Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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schatz, m.

schatz, m.
thesaurus.
I.
Formales und begriffsentwickelung. das wort ist über alle deutsche sprachen verbreitet: goth. skatts, altnord. skattr, dän. skat, schwed. skatt, ags. sceat, altfries. sket, schat, alts. skat, mnd. nl. schat, ahd. scaz, mhd. schaz, schatz; es bedeutet in den alten dialekten zuerst überall geld, wenn auch in verschiedenen beziehungen, nämlich als einzelnes geldstück (gloss. obolus, scrupulus, assis, minutum, quadrans, denarius, stater), oder als geldsumme (gloss. talentum, pecunia, aes, summa, summula) oder endlich als auferlegter tribut (gloss. census), dann erst bezeichnet es auch vermögen, reichthum, gewinn (gloss. substantia, mobilia, praetium, lucrum, questus) Graff 6, 557. nicht vor dem mhd. wird es auch von reichthümern mit dem nebenbegriffe des niederlegens und bewahrens gebraucht. die letzte stufe endlich, früher im niederd. als im hochd. nachweisbar, ist der übertragene gebrauch, indem es auf jedes beliebige köstliche gut angewendet werden kann, also auch auf personen. der ursprung des wortes ist noch nicht mit sicherheit ermittelt. sind die altfries. worte schet, vieh, und schet, geld, ein und dasselbe, dann haben wir in dem bedeutungswechsel dieses wortes einen vorgang, welcher dem übergange der bedeutung von 'vieh' zu 'geld' bei dem worte faihu ganz ähnlich ist und der lat. bildung pecunia von pecus sehr nahe kommt. unentschieden bleibt hierbei nur, ob das altslav. skotŭ, vieh, lehnwort aus dem deutschen ist, oder umgekehrt das deutsche wort dem slavischen entstammt, vergl. Fick vergleich. wörterb. d. indogerman. spr.² 898. J. Grimm gesch. d. d. spr. 28. rechtsalt. 565. zu sanskr. skhad, griech. σκεδάννυμι, σχέδος, tafel, blatt, lat. scandula, schindel wird schatz von Müllenhoff bei Curtius grundz. der gr. etymol.³ 231 gestellt. der bedeutungsübergang würde hierbei einer besonderen erklärung bedürfen.
II.
In der bedeutung sondert sich eine frühere, die bis jetzt zum theil in resten vorhanden ist, von der heute gewöhnlichen.
1)
schatz in älterer sprache.
a)
geldstück, geld, reichthum:
schatz hiesz vor alters geld, nummus, pecunia, von allerley bis auf den geringsten werth, ist aber nicht mehr gebräuchlich.
Frisch 2, 166ᶜ;
enonu iâ coufit man zuênê sparon mit scazzu?
Tatian 44, 20;
sie ehrete stäts die göttin mit gebett und vielen schenckungen, die viel schatz werth waren.
buch d. liebe 189ᵈ;
dann wir wären im geschrey, als dasz wir sehr grosze güter, ja etliche tonnen schatz bey uns hätten.
Olearius pers. reisebeschr. 383ᵃ;
sie imo sar thuruh thaʒ   gihiaʒun mihilan scaz
(pacti sunt ei pecuniam dare. Luc. 23, 5).
Otfrid 4, 8, 23;
vrô Jûne diu gehieʒ im (Paris) schaz,
sô lopt im Pallas wisheit.
Flore 2690.
b)
brautgabe:
dasz er selbst, der vater, mit bräutlichem schatze die tochter
gäbe, welchem er wollt', und wer ihm gefälliger käme.
Voss Odyssee 2, 53.
häufiger aber sind hierfür zusammensetzungen, wie braut-, mahlschatz (s. dort); bildlich: der verf. wird zwar mit seinem geschmack, seiner besonnenheit, und seinem mehr gelehrten spar-, als poetischen brautschatz, und mit seiner staaten- und menschenkunde wenig die lesermenge locken und laben. J. Paul kl. bücherschau 1, 159.
c)
auch in den bedeutungen 'kaufpreis, gerichtssporteln, miete, münzabgabe' u. s. w. gebraucht man gewöhnlich die composita kaufschatz, klageschatz, mietschatz, schlagschatz. Campe. doch wird in Kärnten auch noch das einfache wort für den geforderten kaufpreis gebraucht. Frommanns zeitschr. 5, 199.
d)
steuer, abgabe, schatz, census Frisch a. a. o. in dieser bedeutung besonders im niederd. gebräuchlich: schatt, schosz, tribut (neben schott) brem. wörterb. 4, 611; free von schatt un schulden, immunis Schütze 4, 26. namentlich auch in zusammensetzungen, wie brandschat, hûsschat, kaptâlschat, kôschat, kôpschat. ten Doornkaat Koolman 3, 102ᵃ; was kann einen landesherrn bewegen, denjenigen mann für den schlechtesten zu halten, der monatlich seinen schatz richtig bezahlt? Möser patriot. phant. 1, 150;
hätt' ihnen wissenschaft ein groszes buch entrollt,
in welches jede zeit den schatz der völker zollt.
Gotter 1, 137.
e)
hieraus hat sich dann im niederd. auch die bedeutung 'schatzung, besteuerung' gebildet. Schiller-Lübben 4, 54ᵃ: dieser schatz galt sowohl für Bremen wie für Verden. v. Kobbe Bremen u. Verden 1, 312; der sechzehnpfennigschatz 313.
2)
in jetzigem gebrauch, thesaurus, flavissa, divitiae reconditae, gaza Stieler 1740.
a)
eine menge von kostbarkeiten, kleinodien u. s. w.
