Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

schämlich, adj.

schämlich, adj.,
mhd. schemelîch, schamelîch, ahd. scamalîh Graff 6, 493, ags. sceamlîc; im späteren nhd. verschwindet das wort, haftet aber in der volkssprache einzelner gegenden (Kehrein 339. Woeste 227ᵃ).
1)
scham empfindend, schamhaft, errötend: ahd. scamalîh verecundus Graff a. a. o.; schame-, schem-, schamlich verecunde Dief. 612ᵇ; schame-, schemelich puderose 471ᵃ; schemelich erubescens 209ᵃ; mnd. wur du bist, wes yo schemelick in dynem ghesichte, themelick in dynem gelate. Schiller-Lübben 4, 69ᵃ;
und ob erʒ schämlîchen lât.
Hartmann von Aue büchlein 1, 1131;
ist mîn zuht dar an bewart,
und och mîn schamlîcher sin,
daʒ gît an freuden mir gewin.
Wolfram v. Eschenbach Parz. 369, 7;
si enphiengen schämlîche
ir gast ellens rîche.
185, 21;
dar umb er als ein zühtic wîp
still unde schemelîchen saʒ.
Konr. v. Würzburg troj. krieg 5573;
(sie) sich zu mir schmückt, gar schämlich blickt.
d. knaben wunderhorn 1, 252 Boxberger.
2)
ins schlimme gewendet, ahd. scamalîh turpis, foedus Graff 6, 493; schemlich, schamlich turpis Dief. 603ᵃ.
a)
von personen, einer, der sich schämen musz, mit schande bedeckt ist:
der marschalk sich mit sorgen rampf,
und sprach ze dem von Osterrîch:
wie machet ir mich sô schemlich.
ges. abent. 1, s. 178, 352;
du vil schalckhafftiger lastermacher,
du schämlicher nachgaffer.
Hätzlerin 1, 45, 3.
b)
von unpersönlichem, schmählich, schimpflich, schande bringend: und verbiten auch alleʒ unzimlichs und unreinʒ fluchen, daʒ schemlich ist. Nürnb. polizeiordn. 68; openbare schemelike unde schentlike misdat. quelle bei Schiller-Lübben 4, 69ᵃ; aber es ist der welt gott, der teufel, der den ehenstand so verleumbd, und schemlich gemacht hat. Luther 3, 100ᵃ; wenn es nun kommen wirt, das ich (Christus) wert des schemlichen todts sterben, am creutz. 12, 539, 14 Weim. ausg.; es war mir zu schamelich, das zu sagen. Kehrein 339;
der muoʒ an disem wæge   liden schemlîchen tôt.
Nibel. 1523, 4;
vindet man iuch âne wer,
daʒ ist schade und schämelich.
Biterolf 8331;
wan daʒ er rehte sagte
sîn schämelîcheʒ mære,
wieʒ im ergangen wære.
Hartmann v. Aue Erec 4840;
wand sî daʒ wol erkande,
daʒ schemelîchiu schande
dem vrumen manne wê tuot.
Iwein 3490;
ich hân disen schemelîchen spot
vil wol gedienet umbe got.
arm. Heinrich 383;
glîchsenheit und gîtikeit
schemlîcher worte vil vertreit.
Hugo von Trimberg renner 21246;
es sijhe uch ummer schemlich.
Alsf. passionssp. 4379.
c)
in adverbialer fügung: schamlich turpiter Dief. 603ᵃ; und bin ouch schämlichen von dem tempel vertriben. heiligen leben (1472) 103ᵃ; so seyd es so schamlich böse bawren. Frey gartenges. 48ᵃ. mnd. wes alwege underdanich den herren, noch en hebbe ene nicht so leff, dattu schemelike dost. quelle bei Schiller - Lübben 4, 69ᵃ; et lätt wol schemlik, awer et giet doch temlik. Woeste 227ᵃ;
dar zuo was mir ein trûren leit,
daʒ alsô schamlîchen reit
des künges kint von Karnant.
Wolfram von Eschenbach Parz. 337, 16;
man wolte si niht sehen lân,
daʒ er sô schemlîche lac.
ges. abent. 1, s. 359, 811;
es glüt ein schedelich für, wil mich bedunken,
giesz waszer drin!
ein schemeliches spil, das wil sich brunken.
Zöllner vorgesch. des bauernkrieges 74;
von ihnen da ward schämlich ich verjagt.
d. knaben wunderhorn 1, 143 Boxberger;
mnd. des moste he schemeliken weder
upstân unde riden hen.
Gerh. v. Minden 87, 88.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1893), Bd. VIII (1893), Sp. 2118, Z. 39.

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schwäherin schöpfquelle
Zitationshilfe
„schämlich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sch%C3%A4mlich>, abgerufen am 23.07.2021.

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