sache f
Fundstelle: Lfg. 9 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1592, Z. 30
res, causa.
I.
Formales. mhd. sache, ahd. sahha; alts. saka, mnd. nnd. sake; altniederfränk. saka, mndl. sake jünger saecke. Kilian, holländ. zaak; altfries. sake, seke, seike, saterländ. sec, neufries. saeck; ags. sacu, engl. sake; altnord. sök, schwed. sak, dän. sag. das wort ist ein mittelst des suffixes ô gebildetes abstractum und gehört zu goth. sakan, sôk, sakans, streiten (Kluge nomin. stammbildungsl. § 108. Fick vergl. wb.³ 3, 314). weiteres s. untersachen, verb. für das goth. ist eine genau entsprechende bildung nicht belegt, dagegen bietet es eine ableitung aus derselben wurzel mittelst des suffixes jôn, sakjo, streit. 2 Tim. 2, 23. ähnlich weist das ahd. neben sahha ein sechia mit der bedeutung lis, querela, rixa auf (Graff 6, 76), das durch starke flexion als eine jô-bildung gekennzeichnet wird. die flexion von sache ist in den älteren perioden des hd. seiner ableitung gemäsz ebenfalls die starke. beispiele schwacher declination des plur., die im nhd. wie bei allen fem. die regel wird, finden sich schon im 15. jahrh.: sulche sachin. quelle von 1442 bei Kehrein gramm. d. deutschen spr. des 15.—17. jahrh. 1 § 285. schwach flectierte singularformen bietet das ältere nhd.: aber in der sachen selbst des sacraments halben, haltet fest an dem evangelio. Luther 6, 19ᵇ; was hat mein herr könig zu dieser sachen lust? 2 Sam. 24, 3; jr werdet nicht streiten in dieser sachen. 2 chron. 20, 17, daneben aber auch: das jemand ein buch schriebe von meiner sache. Hiob 31, 35; erwecke dich und wache auff zu meinem recht, und zu meiner sache mein gott und herr. ps. 35, 23. ein schwacher nom. sing. sachen (f. und n.) hat sich mundartlich häufig herausgebildet. Schm. 2, 210. Lexer kärnt. wb. 211. Zingerle 48ᵇ. Regel 255. für den nom. acc. gen. plur. wendet Luther neben der schwachen auch noch die alte starke bildung an: da erzelet er dem Laban alle diese sache. 1 Mos. 29, 13; wo einer den andern schüldigt umb einicherley unrecht, es sey umb ochsen oder esel, oder schaf, oder kleider, oder allerley das verloren ist, so sollen beider sache fur die götter komen. 2 Mos. 22, 9; ich ... finde an dem menschen der sache keine, der jr jn beschüldiget. Luc. 23, 14 und daneben: das ... sie alle geringe sachen richten. 2 Mos. 18, 22; was aber schwere sachen weren. 18, 26; müssen wir nach gelegenheit der sachen, zu weilen, die gebot endern. stücke in Esther 6, 7. heutige mundarten geben dem wort im sinne eines collectivums vielfach neutrales geschlecht. Frommanns zeitschr. 4, 224. 5, 111, 62. Schmid 444. Lexer kärnt. wb. 211. Regel 255. s. auch unter 6, b. verkürzung zu sach begegnet schon im mhd.: seind nun diu kelten ist ain sach der vorht. Megenberg 26, 27. auch bei Luther findet sie sich: wenn eine sach fur gericht dir zu schwer sein wird. 5 Mos. 17, 8; bis das man die sach an Darium gelangen liese. Esra 5, 5, ebenso richter 15, 3. 2 Sam. 13, 20. spr. Sal. 23, 11. klagel. Jerem. 3, 36. Hab. 1, 4. häufiger gebraucht er allerdings die längere form: und dauchte David die sache gut sein. 1 Sam. 18, 26; Jonathan und David wusten umb die sache. 20, 39, ebenso 2 Mos. 18, 22. 24, 14. 4 Mos. 27, 5. 5 Mos. 1, 17. 19, 15. 1 Sam. 21, 2. 2 Sam. 14, 20. 15, 11. 1 kön. 11, 27 u. s. w. selten weist die bibelübersetzung die verkürzung in einem andern casus auf als im nom. oder acc.: alles volck sass auff der strassen fur dem hause gottes, und zitterten umb der sach willen. Esra 10, 9. Dasypodius, Maaler 339ᵇ, Schottel 1390 bieten sach als einzige form. Stieler 1654 führt sach und sache an, ebenso Frisch 2, 139ᶜ, der jedoch gleich Adelung und Campe als regelrechte form sache ansetzt. behauptet hat sich die verkürzung in den hochdeutschen mundarten, besonders den oberdeutschen. Schm. 2, 210. Schmid 444. Hunziker 214. Seiler 246ᵃ. Schöpf 573. Kehrein 1, 335. damit zusammen hängt ihre verwendung in der schriftsprache zur andeutung volksmäsziger oder familiärer redeweise:
ich stellt' mein sach auf geld und gut.
Göthe 1, 145.
II.
Bedeutung und gebrauch.
