sammt, samt adv
Fundstelle: Lfg. 10 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1753, Z. 67
und präposition, simul, una cum; zusammengezogen aus mhd. sament, ahd. samant, daneben samet, samit Graff 6, 42. das n scheint sekundärer entstehung zu sein, sodasz goth. samaþ, ags. samod, alts. samad, samod, simul verglichen werden können. durch zusammenziehung, auftreten anorganischer consonanten, erweiterung entstehen mannigfache formen; sant:
swer sant mir var von hûs, der var ouch mit mir hein.
Walther 30, 26;
wir rouffend und slahend si alle sand (im reim auf gewand).
teufels netz 322;
drum rufet gott an alle sant.
B. Waldis Esopus 2, 50, 29;
ich und du wir beede sandt.
Ayrer 1551, 3 Keller;
mundartlich: allsant, alle zusammen, allssant, alles zusammen Schm. 2, 276, erweitert santer, sander:
ihr habt vor weiber beede sander (im reim auf ander).
Ayrer 945, 11 Keller.
mit entwickelung eines labiallautes hinter m sampt (so in Luthers bibelübersetzung): ich sollt alle heilige väter sampt zumal leugnen. br. 1, 303; erweitert sampter:
sie sprach: als wir beyde sampter,
sassen im gras da bey einander.
Ambras. liederb. 241, 45.
ein s tritt hinzu: samst Frischbier 2, 246ᵇ (so auch in Schlesien); sammets Jecht 90ᵇ. sam im sinne von sammt (wie auch umgekehrt, s. den folgenden artikel):
unser haut, fleisch und gebeine
wird uns schöner und verklärt, sam der seele, wieder geben.
Logau 2, 54, 1.
1)
als adv. im ausgebildeten nhd. wol nur in der allitterierenden formel sammt und sonders (vgl. sämmtlich und sonderlich): samt und sonders, omnes et singuli Stieler 1676 (vgl. die zusammensetzung allesammt): die iez gemelten geistlichen, sampt oder sonder. Schade sat. u. pasqu. 3, 72, 10; jr all .. solt sampt und sonders hie sein meine liebe schuler. Fischart Garg. 17ᵇ;
traun, dann würden die götter samt und sonders
mich, im hohen Olymp, ein wenig neiden.
Hölty 83 Halm.
in alter sprache in ungebundener anwendung:
wir müeʒen immer sament wesen.
Hartmann v. Aue büchlein 1, 1032.
sament hingeben, im groszen verkaufen Schmid 446. in verbindung mit ordinalzahlen wie sonst selb: da oft ainer sambt zechender und zwelfter sich muess erhalten. quelle von 1560 bei Lexer kärnt. wb. 212.
2)
als präposition im sinne von una cum, mit nachfolgendem dativ: die klugen (jungfrauen) aber namen ole in jren gefessen sampt jren lampen. Matth. 25, 4; die weil wir wissen, das unser alter mensch sampt jm gecreutziget ist. Röm. 6, 6 (sehr häufig in Luthers bibelübersetzung);
die sonn sammt ihren rossen.
Spee trutzn. 39 Balke;
ein grabscheit und ein spaten wohl,
samt einem kittel aus lein.
Hamlet 5, 1;
den könig auf die bahr
sammt dem gemahl zu legen.
des knaben wunderhorn 1, 293 Boxberger.
verstärkt: mit sammt und nachfolgendem dativ, mundartlich: met sammet, met sammets Jecht 90ᵇ, mit samst Frischbier 2, 246ᵇ, med samd Woeste 223ᵃ (s. oben mit II, 9 th. 6, sp. 2337).
sammet, sammt, samt m
Fundstelle: Lfg. 10 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1745, Z. 15
1)
form. mhd. samît, samât, auch umgelautet semît, semet, aus mlat. samitum, examitum, mittelgriech. ἑξάμιτον, das zu μίτος, faden gehörend sechsfädiges zeug bedeutet: examtium, examneum samit, sammit, samiet, samant Dief. 214ᵇ; examitum, exametum zamit nov. gloss. 159ᵃ; samyt, semyt, samat, sammat, sammit, sammet, nd. zamit Dief.-Wülcker 829. in der älteren sprache ist die schreibung sammat die übliche: ain andre in samat und seyden beklaidt. Wirsung Calixtus G 5ᵃ; einer gibt ein eln sammat für 4 fl. Adam Ryse rechenb. (1581) 41. doch begegnet sammet schon früh: uf den sammet gesetzt. Zimmer. chron. 3, 315, 7;
der esel ist mit eim greten sammet verdeckt
und darauf hundert strauszfedern gesteckt.
fastn. sp. 765, 21.
vereinzelt findet sich die schreibung sammut bei H. Sachs:
sein (des hengstes) satteldeck war von sammut,
sein stirenspang von silber gut.
