Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

schaf, n.

schaf, n.
ovis, gemeinwestgermanisches wort; vgl. mhd. schâf, ahd. scâph, scâf, alts. scâp, mnd. schâp, niederl. schaap, ags. sceâp, engl. sheep. im goth. und nord. fehlt es, und wird dort durch lamb, hier durch altn. fǽr, dän. faar, schwed. faͦr ersetzt. auszerhalb des germanischen kehrt das wort wieder im sanskr. als châ'ga, chaga, chagala' 'bock' (dazu ein fem. 'ziege'), und im phryg. als ἄττηγος, atagus 'bock'. vielleicht ist auch slav. koza 'ziege' verwandt, wozu ags. hecen 'junge ziege' gehört, s. Fick⁴ 1, 143. gleichwol begegnet auch das indogerm. wort für 'schaf', das in sanskr. ávi, griech. ὄϜις, lat. ovis, lit. awìs, slav. ovĭca steckt, noch in allen germanischen sprachen; goth. in aveþi (richtiger aveiþi?) 'schafheerde', avistr 'schafstall'; in den andern sprachen in der verengten bedeutung 'mutterschaf' altn. ǽr, ags. éowu, engl. ewe, mnd. owe, ouwe, holl. ooi, ahd. awi (belegt nom. awi, au, ôw, nom. plur. euue, dat. ouuuen Graff 1, 505; davon euuit 'schafheerde', euuist 'schafstall', ebenda, mhd. ouwe, ôw Lexer handwb. 2, 193; oue (l. ovis) .. ein awe Dief. gloss. 403ᶜ. so noch cimbr. öba, demin. öbele, öle weibliches schaf; im Bregenzerwalde öwe trächtiges schaf, mutterschaf. cimbr. wb. 213ᵃ. die form des wortes schaf bietet wenig bemerkenswertes. das dem â zu grunde liegende ê bez. æ̂ erscheint noch in alts. thia sciêp Straszburger gl. 32, s. Heyne kl. altnd. denkm. 92. ahd. scaph, schaf, scaff Graff 6, 441; bei Isidor 37, 27 Weinhold, ist scaap geschrieben. später geht im hd. die form schâf durch; auf die häufige schreibung mit ff (schaff Dasyp., schaaff Maaler 343ᵈ) ist kein gewicht zu legen, da die länge des a durch den übergang in au in oberd. mundarten bewiesen wird: rinder, schauff, gaisz und andre gezogen (thiere). Steinhöwel Äsop 78 Österley; ain rind, ain gaisz, ain schauff, geselten sich zuo ainem löwen. 86, vergl.: ich wil fuern meine schaüffel, ego pascam oves meas. quelle vom j. 1412 bei Schm. 2, 377; bidens ... eyn schaff, schoff, schap Dief. gloss. 73ᵇ; eyn schaep dat twe tene heft, scap. nov. gloss. 52ᵇ; ovis hd. schaff, schaffe, schaeff, schayff, schaiffe, schauffe, schoff, nd. schap, scaep gloss. 403ᶜ; neuere mundarten bieten die formen nd. schâp, schaap bez. schâp Woeste 225ᵃ, schaop Danneil 183ᵃ, hd. schâf, bei Schm. 2, 377 schâff geschrieben, schaͦf Schöpf 585, schweiz. schof Seiler 262ᵇ. Tobler 398ᵇ. Hunziker 229, ebenso thüringisch; schauf Schröer 199ᵃ, ebenso schwäbisch. der plural lautet ahd. mhd. dem sing. gleich. daneben kommt im mitteld. früh ein plur. schafe auf, der im mnd. und nnd. der herrschende und auch in der nhd. schriftsprache durchgedrungen ist. im jetzigen oberdeutschen ist entweder der plur. gleich dem sing. (Hunziker 229. Schöpf 585. cimbr. wb. 226ᵇ), oder es ist umlaut eingetreten: schöf Tobler 398ᵇ, schäuf Schröer 199ᵃ, schof und schöf Seiler 262ᵇ. für das henneb. bezeugt Stertzing kürzung im plur., schàff, schof, schoëf gegenüber schaͦf, schôf, schôëf im sing. Frommann 4, 309. in einem weihnachtsspiele aus Wolfsberg wird schaf als masc. gebraucht Lexer 213.
