Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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süd, m., n.

süd, m., n.,
hinmelsrichtung, gegend gegen mittag, der aus dieser richtung wehende wind.
A.
herkunft, verbreitung und form.
1)
diese form des wortes ist ende des 12. jh. aus dem nd.-nl. ins hd. gedrungen (s. u. 4); zu grunde liegt ein germ. richtungsadverb sunþa 'nach süden' (neben sunþra- gleicher bedeutung, s. u. süder), an. suđr 'südwärts, südlich'; ags. súđ 'südwärts', ne. south; afries. suth 'süden' in fan noerda to suda u. ä., suther 'südwärts'; as. suth 'im süden', suđar 'nach süden'; mnl. suut 'im oder nach süden', suder, adj., 'südlich', suut, n., 'süden'; mnd. sut-, suder 'südlich'; ahd. sund-, sund, subst., 'süden', sundar-, sundar, adj., 'südlich'; mhd. sunder, adj., 'südlich'; mhd. sûd, m., 'südwind' (s. u. 3). — meist mit *sunnon- 'sonne' verbunden, vgl. Falk-Torp 1124 u. 1561, Walde-Pokorny 2, 447; doch verdient auch H. Schröders ablautstudien 75 ff. zusammenstellung mit *suinþa- 'stark, rechts' (vgl. Jac. Grimm gesch. d. dtsch. sprache 980) beachtung, wenn nord, norden mit umbr. nertru 'sinistro' zu verbinden, vgl. auch Fr. R. Schröder beitr. 47, 345 ff.
2)
neben *sunþa-, *sunþra- steht *sunþan 'von süden her', s. u.süden. für die function der ruhe fehlt eine besondere bildung, vgl. auch Sievers ags. gram.³ § 321. die bedeutungsfunction der ableitungen ist schon im ahd. verwischt und wird allmählich, besonders nach der entwicklung des ursprünglichen adverbs zum substantiv, durch präpositionen übernommen, die schon im ahd. zu den adverbien der himmelsrichtung treten können (vgl. z. b. Tatian 113, 2 unten s. v. süden sowie süder, sieh auch Behaghel dt. syntax 2, 54), noch früher als zum substantiv (Notker, s. u.); vgl. auch den ersatz der richtungsfunction durch südwärts sowie sunthalb (Notker 1, 752, 27 P.), sunderhalp (gloss. 1, 45, 12 St.-S.), sunderthalp (obd. Servatius 2465, zs. f. d. a. 5) für 'südlich, im süden'.
3)
ein einsilbiges adverb sund ist im altsächs. noch nachzuweisen: Moesia ab oriente (ostan) habet ostia fluminis Danuvii, ... a meridie (suth) Macedoniam (11. jh.), gloss. zu Orosius adv. pagan. I 2, 55, vgl. A. Holder zs. f. dt. wortf. 1, 72. auf hd. boden schon in ahd. zeit nicht mehr belegbar. sund erscheint vielmehr als erstes compositionsglied (vgl. unten B 4) und bei Notker als substantiv in verbindung mit präpositionen: got chumet fone sunde deus ab austro veniet 2, 620, 16 P. (var. fone sundene 3, 364, 8); iudei in sunde unde gentes in norde 2, 181, 20; Bethleem, diu ze sunde ist 2, 620, 19 (var. sundene 3, 364, 11). das genus der starken a-flexion ist hier nicht bestimmbar, doch vgl.daz nord aquilonem 2, 368, 28, auch mnl. dat suut Verwijs-Verdam 7, 2450. belegt ist im mhd. und nhd. nur das mascul., vgl. z. b. den sûd (windname) unten B 3. der artikel findet sich häufig nur bei der verwendung als windname, nicht selten auch in der übertragenen bedeutung B 2, kaum je bei der eigentlichen verwendung als abstracte himmelsrichtung.aus nd.-nl. seemannssprache stammt gelegentliches femininum: das schiff um die süd bringen, s. u.B 1 c, vgl. nd. de ost, de nord, de süd in hd. quellen die ost, die nord, die west, s. zs. f. dt. wortf. 7, 102. — für sich zu betrachten sind fälle wie der wind ist (steht) süd u. ähnl., in denen ein in der mnd. seemannssprache noch adverbielles süd in technischseemännischen wendungen als richtungswort absolut steht, s. u. B 1 c. im seemännischen raum als adverb z. b. auch im ostfries.: he wând süd fan uns Doornkaat-Koolman 3, 360. — adjectivischer gebrauch (schon im ags. súđra, súđmest als comparativ und superlativ, s. Bosworth-Toller 938ᵇ; suppl. 715) nur ganz vereinzelt zu belegen: die kleinen sterne im krebszeichen, krippe und eselin ... und so die sudeste eselin wird bedeckt (von wolken), bedeut es regen mit winde, aber wird die nordeste bedeckt, so kömt schnee Coler öcon. (1645) 6ᵃ, unter nd. einflusz, vgl. zs. f. dt. wortf. 7, 120 anm. 2; 88; fälle wie na dem suden lande Lübeck. bibel (1494) 1. Mos. 13, 1 sind wohl als compositionen mit süden- anzusehen, vgl. unten sp. 952 u. 953.
4)
seit dem 12./13. jh. dringen die sûd-formen in das mhd. schrifttum ein; in der höf. literatur zuerst bei Heinrich v. Veldeke, allerdings spärlich und nur in einem jüngeren teil der überlieferung: sûdert Eneit 7720 Behaghel nach der hs. G (Gotha 15. jh., gegen sundert der älteren BM), vgl. aber sûder Servatius 224 Bormans; dann bei Wolfram v. Eschenbach norden, sûden, ôsten, wester Willehalm 283, 13. mit den altgerm. worten der himmelsrichtung, die sich im seemännischen raum des nd. in gebrauch hielten, verschwindet auch sund-, sud- und seine sippe seit dem ende des 12. jh. bis zum 16. jh. aus dem hd. und gemeinnd.; es erscheint nur gelegentlich und deutlich fremdartig aus gelehrter tradition (z. b. Konrad v. Megenberg buch d. nat., s. u., in gloss., bei S. Franck, Aventin) oder vereinzelt dort, wo auszergewöhnliche persönliche verhältnisse vorliegen, vgl.den sûd und ost bei Oswald v. Wolkenstein ged. 68 Schatz (den ersten beleg für das einsilbige wort seit Notker), souden bei Suchenwirt 14 Pr. unformen wie susz, susse, die gelegentlich in md.-obd. gloss. d. 15. jh. als glossierung für auster erscheinen (vgl. auster susse voc. d. 15. jh. bei Diefenbach 63ᵃ, susze voc. lat.-germ. 15. jh. md. ebda, der suszwarm varilo quu. ende d. 15. jh. ebda; susen voc. rer. obd. 15. jh. nov. gloss. 44ᵃ; auster eyn zuzer wint lat.-dt. voc. von 1420 nr 226 Schröer), die wohl als mechan. unverstandene umsetzung einer nd. sut-, zut-vorlage zu verstehen sind, machen das fehlen des worts und seiner sippe im md.-obd. dieser zeit deutlich. in Oberdeutschland werden die alten richtungsworte durch bezeichnungen der tageszeiten oder des sonnenstandes ersetzt, so dasz für sund, sud und seine sippe die bezeichnung mittag tritt, wie noch heute in den obd. maa., s. u. 5. das ist die lage zur zeit Luthers. mit dem neuen aufkommen der richtungsworte im zeitalter der entdeckungen wird durch einflusz des nd. und ndl. (reiseliteratur) auch sud, süd wieder lebendig. doch steht im hd. schrifttum bis zum ende des 18. jh. häufig noch mittag(-) an stelle oder neben süd(-), oft dieses erklärend; bei obd. autoren, z. b. Stifter s. w. 9, 1 Hüller, auch noch länger, was nun aber seit dem 19. jh. als mundartliche oder individuelle färbung wirkt: von suden ... daz ist von mittem tag Konrad v. Megenberg buch d. nat. 79, 28 Pf.; 169 u. oft (in der sphära dagegen fehlt sud und seine sippe völlig); wenn sye (die vögel) nach dem mittagwynd, suden, oder nach mitternacht flyegen H. v. Eppendorf Plinius (Straszb. 1543) 205; gegen suden oder mittag (1622) Jos. Ulsheimer raysbuch, Alemannia 6, 113; gegen süden oder mittag R. Capel norden (Hamburg 1678) 220; sud heist in der seefahrt der mittag Sperander (1728) 701; Zedler 40 (1744) 1723; süd oder mittag Wolff mathem. lex. (1747) 1285; sud, süden suche mittag Zinck öcon. lex. (1753) 2, 2855 u. ö.; noch 1791 wählt M. A. Thümmel reise in die mittäglichen provinzen von Frankreich als titel, nicht südlichen. sieh auch unter B 1. vgl. auch Wehrle zs. f. dt. wortf. 7, 111 u. 125 ff.