1)
die älteste bedeutung des wortes wird seiner etymologischen verwandtschaft gemäsz 'streitigkeit, zwist' sein. gern wird es bezogen auf den vor dem richter zum austrag kommenden streit, den rechtshandel: ags. wearđ sacu betwux Abrames hyrdemannum and Lothes. gen. 13, 7, ahd. sahha, lis. Graff 6, 77; mhd. die sache oder der kriec. Lexer 2, 564; mnd. alsus quemen de keiser unde de vorsten an ene evenunge, dat men dese sake enden solde vor deme pavese. deutsche chron. 2, 193, 3; der da bi vil sachen und zweidracht .. gewesen ist. deutsche städtechron. 17, 314, 31; und treiben sie (die fürsprecher) daruf, das usz einer kleinen sach ein grosze sach würt, usz einem bechle würt ein groszer flusz. Keisersberg narrensch. (1520) 141ᵇ; wenn ein freveler zeuge wider jemand auftritt, uber jn zu bezeugen eine ubertrettung. so sollen die beide menner, die eine sach mit einander haben, fur dem herrn, fur den priestern und richtern stehen, die zur selben zeit sein werden. 5 Mos. 19, 17; wo eine sache fur sie (die kinder Zadock) kompt, sollen sie stehen und richten. Hes. 44, 24;
ags. hete-nîđas wäg,
fyrene ond fæhđe, fela missera,
singale säce.
Beowulf 154;
alts. endi ni williad êniga fehta giwirkean,
saka mid iro selboro dâdiun.
Heliand 1318;
des gestên ich im bî
unz ich in âne sache
heim bringe mit gemache.
Dietrichs flucht 387.
mit leichtem bedeutungsübergang erscheint das wort in alter zeit auch im sinne von verfolgung, unglück, betrübnis: ags. đæ̂r hê hæfþ eal sâr and sace, hungor and þurst, wôp and hreám. quelle bei Bosworth - Toller 807; alts.
'gi werđat ôk sô sâlige', quađ he,   'thes iu saka biodat,
liudi aftar theson lande   endi lêd sprekad.'
Heliand 1336.
verbunden werden daher sache und sorge:
ags. þær biđ â gearu,
wrađu wan hâlum wîta gehwylces,
säce and sorge.
Elene 1031;
im ags. begegnet die alliterierende verbindung säcce sêcean im sinne von 'streit suchen':
þâ þu færinga   feorr gehogodest,
säcce sêcean   ofer sealt wäter
hilde tô Hiorote?
Beowulf 1990.
der Heliand bietet saka sôkean mit dativ in der bedeutung 'eine klage anhängig machen gegen jemanden':
ef man hwemu saka sôkea, biseggia that wâra,
queđe jâ ef it sî,   geha thes thâr wâr is,
queđe nên ef it nis,   lâte im ginôg an thiu.
1522.
in Ostfriesland sagt man noch heute 'n sake söken tegen êmand, einen streit oder einen grund zum streit oder zur klage suchen gegen jemand. ten Doornkaat Koolman 3, 80ᵇ. eine sache mit einander haben: ich und mein volck hatten eine grosze sache mit den kindern Ammon, und ich schrey euch an, aber jr halfft mir nicht aus jren henden. richter 12, 2; nd. sê hebben saken (streitsachen oder differenzen) mit 'nander had. ten Doornkaat Koolman 3, 80ᵇ; sê hebben de sake mit 'nander ûtmâkt oder ûtfuchten. ebenda. sich aus der sache ziehen, meist nach 4, aber augenscheinlich in dieser bedeutung wurzelnd: das bild der göttin, das Orest zu entwenden gekommen ist, hätte noch alles verderben können, wenn der dichter nicht durch eine eben so einfache als scharfsinnige wendung sich aus der sache gezogen hätte. Schiller 6, 263;
ihr zieht euch aus der sache.
H. v. Kleist 3, 154.
sich gut, leidlich aus der sache ziehen: Felix .... zog sich noch so leidlich aus der sache. Göthe 22, 9. die sache gelanget für dem (heute vor den) richter. persianisches rosenthal 7, 14. richter in eigener sache sein. eine sache anhängig machen, judicio experiri, contendere, rem tentare. Stieler 1655: es verflossen etliche jahr, so war doch die sach, wie man pflegt zureden, noch nit recht anhängig gemacht. Schuppius 770. eine sache ist anhängig, schwebt vor gericht, wo sache ebenso wie in der vorigen wendung häufig im sinne von 2 als 'vergehen' oder in noch abgeblaszterer bedeutung als 'angelegenheit' angewandt wird: die sache ist schon anhängig und kann eine sehr böse wendung nehmen. Göthe 24, 332. in gleichem sinne die sache hanget vor gericht. Stieler 1665. veraltet ist die folgende fassung: ain arme witwe, die hatt lange zeit ain sach am rechten gehabt hangen. Pauli schimpf u. ernst (1546) 24. in der verbindung in sachen scheint sachen dat. sing. zu sein (vergl. Luther 6, 19ᵇ unter I): die acten in sachen des A. gegen B. freier wie in betreff: in sachen aber, unser seligkeit betreffende, lassen sie es dahin schlentern, und denken nicht einst an gottes wort. Butschky Pathmos 461; in sachen des geschmacks wird er (der realist) dem vergnügen, in sachen der moral der glückseligkeit das wort reden. Schiller 10, 516; Wilhelm (Humboldt) ist mir zuerst durch seinen briefwechsel mit Schiller widerlich geworden und durch seine hölzerne speculation in sachen der kunst und ästhetik. Grillparzer 14, 163;
in sachen blosz des rechts, und was noch sonst
des kühlern blicks bedarf und diesz papier benennt,
stell' ich an ihre seite zum genossen,
der auch im rathe sitzt.
5, 187.
eine sache geht mich an, meist nach 4: es ist dein sach, der handel geht dich an. Maaler 339ᵇ; kümmere dich nicht um sachen, die dich nichts angehen. eine sache gewinnen, verlieren: aber er gewann kein sach. Pauli schimpf u. ernst (1546) 24; sein sach verlieren. Maaler 340ᵃ; die sach gewunnen geben, hastam abjicere Dasypodius, also vom standpunkt des gegners aus. wir sagen verloren geben. eine sache entscheiden, zu einem urtheil bringen: die herren .. künden die sach nicht zuͦ einem urtheyl bringen. Lindner Katzipori 55 Lichtenstein.