α)
als in die erde, gemäuer u. s. w. verborgen, und dort gefunden. W. Grimm kl. schr. 1, 344: denn sie werden die menge des meers saugen, und die versenckte schatz im sande. 5 Mos. 33, 19; ein weiser mann, der sich nicht brauchen lasst, und ein vergrabener schatz, wozu sind sie beide nütze? Sirach 20, 32; do gruben etlich den guten alten herr Hannsen, truchsessen, bei der nacht haimlichen wider aus und vermainten ain schatz zu finden. Zimmer. chron. 1, 466, 28; die alten haben vermutet, der Adam von Rosenstain, ist ein lediger von Eberstain gewesen, hab vor vil jarn ein schatz ob dem Waintelbronnen vergraben und ain dannen darzu gesetzt. 4, 119, 8; da fieng ich an, die maur vollends einzubrechen und fand von silber, gold und edelgesteinen einen solchen reichen schatz, der mir noch auf diese stunde wol bekäme, wenn ich ihn nur recht zu verwahren und anzulegen gewust hätte. Simpl. 1, 295 Kurz; weszwegen beyde brüder die gefaste hoffnung, disz orts einen schatz zu fischen, allerdings fallen lieszen. ich aber verzagte darum nicht, sondern freuete mich, dermaleins die gelegenheit zu haben, dasz ich probiren könte, was der wunderbarliche Theophrastus Paracelsus in seinen schrifften tom. 9 in philosophia occulta von der transmutation der verborgenen schätze schreibet. 2, 208; ich wolte, ich fände einmahl einen schatz von zehn bis zwölff tausend thalern. Weise erzn. 52 neudr.; da bekümmern sie sich umb den schatz, den sie nimmermehr finden werden, und versäumen hingegen ihre eigene sachen. 54; ich will den unterirdischen schaz aus den klauen des zauberdrachen reiszen und wenn er tausend rothe flammen auf mich speyt. Schiller räuber 4, 5 schausp.; denn der schatz, den der vater gefunden, hat unglück über unser ganzes haus gebracht. Raimund 1, 227;
Reinaert sprac 'wilen tere stonde
hadde mijn here mijn vader vonden
des coninx Hermelinx scat
in ere verholnen stat'.
Reinaert 2239;
in unserm weinberg liegt ein schatz,
grabt nur darnach!
Bürger 77ᵃ;
der fröhner, der sucht in der erde schoosz,
da meynt er den schatz zu erheben.
Schiller Wallenst. lager 11;
wie nur dem kopf nicht alle hoffnung schwindet,
der immerfort an schalem zeuge klebt,
mit gier'ger hand nach schätzen gräbt,
und froh ist, wenn er regenwürmer findet.
Göthe 12, 39;
das übermasz der schätze, das erstarrt,
in deinen landen tief im boden harrt,
liegt ungenutzt.
41, 67;
ich weisz in dieser gegend — und kenne wohl den platz
und könnte dahin dich führen — den unermeszlichen schatz.
Chamisso 2, 151;
dieselbige frau soll einen schatz
verscharret haben, einer alten schrift gemäsz,
die ich als kind gelesen; doch vergebens grub
ich nach in hof und garten, ich entdeckte nichts.
Platen 254.
für nach schätzen graben auch schätze graben:
goldmacherei und lotterie,
nach reichen weibern frein,
und schätze graben, segnet nie.
Bürger 24ᵃ.
sprichwörtlich: verborgner schatz liegt sicher. verborgner schatz ist der welt nichts werth. aller schatz unter der erde, tiefer als der pflug geht, ist regale. Simrock sprichw. 480. 481;
begrabner schatz, verborgner sinn
ist verlust ohne gewinn.
481.
redensarten wie der schatz blüht oder sonnt sich; wird zeitig, verblüht, d. h. kommt zum vorschein, versinkt, beruhen auf altem volksglauben. J. Grimm mythol.⁴ 810.
β)
schatz als eigenthum von fürsten oder staaten: fürsten schatz, fiscus Dasyp.; auch wil ich ... alle kleinot, und alle schetze der könige Juda in jrer feinde hand geben. Jer. 20, 5; der schatz des Rhampsinit. Platen 196 überschrift;
coninc, dien scat was bestolen.
Reinaert 2144;
darnach kom ich (der gulden) ans fürsten schatz,
da unser etlich tausent lagen.
H. Sachs 1, 411ᵃ;
Plutus, ein gott, bin ich genant.
reichtumb und schetz seind mir bekant.
dessen fastnachtsp. 1, 24, 72;
er läszt des staates schatz sich auf das land ergieszen,
wie aus dem herzen sonst der glieder kräfte flieszen.
Haller 90 Hirzel;
uns war denn auch der himmel günstig,
dasz unser schiff ein türkisch fahrzeug fing,
das einen schatz des groszen sultans führte.
Göthe 12, 154;
wohin ein alter
kastilianscher könig seine schätze
geflüchtet hat, als über Spanien
die furcht der Mauren kam.
Schiller 5, 1, 14;
gieb mir von allen schätzen nur
die alte rostige krone! (sagt der königssohn zu seinem vater).
Uhland ged. 383;
er kehrt sich lächelnd um, und fragt mich aus,
ob ich der mann gewesen, der den schatz
des königs so getreu bewacht.
Platen 216.
γ)
schatz, mit bezug auf wert und wichtigkeit für den menschen: ein solch gebet mit fasten und almosen ist besser, denn viel golds zum schatz samlen. Tobias 12, 9; und achtet die schmach Christi für gröszer reichthum, denn die schetze Egypti. Hebr. 11, 26; allerdings ist diesz eine glückseligkeit, die man sich durch keine schätze erkaufen kann. Weisze kom. op. 2, 105; bey allen schäzen des mammons! ich möchte das nicht zum zweytenmal erleben. Schiller räuber 2, 3 schausp.; aber gebt acht, gebt acht! wenn die noth an mann geht, wenn euch das wasser an die seele geht, ihr werdet alle schäze der welt um ein christliches seufzerlein geben. 5, 1;
du borger, ein olt dôr van vorkêrden sinnen,
machstu gelt unde titlîk gût gewinnen,
darup hefstu al dîn herte gesat,
unde is doch man ein sundich schat,
den gewinnet men doch mit arbeide unde smerte;
so wôr dîn schat is, dar is ôk dîn herte.
dodes danz 900;
din schacz ist kleines raides wert
noch richtum, den die wernt hot.