5)
für sund und seine sippe herrschen auf hd. gebiet die -n-formen bis 1200, vgl. z. b. sundirn Wiener genesis 54, 11 Diemer; die sundern winde Heinrich v. Melk erinnerung 652 Heinzel; sunderet Rolandslied 84, 1 Gr.; auch in der älteren überlieferung für Heinrich v. Veldeke dem sundern wind Eneit 18, 4 Ettmüller; sundert 210, 10 (sûdert nach G h Behaghel), s. o. 4; nach 1200 seltener und neben formen ohne -n-: sunderwinde Kudrun 1125, 1; den suntwint Trierer psalmen (13. jh.) 364 Graff (ps. 77, 30); sundirt Rudolf v. Ems weltchronik 2581; 6064 Ehrismann; norden, sunder Ulrich. v. d. Türlin Willehalm 1, 29 Singer; sundenwint md. Hiob 13937 Karsten (neben sudenwinde 13922). in obd. flur- und ortsnamen (vgl. z. b. zuo Sunderwasser urkundlich 1217, 1373, 1491, 1515 nachgewiesen Alemannia 9, 96) haben sich die -n-formen erstarrt bis heute erhalten, vgl. Sundheim, Sundhofen, Sundhausen, Sundgau u. ähnl. sowie in der form Sonderheim, Sonderhofen, Sonderburg u. a., s. Buck obdt. flurnamenbuch² 261; Fischer schwäb. 5, 1958; Staub-Tobler 7, 1130. in den obdt. maa. ist das wort nicht volkstümlich, vgl. Schmeller-Fr. bair. 2, 229; 'aus der schriftsprache süd, populär mittag' Fischer schwäb. 5, 1949; ebenso schweizerisch, wo neben mittag auch sunnethalb 'südwärts' Stalder 2, 13, sonnenhalb volkstümlich ist Staub-Tobler 7, 331. vereinzelt aber haben die alten formen sich in zss. als relicte gehalten: der sonderloft, sunderluft, der sonderwend 'südwind', sonderwendig 'vom südwind', es ist sonderwendig 'der südwind herrscht' Tobler Appenzell. 426; Staub-Tobler 3, 1160; Stalder 2, 378 (für Davos). vgl. elsäss. suⁿderwind südwind Martin-Lienhart 2, 837. — die formen ohne -n-, von jeher im nd. (as. gloss. suth s. o. 3; suđan altsächs. genesis 16; vgl.aen der suder syden Heinrich v. Veldeke Servatius 224 Bormans; Suderborch [1224] westfälisch. urkunden 6 [Minden] 39, nr. 143; Suderbruch [1240] ebda s. 92; vgl. auch sudan, westsudan etc. in den gloss. d. cod. Amplonianus [12. jh.] ahd. gloss. 3, 608, 14; 30; 32; 33 St.-S.), erscheinen vom 12./13. jh. ab auch auf hochdt. gebiet, zunächst neben den formen mit -n-, dann allein; auffallend nach zeit und gegend: bi sudan ostan ahd. gloss. 1, 430, 24 (Reichenauer hs. d. 10. jh.); den súdenwint alem. predigtbruchstücke d. 12. jh. in zs. f. dt. phil. 30, 194; seit dem 13. jh. häufiger, besonders in md. quellen: sûden Wolfram Willehalm 283, 13; sûdegarte jg. Titurel 134; sûden md. Judith 1083 Palgen (13. jh. Stuttgarter ordenshs.); hl. Elisabet 215 R.; erlösung 3578 B.: Konrad v. Megenberg buch d. natur 79 Pf.; 101; 434 u. ö.; Joh. Rothe ritterspiegel 1802 Bartsch; súden historienbibel 1, 162 Merzdorf; sûd Oswald v. Wolkenstein 68 Schatz; sudwest (1470 hd.-böhm.) Diefenbach gloss. 213ᵇ; sutwint (15. jh. md.), sudenwint (15. jh. md.) ebda 63ᵃ.
6)
die schreibung mit -u- herrscht noch im 16. jh. und ist auch noch im 17. und 18. jh. geläufig, neben der -ü-schreibung, z. t. in denselben quellen z. b. sud et süd it. süden Stieler (1691) 2237; sud, suden austro v. mittag Kramer d. neue dicti. (1678) 1032ᵃ, ebenso (1698), doch sud, süd, süden 2 (1702) 1037ᵇ; sud Steinbach (1734) 2, 771, auch noch bei Frisch teutsch-lat. (1741) 2, 355; Hederich teutsch.-lat. lex. (1753) 2184; sud (süd) Chr. Fr. Schwan nouv. dict. (1783) 2, 746; unterm braunem sud Albr. v. Haller ged. (1748) 145, doch süd (1765) 130; der sud (1755) J. P. Uz poet. w. 76 dt. lit.-denkm. (von 1756 ab der süd); Wieland I 1, 85; ebda 87 (die natur d. dinge 1751); sud neben süd Röding wb. d. marine 2 (1793) 757. die -ü-lautung stammt aus dem vläm.-holl.; in der mnd. seemannssprache mischten sich mndl. und mnd. lautgebung, und es entstand ein gemisch von -u- und -ü-formen, das sich auch auf das hd. auswirkte, vgl. dazu Wehrle zs. f. dt. wortf. 7, 128 ff. vgl. auch in den heutigen nordwestl. maa. süden (sȳn̄), süder, sürer Mensing schlesw.-holstein. 4, 945 ff.; süd, söllər Schmidt-Petersen nordfries. 130ᵇ; 123ᵃ; sürern Mungard Sölring 214; sûd neben süd und süden, süder neben sûr- (˂ sûder) im ostfries. Doornkaat-Koolman 3, 360; doch westf. Sûderlant (s. u. sp. 958) und heute suden, sudenwind Woeste-N. westfäl. 261. — die -ü-schreibung findet sich schon seit dem 15. und 16. jh. öfters bezeugt, auch in md. und obd. quellen: merkwürdig früh in alem. pred.bruchst. d. 12. jh. súden wint zs. f. d. phil. 30, 194; suͤden chron. d. dt. st. 1, 200, 10 (Lübeck Detmar); súden historienbibel 136 Merzdorf (hs. O von 1468); suͤdenwint md. voc. 15. jh. Diefenbach gloss. 16ᶜ; gen syt Mynsinger von falken 13 lit. ver.; von süden 1528 Aventin w. 1, 259, 19 L.; suͤdwint Frisius dict. (1548) 878ᵇ u. ö. seit dem ende des 18. jh. gilt in der schriftsprache ausschlieszlich süd, süden. fachsprachlich vereinzelt noch im 19. jh. sud, sud- oder südflügel wb. der im bergbau vorkomm. kunstausdr. (Burgsteinfurt 1869) 146. gelegentlich wird im 15. und 16. jh. nd.-ndl. einflusz in der schreibung des anlauts sichtbar wie z. b. zuden, zudostzud u. s. w. in einer Zeitzer hs. von 1433, zs. f. dt. phil. 9, 137; zuden Wenzelbibel ex. 26, 18 bei Jelinek mhd.-böhm. wb. 697; zudem voc. ex quo (15. jh. md.) bei Diefenbach 63ᵃ; ostzuden Seb. Franck weltbuch (1534) 3ᵃ; zudwind Xylander Plutarch (1580) 245ᵇ; zuzerwind 1420, s. oben 4. ebenso in der vocalbezeichnung: africus zuytwestwint gemm. (Köln 1495) a 5ᵇ; seutwestwint in einer gemma von 1512 bei Diefenbach 16ᵇ; vgl. auch suidtwasser Albertinus (1612), sp. 991. aus persönlicher berührung mit dem ndl. stammen formen wie seudwerts (1556) Hans Staden warh. histor. 170 lit. ver.; auf der seuden seit der linien equinoctial 167; seudseudwest 107 u. ö. sporadisch bleibt secundäre mundartliche diphthongierung wie saud in Aschaffenburg nach Schmeller-Fr. 2, 229; Sauerland aus Sû(d)erland s. u. sp. 958. zugleich als gesuchtes und fremdes reimwort souden Suchenwirt 14 Pr., s. u. süden 1 a.
7)
die flexion ist stark, doch selten angewandt, kaum je in der abstracten bedeutung der himmelsrichtung (in sunde bei Notker s. o. 3), sondern im nhd. nur in der concreten bedeutung 2 und 3: des tobenden süds (wind) Schiller 1, 121 G.; Voss krit. bl. 1, 493; des tiefen südes kammern (himmelsgegend) Herder 11, 250; des süds (land) Hölderlin s. u.B 2 b; üblicher ist heute des südens in der bedeutung 2. ein plural fehlt eigentlich, denn fälle wie süde (südwinde für lat. austris) Fr. A. Wolff Horat. 1. satir. (1813) 1; die letzten süd und ost Caroline 1, 72 Waitz bleiben individuell.gelegentliches sude als nom. sing. ist als analogischer schwacher nom. sing. von suden her oder aus den sude-zss. (s. u.B 4, sp. 924) abstrahiert: ventorum nomina ... ostsude Claj gramm. 54, 22 Weidling; westsude 26, 29; sude, suden (mittag) Kramer nider-hochteutsch (1719) 2, 210ᵇ.
8)
über das verhältnis von süd zu süden s. u. sp. 948.
B.
bedeutung und gebrauch.
1)
die himmelsrichtung, abstract, die geographische lage und richtung: sud oder mittag meridies Dasypodius (1537) 437ᵈ; nomenclator lat. germ. (Hamburg 1634) 21; sud, suden meridies, tractus versus meridiem Schottel haubtspr. 1427; sud, suͤd, suͤden, der, meridies Stieler stammb. 2237; mezo-dì M. Kramer 2 (1702) 1037ᵇ; der süd oder süden 'die mittagsgegend, die gegend, da die sonne des mittags stehet' (Ludwig) teutsch-engl. lex. (1716) 1923.
a)
in allgemeiner anwendung:
mein offt bestürmtes schiff, der grimmen winde spiel, ...
offt wenn uns schwartze nacht im mittag überfiel ...
wie offt hab ich den wind und nord und sud verkennet!
