Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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schaft, m.

schaft, m.
scapus, hastile u. s. w.
A.
Formen und herkunft. das wort geht durch fast alle germanischen sprachen, nur goth. nicht belegt, ahd. scaft, daneben scefti, scefte (plur. oder n.? Graff 6, 460 und Haupt zeitschr. 6, 328, 114), mhd. schaft, plur. schefte, selten schafte:
diu swert sie hôhe wurfen   mit handen ellenhaften,
sam die der wer bedurfen.   die schirben flugen hôch gelîch den schaften.
jüng. Tit. 4207.
alts. scaft, ags. sceaft, mittelengl. shaft, schaft, engl. shaft, altn. skapt und skepti, n., dän. schwed. skaft, in den niederdeutschen dialekten neben seltenerem schaft (mit umsetzung des f in ch, wie sacht, kracht, lucht zu sanft, kraft, luft) schacht, auch schecht Schiller - Lübben 4, 56. brem. wb. 4, 616, mnld. schacht Kilian, holl. schacht. verwandte bildungen auszerhalb des germanischen sieht man in griech. σκᾶπος, σκῆπτρον, lat. scapus Fick⁴ 1, 142.
B.
Bedeutung und gebrauch.
1)
schaft im eigentlichen sinne, zunächst stange, stab: schaft, stange Campe, nd. schecht brem. wb. 4, 616:
Tschubin, das heiszet stangenhaft,
denn sein wuchs war lang wie der stange schaft.
Rückert morgenl. sagen 1, 234.
von der fahnenstange:
so furistu in dîner hant
den scaft nuwe unde lanc,
vil dicke hangit dar ane
der sidene vane.
vom glouben 2443,
auch wol für die ganze fahne: so man den schafft uffstecket, dy wyle sullen sy nicht koifen. sächs. weichbildrecht 15 Walther. vom bergstock gebraucht:
wie er sie steigen sehen möcht
hin und wider in dem gebirg
in die höh und nach der zwirg
mit jren spitzen schäfften lang.
Wickram irr reit. pilger 19ᵇ.
das nd. schacht 'knittel zum prügeln' steht übertragen auch für hiebe, schläge: es giebt schacht. kriegst schacht nach noten. Frischbier 2, 252ᵇ; dazu das verbum schachten 'prügeln' ebenda.
2)
der lange, gerade theil des spieszes oder des pfeiles, an dem die eiserne spitze befestigt ist: schaft des spieszes seu spiesz schaft hastile Stieler 1715; und der schafft seines spieszes war wie ein weberbawm. 1 Sam. 17, 7;
lîđô thes lêđôston,   druog it an ênon langon skafte.
Heliand 5651;
und stach im einen selhen stich,
daʒ daʒ îsensper sich
lôste von dem schafte.
Iwein 5031;
mädchen — stark wie eiche stehet noch dein dichter,
stumpf an meiner jugend felsenkraft
niederfällt des todesspeeres schaft.
Schiller 1, 297;
und sie (Ceres) nimmt die wucht des speeres
aus des jägers rauher hand,
mit dem schaft des mordgewehres
furchet sie den leichten sand.
11 294;
und in der rechten
trug er den speer eilf ellen an läng', und vorn an dem schafte
blinkte die eherne schärf', umlegt mit goldenem ringe.
Voss Il. 6, 319;
und jegliches lanze
ragt' auf des schaftes spitz emporgerichtet, und fernhin
strahlte das erz.
10, 153;
bildlich:
ja zu leicht nur überbieten läszt sich eines menschen kraft,
will uns gottes hand zerbrechen, sind wir nur ein schwacher schaft.
Platen 238ᵃ;
weil du gelöst mit pochen
des pfeilbunds stark geflecht,
sank, schaft für schaft zerbrochen,
dahin dein ganz geschlecht.
Geibel 3, 190.
schaft aus eschenholz, elfenbein, fischbein, aus der haut des schwertfisches: man dræt scheft auʒ seiner (des schwertrüssels) haut. Megenberg 237, 31; erwähnt für den ganzen speer selbst (vgl. nachher 3):
der heiden michil herskaft
manegen eschinen skaft
verstâchens ûf die kristen.
Stricker Karl d. gr. 5117;
von nagele huop er einen schaft,
dar an versuochte er sîne kraft,
der was von helfenbeine.
Biterolf 2195;
eins wales einen schaft guot
fuorte der degen vischîn.
11897.
