Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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schaum, m.

schaum, m.
spuma.
A.
Formen. ahd. skûm, mhd. schûm, alts. zufällig nicht belegt, mnd. schûm, schûme. in die neueren german. sprachen wol aus dem deutschen im engeren sinne übergegangen: isländ. skûm neben skûmi Biörn Haldarson 2, 285ᵇ, schwed. dän. skum, mittelengl. skum neben skome Skeat 536ᵃ, neufries. sküm ten Doornkaat Koolman 3, 157ᵇ, mnl. schuem, schuym Kilian, neunld. schuim. in älteren dialekten hat sich der wurzelvocal sehr verschieden gestaltet: hd. nd. schum, hd. schume, schaum, schuem, schym, schaim, spuma Dief. 548ᶜ, schume, schum, schaume, schaum, schuym, despumarium 176ᶜ, schaim, scheum, spuma nov. gloss. 346ᵇ, schum, spuma voc. opt. 56ᵃ Wackernagel; schem, despumatorium voc. opt. Leipzig 1501, schoum (östreich.) Lexer handwb. 2, 816. in neueren mundarten nd. schum, schuum neben schüm, schuym Schambach 187ᵃ. Woeste 234ᵃ. Dähnert 418ᵃ. brem. wb. 4, 711. Schütze 4, 80 f. (in zusammensetzungen wie schümkelle). in oberd. idiotiken wenig angeführt, weil ohne abweichung und vielfach durch feim ersetzt (s. u.), kärntisch der diphthong zu â verengt schâm Lexer 215, vgl. scham : tram H. Sachs im Cyrus bei Weinhold bair. gr. § 40, alemannisch das alte û erhalten schûm Hunziker 232. soweit ein plur. entwickelt, schon früh umgelautet Lexer handwb. 2, 816ᵇ. umlaut im singular schöum, scheum ebenda, andere belege s. oben. die flexion hochdeutsch durchweg stark, im niederdeutschen und den verwandten dialekten auch schwach. Schiller-Lübben 4, 150ᵇ. Franck 872. die herkunft des wortes ist unsicher. Fick³ 3, 336 und Kluge⁴ 297ᵃ führen das ahd. scûm auf eine indogerm. wurzel sku 'bedecken' zurück, schaum die decke auf der oberfläche des wassers, und ziehen ahd. skûwo schatten, nhd. scheune, scheuer heran. oben theil 3, 1450 ist schaum gleich feim (ags. fâm, engl. foam), das in allen deutschen dialekten schon seit dem ahd. (Graff 3, 519ᵃ) neben schaum gleichbedeutend und im oberd. herrschend einhergeht, angesetzt worden. anlautende consonanz und wurzelvocal stehen aber dieser annahme entgegen, ebenso das ablautverhältnis dem heranziehen von mhd. schîme, scheim (glanz, schimmer). Lexer handwörterb. 2, 687. zusammenhang mit lat. spuma ist nicht anzunehmen.
B.
Gebrauch.
I.
im eigentlichen sinne. eine gröszere anzahl zusammenhängender, mit luft gefüllter blasen, aus einem an und für sich flüssigen oder in flusz gebrachten stoffe durch starke bewegung entstanden.
1)
schaum auf der oberfläche des stoffes.
a)
allgemein einer wassermasse. hervorgerufen durch heftigen wind, starken fall, anprallen des wassers an den strand, klippen und ähnliche hindernisse. vom wasser überhaupt: das schnell das wasser durchschneidende schiff warf schaum auf;
die rotte spielt er unde brach,
reht als ein kiel den blanken schûm.
tr. krieg 26996;
indem es (das wasser), wie gepeitscht, des tages licht verhüllte,
und mit ganz weiszem schaum die schwarzen lüfte füllte.
Brockes 1, 119;
die groszen fische wohl geborgen
verblieben in des wassers schaume.
Rückert ges. werke 5, 144.
vom meer: verborgene klippen im meere verraten sich durch den schaum der brandung, wogenbrechung; es ist hier (in der brandung des sees) ein schaum, wenn nur ein wenig wind geht, dasz er jedes schiff in sich begraben kann. Stifter der hagestolz 80;
das ufer laut erbrüllet,
den luft er (gott durch den wind) ganz in eifermut
mit schaum und klang erfüllet.
Spee trutzn. 109 Balke;
desz leichten glückes gunst ist, wie desz meeres schaum,
der brauset und zergeht; ist, wie ein süszer traum.
Opitz (1690) 3, 294;
der alte Ocean empört sich auf einmal
in dicker finsternisz mit allen seinen wellen,
bedeckt das schif mit schaum.
Pyra u. Lange 165 neudruck;
die liebe füllt mit seligem behagen
der erde tiefen und der meere schaum.
Rückert ges. werke 5, 58;
er (der knabe) sprach: mein reich liegt fern so sehr,
weit drüben im tiefen, dunkeln meer,
dort steigt es aus dem schaume.
G. Schwab ged. 1, 186.
in freier übertragung:
(Cleopatra nennt) die wasserfarth
der klugen aberwitz, die schiffe todten-nachen,
das meer des Typhons schaum.
Lohenstein Cleopatra 51, 626.
von wogen, wellen:
er (Neptun) selbst ist nicht sein herr, wenn Eolus sich reegt,
und ihn der wellen schaum in seine haare schlägt.
P. Fleming 80;
Alcione sucht ruh auf toller wellen schaum.
Gryphius trauersp. 291 Palm;
aus der ergrimmten flut geschwärzten flächen
sah man der wellen schaum wie weisze flammen brechen.
Brockes 1, 118;
dort aber, wo im schaum der strudel-reichen wellen
die wuth des trüben stroms gestürzte wälder welzt.
