihnen gefunden, die surpffen diesen rauch mit so groszer begier und geitz in sich, dasz sie urplötzlich hernider fallen, als wann sie todt weren N. Höniger d. newen welt history (1579) 79; den wein sürpfen Stieler (1691) 1686; ein paar weiche eyer sürpfen, aussürpfen Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1041ᶜ; vgl. Frisch (1741) 2, 357; dazu: surpfeyer ova mollia, sorbilia Wiederhold (1669) 333ᵃ; den wein nur sürpfen, oder schlürffender weise kosten Ludwig teutschengl. (1716) 1929; auch sie sürfelte mit kleinen lieblich gespaltnen purpurlippen vom köstlichen safte Schubart s. ged. (1825) 2, 269; caffe sürfeln (1877 in der sprache Tübinger studenten) zs. f. dt. wortforsch. 12, 291. in moderner schriftsprache nur noch im Schweizerdeutsch: er sürfelte (den schnaps) und schlückelte mit sauersüszer miene feuilleton d. neuen Zürcher zeitung 1898 bei Staub-Tobler 7, 1333 und in mundartlich (alemannisch) beeinfluszter sprache: sie ertrug nicht mehr seine behagliche art zu kauen, sein sürpfeln beim weintrinken H. E. Busse d. kleine frau welt (1928) 199;
fallt mit dem mund in volle becher
und surpft und schlurpft!
derselbe, erdgeist (1939) 260.
vom schlürfgeräusch her für unverständliches, undeutliches daherreden, vgl. oben norw. surpa: er surblet ouch one gschrifft gar ein unchristliche leer Zwingli bekentnusz (1528) 43ᵃ; noch mundartlich 'undeutlich, flüsternd reden': gebeter oer surflen (beim wetterzauber, Südtirol) s. Insam Meran 40. — als 'schlürfend gehen' s. bei sürflein.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1941), Bd. X,IV (1942), Sp. 1261, Z. 38.

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Zitationshilfe
„sürfeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/s%C3%BCrfeln>, abgerufen am 07.08.2020.

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