schaft ohne speerspitze galt als friedenszeichen:
dô fuorte der marcgrâve her
einen schaft âne sper,
daʒ man dâ bi gesæhe
daʒ man in frides jæhe.
Biterolf 5954.
mit dem mhd. erlischt der gebrauch von schaft als meszstab:
daʒ der nebel disehalp sîn
mit des liehten mânen schîn
gesteic wol zweier schefte hôch.
Wigal. 6813.
3)
speer, lanze selbst: kint mannô tende irô geuuêpene in sceifte. kl. altn. denkm. 11. ps. 56, 5; alle die wîle und sich der man ... ûf ein ros mit einem schilde und mit einem schafte gesizen mac. Schwabensp. c. 45 Gengler;
sô si den stein wurfen   oder schuʒen den schaft.
Nib. 129, 4;
doch wie er zog im gedränge, verwundet' ihn unter dem schilde
jener mit erzgerüstetem schaft und löst' ihm die glieder.
Voss Ilias 11, 260;
sondern er traf Alkmäon, des Thestors sohn, mit der lanze
stosz und entrisz ihm den schaft, da taumelt' er, folgend der lanze.
12, 395.
einen schaft brechen wie einen sper brechen:
er sprichet, mohter einen schaft
zebrechen, trôst in des sîn kraft
er tæte gerne rîters rât.
Parz. 66, 19.
übertragen: gräszlich ists ... dabei zu stehn, wenn das blutende herz am eisernen schaft der nothwendigkeit zittert. Schiller 3, 440;
diesz ist die stelle, wo mit bitterm schafte
der gott der liebe mir die brust zertheilet.
Platen (1853) 4, 119.
4)
übertragen auf stangenähnliche gegenstände.
a)
schaft, der lange gerade stamm des baumes, besonders der fichten und palmen. Campe: ferner wird auch das baum-holtz ohne abraum, und nur allein der schafft .. verkaufft. Döbel 3, 43ᵃ; wo ihr euch an den mauern andrängt, stellt .. sich die schlanke fichte mit schaft und wurzeln entgegen. Göthe 15, 303; hohe, schlanke, geringelte, bisweilen stachlichte schäfte (der palmen) mit anstrebendem, glänzendem laube. 33, 140; steht veraltet eine herrliche buche da, entblättert, entästet, mit geborstener rinde, damit sie uns aber durch ihren herrlich dargestellten schaft nicht betrübe, sondern erfreue. 39, 266; lasurgrün umzitterte blätter und bäume, ihre schäfte waren gold. Thümmel reise 7, 224; in der botanik heiszt schaft ein krautartiger stiel, der nur blumen, aber nicht blätter trägt und aus dem abwärtssteigenden oder auch aus dem mittleren schaft entspringt. Campe. übertragen:
o Juanito! du verjüngter schaft
der lilien, die Leganes schild beschatten,
steig' auf in unserer väter heldenkraft.
Chamisso (1836) 4, 106.
b)
in der baukunst der gerade, glatte theil der säule zwischen dem fusze und knaufe, scapus columnae. Frisch 2, 158ᵇ: denn die schäfte (der säulen), welche von einzelnen werkstücken .. zusammengesetzt waren, sind völlig zu staub verwittert. Göthe 37, 182.
c)
technischer ausdruck, als theil von werkzeugen, geräten u. s. w.
α)
eine handhabe überhaupt, speciell das heft am messer Adelung, vgl. isl. skapt (= handle, haft) Cleasby-Vigfusson 539ᵃ. übertragen: und so musz auch die liebhaberin eines bruders durchaus und noch nöthiger eine schwester haben, deren freundin sie ist, und die der henkel und schaft am bruder wird. J. Paul Hesp. 1, 64.
β)
am gewehr das gerade und glatte holz, in dessen vertiefung der lauf des gewehres und das schlosz eingelassen ist, scapus sclopi, sustentaculum manubriatum. Frisch 2, 158ᶜ; früher auch schäfte das gestell, auf dem die kanonenrohre ruhen, die lafette.
γ)
am leuchter der senkrechte haupttheil des leuchters, der auf dem fusze ruht, scapus candelabri. Frisch 2, 158ᵇ: du solt auch einen leuchter von feinem tichten gold machen, daran sol der schafft mit röhren, schalen ... sein. 2 Mos. 25, 31; der leuchter aber war tichte gold beide sein schafft und seine blumen. 4 Mos. 8, 4.
δ)
der obere, mit mark angefüllte theil der federkiele Campe.