Alsf. passionssp. 1189;
ehre, pracht und grosze schätze,
sind versichert nur die netze,
die man eitlen sinnen stellt.
Menantes ged. 1, 56;
der strom flieszt schwer von gold und wirft gediegne körner,
wie sonst nur grauer sand gemeines ufer schwärzt.
der hirt sieht diesen schatz, er rollt zu seinen füszen,
o beispiel für die welt! er siehts und läszt ihn flieszen.
Haller 40 Hirzel;
o könnt auch ich, durch Herculs gunst und fügen,
wie jener knecht, mir einen schatz erpflügen.
Hagedorn 1, 74;
denn ein poet, den auch sein herz erhebt,
beklagt das volk, das nur nach schätzen strebt.
1, 80;
und sollten schätze, reich und kronen
den wechsel tausendfach belohnen,
so heisz ich, aus getreuem sinn,
weit lieber deine buhlerinn,
als eine grosze königinn.
2, 87;
verflucht sey mammon, wenn mit schätzen
er uns zu kühnen thaten regt.
Göthe 12, 82;
nur lasse du das leben mir!
mein allerbeste schätze
die will ich geben dir.
wunderhorn 1, 69 Boxberger;
o Mawi, werden mir die schätze frommen,
wann mich das dunkle haus hat aufgenommen?
Rückert 4, 94;
der kampf ist kurz, der sieg soll ewig sein!
und sehnt ich mich nach ungemeinen schätzen,
ich musz das ungemeine daran setzen.
Körner Zriny 1, 11;
kein schatz wird hochgeachtet,
wenn es das unschätzbare kleinod gilt!
3, 5;
ha! soll ich vielleicht ihm gönnen das glück?
aufopfern zugleich den metallenen und rotlockigen schatz?
Platen 256;
dort (in Tirol) nutzen ein' die schätz nix,
da bringt man's nicht an,
da macht ein treu's herz nur
zum glücklichsten mann.
Raimund 1, 22;
wo ewer schatz ist, da ist auch ewer hertz. Matth. 6, 21, und danach sprichwörtlich Simrock 480.
δ)
schatz als gegenstand der sorgfalt und vorsichtigen aufbewahrung: als man elliu edeliu dinc in grôʒer huote spulget ze halten, als edele vrouwen, edeln schatz, edliu buoch. d. myst. 1, 337; sie (die Heymonskinder) freueten sich, und gaben ihm dafür ihren schatz in verwahrung, den sie mit sich gebracht hatten. Tieck 13, 21;
verriegle nur dein haus,
bewahre deinen schatz,
du sollst uns nicht entkommen.
Göthe 11, 125;
kaum verschlosz
ich meinen schatz in jenes sichre haus,
so meldet Psammis, dasz er einige
kleinodien vermiszt.
Platen 200.
ε)
sein glanz betont:
den wahren glanz erkauft kein falber schatz;
er liebt nicht stets erhabene gemächer.
Dusch verm. schriften 412;
fernher aus geheimem schreine
winkt ein schatz so wunderbar.
weisz allein nur, wen er meine
und den ort, den er bewahrt.
Chamisso 1, 353.
b)
übertragen, der aufbewahrungsort der kostbarkeiten mit seinem inhalt, aerarium Dasyp.: und legts in den schatz des hauses des herrn. 1 kön. 7, 51; man kann ihnen dann später aus meinem schatz einige goldene geschirre an den kopf werfen. Raimund 1, 20;
zwölff jar lag ich (der gulden) an seinem schatz,
ward darnach eim wechsler zu thail.
H. Sachs 1, 411ᵃ;
denn sein schatz
ist jeden tag mit sonnenuntergang
viel leerer noch als leer.
Lessing 2, 208;
sire! es ist
kein geld in deinem schatze mehr vorhanden.
Schiller jungfr. v. Orl. 1, 2;
diesz bin ich sehr
begierig zu erfahren, denn er ward
mir heute nacht aus meinem schatz entwendet.
Platen 206;
ich ging in deinen schatz,
die falle wieder mit herauszunehmen.
209;
noch bist du nicht gewisz, dasz er es war,
der deines vaters schatz erbrochen.
213.
mundartlich: etwas in den schatz legen, sich geld sparen, auch obst zum reifen ins stroh legen. Spiesz 207.
c)
bildlich, von andern dingen, vorzüglich hochgeschätzter, reicher vorrat: die gedächtnusz ist ein schatz und gehalter aller dingen, thesaurus rerum omnium memoria. Maaler 348ᵇ. besonders in zusammensetzungen, wie kunstschatz, gemäldeschatz, kornschatz, wortschatz, sprachschatz, liederschatz, sprichwörterschatz u. s. w. Adelung; wann aber das gelehrtenlexicon zugleich ein exempelschatz seyn soll. Lessing 3, 362. aber auch das einfache wort wird häufig so gebraucht: dem gottlosen ist gottes wort ein grewel, denn es ist ein schatz der weisheit, der jm verborgen ist. Sir. 1, 31; samle dir einen schatz nach dem gebot des allerhöchsten, der wird dir besser sein, denn kein gold. 29, 14; was bekümmerts dem engel, welcher über den schatz der winde verordnet, dasz die fackel eines alten weibes durch das anblasen des windes erstirbet und verlischet. pers. rosenth. 8, 97; sie müssen also einen rechten schatz der mannigfaltigsten erfahrung besitzen. Lessing 1, 348; so ist mir die Messiade als ein schatz elegischer gefühle und idealischer schilderungen theuer. Schiller 10, 475:
dat ik ju brachte in mîn gat
mit gunste unde ôk in sulke stat,
daran lach miner spise schat.
Gerh. v. Minden 3, 42;
dasz dein mund
ist viler sprachen wol erfahren,
und deiner reden kurtz und rund,
die deines haupts schatz offenbaren.
Weckherlin 368;
ihr werdet alles schön und doch verschieden finden
und den zu reichen schatz (der naturwunder) stäts graben, nie ergründen!
Haller 36 Hirzel;
dann kömmt der bewundrung reih,
an den schatz von küch und keller.