1)
schaf bezeichnet die bekannte gattung der wiederkäuer, ovis, ovis aries Nemnich.
a)
allgemein, als gattungsname: ovis ist ain schâf. Megenberg 154, 18. so erscheint es häufig in der fabel und thiersage personificiert als individuum neben andern thieren: ain .. hund sprach ain schauff an vor gericht umb ain brot, das er im geluhen hette. Steinhöwel Äsop 84 Österley;
da von ein krieg wart geschaffen
zwischen wolffen und schauffen.
Keller altd. erzähl. 495, 22.
b)
während die entsprechenden wörter der verwandten sprachen zunächst den bock bezeichnen, wird schaf im deutschen mit vorliebe von dem weiblichen thiere gesagt. Adelung. das männliche thier bezeichnet man allgemein als bock, schafbock, sodasz bock und schaf häufig einen gegensatz bilden, vgl. auch schaflamm und bocklamm; weiter unterscheidet man widder zur zucht, und hammel, schöps, die verschnittenen thiere zur mast: wil er aber dem herrn ein danckopffer von kleinem vieh thun, es sey ein scheps oder schaf, so sols on wandel sein. 3 Mos. 3, 6; die fabel von einer löwenheerde ... die in die hürden der schafe und böcke, in meiereien voll fetter rinder, prächtiger pfauen und wehrloser hämmel einbricht. Herder zur phil. u. gesch. 7, 220. seltenere namen sind stähr, stöhr, stier, stierhammel, rammbock, rammer, rammel. Nemnich (vgl. ramm sp. 76). das weibliche thier führt die besondern namen: kibbe, kippe, schibbe, schippe, zibbe, schilke, schnuke, schnake, schacke, ouwe (vgl. oben). Nemnich. das junge thier wird als lamm unterschieden.
c)
unser gewöhnliches schaf ist als zahmes hausthier über die ganze erde verbreitet, und hat sich in verschiedene rassen gespalten, die nach den ländern, in denen sie vorkommen, benannt werden. vergl.:
weich wie Albions schäfchen.
Herder 27, 241 Suphan (Terpsich. 3, 102).
die hauptabtheilungen sind wollschafe und haarschafe, ovis guineensis, erstere zerfallen in grobwollige oder bauernschafe und feinwollige oder merinos, ovis hispanica. von wilden arten kommen vor das sardinische oder kretische, sibirische und amerikanische schaf, ovis strepsiceros, ammon, pudu oder montana, vgl. Nemnich. Oken 7, 1333 ff. auszerdem benennt man die schafe nach dem boden, auf dem sie vorkommen: berg-, gebirgs-, felsen-, stein-, steppen-, heide-, marsch-, geestschafe, auch wanderschaf; die heideschafe heiszen gewöhnlich heidschnucken; nach dem aussehen: spiegelschaf, zackelschaf; nach der farbe: ich wil heute durch alle deine herde gehen, und aussondern alle fleckete und bundte schafe, und alle schwartze schafe unter den lemmern. 1 Mos. 30, 32; nach der ähnlichkeit mit andern thieren: dachsschaf, otterschaf; nach dem gebrauche: zucht-, schlacht-, opferschaf; besonders auch nach dem alter und dem verhältnis zur züchtung: jährling, ein-, zweijähriges schaf: zweyjärige schaff, bidens Dasypod.; und am achten tag sol er zwey lemmer nemen on wandel, und ein jerig schaf on wandel. 3 Mos. 14, 10; von den saugenden schafen holet er jn (David). ps. 78, 71; zeit-, trag-, mutterschaf. zahlreiche dialektische ausdrücke aus dem hennebergischen s. Frommann 4, 309 - 11.
