Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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schaube, f.

schaube, f.
langes, weites, bis auf die füsze gehendes oberkleid für beide geschlechter. das wort stammt aus dem roman. (italien.) giubba, giuppa, franz. jupe, das seinen ursprung im arabischen hat, vgl. Diez etymol. wörterb.⁴ 166; dem entspricht es, dasz es besonders im oberd. verbreitet ist. mhd. schûbe, schûwe, s. Lexer handwb. 2, 807 f., joppa .. schube Dief. gloss. 307ᶜ. daneben begegnet indes frühe die form schoube, schaube, die später allgemein durchgedrungen ist, auch im alemannischen (in anlehnung an schaub?), schweiz. die schauben Frisius (1556) 940ᵇ, s. Weigand 2, 554, schaube, crocota Dasypodius. Maaler hat schauben (die), stola, langer oberrock der weyberen 348ᶜ, und schuben oder frouwenrock, palla 362ᵇ. schube begegnet noch bei Keisersberg: ir schuben, die seint fornen an dem gesicht gefüttert mit marder und da hinden mit heumarder. evang. (1517) 153ᵃ. daneben auch formen mit abweichendem vocal, dem roman. gioppa, gippa u. s. w. entsprechend, mhd. gippe, jope, schope, schoppe, schop, scoppe, scheppe, s. Lexer handwb. 2, 770, schob im voc. theut. von 1482 cc 8ᵃ, s. Weigand a. a. o., vgl. ferner Schm. 2, 354. Frommann 2, 442, 47, sowie jope theil 4, 2, 2336 f. in den neuern mundarten herrscht schaube(n) Schm. a. a. o. Birlinger 391 (und schaupen 392ᵃ mit belegen) Schmid 453 (schaube, schaupe, schopp, schoppen). Höfer 3, 74 f. Schöpf 594. Schröer 199ᵇ, schweiz. schopa, m., plur. schöpa Tobler 396ᵇ. auszerhalb des oberd. vereinzelt in älterer sprache, so im chronicon Islebense zu 1602 (s. 81): es verlohren weiber undt jungfrauen im getrenge ihre schauben und mäntel, s. Jecht 92ᵇ. preusz. s. Frischbier 2, 261ᵇ, ein mecklenb. zube ist vielleicht durch das slav. vermittelt, s. niederdeutsches correspondenzbl. 9, 15. 74. über schäube vgl. 3. Bedeutung:
1)
oberkleid, mantel, talar. schaube, f. eine tracht von langen kleidern, palla, stola, vestis ad talos usque promissa. Frisch 2, 165ᵃ, vgl. Birlinger 391; meist zur bezeichnung des reichthums: unnd wenn sy in jren heüsern seind so thuͦnd sy die seyden schauben an. Keisersberg has im pfeffer Aa 5ᵃ;
die armen soltest bkleydet han
die nit hand füchse schauben an.
concil (1545) 712;
ich (der reichthum) hab lustgärten, rosenstöck,
köstlich schawben und marder röck.
H. Sachs fastn. sp. 1, 27 neudr.;
auch kan ich stricken schleyr und hauben,
porten schlingen auff röck und schauben.
Ayrer 963, 34 Keller.
insbesondere
a)
die männerschaube, ein langer und weiter, kostbarer mantel, auch talar: doctor-schaube, doctorum vestis talaris. Frisch 2, 165ᵃ; ach was narheit das ist, wan einer ein marderin schauben an hat, so wil er eerlich gehalten sein, sein erhaben, er meint es sol sich alle welt an im verwundern. Keisersberg narrensch. 125ᵈ; nach disen worten iglichem herren czwuͦ seyden schauben mit feche (pelz) unterzogen schencket und gab. Steinhöwel Äsop 645, 34 Keller (10, 9); wenn ich einem einen grawen rock gebe, und spreche, nim hin, zeuch an, das ist mein mardern sammate schauben etc. Luther 3, 69ᵃ; die kleinen diebe henget man an galgen, aber die groszen diebe gehen in mardern schauben herein. 4, 527ᵇ; ein fast gelehrter mann ... wonete zuͦ Erdffurt, gieng daselbst einsmals übern marckt mit einer köstlichen gefüterten schauben und anderm bekleidet. Kirchhof wendunm. 1, 152 Österley (1, 122); der Meylender kam inn einer märderin damastin schauben. Pauli sch. u. ernst (1550) 30ᵇ; der von Guettenstain war beklaidt mit ainer gueten, köstlichen zoblinen schauben, weit und grosz, mit langen ermeln, als dozumal der sitt war. Zimm. chron. 2, 302, 1 Barack; ersicht er (der schalksnarr) graf Wilhelm Wernhern beraupt und glatzet, ains grosen alters, in ainer langen schauben neben der königlichen majestat ufwarten; sprucht er in grosem gespött: du alter doctor, was thuestu da? 4, 40, 8; wie cöstlich sie (die Venetier) sonst in iren claidungen gewesen, so hetten sie doch ire marderne schauben und zobel am ruggen mertails mit schafffelen gefietert. 247, 25; der Preuszen legaten wurden mit mardern schauben begabt, daraus ein sprüchwort kam: das land zu Preuszen were für etzliche pelz verkauft. Henneberger landt. 73; also liesz sich der gute Cuntz uberreden, und gab dem schäffer seine gute kleider mit seiner füchsen langen schauben, unnd thet seine desz schäffers böse kleider an. Helvicus 1, 189; Jäcklein selbst zog den koller des grafen an und dessen rothe damastene schauppe. Martha erzählung von Wild (Nördlingen 1871) 77;
gold, silber, reich gewant,
pferd und manig schawben
gab er den herren da zu miet.
Suchenwirt 20, 136;
vil gandt gar stoltz jn schuben har
und werffent den kopff har und har.
Brant narrensch. 9, 1 (vgl. anm.);
ein jeder hat
von fehen wat
ein köstlich schauben.
meisterl. fol. 23, nr. 222;
die wochen gehend wir ins bad,
in feisten schauben und weichem wat.
Hutten 5, 64 Münch;
die männer trugen gülden hauben,
seidene wammes, kostlich schauben.
B. Waldis 4, 49, 66;
ich (Eulenspiegel) hab ein merdren schauben ahn.
H. Sachs 3, 3, 73ᶜ;
wo habt jhr dann die schauben gnommen,
