Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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schamel, adj.

schamel, adj.
pudicus, mhd. schamel, schemel mhd. wb. 2, 2, 135ᵇ. Lexer mhd. handwb. 2, 650, ahd. scamal Graff 6, 492 (vgl.skadal, noxius 422), altfries. skamel im sinne von arm Richthofen 1020ᵇ, mnd. schamel, schemel, pudicus, pauper Schiller-Lübben 4, 42ᵇ, mnld. scamel (Reinaert 5058), neunld. schamel, ostfries. schamel ten Doornkaat Koolman 3, 94ᵇ, schemmel Woeste 227ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 2111, Z. 30.

schämel, m.

schämel, m.,
s. schemel.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 2111, Z. 37.

schemel, schämel, m.

schemel, schämel, m.,
ahd. scamal, scamel, scamil Graff 6, 496, alts. fôtskamel (Hel. 1512), ags. sceamol, mhd. schamel, schemel (der stammvocal ist kurz anzusetzen, vergl. Müllenhoff-Scherer denkm.² 2, 160 anmerk.), mnd. schemel Schiller-Lübben 4, 68ᵇ; schemele, schaemele, scabellum, scabile Kilian, dän. skammel (aus dem deutschen eingedrungen); im nhd. wechseln die schreibungen schämel und schemel, doch wird die letztere in neuerer sprache bevorzugt. schämel, scabile, scabellum Maaler 345ᵇ, schemel, scabellum Schottel 1396, schämel Stieler 1729; daneben erwähnt er die schreibung schemmel, die später Steinbach 2, 397 gemäsz der noch heute in Schlesien geltenden aussprache verzeichnet. schamel und schämel Frisch 2, 160ᶜ, schämel Adelung und Campe. im bair. ohne umlaut mit kurzer stammsilbe und folgender doppelconsonanz, schammel Schm. 2, 418, ebenso in Tirol Schöpf 589, Österreich Castelli 228; md. schemel mit langer stammsilbe Spiesz 210; aber schemmel und schimmel in Hessen Vilmar 346, nd. schamel brem. wb. 4, 604, schamel, schemel ten Doornkaat Koolman 3, 64ᵇ. schemel ist lehnwort aus mlat. scamellum, scamillum, in späterer form auch scamellus (Ducange 7, 331ᵃ); auf lat. scabellum führt zurück nld. schabel, schabelle, s. oben schawel, schawelle sp. 2380.
1)
niedriges bänkchen, auf das man beim sitzen die füsze setzt (s. fuszschemel theil 4, 1 sp. 1041):
sie dann führt' er zum thron und setzte sie, breitend ein polster,
schön und künstlich gewirkt; und ein schemel stützt' ihr die füsze.
Voss Odyss. 1, 131.
daher stehen die schemel unter der bank, auf der man sitzt; im Nibelungenliede ziehen die in ihrer herberge überfallenen Burgunden die schemel unter den bänken hervor, um sich zu wehren:
die niht swert enhêten,   die reihten für die banc
und huoben von den füeʒen   manegen schamel lanc.
Nib. 1868, 2;
daher ist es verkehrte welt, wenn die schemel auf der bank stehen; im bilde:
die unedeln stein sint in daʒ golt
und in diu vingerlîn gesprungen.
die edeln stein sint ûʒ gedrungen.
die schamel die dâ solden ligen
under den benkn, die sint gestigen
ûf die benke: diu banc ist
ûf dem tisch ze langer vrist.
der welsche gast 6439
(die guten sind von den unwerten aus der ihnen gebührenden stellung verdrängt worden); ähnlich: pei dem tier verstên ich all verkêrt ordenung, als wenn die tôren die weisen lêren wellent und dâ die schämel über die penk hupfent. Megenberg 238, 15; aus dieser vorstellung heraus ist wol folgende stelle zu erklären:
(an einen fürsten) horch nit uff die   die vor noch nye
zuͦn eren sin komen
und wirff die schemel van der bank.
Muskatblüt 65, 58.
wer zur bank hinauf will, benutzt den schemel; gnomisch: wer uff das pferd will sitzen, der muͦsz den stegryff nitt verschmahen. unnd wöllicher uff die banck will steygen, der soll den schemel nit verachten. Keisersberg seelenparadies 130ᵇ, vgl. auch oben bank theil 1, sp. 1100. im wortspiel mit scham: den schämel unter die bank stoszen, die scham wegwerfen. Keisersberg bei Frisch 2, 160ᵇ. in erhabenem bilde von dem majestätisch thronenden weltregierer: ich aber sage euch, das jr aller ding nicht schweren solt, weder bey dem himel, denn er ist gottes stuel, noch bey der erden, denn sie ist seiner füsze schemel. Matth. 5, 35 (fotubaúrd in der goth. übersetzung);