Gotter 1, 50;
das spiel des lebens sieht sich heiter an,
wenn man den sichern schatz (der ideale) im herzen tragt.
Schiller Piccol. 3, 4;
mir ist ein schatz der freude unser Semler.
Chamisso 1, 318;
wohlan! so schwöre mir den preis zu, Faust;
und öffnen will ich dir der wahrheit schätze.
347;
du packe nun zu deinen andern schätzen
auch diesen schatz von närrischen gedichten!
Platen 93;
geschieht's, dasz je den innern schatz ich mehre,
so bleibt der fund, wenn längst dahin der finder,
ein sichres eigenthum der deutschen ehre.
99.
d)
sinnbildlich, höchstes gut, grösztes glück, liebster gegenstand: in genere omne id quod pretiosum, excellens, desiderabile, gratum et acceptum est. Stieler 1740. dinge, denen man einen ausgezeichneten wert beilegt. Campe: wann das blut ist der schatz des lebens. H. v. Braunschweig chirurgie (1498) 25ᵃ; diesen schatz (das wort gottes) kan kein dieb stelen, kein rost oder schab verzeren. S. Franck lob d. göttl. worts 162; das ist mein schatz, das ich deinen befelh halte. ps. 119, 56; ein trewer freund ist ein starcker schutz, wer den hat, der hat einen groszen schatz. Sir. 6, 14; wir (die apostel) haben aber solchen schatz (von gottvertrauen) in irdischen gefeszen, auf das die uberschwengliche krafft, sey gottes, und nicht von uns. 2 Cor. 4, 7; aber der bauren glückseligkeit ist ein gemeiner schatz, ein fundament der cassa, und ein erhalterin aller anderer ständ. Schuppius 711; ein herrliches geschöpf! sie wissen nicht, welchen schatz sie in ihr besitzen. Gotter 3, 63; nun sind alle unsre schätze beisammen und wir können nun, auch von dieser seite beruhigt und erfreut, unsern weg antreten. Göthe an Schiller 14. oct. 1797; aber ich habe sie (die lieder) bisher als einen schatz an meinem herzen getragen. der junge Göthe 1, 297;
dar hebbik ûs forwâre
forworwen ênen grôten schat.
spil v. d. upstandige 383;
so sind die suppen der Schwaben schatz,
darzu die klapperey und schwatz.
H. Sachs 4, 3, 92ᵃ;
Elisa welche als der schatz
und wunder Albiens geboren,
bald durch des firmaments gesatz
fur unsers lands kleinot erkoren.
Weckherlin 341;
so nem ein jeder sein geschütz (den becher)
und eh wir es zugleich hinrichten,
musz er mir den reichen schatz (des weins)
zu loben singend nicht verachten.
531;
halt, dasz den höchsten schatz dort in dem andern leben
des höchsten milde hand dir werd aus gnaden geben.
P. Gerhardt 5, 55 Gödeke;
ein züchtig herz, ein reiner mut,
von denen angeboren,
die ihnen gottesfurcht zum gut
und schätzen auserkoren.
13, 95;
er (gott) ist dein schatz, dein erb und theil,
dein glanz und freudenlicht.
119, 53;
Fabric. wer uns nicht haben will, wird ehstens uns verliren.
Flavia. ein trefflicher verlust, seht diesen schatz doch an!
Gryphius Dornrose 44;
drum so verweigert uns ihr lieben kinder nicht,
was die natur euch pflegt an schätzen mitzutheilen.
Menantes ged. 1, 26;
die freyheit ist der beste schatz,
weg Amor aus dem hertzen!
1, 185;
weil deine jugend lernen musz,
so lasz dich meinen öftern kusz
die menge deiner schätze lehren.
Hagedorn 3, 93;
ach, süszes glück der liebe,
wer dich nicht kostet,
des lebens freude kennt er nicht,
des lebens besten schatz.
Fr. Müller 3, 163;
auf meinem busen lastet unendliche begierde
nach jenen schätzen allen, die lieb' und lust erwecken.
Platen 83;
er ist für uns, beschenkt ihr uns damit (mit eurem beifall),
ein gröszrer schatz, als der des Rhampsinit.
218.
e)
besonders von personen gebraucht, so viel als liebster, liebste. mein schatz, dann auch freier, soviel als mein lieber, meine liebe. das wort in dieser bedeutung ist mindestens seit dem 15. jh. nachweisbar, auffallend daher, dasz es die wörterbücher bis auf Stieler übergehen. bis ins 18. jahrh. der sprache der gebildeten angehörig, ist es nach Adelung hier aufgegeben und dem groszen haufen überlassen worden. dagegen ist es nach Vilmar 342 in Althessen der allein herrschende ausdruck für geliebter, geliebte, da das wort lieben mit seinen ableitungen nur noch in obscönem sinne gebraucht wird: unnd fieng Theagenes an zu reden, sprach also: mein allerliebster schatz, mein höchste freud, und schöne Chariclia. buch d. liebe 199ᵇ; lieber schatz, bringe mir doch auch einen bogen papier mit. pol. stockfisch 85; ihr wiszt, mein schatz, dasz ich euretwegen keine schmach der welt achte. 347; nachdem ich auf ihr sehnliches bitten versprochen, alle mühe und kunst anzuwenden, den verunglückten cörper ihres werthen schatzes (ehemanns) herauf zu schaffen. Felsenburg 1, 203; nachdem mich nun mein schatz (bräutigam), vielleicht aus falschen hertzen, ein wenig becomplimentiret, liesz er sich mit ins spiel ein! 3, 154; mein liebster schatz, ich bin vor freuden auszer mir. Weise kom. op. 2, 104; aber mein schatz, wann wollen sie zu uns kommen? Möser patriot. phant. 2, 41; ich sage dir, mein schatz, wenn meine sinnen gar nicht mehr halten wollen, so lindert all den tumult, der anblick eines solchen geschöpfs. Göthe 16, 20;
hilff, schatz, das ich dein schön gestalt
kürtzlich seh in des maien wald.
