Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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schämerig, schamerig, adj.

schämerig, schamerig, adj.
scham empfindend, verschämt, blöde, scham hervorrufend, nur mundartlich: schamerig, zum schämen geneigt. Schm. 2, 417. Spiess 206. Albrecht 198. brem. wb. 4, 604. Schütze 4, 22. Schambach 182ᵇ. Danneil 181ᵇ; scham hervorrufend: es war mir zu schamerig das zu sagen. Kehrein 339; s'ist uns so schämerig vor'n leuten. die wörterschau. ein possenspiel von vetter Jacob 58.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1893), Bd. VIII (1893), Sp. 2114, Z. 70.

schämig, adj.

schämig, adj.
pudicus, verecundus, ahd. scamig Graff 6, 493; schamech, pudens Dief. 470ᶜ; schemig, pudice; schämig, schemig, schamig pudicus, pudoratus ebenda; schamig, schämig, scheymig verecundus. 612ᵇ; schämig pudens Dasyp.; schämmig oder schamhaftig, verecundus Calepinus (1570) 1613. Frisch 2, 160ᵇ bezeichnet schämig als veraltet; Campe belegt es aus gleichzeitigen schriftstellern; mundartlich erhalten: schämig Schmid 452. Stalder 2, 308. Hunziker 217; gewöhnlich oberd. mit ge-: geschämig Schm. 2, 417. Hunziker 217. Schöpf 589. Lexer 213. der nhd. schriftsprache ist das wort fremd geworden und erscheint, wenn es gebraucht wird, meist mit einschränkung der bedeutung im sinne von 'verschämt': schämig lächeln, ein schämiges gesicht u. ähnl.
1)
in beschämung versetzt, beschämt, schamrot: scameg neuuerde ih, uuanda ih anahareta dih (domine ne confundar quoniam invocavi te). Notker ps. 30, 18; unde sô nesint scameg iûuueriû anasiûne (et facies vestre non erubescent). 33, 6; der pfâwe verleuset seinen zagel alle jâr und mauʒet sich, und in der zeit sitzet er under ainen paum oder in ainen schaten gar schämiger an im selber. Megenberg 213, 18;
ich ja schemig frei bekenne
und ernenne
meine schendliche mistat.
Melissus ps. Q 5ᵇ.
verschämt, von frauen: die frauen neigten ir augen gegen der erde: und als vil sie schemiger wurden, als vil wurden sy schöner und hypscher gesehen. Wyle transl. (1510);
sî gerette im niht vil mite:
wan daʒ ist ir aller site,
daʒ sî zem êrsten schamec sint
und blûc sam diu kint.
Hartmann v. Aue Erec 1324;
die mutter schalt: so spät bei nacht!
da stand sie ach! so schämig.
Voss 4, 164.
fast wie schelmisch:
also der greis; nichts redete Hans und lachte so schämig.
1, 196.
2)
im sinne von schamhaft, züchtig, keusch: welher mensch rôt ist und clâr, der ist schamich. Megenberg 43, 15; turtur haiʒt ain turteltaub. der vogel ist gar käusch und schämig. 225, 20; und was gedultig und warhaftig und sittig und schamig. heiligen leben (1472) 37ᵃ; das schaf ist unschedlich, nütz, geduldig, gehorsam, schemig, benügig und forchtsam. Keisersberg irrig schaf A 2; wann ein frau von natur schämiger ist dann ain man. ausg. der kinder Israel (1510) J 3ᵃ; bis warlich schämig und züchtig so wirdt dir jedermann günstig (eris vere sine confusione, et invenies gratiam in conspectu omnium hominum). Züricher bibel (1539) ecclesiasticus 42, 1;
gehôrsam schemec und verswigen
wâren wilent kint.
renner 14946;
schämich mach auch deineu kinder,
daʒ seu nicht leben, sam die rinder.
ring 31, 1;
und sitzt aber der gut man (Christus) so herzlich, züchtig,
so ganz schemig und einfältig uf dem tier.
N. Manuel in schausp. des 16. jh. 1, 12 Tittmann;
sich zurückhaltend, nicht dreist:
ein schämiger bettler ist elend.
Voss Od. 17, 578.
3)
scham verursachend, dessen man sich zu schämen hat: eʒ (aloe) erlescht die überflüʒʒichait der gelider und allermaist umb die schämigen stet. Megenberg 355, 12; allermaist wenn man diu schämigen gelider dâ mit handelt. 312, 13; schemiges gelyde, pudenda Dief. nov. gl. 308ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1893), Bd. VIII (1893), Sp. 2117, Z. 36.

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schwäherin schöpfquelle
Zitationshilfe
„schämig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sch%C3%A4mig>, abgerufen am 02.08.2021.

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