A. Gryphius teutsche ged. (1698) 2, 323.
am häufigsten in präpositionaler verbindung (für das ahd. vgl. oben sp. 918 Notker): der schwartzen falcken sind ... nit vil in teutschen lannden gewesen, wann sy zu dem ersten gen syt mers in den haiszen lannden gesehen sind Mynsinger v. d. falken 13 lit. ver.; so würdt das sich enden mit disen grenitzen: der mittäglich teil würdt anfahen von der wüste Sin ... und würt jhr endung haben gegen orient des gesaltzen meer: die werden umgan, die gegen sud durch den aufgang des scorpion ... vnd kummen zuͦ mittag bisz gen Cades Barne Johann Eck bibel (Ingolstadt 1537) 1, 80ᵃ (4. Mos. 34); die schiff auz der schifflendt (anlegeplatz) auff die seiten gegen sud gelegen zu bringen W. Xylander Polybius (1574) 379; das Corysche sich weit gegen sud erstreckende vorgebürg Lohenstein Arminius 1, 126ᵇ; nach (von) sud verso (da) mezo-dì Kramer 2 (1702) 1037ᵇ;
bald richtet er (der mond) nach sud, bald nordwärts seinen lauf
Lohenstein Sophonisbe (1680) widmung a 4;
der klugheit doppeltes gesicht
musz wenn die list sich regt nach süd und norden sehen
Pietsch geb. schr. (1740) 68;
sechs geyer die von nord nach süd hinflogen Niebuhr röm. gesch. 1, 154;
Tellus war entzündet worden ...
sie zerreiszt von süd in norden
Lichtwer äsop. fabeln (1748) 19;
schon drängt das volk, es strömt herein
von nord, süd, west und osten
Göthe I 3, 107 W.;
b)
astronomisch-nautisch: der durchschnittspunkt des meridians mit dem horizont an der dem nordpunkt entgegengesetzten seite, einer der vier cardinalpunkte des compasses, s. J. Hübner cur. lex. (1712) 1227; Wolff mathem. lex. (1747) 1285; Röding 2 (1798) 757; Stenzel 412ᵇ.
c)
ein besonderer gebrauch von sud, süd, häufiger belegt für suden, süden (s. d.), hat sich in der nd. seemannssprache entwickelt und ist von dort seit dem 17. jh. teilweise auch ins hd. gelangt. formal ist der seemannssprache, im mnd. beginnend, eine erstarrte verwendung von süd (und süden) eigen als absolutes richtungswort, dessen syntaktische function als ursprüngliches adverb undeutlich werden kann. sachlich setzen die technisch seemännischen wendungen den compasz und die striche seiner windrose voraus bei bestimmung und angabe der gegenseitigen lage und entfernung, der erstreckung von küsten, des standes von sonne und mond, des kurses, der windrichtung u. ähnl. im einzelnen vgl. die wbb. der seemannssprache sowie Wehrle zs. f. dt. wortf. 7, 92 ff.: Lesoͤ streck suͤdt und nord (d. i. in der richtung des windrosenstriches beim compasz, der den nord- und südpunkt verbindet) seekarte ost und west tho segelen (1571) j 1ᵇ; tuͤsschen Bovenbergen und de Vlue up allen haven, ummentrent südt vnd nord de maͤn, vull see (d. i. flut) ebda a 7ᵇ; den 11. dieses muhtmasseten sie, dasz sie recht s. und n. von Candinoes seyn wurden Rud. Capel norden (Hamburg 1678) 70; und da auch die wind daselbst ... gemainglich sud oder von mittemtag gehn (1557) N. Federmann indianische historia 11 lit. ver.; der wind ist sud il vento tira da mezo-dì Kramer 2 (1702) 1037ᵇ; der wind ist süd oder süden Ludwig teutsch-engl. lex. (1716) 1923; Adelung 4, 496; Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 360. vgl. mnld. und nld. die wint suut gaet Verwijs-Verdam 7, 2450; de wind is zud Kramer niderhochd. (1719) 1, 541. bei der unterteilung der windrose des compasses ergibt sich die zusammenstellung mehrerer richtungsworte, die meist zu composita werden; vgl. z. b. südsüdwest, südsüdost u. a. durch präpositionen getrennt: ein starker wind ... uns erlaubte ost bei süd und südsüdostwärts von Neu-Caledonien wegzusteuern G. Forster s. schr. (1843) 2, 336; süd zum westen, süd zum osten Röding wb. d. marine 2, 757; Bobrik naut. wb. 677; Campe 4, 746, vgl. auch zs. f. dt. wortf. 7, 232 ff.auch sonstige eigenheiten in seemänn. quellen entstammen der nd.-nl. seemannssprache; vgl. z. b.: hatte das anker von sich gekappt, um das schiff wieder um die süd zu bringen urkundlich 1795 (s. zs. f. dt. wortf. 7, 102) mit nl. vaaren om de suid 'noemen onse seelui varen naa de west' W. A. Winschooten seeman (Leiden 1681) 305; ostfries. de wind is um de süd gan Doornkaat-Koolman 3, 360ᵃ.
2)
concreter für alles, was im süden, in der richtung nach süden liegt, vgl.sud pars mundi meridionalis Wachter gloss. germ. (1737) 1644: der grosze Karl hat die vier teile der welt ... ost, sud, west, nord genennet Zesen rosenmand (1651) 23.
a)
teil des himmels vom standpunkt des betrachters, vgl.süd, ↗mittag 'den vierdten theil des himmels oder die ganze gegend, welche inn und neben gedachten (süd)punct zu beyden seiten lieget' Hübner cur. natur-lex. (1712) 1227: das herrliche gewitter, das den ganzen süd überleuchtet Göthe IV 3, 153 W. himmelsgewölbe auf der südlichen erdkugel:
und unterm braunen süd (1748 sud) fühlt auch der Hottentott
die allgemeine pflicht und der natur gebott
A. v. Haller ged. 134 Hirzel;
und spannt die himmel aus allein ...
den wagen und das nordgestirn,
die sieben stern, des tiefen südes kammern
hat er (gott) gemacht
Herder 11, 250 S.
b)
südlicher landesteil, gebiet im süden, auch land und leute im süden, besonders in der poesie:
der herrscher über ost und west und sut und nort;
der (blos mit winken nur) das wilde mer kan binden
J. Romper v. Löwenhalt erstes gebüsch (1647) 17;
(der kaiser,) der sud und ost und west mit wincken zähmen kan
Lohenstein Ibrahim sultan (1679) 74;
und vom versengten sud bis zum beeisten pol
ist luft und land und meer von unserm reichthum voll
Wieland I 1, 85 akad. (natur d. dinge 1751);
nord und west und süd zersplittern
Göthe I 6, 5 W.;
im feuer des süds fielen die locken mir aus
Hölderlin ges. dicht. 1, 56 L.;
wie wenig
reicht sie (die tugend der königin) empor zu jenem ideale,
das aus der seele mütterlichem boden ...
freywillig sproszt und ohne gärtners hülfe
verschwenderische blüthen treibt. es ist
ein fremder zweig, mit nachgeahmtem süd (d. i. im treibhaus)
in einem rauhern himmelsstrich getrieben
Schiller 5, 2, 268 G.;
nicht mehr nun trennt uns süd und norden
v. Schenkendorf ged. (1815) 49;
mandelkerne, süsze nüsse
früchte, die der süd geboren
in dem heiszern strahl der sonne
L. Rellstab ged. (1827) 146;
schon die unterschiede der interessen innerhalb des deutschen zollvereins zwischen nord und süd, ost und west sind schwer ... zu überwinden Bismarck ged. u. erinn. 1, 105 volksausg.; im sprichwort: ost, süd, west, daheim ist am best Lüpke seemannssprüche (1900) 128, 87.
3)
der aus süden wehende wind, südwind; im ahd. anders als bei sundan (s. u. sp. 951) nur in zss. wie suntwint, suntostrôni u. ähnl., s. u. 4. im mnl. vgl. suuet notus Verwijs-Verdam 7, 2540. häufiger erst vom 17. jh. ab zu belegen. seit dem 18. jh. kommt als windname nur noch die einsilbige form vor: ventorum (sc. nomina), der ost eurus, sud auster (1573) Albertus teutsche gramm. 58 Müll.-Fraur.; sud, mittagswind ostro, mezzodi Hulsius (1618) 244ᵃ; sud 'der wind von süden oder mittag' Duez (1664) 504ᵇ; sud sive sudwind Stieler stammb. (1691) 2237. — insbesondere in der poet. sprache:
o Trumitan, wie hastu mein
vergessen hie in sölcher pein,
das du hast lan gewaltig sein
den sud und ost spaziern herein
Oswald v. Wolkenstein 68 Schatz;
... kom suhd und nuͤm di dunst
der nächte von uns hin
(1638) Ph. Zesen Rosemund 245 ndr.;
der suth und die mitternächtige winden Abraham a s. Clara Judas (1686) 1, 587;
doch wenn die heiszen thäler der dürre süd durchstreicht
Dusch verm. w. (1754) 86;
wie wenn der sud sein schwarz gefieder schüttert
und auf der see sich als tyrann erhebt,
verirret sich das ... schiff
J. P. Uz sämtl. poet. w. 76 var. dt. lit.-denkm.;
und den gefährlichen süd, den vater würgender seuchen
Gieseke bei Campe 4, 746ᵃ;
mancher süd und mancher nord hat seitdem über meine wange und über mein haupthaar hingeweht A. G. Meiszner Alcibiades 4, 300; winderzeugung ... ost und nord haben bezug auf hohen, west und süd auf niederen quecksilberstand Göthe II 12, 91 W.;
mag der süd nun peitschen die woge, mag sie
schwellen der nordsturm
Platen 1, 223 Hempel;
schauest du nicht, ...
wie der mast, von des süds fliegendem sturme wund, erseufzt?
J. H. Voss krit. blätter geogr. abh. 1, 493;
bildlich:
des fiebers süd, des alters nord
pflegt auch den zärtlichsten Poppäen
die schönheitsblumen wegzuwehen
Triller poet. betracht. (1750) 1, 90.