O. v. Wolkenstein 34, 3, 13;
sy sprach: mein schatz und trost,
hett uns der galg der gest erloszt,
so wölt wir fräden begynnen.
Hätzlerin 2, 33, 21;
das sol sein, mein lieber schatz!
fastn. sp. 400, 33;
ich sprach, du must mein schatze sein,
er sprach, viel leicht bring ich dir pein.
H. Sachs 1, 410ᶜ;
der knab der sprach mit züchten,
mein schatz ob allem gut,
ich will dich freundlich bitten,
schlag dirs aus deinem mut.
Ambras. liederb. 230;
dein sohn hat mich jhm selbst vertraut,
er ist mein schatz, ich bin sein braut,
sehr hoch in jhm erfrewet.
Wackernagel kirchenl. 5, 258;
fand einer keine lust, den eignen schatz zu herzen,
so stellte sich dafür des andern mädchen ein.
Hagedorn 2, 94;
es stund wohl an ein vierteljahr,
dem grafen träumts gar schwer,
als ob sein herzallerliebster schatz
ins kloster zogen wär.
knaben wunderh. 1, 112 Boxberger;
da will ich bei meinem herzliebsten schatz
in seinem arm erstehen.
1, 95;
mit wem ich mich traute, das sag' ich euch nicht.
mein schatz ist lieb und gut.
Göthe 1, 204;
nun, schöner schatz, sind wir allein.
gestehe mir nun, was dich quälet.
11, 145;
du fabelst, kleiner schatz.
158;
wüszt' ich meine kleinen schätze (von zwei kindern)
irgend jemand zu vertrauen,
der mir sie spazieren führte;
mir geschäh' ein groszer dienst!
246.
in ironischer verwendung: auf ehre, mein schaz, das war ein schelm oder ein dummkopf, der sie dem Fiesko kuppelte (Julia zu Leonore). Schiller 3, 44 (Fiesko 2, 2); schatz, so knallts desto lauter, und das ist ja doch wol das erste geräusch, das du in der welt machst! 451 (kabale 4, 3).
f)
in der landwirtschaft masz für ein stück land, das ungefähr ein drittel juchert grosz ist. Jacobsson 3, 553ᵃ. in einigen oberdeutschen gegenden auch ein getreidemasz. Schmid 454.
g)
nach Schmid 455 aus einer quelle von 1477 im sinne von pudenda muliebria. vielleicht nur umdeutung eines rotwelschen schossa, pudenda, das Nemnich 4, 1083 anführt und das auch als schasse bezeugt ist:
wan mein mueter zu kirichen was,
so hastu geaylt zu meiner schasz.
fastn. sp. 994.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1893), Bd. VIII (1893), Sp. 2274, Z. 1.

schatzen

schatzen, pl.
schlittschuhe, zu ostfries. schâts, nld. schaats, engl. skate. ten Doornkaat Koolman 3, 102ᵇ: die schatzen (streit, reitschuh), darauf sie mit artiger behandigkeit und ungläublicher geschwindigkeit übers eis laufen. Comenius sprachenth. § 514.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1893), Bd. VIII (1893), Sp. 2281, Z. 1.

schatzen, schätzen, verb.

schatzen, schätzen, verb.
aestimare, censere, judicare, ahd. scazzôn, mhd. schatzen, schetzen, altniederd. scattian, mnd. schatten; im goth. ist ein hierher gehöriges skattja, der geldwechsler, belegt. in den übrigen alten dialekten findet sich das verbum nicht. im mhd. bildete man neben schatzen nach analogie der ja-classe ein zeitwort schetzen, überflüssiger weise, da eine bedeutungstrennung nicht stattfand. diese nebenform schetzen verleitete dazu, sie für ein starkes zeitwort zu halten, von dem man das prät. schatz bildete: das Euriolus alles lichte schatz und frölich und gern umbfieng zevolbringen. Niclas v. Wyle translat. 47, 22. ein bedeutungsunterschied trat erst im nhd. seit dem vorigen jahrhundert ein, so dasz heute das unumgelautete wort nur in der eigentlichen bedeutung, das umgelautete nur in dem sinne von 'achten' gebraucht wird.
Gebrauch.
1)
in der ursprünglichen bedeutung.
a)
geld sammeln, einen schatz anhäufen. ahd. scazôn, scazzôn, censum nutrire, lucrum facere, thesaurizare. Graff 6, 559; mhd. nhd. gazophilare, schaczen Dief. gloss. 258ᵇ. seit dem 17. jahrh. in dieser bedeutung meist ungebräuchlich, nur mundartlich sagt man noch: du wirst nicht viel schätzen aus deinen gänsen, oder der krämer hat viel geld geschätzet aus seinen waren. Höfer etymol. wörterb. 3, 73; also tuͦent die ubeln die ze allen citen shazzent als si immer leben sulen. Leyser pred. 11, 3; alsô sint alle, die hie schatzent und sint gotes niht rîche. myst. 1, 314, 37; also hat der könig auch gethan, wo man sich seines geitzens und schatzens hat gewegert und gesperret, ist er also mit jnen umbgangen, das er sein mütlin auch gekület Luther 3, 249ᵃ; und wird man doch unter zehentausend spielern selten einen reichen finden, sondern sie sind gewöhnlich im gegentheil arm und dürfftig, weil ihr gewinn leicht geschätzet und dahero gleich entweder wieder verspielet oder sonst liederlich verschwendet wird. Simpl. 1, 189, 14 Kurz;
so thun die kargen mit irm sparen,
schatzen, kratzen ir gantzes leben,
und niemandt einen heller geben.
Waldis Esop. 1, 316, 27 Kurz;
mancher uff erden schatzt grosz guͦt
und weyszt nit wem ers samlen thuͦt.
Kohlros betrachtn. D 2ᵇ.
b)
steuern, abgaben auferlegen, fordern, sich geld, lösegeld, abstand zahlen lassen. beschätzen, .. censum habere vel agere Dasyp., schätzen, stipendium exigere, collectam imponere Stieler 1741. schon im mhd. vielfach mit dem nebenbegriff der unrechtmäszigen beraubung; so auch in der redensart schatzen und schinden; vgl. hierzu brandschatzen theil 2, sp. 300.
