Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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schäbicht, adj.

schäbicht, adj.
scaber, räudig, wie schäbig (s. d.), aus mhd. schebeht, schabeht, schebiht Dief. 514ᶜ; im 17. 18. jh. auch als schäbigt; auf aussehen bezogen, zunächst von krankheit: ein schäbichter hund, canis scabiosus Steinbach 2, 367; zwiebeln mit der eschen die man nennet spodium angestrichen heilet die schebichten augen. Brunfels kräuterb. (1539) f. 178; wenn einem menschen an der haut seines fleisches etwas aufferet, oder schebicht oder eiterweis wird, als wolt ein aussatz werden. 3 Mos. 13, 2; wenn ein man oder weib auf dem heubt oder am bart schebicht wird. 13, 29; denn keiner an dem ein feil ist, sol erzu tretten, er sey blind .. oder der .. gebrechlich ist .. oder schebicht. 21, 20; ists (dankopfer) blind .. oder reudicht oder schebicht, so solt ir solches dem herrn nicht opfern. 22, 22; knoblauchsaft ist gut zu der schabechten haut damit gesalbet. Tabernaemont. 874 G; item soll man eichen aschen in ihre (der mäuse) löcher streuen, so werden sie schäbicht und sterben davon. Hohberg 1, 475ᵇ. auf auftreten, gebahren, gesinnung gewendet: schäbicht, etiam exponitur vilis, sordidus, nullo numero homo Stieler 1700; ein schäbichter kerl, homo abjectus Steinbach 2, 367; schleuszt es (das gesetz) wider Mosen und die veter, wie viel mehr schleuszt es wider eine schebichte münchskappen. Luther 3, 262ᵇ; ich hätte mich gern unterhalten lassen, es wolte mich aber kein werber vor einen soldaten annehmen, weil ich als ein grindiger guckuck und schebigter leinenweber aussahe. Simpl. 1, 381, 25 Kurz; es würde einen übelstand verursachen, die figuren schäbigt zu lassen. Winckelmann 2, 61; soll aber ein autor so schäbigt sein und seine empfindungen ... des porto's wegen abkürzen. J. Paul Hesp. 3, 44; so schäbichte narren, wie ich einer war. Tieck aufruhr in d. Cevennen 1, 259; als grobes schimpfwort:
die liebe, der reudichte, schäbichte hund,
hat ihm seine fünf sinnen verwundt.
A. Gryphius (1698) 1, 733.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1953, Z. 58.

schäbig, adj.