die ich gab den frembten kauffleüten.
Ayrer 1850, 22 Keller;
so zeucht es (das vollsaufen) gute kleider ab,
gibt hänffen schauben, böse schuh.
B. Ringwaldt lauter wahrh. 70;
darausz reit herzog von Wirtenberg
mit seiner braunen schauben.
Uhland volksl.² 226 (124 C 1);
bring mir meine seidine schauben.
240 (130, 18);
dieser sucht sein höchstes gut
in der kost und braunen trauben,
kreucht mit rock und mit der schauben.
P. Fleming 297;
da trat der teufel in menschengestalt,
von einer faltigen schaub' umwallt,
zu ihm und sprach: was plärrst du, wie toll?
Langbein neuere ged. 2 (1823), 298;
die schaube hing sie (Isolde), reich besteckt
mit goldgesticke, unten, oben,
zum fenster, sprach: 'er wird sich freu'n,
erwacht er nun, des kleids, des neu'n'.
Immermann 13, 161.
b)
die weiberschaube: schauben (die), stola, langer oberrock der weyberen. Maaler 348ᶜ; toga muliebris, palla, stola foeminarum. Stieler 1782; schube oder frauen-rock. quelle bei Frisch 2, 165ᵃ; es bezeichnet einen langen mantel, meist als eine vornehme und kostbare kleidung (eine tracht vornehmer frauen. Frisch a. a. o.), daher vielfach als brauttracht (vgl. Schröer 199ᵇ f.): schaube heist denen Augspurgischen weibesbildern ein gantzes oberkleid, so fast in form eines schlaf-rocks gemachet und durch und durch mit schwartzen spitzen über frisirt ist, wird mehrentheils von schwartzen sammet verfertiget, weil es das habit der bräute ist. quelle bei Schultz alltagsleben s. 111, vgl. s. 93 und frauenz.-lex. 3047; jetzt bei dem östreichischen landvolke ein kurzer weiberkittel. Höfer 3, 74; ob auch eynich weybsspilde .. ain schawben, die nit mit rawhem futter oder wadt, sonnder eynem schetter oder anndern dergleychen unndterfüttert were, [tragen wöllte] die mocht das auch thun. Nürnb. polizeiordn. 100 Baader; damit aber aller sachen angezeichent, hab ich, als ich itzund aus dem kloster gangen, ein böses röcklin, und ein schauben, auch etliche schleierlin, damit ich mich kund bedecken, mit mir genomen. Luther 2, 384ᵇ (gesch. einer dem kloster entflohenen nonne); kompt Sidea, hat über jhre schöne kleider eine schlechte schauben an. Ayrer 2217, 14 Keller; wie die elsässischen jungfrawen in hosen und wammest zur kirchen gehen, unnd inn den schauben dantzen: sind erbarer zum dantz als zur andacht. Garg. 240ᵇ; dann jhr sind weiber geschlecht, die allzeit zum bösesten auszlegen, nichts zum besten, man steur jhn dann zun schauben. Paracelsus op. (Straszb. 1616) 1, 600 A; da liesz sie ihre geflickte schauben fallen. Opitz 2, 279; als er (der löwe) aber weggegangen, findet Piramus die blutige schaube, und meinet der löwe habe Thisben gefressen. A. Gryphius 1, 721 (Pet. Squenz 1); nu, nu, last mir meine mütze, ihr werdet mir die schaub in stücken reiszen. 782 (Horr. 2); es war ein sehr weiter rock oder schaube aus seidenem purpur. Hohberg 3, 1, 79ᵇ; und die Ilse von Bielstein hatte wieder darin (im hause) gehaust in einer sammtnen schaube, die der vater auf des königs heerstrasze den kaufherren geraubt hatte. Freytag handschr. 1, 246; so zogen wir um neun uhr in den münster, darauf die hochzeiterin in einer leibfarbenen schaube. bilder (1859) 1, 248;
vor jenem wald nach pfifferlingen klauben (pilze suchen)
mit einer meid, bekleit in einer schauben,
den lust ich preisz
für alle hoffe weis.
Neith. Fuchs 2909 (s. Bobertag narrenb. s. 254);
sondern er (der liebhaber eines geilen weibes) hat ein mantel do,
das ich jm den nit mag abrauben:
er dient mir wol zu einer schauben.
B. Waldis Esop 2, 46, 20;
dein schauben musz fürt lucken stehn (hilfe schaffen, indem sie versetzt wird),
sprach er, und hönet sie darmit.
H. Sachs 1, 523ᵇ;
der ich täglich kauft köstlich schauben,
gülden ketten, ring und hauben.
3, 2, 117ᵈ;
da kam sich auch die turteltaub,
unnd bracht der braut ein grüne schaub.
vögelhochz. vom j. 1613, s. zeitschr. für d. alterthum 3, 38;
komm, komm, Melpomene, mit deiner schwartzen schaube.
P. Fleming 2;
und aus der mutter wimpern glitten
zwei thränen auf der schaube mitten.
A. v. Droste - Hülshoff 1, 106.
c)
als bettdecke verwendet: denn er doctor Luther were zu jm (dr. Henning Göde) kommen, als er kranck auff der erden one bette gelegen, und nur seine schaube uber sich gedeckt gehabt. Luther tischr. 57ᵇ; unnd legt sich an dasselbig beth, als were er siech, und liesz deckbet, merdern und füchsen schauben auff jn decken. Pauli schimpf u. ernst 87ᶜ.
d)
bildlich, von dem grünen kleide der wiesen:
die hügel, wo die schaaf' ihr futter rauben,
und wiesen, wo sie ruhn, bedeckt von schauben.
Shakesp. sturm 4, 1.
2)
ein andres schaube ist eine erweiterte form zu schaub, vgl. das., besonders 1, a. 4, a. b. d. 5, a. hierher gehört wol auch schaube, ein weiberstrohut, umbella, petasus. Steinbach 2, 393. vgl. schaubhut.
3)
in manchen mundarten findet sich ein wort schäube von unklarer herkunft, in verschiedener bedeutung: a) schweiz. für schürze, fürtuch Stalder 2, 311. Hunziker 230. b) das letzte dielbrett, das die andern schlieszt. Stalder a. a. o. c) ungar. schaüb, hölzerner teller Schröer 2, 287ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1893), Bd. VIII (1893), Sp. 2297, Z. 64.