2)
die quelle, das wesen, der grund des streits, der gerichtlichen verfolgung, der thatbestand, die schuld, das vergehen. fügungen wie das unter 1 erwähnte eine sache suchen vermitteln den übergang. ähnlich heiszt es eine sache zu, wider jemanden finden: ich hab ein mal eine rechte sach wider die Philister. richter 15, 3; wie wöllen wir jn verfolgen, und eine sache zu jm finden. Hiob 19, 28; hab ich verachtet das recht meines knechtes oder meiner magd, wenn sie eine sache wider mich hatten. 31, 13; derhalben trachteten die fürsten und landvögte darnach, wie sie eine sache zu Daniel funden, die wider das königreich were. Dan. 6, 4; mnd.
hadde ick anders nene sake to dy
desser suluen is ghenoch twisschen dy unde my.
Reineke de Vos 4301 Prien.
so tritt das wort dann in die obige bedeutung über: altnord. fyrir sakir skyldi niđr falla þriđjungr gjalda. quelle bei Cleasby-Vigfusson 620; altfries. ni thia Saxa thene Fresa biswerigia umbe enes otheres seke (propter culpam alienam). gesetze d. Brokmer bei Richthofen 150, 15; und do er (Pilatus) dicz het gesagt, er gieng aber aus zu den Juden, und sprach zu in: ich find kain sache an im (οὐδεμίαν αἰτίαν εὑρίσκω ἐν αὐτῷ. Luther: schuld). cod. Teplensis Joh. 18, 38; do gieng Pilatus wider aus zuͦ den Juden und sprach: ich find kein sach an jm. spiegel menschl. behaltnusse (1492) 91ᵇ;
wer ein guter wirth seyn wil
und die ehre nach sich ziehen,
setzet stündlich ihm ein ziel,
da er seine schuld und sachen
unverklaget gut kan machen.
Opitz 2, 134.
das altsächs. weist die allitterierende formel saka endi sundea auf, in der sünde in ähnlichem sinne erscheint:
ni weldun derƀeas wiht
under man-kunnie   mênes gifrummean,
ne saka ne sundea.
Heliand 85;
he haƀad maht fon gode
that he alâtan mag   liudeô gihwilîkun
saka endi sundea.
1009.
ebenso heiszt es im ags., der bedeutung 1 sich nähernd:
þâ wäs synn ond sacu   Sweóna ond Geáta,
ofer wîd wäter   wrôht gemæne.
Beowulf 2473.
heute ist diese anwendung von sache vergessen.
3)
wesen und ursache des streits, des rechtshandels in der auffassung und darstellung des einen der betheiligten, die überzeugung, die er vertheidigend oder anklagend vertritt. so werden aus einer sache durch die verschiedene auffassung der parteien zwei sachen: man begnügte sich also auf beiden seiten einen vertrag zu stande zu bringen, wodurch die sachen in eine art von gleichgewicht gesetzt wurden. Wieland 6, 323. man vertheidigt in diesem streite die sache des A. gegen die sache des B. es heiszt oft mit überschwanken der bedeutung nach 4 eine gute, schlechte, böse, ehrliche, gerechte, verzweifelte, verlorene sache: gute sachen dörffen bey erbarn und verstendigen nicht vil procuratoren. Mathesius Sar. (1571) 21ᵇ; gute sachen dürffen auch beide für dem richtstul, und auff der cantzel, und wenn man zumal mit oder bey den widersachern zu handeln hat, guter pflaster, wie das schöne sprichwort laut: ein glimpflich man teuscht vil leut. 132ᵇ; es ist kein sach so gut, man kan sie heimlich bösz machen. Henisch 462, 13; es ist besser inn einer gerechten sachen überwältiget werden, dann übel nachgeben. 1381, 57; es ist eine böse sache, da man gnade begehrt. Schottel 1141ᵇ; in unheilbare wunden hab ich doch wenigstens stillenden balsam gegossen — mächtige frevler in staub gelegt, und die verlorne sache der unschuld oft noch mit einer bulerischen träne gerettet. Schiller kabale u. liebe 2, 3; die gute sache würde leiden, wenn man unsere absicht zu früh entdeckte. Göthe 14, 272. eine verzweifelte sache haben: wenn es vor dem richterstuhle der wissenschaften auf die anzahl ankäme, so würde ich eine sehr verzweifelte sache haben. Kant 8, 9. freier: o! da hats gute sache, da ists gut. Lessing 2, 401. eine sache führen, vertreten, verfechten, vertheidigen:
wenn der könig
dich nicht mehr kennen will, so musz ich jenseits
der Pyrenäen bürger kommen lassen,
die unsre sache führen.
Schiller don Carlos 4, 9.
für eine sache kämpfen, kriegen:
wird sie stets zum tapfern sich gesellen,
der für die gerechte sache kriegt?
Bürger 109 Sauer;
kämpften sie
für eine gute sache doch.