α)
in eigentlicher bedeutung: wolde reisin ûff sînen eigen solt und zerunge, daʒ her nîmand schatzen noch schinden dorfte. Ködiz 53, 11; also schatzt graff Eberhart noch von inen 1500 gulden. Ehingen reise n. d. rittersch. 1; weiden auf römisch heiszet .. ablas verkeuffen, mit brieffen, bullen, bley, wachs, die gantze welt schetzen. Luther 1, 276ᵃ; dazuͦ im weltlichen regiment nicht mehr thut, denn das jr schindet und schatzt, ewren pracht und hohmut zuͦ füren. 3, 114ᵃ; und Jojakim gab das silber und gold Pharao, doch schetzet er das land, das er solch silber gebe, nach befelh Pharao, einen jeglichen nach seinem vermügen, schetzet er am silber und gold unter dem volck im lande. 2 kön. 23, 35; sunder hier gegen reiszen und würgen sie die armen schaf, wie man dann sicht, mit gelt abforderen, schinden, schätzen, bannen und achten, das in doch nit zuͦgehort. Schade sat. u. pasqu. 2, 18, 7; sagstu war von den königen und fürsten, wie sie so vil gelts teglich von iren underthanen schetzen? 56, 34; das er auch kirchen, klöster, hospitalien nicht verschonete, sondern die im gleichen schatzete. Schütz beschreib. d. lande Preuszen 88; wir müssen reisen, wachen, scharwerken und uns schatzen lassen. 244; ehe aber Hasdrubel aufbrach, schetzet er die stätt in Hispania .. um ein grosz gelt. Carbach Livius 125ᵃ; schatzen und rauben war bei unsern vorfahren nicht für ein schand geachtet. Bebel facetiae 304ᵇ (1589); als wir nun durch Dalmatiam passirten, wolte mein vatter seine kunst auch in der berühmten stadt Ragusa sehen lassen, oder vielmehr dieselbige auch um einen guten zehrpfenning schätzen, als welche damal in völligem flor und reichthum stunde. Simpl. 3, 203, 21 Kurz;
ettlich sind da och gefangen
und werdent geschetzt um gros guot,
das im und sinen kinden we tuot.
teufels netz 7280;
und tuonds mit unrecht gewinnen
mit menigen valschen sinnen
und schätzend ir lüt bisz uf den grat,
das menger nütz hat.
7599;
ob wir ein mittel mochten finden,
ee in die pfaffen schatzen und schinden,
ob man in weisen mocht von dannen.
fastn. sp. 853, 16;
si künnen nit mer, denn liegen und swetzen,
und die leut ümb ir gelt schetzen.
682, 9;
vorausz wo der mit bösen stücken
feindselig arglistigen dücken
die leut schätzet und ubernimmet,
billich im endlich auch gezimmet,
dasz er am kalten marckt besteh,
dasz es ihm der geleichen geh.
H. Sachs 4, 3, 86ᵃ;
merck, geitz, gewalt und ubermuͦt,
verderbet manchen schreiber guͦt,
das sij offt schätzen leut und land,
als manchem armen ist bekant.
Schwartzenberg 136ᵇ;
setzt jn zum pfleger in ein landt,
daselb er reiche leute fandt;
die schetzt er sehr und thet sie plagen:
jederman wust davon zu sagen.
Waldis Esop. 3, 24, 5 Kurz;
ein jeder schätzet, schabt und schindt,
und musz der arm sich allzeit leiden.
4, 52, 46;
daselb war auch ein edelman,
der nam sich aller boszheit an
mit wuchern, schinden, schatzen, schaben,
nam gern geschenck und liebt die gaben.
63;
und wenn man bringt das geld zur summ,
so ists der schweisz der armen leut,
werden geschetzt bis auff die heut.
90, 92;
die armen thut die herrschafft schetzen,
mit zoll und zinssen ubersetzen.
95, 29;
die käsjäger, die heuchlerisch fratzen,
die fornen lecken, hinden kratzen,
und durch den bettel die leut schatzen.
Fischart 3, 62, 196 Kurz;
gleich wie nicht sol ein tapffer heldt,
nur derenthalben ziehen zu feldt,
das er woll spielen, fressen, sauffn,
die reichen bauern schatzen, rauffn.
Ringwaldt laut. wahrh. 22;
uns fiel die leichte last der steuren vor zu schwer,
itzt schätzt uns für und für ein unersättig heer.
A. Gryphius 1, 306;
man thät es auch noch itzt, wenn nicht die fremden herrn
uns bisz aufs blutt und marck durch schwerd und brand geschätzt.
Chr. Gryphius poet. wäld. 1, 655;
hier wohnt, und schwelgt ein trotziger dynast,
des armen landes reiche last,
der liebling eines herrn, den oft geschätzte horden
in treuer blösze zinsbar worden.
Hagedorn 2, 100.
β)
in freierem gebrauch, berauben:
ungefuͦge nider
in ein fart eʒ platzet,
davon ich leider sider
vil dicke an mînen fröuden bin geschatzet.
Hadamar jagd 58;
denn, wie die biene, jede blume schatzend
um ihre süsze kraft,
die schenkel voller wachs, den mund voll honig,
so bringen wirs zum korb; und wie die bienen
erwürgt man uns zum lohn.
Shakesp. Heinrich IV. 2, 4, 4.
c)
die bedeutung steuern, abgaben zahlen, ist hochdeutsch ungebräuchlich, aber im niederd. bekannt: schatten, schosz geben brem. wb. 4, 611. in Westfalen heiszt schatten auch ertrag geben. Woeste 226ᵃ.
2)
übertragen, achten, taxare, glauben, putare, deputare, reputare, existimare, coniectare, arbitrari, autumare, censere. Dasypodius. Stieler 1741.
a)
nach wert oder zahl veranschlagen, erwägen, beurtheilen, taxare; zunächst mit beziehung auf steuer und ertrag von 1 her überleitend, dann freier.