4, 3, 107ᵈ.
auch die umgelautete form ist belegt:
auch macht man hüt von sembden,
sein spitzig wie ein knauff,
sol sich niemand befrembden:
kühirten tragens auff.
bergreihen 84, 27 neudruck.
2)
bedeutung und anwendung: kostbares seidenes gewebe, zu kleidungsstücken, möbeln u. dgl. verwandt. öcon. lex. 2114. Jacobsson 3, 499ᵇ. 501ᵃ. 7, 160ᵇ: ein seydin wammas mit sammat und schnüren beleget. Kirchhof wendunm. 285ᵃ; das paret aber fürnemlich von gutem schwartzen sammat. 282ᵃ; zu seinen bundschuhen worden auffgebracht vierhundert sechs ballen getruckten sammat auff leder musiert. Garg. 115ᵇ; für seinen rock nam man ausz neun tausend sechs hundert pack minder drei drittheyl ploen sammat von Messina. 118ᵇ; die gewaltigen und ambtleuth in unsern umbligenden, und unterworffenen stätten ... haben die gerechtigkeyt, dasz sie kleidung mit sammet und purpur verbremet mögen tragen ... wöllen wir denn alleyn den frawen verbieten sammet und scharlach zu tragen? Rihel Livius 456; ein edelknabe angezogen mit einem krachneuen rothbraunen wammes von sammet. Mörike ges. schr. (1878) 1, 229;
sie sang und lachte nie, sie zäumt ihr rosz,
und ritt zu wald im knappen kleid von sammet.
Geibel 1, 178.
sammt für einen mit sammet überzogenen sessel:
hieher der polstersessel,
auf diesen sammet musz die hoheit sitzen.
Schiller 12, 93;
ob auch in folgenden stellen?: alda zu Augspurg soll im auszer bevelch kaiser Caroli in ainer nacht unversehenlichen das haupt sein abgeschlagen worden, und wie die gemain rede, das er uf den sammat solt gesetzt sein worden, welche ehr dann (sover es anders ain ehr sein soll) allain denen illustribus personis bewisen wurt. Zimmer. chron. 2, 307, 19; man hat ainest von dem alten graven Eitelfriderichen von Zollern, dem groszen hofmaister, gesagt, er sei auch seines vilfeltigen verschuldens halb gegen kaiser Maximiliano uf dem reichstag zu Trier anno 1512 uf den sammat gestellt und in der stille enthauptet worden. 2, 309, 14.
a)
sammet mit anderen kostbaren stoffen, atlasz, taft u. s. w., zusammengestellt: da rit ime der kaiser entgegen, empfieng in êrlich, schenkt ime und seinen geferten samat und zöbl. Aventin. bair. chron. 2, 337, 16; alsz sy aber an die tücher, samat, taffett, attlasz und damast kamen. Wickram rollwagenbüchlein 55, 3; die männer hatten .. zu gesäsen unnd wamast zendeldort, toppeltaffat, gesträmten sammat. Fischart Garg. 281ᵇ; ich aber hab etwas bessers erfunden, dann ich hab mich etlich mal mit des frawenzimmers nasenfutern und mundschleiern von samat, taffat, gallischen schleyerleinwat und anders gewischt. 136ᵃ; fand ihn in einem chaos von sammet und reichen stoffen. Rabener 4, 48; von sammt und stickereien kein freund. Engel Lorenz Stark (1802) 9; tafft, atlas, sammt, obgleich alle von seidnem ursprung, bezeichnen sich anders dem auge. Göthe 36, 257;
schneeweisz bekleydet war
inn atlasz und samet
hoszen unnd wammas versteht
verbrembt mit praun und gelb.
H. Sachs 1, 407ᵃ;
du kommst, wo zeuchst du ein? in fürstlichen pallästen?
sind hofe-diener da, die, könig dich begästen?
ist gold und sammet hier?
Tscherning ged. 4;
hie muszte sich verkriechen
der sammit, attlasz, und was sonst die weiche Griechen
von schönem seidnem zeug in Asien erdacht.
Rist Parnasz 51.
b)
häufig namentlich die verbindung sammt und seide. in sammt und seide einhergehen als ausdruck äuszeren wohllebens; ain andre in samat und seyden beklaidt. Wirsung Calixtus G 5ᵃ; was ist ir prumen und plecken, ir gelt und silber, edels gestain, seiden und samat in stainhaufen nütz. Aventin. werke 1, 206, 20; als mancher thut, mit seinem gut, inn gold, sammat unnd seyden. Fischart Garg. 90ᵃ; Bischikasni Priscas, welche die güldene und silberne stücke, sammet und seiden, ... den neuen ankommenden bedienten zum wilkommen zu verehren pflegen. Olearius persian. reise 136ᵇ; weil nun viel ehrlicher leute unter euch, auch wol unter denjenigen sind, welche in sammet und seiden gekleidet gehen. Schuppius 193; wie kan es auch müglich sein, das wir heutiges tags eine reiche welt wollen haben, weil jedermann ohne ansehen seines standes oder vermögens in sammet und seyden sich kleiden wil. Ol. Variscus ethogr. mundi 3, 336; der junker sah sie vom kopf bis zu den füszen an und fragte sie dann: wie kömmst du zu seide und sammet? Pestalozzi Lienhard und Gertrud 3, 157;
ein neu gewand
von sammat, seiden.
