Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

süszholz, n.

süszholz, n.,
glycyrrhiza. mhd. süezholz, seit dem 14. jh. bezeugt: süezholz Konrad v. Megenberg b. d. nat. 414 Pf.; im älteren nhd. auch suszholtz (15./16. jh.) Diefenbach gl. 333ᵃ; hortus sanitatis germ. (1485) 224; susholtz Er. Alberus (1540) d d 4ᵇ, sieszholtz Diefenbach gl. 333ᵃ, soeszholtz ebda; in vollerer form syeszeholtz ebda, süszeholtz Lohenstein Arminius (1689) 2, 333ᵇ, süszenholtz Hohberg georg. cur. (1682) 1, 541.
1)
die als glycyrrhiza glabra (glattes, spanisches süszholz) und glycyrrhiza echinata (stachliges, russisches süszholz) verbreitete staudenartige pflanze und die aus ihrer süsz schmeckenden wurzel bereitete droge, s. Karmarsch-Heeren (1876) 8, 680.
a)
im eigentlichen gebrauch, s.süsz I A 2 d α: glycyrrhiza suͤszholtz Gesner erdgew. (1542) 38; glycyrrhiza glabra L. süszholz Schlechtendal flora v. Dtschl. (1880) 24, 3. häufig auch für liquiritium, liquiritia: liquiricium suͤszholtz, leckerzweyg (1468) Diefenbach n. gl. 237ᵃ, vgl. ders. gl. 333ᵃ; süszholtz radix liquiritiae Dorstewitz-Ottersbach drogenkde (1921) 11. nur in älterer bezeugung für radix dulcis süszholtz Gesner erdgew. (1542) 99, Junius nomencl. (1567) 171ᵇ; ambrosia susholcz vel lacricz (15. jh., md.) Diefenbach gl. 29ᵃ; adipsos suͤsholtz, also genennt, das es den durst löscht Frisius (1556) 36ᵇ, H. Decimator thesaur. (1608) 13ᵃ. als arznei- und heilmittel, besonders in älterem gebrauch: ain electuari gemacht auz mâgensâmen und auz lakritzenzahersaft, daz man süezholz haizt Konrad v. Megenberg buch d. nat. 414 Pf.; so dir ein wund stinkend und unrein würt, deren solt du also helfen. nim suͤszholtz gepulvert ... Gersdorff wundarzn. (1517) 33ᵃ; (zum purgieren) nim ... rein geschaben suͤszholtz, zuckerbenet, zuckercandit Ryff spiegel d. gesundth. (1544) 170ᵃ. vor allem für krankheiten der atmungsorgane: wider den husten nemmet ... süszholtz Sebiz feldbau (1580) 78; das pulver des gedörrten krauts (des traubenkrauts) mit gesottenem wasser von süszenholtz getruncken, vertreibet die schwindsucht v. Hohberg georg. cur. (1682) 1, 541. als süsz- und genuszmittel: und ward zu jedem ordentlichen wein ... viel süszholz und honig zugethan Alexis Roland v. Berlin (1840) 2, 81; das süszholz ..., dessen schwärzlichen saft sie in jener stadt bärendreck nennen G. Keller (1889) 6, 8; vgl. Müller-Fraureuth obersächs. 2, 591ᵃ. im vergleich: das herz blibet als unberuͤrt mit andaht, als der mund mit unzertribnem suͤzholz Seuse dtsche schr. 257 Bihlm.; mit anspielung auf die verächtliche bedeutung süsz II E: die hände wusch er (ein stutzer) sich in rosenwasser, und kaute beständig süszholz Rabener s. schr. (1777) 1, 235.
b)
im gebrauch von süszholz als genuszmittel wurzelt auch die bildhaft-übertragene verwendung des wortes: ich weisz wol, das dir der tod deines mans nit süszholz ist gewesen, sonder wermuͦt und gallenn Seb. Franck chron. German. (1538) 229; die Deutschen müssen auch etwas süszholz zu kauen haben, damit der speichel ihnen am munde nicht ganz vertrocknet Görres ges. br. (1858) 3, 624. süszholz in den mund, ins maul nehmen 'schmeicheln, mit falscher freundlichkeit reden', vgl.süsz II C 2 a β; bis ins frühe 17. jh. bezeugt:
wir namen süeszholz in den munt
fastnachtsp. 302 K.;
pehilff dich nur mit solchen possen
und nem nur süesholz in den mund
Hans Sachs 22, 487 K.-G.;
gib gute wort ausz, du darffst sie nicht kauffen, nimb suͤszholtz ins maul, dasz dir die gall nicht ausz dem hertzen schmeck Ayrer histor. process. juris (1604) 680. ähnlich in jüngerem gebrauch die redensart süszholz raspeln (s. teil 8, 142), in der freilich meist die vorstellung süsz II E 'süszlich, geziert' mitgegeben ist, vornehmlich im sinne von 'den hof machen, die cour schneiden' (s.süsz II E 2 a, b): mir aber gefällts nicht, dasz er eine solche einladung (in die adlige tanzgesellschaft) annimmt ... fensterglas ins auge kneifen und süszholz raspeln G. Freytag (1887) 4, 177; man lachte, liesz sich den hof machen, raspelte süszholz, scherzte und kokettierte W. v. Simpson d. enkel (1939) 66; 'oh, gnädige frau', raspelte er sein süszholz, 'wie Flora, die blumengöttin, treten sie die stiegen herein in mein unwürdiges haus' H. E. Busse d. erdgeist (1939) 560. mundartlich weit verbreitet, vgl. z. b. süeszholz raspeln 'süszlich tun, reden' schweiz. id. 2, 1259; 6, 1484; 'süszliche complimente feil haben' Fischer schwäb. 5, 1971; süszholz raspeln 'süsze reden führen, die kur schneiden' Müller-Fraureuth obersächs. 2, 591ᵃ; Albrecht Leipzig. 220ᵇ; Brendicke Berlin. 183 u. ö.
2)
in einer reihe botanischer nebennamen für verschiedene pflanzen, meist als wildes, falsches süszholz. a) astragalus glycyphyllos: das wilde süszholz Nemnich wb. d. naturgesch. 1, 523; v. Perger pflanzenn. 1, 191; Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 1, 504; wildes süeszholz, süszholzblättriger tragant schweiz. id. 2, 1259; Frischbier preusz. 2, 388ᵇ. — b) polypodium vulgare (s.süszfarn, süszwurz 2, süszwurzel 1): wild süszholz Röszlin kreuterbuch (1550) 201ᵇ; engelsüsz, süszfarren, tropfenwurz ... wildes süszholz Nemnich 4, 1040; Holl pflanzenn. (1833) 393ᵇ; schweiz. id. 2, 1259. — c) orobus tuberosus: knollige bergerbse ... christianswurz, falsches süszholz Nemnich 4, 798; Holl 393ᵇ. — d) orobus niger: schwarze walderbse, schwarze bergerbse, schwarzes fasanenkraut, falsches, wildes süszholz Holl 393ᵇ. — e) solanum dulcamara: amarum dulce bittersies, wild siesholtz (16. jh.) bei Fischer schwäb. 5, 1971; sötholt 'bittersüszer nachtschatten' solanum dulcamara Mensing schlesw.-holst. 4, 715. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1942), Bd. X,IV (1942), Sp. 1334, Z. 66.

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Zitationshilfe
„süszholz“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/s%C3%BCszholz>, abgerufen am 10.05.2021.

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