schäle f
Fundstelle: Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 2064, Z. 49
1) mit umlaut für schale: kartoffeln mit schälen Frischbier 2, 255. 2) nach dem nd. worte schel, schele, ags. scile, unterschied, miszhelligkeit, streit, mit fehlerhafter schreibung, ins hd. übertragen, wovon auch verschäl gebildet ist. Adelung s. v. schel. 3) ebenfalls mit falscher schreibung, schälhengst, zuchthengst, auch beschäler, ahd. scelo, admissarius Graff 6, 475: sy sind aus brunst der unkeuschheit gleich worden schälen, ein jeder wyhlet gegen seines nächsten eeweib. Züricher bibel 1530, 351ᵇ. Jerem. 5, 8.
schale f
Fundstelle: Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 2060, Z. 3
crusta, patera, urgerman. wort, ahd. scâla, mhd. schale, schal, schâl (über die quantität vgl. Lachmann anm. z. d. Nibel. 1750, 3, gewöhnlich f., selten m., z. b. Parz. 794, 23); alts. skala, mnd. schale und schelle, schille, niederl. schaal, ags. scealu, engl. shale, scale und shell, altn. skál, skel, dän. skal, skaal, schwed. skaͦl, dazu goth. skalja, ziegel. ins ital. drang es als scalgia, ins franz. als écaille und écale. ob die doppelformen mit langem und kurzem vocal, welche die meisten dialekte bieten, nach den beiden bedeutungen des wortes (s. I und II) getrennt sind, ist unsicher. jedenfalls scheint es zu einer indogerm. wurzel skel, spalten zu gehören (Kluge 294), von der auch die griech. worte σκάλλειν, σκαλίς, σκολύπτειν u. a. abstammen, vergl. Pott etym. forsch.² 2, 3, 683 ff. und Fick vergl. wb. der indogermanischen spr.⁴ 566. im ahd. wird das wort stark flectiert, im mhd. tritt daneben die schwache declination. vorzüglich in mitteldeutschen quellen (Dief. 140ᵃ. 153ᵇ) erscheint neben dem kurzvocalischen schale auch die form schelle, die sich nhd. als schäle fortsetzt, s. d. 1. Bedeutung und gebrauch.
I.
äuszerlich umgebende hülle, hülse, rinde, crusta, ein harte schal oder rinde Dasyp.; concha, ein harte schalen ebenda; schale, testa ebenda.
A.
In eigentlicher bedeutung.
1)
an obst, nüssen, bäumen u. s. w.: schaale, cortex, rinde am baum Schottel 1392; die grün rind odder scheel an der nuss, ein scheel an den äpfeln, hasselnüssen, rhor, äpffelscheel. Alberus; die weisze hirzwurz hat eine weisze wurzel, obschon gleichwol die äuszerste schäle darvon graulechtig ist. Tabernaemont. (1664) 312 E; die schale von alten pappeln, die nichts kostet, vertritt dessen (des korks) stelle vollkommen. Krünitz; wenn die frucht reif ist, zerspringt die schaale. Herder z. phil. u. gesch. 7, 203; hunde verzehrten begierig die weggeworfenen schalen unserer würste. Göthe 28, 153;
kern, schale mit dem stamme,
die sachen einen boum.
H. v. Müglin (hdschr.) 209ᵃ.
auch sprichwörtlich gebraucht: an der schale beiszt sich mancher die zähne aus, eh er zum kern kommt. Simrock sprichw. 477.
2)
an schnecken, muscheln, eiern u. s. w., concha, als eines schnägken, schalen, herte rauhe haut oder überzug etlicher meerfischen und anderer thieren als käfferen, guͦgen. Maaler. Oken 4, 306; schalen und schneckenheuser waren jr schüsseln und trinkgeschirr (der ersten menschen). Mathesius Sir. 8ᵇ; die jungen (des skorpions) sollen sich durch den bauch der mutter fressen, und also ans tageslicht kommen, und kann die haut oder durchgefressene schale des scorpions dessen ein augenscheinlich exempel seyn. Olearius pers. roseng. 7, 10;
to lesten he (ein adler) ene sniggen vant,
de was gekropen up dat sant
unde stekede an oren fasten schellen.
Gerhard von Minden 12, 7;
drum achtet ihn gleich einem schlangeney,
das, ausgebrütet, heftig würde werden
wie sein geschlecht, und würgt ihn in der schale.
Shakesp. Julius Cäsar 2, 1;
so sucht man in dem weiten sand des meers
vergebens eine perle, die verborgen
in stillen schalen eingeschlossen ruht.