des seʒʒel ist der himel dort,
und hie diu erde sîner vüeʒe schamel.
minnes. 2, 380ᵇ Hagen;
(Zeus spricht:) kraft der tödenden gewalt,
die erd und himmel mir zum schemel macht.
Schiller 1, 340;
der schemel des thrones characteristisch hervorgehoben oder schemel für den thron selbst: auf allen vieren, vor den schämel der kritik, sie sey, welche sie wolle, zu kriechen, und für irgend eins meiner werke um gnade zu betteln. Bürger 323ᵇ;
und trägt sie eben in einem lauf
zum schämel (des Zeus) den Olymp hinauf.
Göthe 13, 4;
Asien an den schemel seines thrones zu ketten, liefert der heilige vater dem schwert der Saracenen eine million seiner heldensöhne aus. Schiller 9, 226; freier: der fall seines nachbars war seiner hoheit schemel. räuber 2, 16; ich küsse den schemel seiner (des königs) füsze. Herbel 1, 14; der sieger setzt seinen fusz auf den besiegten, der ihm so zum schemel dient (vgl. unten schemeltritt): sicze zu meiner zesem, bis daʒ ich geleg dein feind zu eim schamel deiner fuʒʒ. cod. Tepl. Matth. 22, 44 (bis das ich lege deine feinde zum schemel deiner füsze. Luther). in hübschem bilde:
ich bin genügsam und geniesze
schon da, wenn sie mir zärtlich lacht,
wenn sie bei tisch des liebsten füsze
zum schemel ihrer füsze macht.
Göthe 47, 10.
bank und schemel vor dem bett:
si warf in ûʒ dem bette   dâ bî ûf eine banc,
daʒ im sin houbet   lûte an eime schamel erclanc.
Nib. 616, 4.
man tritt auf den schemel, um ins bett zu steigen:
von zêderholz ein schamel was
vor dem bette ûf den man schreit.
K. v. Würzburg Partonop. u. Meliur 1140;
vgl. Schultz höf. leben² 1, 103, 5. frauen steigen vermittelst eines schemels zu rosz:
die guldînen schamele   ob liehtem phelle guot
die brâhte man den frouwen.
Nib. 531, 3;
wenn man sie nicht in den sattel hebt:
si huop Kaylet, der degen wert,
sunder schamel ûf ir pfert.
Parz. 89, 4.
gelähmte, auf schemeln kriechend:
sumelîcher alsô quam,
daʒ er ûf schemelen krouch.
pass. 446, 81 Köpke.
solche hieszen schemeler (s. Schultz höf. leben² 1, 527).
2)
niedriges gerät, auf das man beim beten niederkniet (betschemel): und wiltu biugen dîniu knie, daʒ du si biugest ein lützel zuͦ eime schemele. deutsche pred. herausg. von Leyser 45, 24;
ihr rücktet euern schemel zum gebet
hart an das bild.
Grillparzer 8, 100.
von dem tritt des altars, auf den man sich beim knieen niederläszt; daher vor den schemel führen soviel als zur trauung führen (aus Hamburg): wenn meinen sie wohl, dasz sie mich werden vor den schemel führen können? J. C. Bock geschwind eh es jemand erfährt 1, 9.
3)
schemel als sitzgerät, characterisiert durch seine niedrigkeit oder sonst als einfacher sitz ohne lehne mit drei oder vier beinen, wie er besonders in der küche, dem stall, der werkstatt u. s. w. gebraucht wird (küchen-, schusterschemel u. ä.): sie schiebt den schemmel, worauf sie sich setzt, quer vor. Göthe 11, 160; wir saszen auf einem schämel hinter dem ofen. 24, 125; den rechten fusz auf einen schemel gestellt, auf dem sie gewöhnlich zu sitzen pflegte. Grillparzer 11, 275;
es gilt meinen besten hämmel,
gib nur einem bauren geld,
der kaum weisz was disch und schemmel,
wo ers nicht bringt in die welt.
Neumark lustwäldchen 103;
esset ihr von eurem schemel,
ich von diesem.
Herder z. schön. lit. u. kunst 5, 173.
der schemel ist unwerter als stuhl und bank; hierfür sind wendungen der älteren sprache characteristisch (s. auch schemelchen):