α)
einen, nach dem vermögen, schätzen censum facere: es begab sich aber zu der zeit, das ein gebot von dem keiser Augusto ausgieng, das alle welt geschetzt würde. Luc. 2, 1; auff das er sich schetzen liesze mit Maria seinem vertraueten weibe. 5;
der (Christus) musz geschätzet seyn,
der vor Augustus hatt' ins reich gesetzet ein,
der ewig freye printz.
P. Fleming 4.
β)
einen oder etwas, nach den besonderen eigenschaften der person oder sache schätzen: ein mansbilde zwanzig jar alt, bis ins sechzigst jar, soltu schatzen auff funffzig silbern seckel. 3 Mos. 27, 3; und der priester sol jn schetzen, er sol jn aber schetzen nach dem seine hand, des, der gelobt hat, erwerben kan. 8; hiemit gang zue dem ufgethonem herzen und scheschze die unergrindliche liebe, die er (Christus) dir erzaigt hat. Villinger chron. 104; und welchs holtz dann kein bestimbt noch gesetzt gelt het, das soll der werckmeister schatzen und darob sein, das der stat in gleichem gelt von dem walthawher werde. Tucher baumeisterb. 37, 28; dahero denn die tugenden, als auch die laster nicht so wol ausz ihrem werth und verdienst, als ausz närrisch-eingebildetem alterthumb geschätzet werden. Schuppius 775; anstatt dasz es (das jüdische volk) ihn (gott) bisher nur gegen die armseligen götzen der kleinen benachbarten rohen völkerschaften geschätzt hatte, mit welchen es in beständiger eifersucht lebte: fing es .. an, ihn gegen das wesen aller wesen zu messen. Lessing 10, 317; man musz die erkenntnisz an diesen regeln prüfen und schätzen. Kant 2, 95; wenn wir anders .. einen volksdichter richtig schätzen, so besteht sein verdienst .. darinn .., in jedem einzelnen liede jeder volksklasse genug zu thun. Schiller 6, 320; seine (Wallensteins) freygebigkeit wurde durch unermeszliche einkünfte unterstützt, welche jährlich auf drey millionen geschätzt wurden. 8, 353;
wan er gerne sæhe
daʒ ir den kopf als wæhe
an daʒ spil saztent,
ob ir in joch schaztent
wider tûsent marken.
Flore 4826;
(die liebe spricht:) er soll bey seiner Aszmannin ein vorbeschriebnes
Eden finden,
und disz so wahr als mein erbarmen, das aller länder seufzen schätzt,
mit ehstem nach so vielen siegen den rest zu Carlens wünschen setzt.
Günther 442;
er sey
hier frey; könn überall sich hier besehn;
... könne, — sagt der patriarch —
die stärk' und schwäche der von Saladin
neu aufgeführten, innern, zweyten mauer
am besten schätzen.
Lessing 2, 218.
besonders auch vom beurtheilen und bestimmen des wertes durch sachverständige: grundstücke, häuser, holz schätzen, das vieh schätzen, d. h. durch befühlen oder aufheben des viehs dessen wert bestimmen, wie es die schlächter thun. Jacobsson 3, 533ᵃ: wie ein förster, wenn er einen baum schätzt, oder ein metzger ein häuptlein vieh. Hebel 2, 177.
b)
in bedeutendem sinne, achten, hochachten, wertschätzen, magni aestimare: ich schetze mêr die gedult denne diu zeichen der menschen. mystiker 2, 367, 31; angenehm heiszt jemandem, was ihn vergnügt, schön, was ihm blos gefällt, gut, was geschätzt, gebilligt wird. Kant 7, 50;
ich seh' an diesem neid, wie mich mein liebster schätzt,
und meinem kleinen stolz wird alle qual ersetzt.
Göthe 7, 7;
doch dieser mangel läszt sich ersetzen,
wir lernen das überirdische schätzen,
wir sehnen uns nach offenbarung.
12, 65;
lasz vergangenes
vergessen seyn! ich schätze dich unendlich.
Schiller Piccolom. 4, 7;
ich schätze die vernunft,
und liebe die verschiednen ideale.
Platen 201ᵃ.
c)
in abgeblaszter bedeutung, meinen, glauben, etwas für etwas halten, etwas zu etwas rechnen: das Moses und die priester des gesetzes sich und das volck besprengten mit hysopen, in bocks blut geduncket, und davon sie sich rein schatzten, ist nur ein euszerlicher schein. Luther 1, 32ᵇ; es ist auch geschetzt fur der risenland, und haben auch vor zeiten risen darinnen gewonet. 5 Mos. 2, 20; ich bitte aber, das mir nicht not sey, gegenwertig thürstig zu handeln, und der kühnheit zu brauchen, die man mir zumisset, gegen etliche, die uns schetzen, als wandelten wir fleischlicher weise. 2 Cor. 10, 2; Topasius aus morenland wird jr nicht gleich geschetzt, und das reineste gold gild jr nicht gleich. Hiob 28, 19; das es (das schlosz) ungewinlich geschetzt wardt, es würde dann ausgehungert. Aimon a 5ᵇ; wiewol ich mich nit wirdig schätz, von einer so hochgebornen jungfrawen lieb gehabt werden. buch d. liebe 236ᵃ; ja eine, die sich vor oder zu ihrem mann zulachen, zu liebelen oder sonst zutätig unnd lustig zu erzeigen scheuet, ausz sorg, das man sie vielleicht für leichtfärtig, geil, oder frech möchte schätzen, thut nicht anders, als wann sie darumb stincken wolt, auff das man nit meine, sie prauche bisam oder salben. Fischart ehez. c 2ᵇ; nur darumb, das sie nichts von einander haben, sondern alles gemein under sich schätzen solten. d 7ᵃ; wir wusten anfänglich nicht, umb welche gegend wir zu seyn uns schätzen solten. Olearius pers. reisebeschr. 32ᵇ; (die insel) wird 18 meilen lang, an etlichen orten 3, an etlichen 4 meilen breit geschätzet. 36ᵇ; aber mein knän wolte mich solche glückseligkeit nicht länger genieszen lassen, sondern schätzte billich seyn, dasz ich meiner adelichen geburt gemäsz auch adelich thun und leben solte. Simpl. 1, 13, 20 Kurz; ich schätze, mein freund, sagte er, du habest entweder ein schlimm stück begangen .., oder habest im sinn, einen andern Empedoclem Agrigentinum abzugeben. 2, 171, 6; und diese aber schätzet er zu den Sueviern. Micrälius altes Pomm. 1, 23; und dem gemeinen wesen bestens zu rathen, dessen nutz und wolfahrt das höchste gesetz billich geschätzet wird. Schuppius 529; und fürwar was nit zu diesem (zur tugend) zilet, ist gar nit eines hellers zu schätzen. 707; und ich schätze, dasz dieses verständigsten kaysers invention lobens und verwundern gar werth seye. 711; ja es werden geitzige narren gefunden, welche sich schier berühmen, dasz sie keine kinder haben, damit mans für reicher schätze. 730; also geschicht, dasz sie die angenommene künsten umb unleidenlichem werth schätzende, nichts anders suchen. 766; bei uns kennt man ihn nur unter dem nahmen des unergründlichen. wie alt, zum beispiel, schätzen sie ihn? Schiller 4, 231;
es deuchte mich geschwacht,
daz sy mich zuͦ der gaisse schaczt.
