Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

schäferei, f.

schäferei, f.,
mhd. schæferîe, md. schêferŷe, schêffereie seit dem 14. jahrh. Lexer handwb. 2, 629. Weigand 2, 539, nl. schaeperie Kilian, nd. schäperij Dähnert 399ᵇ.
1)
eine anstalt, wo schafe in menge gehalten werden, und zwar bezeichnet schäferei sowol den ort, wie die heerde selbst, wie auch alles, was zu deren unterhaltung gehört. Jacobsson 7, 181ᵃ; auch abstract für schafzucht im groszen, schäfereiwesen. Dusch briefe 1, 526; oviaria, grex lanigerarum bidentium, lanitia. Stieler 1709; oviaria, pecus ovillum Steinbach 2, 371; auf dem lande grosze schäfereyen haben, grandes in agris oviarias habere. ebenda; die schäferey betrachten, oviariam gregem observare. ebenda; dasz der dechant und der stifft mögen ein schäfferey haben zu Obermoxstatt. Grimm weisth. 3, 436; kummit iz abir also, daz die forgenanten lude keinen manne eins sunderhirten gunnent in den dorfen, adir einer scheferie. 484; wie in Hungern und Polen vor den scheffereyen unnd hürten, grosze stück steinsaltz liegen, daran die schaf lecken. Mathesius Sar. 127ᵃ; ein thal, dessen weitschweifftiger umbkreisz .. mit vielen hohen warten, schönen bächen, dörffern, majerhöfen und schäffereyen erfüllet ist. Opitz 2, 245; sie haben ja .. mit keiner seele umgang gehabt, als mit den nachtigallen in ihrem park und den lämmern auf ihrer schäferey. Wieland 11, 257; dies recht .. wurde gerade im vorigen jahrhundert, seit die edelleute die schäfereien vermehrten, eine arge plage. Freytag neue bilder (1862) 41;
dann sie (das weib) dörfft eim wol mehr müh machn,
als ein schäfferey zu bewachn.
Ayrer 2697, 32 Keller;
es sey ein edelthun die schäfferey bestellen.
Gryphius 1, 659.
2)
auch für schäferhütte: schäferey, etiam est tugurium, gurgustium, et casa opilionis, magale, et mapale. Stieler 1709.
3)
die gesamtheit der schäfer an einem orte:
Amor sagte laut: Pandrose
ist die zier der schäferey.
Götz 2, 209.
4)
schäfergesellschaft, schäferfest, schäferspiel (?):
und hier auf gieng er über heu und stroh ...
aus dieser schäferey nach hause.
Liscow (1739) 435.
5)
schäferleben, schäferwesen:
unsterblich ist und bleibet frey
die schäfer- und poeterey.
G. Neumark bei Gödeke 11 bücher 1, 309ᵇ;
lustig ist die schäferei.
Pröhle volksl. 257.
6)
scene aus dem schäferleben und darstellung einer solchen in poesie oder malerei: in einer stube will ich ihnen schäfereyen, in der andern jagdstücke, in der dritten prospecte, in der vierten schlachten malen. J. E. Schlegel 2, 63; hauptsächlich schäfergedicht, bukolisches gedicht; so besonders im 17. jahrh.: schäferey, die, bucolica, etiam hirtengespräch, poemata pastoralia. Stieler a. a. o.; Martin Opitzen schäfferey von der nimfen Hercinie. Opitz 2, 245 (überschr.); uber die schäferey Amœna, eines ungenanten freundes. Logau 1, 2, 3 (überschr.); diesem geschmacke haben wir unsere schäfereyen und hirtenflöten zu danken. Hagedorn 3, 167.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 2004, Z. 33.

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schwäherin schöpfquelle
Zitationshilfe
„schäferei“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sch%C3%A4ferei>, abgerufen am 05.08.2021.

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