an ein gestüele er sitzen gie:
den koufman er des niht erlie,
er muoste zuo im sitzen dran.
'niht, herre', sprach der guote man:
'ich sitze ûf dem schamel wol,
wan es mich genüegen sol.'
d. gute Gerhard 881;
der künec an daʒ gestüele kam,
sînen lieben sun er nam
und hieʒ in zuozim sitzen gân.
durch sîne zuht wolt er daʒ lân,
ûf sînen schamel er gesaʒ.
in dûhte des, daʒ stüende im baʒ.
Barlaam u. Jos. 225, 13;
in bildlicher wendung:
darumb sô dringt dâ manger stuol,
für alle tisch und penck,
der pillîch wol ain schamel wer.
Osw. v. Wolkenstein 20, 1, 17.
der bank gegenüber gestellt (s. oben unter 1):
nû sitze ich ûf dem schamel, unde er oben ûf der banc.
Neidhart 79, 35;
man dringet umb den vürganc,
lær sint die schemel, vol diu banc.
S. Helbling 8, 649;
(wenn die frauen ihre würde aufgeben und steigen)
ab der banc ûf den schamel.
Otacker 168ᵃ.
4)
technisches und besonderes:
a)
schemel ist eine alte bezeichnung für die drehbaren, mittelst eines zapfens (schemelnagel) mit den axen verbundenen grundhölzer des wagens, in die die rungen eingelassen sind; auf dem vorderen schemel sitzt der lenker des wagens: humeruli scamala, humeri scemele Graff 6, 497; humerulus runge vel schemel Dief. 281ᶜ; trabale, scabellum in curru, super axem, schemel, schamel 590ᵇ; hem wey schachholt (schaftholz) vort, dey sall tollen drey roden, dey so lanck sin, dat sey von eyneme schemele up den andern reken (also von der axe der vorderräder bis an die der hinterräder). nd. quelle in der zeitschr. für deutsche phil. 6, 471; item von 4 schemelbanden 4 alb. Germ. 25, 355. schamel in gleicher bedeutung im brem. wb. 4, 604; bei Jacobsson 1, 155ᵃ sandschemel neben schemel, sonst auch lenkschemel, rungeschemel, reibschemel, wendeschemel genannt. irrthümlich schemel für runge in der gegend von Iserlohn (Woeste in der zeitschr. für deutsche phil. a. a. o.). schemel an einem pferdegöpel für den lenker. Jacobsson 3, 577ᵇ.
b)
schemel zur bezeichnung des holzstückes an der protze, in welches das laffettenende eingreift. Jacobsson 3, 577ᵇ.
c)
schemel eines mörsers wird sein angegossener fusz genannt. Jacobsson 3, 578ᵃ.
d)
in hüttenwerken eine vorrichtung am blasebalg. Jacobsson a. a. o.
e)
als bezeichnung für den tritt am webstuhl, weberschemel Frisch 2, 160ᶜ. hiernach bair. drischamel ein mit drei tritten gewebtes zeug. Schm. 2, 418.
f)
bei den sägemüllern das gestell, auf dem der sägeklotz liegt, reitschemel. Frisch 2, 160ᶜ.
g)
landschaftlich der theil des pfluges, auf dem der pflugbaum ruht. Vilmar 346 (s. a).
h)
in alter und eigenthümlicher übertragung zur bezeichnung eines absatzes bei erdarbeiten: ane sin (des landes richters) orlof mut man wol graven also diep, also en man mit eneme spaden upgeschieten mach die erde, so dat he nene schemele ne make. Sachsensp. 3, 66, 3 (ebenso im Schwabensp. 122, 2 Gengler). es soll also nicht so tief gegraben werden, dasz ein mann die ausgehobene erde nicht mehr auf die oberfläche befördern kann, sondern einen oder mehrere absätze zur ablagerung der erde machen musz (vgl. Lexer mhd. handwb. 2, 651). noch Jacobsson 3, 578ᵃ bezeichnet mit schemel oder bänklein den aufwurf an der inneren seite einer wallbrustwehr. sandschemel, durch sand gebildete absätze: wa leicht und sandig erdtrich ist, das vil sandschemel hat, die soll man jetzt schleifen, wa es im weinmonat nit geschehen ist. Herr feldbau 34ᶜ (1545). vgl. Mone urgesch. des bad. landes 1, 63.
i)
zur bezeichnung der vom eise gebildeten schollen: eisschemmel Weinhold 82ᵃ; vgl. Spiesz 210 und Frisch 2, 160ᶜ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1893), Bd. VIII (1893), Sp. 2533, Z. 27.