Schiller Piccol. 4, 5.
jemandes sache zu der seinen machen. mit jemandem gemeine, gemeinschaftliche, éine sache machen: gehet hin zur rechten und linken — wir wollen ewig niemals gemeine sache machen. Schiller räuber 5, 2 schauspiel; diese schauder der bangigkeit müssen in einen rühmlichen eifer erwarmen, mit diesen patrioten und mir éine sache zu machen, und die tyrannen von grund aus zu stürzen. Fiesco 4, 6; in der Lombardei stand eine mächtige spanische armee, die seine absichten unterstützen konnte, sobald der stadthalter von Mayland gemeine sache mit ihm machte. 4, 121. jemandes sache steht gut, schlecht u. ähnl., oft ganz im sinne von 4: so stand die sache, als die Himlysche familie zu einem ihrer nachbarn zu abend gebeten ward. Klamer Schmid kom. erz. 342; morgen früh soll schon die sache anders stehen. F. Müller 3, 176;
die wîle daʒ er leben sol,
sô stêt iuwer sache wol.
Hartmann v. Aue arm. Heinrich 622;
ja wann dein sach steht wol und fein,
so werden viel freund umb dich sein.
Alberus fabeln 57.
ebenso mit plur. des subst.:
.. unsere sachen stehen gut.
Schiller Piccol. 4, 4.
ähnlich eine sache liegt so; die sache nehmen wie sie liegt:
ihr nehmt
die sache völlig wie sie liegt.
Lessing 2, 280.
seiner sach wol vertrauen. Maaler 340ᵃ. seiner sache gewisz sein:
so gewisz
ist Nathan seiner sache?
Lessing 2, 176.
4)
in weiterer entwicklung der vorigen bedeutung allgemein dasjenige, was jemand zu vertreten, zu vollbringen, zu thun hat, sein auftrag, seine aufgabe, seine pflicht, seine obliegenheit: seine sache werben, seinen auftrag auszuführen suchen, in älterer sprache: ich wil nicht essen, bis das ich zuvor meine sache geworben habe. 1 Mos. 24, 33. eine sache ausrichten: wer eine sache durch einen thörichten boten ausrichtet, der ist wie ein lamer. spr. Sal. 26, 6. unverrichteter sache oder sachen: (die schiffer) kehrten unverrichteter sachen zurück. Schiller 9, 63;
und also, um es kurz zu machen,
kehrt unverrichter sachen
herr Gries zurück woher er kam.
Wieland 18, 316.
seine sache machen: nun aber mache deine sache. Göthe 14, 99. seine sache oder sachen gut, schlecht, wohl, übel, klug u. s. w. machen: mache deine sache klug! Weisze lustsp. 2, 47; mögen doch andre ihre sachen wohl oder übel machen! wir wollen unsrer eigenen angelegenheiten wahrnehmen! Wieland Lucian (1789) 6, 323; sie .. betrübte sich darüber nur destomehr, als sie glaubte, dieszmal ihre sache recht gut gemacht zu haben. Göthe 18, 215; der mensch machte von ganzem herzen einen albernen bückling, sodasz der graf laut über ihn lachen muszte, und ausrief: er macht seine sachen excellent! 240; mach' deine sachen gut. Fr. Müller 3, 249; wird er nicht gerade in dieser stunde im heutigen bal masqué seine sache recht gut machen? J. Paul Titan 1, 109;
mein Gretchen sieh! du bist noch jung,
bist gar noch nicht gescheidt genung,
machst deine sachen schlecht.
Göthe 12, 196.
etwas ist jemandes sache, ist seine angelegenheit: zu verhüten, dasz jenen dieser innere vorwurf nicht verdienter weise treffe, ist nun zwar eben nicht meine pflicht, sondern seine sache. Kant 5, 220; einzelne glieder (des staates) mögen immer das opfer ihrer eigenen thorheit werden; das ist ihre sache. Wieland 6, 154; gegen diese miszstände einzuschreiten ist sache des staats. im bilde: während alles philosophieren auf selbstdenken .. beruht, ist alles juristische die sache des erlernens. Hugo naturrecht (1819) 1;
schaff mir ihre handschrift,
wie du dazu gelangen magst, ist deine sache.
Schiller Piccol. 2, 6.
manchmal geht hier die bedeutung von sache aus der von 'aufgabe' in die von 'eigenthümlichkeit' oder 'fähigkeit' über: war zu vermuthen, dasz die kenntnisz dessen, was zu thun, mithin auch zu wissen jedem menschen oblieget, selbst des gemeinsten menschen sache sein werde. Kant 4, 23; das beharren ist nicht seine (des sanguinischen) sache. 10, 320; nachsinnen ist in der that nicht jedermanns sache. Wieland 11, 296; er (mein vater) streichelte und koszte den nacken, der gegen ihn störrisch zurück schlug. streicheln und kosen ist meine sache nicht. Schiller räuber 2, 2 schauspiel;
ja, gut erzählen, das ist nun
wohl eben meine sache nicht.
Lessing 2, 276;
in den wind zu schwätzen,
war seine sache.
Kl. Schmid 210.
seine sache auf etwas setzen, stellen, etwas zur grundlage seiner aufgabe, seiner pflicht, seiner handlungsweise machen: setzt sein sach auf die flucht. Keisersberg has im pfeffer Aa 6ᵈ;
ich hab' mein sach auf nichts gestellt.
Göthe 1, 145;
ich setzt' mein sach auf kampf und krieg.
146.
5)
die bedeutung 3 verallgemeinert sich weiter zu der von 'angelegenheit' in allgemeinstem sinne. in ähnlicher weise entwickelt sich die bedeutung 1 zur umfassenderen von 'handel, geschäft, angelegenheit': denn die furcht gottes, machet weislich thun in allen sachen und gottes gebot, leret klüglich faren in allem handel. Sir. 19, 18; wir wollen gemeinschaftlich unsere sachen weiter überlegen. Lessing 1, 242; die sache ist ernsthafter als du dir vielleicht einbildest. Wieland 11, 128; es ist auch keine sache bei der man sich betrügen kann. 378; die sache droht langweilig zu werden. Schiller an Göthe brief vom 1. nov. 1799;
die sachen aller menschenkind
hangen an einem faden hint,
was jetzt ist starkh frisch und gesund,
durch kleinen unfall gehet zu grund.
quelle von 1624 Germania 15, 104;
er (gott) mags mit seinen (l. meinen) sachen
nach seinem willen machen.