4)
zusammensetzungen mit sund-, sud-, süd- erscheinen auf festländischem boden seit dem 8. jh.; im gegensatz zu den im ahd. nur noch vereinzelten resten des simplex (s. o. A 3) zahlreich in flur- und ortsnamen, z. t. sehr häufig und durchstehend bis zur gegenwart bezeugt; vgl. z. b. Sundheim (9. jh.), Suddorph, Sundcawi (8 jh.) -goe, -gou, -gau (vgl. dazu Sundgäuer Sequani Maaler [1561] 396ᶜ; Calepinus XI ling. [1598] onom. 259; Sungawer Henisch [1616] 1375), Sundhova (8. jh.), Sutholte, Sundhusun, Suthkirike u. s. w., s. Förstemann-Jell. altdt. namenbuch³ 2, 2, 936 ff., wo etwa 32 bildungen nachgewiesen sind neben 23 mit sundar-, suther-, denen nur 4 vereinzelte mit sundan- gegenüberstehen, s. auch sp. 952 u. 956. rein appellativische zss. sind im ahd. ähnlich wie bei sundar-, s. sp. 956, weniger oft greifbar, im gegensatz zu den häufigen ags. sûþ-bildungen, s. Bosworth-Toller anglo-sax. dict. 938 ff.; suppl. 715: sundhalba austrum, meridiem (8./9. jh.) gl. 1, 271, 39 St.-S.; sunthalbun austri (11. jh.) 712, 64; bei Notker in astronomischem zusammenhang: sunthalb, adv.: tar sihest tu sia (ydra) sunthalb tes signiferi 1, 752, 27 P.; 751, 2; -gibil: der nordkibel ist obe erdo, also der suntkibel ist under erdo 1, 270, 8; -zeichen (s. u. sp. 998). weiterhin bezeichnungen aus der windrose wie suntnordirt euroaquilo (11. jh.) ahd. gl. 1, 752, 17; sundnordroni euroaquilo 1, 752, 17; sundostroni euroauster (10. jh.) 3, 609, 5; sundwestroni austerafricus (10. jh.) 609, 9; sundwestronowint 3, 204, 62; 3, 113, 42 (13. jh.), vgl. dazu zs. f. dt. wortf. 7, 221 ff.; häufiger bezeugt bei Notker und in den gloss. ist allein suntwint, das noch ins mhd. reicht und im frühnhd. als sudwind vom nd. her sich verbreitet, vgl. südwind sp. 996. sonst bleiben im gegensatz zum me. (s. Stratmann-Bradley 592 ff.) und mnl. (s. Verwijs-Verdam 7, 2450 ff.) doch auch zu den ahd. orts- und flurnamen im deutschen, bes. auf hochdt. boden, bis zum ende des 16. und anfang des 17. jh. die sunt-, sud-bildungen auszer den meist lexikal. tradierten windrosenbezeichnungen spärlich und selten bezeugt; gelegentlich, in nd. und md. quellen, auch in der form sude-, die wohl als phonetische erleichterung zu werten, vgl. sudegarte, -wart, -west, -wind u. ä., s. auch zs. f. d. wortf. 8, 351, je nach zeit und mundart auch aus süden- erleichtert z. b. südewind bei Mensing 4, 946: an êre gernder frucht ein sudegarte jg. Titurel 134, sudwest (Trierer ps. des 13. jh.; 1470; S. Franck 1534, Luther, s. d.), sudwesterwind (anf. d. 15. jh. Diefenbach nov. gl. 44ᵃ), sudost (15. jh. s. d.), sudwind (15. jh.; Luther, dies allein schon im 16. jh. oft, s. d.), sudspitze (1537), vgl. auch sudöde (Matthesius s. d.); sudort (Wickram, doch s. sp. 955). auf nd. gebiet sudewest, sudwesten (13. u. 14. jh.), zudost- (-west-) zud (aus d. nd. 1433, zs. f. d. phil. 9, 137), sûdland (1405), sudweges (adv. 1405). in der mnd. seemannssprache treten sie gegen ende des 15. und 16. jh. häufiger zu tage, vgl. z. b. sutende, -land, -ost, -syde, sutsutost u. ähnl., sutward, sutwest(en) im seebuch 116 ff. Koppmann, s. unten an den alphab. stellen. in der hd. schriftsprache aber kommen die sud-, süd-bildungen erst in der zweiten hälfte des 17. und im 18. jh. zur entwicklung und schwellen seit dem anf. d. 19. jh. zu gröszter fülle an; vor allem in reiseberichten (Kramer, Dapper, Olearius, Forster), die zunächst im 17. jh. oft vom ndl. abhängig sind, im 19. jh. daneben in geographischen (Ritter, H. v. Barth) und militärischen schriften ( v. Alten). dabei stehen im 17. und auch noch im 18. jh. bildungen mit süden-, die immer spärlich gewesen sind, s. u. sp. 952, und mit süder-, die auf seemännischen gebrauch und raum sich einschränken, s. u. sp. 957, neben denen mit sud-, süd-, die vom 19. jh. ab mit der zur norm gewordenen form süd- in der schriftsprache nun allein herrschen. die fülle der neuen süd-zss. wird hauptsächlich durch zwei gruppen verursacht.
a)
jeder gegenstand, vor allem gebäude und ihre teile, jeder raum, jegliche function (-grenze, -eingang, -sprache u. s. w.) und handlung, ja auch abstractionen wie -system können heute in beziehung zur himmelsrichtung gesetzt und durch verbindung mit süd- im sinne von süd B 1 a als nach süden gerichtet, im süden liegend, von süden kommend bestimmt werden. das tatsächliche auftreten von massen dieser süd -bildungen zeigt aber, dasz ein bedürfnis für eine durch solche richtungsbestimmung genauer festgelegte raumvorstellung sich in steigendem masze erst im laufe des 19. jh. entwickelt, vornehmlich in den höhenschichten der sprache, bedingt gewisz durch die gleichzeitige entwicklung der exacten wissenschaften (geographie und deren kartengebrauch, naturkunde). jedenfalls sind vor 1800 bildungen dieser art relativ selten, vor allem weniger flüssig, auf seemännischen oder gelegentlich-wissenschaftlichen gebrauch beschränkt; noch heute fehlen sie den mundarten, abgesehen natürlich von den seemännischen (vgl.südenne, -wind im ostfries.), die aber in der regel süden-, süder-bildungen vorziehen, s. Mensing schlesw.-holst. 4, 941: südabdachung, -abfall (Laistner nebelsagen 7; Ratzel völkerkunde 60; v. Alten 9, 163), -abhang (s. d.), -angel (17. jh. s. d.), -angriff, -arm (eines flusses), -armee (s. d.), -ausgang (s. d.), -bahn (s. d.), -barke, -bastion, -batterie, -biegung, -blick, -bö (1770 s. d.), -breite (18. jh. s. d.), -burg, -eck, -ecke (17. jh. s. d.), -eingang (s. d.), -ende (15. jh. s. d.), -fenster, -flanke, -flügel (s. d.), -flusz, -fusz (eines berges s. d.), -front, -gegend, -gehänge, -gestade (s. d.), -gewölbe, -giebel, -glied, -grenze (s. d.), -gruppe, -hafen (s. d.), -halde, -hälfte (s. d.), -hang, -hauch (18. jh. s. d.), -hemisphäre (: das südhemisphär war zum groszen wasserbehältnisz unserer [erd]kugel bestimmt, damit das nordhemisphär ein besseres klima genösse Herder 13, 271 S.), -himmel (s. d.), -horizont, -horn, -hügel, -insel (s. d.), -kante (s. d.), -kap (s. d.), -kette, -kirche, -küste (17. jh. s. d.), -land (15. jh. s. d.), -länder, m. (18. jh. s. d.), -lauf, -lehne, -magnetisch, -mark (s. d.), -markung, -mauer, -orkan, -pforte (Bürger 295 B.), -pol (17. jh. s. d.), -portal, -provinz, -punkt (18. jh. s. d.), -rand (s. d.), -saum, -seite (15. jh.), -senkung, -sonne (s. d.), -spalt, -spitz(e) (16. jh. s. d.), -sprache, -staaten (s. d.), -strand, -strasze (s. d.), -strecke, -strich (17. jh. s. d.), -strom (s. d.), -strömung, -sturm (18. jh. s. d.), -system (Ritter 4, 421), -teil (18. jh. s. d.), -tor (s. d.), -tür (s. d.), -turm, -ufer (s. d.), -umwallung, -verbreitung, -verzweigung, -volk (s. d.), -wall (s. d.), -wand, -wanderung, -wasser (s. d.), -weg (15. jh. s. d.), -weisung, -wendung, -wetter (D. Cranz Grönland [1770] 1, 64; Zschokke 12, 365), -wind (s. d.), -winkel (1671 s. d.), -wirbel (1676 s. d.), -zimmer, -zirkel (1677 s. d.), -zone (: die kalte s. ... sowie in die nördlichen gegenden Herder 13, 42 S.), -zuflusz. innerhalb dieser groszen gruppe bilden einen besonderen bezirk die mit süd- verbundenen namen von ländern und völkern, hier auch oft adjectivisch; in weiterem umfang und gebrauch dem geograph., ethnolog., histor., polit. und sprachwissenschaftlichen schrifttum eigen. auch sie sind im deutschen in fülle erst im 19. jh. entwickelt, einige wenige im 18. jh., z. b. bei G. Forster. auf englischem boden dagegen ist dieser typ seit dem ags. geläufig, vgl. z. b. Suþ-Dene, -Engle, -Seaxe u. s. w. Bosworth-Toller 939ᵃ; suppl. 715; Stratmann-Br. 592ᵇ: Süd-Afrika, -Alpen, -Amerika (G. Forster 1, 15), -arabisch, -asiatisch, -Asien, -atlantisch (G. Forster 5, 75), -baltisch, -deutsch (s. d.), -Europäer (G. Forster 3, 452), -fränkisch ('südfranzösisch' Göthe I 41, 2, 295 W.), -Franzose, -Georgien (allg. dt. bibl. anh. zu 25-33, 3, 1483), -Indien Campe, -italienisch, -kaspisch, -Kelten, -persisch, -Preuszen Campe, -russisch, -Sahara, -schwedisch, -Ural u. a. für sich zu betrachten ist die ältere gruppe der süd -bezeichnungen in den windrosen, sieh darüber Wehrle zs. f. dt. wortf. 7, 221 ff. und unten sudnord, südost, südwest, südsüdost, -west an alphab. stelle.