schemel, schämel, m.

schemel, schämel, m.,
ahd. scamal, scamel, scamil Graff 6, 496, alts. fôtskamel (Hel. 1512), ags. sceamol, mhd. schamel, schemel (der stammvocal ist kurz anzusetzen, vergl. Müllenhoff-Scherer denkm.² 2, 160 anmerk.), mnd. schemel Schiller-Lübben 4, 68ᵇ; schemele, schaemele, scabellum, scabile Kilian, dän. skammel (aus dem deutschen eingedrungen); im nhd. wechseln die schreibungen schämel und schemel, doch wird die letztere in neuerer sprache bevorzugt. schämel, scabile, scabellum Maaler 345ᵇ, schemel, scabellum Schottel 1396, schämel Stieler 1729; daneben erwähnt er die schreibung schemmel, die später Steinbach 2, 397 gemäsz der noch heute in Schlesien geltenden aussprache verzeichnet. schamel und schämel Frisch 2, 160ᶜ, schämel Adelung und Campe. im bair. ohne umlaut mit kurzer stammsilbe und folgender doppelconsonanz, schammel Schm. 2, 418, ebenso in Tirol Schöpf 589, Österreich Castelli 228; md. schemel mit langer stammsilbe Spiesz 210; aber schemmel und schimmel in Hessen Vilmar 346, nd. schamel brem. wb. 4, 604, schamel, schemel ten Doornkaat Koolman 3, 64ᵇ. schemel ist lehnwort aus mlat. scamellum, scamillum, in späterer form auch scamellus (Ducange 7, 331ᵃ); auf lat. scabellum führt zurück nld. schabel, schabelle, s. oben schawel, schawelle sp. 2380.
1)
niedriges bänkchen, auf das man beim sitzen die füsze setzt (s. fuszschemel theil 4, 1 sp. 1041):
sie dann führt' er zum thron und setzte sie, breitend ein polster,
schön und künstlich gewirkt; und ein schemel stützt' ihr die füsze.
Voss Odyss. 1, 131.
daher stehen die schemel unter der bank, auf der man sitzt; im Nibelungenliede ziehen die in ihrer herberge überfallenen Burgunden die schemel unter den bänken hervor, um sich zu wehren:
die niht swert enhêten,   die reihten für die banc
und huoben von den füeʒen   manegen schamel lanc.
Nib. 1868, 2;
daher ist es verkehrte welt, wenn die schemel auf der bank stehen; im bilde:
die unedeln stein sint in daʒ golt
und in diu vingerlîn gesprungen.
die edeln stein sint ûʒ gedrungen.
die schamel die dâ solden ligen
under den benkn, die sint gestigen
ûf die benke: diu banc ist
ûf dem tisch ze langer vrist.
der welsche gast 6439
(die guten sind von den unwerten aus der ihnen gebührenden stellung verdrängt worden); ähnlich: pei dem tier verstên ich all verkêrt ordenung, als wenn die tôren die weisen lêren wellent und dâ die schämel über die penk hupfent. Megenberg 238, 15; aus dieser vorstellung heraus ist wol folgende stelle zu erklären:
(an einen fürsten) horch nit uff die   die vor noch nye
zuͦn eren sin komen
und wirff die schemel van der bank.
Muskatblüt 65, 58.
wer zur bank hinauf will, benutzt den schemel; gnomisch: wer uff das pferd will sitzen, der muͦsz den stegryff nitt verschmahen. unnd wöllicher uff die banck will steygen, der soll den schemel nit verachten. Keisersberg seelenparadies 130ᵇ, vgl. auch oben bank theil 1, sp. 1100. im wortspiel mit scham: den schämel unter die bank stoszen, die scham wegwerfen. Keisersberg bei Frisch 2, 160ᵇ. in erhabenem bilde von dem majestätisch thronenden weltregierer: ich aber sage euch, das jr aller ding nicht schweren solt, weder bey dem himel, denn er ist gottes stuel, noch bey der erden, denn sie ist seiner füsze schemel. Matth. 5, 35 (fotubaúrd in der goth. übersetzung);
des seʒʒel ist der himel dort,
und hie diu erde sîner vüeʒe schamel.
minnes. 2, 380ᵇ Hagen;
(Zeus spricht:) kraft der tödenden gewalt,
die erd und himmel mir zum schemel macht.
Schiller 1, 340;