Fleming (1666) 287;
die sache scheint mir ernsthaft.
Kleist 3, 151.
der sache eins werden, wie des handels eins werden. verhüllend: der bawer hett ein groszen son, der macht mit den zweyen jungen schwestern in der samlung besondere kundschafft, das sie der sachen eins wurden. Frey gartengesellschaft 66ᵃ. hier schimmert wie in den meisten hierher gehörigen wendungen die alte bedeutung von sache 1 noch durch. weiteres s. daher dort. das ist eine schlimme, böse sache, familiär eine faule sache. öffentliche sachen wie öffentliche angelegenheiten. es ist eine schöne, schlimme u. s. w. sache um etwas, mit etwas: dasz es eine hundsföttische sache ums lügen ist. Lessing 1, 555; was ists doch eine edle sach' um ein gut tröpfchen. F. Müller 1, 163; mit dem vertrauen ist es eine wunderliche sache. Göthe 49, 61. ähnlich: allein es bleibt auf den meisten theatern mit den nebenrollen überhaupt so eine sache. 38, 176. eine ausgemachte, beschlossene sache: sobald es aber eine ausgemachte sache war, dasz der sohn dem vater auch in dem lehen folgte, so wuszte der vasall, dasz er für seine nachkommenschaft arbeitete, indem er sich dem unmittelbaren herrn ergeben bezeugte. Schiller 9, 236;
bey'm groszen gott des himmels! es war nicht
mein ernst, beschloszne sache war es nie.
Wallensteins tod 1, 4.
6)
die bedeutung 2 wird ausgedehnt, indem das wort anwendung findet auf alles, was anlasz zu irgend einer verhandlung, erörterung bietet, was gegenstand derselben ist oder werden kann.
a)
allgemein das wesentliche bei irgend einer verhandlung, einer erörterung, der gegenstand, der inhalt derselben oder ihr anlasz: merckt auff die sache davon ich rede. Hiob 13, 6; wer das beste zur sache redet, von dem redet man widerumb das beste. Sir. 6, 5; getroffen, getroffen, guter Democrit, diesz ist die sache. Wieland 19, 210. zur sache dienen, gehören: die unnützen wesscher plaudern, das nichts zur sachen dienet, die weisen aber bewegen jre wort mit der goldwage. Sir. 21, 27; eine menge fremder, nicht zur sache gehöriger erwägungen. Kant 4, 23. etwas zur sache thun, beitragen: also geschieht, dasz sie .. in diesen sachen .. welche das meiste zu der sach thun, nichts erfahren. Schuppius 766; diese briefe sind wirklich geschrieben; an wen? thut hier nichts zur sache. Schiller 10, 274. die sache ist, dasz ..: die sache ist nur, dasz sodann die ganze aufgabe von dem ursprunge der sprache, keiner reinen philosophischen auflösug mehr fähig ist. Lessing 10, 4; in heutiger umgangssprache die sache ist die, nämlich die. die sache selbst, an sich selbst: in dem etliche dafür halten, es seye genung, wenn sie nur schlechter dinge, wie die sache an sich selbst ist, reden. Schuppius 417; und wenn dieser fehler sich bey den verfassern der neuen gattung von komödie findet, so musz man die schuld nicht auf die sache selbst legen. Lessing 4, 145. etwas liegt in der natur der sache. der sache auf den grund schauen: ist es ein wunder, dasz ihr alles in einem falschen licht sehet, weil eure augen sich nicht bequemen wollen oder können, der sache auf den grund zu schauen? H. L. Wagner frohe frau 13. eine sache bei lichte besehen. zur sache, auf die sache selbst kommen: nun auf die sache selbst zu kommen, so musz ich bekennen, dasz nicht sowohl die körperliche ausdehnung meines schauspiels, als vielmehr sein inhalt ihm siz und stimme auf dem schauplaze absprechen. Schiller 2, 5. zur sache sprechen. zur sache! als aufforderung: also nichts mehr hiervon, und zur sache! Wieland 6, 257;
zur sache, wenn's beliebt.
Schiller Piccol. 2, 7.
bei der sache bleiben: dasz wir stets .. bei der sache bleiben sollten. J. Paul Titan 1, 62. sache im gegensatz zur form: auch in seinen schriften ist ihm (Scharnhorst) die sache alles, die form nichts. Treitschke d. gesch. 1, 283. im gegensatz zu worten: es ist überaus merkwürdig, dasz, je mehr man seine gemeinsten und zuversichtlichsten urtheile durchforscht, desto mehr man solche blendwerke entdeckt, da wir mit worten zufrieden sind, ohne etwas von den sachen zu verstehen. Kant 1, 47; ein vorgeblich errichtetes völkerrecht, welches ein wort ohne sache ist. 5, 455.
