Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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schäfer, m.

schäfer, m.
schafhirt, opilio, ovilio, pastor ovium. Stieler 1709. ableitung zu schaf; schon ahd. scaphare, ovilio Graff 6, 442; mhd. schâfære, schâffer, scheffer, md. schêfêre, schêfer Lexer handwb. 2, 628 f.; mnd. schaper, scaper Schiller-Lübben 4, 48ᵇ, nl. schaeper Kilian, und scheper:
scepers die haer beeste scouwen.
quelle aus den jahren 1430—50, s. zeitschr. für deutsches alterthum 1, 264;
in neuern mundarten bair. schâfar, schaafar, schaffe Schm. 2, 377. Schöpf 585. Zingerle 49ᵃ. cimbr. wb. 226ᵇ, nd. schäper, scheper Dähnert 399ᵇ. brem. wb. 4, 606, schâper Schambach 180ᵇ, schæ̊per Woeste 225ᵃ, schaop'r Danneil 183ᵇ; daneben mit erweiterter ableitung schafler, schäfler, schaffeler und schâferer, schafferer Schm. a. a. o. Schöpf a. a. o.
1)
im eigentlichen sinne einer, der schafe hütet; opilio hd. scheffer, schefer, scheuer ... nd. schepper Dief. gloss. 397ᵇ; ovilio schäffer nov. gloss. 275ᵇ; de wulve wolden vruntschop myt den schaperen anghan unde beden. quelle bei Schiller-Lübben a. a. o.; und Habel ward ein schefer. 1 Mos. 4, 2; guten tag, Brandfuchs! bist du als schäfer immer noch so lustig, als du als gärtner warst? Fr. Müller 3, 377; jener Pierre Vidal von Toulouse, der seiner herrin zu ehren in einem wolfsfell auf allen vieren umherlief, bis er von schäfern und schäferhunden halb todt gebissen und geprügeltwurde. Freytag bilder (1859) 1, 234;
ain alte vettel:
schlag auf und lasz tanzen und springen,
so will ich zwen lang tutten her schwingen,
die wil ich noch heur eim schefer geben,
die werden im zu zwaien sackpfeifen eben.
fastn. sp. 738, 32;
wenn der schäfer scheren will.
wunderhorn 1, 158 Boxberger;
als .. flötend hirt und schäfer
durch abendschatten schlich.
Hölty 8 Halm;
fleisziger schäfer, opilio sedulus ac frugalis Stieler 1709; häufiger und fast sprichwörtlich ein fauler schäfer; zur bezeichnung einer nachlässigen haltung: sich auflegen wie ein fauler schäfer u. ä. Spiess 205;
es war ein fauler schäfer,
ein rechter siebenschläfer,
ihn kümmerte kein schaf.
Göthe 4, 100 Weim. ausg.
schäfer von schafhirt geschieden: niemand war ausgeschlossen nach solcher höch (dem kaiserthum) sich aufzupäumen, schäfer, ochsentreiber, säutreiber, schafhirten, küehirten, säuhirten. Aventin. chron. 1, 924, 11. dabei bezeichnet schäfer gewöhnlich den obersten hirten und aufseher des schafstalles, der sonst schafmeister (vgl. das.) heiszt.
2)
in der idyllischen dichtung des 17. und 18. jahrh. als vertreter natürlicher unschuld und zärtlicher liebe; in diesem sinne der griechischen bukolischen dichtung der Alexandrinerzeit entlehnt, die sie in Arkadien zu localisieren pflegte: freylich hat er (Franz Moor) nicht gelernt, gleich dem schmachtenden schäfer Arkadiens, dem echo der grotten und felsen seine liebesklagen entgegen zu jammern. Schiller räuber 3, 1 schauspiel;
seitdem entbrannte Chloris,
jedoch für andre schäfer.
seitdem fieng mancher schäfer
aus Chloris augen feuer.
Hagedorn 3, 66;
was sollen manche schäfer wissen,
dasz du bereit bist, sie zu küssen?
ich sey allein der schäfer, der es weisz!
Gleim 1, 112;
winde, wie die in der goldenen zeit, die vom ohre des schäfers
hoch zu der götter ohr flohn mit der schäferin ach.
Klopstock oden (1771) 282;