b)
die zweite gröszere gruppe von zss. entwickelt sich von der bedeutung süd 2 b aus und setzt den zweiten bestandteil in beziehung zu einem im süden gelegenen land oder volk, insbes. zu Südeuropa, spec. Italien, andrerseits zu den tropischen ländern spec. des stillen ozeans und seines südlichen teils. in der letztgenannten beziehung schon in der zweiten hälfte des 17. jh. sowie im 18. jh. seit den groszen entdeckungsfahrten und ihrer beschreibung relativ häufig. doch gehört auch in dieser gruppe der gröszere teil der bildungen erst dem 19. jh. an, in dem die beziehung auf Südeuropa und Italien (vgl. z. b. südland) mehr hervortritt als vorher als folge des neuhumanismus, der romantischen vorliebe für italien. und span. motive, weiterhin des stark gesteigerten reiseverkehrs des 19. jh.: südathmend: s. Griechen Baggesen (1836) 2, 99; -berg (s. d.); -compagnie: handelsgesellschaft z. b. im anfang d. 18. jh. in Frankreich zu betreibung des sklavenhandels mit Spanien, s. encycl. wb. 9 (1803) 99; -dichtkunst, d. i. italien. Voss krit. bl. 1, 571; -erde (s. d.); -feste (s. d.); -fisch: am himmel auf der südlichen erdhälfte Brentano 3, 297; -frucht (s. d.); -gefilde (1645 s. d.); -gegend Campe; -gelände, in Spanien E. v. Vaerst sonette (1825) 77; -gesicht, von eingeborenen in den tropen Freiligrath ges. dicht. (1870) 2, 185; -gestade (s. d.); -gestirn (1689, s. d.); -gewächs Jean Paul 48, 298 H.; Gaudy 5, 126; -gewohnt Rellstab ged. (1827) 146; -heisz (s. d.); -herbst I. v. Düringsfeld aus Dalmatien (1857) 1, 132; -himmel (s. d.); -insel (18. jh. s. d.); -kind aus Abessinien Pückler br. u. tgb. 9, 43; -krone am himmel auf der südl. erdhälfte Brentano 3, 297; -kunst d. i. der Griechen H. v. Chézy n. auserl. schr. (1817) 1, 161; -kur im südl. Europa Chr. A. Fischer br. eines südländers (1805) 3; -land (17. jh. s. d. 2 u. 3); -länder, m., (17. jh. s. d.); -luft, an der riviera, intell. bl. z. allg. lit.-ztg. 1840, s. 61; -meer (17. jh. s. d.); -mensch: der süd- und glutmensch vom Franzosen an durch den Italiener bis zum Portugiesen hinauf Jean Paul w. 34, 26 H.; -pflanze Gaudy 5, 154; Friedl Bärnd. 5, 142; -profil eines Spaniers Freiligrath ges. dicht. (1870) 2, 130; -reise, nach dem südl. Europa Chr. A. Fischer br. eines südländers (1805) 3; -revier d. i. Südeuropa E. v. Vaerst sonette (1825) 19; -saft: du hast so viel jahre bei den Münchnern und Wienern ... gelebt, südsäfte in dich eingezogen A. Wilbrandt in nord und süd 1902, 301; -see (17. jh. s. d.); -sonne (s. d.); -sprosse einer südpflanze v. Loeben lotosbl. (1817) 1, 340; -stern (17. jh. s. d.); -strich (1689, s. d.); -sucht (s. d.), vgl.-weh; -ton I. v. Düringsfeld aus Italien (1851) 55; -volk (18. jh. s. d.); -warm begeistert, schwungvoll wie ein südländer Jung-Stilling s. schr. 6, 224; -weh: vom südweh, von seinem Romleide R. H. Bartsch Schwammerl (1912) 105; 236; -wein (s. d.); -welt (17. jh. s. d.).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1936), Bd. X,IV (1942), Sp. 918, Z. 23.

sud1, m., (und f.)

¹sud, m. (und f.),

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das sieden; siedendes, gesottenes. nomen actionis zu sieden. grundform *sudi- in ags. syde 'decoction', mnd. sode (wenn gleich söde) sud, sieden, soviel man auf einmal kocht, siedet'. das von Fick ⁴ 443, Falk - Torp 940, Holthausen aengl. etym. wb. 339 angeführte ahd. sut ist nicht zu belegen. mhd. nur vereinzelt nachzuweisen: sut 'das gekochte' (12. jh.), suot (d. i. sut) 'das wallen' (14. jh.) s. u. 2 c und 1 e; häufiger erst seit dem frühnhd. des 15. jh., vgl. sudt 'bullitus' Diefenbach gloss. 84ᵇ sowie unter 1 b. seit dem 19. jh. ist sud auszer in poetischer und fachsprachlicher anwendung in der schriftsprache ungebräuchlich geworden. mundartlich hauptsächlich obd. erhalten: Staub-Tobler schweiz. id. 7, 324; Fischer schwäb. 5, 1949; Martin-Lienhart elsäss. 2, 328ᵃ; Hügel Wien. 161; Bacher Lusern 400 u. a. md. und nd. nur vereinzelt verzeichnet: Müller-Fraureuth obers.-erzgeb. 2, 587; süət Woeste-N. westf. 261ᵇ; sûd Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 253ᵃ. — als fem. erscheint das wort nur sporadisch, aber sowohl in älterer wie in jüngerer zeit; vgl.: von der ersten sudt Fischart Gargantua 254 ndr.; unter wehrender sud v. Lori samml. d. baier. bergrechts 391ᶜ; die sud verdampfet H. Heine 1, 444 E.; tolle sud ebda; einer sud J. Blau Böhmerw. hausind. 1, 113. Schmeller-Fr. 2, 229 weist zweifelnd auf den fem. gebrauch neben dem masc. hin. vgl. auch unten sude, süde, f.; ein neutrum süd, s. unter 3. — neben überwiegendem sud steht gelegentlich süd: im gemainen süd (1423) v. Lori bergrecht 25; für ein ieden kesselsüd (1450) österr. weist. 11, 390; ein einem süde Butschky kanzelley (1659) 382; süet, m. Woeste-N. westf. 261ᵇ; vgl. noch zss. wie südschaff E. Tucher baumeisterbuch 107 lit. ver. neben sudschaff ebda 303; südofen neben sudöfen, s. unten 4. — plural selten, zumeist süde Kramer 2 (1702) 807ᵇ; häufiger in der wendung süde thun, s. u. 1 c; süt Bacher Lusern 400; entrundet siedt, side Fischer schwäb. 5, 1949; daneben etliche sud J. N. Seiz trost der armen (1713) 371; sude Mozin wb. d. frz. spr.⁴ (1846) 793ᵇ und 13 suden J. Blau Böhmerwäld. hausindustrie 1, 113. neben dem schwundstufigen masc. i-stamm *sudi- steht wie üblich ein a-stufiger masc. a-stamm *sauda- in sod u. s. w. (s. teil 10, 1, 1394) und ein neutr. schwundstufiges compositum in ags. gesod 'coctio', ahd. kisod ds., nhd. gesod (teil 4, 1, 2, 4126) und mit präfixverlust an. sod 'suppe', afries. soth 'brühe'. ahd. salzsuti 'salina, salsugo' (gen. pl. salzsutino gl. 1, 418, 10 u. ö.) beruht wohl als i-(n)-abstractum auf einem nicht belegten sudjan = ahd. *sutten, vgl. bair. sütten 'sieden' Schmeller-Fr. 2, 340; übersüttig ebda, s. auch unten sutte, sütte, f., süttig 'siedendheisz' und die weiterbildung suttern 'im kochen überwallen'. — unverwandt sind ags. gesyd 'volutabrum' (von Holthausen falsch etymologisierend mit 'kochplatz' übersetzt), nl. sudde, sodde 'morast', nd. sudde 'sumpf', hd. sutte 'lache, pfütze', sieh dieses wort sowie s. v. ¹sudel, m.
bedeutung und gebrauch.
1)
das sieden, kochen als tätigkeit und vorgang im ganzen, sowie das aufwallen beim sieden, auch als zustand, in dem ein körper siedet; vgl. bullitus sudt (15. jh.) Diefenbach gl. 84ᵇ; sud, sod, sot bollo, sbollo; M. Kramer teutsch-italiän. dict. 2 (1702) 807ᵇ; sud oder sod ... das sieden, das aufwallen Ludwig teutsch-engl. lex. (1716) 1923; sud coctura, bullitus Steinbach 2 (1734) 597; bouillonement nouv. dict. allem. franc. (1762) 884; sud aufkochung Hederich teutschlat. lex. (1777) 2, 2925; Adelung 4, 496.
a)
in allgemeiner anwendung: wann dieser stein in ein siedend wasser gelegt werde, so hoͤre der sud alsbald auf Albertus Magnus v. d. geheimnissen d. weiber (1678) 261; dasz wir ... 6 grosze wasserkannen ... auf einmahl nachgieszen können, ohne dasz das wallen des sudes aufgehöret D. J. Chr. Lehmann heitz- und siedemaschine (1719) e 2ᵇ;
tolle sud! der deckel springt
H. Heine 1, 444 Elster;
in der küche, apotheke bei der zubereitung von speisen, arzneien u. dgl., vgl.sud 'heiszt das aufwallen, welches das feuer bei flieszenden dingen verursacht, wenn man sie kochen läszt' Amaranthes (1773) 3416: welche (datteln) den sud nit dulden mögen von wegen jrer zartigkeyt W. H. Ryff confectbuch u. haussapoteck (1548) 138ᵇ; so nam er alsdan die morgensup ein ... feiszte hennensüpplin ... matzisprülin von der ersten sut Fischart Garg. 252 ndr.; die fünfften speisen seyn die jenigen, so einen stärkern zusatz ohne einige oder ohne sondere kochung haben ... so man in essig oder saltz einmachen ... oder in rauch auffselchen thut, wie vielerley fleisch und fisch, die hernach mit einem oder offt keinem sud gefertigt werden, als etwa die Sachsen den rohen speck Guarinonius grewel (1610) 537; lasset milch kochen mit bonmel oder gebrochtem wissbrot, und wann der sud vollendet ist arzneibuch 1710 bei Staub-Tobler 5, 562.