d)
hervorgehoben wird am schafe die wolle: lang-, dichtwollige schafe, am männlichen thiere die rückwärts gekrümmten hörner; ferner sein eigenthümliches geschrei, das blöken, bläken genannt und mit bäh oder mäh nachgeahmt wird: was ist denn das fur ein blecken der schafe in meinen ohren, und ein brüllen der rinder die ich höre? 1 Sam. 15, 14; pferde und rinder grasten auf dem dorfanger, langlodige schafe an den trocknen berglehnen. Freytag bilder 1 (1882) s. 67.
e)
das schaf ist vielen krankheiten und seuchen unterworfen, besonders der räude, dem grind u. a.: sihe, so wird die hand des herrn sein, uber dein vieh auff dem felde, uber pferde, .. uber schafe, mit einer fast schweren pestilentz. 2 Mos. 9, 3;
wenn der grind das schaf entwollt.
Bürger 297ᵇ;
sie sind bei dem zusammenleben in heerden sehr gefährlich: daʒ siech schâf macht diu andern leiht siech, dar umb muoʒ man eʒ von in schaiden. Megenberg 154, 23; daher das sprichwort: ein räudiges schaf steckt die gantze herde an, unica prava pecus inficit omne pecus. Steinbach 2, 371. vgl. Wander 4, 57, 93 f.
f)
als wehrloses thier fällt das schaf oft andern thieren, wie wölfen, löwen, zur beute: und es kam ein lewe und ein beer, und trug ein schaf weg von der herde. 1 Sam. 17, 34; es ist eben als wenn sich der wolff zum schaf gesellet, wenn ein gottloser sich zum fromen gesellet. Syr. 13, 21; sprichwörtlich:
dem wolf das schaf, dem fuchs der list,
den frauen lob gefällig ist.
Schmid 623.
ein kinderspiel in Schleswig-Holstein, schaͦp, schaͦp, kamt to hus, besteht darin, dasz ein kind, das den wolf spielt, die andern als schafe gedachten zu haschen sucht, s. nd. jahrbuch 8, 99.
2)
das schaf in beziehung auf den menschen.
a)
das schaf als eigenthum: thit sint thie sculdî von themo vrânô vê-hûsa .. ende ên suîn sestein penningô uuerth, ende ên scâp. Freckenhorster heber. 10 bei Heyne kl. altnd. denkm. 68; so nimt se (die frau) allet dat to der rade (gerade, hausrat, frauengerät) hort, dat sin alle scap unde gense u. s. w. Sachsensp. 1, 24, 3; von me kalve unde esele unde schape unde verkene (gibt man) enen halven penning (zehnten). 2, 48, 12;
thaʒ warf er (Jesus) allaʒ sâr in houf,   thaʒ sie firmidin thâr then kouf,
thiu scâf joh thiu rindir.
Otfrid 2, 11, 16;
erne gerte lônes niht mêr
geiʒʒe oder schâffe.
genesis 59, 20 Diemer;
und er hatte schafe, rinder, esel, knecht und megde, eselin und kameel. 1 Mos. 12, 16; wenn jemand einen ochsen oder schaf stilet, und schlachts oder verkeuffts, der sol fünff ochsen fur einen ochsen wider geben, und vier schaf fur ein schaf. 2 Mos. 22, 1; Mesa aber der Moabiter könig hatte viel schaf. 2 kön. 3, 4; ich hatte ein grösser habe an rindern und schafen, denn alle die vor mir zu Jerusalem gewesen waren. spr. Sal. 2, 7; Arabia und alle fürsten von Kedar haben mit dir gehandelt, mit schafen, widdern und böcken. Hes. 27, 21; wenn jrgend ein mensch hundert schafe hette, und eins unter den selbigen sich verirret? Matth. 18, 12; das jre (der kaufleute) wahr niemand mehr keuffen wird, die wahr des golds .. und vieh, und schafe, und pferd. offenb. Joh. 18, 13; der eine bringt mir die zeitung von dem verlust meiner kinder und eselin, der ander von dem verlust meiner schaaf. Schuppius 139;
die ihr gesicht an korn, an schaaf und kälbern weiden.