b)
gegenstand, in sinnlicher bedeutung, soweit er anlasz zu streit oder verhandlung geben kann. sache wird vor allem gebraucht von dingen, die jemandes eigenthum sind, besonders von beweglichen, jedoch auch, zumal in älterer sprache, von liegenden gütern: et constituit eum ... principem omnis possessionis suae, unde sazta in ... ze alewalten sînero sachon. Notker ps. 104, 21; ihre sachen, es seyen mobilien oder ligende güter. Schuppius 721; es seyn eltern, welche gegen ihren kindern nicht freygebig seyn, aber es ist gewiszlich ein schädlicher fähler, denn es macht ... das, wann sie (die kinder) einen überflusz der sachen bekommen, mehr zum wollust geneigt seyn. 732; sie will nichts von ihren sachen hergeben. Weisze lustsp. 2, 48; madam Freemann hat verschiedenes von ihren schönen sachen .. versetzt. 61. in einer allitterierenden verbindung mit der siebenzahl: seine sieben sachen, seine geringe habe, kleider, möbeln, gerätschaften (vgl. sieben). auch auf geistiges eigenthum, geisteserzeugnisse findet das wort anwendung: ich lese nun meine sachen hier vor und schäme mich von herzen, indem man sie bewundert. Göthe an frau von Stein 26. dec. 1786; meine sachen, die so viel beifall gefunden hatten, waren kinder der einsamkeit. werke 26, 314. sachen dann von gegenständen des handels, waaren: die boutiquen wo grüne sachen verkauft werden, wo rosinen, melonen und feigen aufgesetzt sind, erfreuen das auge auf das allerangenehmste. 28, 271. in älterer sprache begegnet ein collectiver gebrauch von sache im sinne von 'vermögen, einkommen' u. dergl.: also war ich nun wieder kalender-schreiber und hatte sehr gute sache, welche mir dann auch trefflich zuschlug. Simpl. 2, 304, 22 Kurz. ähnlich gebrauchen heutige mundarten sache als fem. oder neutr. wie besitz, vermögen, vieh, gerät u. s. w. Schm. 2, 210. Frommann zeitschr. 4, 424. Schmid 444. Hunziker 214. Schöpf 573: du weiszt nicht wie weh es thut, wenn das sach vor der thüre zu grunde geht. Auerbach dorfgesch. 4, 332; die frau hat eine schöne sach. Schmid 444; er luegt zu dr sach, trägt sorge zu seinem vermögen. Hunziker 214. Seiler 246ᵇ; er hett sache z'gnueg. ebenda; er hett si sach inn der ornig, seinen haushalt. ebenda; seine sach verthun. Schöpf 573; einen um seine sach bringen. ebenda; sach gnue! sagen die gäste beim mahle. Schmeller 2, 210; dr wirt git d'sach rëcht. Hunziker 214; d'chüe händ ire sach, ihr futter. ebenda. durch das fehlen der ausdrücklichen beziehung auf den besitzer wird ein freierer gebrauch des wortes vermittelt: der kanzler ... forderte ihn auf, auch über die übrigen im bündel befindlichen sachen nach seinem gutdünken zu schalten. H. v. Kleist 4, 91;
siehst du? sind neue völker herein.
bringen beut mit, die rarsten sachen.
Schiller Wallenst. lager 1.
daher dann ganz wie gegenstand, ding: dasz, sage ich, die damen gleicherweise grobe sachen essen, nicht um satt zu werden ..., sondern um zu zeigen, dasz sie selber keine schau- oder schein-körper sind. J. Paul Katzenb. 1, 94. sache im gegensatz zu stoff, materie: das handelnde, durch seine tugend, bewegt und verwandelt die materie, dasz sie eine sache werde. Göthe 53, 97;
ihr kinder der natur
geht einen weiseren weeg. saltz, schwefel und mercur
sind euer fester grund; die, wie sie alle sachen
zu diesem was sie seyn, und eignen dingen machen
und so ihr ursprung sind, so auch ihr ende seyn.
Fleming 84.
Kant definiert in der rechtslehre sache als ein ding, was keiner zurechnung fähig ist .. ein jedes object der freien willkühr, welches selbst der freiheit ermangelt, heiszt daher sache. 5, 23. nach Sohm institutionen des röm. rechts (1888) 200 sind sachen im rechtssinn die der menschlichen herrschaft erreichbaren, als ganzes selbständig existierenden körperlichen dinge. wie aus vorstehendem ersichtlich ist, stimmt der sprachgebrauch im allgemeinen zu der rechtlichen bedeutung. man würde z. b., wie Campe richtig bemerkt, sterne nicht sachen nennen. aber da der rechtliche begriff fast alles körperliche umfaszt, so ist ein derartiger übergang in die allgemeinere bedeutung 'gegenstand', wie er in der angeführten stelle bei Göthe 53, 97 vorliegt, leicht zu erklären. personen und sachen sind im allgemeinen gegensätze: dies verbum regiert den accusativ der person und den genitiv der sache, doch auch die person kann zur sache werden, wenn sie der freiheit ermangelt, wenn sie object der freien willkür wird (vgl. Kant 5, 23, die stelle s. oben): soweit war es gekommen, dasz man die person des monarchen blosz als eine sache betrachtete, die an sich selbst nichts bedeutete, aber in den händen derer, welche sich ihres besitzes rühmten, ein furchtbares instrument der macht werden konnte. Schiller 9, 307. die allgemeine verwendung im sinne von 'ding' schlechthin erleichtert eine übertragung dieser bedeutung auf unsinnliches gebiet, die sich mit 6, a berührt: einem tausend süsze sachen sagen. Adelung; auch sag' ich ihnen nicht so viel schöne sachen. Göthe 10, 53.
c)
vorfall, geschehnis, that, thatsache: zween herren kamen darvon, die auch bey sr. gnaden gewesen, .. von denen ich selbs gehört, wie die sachen (der überfall) zu sey gangen. Götz v. Berlichingen 44; ich habe dir noch eine weit lustigere sache zu erzählen. Weisze kom. opern 1, 167; izt findet man anspielungen auf sachen, die ein paar hundert jahre nachher geschahen. Schiller 2, 372; dasz er (Ferdinand) der bürgerkanaille den hof macht — flatterien sagt — auch meinetwegen empfindungen vorplaudert — das sind lauter sachen, die ich möglich finde. kab. u. liebe 1, 5; was das für sachen sind, thörichte handlungen, dumme streiche; den hergang der sache erzählen;
frau Fama gehet vor, und bläst des helden sachen,
die thaten, die für sich ihn herrlich können machen
in gantzer gegend aus.