Göthe 9, 138;
als, mit Eurotas schilfgeflüster,
sie leuchtend aus der schale brach,
der hohen mutter, dem geschwister
das licht der augen überstach.
41, 224;
kein mensch bewohnte sie (die insel), fischreiher
seeraben, möwen allerhand,
die legten sommers dort die eier
und brüteten im sonnenbrand.
jetzt deckten schalen diese klippe,
von todten jungen die gerippe.
Immermann 13, 138.
3)
an animalischen körpertheilen Adelung und zwar
a)
die knochenschale des menschlichen gehirns. im nhd. gewöhnlich nur im compositum hirnschale (s. d.):
dem zerspielt er die schalen,
daʒ daʒ hirn dar ûʒ flôʒ
und er ûf die erden schôʒ.
Herb. v. Fritzlar troj. krieg 7632;
diu stirne wart im und der schopf
sô gar verschroten überal,
daʒ helmes boden und die schal
des hirnes vielen ûf daʒ gras.
Konr. v. Würzburg troj. krieg 36578.
b)
die hörnerne bedeckung des fuszes mancher thiere: die schaalen werden die unten hornichten theile am laufte (der hirsche) genennet. Döbel jägerpr. 1, 18ᵃ; schalen, ungulae quarundam ferarum, als der wilden-schweine, der hirschen, was oben die ballen decket. Frisch 2, 159ᵃ; auch pferdehuf ebenda (nach Fleming teutsch. jäger);
mit heiszer schale
und glühn'der brust fällt er (der hirsch) hinein.
der hund, das ross springt hinterdrein.
Immermann 13, 60.
B.
In übertragenen und bildlichen ausdrücken, überaus häufig und zwar:
1)
im gegensatz zu einem kern (s. dort 12, theil 5, 599), um das äuszere gegenüber dem innern zu bezeichnen: wäre es euer ernst der welt nütze zu seyn, so würdet ihr nicht an den bloszen schalen kleben, und den kern gantz dahinden lassen. Weise erznarren 68 neudruck; der innere sinn ist der kern ihres werthes, das übrige ist nur schale. Kant 3, 101; dieser (Eduard) .. bestellte sogleich in der stadt den niedlichsten koffer mit rotem saffian überzogen, mit stahlnägeln beschlagen, und angefüllt mit geschenken, einer solchen schale würdig. Göthe 7, 152; in einem jeden neuen kreise musz man zuerst wieder als kind anfangen, leidenschaftliches interesse auf die sache werfen, sich erst an der schale freuen, bis man zu dem kerne zu gelangen das glück hat. 21, 44; diese prediger stumpften sich die zähne an den schalen ab, indessen ich den kern genosz. 19, 325; aber in zeiten des umschwunges, wenn ein neuer geist umgeht, hat die alte schale des gewohnten rechtes keinen werth mehr, da der kern heraus ist. Keller Seldwyla 1, 179;
ich hab die schaln, er hat die kern.
Hollonius somnium 63 neudruck;
dir bleibet doch der kern, sie sättigt sich mit schalen.
du hast das beste brodt, sie nimt die brocken an.
Hoffmannswaldau heldenbr. 65;
wir bildeten uns ein, dasz weisheit und verstand
uns nicht gewehret wird als nur durch fremde hand,
dasz nur der künste kern in fremden schalen stecket.
begräbnisged. 30;
küszt man euch (mädchen), so heiszt es thalen,
ich versteh wohl, das sind schalen,
darum wollt ihr nur den kern.
Günther 241;
ins innre der natur dringt kein erschaff'ner geist,
zu glücklich, wann sie noch die äuszre schale weist.
Haller 74;
ihr habt die schale nur; der kern der wahrheit fehlt,
wenn ihr mit nackten kleinen sternen
berühmte namen schreibt.
K. Eb. Schmidt kom. dicht. 43;
leben wähnst du noch immer zu sehn, dich täuschen die züge,
hohl ist die schale, der geist ist aus dem leichnam geflohn.
Schiller 11, 81;
natur hat weder kern
noch schale.
alles ist sie mit einemmale;
dich prüfe du nur allermeist,
ob du kern oder schale seyst.
Göthe 3, 112;
du bist, den ich gesuchet, du, der, vom wahne fern,
zerbricht die hohle schale und sucht nach ihrem kern.
Chamisso 1, 274.