Joh. Heros ird. pilger (1562) 20ᵇ;
ach, heu und stroh ist viel zu schlecht;
sammt, seiden, purpur wären recht,
dies kindlein drauf zu legen.
P. Gerhardt 160 Gödeke;
ewre tragen thewre röcke,
als von sammt und seiden an,
meine trägt wovon sie säcke,
zu der noht auch machen kan.
Venusgärtlein 83 neudr.;
ach! gnäd'ger herr, das alles wär' sehr schön!
ich würd' in sammt und seide gehn.
Lessing 1, 122;
in sammet und in seide
war er nun angethan,
hatte bänder auf dem kleide,
hatt' auch ein kreuz daran.
Göthe 12, 111;
die üpp'chen Genter, die in sammt und seide
stolzieren.
Schiller jungfr. v. Orl., prol. 3;
von seiden isch die haube,
von sammet isch die schnur.
des knaben wunderhorn 2, 356;
was meint sie mit dem aschenkleide
an diesem freudenreichen tag,
wo alles gern in sammt und seide,
in gold und steinen prangen mag.
W. Müller 1, 25;
ich hatte dich in sammet und in seide
gehüllt, dich angethan mit purpurzonen.
Rückert ges. poet. werke 1, 306;
der pumpernickel des soldats
wird mandelkuchen — o freude!
und alle lumpen meines staats
spazieren in samt und seide.
H. Heine 1, 313 Elster.
c)
neben der kostbarkeit und äuszeren schönheit des sammets wird gern seine weichheit und zartheit hervorgehoben:
sammt ist freilich warm und weicher (als ein rock von tuch).
Göckingk 2, 62.
übertragen und bildlich: die zierlich geformten blumenbeete in dem geschorenen sammt des rasen. Freytag soll u. haben (1883) 1, 12; ihre (der eselin) haut war wie sammt und seide. P. Heyse novellen (1883) 15, 114;
so scherzt ein munters kind mit der geliebten katze:
der knabe neckt sie lang, und ihre fromme tatze
scheint sammet, scheint ihm unbewehrt.
Uz 350 Sauer.
d)
verschiedene farben des sammets: welches auffgezäumpt ward mit einem zaum von schönem rothen sammat. buch der liebe 24, 4; das paret aber fürnemlich von gutem schwartzen sammat. Fischart Garg. 282ᵃ; ein staatsminister findet darauf einen braunen sammet. Drollinger (1745) 335; der porphyr mit dem goldnen topf war verschwunden, statt dessen stand ein mit violettem sammt behangener tisch .. in der mitte des zimmers. E. T. A. Hoffmann goldner topf (1814) 167; er war in schwarzen sammt gekleidet. C. F. Meyer denkw. tage (1878) 57; ein kleines in schwarzen sammet gebundenes gesangbuch. 59; sie hatte eine seltsam geformte mütze von schwarzen sammet mit einem röthlichen pelz verbrämt aufgesetzt. P. Heyse nov. (1883) 15, 180;
von samît grüene als ein gras
der künec ein mantel fuorte.
Parz. 605, 10;
ir kappe ein rîcher samît
noch swerzer denn ein gênît.
778, 19;
gebt kupfer, dasz mit gold' und silber ist geschmükt,
gebt schwartzen sammit, der mit perlen auszgestikt.
Rist Parnasz 171;
wenn ich mich anders
nicht irre, prinz, sah ich vor wen'gen tagen
ein portefeuille von himmelblauem sammt,
mit gold durchwirkt, in ihrer hand.
Schiller don Carlos 4, 13;
und bei entglittener brill' und silberfarbenem haupthaar
lag auf dem buche die mütze von violettenem sammet,
mit fuchspelze verbrämt, und geschmückt mit goldener troddel.
Voss 2, 268;
auch ist dafür die scene reich geziert,
mit grünem sammet unten tapezirt.
Fr. Müller 1, 4;
lang wallt sein silberhaar und schwerer drückt an greiser
gefurchter schläfe schon der krone reif den kaiser;
vom purpurfarb'gen sammt des weiten kleides scharf
hebt sich der bärenpelz. den er darüber warf.
Geibel 8, 66.
Zitationshilfe
„samt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/samt>, abgerufen am 10.12.2019.

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