Fleming 139.
in älterer sprache begegnen ungemein häufig die wendungen ist es sache, sach, ist sach, ist es thatsache, ist es der fall, auch conjunctivisch sei es, wäre es sache: vil sprechent das die hunt nit mügen beleiben on die menschen und das sy töbig werden, sey es sach, das sy komen aus der lewt wonung. Megenberg bei Schmeller 2, 210; ist aber sach, das er geschossen wirt, so soll man den pfeil suchen mit einer zangen. H. Braunschweig chirurgia (1498) 29ᵇ; ist es sach, das dir der feind zufiegt oder intragt fantasyen und gedenk wider etliche warheiten des gloubens. Keisersberg christ. kunigin ee 2ᵇ; mnd. iss et sake dat yd dem rade nicht behagede dat stoveken umme ses gosslersche penningk to tappen, so schal me dat unsen borgeren ghunnen. d. städtechron. 16, 356, 10; ists aber sache, das ein weib mit der geburt so gar unversehens ubereilet würde, und das kind so schwach were, das es verscheiden möchte, ehe sie jemand dazu künde ruffen, in diesem fall mag sie das kind allein teuffen. Luther 8, 45ᵇ; wäre auch sache, dasz dem spital anliegende gründe .. entwendet (wären). briefe 5, 798; ist es sach, dasz herzog Reichart wirt gehangen. Aimon A 2; ist sach dasz ein blind aim andern blinden den weg wiset, fallen si beid in di gruͦben. Schade sat. u. pasqu. 3, 8, 19; ist sach dasz mich (Christus) einer lieb hat, so wirt er mine red behalten. 26, 29; ist es sach, dasz du mir dasz zeigest, so wil ich dich reichlich begaben. buch d. liebe 183, 1; ist es sach, dasz du mir nicht leistest oder heltest, das du mir geschworen hast, so solt du mich warlich verlieren. 201, 3; wehre es sache, dasz der benachbarte potentat wider einen printzen was böses im sinne hätte. Butschky Pathmos 887;
ist sach, das sie hat ainn kloben,
damit man rotkröpf fahen kan,
so ist sie zeitig zu einem man.
fastn. sp. 749, 31;
so bit ich dich feins megdelein,
erharre mein noch ein jar,
ist es sache das ich dich nemen wil,
das soltu werden gewar.
Ambras. liederb. 68;
were es nun sach dasz es (das geld) vorloren
oder von den feinden gefunden worden,
so werde ich vor got und der welt zu schant.
Schade sat. u. pasqu. 1, 73, 197;
ists aber sach, das du ein christ,
jtzund von guten gwissen bist,
hast bus gethan, und lebest nu,
in gottesfürchten immerzu ...
so danck dem herrn für solche zier.
Ringwald laut. warh. 186;
wers aber sach, das sie (die obrigkeit) bisweil,
auch an jr het ein menschlich theil ...
als solt jr nicht die herrschafft bald
(gott geb sie sey jung oder alt)
verfluchen.
302;
ists sach dasz eine begert mein,
so will ich halt jr eigen sein.
Ayrer 283, 23;
ist sach, dasz wir nicht wider kommen
und du wolst heyraten widerumben,
nicht lenger dann ein halbes jahr,
so darffst dich umb uns nimmer gremen.
1102, 4;
doch aber, ist es sache,
dasz etwan jener freund uns heut' ein gast-mahl mache,
der auch heiszt so, wie du, so sey mit dem vergnügt,
dasz sich ein jeder dann auf morgen zu dir fügt.
P. Fleming 69.
ob es, wenn es sache wäre: ob es sach wär, das dir got sein barmherzigkeit ein zeit verzüg (entzöge). Keisersberg christ. künigin aa 2ᵇ; wenn es sache wäre, dasz ihr keine andere sünde mehr begangen hättet, als hurerey und ehebruch, so wäre diese einige sünde ein solches greuel vor gott, dasz um derselben willen, der himmel für euch wird zugeschlossen werden. Schuppius 520. wäre es denn sach in ähnlichem sinne: wer es denn sach, dasz ich euch diesen ring schickt, so sey gwisz, dasz ich mit todt abgegangen bin. buch d. liebe 256, 1. es sei, es wäre denn sache, es müszte denn der fall eintreten: es ist ausz und mit uns geschehen, es sei dann sach, das wir uns anderst in die sach schicken, ander leben und sitten an uns nemen. Aventinus chr. 1, 60, 20 Lexer; es sol kain münch kain pfarr mer besitzen, es sei dann dasz er alle nacht in sein closter kommen mag, es were dann sach dasz ain closter so arm were, dasz im sölichs ausz der noth zuͦgelaszen würde. Schade sat. u. pasqu. 3, 147, 1; es wer dan sach, dasz es die ... kirch also gebotten het. Fischart bienenk. 30ᵇ; wir wöllen in das heylige land fahren, es sey dann sach, dasz uns der wind widerwertig seyn wil. buch der liebe 5, 4; kein mensch vermag meinen vatter zu fahen, es wer denn sach, dasz er von seinem rossz Pontifex verlassen würde. 23, 4; ich hab es nit vergessen, das ich euch verheiszen habe, es sey denn sach, dasz die statt Prag entschütt werde, so wil ich euch mein mumen zu einem weibe geben. 272, 1; es wär dann sach dasz der ort ... von natur befestiget würde. Kirchhof milit. discipl. 129; es were denn sache, dasz ihr sagen woltet, dasz sie die schaafe nicht schären, sondern gar die haut abziehen thäten. Schuppius 417; dieweil aber weder notarien noch zeugen dabey gewesen, hoffe ich, er solte wieder revocirt werden, vornemlich weil alle heurat zu fortpflantzung guter freundschafft gestiftet würden, es wäre dann sache, dasz er mir seine tochter wie Pythagoras die seinige verheurathet hätte. Simpl. 1, 340, 14 Kurz;
da sag ich nein, es sey denn sach,
dasz du beweisest offentlich
dein meynung.