b)
in dieser bedeutung und anwendung alt und fest bei der meist in gröszeren mengen vorgenommenen siedung von bier, seife, salz, metallen und dgl. infolgedessen von jeher häufig in der sprache der gewerke; heute schriftsprachlich fast nur noch als mehr oder weniger technischer fachausdruck üblich, nachdem das wort in allgemeiner anwendung seit dem ende des 18. jh. ungewöhnlich geworden ist: item hat er (der hofmeister) nit ain gedingten knecht, der da seut, so muesz er (beim krautsieden) ain pestellen, und sein von iedem süd 2 D des hofmaisters und der dritt D ist des kesselknecht (1450) österr. weist. 11, 390; auch zuͦ jeder sommer- und winterzeit dem pier sein gebürliche sud und kielung geben bair. lanndtordnung (1553) 88ᵇ; so offt ein sud im brauhause geschiehet und das bier gevaszt ist v. Hohberg georg. cur. auct. 3 (1715) 1, 55ᵇ; bei stärkeren bieren ... dauert der sud ... 3-4 stunden Karmarsch-Heeren (1876) 1, 485; wir sprechen auch, das der ... brobst ... vnd sein nachkommen bröbst nun hinfür zu ewigen zeiten bey dem salzsieden zum Schellnberg jr sudt anheben vnd ausleschen mügen (1458) v. Lori baier. bergrecht 52; auch sullen sie in gemainen süd und sonst in dem jahr, wan man mit säubern nicht genöttigts ze schaffen hat, eisenwerch und clasterwerch würchen lassen (1423) ebda 25; wann ein pfann unter wehrender sud rinnet (1614) ebda 391; (sie) sahen schürfen, weschen ... salpetersud, alaunsud, kupferwasserscheid Fischart Garg. 295 ndr.; sod, sud 'die siedung einer mit einem salzigen körper geschwängert oder angefüllten lauge als der vitriol-, alaun-, salpeter-, kochsalzlauge, aschenlauge. coctio lixivii' bergmännisches wb. (1778) 506; (der salpeter) musz dreymal abgesotten oder geläutert und gebrochen werden ... der erste sud giebt den rohen salpeter, der zweyte den glänzenden ... v. Eggers neues kriegslex. (1757) 2, 1064; so bereits 1529: salpeter der vor eynmal geleuttert ist, in dem anderen sudte zuͦ leuttern büchsenmeysterey c 1ᵃ; daher als feste technische bezeichnung salpeter vom ersten sud oder roher salpeter J. G. Hoyer allg. wb. d. artill. (1804) 2, 2, 12; Liebig hdb. d. chemie (1843) 354; Karmarsch-Heeren³ 8, 167; salpeter vom zweiten sude, ... salpeter vom dritten sude Prechtl 12, 232; das sieden (des vitriols) zerfällt in zwei perioden, den vorsud und den garsud. durch den vorsud (rohsud oder läutersud) wird die lauge bis zu 18 oder 20 procent gehalt abgedampft Prechtl techn. 5, 33; ebenso: sod, sud der seife 'so wird die ganze verrichtung des siedens der reife genannt' Jacobsson 4, 181ᵇ; Muspratt chemie (1900) 7, 1433; war die aus dem ersten sude kommende seifenmasse ... nicht genügend rein ... so musz die seife erst gereinigt werden Karmarsch-Heeren³ 8, 167; dann wird er (zuckersaft) von dem letzten sud in hölzerne kühlbottiche geleitet, wo er schon anfängt zu körnen Schedel waarenlex. (1834) 2, 738. zur fachsprachlichen verwendung des worts vgl. noch: sud '(färber) die wolle zur annehmung einiger farben vorbereiten' Jacobsson 1, 58, vgl.ansud; sud 'das kochen gewisser wollener zeuge, wenn sie vom stuhle kommen' encyclop. lex. (1803) 9, 98; zum versilbern durch sud kann eine kochende lösung von weinstein, kochsalz und 1⁄6 chlorsilber dienen ebda 7, 1659. in der glasschmelze: das durchschnittliche ergebnisz einer sud war 1, 66 zentner J. Blau Böhmerwäld. hausind. 1, 113.
c)
vom zustand des siedens (vgl. Voigtel wb. 3, 384ᵃ; Martin-Lienhart elsäss. 2, 328ᵃ) meist in präpositionaler fügung: dieses musz zusammen abgekocht, und dann abgeseiht, hernach wieder gewaͤrmet, und wann es nahe beim sut ist, uͤber den tabak gegossen werden J. Balde die truckene trunkenheit (1568) 173; das wasser ist noch im sude aqua adhuc igne effervescit Steinbach dt. wb. (1734) 2, 597; dasz ein ei weich zu kochen, so lang im sud gelassen werden musz, bis man 3 ave Maria gebetet E. Weigel zeitspiegel (1664) 5; also schnell ist diese matery erhertt worden und als ein corpus gefallen, das auch sein anzeigen ist, mit seinen bucklen und formen, dasz er in allem sudt gestanden ist und auffbleen und im selbigen erkaltet Paracelsus opera (1616) 2, 101; ... damit der kessel in stettem sudt ... bleibt L. Ercker beschr. aller min. ertzt (1580) 128ᵃ; aber diese linde unnd langsahme kochung erfordert eine längere zeit, als diejenige welche stetig in vollen sud geschicht Glauber libellus dialogorum (1663) 72; in einem sud sieden lassen Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 807ᵇ; das wasser siedet in einem sude fort 'ununterbrochen' Adelung 4, 496; den thee soll man im sude trinken, d. i. während er noch siedet Steinbach (1734) 2, 597; so auch: aus dem sude essen, trinken Kramer 2 (1702) 807ᵇ; Adelung; aus dem sud kommen aufhören zu sieden Kramer (1719) 2, 210; e grumbeer uss em sudd nemme Ch. Schmidt Straszburger ma. 107ᵇ; schwäb. grumbira ... jetz sind se sein leibessa vom sud weg J. Nefflen d. orgelmacher (1845) 262; d suppn kummt grad vom sud Hügel Wiener dial. 161.
d)
z. t. in fester verbaler verbindung: ingleichen in was für zeit es (das fasz voll wasser) geheitzet und zum sude gebracht, wie lange es unverändert im sude erhalten und was für eine quantität wasser auch würcklich eingesotten würde J. Chr. Lehmann zweymahlige auffweiszung einer heitz- und siedemaschine (1719) s. a 2ᵇ; e 3ᵃ; sie bemühen sich, dasz derselbige (reis) eben auf den mittag in sud gebracht werden möge Chr. Arnold offne thür (1663) 377; das wasser in sud bringen Kramer (1719) 2, 210; Fr. Nicolai österr. id. (1781) 135; einen topf, das wasser zum sude bringen Adelung 4, 496; Braun orthogr.-gr. wb. (1793) 251ᵃ. vorwiegend der älteren sprache gehört die wendung an einen sud tun lassen 'aufkochen lassen'; s. auch die belege bei Fischer schwäb. 5, 1949: thue kleine rosinlin darzu und sovil weins, als man bedarff, lass ein sud thuͦn Seutter hippiatria 52; den koͤhl einen sud thun lassen Kramer d. neue dict. (1678) 1032ᵃ; setze es (sauerkraut) zum feuer, damit es einen sud thue Amaranthes (1715) 19, 125; man musz den syrup wieder sieden ... es darf aber täglich zweymal nur einen einigen sud thun v. Hohberg georg. 1 (1682) 218ᵃ; nim granatäpffelschelffen ... vnd geläutert honig ... lasz in einem viertheilen roten weins ein guten sudt thun Gäbelkover artzneybuch (1595) 1, 150; Seuter roszarznei (1599) 51; v. Hohberg georg. cur. (1682) 1, 233; vgl.: ə sud mochn 'sieden lassen' Blumer nordwest.-böhm. 79. so auch pluralisch, wobei sich gelegentlich die nebenvorstellung des beim sieden aufsprudelnden wassers einschiebt: lass ein drey siedt thuen medicin. quelle von 1571 bei Fischer schwäb. 5, 1949; nimm lebendigen schwefel ... stosze dieses zu pulver, welches man mit 8 maasz flieszwasser etliche sud thun lasse J. Nic. Seiz trost d. armen (1713) 371; das wasser etc. ein par süde thun lassen Kramer 2 (1702) 807ᵇ; Amaranthes (1773) 1733; Adelung 4, 496; də patátn (kartoffeln) machən nō zwia süt Bacher Lusern 400. mundartlich vgl. noch: də patátn gäbm an ən sut (brodeln) ebda; s wassr hat gəheft ən sut (ist aufgewallt) ebda; dᵉn süet drüᵃwer gaͦn laͦten ('gusz siedenden wassers beim gemüse kochen') Woeste-N. westfäl. 261ᵇ; vgl.den söde woröver gahn laten 'etwas nur aufsieden lassen' Richey id. Hamburgense (1755) 277; Schütze holst. 4, 154. auf den siedevorgang als ganzes bezogen: einem jeden burger ist erlaubt drey suͤde zu thun a ciascun habitante è permesso di far trè cotte (brassate) di birra Kramer 2 (1702) 807ᵇ, d. i. jeder bürger darf im jahre 3 mal brauen, auf jeden bürger kommen jährlich 3 süde, vgl. Campe, Heinsius, s. auch Adelung; er (glasschmelzer) machte 1862 ... 13 suden ... zu deren jeder er drei bis 4 tage brauchte Blau Böhmerwald. hausindustr. 1, 113.
e)
übertragen und bildlich; vom aufbrausen einer woge, eines sees, vom wallen des feuers:
der marner sach einen suot
verre dort her walgen
Heinrich von Neustadt Apoll. 1288 Strobl,
dafür einen duz 1283 Singer;
leicht konnte der geist ja
zornig im grund aufwühlen die wasser und über die ufer
treiben in sud und dampf den gewaltigen see
Mörike 1, 252 Göschen;
sie (feuerquelle) siedet auf vom tiefsten schlund ...
wallt wieder auf in glut und sud
Göthe I 15, 56 W. (Faust 5925);
vom aufwallen des blutes, vgl.sieden 2 a: davon (vom zorn) das geblütte erhizt, als in einem süde üm das herze aufgetriben in di euszerliche glider ausgeteilet wird Butschky kanzlei (1659) 382; von innerer erregung, vgl.sod 3: im sud sein von hitzigen jünglingen und jungfrauen (a. d. j. 1659) bei Staub-Tobler 7, 324;
Tehemtens herz geriet in sud,
er brüllte, wie ein löwe tut
Rückert Firdosi (1890) 1, 367 Bayer.