Caniz ged. 105.
b)
wegen seiner mannigfachen nutzbarkeit ist das schaf ein unentbehrliches hausthier, man verwendet von ihm das fleisch, die wolle, milch (auch zu käse), die därme (zu saiten), den dünger, vgl. haush.-lex. 817 f.: diu milch swarzer schâf ist peʒʒer und grœʒer wan an den weiʒen. Megenberg 155, 16; butter von den kühen, und milch von schafen. 5 Mos. 32, 14; daher das sprichwort: das schaf hat einen goldenen fusz. Simrock sprichw. 8819. brem. wb. 4, 605; die alten haben gesaget: ein schaaf habe einen güldenen fusz; denn alles, was daran ist, oder davon kömmt, ist zu gebrauchen. haush.-lex. 817.
c)
schafe werden geschlachtet zum essen und zum opfer: ein geschlachtetes schaf, ovis mactata. Steinbach 2, 370;
ein scâf er stantan gisah,   thaʒ was zem opphere gimah.
Otfrid 2, 9, 59;
einen altar von erden mache mir, darauff du dein brandopffer und danckopffer, deine schaf und rinder opfferst. 2 Mos. 20, 24; und Balak opfferte rinder und schaf. 4 Mos. 22, 40; so schlachte von deinen rindern oder schafen, .. und iss es. 5 Mos. 12, 21; dis ist aber das thier, das jr essen solt, ochsen, schaf, ziegen. 14, 4; aber das volck hat des raubs genommen, schafe und rinder ... dem herrn deinem gott zu opffern in Gilgal. 1 Sam. 15, 21; fünff gekochte schafe. 25, 18. schafe scheren, um die wolle zu erhalten: unte sint abo dîne zene samo daʒ corter der gescorenon scâffo. Williram 55, 3; und nach dem Juda ausgetrauret hatte, gieng er hinauff seine schafe zu scheren gen Thimnath. 1 Mos. 38, 12; (Nabal) begab sich eben, das er seine schaf beschur, zu Carmel. 1 Sam. 25, 2; sprichwörtlich: schafe kan man scheren, aber man musz sie nicht schinden. Frisch 2, 157ᵇ, vgl. Simrock sprichw. 8811. Wander 4, 62, 177. schafe melken:
wie sahn wir doch den müttern
so gern im hofe zu
die jungen puther füttern
und melken schaf und kuh.
Schmidt v. Werneuchen alm. für 1802 s. 111.
d)
dafür bedarf das schaf der menschlichen pflege: schafe halten; schafe auf die weide treiben, weiden, hüten, tränken u. s. w.: schafe halten, oves alere Steinbach 2, 370; die schafe auf die weide treiben, oves in pabulum pellere. ebenda; der hirte hüttet die schafe, pastor oves pascit. ebenda; sage mir, uuine mîn, uuâ du dîne scâf uuêidenes. Williram 13, 1;
Parijs die scone was een haerde,
die sijns vaders scape verwaerde
buten Troien op die heide.
Reinaert 5512;
trencket die schafe, und gehet hin und weidet sie. 1 Mos. 29, 7; als er noch mit jnen redet, kam Rahel mit den schafen jres vaters, denn sie hütet der schafe. 29, 9; so wil ich widerumb weiden und hüten deiner schafe. 30, 31; und sie zogen hin, .. das sie weide suchten fur jre schafe. 1 chron. 5, 39; die schafe hören seine (des hirten) stimme. und er ruffet seinen schafen mit namen, und füret sie aus. und wenn er seine schafe hat ausgelassen, gehet er fur jnen hin, und die schafe folgen jm nach, denn sie kennen seine stimme. Joh. 10, 3 f.;
wenn Orleans genommen ist, magst du
mit deinem könig René schaafe hüten.
