Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

süsziglich, adv.

süsziglich, adv.,
mhd. süezeclîche(n) (suzeclich), vereinzelt als adj.: süezeclîche dœne Wackernagel altdtsch. leseb. (1839) 795, 15; mit suzeclicher gir heil. Elisabeth 5257 Rieger. süszenclichen Stainhöwel Äsop 40 lit. ver., süssiglichen Tauler sermones (1508) 39ᵃ, süszigklichen Hans Sachs 3, 432 K.; daneben süszigleich ders. 13, 536 K.-G.; vereinzelt süszilich persian. baumgart. 58 bei Olearius reisebeschr. (1696) neben lautlichen varianten wie sieszigklich Schaidenraisser Odyssea (1537) 42ᵇ, süsiglich Fischart Gargantua 54 ndr. u. ä.seit dem 13. jh. bezeugt, erreicht das wort im 16. jh. eine gewisse breite des gebrauchs, um im späten 18. jh. abzusterben. bedeutungsmäszig wie süsz, aber nur in bestimmten sinnbereichen dieses wortes gebräuchlich und mit deutlicher neigung zu abstrakter verwendung, etwa süszlich 1 (s. d.) entsprechend.
1)
am frühesten in erotischem gebrauch bezeugt, von körperlicher liebkosung (s.süsz I D 3):
er hielt daz fröudelôse wîp
vil süezeclîche an sînen lîp
Gottfried Tristan 1442;
vgl. Kudrun 483, 4;
ein ander süsziglich zu küssen ...
Weckherlin 2, 384 lit. ver.;
süsziglich
umschlingt mich seine rechte,
hält mich
Herder 8, 601 S.
2)
gelegentlich auch zu süsz I D 2, vom schlafen: ich haun nit süszenclichen geschlaffen Stainhöwel Äsop 40 lit. ver.; vgl. Wilh. Saltzman Octavianus (1548) b 1ᵇ. zu süsz I D 1:
dardurch die westerwind
her weyen süssiglich
Hermann v. Sachsenheim d. goldene tempel 197.
3)
im übrigen bleibt der sinnliche gebrauch auf das abstrakter verwendung näherliegende akustische gebiet beschränkt, wo er häufiger ist: (der schwan) singt alsô süezicleich unz er stirbt Konrad v. Megenberg 174, 15 Pf.;
von Cerere der goͤttin rich
hub sie an singen süsziglich
Wickram 7, 228 Bolte;
balt hin zu seiner schaͤffrin schlich
und pfiff (auf seiner flöte) ihr so suͤsziglich
Gabr. Voigtländer oden u. lieder (1642) 39;
persiflierend:
der donner trillerte ganz süsziglich ins ohr
Petrasch s. lustsp. (1765) 1, 290.
mit einwirkung von 'freundlich' oder 'schön': er ... prediget aber gar suͤsziglich d. summerteil d. heylig. leben (1472) 119ᵇ;
das auch die teutsche sprach suͤsiglich wie griechische springe
Fischart Gargantua 54 ndr.
4)
auszersinnlich durchweg in religiös-ethischem bereich (s.süsz II C, süszlich 1 a), dort aber vielfach abgestuft. 'freundlich, gütig': nû wil ich sie zertlîche und süezeclîche manen Berthold v. Regensburg 1, 371 Pf.; vgl. d. buch d. geistl. gnaden (1503) a 2ᵇ; seine heimligkeit öffnet er dem demütigen, den ladet und zeuhet er süsziglich zu im Joh. Arnd Thomas a Kempis (1631) 44; also bist du, mein herr Jesu nicht stürmisch, unbarmhertzig und zornig, sondern bestrahlest uns mit dem glantz deiner liebe so süsziglich Abr. a s. Clara etwas f. alle 2 (1711) 357. auch auf innermenschliche beziehungen angewandt:
ich trostet in gar süszigleich
und thet im allerley handtreich
Hans Sachs 13, 536 K.-G.;
von kindesbeinen an bisz hieher bin ich unter seinen wohltaten, guter gnade und huld süszilich aufferzogen und mit gütern beschencket worden persian. baumgarten 58 bei Olearius reisebeschr. (1696). 'sanft': sy (eine fromme jungfrau) gab suͤszigklich auff iren geist Albrecht v. Eyb sp. d. sitten (1511) d 6ᵃ. 'innig':
di selege unde die clare
sprach nu gar uffenbare
di wort mit suzeclicher gir
heil. Elisabeth 5257 Rieger.
'willig, gern': er mag auch suͤssigklich tragen und leyden alles das in anlanget und über in verhenget würt Tauler sermones (1508) 17ᵇ. zu süsz II C 3, 'schmeichlerisch, verführerisch': die allzeit sitzen bey ainer frauen ob dem tisch, mit ir suͤsziglich reden, ir sehen in die augen Albrecht v. Eyb sp. d. sitten (1511) c 5ᵃ. mehr im sinne eines vollkommenheitsbegriffes: si (die weisheit in der erscheinung einer himmlischen frau) zerspreite sich von ende ze ende gewalteklich und richte ellú ding us suͤsseklich Seuse dtsche schr. 14 Bihlm.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1942), Bd. X,IV (1942), Sp. 1345, Z. 17.

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Zitationshilfe
„süsziglich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/s%C3%BCsziglich>, abgerufen am 07.08.2020.

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