'aufregung' Fischer schwäb. 5, 1949; deⁿ sud hauⁿ 'schlechter laune, verstimmt sein' ebda. von chaotischen zuständen:
hört an
wie gott der herr die welt begann ...
noch immer braust es. gift und schaum
durchströmt die zeit, verschlämmt den raum;
soviel es dessen sich entlud,
steht es noch immerfort in sud
Thümmel reise i. d. mitt. prov. (1791) 5, 95;
es ist nicht zu verkennen, dasz ... man den hexenkessel, in dem man mit gewalt diese zeit wieder jung kochen will ... bei lustigem feuer ... fleiszig im brodelnden, qualmenden sud erhält Görres ges. schrift. 4, 171; was in jener periode sich besonders geltend machte und die gärung bis zur kochenden sud steigerte, waren die polnischen und rheinbayrischen vorgänge H. Heine 7, 83 E.
f)
gelegentlich vom schmerzhaften, brennenden gefühl in der brust und im hals, vgl. das üblichere sod 4 u. sodbrennen: sud, 'm., wann es einem umb das hertz seud und essigt, mal de coeur' Hulsius (1616) 316ᵃ; dolor cordis seu gulae Stör (1663) 472; Schottel 1416; der sud plaget mich j'ay mal de coeur, qui m'afflige Hulsius (1616) 316ᵃ, laboro dolore gulae Stör 472; sud in dem halsz des menschen Duez dict. germ.-gall.-lat. (1664) 505ᵃ; der geruch, so man das fleisch brattet, in sich gezogen, benimpt den suͦt und brinnen des magens W. Ryff thierbuch Alberti magni (1545) f 1ᵃ.
2)
in den siedevorgang wird der siedende körper mit einbezogen.
a)
als mengen- und maszbezeichnung, 'sud, soviel als von einer sache auf einmal gesotten wird' Adelung 4, 496, besonders handwerklich und technisch, s. bergmänn. wb. (1778) 543; F. Richter berg- u. hüttenlexikon (1805) 2, 482. vgl. in gleicher bedeutung sod 7, gusz II 2: ein sud (gebräu) bier Kramer hoch-niderteutsch (1719) 210; 'ein gebräude in einigen gegenden' Adelung 4, 496; Anton Oberlausitzer wörter st. 13, 12; Martin-Lienhart elsäss. 2, 328ᵃ; Staub-Tobler 7, 324; ein sud meht Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 807ᵇ; ein sud seife Kramer a. a. o.; Mozin wb. d. frz. spr. (1856)³ 4, 793; vgl. auch söd zuckermasse, die auf einmal gekocht wird C. Schumann Lübeck 61; sud 'was man auf einmal an butter oder fett einschmilzt'; in Zürich ebenso vom hafer, der gesotten und gedörrt wurde, ehe man ihn zur mühle brachte Staub-Tobler 7, 324, was beim metzger auf einmal gesotten wird ebda; ein sud fische ein gericht fische Adelung.
b)
sud ist der siedende körper selbst, die flüssigkeit im zustande des siedens:
gott sei dank! die sud verdampfet
in dem kessel, der allmählich
ganz verstummt
H. Heine 1, 444 Elster;
eine bäuerin ... hatte einen kessel mit anke, welche sie auslassen wollte über dem feuer hangen. der kessel war gerade halb voll sud Grimm deutsche sagen³ 1, 228; den zerstörenden dämpfen des sudes (d. i. zuckermasse) ausgesetzt Westermanns jahrbuch 3 (1858) 634ᵃ. für den strom siedend heiszen blutes, ital. bollore vermiglio:
so gingen wir am rothen sud von hinnen,
aus dem die rotte der gesottnen schrie
Streckfusz Dantes hölle (1824) 130.
von metallischen körpern und dgl. in flüssigem, siedendem zustand: so schütt der stern ein sudt herausser in den lufft, derselbig auswurff facht an zu donnern Paracelsus opera (1616) 2, 104 Huser; ich habe oft in den bergwerken, wo das silber geschmolzen wird, mit sehnsucht geharrt bis der glänzende sud hervordringt; man nennt es den silberblick Brentano ges. schr. 8, 123;
dein stab ...
ich tauch ihn rasch in sud und glut
Göthe I 15, 49 (Faust 5741);
ich könnte eher in den trichter
des berges steigen, wo ein dichter,
ein schwefelblauer brodem deckt
roth lavakochen, nicht versteckt
jedoch den sud im abgrundskessel
Immermann 13, 248 Boxberger.
technisch: sud 'die siedende entweder roh oder raffinierte lauge' F. Richter berg- u. hüttenlex. (1805) 2, 482; sud 'mit gewissen dingen versetztes wasser, worin zeuge von dem färber gekocht werden, damit sie nachher die farbe besser annehmen' encyclopäd. lexik. (1803) 9, 98.
c)
die gesottene flüssigkeit als ergebnis des siedens die brühe, lauge, der absud; in dieser bedeutung erscheint der erste beleg für das wort: sut 'das gekochte' in einem arzneibuch des 12. jh., handschriftlich, bei Lexer mhd. hwb. 2, 1328; in zusammenhängender bezeugung seit dem ende des 16. jh.: den bauch zu erwaichen muss man nüchtern die erst prüh oder den ersten sud von koͤl oder von mangolt oder von pappeln ... trinken Sebiz feldbau (1579) 81; die ... erbsen in reichlichem wasser abzusieden, den sud ... weg zu gieszen C. F. v. Rumohr geist der kochkunst (1822) 124; geistiges getränk ... palmsaft oder gegorner sud von reis J. H. Voss antisymbolik (1824) 1, 56; 'brühe, suppe':
doch speisen magst du wohl?
vom spiesze bring ich den braten.
versuchtest du gern den sud?
für dich sott ich ihn gar
(Siegfried ... schmeiszt ihm topf und braten aus der hand)
R. Wagner ges. schr. u. dicht. 6, 89;
'aufgusz': die schönere (hälfte der gemeinde) sasz ... beim thee ... ein sud aus schlüsselblumen-, holder- und schleeblüte Fr. Th. Vischer auch einer (1879) 1, 367; als 'heilkräftiger zaubertrank':
zwar man raunt von wilden weibern,
die mit sud und segensprüchen
rettung bringen kranken leibern
Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 201;
du (eine hexenartige alte) willst mir die Marie Ev verschaffen ... ? ... koch deinen sud für andere! P. Dörfler d. notwender (1934) 102. bildlich: fast zu viele fermente in dem episch-tragischen sude (unseres buches) W. Raabe Horacker (1876) 154. in den mundarten vgl. noch: sud 'gesottene masse, brühe' Staub-Tobler schweiz. id. 7, 324; sud 'gesottene milch' Müller-Fraureuth obersächs.-erzgeb. 2, 587ᵇ; sut 'einbrenne' Stauf v. d. March nordmähr. ma. 90. technisch: lixivium sud Trochus voc. (1517) bei Diefenbach 334ᶜ; sud 'heiszt bey verschiedenen anstalten z. b. in den zuckersiedereyen, potaschensiedereyen und bei den färbern das product, welches durch das sieden gewonnen wird' J. H. Fr. Meinecke technologisches hwb. (1818) 269; sud, sod 'die vitriollauge, welche genugsam gesotten ist' bergmänn. wb. (1778) 543; Jacobsson (1784) 4, 351; sud für metalle 'lösungen von metallsalzen zum überziehen von metallgegenständen zwecks schutz', ... goldsud, silbersud, nickelsud ... Lueger (1894) 7, 585; (man verwendet zur wollfärbung) 6 proc. ... aluminium oder 10 proc. alaun, sodasz die beizflotte (der sud) ... 0,2 proc. aluminiumsulfat enthält Muspratt chemie (1891) 3, 21; der sud (tanninextract) wird in bottichen geklärt v. Hesse-Wartegg zw. Anden u. Amazonas² 489.
3)
von der anwendung 2 c ausgehend erscheint sud in besonderer, abgelegenerer bedeutung; so als 'schmutzige flüssigkeit, lache': dann holte sie den kleinen purzel aus der ecke, welcher dort jämmerlich im sude lag ... wusch und strählte ihn und zog ihm ein reines hemd und röcklein an G. Freytag ges. w. 11, 234, vgl. den gebrauch von in seinem sode seyn 'in unsauberkeit liegen' Anton Oberlausitzer wörter st. 4, 11 sowie brühe 5 ende. — sud, m., 'abfall von getreideähren' (die abgesotten als viehfutter verwandt werden) Fischer schwäb. 5, 1949; (der hirte) darf in die scheune gehen, mitdreschen und von je 2 stück (garben) ein viertel nehmen, musz aber sud und stroh liegen lassen fränkisches gemeinderecht in den württemberg. vierteljahrsheft. 9 (1886) 227. vgl. süd, n., häcksel, klein geschnittenes stroh, spreu Ruckert unterfränk. ma. 179, sowie dieselbe bedeutung von sude, süde, f., unten sp. 928, gesud, gesüd teil 4, 1, 2, 4289, und besonders gesod, gesöd ebda 4127.