der schemel des thrones characteristisch hervorgehoben oder schemel für den thron selbst: auf allen vieren, vor den schämel der kritik, sie sey, welche sie wolle, zu kriechen, und für irgend eins meiner werke um gnade zu betteln. Bürger 323ᵇ;
und trägt sie eben in einem lauf
zum schämel (des Zeus) den Olymp hinauf.
Göthe 13, 4;
Asien an den schemel seines thrones zu ketten, liefert der heilige vater dem schwert der Saracenen eine million seiner heldensöhne aus. Schiller 9, 226; freier: der fall seines nachbars war seiner hoheit schemel. räuber 2, 16; ich küsse den schemel seiner (des königs) füsze. Herbel 1, 14; der sieger setzt seinen fusz auf den besiegten, der ihm so zum schemel dient (vgl. unten schemeltritt): sicze zu meiner zesem, bis daʒ ich geleg dein feind zu eim schamel deiner fuʒʒ. cod. Tepl. Matth. 22, 44 (bis das ich lege deine feinde zum schemel deiner füsze. Luther). in hübschem bilde:
ich bin genügsam und geniesze
schon da, wenn sie mir zärtlich lacht,
wenn sie bei tisch des liebsten füsze
zum schemel ihrer füsze macht.
Göthe 47, 10.
bank und schemel vor dem bett:
si warf in ûʒ dem bette   dâ bî ûf eine banc,
daʒ im sin houbet   lûte an eime schamel erclanc.
Nib. 616, 4.
man tritt auf den schemel, um ins bett zu steigen:
von zêderholz ein schamel was
vor dem bette ûf den man schreit.
K. v. Würzburg Partonop. u. Meliur 1140;
vgl. Schultz höf. leben² 1, 103, 5. frauen steigen vermittelst eines schemels zu rosz:
die guldînen schamele   ob liehtem phelle guot
die brâhte man den frouwen.
Nib. 531, 3;
wenn man sie nicht in den sattel hebt:
si huop Kaylet, der degen wert,
sunder schamel ûf ir pfert.
Parz. 89, 4.
gelähmte, auf schemeln kriechend:
sumelîcher alsô quam,
daʒ er ûf schemelen krouch.
pass. 446, 81 Köpke.
solche hieszen schemeler (s. Schultz höf. leben² 1, 527).
2)
niedriges gerät, auf das man beim beten niederkniet (betschemel): und wiltu biugen dîniu knie, daʒ du si biugest ein lützel zuͦ eime schemele. deutsche pred. herausg. von Leyser 45, 24;
ihr rücktet euern schemel zum gebet
hart an das bild.
Grillparzer 8, 100.
von dem tritt des altars, auf den man sich beim knieen niederläszt; daher vor den schemel führen soviel als zur trauung führen (aus Hamburg): wenn meinen sie wohl, dasz sie mich werden vor den schemel führen können? J. C. Bock geschwind eh es jemand erfährt 1, 9.
3)
schemel als sitzgerät, characterisiert durch seine niedrigkeit oder sonst als einfacher sitz ohne lehne mit drei oder vier beinen, wie er besonders in der küche, dem stall, der werkstatt u. s. w. gebraucht wird (küchen-, schusterschemel u. ä.): sie schiebt den schemmel, worauf sie sich setzt, quer vor. Göthe 11, 160; wir saszen auf einem schämel hinter dem ofen. 24, 125; den rechten fusz auf einen schemel gestellt, auf dem sie gewöhnlich zu sitzen pflegte. Grillparzer 11, 275;
es gilt meinen besten hämmel,
gib nur einem bauren geld,
der kaum weisz was disch und schemmel,
wo ers nicht bringt in die welt.
Neumark lustwäldchen 103;
esset ihr von eurem schemel,
ich von diesem.
Herder z. schön. lit. u. kunst 5, 173.
der schemel ist unwerter als stuhl und bank; hierfür sind wendungen der älteren sprache characteristisch (s. auch schemelchen):
an ein gestüele er sitzen gie:
den koufman er des niht erlie,
er muoste zuo im sitzen dran.
'niht, herre', sprach der guote man:
'ich sitze ûf dem schamel wol,
wan es mich genüegen sol.'
d. gute Gerhard 881;
der künec an daʒ gestüele kam,
sînen lieben sun er nam
und hieʒ in zuozim sitzen gân.
durch sîne zuht wolt er daʒ lân,
ûf sînen schamel er gesaʒ.
in dûhte des, daʒ stüende im baʒ.
Barlaam u. Jos. 225, 13;
in bildlicher wendung:
darumb sô dringt dâ manger stuol,
für alle tisch und penck,
der pillîch wol ain schamel wer.
