Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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schänkel, m.

schänkel, m.,
s. schenkel.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1893), Bd. VIII (1893), Sp. 2160, Z. 73.

schenkel, m.

schenkel, m.
eine speciell deutsche bildung, im ahd. nicht bezeugt, mhd. schenkel neben schinkel mhd. wb. 2, 2, 148ᵇ. Lexer mhd. handwb. 2, 702, coxa, schenckel Dief. 154ᶜ, der schenckel, pes Maaler 349ᵇ, altnd. scinkel, crus Graff 6, 519, mnd. schinkel Schiller-Lübben 4, 98ᵃ, schinkel Schambach 184ᵃ, nld. schinkel, schenkel. schenkel erscheint als ableitung zu einem vorauszusetzenden scanco, dem das ags. sceanca, sceonca, crus entspricht (engl. shank). zu diesem ags. wort vergl. altfries. skunka, dän. skank, schwed. skaͦnk in gleichem sinne.
1)
im eigentlichen sinne, der obere theil des beines am menschlichen leibe: der obere theil des fuszes, über dem knie an, pars pedis crassior supra genu. Frisch 2, 173ᵇ; das eusser theyl, oder dicke der schenckel, bisz auff die knie, femur; das inner theyl am schenckel bey der scham, femen Dasypodius; förderteil des schenkels, femur, hinderteil des schenkels, femen Stieler 1786; schade, dasz durch einen fehlerhaften abgusz die figur nach den hüften und schenkeln zu ein wenig krumm geworden. Schiller 3, 580; schenkel anderen theilen des beines gegenübergestellt: die schinkele ende die beene (des bildes, im Daniel) weren van yser. quelle bei Schiller - Lübben 4, 98ᵃ; also balde stunden seine schenckel und knöchel feste. ap.-gesch. 3, 7; vertreibt den weibern die geschwulst der schenckel und füsz. Tabernaemont. 8 D; geschwulst der schenckel und schinbein. 9 K; schenkel und füsze ein muster der edelsten schönheit. Schiller 3, 579. der untere theil des beines wird ebenfalls schenkel genannt und als unterschenkel vom oberen (oberschenkel) unterschieden. im gebrauche der älteren zeit häufig so, dasz das ganze bein mit umfaszt wird und in gleicher verwendung zum theil auch in neuerer sprache (die schenkel rühren, eilig gehen oder laufen). gantz schenckel, pes, pediculus Dasypodius; pes, pedis, schenckel Aventinus werke 1, 390, 6; schenkel, der ganze fusz Schmid 459; leicht von schenkeln, mobilis pedibus Stieler 1786; (Goliath) hatte ehern beinharnisch an seinen schenckeln. 1 Sam. 17, 6; entblösze den fus, entdecke den schenckel, wate durchs wasser. Jes. 47, 2; störrige augen hatte er (Thersites), eine todte farb, ein eingedruckte nasen, ein kurtzen hals mit einem hofer, ein glatzkopff, ein schmale brust, zohe ein bösen schenckel nach. E. Alberus fabeln 9 neudruck; der geschrenckten schenckel (unter den spielen). Fischart Garg. 165ᵇ; so dir zustünde ein krancker, der einen faulen schenckel hette. Paracelsus chir. schriften 113 B; dazu hinckte auf den einen schenkel. polit. stockf. 54;
dirn bræche mangen swenkel
brust houbet noch den schenkel.
Parz. 212, 16;
und gab im aber einen slac
zem schenkel unde kêrte dan.
G. v. Straszburg Tristan 403, 21;
die (pilger) truogen an ir schenkelen
lînhosen.
68, 2;
mit den liehten schenkeln her Maurîn.
Lanz. 3052;
ich slâh im einen schenkel ab : ich aht sîn niht ein hâr.
minnes. 3, 217ᵃ Hagen.
besonders in feststehenden wendungen der epischen erzählung bei schilderung der tjost:
diu ros sî nâmen mit den sporn:
dô sach man schenkel fliegen.
Erec 762 (s. die anm. zu dieser stelle);
ûf und zetal begonde sich
vil manic schenkel biegen.
bî snellen orsen fliegen
sach man ritterlîchiu bein.
K. v. Würzburg turnen von Nantheiz 749;
stet, ir galgenschwenkl,
lat hie den rechten schenkel.
fastn. sp. 428, 11;
die bloderhosen um die bein
sind weiter als um dlenden;
die krumme schenkel sieht man nie,
damit sie ihn nit schänden.
d. knaben wunderhorn 1, 526 Boxberger;
die stücker hingen nun von beyden schenkeln ab.
A. Gryphius 1, 166;
Panthoos' sohn, Euphorbos, der vor den genossen der jugend
prangt' an lanz', an reisiger kunst und an hurtigen schenkeln.
Voss Ilias 16, 808.
sprichwörtlich (vom furchtsamen): er trawt seinn schenckeln mehr dann seinn henden. Franck 1, 51ᵃ; die schenckel empfindens wol so man auff stecken reit. 81ᵃ. schenkel am leibe der thiere:
(ein thier) hât niht knieschîben;
wellent irs gelouben,
des ne mach iʒ niht gebôgen
an den schenkelen sîn gebeine.
Lamprecht Alexander 4368;
(Achilles schlug) dem pferde an den schenkel,
dem ritter durch daʒ bein.
Herbort liet von Troye 9062;
sîden biutel und guldîn senkel
sint swacher denn eins flôhes schenkel.
renner 23100;
da stund es (das pferd), wincket mit dem ohr,
zuckt die schenckel, trat das fusspohr,
bisz die zeene, wetzet den mund
und lacht frölich ausz herzen grund.
Rollenhagen froschm. Oo 7ᵃ.
beim pferde spricht man von vorder- und hinterschenkeln, indem man vorder- und hinterbeine meint. der obere theil der hinterbeine führt auch die bezeichnung groszer schenkel. Nemnich; ober- und unterschenkel unterscheidet man auch an den beinen der vögel und insecten. Behlen lexicon der forst- u. jagdkunde 5, 469. schenkel am geschlachteten thier: eines rindes schenkel unverhowen. Grimm weisth. 1, 683; perna, ein schweinener schenckl, sew schenckel Dief. 428ᵃ; jr solts nicht roh essen, noch mit wasser gesotten, sondern am fewr gebraten, sein heubt, mit seinen schenckeln und eingeweide. 2 Mos. 12, 9;
ein rindes schenkel næme ein hunt
vür rôtes goldes tûsent pfunt.
Vridank 138, 3;
im opferdienst: das eingeweide aber und die schenckel sol man mit wasser waschen, und der priester sol das alles anzünden auff dem altar zum brandopffer. 3 Mos. 1, 9;
oder hab' ich dir je von erlesenen farren und ziegen
fette schenkel verbrannt, so gewähre mir dieses verlangen.
Voss Ilias 1, 41.
2)
übertragen auf schenkelähnliches:
a)
am weinstock ein etwas dickeres stück der reben, die man am stock stehen läszt. Frisch 2, 173ᵇ: aber schaw du alhier an diesem gewächs (dem weinstock) die schenckel, knürtzel, gäbelin, klammeren. anm. weiszheit lustg. 167.
b)
bezeichnung verschiedener bautheile und verzierungen. Jabobsson 3, 578ᵃ ᵇ.
c)
an der fahrt im bergwerk die verticalen bäume der stehenden leitern. Frisch 2, 173ᵇ. Jacobsson 3, 578ᵃ: wie ewere farten, zwen schenckel und sprossen haben. Mathesius Sar. 140ᵃ.
d)
schenkel, die theile an beiden seiten der kanzellen an einer orgelwindlade. Jacobsson 3, 578ᵃ.
e)
auf schiffen ein tau mit scheibenvorrichtung zum anholen. Bobrik naut. wb. 586ᵃ.
f)
schenkel, vielleicht nur entstellt aus schemel (s. dieses), der sitz für den treiber an einem pferdegöpel. Jacobsson 3, 577ᵇ.
g)
schenkel der reitstangen, die langen gebogenen hauptstangen an den seiten, woraus die reitstangen zusammengesetzt werden. Jacobsson 3, 578ᵇ.
h)
schenkel einer zange, die langen handhaben derselben.
i)
schenkel eines zirkels, die beiden theile, welche im kopf verbunden sind. Jacobsson 3, 575ᵇ.
k)
schenkel eines winkels, die beiden linien, welche den winkel einschlieszen; man spricht auch von den schenkeln eines dreieckes und meint damit die beiden von der spitze ausgehenden seiten; sind diese beiden seiten gleich, so heiszt das dreieck gleichschenklig.
l)
schenkel zur bezeichnung der speichen eines uhrrades. Jacobsson 7, 202ᵃ.
m)
in der anatomie als terminus technicus (lat. crus); so im kleingehirn der untere absteigende (crus cerebelli descendens), der obere aufsteigende (crus cerebelli adscendens), der brückenschenkel (crus cerebelli ad pontem) Meckel anatomie 3, 476. 477; im groszgehirn die groszen hirnschenkel (crura cerebri magna) 480; hintere und vordere schenkel des gewölbes (crura fornicis posteriora, anteriora) 507; schenkel des bauchringes (crura annuli abdominalis) 2, 442.
n)
nd. schinkel, der theil der achse des wagens, um den sich das rad dreht. Schambach 184ᵃ.
o)
oberd. von den beiden reihen, in welche das getreide zum dreschen aufgestreut wird. Schm. 2, 432. Seiler 250ᵇ.
p)
schenkel, die arme eines ankers.
q)
schenkel in der nusz: putamen .., die schal oder scheel umb den kern, oder schenckel. Alberus.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1893), Bd. VIII (1893), Sp. 2544, Z. 69.

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Zitationshilfe
„schänkel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sch%C3%A4nkel>, abgerufen am 03.08.2021.

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