4)
zusammensetzungen mit sud- erscheinen seit dem 14. jh. (s. u.), durchweg in der form sud-, nur vereinzelt süd-. zur allgemeinen anwendung von sud 1 a gehörig sind nur wenige, doch alte bildungen literarisch greifbar; bildungen ohne quellenangabe sieh an alphabetischer stelle.
sudei
sudeyer gesottene eier Krünitz 177, 734; -fleisch (15. jh.); -quall (1610); sud-, südschaff (15. jh.), die gröszere anzahl der bezeugten bildungen ist herausgewachsen aus der anwendung 1 b und entstammt der sprache der gewerke und deren fortsetzung in der heutigen chemie und technik, mehr oder weniger als feste fachausdrücke, z. b. sudarbeit in der seifensiederei Karmarsch-Heeren³ 8, 16;
sudaufnahme
unvermutete sudaufnahmen, bei denen die menge ... und die stärke (der extractgehalt) ... genau bestimmt wird (als steueramtliche kontrolle für die biersteuer) hwb. d. staatswiss.² 2, 835; -buch (1614);
sudfeuerdörre
ein raum der salzsiederei Unger-Khull 600ᵃ; vgl. Muspratt chemie 6 (1898) 663; -flotte; -gefälle (1354); -geld; -haus; -holz;
sudhütte
anlage zur ausbeutung eines kalisalzlagers Karmarsch - Heeren 1 (1876) 32; -kammerer (1376); -kessel; -machen, vb. (1580);
sudmethode
Muspratt chem. 4 (1893) 1973; südofen allg. dt. bibl. 73, 43; sudöfen Meineke technol. wb. (1818) 269; -ordnung (s. d.); -pfanne;
sudprozesz
das versieden von flüssigkeiten Karmarsch-Heeren³ 1, 34;
sudsaline
auf der aufgelöstes salz versotten wird v. Scheuchenstuel 50; -salz;
sudtag
im salinenbetrieb Muspratt chem. 6 (1898) 759;
sudversilberung
versilberung durch sieden, s. oben 1 b, ebda 3 (1891) 984; -werk; -würdig.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1936), Bd. X,IV (1942), Sp. 912, Z. 26.

sud2, m.

²sud, m.,
pflanzenname, strandwegerich, plantago maritima 'im may und junius als kohl gegessen' Schütze holstein. (1800) 4, 221; Pritzel-Jessen 293; sud, suden juncago (d. i. triglochin) maritima Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 584. vgl. nordfries. sydde, plur. fem. (blätter gern als salat gegessen 'suden') P. Jensen Wiedingharde 595; dort auch syddegjas 'sudengras', hengstesydde 'pferdesuden' triglochin maritima ebda 596. auch di sür, plur. süren 'meerstrandwegerich, sudden' Mungard Sölring 214; suren, plur., blätter vom strandwegerich Mensing 5, 888; dazu auch sudenbieter 'sudenbeiszer' spottname für die Holligleute ebda 5, 931. sude, suder, sudder 'dickes und fettes grasgewächs' Outzen fries. 346, auch sodder ebda; Pritzel - Jessen 293, vgl. suyde 'fris. plantago marina' Kilian (1605) 541ᵇ; schwed. sutt, dän. sut, sudder Jenssen-Tusch nord. plantenavne (1867) 174; triglochin nl. zoutgras Heukel wb. d. ndl. volksn. v. planten (1907) 258. hierher auch suddick, n., 'ein auf dem schlick aufwachsendes kraut' Benzler deichbau (1792) 2, 219; suddek (Wesermündung) züddek (Oldenburg) aster tripolium Pritzel-Jessen 50; brem.-ns. 4, 1087. alle zu sudde 'sumpf, lache' gehörig, sieh dazu s. v. ¹sudel, m.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1936), Bd. X,IV (1942), Sp. 918, Z. 1.

sutt, m.

sutt, m.,
dasselbe wie ¹sud (sp. 912 ff.), wo auch die formen sut (12. jh.) nach Lexer 2, 1328, suot Heinrich v. Neustadt Apoll. 1288 Strobl, suͦt W. Ryff thierbuch (1545) f 1ᵃ, sut J. Balde truckene trunckenheit (1568) 173, Fischart Garg. 252 ndr. neben sudt (wofür weitere belege bei Staub-Tobler 7, 1474 s. v. sutt), die sowohl zu ¹sud wie zu sutt gehören können. wieweit sutt graphische variante von sud ist, läszt sich für ältere belege nicht feststellen, vgl. z. b. sutt (v. j. 1668 und 1692) neben sud (v. j. 1693) in urkunden des Aulendorfer archivs bei Fischer schwäb. 5, 1949 und 2, 337 s. v. trebel; als selbständige bildung neben sud steht sutt im schweizer., wo auch der dialekt z. t. beide formen scheidet, vgl. Staub-Tobler 7, 1475. das 'aufwallen, sieden' wie ¹sud 1, als vorgang und handlung: diesen sulphur ..., weil er nicht wie andere metalle geschmeltzt, sondern nur allein gesotten wird ..., so er durch den sutt ober sich getrieben wird L. Thurneysser m. alchymia 6 (1583) (Thurneysser stammt aus Basel); disz alles vermische, lasz ein starcken sutt thun Fel. Würtz practica der wundartzney (Basel 1612) 110; technisch:
wann dann der weber hat das rohe garn bekommen,
da wird ein heiszer sutt zu vorderst vorgenommen
J. Wetter beschr. d. statt St. Gallen (1642) bei Staub-Tobler 7, 1474;
vgl. mundartlich sutt, m., (plur. sütt) ebda; er (der grenzjäger) war hergebeten worden, damit er die von der finanzwache geschlossene bierpfanne morgen zu einem sutt entsiegele und nichts unbesteuert ins fasz rinnen lassen möge Frz. Michael Felder in: die grenzboten (1867) 26, 2, 497 (Felder stammt aus Schoppernau im Bregenzer Wald). entsprechend ¹sud 2 a 'menge der gesottenen flüssigkeit': einen sutt bier brauen lassen (v. j. 1668) bei Fischer schwäb. 5, 1949; (der bierbrauer hatte der herrschaft zu liefern) von jedem sutt bier den völligen tröber ohne entgelt (v. j. 1692) ebda 2, 337; vgl.'sutt (sût), n., ein sutt bier, ein gebräude bier' Spiesz henneberg. 250. wie ¹sud 1 f 'brennendes gefühl, sodbrennen': venichel nimmt dem magen sein wülen, sein sutt Ortholph arzneybuch (1488) nach Schmeller-Fr. 2, 340, vgl. den beleg aus Ryff sp. 916.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1942), Bd. X,IV (1942), Sp. 1358, Z. 59.

sutte1, sütt, f.

¹sutte, sütt, f.;
dasselbe wie süde, sude, süd, f. (oben sp. 928); hinsichtlich des dentals vgl. das verhältnis von sutt zu ¹sud und sotte zu sode (s. teil 10, 1, sp. 1399). ahd. im compositum salzsuti salina, salsugo (vgl. salzsutino [10. jh.], salzsutten [12. jh.] salinarum ahd. gll. 1, 418, 10 St.-S.), î-(n)-abstractum zu ahd. *sutten (˂ *sudjan), vgl. bair. sütten 'sieden' Schmeller-Fr. 2, 340 sowie unten suttern, süttig; das simplex zufrühest bezeugt im bair. salzgewerk des 14. jh.
1)
der 'vorgang, die arbeit des siedens': unnd ob das wer, dasz die furen an der fure des holtzes sawmig weren ze der sute, des sullent unser obgenante salzmair an allen schaden beleiben (v. j. 1354) bei Lori baier. bergrecht 15ᵇ; wir sullen auch allen gewalt tragen, der beschehen mag, von wasser, von fewr, von lawnen ... oder ob dasz wer, dasz die arbaiter der sute nicht gewarten mochten, von kaltsten, oder ob das pfannhaus verprunne ebda 15ᵃ; dann 'die gesottene menge' salz: die sullen darkeren mit der sutte an suntag on geverde, wanne man fronambt ze Hall gewandelt hat ebda 14ᵇ; als vil sich danne der sute in der wochen vergangen hat, als unser gesworn erfunden, als vil sol in an dem zinse in der selben wochen abgen ebda 15ᵃ.
2)
wie süde (sp. 928), ¹sud 3 (sp. 917) und siede (teil 10, 1, sp. 859) für ein 'gesottenes oder angebrühtes viehfutter', das aus aufgebrühtem trockenfutter wie heu, stroh, häcksel, spreu u. dgl. besteht: sie weren auszgegangen mit körben umb disteln auszzustechen zur sutten Marburger verhörprotokoll v. j. 1539 bei Vilmar Kurhessen 408, vgl. davon abgeleitetes gesütten, vb., und sütten, vb., 'dem vieh angebrühtes futter bereiten oder geben': Wärbl, gesitt dem viech, ich bin kranck (v. j. 1523) bei Schmeller-Fr. 2, 339; dem vih gesütten soll die diern (v. j. 1500) ebda; mundartlich: mia' hàm nix mea' zum sitten (Heanzen-mundart) bei Frommann d. dtsch. mundarten 6, 344. 'sütte, südde, meist sidde gesprochen (in ganz Hessen üblich)' Vilmar a. a. o.; sütte (sitt, sirr) Crecelius oberhess. 829; sütte (serə) Hofmann niederhess. 236ᵇ; 'die sütt (süd, sid Franken) zum absieden oder abbrühen als viehfutter geeigneter getreideabfall oder spreu' bei Schmeller-Fr. 2, 340; sutte spälter (in Nürnberg), s. ztschr. f. d. dt. unterr. 19 (1905) 457; vgl. auch gesud, gesüd (teil 4, 1, 2, sp. 4289) und gesod, gesöd (ebda sp. 4127), sowie sode (teil 10, 1, sp. 1399).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1942), Bd. X,IV (1942), Sp. 1359, Z. 28.

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sühnungsweg
Zitationshilfe
„sütt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/s%C3%BCtt>, abgerufen am 06.05.2021.

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