Osw. v. Wolkenstein 20, 1, 17.
der bank gegenüber gestellt (s. oben unter 1):
nû sitze ich ûf dem schamel, unde er oben ûf der banc.
Neidhart 79, 35;
man dringet umb den vürganc,
lær sint die schemel, vol diu banc.
S. Helbling 8, 649;
(wenn die frauen ihre würde aufgeben und steigen)
ab der banc ûf den schamel.
Otacker 168ᵃ.
4)
technisches und besonderes:
a)
schemel ist eine alte bezeichnung für die drehbaren, mittelst eines zapfens (schemelnagel) mit den axen verbundenen grundhölzer des wagens, in die die rungen eingelassen sind; auf dem vorderen schemel sitzt der lenker des wagens: humeruli scamala, humeri scemele Graff 6, 497; humerulus runge vel schemel Dief. 281ᶜ; trabale, scabellum in curru, super axem, schemel, schamel 590ᵇ; hem wey schachholt (schaftholz) vort, dey sall tollen drey roden, dey so lanck sin, dat sey von eyneme schemele up den andern reken (also von der axe der vorderräder bis an die der hinterräder). nd. quelle in der zeitschr. für deutsche phil. 6, 471; item von 4 schemelbanden 4 alb. Germ. 25, 355. schamel in gleicher bedeutung im brem. wb. 4, 604; bei Jacobsson 1, 155ᵃ sandschemel neben schemel, sonst auch lenkschemel, rungeschemel, reibschemel, wendeschemel genannt. irrthümlich schemel für runge in der gegend von Iserlohn (Woeste in der zeitschr. für deutsche phil. a. a. o.). schemel an einem pferdegöpel für den lenker. Jacobsson 3, 577ᵇ.
b)
schemel zur bezeichnung des holzstückes an der protze, in welches das laffettenende eingreift. Jacobsson 3, 577ᵇ.
c)
schemel eines mörsers wird sein angegossener fusz genannt. Jacobsson 3, 578ᵃ.
d)
in hüttenwerken eine vorrichtung am blasebalg. Jacobsson a. a. o.
e)
als bezeichnung für den tritt am webstuhl, weberschemel Frisch 2, 160ᶜ. hiernach bair. drischamel ein mit drei tritten gewebtes zeug. Schm. 2, 418.
f)
bei den sägemüllern das gestell, auf dem der sägeklotz liegt, reitschemel. Frisch 2, 160ᶜ.
g)
landschaftlich der theil des pfluges, auf dem der pflugbaum ruht. Vilmar 346 (s. a).
h)
in alter und eigenthümlicher übertragung zur bezeichnung eines absatzes bei erdarbeiten: ane sin (des landes richters) orlof mut man wol graven also diep, also en man mit eneme spaden upgeschieten mach die erde, so dat he nene schemele ne make. Sachsensp. 3, 66, 3 (ebenso im Schwabensp. 122, 2 Gengler). es soll also nicht so tief gegraben werden, dasz ein mann die ausgehobene erde nicht mehr auf die oberfläche befördern kann, sondern einen oder mehrere absätze zur ablagerung der erde machen musz (vgl. Lexer mhd. handwb. 2, 651). noch Jacobsson 3, 578ᵃ bezeichnet mit schemel oder bänklein den aufwurf an der inneren seite einer wallbrustwehr. sandschemel, durch sand gebildete absätze: wa leicht und sandig erdtrich ist, das vil sandschemel hat, die soll man jetzt schleifen, wa es im weinmonat nit geschehen ist. Herr feldbau 34ᶜ (1545). vgl. Mone urgesch. des bad. landes 1, 63.
i)
zur bezeichnung der vom eise gebildeten schollen: eisschemmel Weinhold 82ᵃ; vgl. Spiesz 210 und Frisch 2, 160ᶜ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1893), Bd. VIII (1893), Sp. 2533, Z. 27.

schemel, m.

schemel, m.
umbra, s. schemen I, 1.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1893), Bd. VIII (1893), Sp. 2535, Z. 75.

schemel, adj.

schemel, adj.,
s. schamel sp. 2111.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1893), Bd. VIII (1893), Sp. 2535, Z. 76.

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Zitationshilfe
„schämel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sch%C3%A4mel>, abgerufen am 23.07.2021.

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