Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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schare, f.

schare, f.
ausdruck der zimmerleute, ein zur strebung schräg an eine verbindung geschlagener pfahl, eine strebe. Campe: item enen nyen vlogel ynne (in eine windmühle) steken unde nye klae under lecht myt twen scharen unde nye asse. Oldenburger urkunde von 1512 bei Schiller-Lübben 4, 50ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1893), Bd. VIII (1893), Sp. 2178, Z. 70.

scharre, scharren, f.m.

scharre, scharren, f.,m.
fleisch-, brotbank, s. scharn.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1893), Bd. VIII (1893), Sp. 2214, Z. 60.

scharren, verb.

scharren, verb.
scabere, scalpere Dasypodius. Maaler 348ᵇ, mhd. scharren, prät. scharrete, scharte Lexer mhd. handwb. 2, 668, zum gleichbedeutenden starken verbum scherren, mhd. schërren gebildet wie schallen zu schellen. vergl. scherren, betreffs der etymologie auch kehren oben theil 5, 406.
1)
die eigentliche bedeutung ist kratzend, schabend in etwas hinein-, über, an etwas hinfahren, meist mit betonung des dabei entstehenden knarrenden geräusches.
a)
absolut. von thieren, meist mit den füszen scharren: zeletscht tretent si (die tiger, denen man ihre jungen geraubt hat und um sie zu täuschen, spiegel vorwirft) auf die spiegel und scharrent, sô vindent si nihts. Megenberg 161, 13. das huhn sucht scharrend seine nahrung: ein henn kumpt auf ein hufen weissen, so isset sie nitt das körnle, das vor ir leit. sie stot ze scharren und wil das allerunderst korn haben. Keisersberg narrensch. 76ᵇ; eine blind gewordene henne, die des scharrens gewohnt war, hörte auch blind noch nicht auf, fleiszig zu scharren. Lessing 1, 145. auch aus andern gründen scharrt der hahn:
bald siehet er (der ackersmann) den hahnen scharren,
wen ihm der süszen liebe gluht
so hat entzündet kamm und muht,
dasz er wil mit den hühnern narren.
Rist Parnasz 399.
der hund scharrt, wenn er seine notdurft verrichtet hat, oder um sich bemerkbar zu machen u. s. w.; Otnits rosz sucht seinen herrn durch scharren zu wecken:
daʒ ros begunde scharren,   snarchen eʒ began.
eʒ sluoc sînen herren   und wolt in erwecket hân.
Wolfdietr. B II, 521.
sonst scharrt das feurige rosz vor ungeduld, wenn es fest gehalten wird:
der rappe scharrt; es klirrt der sporn.
ich darf allhier nicht hausen.
Bürger 174 Sauer.
daher heiszt es im bilde:
der von übermüete scharret
recht als ein fol gebunden an der hefte.
Hadamar v. Laber jagd 456.
von personen, hier gleichfalls meist in der bedeutung 'mit dem fusze scharren', als ausdruck der ungeduld, unzufriedenheit, so bei der studentischen sitte, im colleg u. s. w. zu scharren. Campe, dem gegensatz des als beifallsäuszerung gemeinten trampelns. doch scharrt auch der höfliche, wenn er einen kratzfusz, scharrfusz macht: aus diesen fenstern haben sie herausgesehen, vier, fünf köpfe über einander; an diesen thüren haben sie gescharrt und genickt, wenn er (Egmont) auf die memmen herabsah. Göthe 8, 272. ist scharren mit der hand gemeint, so wird dies meist besonders ausgedrückt (vergl. b). scharren, mit einem werkzeug scheuern, kratzen, schaben:
nun loben wir den herrn sant Gall,
der bringt uns rüben und kraut,
so scharrn die paurn und paurin all.
Liliencron deutsches leben im volksliede 40, 11, 3;
die wäsche klatscht vor meiner thür,
es scharrt die küchenzofe.
Schiller 4, 17;
schweiz. scharren, den koth auf der gasse zusammenschaufeln. Stalder 2, 309. gleichfalls prägnant, doch in freierer verwendung im sinne von 'holz zusammenfegen, sammeln': wer (im reichswalde) ... scharret oder pechet, der gibt zehen pfunt haller oder ein hant, man vinde yn oder nicht. Nürnb. polizeiordn. 307. eigentlich scharrt das werkzeug, die hand, der fusz:
überreichte Rosauren
feyerlich seine geburt (gedicht) mit krummen scharrendem fusze.
Zachariä 1, 304.
b)
mit den füszen scharren, im bilde: denn so spricht der herr herr, darumb, das du mit deinen henden geklitschet und mit den füszen gescharret, und uber das land Israel von gantzem hertzen so hönisch dich gefrewet hast, darumb sihe, ich wil meine hand uber dich ausstrecken, und dich den heiden zur beute geben. Hes. 25, 6. scherzhaft:
wie ich (die maus) nun blieb im löchlein stecken,
dem abentheur zu sehe mit schrecken,
fengt er (der hahn) an dem boden zu schnabeln,
scharret mit den zween mistgabeln.
Rollenhagen froschm. H 4ᵇ;
mit der hand im sande scharren, mit einem messer an einer rübe scharren.
c)
scharren in, an, auf, mit dativ: die hühner scharren in der erde, im mist; der hund scharrt an der thür: und sô der jungen (vipern) zeit kümt in der muoter leib, so paitent si niht, unz si her für komen mügent, si scharrent in der muoter und auf aufreiʒent si und koment mit gewalt her für. Megenberg 285, 16; sunder sie (die henne) gat für uf den ganzen haufen, da isset sie und scharret umb und umb darin. Keisersberg brösaml. 2, 57ᵇ; mit vergnügen horch ich oft, wenn gefüttert wird, den meinen wagen umkreisenden satelliten zu, die meine feder auf dem papiere scharren hören, und die doch vom kopfe dazu nichts ansichtig werden können als den oben aufgepackten hut seines huts. J. Paul biogr. bel. 1, 13. in älterer sprache steht hier auch in mit acc.: es (das rosz) zittert und tobet und scharret in die erde, und achtet nicht der drometen halle. Hiob 39, 24; die hühner scharren mit den füszen in den mist. Adelung.
d)
transitiv.
α)
das object bezeichnet das, worauf sich die thätigkeit des scharrens erstreckt: die erde, den boden scharren u. ähnl.: antwürt das schaff (dem hirsch): far hin und scharre den anger. Steinhöwel Äsop 124 Österley; während ihr pferd ungeduldig den boden scharrte. Eichendorff (1864) 2, 414;
s'kommt regen, fährmann, meine schaafe fressen
mit begierde gras, und Wächter (der hund) scharrt die erde.
Schiller Tell 1, 1;
mit ungeduld'gem huf
scharrt euer rosz den boden.
Hebbel (1891) 1, 77.
mit verdeutlichendem zusatz:
mit hacke, karst und spaten ward
der weinberg um und um gescharrt.
Bürger 77ᵃ.
rüben scharren, schaben, oberd. Adelung. ähnlich:
es haiszt hart wider hart,
ain harte schwart würd hart gescharrt.
Fischart 2, 92, 3480 Kurz.
anders kartoffeln scharren, aus der erde kratzen, landschaftlich. Frischbier 2, 259ᵃ. den rusz scharren, scharrend aus dem schornstein entfernen. Adelung. pech scharren, von den bäumen. Schmeller 2, 448. laub scharren, scharrend zusammen bringen, anhäufen: die Warmsrother sollen auch macht haben nicht allein in ihren gemeinen und hohen eichenen wälden, sondern auch in den anderen drey gemeinen wälden sämbtlich, keinen ausgeschlossen, weil sie alle in ihrer gemarckung liegen, das dürre laub zu scharren und zu gebrauchen. weisth. 2, 186. meist treten aber in solchen fällen adverbiale bestimmungen verdeutlichend hinzu: kartoffeln aus der erde scharren, heraus, hervor scharren. im bilde:
du scharrest frevel, heimlich beigesetzt,
aus der vergangnen tage gruft hervor
und stellst sie vor des richters angesicht?
Hebbel (1891) 1, 178.
auf scharren, im bilde:
unsre tischgespräche scharren
nie auf die begrabnen todten,
greifen nie dem urtheil gottes
über die lebend'gen vor.
Herder lit. u. k. 5, 172.
ins grab scharren, begraben, in mehr verächtlicher rede:
wenn ich ausgehauchet,
so scharrt man mich ins grab.
P. Gerhardt 286, 96 Gödeke.