2)
um blosze äuszere hülle oder äuszerlichkeit, oft auch schein und unwahrheit zu bezeichnen: darumb sihe eben drauff — das du nicht habest die losen ledigen schalen von der liebe, auff der zungen einwebend. Luther 6, 53ᵃ; dasz seine nation ... begreifen werde, dasz alle schalen und schlacken der zeit und des individuums, durch welche sich auch der beste hindurch und heraus zu arbeiten hat, nur augenblicklich, vergänglich und hinfällig gewesen. Göthe 46, 232;
nicht ein betrug, versteckt in güldnen schalen,
machts, dasz man sich in deinen lehr-saal dringt.
Haller 235;
ihr, die ihr tugend liebt, legt eure schalen ab,
nicht passend mehr für euch gebt willig sie dem grab.
Wieland 1. suppl.-bd. s. 238 (natur der dinge 5, 423);
leise bist du nur umfangen,
schlaf ist schale, wirf sie fort!
Göthe 41, 5;
zwar masken, merk' ich, weiszt du zu verkünden,
allein der schale wesen zu ergründen
sind herolds hofgeschäfte nicht,
das fordert schärferes gesicht.
46;
kräftig und zierlich aber zieht
schon der schalk die geschmeidigen,
doch elastischen glieder
listig heraus, die purpurne
ängstlich drückende schale
lassend ruhig an seiner statt.
231.
II.
ein gefäsz von der form einer halben nusz- oder eierschale, das zu den verschiedensten zwecken, meist aber zur aufnahme von nahrungsmitteln gebraucht wird: schalen, guldin oder silberin trinckgeschirr, ampulla, phiala. Maaler 346ᶜ; ein gefäsz zum essen oder trinken, patera, scutella. Frisch 2, 159ᵃ.
1)
eigentlich, in neuerer sprache besonders in gehobener rede: item 26 scholen und vier kumpechte mit lepchin. Frankfurter arch. Elsen von Holzhusen inventar 1410; item 7 gulden umb ein schalen die marg vür 7 gulden und wiget 1 marg. ebenda; du solt auch seine schüsseln, becher, kannen, schalen aus feinem golde machen, damit man aus- und einschenke. 2 Mos. 25, 29; und trincket wein aus den schalen. Amos 6, 6; ein wort geredt zu seiner zeit, ist wie gülden epffel in silbern schalen. spr. Sal. 25, 11; wie kommt dir dies trinkhorn vor, Römer? doch du trinkst aus zierlichen schalen. Klopstock 9, 264; einst hat das griechische mädchen dich Semele gerufen und sie hat dir die schale mit purpurnem mohn bekränzt. Freytag verl. handschr. 1, 4;
man truoc von golde (eʒ was niht glas)
für si manegen tiwern schâl.
Parz. 794, 23;
ho! wein her, den uns das Welschland
ohn des bapsts sig und segen sendet,
ein schalen voll in meiner hand
davon wirt bald wol angewendet.
Weckherlin 531;
wie der ungeschminckte wein
seinen schein
duppelt in Venedigs schalen;
so vermählt sich blüt und frucht,
zier und zucht,
so steht scham bey schönen jungen.
Fleming 389;
weingott, bist du mir so nah,
mir so nah bei jedem mahle?
füllst du mit ambrosia
und mit nektar jede schale?
Bürger 72;
dann, von keines fürsten mahle,
nicht von seines gartens frucht,
noch des rebengottes schale,
würde dann mein gaum versucht.
79;
eine schale des stroms, welcher vergessenheit
durch elysiums blumen rollt,
eine schale des stroms spende mir, genius!
Hölty 114 Halm;
bei dem erndtemahle
iszt aus einer schale
knecht und bauersmann.
175;
du nimmst ein schreckliches geheimnis mit,
das jenen starken giften gleich die schale,
worin es aufgefangen wird, zersprengt.
Schiller 5, 2, 213;
denn was frommt es, dasz mit leben
Ceres den altar geschmückt?
dasz den purpursaft der reben
Bacchus in die schaale drückt?
11, 359;
und da galt kein vorbereiten.
heller ward's mit einemmale
von dem glanz der vollen schale,
die ein schöner knabe trug.
Göthe 1, 199;
wie das becken schwillt!
wie sich jede schale
voll mit wasser füllt!
1, 238;
doch wenn es allgewaltig brennt,
dann greifst du nach der schale;
der schenke läuft, der schenke kömmt
zum erst- und zweytenmale.
5, 42;
nun komm herab, krystallne reine schale!
hervor aus deinem alten futterale,
an die ich viele jahre nicht gedacht.
12, 43;
zum Parnassos will ich, und, wenn, im dunkel der eiche
schimmernd, mir irrenden dort Kastalia's quelle begegnet,
will ich, mit thränen gemischt, aus blüthenumdufteter schale
dort auf keimendes grün das wasser gieszen.