E. Alberus 158ᵇ.
über die merkwürdige, aus niedriger sprache belegte adverbiale fügung sen sach vgl. Palm in Frommanns zeitschr. 6, 185 fg.
7)
auf die unter 2 angeführte bedeutung geht auch die der älteren sprache angehörige verwendung im sinne von ursache, grund zurück, wo in neuerer zeit das simplex durch das compositum verdrängt ist: dhiz ist diu sahha Christes chiburdî, haec est causa nativitatis Christi. Isid. 27, 15; des slâfes sache ist der tievel. Leyser pred. 1, 8; er (der storch) cläppert auch von drein sachen. Megenberg 175, 9; diz muget ir sprechen daʒ her beginnen got sî, und daʒ her sî ein êrste sache aller dinge. d. mystiker 1, 254, 32; sey daʒ ich dein (der mutter) sun pin aber mein vatter ist deu maist sach meiner gepurt. gesta Roman. 1 Keller; west du die sach ze sagen der plinthait und ein ertzney dar zuͦ ze geben. 124; das ist die sache darumb Josua beschneit alles volck. Jos. 5, 4; das ist die sache darumb er die hand wider den könig auffhub. 1 kön. 11, 27; weil sie (die feinde Christi) sich ins hertz schemen müssen, .. das sie keine sache haben jrs zorns, wütens, und rachgirs, so faren sie zu putzen, und schmücken sich, errichten eine sache, nemlich das gottes wort auffrhur mache, und sei gemeinem friede schedlich. Luther 5, 55ᵃ;
dô diu sach wart hin geleit
sîns smerzen, dô wart er gemeit.
Boner edelst. 47, 51.
ohne sache, ohne grund: anu sahha, sine causa. Graff 6, 77; von dem (abte) sagete man, das er nie gelouc, noch geswur, noch envluchede keinen menschen, noch redete mit nieman ane sache. veter buch 9, 30; darumb solt ir disz on neid vertragen, wan es on sach nit geton noch beschehen ist. Tristrant u. Isalde 134, 17; nympt ein mensch ab von tag zu tag und schwindet an dem leib an sach der stirbet schir. Ortolff v. Bayrlandt arzneib. (1477) 13ᵇ; des er nie keins gesehen hat, und ist on sache auffgeblasen in seinem fleischlichen sinn. Colosser 2, 18; on sachhaftig sach, ohne triftigen grund. quelle bei Schmeller 2, 210 Frommann;
wie hat ir di verschalden (verstoszen)
gar an alle sache
von ir husgemache
rehte als ob si were
an eren wandelbere?
leben der heil. Elisabeth 6149.
in gleichem sinne sunder sache: wan isz geschicht sunder sache kein ding. d. städtechron. 17, 53, 3;
warumme in (den tod des Stephanus) aber die christenheit
uf ienen tac habe geleit
zu nehest bi winachten,
daruf sal man trachten,
wand eʒ niht sunder sache enstat.
pass. 46, 49 Köpke;
dhe iren vater sunder sache
hette gemordet und irslagen.
d. chron. 2, 539, 6437 mon. Germ.
durch die sache, aus dem grunde, deshalb:
du gibest eʒ durch die sache,
wand du eʒ nicht mit dir maht tragen.
pass. 27, 2 Köpke.
durch sache, mit grund:
durch sache han ich daʒ getan,
als ich uch wil bescheiden.
30, 30.
8)
ebenfalls nur der älteren sprache gehört eine verwendung des wortes an, in der es in verblaszter bedeutung wie 'art, weise' erscheint:
pusîne unt ander schal
ûf dem palas erhal
mit vrœlîchen sachen.
Parz. 627, 21;
mit leisen sachen (leise).
H. Sachs 5, 374ᵃ;
aer (der bösewicht) fal selber verdînter sach
in di gruͦben ab, das aer krach.
Melissus ps. O 5ᵃ;
(gott) laszt uns durch den genesen,
der für uns sterben mus recht unverschuldter sach.
Rompler v. Löwenhalt 25.
9)
besonderes: sache verhüllend für menstruation, landschaftlich. Adelung. ten Doornkaat Koolman 3, 80ᵇ. Seiler 246ᵇ. Lessing 5, 339 will das epigramm Logaus
wer jetzund berathen wil die vergangne sachen;
der wird junge weiber auch ausz den alten machen.
1, 40, 53
aus dieser bedeutung erklären, jedoch wol mit unrecht. seine sachen verrichten, ein bedürfnis verrichten. Adelung, ebenso seine sache machen.
Zitationshilfe
„sache“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sache>, abgerufen am 17.08.2019.

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