zusammen scharren: geld zusammen scharren Adelung, eine wendung, die den unter 4 erwähnten gebrauch von scharren vermittelt; freier: 'aus dieser beschreibung, die ich, wie man sieht, aus dem Homer selbst zusammen getragen', — wohl zusammen gescharrt, gestoppelt! — 'läszt sich der einflusz, den die zeit des trojanischen kriegs auf die sittenbeschreibungen und sprache der homerischen gedichte hatte, angeben'. Göthe 33, 17.
β)
das object bezeichnet das durch scharren erzeugte: ein loch in die erde scharren.
2)
ein geräusch, wie es meist beim scharren entsteht, auf irgend eine weise hervorbringen, sowol mit engerer anlehnung an 1, als auch freier. beachtung verdient Adelungs vermutung, dasz diese anwendung die ursprüngliche sei. mit den flügeln, fittichen scharren, schnarren, summen: es (die morgenländischen heuschrecken) sind aber solche thierlin die keine augen haben, scharren aber seer mit den flügeln. Luther 3, 313ᵃ; im bilde: sie (die feinde Christi, die den bienen verglichen werden) scharren und sausen auch mit jren fittichen, und stoszen jren stachel in den Christum hinein. 5, 55ᵃ. mit dem halse scharren, eine art des räusperns Adelung. scharren, schnarchen, wobei Schm. 2, 448 auf ahd. scerôn, stertere, meridiari, vociferare, lascivire Graff 6, 534 aufmerksam macht:
scharren als ein voll vasz
vieng der bawr wider an.
Salom. u. Marc. bei Schmeller 2, 448.
auch schnarrend sprechen, besonders den buchstaben r laut und schwerfällig hervorbringen. Schöpf 592.
3)
scharren als äuszerung der ungestümen kraft, der ungeduld, des unwillens (s. 1, a), mag, unter einwirkung der zuletzt erwähnten anwendung im sinne von 'schnarrend sprechen', die entwicklung hervorgerufen haben zu dem freieren gebrauch vom ungestümen, unmutigen, prahlerischen, übermütigen, höhnischen, trotzigen, zornigen auftreten, reden, handeln überhaupt. häufig so verbunden mit bedeutungsverwandten verben, pochen, reiszen, fluchen u. ä.: (herzog Heinrich) gab jmer gute wort, und stellet sich, als fürcht er sich fast seer, und flohe fast, und liesze die andern scharren und pochen. Luther 3, 324ᵃ; ein vernünfftiger fürst sihet nicht sich selbs an, er hat genug, wenn seine unterthan gehorsam sind, ob seine feinde oder nachbar scharren und pochen, viel böser wort faren lassen, so dencket er, narren wasschen allzeit mehr denn weisen. 325ᵃ; das wir allezeit dis gebot für augen haben ... und also jene feindlich scharren und zürnen lassen. 399ᵇ; und sihet mich jr scharren und pochen gleich an, als wolten sie got trotzen und versuchen. 5, 46ᵇ; wiewol meinet halben sehe ichs gerne, das sie so stoltz daher pochen und scharren. ebenda; darumb ist nichts, das man unterthanen, es sey bawr oder bürger, mit scharren zwingen wolle, denn ein bawr kan auch messer stürtzen und schlagen, so wol als ein adelicher scharrhans. 47ᵃ; ich hab auch noch nie gehöret, dasz jr einer sich hette mercken lassen, dasz sein trost auff gott stünde, sondern alle jr schreien, pochen, scharren und trotzen, ist bisher gewest, der keiser, die fürsten, die herrn. 52ᵃ; so solt man die papisten zurück schlahen, die mit jrer gewonheit, vetern, concilien und so viel zeichen und mirakeln her scharren, dadurch sie jr ding wöllen bestettigt haben. 453ᵇ; das heiszt nu des glaubens kunst, und weisheit, so der welt weisheit zur torheit machet, welche solchs helf für eine törliche predigt, und scharret daher, ja das evangelium kan nicht anders sagen, dann das wir sollen herrn sein uber tod, sünd, und alle ding, und sehen doch nur das widerspiel, an uns und aller welt. 6, 214ᵇ; das vermag gewislich kein bapst, cardinal, bischoff, pfaff, oder seine geistlichen, die da hoch her rhümen, und scharren vom alten glauben oder religio, und wissen doch nicht, was religio, glaube oder gottesdienst ist. 8, 268ᵃ; man musz nicht predigen und tapffer her scharren mit groszen worten prechtig und künstreich. tischr. 186ᵃ; kund der arm Lindus sich nit anders an den reübern (seiner ochsen) rechen, dann mit bösen worten, welches Hercules ausz seiner groszmüttigkeit verachtet, lachet, und jm fast wol gefiel, das dieser so fast umb seine ochsen scharret. Franck weltb. 21ᵇ; er liesz sie alle feindlich scharren und bochen. Zimm. chr.² 4, 257, 10; die tagdiebe, die söffer, die faullenzer, .. die stänkern aus langerweile, und scharren aus hunger nach privilegien. Göthe 8, 207;