schäuben, adj.

schäuben, adj.
von schaub, stroh: ein scheuben huot, scheuben haus, s. Lexer handwb. 2, 775; man sol in der stat kein schoebin oder roerin dach machen. quelle bei Scherz-Oberlin 1427; schäuben haus, mit stroh gedeckt: er (sanct Bernhard) reyt eins mols überfelt, do sach er dört ston ein scheuben hirten hütlin uff dem feld, do fieng er an zuͦ weynen .. er sprach so sihe ich disz hirten hütlin, und gedenck an myn scheuben closter. Keisersberg bilgersch. 62ᶜ; über die zu einem worte zusammengewachsene verbindung schaubenhut vgl. daselbst.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1893), Bd. VIII (1893), Sp. 2300, Z. 19.

schauben, verb.

schauben, verb.
1)
nebenform zu schieben, vgl. daselbst. Stieler 1778. Steinbach 2, 393: denn diese kunst (des rechten glaubens) ist menschlicher natur unmüglich, so bald sie gott ein wenig anrüret mit einer not, erschrickt sie und verzagt, kan nicht anders dencken, denn es sey alle gnade aus .. da hilfft denn der teuffel zu schauben, mit aller macht und lisst, bis das er sie in zweivel und trawrigkeit erseuffe. Luther 5, 49ᵇ; der herr major wolle den wagen auf die strasze schauben lassen. Weim. urk. von 1736 bei Dief.-Wülcker 834. so in neuern mundarten, schwäb. Schmid 454, mansf. schauwen Jecht 92ᵇ, preusz. schauben nach plattd. schûwe(n) Frischbier 2, 262ᵃ. man beachte, dasz im nd. die form schûwen die herrschende ist.
2)
einen schaub machen, stroh oder reisig u. ä. zu einem bunde zusammenbinden. Schöpf 594; ich scheub, concinno stramina. Alberus bei Frisch 2, 165ᵃ.
3)
tirol. schâpen, schôpen, korn ausdreschen (vgl. schaub, ausgedroschene garbe). Schöpf 594, vgl.ausschauben Castelli 42. davon übertragen in der Schweiz, die letzte prüfung vor der confirmation mit den kindernvornehmen; ausschauben, einem kinde die zulassung zur confirmation verweigern; dieses kind selbst heiszt schaub (s. 5, d), mit miszverständnis der metapher. Stalder 2, 310.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1893), Bd. VIII (1893), Sp. 2300, Z. 28.

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Zitationshilfe
„schäuben“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sch%C3%A4uben>, abgerufen am 23.07.2021.

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