ε)
der theil des stiefels, der das bein vom knie bis an den hacken und das fuszblatt bedeckt. Jacobsson 4, 296ᵇ, scapus ocrearum Stieler 1715; dy meyde trugen .. keine wisse noch rothe scheffte an den schoen. Haupt zeitschr. 8, 319.
ζ)
schaft im schiffswesen in mehrfachem sinne: die holzverstärkung an der vorderseite des vorstevens, welche von dessen unterem theile bis unter das bild des galjons reicht. Bobrik naut. wb. 580ᵃ; die 18 fusz lange spitze des vordertheils der Elb- und Oderkähne; das längste gerade stück des steuers; die gerade dicke eisenstange am anker, die den haupttheil desselben bildet, an welcher oben der ankerring und unten die ankerarme befestigt sind. Campe. schaft als theil eines taues. Bobrik 245ᵃ.
η)
am schlosz der rückwärtige theil eines schloszriegels. Karmarsch-Heeren³ 7, 569; ein stück eisen, dessen ende mit einem nagel an der thür befestigt ist, und mit dem andern in einen klinkhaken fällt. Jacobsson 7, 181ᵃ; am schlüssel das cylindrische stängelchen, an dem der ring und der bart sitzt. Karmarsch-Heeren a. a. o.
θ)
in der baukunst eine art pfeiler, der zwischen den pfeilern in die höhe geht, und nur wenig, etwa 1 oder 1⁄2 zoll aus der mauer tritt, oft auch nur von kalk angeworfen ist. auch steht es für das stück mauer, welche zwischen zwei fenstern oder einem fenster und der hausthür in die höhe geht. Jacobsson 7, 181ᵃ.
ι)
in der weberei zwei hölzerne stäbe, die durch eine menge zwirnsfäden vereinigt sind, so dasz die beiden stäbe, wenn der schaft im webstuhl hängt, parallel laufen. Jacobsson 3, 545ᵃ.
κ)
in der nadelfabrikation die zugespitzten enden draht von messing oder eisen, welche den stiel einer stecknadel ausmachen. Jacobsson 3, 122ᵇ.
λ)
die einzelnen stränge, aus denen ein tau geflochten ist. Campe: erstlich nimm die zersprungene leine, und drehe die vier schäffte von iedem ende herein .. doch dasz ieder schafft noch bey einander bleibe. Döbel jägerpr. 2, 85ᵇ.
d)
das männliche zeugungsglied der säugethiere, besonders der pferde, equorum inguen Stieler 1715; wann ein pferdt nit stallen kan, nach dem als es geritten worden, so nimb ein lausz oder mehr, stosz jm die in den schafft, oder gib jm gichtbaum zu essen. Seuter rossarzn. 100; auch soll der schafft kurtz und schwartz seyn. Hohberg 2, 135ᵇ. die schaft, das geburtsglied einer hündin. Heppe leithund 365 anm.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 2048, Z. 31.

schaft, n.

schaft, n.
schrank (s. schaff sp. 2013).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 2050, Z. 58.

schaft, m.

schaft, m.
abgabe, tributi species, schatzung Scherz-Oberlin 2, 1372. von den vorigen verschieden, wahrscheinlich mit schaffen zusammenhängend: item der osterschafft hat diese jahr ertragen laut schafftzettel 16 f 8 s 9 pf. johannisschafft, michaelisschafft, weynachtschafft, ländliche schafft der leuthe. quelle bei Scherz-Oberlin 2, 1372; weil ich zugegeben, dasz meine amtleute, schösser, rentmeister .. den schafft, gewerff, gülte und renten erhöhet. Philander 1, 622.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 2050, Z. 59.

schäft, n.

schäft, n.,
hd. veraltet für geschäft, mnd. scheft Schiller-Lübben 4, 60: wiewohl e. k. f. g. itzt mit hohen schäften beladen von iederman billig ungemühet bliebe. Luther briefe 3, 330 de Wette.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 2050, Z. 67.

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Zitationshilfe
„schäft“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sch%C3%A4ft>, abgerufen am 02.08.2021.

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