Schiller jungfr. von Orl. 1, 2.
der hirte hält die schafe zusammen, schützt sie vor wölfen, sucht verlorne u. s. w.: die schafe schweifen ohne hirten herum, oves solae grassantur libere. Steinbach 2, 371; wenn du deines bruders ochsen oder schaf sihest irre gehen, so ... solt sie wider zu deinem bruder füren. 5 Mos. 22, 1; ein guter hirte lesset sein leben fur die schafe. ein miedling ... sihet den wolff komen, und verlesset die schafe, und fleucht, und der wolff erhaschet und zerstrewet die schafe. Joh. 10, 12.
3)
geistige eigenschaften und gewohnheiten des schafes; das schaf in vergleichen und redensarten.
a)
zunächst wird dem schaf dummheit nachgesagt: daʒ schâf hât minner vernunft dann andreu tier. Megenberg 154, 22; also seczten die ainfältigen schauff den wolffen iere hund ze gysel. Steinhöwel Äsop 159 Österley; daher dumm wie ein schaf, nd. uut seen as een schaap, sehr dumm und einfältig aussehen. brem. wb. 4, 606; he is so dumm as en achterviertel vun en schaap. Schütze 4, 17; dann als ich mich mit ihm paaret, war er einfältiger als ein schaaf. Simpl. schr. 3, 81, 26.
b)
ferner gilt das schaf, da es wehrlos ist und weder schaden zufügen noch sich vertheidigen kann, als typus der unschuld, geduld u. s. w.: wie ein schaf dumm, geduldig, unschuldig sein, s. niederd. korrespondenzbl. 3, 53. in der bibel schaf oder lamm zum ausdruck stillen leidens: da er gestrafft und gemartert ward, thet er seinen mund nicht auff, wie ein lamb, das zur schlachtbanck gefurt wird, und wie ein schaf, das erstummet fur seinem scherer. Jes. 53, 7; das sie mich, wie ein arm schaf, zur schlachtbanck füren wollen. Jer. 11, 19; vergl.: ich hab nicht gemeynt ... dasz schaafe auch bellen kündten. Moscherosch Philand. 1, 208. zum ausdruck der wehrlosigkeit: sie ligen in der helle wie schafe. ps. 49, 15; sihe, ich sende euch wie schafe, mitten unter die wolffe. Matth. 10, 16. dem entspricht auch die rolle, die das schaf in der thierfabel spielt.
c)
das schaf gilt als besonders furchtsam: antwürt das schaff: .. das ich aber die schuld bekent habe, das hat die forcht gemachet des wolfes. Steinhöwel Äsop 124 Österley;
die falschen freuden fliehn, gleich den gescheuchten schafen.
Uz 147 Sauer;
wie sich die schaafe bang zusammen drängen,
wenn sich des wolfes heulen hören läszt.
Schiller jungfr. von Orl., prolog 3.
zumal das einzelne schaf: die dönr machent die ainlützen schâf erwerfend ir fruht, dâ wider gehœrt, daʒ man si zuo ainander samene under ain dach. Megenberg 154, 28.
d)
führen wie schafe: du füretest dein volck, wie ein herd schafe, durch Mosen und Aaron. ps. 77, 21; und lies sein volck ausziehen wie schafe, und füret sie wie eine herde in der wüsten. 78, 52; du hirte Israel höre, der du Joseph hüttest wie der schafe. 80, 2. irre gehen wie schafe ohne hirten: ich sahe gantz Israel zurstrewet auff den bergen, wie die schaf die keinen hirten haben. 1 kön. 22, 17; wir giengen alle in der jrre, wie schafe, ein jglicher sahe auff seinen weg. Jes. 53, 6; und da er (Jesus) das volck sahe, jamert jn desselbigen, denn sie waren verschmacht und zurstrewet wie die schafe, die keinen hirten haben. Matth. 9, 36; denn jr waret wie die jrrende schafe. 1 Petr. 2, 25.
e)
wenn schafe gras fressen, gilt es als anzeichen von regen:
's kommt regen, fährmann. meine schaafe fressen
mit begierde gras.