Wolkenstein 91, 2, 5;
so wird ich darumb ein narr geschetzt,
umb das mein maul so vil schwetzt
und das es mir als offen stet.
fastn. sp. 262, 7;
ich schatz, wir gen zum rockenspinnen
und schuten den meiden die agen ab.
270, 8;
so ich ge auf der gassen glunkern
und mich selber schatz fur einen junkherren.
373, 28;
der dritt nur umb ein freundlich wort
sich schatzt eins weibes höchster hort.
286, 24;
der sechst ein weiszen katzen wild
schatzt ein geschleierts weibes bild.
30;
ich schätz, du seiest voller wein.
396, 17;
es wer nit not, alsz ich das schetzen,
schiltecht leüsz in beltz zuͦ setzen.
Murner schelmenz. 29 neudruck;
dann vil ritter sind schon herkommen,
haben sich der sachen unternommen,
sind aber von würmen umbbracht worn,
das ich schetz all hoffnung verlorn.
J. Ayrer 1654, 33 Keller;
seyd aber doch gegrüst, seyd dennoch fürgesetzet
dem allem, was die stat für schön und köstlich schätzet!
Logau 1, 50, 4;
disz nenn' und schätz ich nun die seligkeit der welt,
die furcht und schrecken hemmt, wenn alles bricht und fällt.
Günther 444;
dasz sich der Juvenal aus eifersucht erzürne,
da der beleidigte die schrifft, so ihn verletzt,
doch mehr erbarmungs-werth als ahndungs-würdig schätzt.
533;
so lang ein wilder fürst sein volk vor thiere schätzet
und seiner wünschen ziel an ihrem elend setzet,
so lange wird das land im reichthum hungers sterben.
Haller 227 Hirzel;
Laurette wird von ihm verehrt
(so wollen wir die schöne nennen);
allein, sie schätzet ihn nicht werth,
ihm ihre gegengunst zu gönnen.
Hagedorn 2, 90;
die tugend, die der himmel minnt,
schätz über gold und rang.
Hölty 124 Halm;
nun musz ich noch ein biszchen sehn,
wie's thut mit Leonoren stehn.
ich thu' sie wohl unschuldig schätzen,
der pfaff kann nichts als prahlen und schwätzen.
Göthe 13, 69.
in den festen verbindungen hoch, höher, gering schätzen: männer such' ich, die dem tod ins gesicht sehen, .. die freyheit höher schätzen als ehre und leben. Schiller räuber 3, 2;
ein kriec hât sich gehebet an,
den schatzet man gar kleine.
Suchenwirt 37, 2;
und sol euch machen ein rechte reformatzen,
dar umb sült ir in als gering niht schatzen.
fastnachtsp. 297, 6;
ein wohlstand, der in ehrfurcht setzet,
und tugend, ehrbarkeit und pflicht
viel höher als das leben schätzet.
Hagedorn 2, 90;
sie liebt dich, schätzt dich hoch vor allen andern,
doch nimmer hätte sie den muth, ein solch
geheimnisz vor dem vater zu bewahren.
Schiller Piccolom. 3, 5.
im bair. besonders beliebt ist die redensart schatz'i, glaub' ich. Schm. 2, 492. Frommanns zeitschr. 3, 532, 74.
d)
vermuten, schlieszen, hoffen, jemandem etwas zutrauen, jetzt nur noch mundartlich gebräuchlich: ich hab es ihm geschätzt. Stalder schweiz. idiot. 2, 310. sich oder einem andern etwas schatzen, für sich oder einen andern etwas erwarten, hoffen. Schm. 2, 492. Frommanns zeitschr. 4, 537, 1, 15; früher schriftgemäsz: ich wolt wol gerne, dasz sie meiner schwester son, den Alcamenem, liebete, denn ich hab sie jm vor längst zu einem weib geschätzt. buch d. liebe 195ᶜ;
ich hab nur dies hieher gesetzt,
auff dasz ein jeder darausz schätz,
was Jesuwider seind für christen.
Fischart 1, 14 Kurz;
aber ihr seit ein recht alber götz,
wie ich ausz eurem bericht schetz.
Rollenhagen froschm. J 8ᵇ.
e)
freundschaftlich mit einander reden, nur in der form schatzen. wahrscheinlich herzuleiten von schatz in der bedeutung 'geliebter'. Frommanns zeitschr. 6, 199. Schm. 2, 492.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1893), Bd. VIII (1893), Sp. 2281, Z. 6.

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a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
schwäherin schöpfquelle
Zitationshilfe
„schätzen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sch%C3%A4tzen>, abgerufen am 04.08.2021.

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