Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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schacher, m.

schacher, m.
einer, der schach spielt, versteht, schachspieler Campe.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1959, Z. 54.

schacher, m.

schacher, m.
(aus hebr. רחַסַ, quaestus, lucrum), kleinhandel, besonders gewinnsüchtiger hausirhandel, gewöhnlich von den juden, in verächtlichem sinne gebraucht: er hat bei dem schacher selbst seine kurfürstlichen gnaden übers ohr gehauen. Alexis hosen des herrn v. Bredow 1, 1, 182; uneigentlich: frommer schacher, scheinheiliger verrat am vaterlande. H. Heine 7, 117 Elster.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1959, Z. 56.

schächer, m.

schächer, m.
räuber, verbrecher; mhd. schâchære, schæchære, md. schêchêre, ahd. scâhhâri Graff 6, 412, ags. sceácere, altfries. skâkere, schâker, mnld. schaecker, mnd. schâker Schiller-Lübben 4, 39ᵇ, zu mhd. ahd. scâh, altfries. skâk in skâkdede, skâkraf, mlat. scachus, schacus. davon frz. échec, prov. escac, scax, comask. scach raub Diez⁴ 283. Bedeutung.
1)
räuber, mörder, so besonders in älterer sprache: zu lest leit er den grimmen tôt an dem vrônen cruͦce zwischen zwên schechern. Leyser predigten 130, 20; dô sprach er, ich bin ein schacher und han bei meinem leben nie kein gut werk getan. heiligen leben 1472, 181ᵃ; darum ist dis haus worden ein grub der schacher vor euren augen, in dem do mein nam ist angerufet. bibel von 1483, 363ᵇ. Jer. 7, 11; mein haus ist geheiszen ein haus des gebets und ir habt es gemachet ein grub der schacher. 480ᵃ. Matth. 21, 13;
thanne was imo avar ther   skâhâri hebiger
bi thero dâto anton,   so lag er thar in banton.
Otfried 4, 22, 14;
in slüegen schâchære,   dâ er füere durch den tan.
Nibel. 941, 4;
die dâ wâren zu den schâchêren gezalt.
deutsche ged. 315, 15 Diemer;
daʒ als dem schâcher (dem mit Christus gekreuzigten) mir geschehe,
der spæter riuwe niene galt.
Winsbeke 66, 10;
prunst, rach die schacher han bedacht,
die hie behausen tag und nacht.
fastn. sp. 199, 10 Keller;
waʒ wolte got des schâchers in sîn himelischeʒ lant,
der an dem galgen hâte weder bürgen noch diu pfant?
meisterl. der Kolm. handschr. 141, 35.
in der bibel hat Luther das wort zwar nicht beibehalten (Matth. 27, 8 mörder und Luc. 23, 33 übelthäter, Jer. 7, 11 und Matth. 21, 13 mörder gruben für das grub der schacher älterer bibeln, s. oben), aber sonst in seinen schriften: schecher am creutz zur rechten seiten. 5, 329ᵃ; und ein solchen offentlichen schecher am galgen gerichtet, annemen und anbeten. 6, 129ᵃ. auch heute ist das wort am bekanntesten mit beziehung auf die beiden übelthäter am kreuz neben Christus:
(herr) der Marien gnad ankündet,
der des schechers band entbindet,
hat mein hoffen auch entzündet.
A. Gryphius (1698) 2, 259;
nicht jeder sünder ist ein schächer.
Schubart 1, 248;
ich will, o lieber hirt, hinfort
mein irrsal stets bereuen,
half doch sein letztes armes wort
dem schächer zum gedeihen.
Bürger 49ᵇ.
auszerdem findet es sich auch noch in der allgemeinern bedeutung 'übel-, missethäter, bösewicht':
und ich kannte das gelichter,
zog den schächer (betrügerischen vormund) vor gericht.
Göthe 1, 155;
heldenschicksals letzte tücke:
unser name wird verkoppelt
mit dem namen eines schächers
in der menschen angedenken.
H. Heine 1, 374 Elster;
tausende siehst du erwartend stehn
eines schächers sterben mit anzusehn.
Freiligrath pol. u. sozial. ged. 2, 76.
2)
der begriff des missethäters tritt zurück gegen den des erbärmlichen und jämmerlichen menschen, besonders so armer schächer, armer schelm, tropf:
nun denkt euch wie ihm
ward, da er sein alles, den fächer,
ein kleinod, ohne welches er nur ein armer schächer
von einem ritter war, nicht mehr zur seite fand.
Wieland 4, 114;
gott steh uns bey! uns arme schächer
der afterwelt, uns wirft ein bloszes bild
in gyps von weibern dieses schlages
zehn schritte weit.
18, 125;
die person des günstlings und siegelbewahrers ist gewissermaszen der schatten der majestät — beleidigungen gegen jenen sind verletzungen dieser — wenigstens will ich den armen schächer mit diesem zusammengeflikten kobold durch ein nadelöhr jagen. Schiller 3, 424 (kabale u. liebe 3, 1); die ganze unterhaltung dieser armen schächer (armer gelehrten) besteht offenbar blos in vielem reden. J. Paul aus des teufels papieren 1, 74.
3)
rotwälsch für wirt gebraucht: ihr lenninger (soldaten) lassts bracken (stehlen) seyn oder der schächer (wirth) soll euch grandige kuffen stecken, das ist, schwere schläg geben. Simplic. 1, 1124, 18 Keller.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1959, Z. 62.

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schwäherin schöpfquelle
Zitationshilfe
„schächer“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sch%C3%A4cher>, abgerufen am 23.07.2021.

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