Schiller Tell 1, 1.
so auch nd.: de schâpe hebbet wat in den köppen, die schafe wittern regen. Schambach 180ᵇ.
f)
weitere sprichwörter: ein schaf ist wohl fromm, es grast aber genau. Simrock sprichw. 8805; wenn die schafe blöcken, fällt ihnen das futter aus dem maule. 8806; mit bezug auf seinen charakter als heerdenthier: wo ein schaf vorgeht, folgen die andern nach. 8809; ein schaaf folgt dem andern. Henisch 1171, 37, vgl. Wander 4, 59, 115; geduldiger schafe gehen viele in einen stall. Adelung; oft mit dem zusatz: ungeduldiger noch mehr. Simrock sprichw. 8816; es gehen vil gedultiger schaaf oder kühe inn einen stall, wenn sie sich darnach schicken. Henisch 1436, 1, vgl. Wander 4, 54 ff., nr. 10. 54 f. 59. 128. meist bildlich verstanden, vgl.: es gehn vil gut schaf in einen engen stall, ich wolt nit, dasz ich allein im himmel wer. Garg. 97ᵇ; man sagt gemeinlich: wie der hirt, also sind auch die schaff. Wickram rollwagenb. 13, 24. in bezug auf die wolle: wer die schafe schiert, dem wird die wolle. Simrock sprichw. 8812; es ist ihm nicht ums schaf, sondern um die wolle. 8813; das schaf trägt sich selbst keine wolle. 8814, vgl. Wander 4, 54, 18; es ist ein faul schaaf, das sein wolle nicht kan tragen. Henisch 1021, 22. Simrock 8815. Wander 4, 60, 133; hamb. dat is en slecht schaap dat sin wull nig dregen kann um zu sagen: ich reise nie ohne mantel, weil regen eintreten könnte. Schütze 4, 16; die gezählten schafe friszt der wolf auch. Simrock sprichw. 8817, vgl. Wander 4, 55, 45; das gezehlte schaaf frist der wolf. Schottel 1114ᵃ; nd. de wulf frit ook wol een telled schaap. brem. wb. 4, 605, vgl. Schütze 4, 17; wer sich zum schafe macht, den fressen die wölfe. Simrock sprichw. 8807; dann der sich selbst zum schaaff macht, den fressen die wölff. Fischart bienenk. (Christl. 1601) 212ᵇ;
dat leste schap schit jo in den stal.
sp. de resurrect. 1805 bei Mone schausp. des mittelalters 2, 98.
sein schaf ins trockne bringen, s. schäfchen 2, b.
4)
daher wird schaf häufig auch übertragen gebraucht von menschen, die diese eigenschaften besitzen.
a)
sehr häufig werden in der biblischen sprache die gläubigen als schafe des als hirten gedachten Christus oder gottes selbst bezeichnet mit dem nebensinne der unschuld und einfalt, sowie des willigen gehorsams: beuuie, got .. irbolgan uuard heitmuot thîn over scâp uueithon thînro? (super oves pascuae tuae). altnfr. ps. 73, 1 bei Heyne kl. altnd. denkm. 39; kunde mir, o sponse, .. uuer dîe verae fidei doctores sîn, dîe dîne scâf uuîsen ad pascua vitae. Williram 13, 6;
gihalt mir scâf mînu ...
fuatiri siu io zi wâru   mit mînes selbes lêru.
Otfrid 5, 15, 9 (Christus zu Petro, nach Joh. 21, 15);
und meine schafe sind zerstrewet, als die keinen hirten haben.
Hes. 34, 5;
wie ein hirte seine schafe suchet, wenn sie von seiner herd verirret sind. also wil ich meine schafe suchen ... ich wil selbs meine schafe weiden, und ich wil sie lagern, spricht der herr herr.
34, 12. 16;
und ich (der herr) hütet der schlachtschafe, umb der elenden schafe willen, und nam zu mir zween stebe, einen hies ich sanfft, den andern hies ich weh, und hütet der schafe.
Sach. 11, 7;
meine schafe hören meine stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir.