Hölderlin 1, 175 Köstlin;
die sonne blinkt von der schale rand,
malt zitternde kringeln an die wand.
Chamisso 1, 133;
aus hoch erhob'ner schale laszt das freud'ge kind
der sonne leuchten über uns.
1, 331;
auch der hasz ist liebe,
schöpfend mit dem siebe
statt der schal' im born.
Rückert 2, 429;
allein es ist ein schöner knabe
mit einer goldnen schaal' in händen,
in der goldgleiche früchte liegen.
4, 50;
dann geb' ich täglich assemblee!
und meine schalen zum kaffee,
die müssen von brillanten sein,
und gold'ne kipfel tunkt man ein.
Raimund 1, 58;
drauf brachten die nonnen zuckerbrödchen,
für jeden freilich nur ein löthchen,
und milch in einer blanken schal'.
Immermann 13, 228.
2)
in mancherlei bildern: gehet hin, und gieszet aus die schalen des zorns gottes auff die erden. offenbar. Joh. 16, 1; die schale des spottes über jemand ausgieszen; anders: ich will mich zwischen dich und das schicksal werfen — empfangen für dich jede wunde — auffassen für dich jeden tropfen aus dem becher der freude — dir ihn bringen in der schale der liebe. Schiller kab. u. liebe 1, 4;
jeder kommende tag knüpfte das seelenband
unauflöslicher fest, geudete für und für,
aus der goldenen schale
neue freuden auf uns herab.
Hölty 94 Halm;
schäumend beut die zauberische schale
die natur den auserwählten dar,
trunken von der schönheit göttermahle
höhnet glück und zeit die frohe schar.
Hölderlin 1, 29 Köstlin.
3)
für den inhalt einer schale, als kalte schale (vgl. auch zusammengerücktes kalteschale theil 5, 90), bezeichnung eines kühlenden gerichtes aus bier, wasser, wein, milch und brod oder ähnlichem: wein-kalteschale est intritum vini, et kalteschalen in genere dicuntur impomenta. Stieler 1716; nun wurde obst und kalte schaale vorgesetzt, und das gesundheittrinken gieng von neuem an. Miller Siegwart 2, 50; kalte schale gemacht. Göthe briefe an frau v. Stein 1, 142;
sie spielten alle nachmittag,
nach eingenommnem mahle,
in einer sommerlaube schach,
und aszen kalte schaale.
Hölty 26 Halm.
blosz als schale genannt:
es ward in einer stadt auff einem weitem saale
viel jung-gesinntes volk ergetzt durch tantz und schale,
so unser jahre lentz vor andern frölich macht.
Hoffmannswaldau hochzeitsged. 9;
da dieses werthe paar auf einem groszen saale
bey kurtzweil, liedern, tantz, gespräche, spiel und schale
in höchsten freuden sasz.
35.
4)
schale an einer wage: wag-schale, lanx. Frisch 2, 159ᵃ.
a)
eigentlich: wenn die waage nicht vollkommen inne steht, da kann das gleichgewicht nur durch eine schwankung der beiden schaalen hergestellt werden. Schiller 14, 10;
und auf geheisz des weisen meisters brachten
sie eine wage, deren eine schale
mit gold und aber gold er hiesz befrachten.
und in die andre legt er blosz das kahle,
das kleine knochenstück, und, wundersam!
die senkte schnell und mächtig sich zu thale.
Chamisso 2, 109.
b)
in bildlichem gebrauch: darum bleibt er immer nur schöner geist, und in den marmorhänden Longin, Home (wer will, schreibe seinen namen hin) wird seine schaale nie zum dichter hinunter sinken. Lenz 2, 208; tretet herzu, ihr kinder von Adam — ich wäge die gedanken in der schaale meines zornes! und die werke mit dem gewicht meines grimms! Schiller räuber 5, 1 schauspiel; er schnitt (beim jüngsten gericht) eine locke von seinem silbernen haupthaar, warf sie hinein in die schaale der sünden, und siehe, sie sank, sank plötzlich zum abgrund, und die schaale der versöhnung flatterte hoch auf! ebenda; die zunge steht inne, es kommt auf deinen entschlusz an, welche von beiden schalen den ausschlag haben soll! Göthe 10, 103; und gewisz sie konnte nach ihren körperlichen und geistigen gaben, besonders wenn sie sich ein ansehnliches vermögen noch mit auf die schaale legte, auf die ersten partien anspruch machen. 19, 307;
der nachwelt ziemt das richteramt,
kopeyen und originale
wägt sie auf unbescholtner schale.