gefälligkeit raubt unserm schäfer (Endymion) oft
die gunst, worauf umsonst die stolze schönheit hofft.
Wieland 10, 139;
an des baches stillen weiden
sang Tiren mit nassem blick,
klagte Phyllis seine leiden ...
aber Phyllis sang zurück:
'schäfer, ich versteh' dich nicht!
schäfer, ach ich glaub' es nicht'.
Herder z. litt. u. kunst 7, 199;
dem schäfer ist gar so weh.
Göthe 1, 95;
ihr einzigen, für die noch kein sonnet gegirret ...
kein schäfer noch arkadisch starb.
Schiller 1, 234 (an die Parzen);
dort weint am grabe seiner schäferin
ein schäfer.
1, 331 (Semele 2).
daher auch gradezu für einen solchen tändelnden oder schmachtenden liebhaber, ohne dasz dieser damit wirklich als schafhirt bezeichnet werden soll: jetzt .. sollte ich zugeben, dasz er (Tellheim) sich verliebten träumereyen mit mir überliesze? dasz der ruhmvolle krieger in einen tändelnden schäfer ausarte? Lessing 1, 593;
bald reist ein schäfer übers meer,
bald hört er auf zu lieben.
Gotter 1, 88;
ihr (Climenens) mund erlaubt, dasz ich ihr schäfer sey!
Uz 130 Sauer;
welch süszem traume geb ich raum,
der mich zum schäfer machet!
ebenda;
selig wären wir traun, selig, wie keiner ist,
näm' ein friedliches thal uns in die blumen auf,
frohe schäfer, ach, fiele
nie das eiserne trennungsloos.
Hölty 94 Halm (an meine freunde).
3)
sprichwörter und redensarten:
a)
der schäfer ist verdächtig, der beim wolfe gevatter steht. Simrock sprichw. 8824.
b)
schäfer und schinder
sind geschwisterkinder.
8823, vgl. Wander 4, 72, 26 u. 30.
c)
nd. et is doch een unnerscheed unner'n scheper un sinen köter, man musz die leute ansehen und einen unterschied machen. Dähnert 399ᵃ.
d)
das volk sagt der schäfer hütet, um die leichten gefleckten wolken (s. schäfchen 4, a) zu bezeichnen; nd. de schæper hödt. Woeste 225ᵇ. Frommann mundarten 5, 291 (um Fallersleben). Firmenich völkerst. 3, 188, 104 (grafschaft Mark).
4)
zur bezeichnung anderer gegenstände. a) ein hund, der den schafen nachsetzt; vgl. schäfern. Stalder 2, 306. b) hocken am ende eines ackers, die weniger als zehn und daher vom zehnten befreit sind, endehocken, freihocken. Adelung.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 2002, Z. 36.

schäfern, adj.

schäfern, adj.,
nebenform zu schäfen (vgl. das.), ovinus, ovillus Steinbach 2, 371; er habe ... das kleine kniebeinlein von einem gebratenen schäfernen schlägel am bloszen leibe getragen. Hohberg 1, 277ᵃ. dumm, einfältig (vgl. schäfen 4): mit dem schäfernen bedienten. Musäus volksm. 2, 183.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 2009, Z. 32.

schäfern, verb.

schäfern, verb.
1) nach dem schafe schmecken oder riechen. henneb. dasz flæsch schäffert. Frommann mundarten 2, 459. Schm. 2, 377. 2) der hund schäfert, setzt den schafen nach. Stalder 2, 306. 3) wie ein schäfer oder eine schäferin sich benehmen oder aussehen (?): die unter erdichteten namen im roman vorkommenden schäfernden personen. Schlosser weltgesch. 14, 593;
das (waren) vasen! wo in der galatracht
spazierten schäfernde damen!
A. v. Droste-Hülshoff 1, 188.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 2009, Z. 37.

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Zitationshilfe
„schäfern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sch%C3%A4fern>, abgerufen am 03.08.2021.

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