Joh. 10, 26;
weide meine schafe.
21, 16;
wir aber dein volck und schafe deiner weiden.
ps. 79, 13;
denn er ist unser gott, und wir das volck seiner weide, und schafe seiner hende.
95, 7;
gott wil itzt an euch (den pfaffen) straffen
den mort und groszen neid,
den ihr mit seinen schaffen
habt gtriben lange zeit.
bergreihen 57, 17 neudr.;
o herr, verlasse deinen schlaf,
lasz deine schaf
von disen wölfen nicht gäntzlich zerrissen werden!
Weckherlin 166;
er .. führt uns als seine schafe.
P. Gerhardt 174, 51.
geistliche schafe: bei den geistlichen schafen in der gemeinde so gut, wie bei den weltlichen auf dem felde ist die wolle immer die hauptsache. Lichtenberg 2, 82;
davon sprach ihm ein geistlich schaf.
Göthe 56, 27.
so besonders verlorne schafe nach dem bekannten gleichnis Luc. 15, 4—7; bereits in der bibel: gehet hin zu den verloren schafen, aus dem hause Israel. Matth. 10, 6; ich bin nicht gesand, denn nur zu den verloren schafen, von dem hause Israel. 15, 24; die heilige kirche wird euch verlohrne schafe mit erneuerter liebe in ihren mutterschoos aufnehmen. Schiller räuber 2, 3 schauspiel;
lasz uns, mein freund, den gott im stillen lieben, ...
der gern das schaf, das aus der irre kehret,
zur groszen heerde wieder nimmt.
Gotter 1, 412.
b)
ähnlich von der einem pastor unterstellten gemeinde u. s. w.:
ihr vatter ist ein mann mit gottesfurcht geziert,
ein mann, der seine schaaff auff himmels-auen führt.
Rist Parnasz 119.
von den unterthanen eines königs: dem könig ist es einerley, ob es sein unterthan der buchhändler oder der autor ist ... genug, er hat ein schaf mehr, das wolle trägt. Karl Lessing bei Lessing 13, 596. scherzhaft von büchern: da du von deinen schafen nicht allzu entfernt seyn kannst, so muszt du in der gegend der bibliothek eine wohnung nehmen. 595 (in demselben briefe);
verschlieszt der fürst mit seinen sklaven
sich nicht in jenes marmorhaus
und brütet seinen irren schafen
die wölfe selbst im busen aus?
Göthe 56, 26.
auch von der gattin, nach der biblischen parabel 2 Sam. 12, 1—6:
es fand der ehmann sein vergnügen,
sein frommes schaf,
sanft in Leanders armen liegen,
in tiefem schlaf.
Cronegk (1761) 2, 334.
c)
auch ohne beziehung auf den hirten bezeichnung eines einfältigen, unschuldigen, daher auch guten und frommen menschen: David aber, da er den engel sahe, der das volck schlug, sprach er zum herrn, sihe, ich hab gesündiget, ich hab die missethat gethan, was haben diese schaf gethan? 2 Sam. 24, 17; wie wir auch noch teglich erfaren, wie geschwind, listig, klug, behend der welt kinder sind, gegen uns frome, albere, gute, einfeltige schepsse und schafe. Luther 6, 155ᵇ; die jetzige frau war ein gutes schaf, ihr mann redete oft gar erbaulich mit ihr von den tugendeu seiner ersten frau, sodasz sie aus groszer empfindung des herzens oft blutige thränen weinte. Stilling jünglingsjahre (1806) 49; er meint's nicht bös' und er ist gar ein gutes schaf! Raimund 1, 142.
d)
häufig werden in diesem sinne die schafe den böcken entgegengesetzt, nach Matth. 25, 32 f.: und werden fur jm alle völcker versamlet werden, und er wird sie von einander scheiden, gleich als ein hirte die schafe von den böcken scheidet, und wird die schafe zu seiner rechten stellen, und die böcke zur lincken; ins kloster hatte das wetter böcke und schafe zusammengetrieben. Göthe briefe an frau v. Stein 1, 303 (vom 11. mai 1780).