als die landsknecht lang musten daussen haren,
da fingens an zu fluchen und zu scharen.
meisterl. fol. 23, nr. 225;
wie wirdt ich mit meim weyb besthen?
o, wie wirt sie fluchen und scharren!
H. Sachs 14, 173, 37 Keller-Götze;
wie wird mein weib erzürnen sich,
die mich stets treibt, zu gwinnen vil?
aber kein schaden sie tragen wil.
ach, wie wird sie scharren und reissn!
Ayrer 2435, 27 Keller.
scharren wider: es ist nichts, das die ungelerten und tollen papisten dawider (wider die priesterehe) scharren, aber der teufel wird dich mit deinem gelübd gar meisterlich treiben, und .. deine ehe und freiheit zur sünde machen. Luther 2, 102ᵇ;
dann also hört man manchen narrn,
feindtlich wider gott also scharrn,
wann ich gott wer, so wolt ich das,
und disz und jenes, und weisz nit was,
also und also ordiniern,
und aus pferdtskütteln machen biern.
Alberus fabeln (1590) 104ᵇ.
in ähnlichem sinne scharren mit einem:
der erst sprach: mein fraw dur und gsunt
verdrit mir in meim haus ein hunt
mit jrem grosz pellen und marren,
duet mit knechten und maiden scharren.
meisterl. fol. 23, nr. 240;
o Armut kraftlosz und anmechtig,
darfst du so trutzig mit mir (frau Glück) scharren.
H. Sachs 3 (1561), 2, 71ᵈ.
4)
die unter 1, d, α erwähnte wendung geld zusammen scharren gewinnt die bedeutung 'geizen', in welchem sinne dann auch scharren ohne diesen zusatz gebraucht wird, wie bei der vorigen verwendung gleichfalls meist in verbindung mit sinnverwandten verben, kratzen, schaben, kargen, geizen: das wir uns nicht erneeren, feilet an creaturn nicht, denn es ist alles vol, und haben alle gnug, sondern es feilet allein am glauben, darumb scharren und kratzen wir so viel. Luther 4, 14ᵇ; desgleichen mit allerley handel und handwerck, da sich jederman vleisset, wie er die leute ubersetze, und nur gescharret, gegeitzet, und schaden gethan, gott gebe, das evangelium und gewissen bleibe, wo es kan. 6, 49ᵃ; ich hab mich des evangelii gerhümet, und dem nehesten kein gut gethan, alles zu mir gegeitzet und gescharret, stoltz und ungehorsam, hessig, und neidisch gewest. 53ᵃ; dieser kratzet, scharret und karget, dasz er sich und seinen nachkommen einen schatz sammele. avant. 1, 170; weist du noch wie tausendmal du die flasche in der hand den alten filzen (den alten Moor) hast aufgezogen, und gesagt: er soll nur drauf los schaben und scharren, du wollest dir dafür die gurgel absauffen Schiller räuber schauspiel 1, 2;
die goldespforten sind verrammelt,
ein jeder kratzt und scharrt und sammelt,
und unsre cassen bleiben leer.
Göthe 41, 13.
5)
verhüllend für coire: da hat er praeter solitum schier ein unaufhörlichs scharren gehapt, darab sich sein weib selbs und menigclich verwundert. Zimm. chron. 4, 70, 9.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1893), Bd. VIII (1893), Sp. 2214, Z. 70.

schärren, verb.

schärren, verb.,
s. scherren.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1893), Bd. VIII (1893), Sp. 2218, Z. 13.

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Zitationshilfe
„schärren“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sch%C3%A4rren>, abgerufen am 05.08.2021.

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