Gotter 1, 455;
eine schale des harms, eine der freuden wog
gott dem menschengeschlecht, aber der lastende
kummer senket die schale,
immer hebet die andre sich.
irren, traurigen tritts wanken wir unsern weg
durch das leben hinab, bis sich die liebe naht,
eine fülle der freuden
in die steigende schale geuszt.
Hölty 96 Halm;
tod und leben zu wollüstgen qualen
gaukeln in den schalen.
Schiller 1, 283;
und wiegt denn er allein
die schale meines werths und aller liebe,
die ich so reichlich sonst besessen, auf?
Göthe 9, 218;
doch überwiegt das leben alles,
wenn die liebe in seiner schale liegt.
10, 35;
und wer bist du denn,
dasz du dein wort magst in die schale legen,
in der die menschheit ihre ersten wiegt?
Grillparzer 3, 236;
in gleichen schalen wäg' ich euer loos.
6, 75;
nun wohl, ihr habt das zünglein an der wage,
das ich mit sorge hielt im gleichgewicht,
ihr habt es rohen drängens angestoszen:
es schwankt, und blut'ge todesloose fallen
aus beiden schalen auf die bange welt.
8, 75.
III.
schale in landschaftlichen bedeutungen.
1)
abzugskanal für die jauche im stall, im Aargau Hunziker 217.
2)
in Kurhessen bisweilen für schalter Vilmar 340.
3)
niederd., stück eines geschmeides, vielleicht von der muschelform so genannt. Schiller-Lübben 4, 40.
4)
eine pferdekrankheit (knochenexostose) ebenda.
IV.
technische bezeichnungen.
1)
in den kupferhämmern die vertieften scheiben, woraus die kessel gemacht werden. Jacobsson 3, 533ᵇ.
2)
in den zuckersiedereien die zwischen den zuckerpfannen angebrachten öffnungen, welche dazu dienen, den hervorquellenden zucker aufzunehmen. Jacobsson 3, 534ᵇ.
3)
schale oder mantel an den gieszformen, die äuszere form. Adelung.
4)
im bergwerke hinter der verzimmerung eingeschlagene pfähle, die das gestein zurückhalten sollen. Jacobsson 3, 534ᵇ.
5)
eine schale erz ist eine vom gestein losgelöste erzplatte. bergwerks-lex. 475ᵃ. auch steinplatten werden schalen genannt. Jacobsson 3, 533ᵇ; es soll auch der stat paumeister alle weg haben hundert oder mer Kornperg schalen, die do ligen, ob man der bedorft. solich schalen brechen sie am Kornperg und geben die zu 15, 16 und 18 pfenning, darnach sie grosz sein. Tucher baumeisterb. 86, 20.
6)
schalbrett (s. d.), schalen, womit man das ufer bekleidet, dasz die erde nicht abfallen kan, ligna quibus ripae vestiuntur. Frisch 2, 159ᵃ; wenn das gerüste oder die wölbung vorher mit schalen oder brettern war geleget worden. Winckelmann 1, 352.
7)
ein eiserner beschlag der wagenachsen. Jacobsson 3, 533ᵇ.
8)
derjenige theil des wagens, auf dem der kippstock aufliegt (vgl.schalholz 4, d): von einer schall 6 und 7 pf. Tucher baumeisterbuch 102, 22.
9)
die äuszersten bretter an einem zersägten holzblocke, asseres trunci exteriores in mola serraria. Frisch a. a. o.
10)
die wangen der masten. Bobrik naut. wb. 580ᵇ.
11)
eine art von fahrzeugen auf der Oder. Bobrik naut. wörterbuch 580ᵇ.
12)
die aus metall, knochen oder ähnlichem hergestellte einfassung der messer. Jacobsson 3, 534ᵇ.
13)
einbanddecke eines buches Adelung: die bücher sind gut, aber von den auszwendigen schalen wird kein doctor. Chr. Weisze erzn. 29 neudruck.
14)
eine fehlerhafte erhöhung auf dem hufe der pferde. Nemnich.
15)
auch das rehbein, eine unnatürliche erhöhung am hinterknie der pferde wird schale genannt. Nemnich.
16)
ein stück fleisch, welches einen andern fleischtheil umschlieszt. Höfer 3, 66. besonders wird die fleischhülle der keulen des rindes so genannt. Adelung.
17)
schalenthier, s. d.
18)
bei pflasterern der theil des pflasters der fahrstrasze, der gegen den fuszsteig abschüssig zugeht und in dem die abwässer laufen.
Zitationshilfe
„schäle“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sch%C3%A4le>, abgerufen am 26.08.2019.

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