Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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schalen, verb.

schalen, verb.
1) cortice tegere Stieler 1719, mit einer schale belegen, z. b. die messer (vgl. beschalen). 2) etwas mit schalbrettern bekleiden Jacobsson 3, 533, ein dach, ein ufer, einen mast. gewöhnlicher hierfür ist verschalen. Frischbier 2, 255. 3) das part. geschalt wird in der verbindung hochgeschalt von dem wild gebraucht, wenn dasselbe hohe schalen an den hufen hat. Adelung.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 2064, Z. 61.

schälen, verb.

schälen, verb.,
mhd. scheln, ahd. scelen aus scaljan (Graff 6, 474), mnd. schellen, schwed. skala, engl. scale, confricare, enucleare.
1)
von der schale befreien, die rinde abnehmen Frisch 2, 159ᵃ sowol transitiv als reflexiv.
a)
eigentlich.
α)
von früchten, bäumen, eiern u. s. w.: Jacob aber nam stebe von grünen papelnbawn, haseln, und castaneen, und schelet weisse streiffe daran, das an den steben das weisse blos ward. 1 Mos. 30, 37; einen baum schellen, die rinden abziehen, delibrare Maaler 349ᵇ; die rinden abschellen, gluberare, decorticare ebenda; grütz, geschelte gersten, erbsen. Kirchhof disc. mil. 30; die eichen, so geschelet werden sollen, sind im april und zu anfange des maji zu hauen. Döbel jägerpr. 3, 70ᵇ; aus dem schmetterling, den der mai aus der hülse schälte. J. Paul Hesp. 3, 207; sie faszte einen apfel und reichte ihn dem heranwachsenden abenteurer über den tisch hinüber; dieser, hastig zugreifend, fing sogleich zu schälen an. Göthe 21, 71;
darzuo möcht zu der selben stundt
das obs sich all zumal verlieren,
weil du die öpffel schölst und bieren.
Grobianus 107 neudruck.
reflexiv: sich von der rinden schellen, die rinden lassen, librum remittere dicitur arbor. Maaler 349ᵇ;
freude hat mir gott gegeben!
sehet! wie ein goldner stern
aus der hülse, blank und eben
schält sich der metallne kern.
Schiller 11, 318.
β)
die haut des körpers, oder das gesicht schält sich, wenn die haut sich wie eine schale ablöst: wenn ein scherer einem wil ein zan usbrechen, so schelt und scheidet er vor das fleisch von dem zan. Keisersberg brösaml. 2, 71ᵇ.
γ)
vom gestein, zerbröckeln, spalten: er (der serpentin) schelet, zertheilet und spaltet sich leichtlich. Sandrart akad. der edlen bau-, bild- u. malereikünste 1, 1, 1.
b)
bildlich.
α)
jemanden von seiner äuszeren hülle befreien: überhaupt schälte ihn der romanschreiber eifrig aus seiner militärischen hülse. J. Paul uns. loge 2, 49.
β)
sich aus einer angelegenheit glücklich herausziehn: wend das scharpf schwert ab, das ist, schöl dich ausz gefärlichen geschäfften. S. Franck chron. 1531 27ᵇ; jedoch schelet er sich fein allgemach drauss und lasst sie sein wie sie gern sein wollen. Fischart bienenk. 229ᵇ.
γ)
wie aus dem ei geschält, d. h. so glatt und sauber wie ein aus der schale geschältes ei: ist sie (die jungfrau) klar, als hette man sie von einem ei geschelet. Mathesius Sir. 1, 170ᵃ; übrigens lagen hier in W. die sämtlichen preuszischen garden, prächtige, aus dem ey geschälte leute, werth, die schönste königin zu bewachen. Fernow in Böttigers litt. zuständen 2, 264;
doch, kerl, du bist dir ja, der teufel hole, schön,
gehst du beständig so, wie aus dem ey geschälet,
und sind die haare stets in dem toppee gezehlet?
Zachariä renomm. 3, 293.
δ)
ausziehen, rupfen, prellen: jemand schälen, um sein geld bringen, mit spielen, schmausen, betrügen. Spreng bei Seiler 251ᵇ; jetzt wollen wir zusammen die kammerdiener und laquaien schälen, während die herren von unsern chefs gemacht werden. Klinger 1, 113.
c)
in technischen ausdrücken. α) den rasen von der erde abnehmen, um das land urbar zu machen. Campe. schälen der stoppelfelder, leichtes umackern. β) es schälen sich die splitter, woraus die stäbe oder dauben einer tonne bestehn, wenn sie aus einander gehn. Jacobsson 3, 546ᵇ. γ) das papier schälen, das geleimte und getrocknete papier bogenweise von einander ziehn, um zusammenkleben zu verhindern. Jacobsson 3, 547ᵃ.
2)
anderes, jedenfalls im stamme verschiedenes schälen, spülen, hin- und herschwenken, wogen. Campe. Frischbier 2, 255ᵃ. a) von dem wogen der wellen: ein glas ausschälen, es ausspülen; aber auch das getreide schält, wogt wie ein meer. da risz und schält man den wein ausz potten. Garg. 83ᵇ. b) die wäsche schälen, sie durch hin- und herschwenken im wasser reinigen. c) schnell flieszen: das wasser schält man (nur) so. Frischbier a. a. o. d) übertragen, schlottrig, unordentlich gekleidet gehn. Campe.
3)
nd. wort mit falscher hd. schreibung schälen, verschieden, uneinig sein, mnd. schelen, schellen, schelden Schiller-Lübben 4, 63ᵃ, mnld. schellen, schillen Kilian, ags. scilian, engl. skill, altnord. schwed. skilja. in den alten dialekten heiszt es vorwiegend: unterschied machen, discernere, jetzt aber
a)
verschieden sein, discrepare: dat schelet veel, das ist ein groszer unterschied, dat schelet as dag un nagt, das ist wie tag und nacht verschieden. Campe. brem. wb. 4, 628. b) zanken, im streit sein, in Hamburg schwatzen. c) fehlen, gebrechen, mangeln: wat schelet di, was fehlt dir? daar schelet nig veel an, es fehlt nicht viel daran u. s. w.
4)
schälen in beschälen, s. d. th. 1, 1544, vgl. auch schälhengst.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 2064, Z. 67.

schälete, f.

schälete, f.
schale von früchten, alemannische bildung zu schälen, eigentlich handlung des schälens bezeichnend (vgl. Kluge nom. stammbildungslehre 57, § 123), aber in die bedeutung des abgeschälten übergegangen: schellede, abgezogene haut von steinobst, gesottenen kartoffeln. Seiler 251ᵇ; von landschaftlich weiterer anwendung in älterer sprache: nemmt ein grosze zwibel ... ziehet die schälet oder haut darvon ab. Sebiz feldb. 65;
öpfel zu schöln nimb dich nit an,
dein bauch das wol verzeren kan:
ein gröne schölet ist jm gsundt.
Grobian. 3626.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 2066, Z. 64.

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Zitationshilfe
„schälete“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sch%C3%A4lete>, abgerufen am 03.08.2021.

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