schäbig, adj.
scaber, scabiosus, mhd. schebic, schebig, schebich Dief. 514ᶜ. 515ᵃ. nov. gl. 328ᵇ, nd. schabbig, schäbbig Schiller-Lübben 4, 34ᵇ, engl. shabby. vgl. schaben.
1)
eigentlich, mit der schabe (schäbe), krätze behaftet (s. schäbe und schäbicht, vgl. auch ritzig 2, sp. 1085): schebig, reudig, scabiosus Maaler 348ᵈ; wer des paums pleter zereibt mit eʒʒeich, und macht ain pflaster darauʒ, daʒ ist guot den räudigen oder schebigen läuten, und damit hailt man auch die sleg. Megenberg 325, 3; ich hab das schebig leben in der haut. (die räude) ist ein schebige und unfletige sucht. Petrarca trostbüchl. (1559) 183ᵇ; so fil sie sich me kratzen, so fil sie me bysset. Keisersberg hellisch löw d 8ᵃ; wie gehts ihm (dem hund) aber letzlich, so ... im die zeen stumpff, der ruck und haut grindig, durr, also ist es auch mit denen, die schebig sind und sich kratzen, krätzig und schebig werden. Kirchhof wendunm. 1, s. 69 Österley; untern männlin (der hasen) findet man mehr denn untern weiblin, so schebig sein. Feierabend jagd- u. weidwerkbuch (1582) 85ᵃ; armoniacöl .. heylet die schebigen augbrauen. Tabernaemont. 222 G; alsdann werden die brüste, die vor weich und eben waren, hart, uneben und über und über schäbig. Mauriceau von den zufällen und krankheiten (1687) 493;
so kume nun bald in das bad!
blib er schebig, wär iemer schad.
N. Manuel 392, 39 Bächtold.
2)
meist schon im mhd. weiter entwickelt zu der bedeutung 'von abgeschabtem schlechtem aussehen', namentlich der kleider, dann von gebahren und gesinnung, viel in vergleichen gebraucht. namentlich von dem der räude besonders leicht unterliegenden hunde her:
er (der widder) gienc dâ schebic als ein hunt
bî dem vihe ûf einer wisen.
Konrad v. Würzburg troj. krieg 11020;
ziucht man ûʒ die vedren dîn,
sô gâst du (der pfau) schebiger denn ein swîn.
Boner edelst. 81, 34 var.;
dâvon wiʒʒet, swâ ich vinde
gar arme priester oder plinde,
alt und arm hofgesinde,
lam und schebig edel vinde,
daʒ mich die gar sêre erbarment.
Renner 15173;
(ein alter mann) der wolt auch sein ze ritter worden,
also wol gefiel ym der orden.
des ward verworffen er ze stuond,
sym, was schol uns der schebig hund?
sprachen seu, ker wider häym!
Wittenweiler ring 214, 16;
wane er bosen schebigen judden!
ir stinket als die ridden;
er sit boser dan ein hont:
das sprech ich zu aller stund.
Alsf. passionssp. 4546.
von wertlosen, geringen thieren gebraucht: ein schäbiges schaf. Miller Siegwart 1, 217;
ein schäbiges kamel
trägt immer noch die lasten vieler esel.
Göthe 56, 135;
ringsherum (bin ich gereist), doch stets vergebens, wie das deutsche publicum,
das auf seinen schaugerüsten einen löwen hofft zu schau'n,
aber fast nur schäb'ge kater schleichen sieht und hört miau'n.
Platen 258 (verhängn. gabet 2. act).
von eben solchen sachen: an statt der alten thaler ist kaum oft ein schäbiger pfennig bei uns anzutreffen. Abr. a S. Clara närrinnen 54; dasz ich mir künt ein priesterlichs sammetheubel drausz machen laszn, da ich mich die gantz zeit hab mit ein alten schabigen schmerkäppel hab bhelffen müssn. Schwabe tintenf. 16; ein schäbiger löwentaler. Hebel 2, 144; mein ganzes umgab ein schäbiger biber. Börne 3, 90;
gottes rhat gewiss und ewig,
menschenrhat hinfellig und schebig.
H. Sachs 5, 27ᵃ;
daher auch als grobes schimpfwort: sieh doch einmal da draus den ruppigen, schäbigen schuften. Tieck 3, 98; si (die patrone) lont dem armen schebigen pfaffen nicht. Schade sat. 3, 63, 18;
ein niederträchtger schurk', ein schäb'ger bube.
Shakesp. Othello 4, 2.
in den satiren der reformation schäbig im spott für ewig: so werd ich (Witzel) damit verdienen gros gnade und ablas und das schebich leben, wie Maria Magdalena, da sie zu Christus füszen fiele, also wil ich auch faln zu des Coclei füszen und also meine sünde büszen. Alberus widder Jörg Witzeln mammeluken L 2ᵇ;
und wer in dem krieg würd erschlagen,
der für von mund uf (thet er sagen)
on alle pein ins schebig leben.
Schade satiren 2, 227, 1124.
sprichwörtlich: wan einer ein schebigen kopf hat, so hat er sein paret lieb und gat nit gern bloszhaupts. Keisersberg narrensch. 196ᵃ. im wortspiel mit der technischen verwendung von schaben (s. d.): man schimpft einen gerber nicht, wenn man ihn einen schäbigen mann nennt. Schmidt 627.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1954, Z. 13.

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Zitationshilfe
„schäbig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sch%C3%A4big>, abgerufen am 29.07.2021.

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