e)
jetzt überwiegt bei schaf der begriff des einfältigen, dummen (vgl. 3, a): ich bin ein schaf, und bleibe ein schaf, das ich so leichtlich gleube. Luther 3, 333ᵃ; den einfeltigen (nennt die welt) ein schaff. meisterl. fol. 23 nr. 245; wenn auch alles gelehrte vieh und alle ungelehrten schafe, die ihrem leithammel nachkriechen, gegen uns aufblökten. Voss br. 1, 188;
nein, jr solt hie (an mir) kein schaf erschleichen.
H. Sachs fastn. sp. 1, 40, 102 neudr.;
jud, du bist ein einfeltig schaf.
Ayrer 2432, 21 Keller;
und so ich als ein schaff ausz einfältigem fehl
solt jrren, so kom du, mein hirt, mir hilff zugeben!
Weckherlin 281;
so spräch ich: nein, ich bin kein schaaf.
Weisze kom. opern 3, 30.
f)
zuweilen mit dem begriff des feigen, schwachen, wehrlosen: denn freilich ist's auch kein vortheil für die heerde, wenn der schäfer ein schaf ist. Göthe 56, 210;
ich weisz, er (Cäsar) wär' kein wolf,
wenn er nicht säh', die Römer sind nur schafe,
er wär' kein leu, wenn sie nicht rehe wären.
Shakesp. Cäsar 1, 3.
5)
besonderes:
a)
benennung der kellerasseln Adelung, und der Marienkäfer Campe, gewöhnlich im deminutiv.
b)
ebenso der blütenkolben mancher bäume, wegen ihrer dicken wolligen gestalt, gewöhnlich kätzchen genannt. Adelung.
c)
in Ostfriesland name einer kleinen silbermünze, die 2 stüber bez. 111⁄9 pfennige enthält, und deren 10 auf einen gulden, 15 auf einen thaler gehen; vgl. Schiller-Lübben 4, 47ᵇ. brem. wb. 4, 606. ten Doornkaat Koolman 3, 99ᵇ. als grund der benennung gibt Beninga chron. von Ostfriesl. (herausg. von Harkenroth. Emden 1723) s. 471 an: daer door eroverden de lantsknechten so groote buite ... voor een levendig schaep gaf men een klein stucke geldes, dat grave Edsard slaen laten hadde, dat daer door den naeme krege und wart eyn schaep genoemt, s. Schiller - Lübben a. a. o. dagegen erklärt Scherz-Oberlin 1370: schaf, schaff, ovis, nummus ea signatus.
d)
im rätsel von den sternen:
auf einer groszen weide gehen
viel tausend schafe silberweisz.
Schiller 11, 355.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1992, Z. 64.

schaf

schaf,
hobel (vgl. schabe sp. 1946). das geschlecht wird verschieden angegeben: schaef, m. dolabra Schottel 1393; schaf, der, belg. schaef Stieler 1700. Frisch 2, 156ᶜ; schaf, das Campe, mnl. schaef oder schaeve dolabra Kilian.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1998, Z. 31.

schäfe, f.

schäfe, f.
schote, zuckererbse. der ursprung dieses besonders im oberd. verbreiteten wortes, sowie sein verhältnis zu dem gleichbedeutenden käfe (s. theil 5, 17 f.) ist unklar.
1)
schote einer hülsenfrucht, schwäb. schefe, scheef Frommann mundarten 3, 146. Schm. 2, 384. 2) die hülsenfrucht, besonders erbse, mit der schote. Schm. a. a. o. Schmid 450. 3) erbse, pisum sativum Pritzel - Jessen (aus Schwaben); zuckererbse, besonders in der redensart einem in die schäfen gehen, ins gehege kommen Schm. a. a. o. Schmid a. a. o.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 2001, Z. 6.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
schwäherin schöpfquelle
Zitationshilfe
„schäfe“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sch%C3%A4fe>, abgerufen am 02.08.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)