Haller ged. 39 Hirzel;
der Elb- und Muldeflusz ...
beschützet, krönt und kühlt mit dem schilfreichen moosz
und ihrer fetten wellen schaum
des Jenischen gebietes raum.
Hagedorn versuch 78 neudr.;
(gott) sprüht im funken, grünt im baum,
wiegt sich in der welle schaum.
Stolberg 2, 249;
es keucht der ruderknecht und quirlt zu schaum die wogen.
Schiller 6, 413;
die wogenungeheuer brechen sich zu schaum und rauch.
W. Müller ged. 2, 242;
(die riesenwelle, die) plötzlich, ein wüster meerwasserfall,
in weiszem gekräusel zusammenstürzt
und mich selbst mit schaum bedeckt.
H. Heine 2, 70 Elster.
vom meeresstrudel:
doch endlich, da legt sich die wilde gewalt,
und schwarz aus dem weiszen schaum
klafft hinunter ein gähnender spalt,
grundlos als giengs in den höllenraum.
Schiller 11, 221.
vom flusz, strom, wasserfall: die gegend war ein gebirge, aus welchem ein flusz in katarakten sich stürzte in feinem schaum und dampf von silberstaub, dann eine kleine ebene durchflosz, und in einem stillen see ruhig dahinwallte. Heinse Ardingh. (1787) 1, 75; leichte windstösze kräuselten lebhafter die säume des stürzenden schaumes (des Rheinfalls bei Schaffhausen). Göthe 43, 161;
es hab' halb Africa den harnisch angelegt,
der stolze Rhein den schaum für unser heil bewegt.
Lohenstein Cleopatra 51, 626;
(die Tiber spricht:)
obgleich mein strom nicht tausend flüsz einschlingt,
mein sand nicht gold, mein schaum nicht perlen führt.
126, 766;
der wassersturz, das felsenriff durchbrausend, ...
hoch in die lüfte schaum an schäume sausend.
Göthe 41, 7 (Faust 2. theil 1. act);
was senket aus den wolken sich
und taucht aus stromes schaum?
Uhland ged. 306 (1864);
leicht, wie schnee auf diesen felsenlagen,
leicht, wie schaum, den hier die ströme schlagen,
schmilzt das glück, und jeder musz entsagen.
Platen 4ᵇ.
vom mühlbach:
und das mühlrad peitscht aufzischenden schaum in verdoppelter schnelle wie rasend.
Platen 264.
vom zarten gekräusel der quelle: tief, tief seine heisze seele in das kühle waldesdunkel, in den feuchten dunst bemooster felsen, in den begeisteten schaum springender quellen zu tauchen, danach lechzt er. Immermann 1, 196;
da, wo sonst deine (des felsens) klare quelle
auf schaum und moos herab sich stürzt.
Geszner 3, 138;
wann der frost gemach entflohen, ...
suchten wir, die wanderfrohen, ...
jedes blümchen weicher matten,
jeder quelle zarten schaum.
Platen 6ᵇ.
vom brunnen:
es quoll ein brunnen in des hofes mitte, ...
schon war das mauerwerk halb eingesunken,
doch standen rings uralte lindenbäume,
die ihren schatten warfen in die schäume.
317ᵃ.
am gestade:
so fing sie (das fischermädchen) an zu waten
hinein in schaum und sand
und suchte bunte muscheln
sich auf dem nassen strand.
W. Müller ged. 2, 122;
an meiner sohle zerfährt der schaum (beim wandern am ufer des sees).
Droste-Hülshoff 1, 130;
nach langem laufen sah sie das ufer und seinen schaum
und setzte sich ermüdet auf einen gefällten baum.
G. Freytag werke 1, 313.
allgemein, für schäumende welle:
heimweh jagt des abgrunds wilden schaum.
Lenau 1, 337 Koch.
übertragen von der thränenflut:
(schönste) streich den trüben schaum der herben thränenflut
und das vergif'te salz von deinen purpurwangen.
Neukirch an Melinden, auf ihren namenstag.
im bilde, blumen auf der meerflur: die gestirne ordneten sich am firmament zu wunderbaren schicksalsfiguren; azur war die luft und azur das gewässer, dessen schaum rosen waren und schmerzensblumen. Chamisso 2, 268;
ein schmetterling ...
schwebt der bewimpelte nachen (der liebe) ...
durch gekräuselte
blumen des schaumes
über der grünen meerflur.
Rückert ges. werke 1, 580.
b)
schaum von getränken, flüssigkeiten durch schütteln des gefäszes, ausgieszen in ein anderes, rühren, plötzliches zu- und austreten von luft. namentlich von getränken mit starkem gehalt an kohlensäure: Selterswasser, most, champagner entwickeln viel schaum; das bier hat keinen schaum; wann dann (nach tüchtigem rühren) die milch einen gäst oder schaum über sich wirfft. Hohberg 3, 1, 285ᵇ;
der blies in einen becher
den schûm von dem biere.
Helmbr. 1167;
laszt den schaum zum himmel sprützen:
dieses glas dem guten geist.
Schiller 4, 4.
ähnlich vom saft der weintraube:
die treterknaben sieht man kaum (in der geisterkelter),
so spritzt um sie der edle schaum.
Uhland ged. 320 (1864).
für den wein selbst:
du (klein Roland) holst wie aus dem bronnen frisch
meines rothen weines schaum.
335;
giesz den schaum mir ins glas, schenk!
Rückert ges. werke 5, 261;
liebchen! gib mir nur den duft
von des bechers schaume.
292.
für schaumwein (s. d.) im übergang zum bilde:
dem edelsten weine gleich
und dir, o Rhein, ist unsre sprache,
reich wie dein strom, mit geheimen tiefen;
vom eitlen nachbar, der sich in schaum berauscht,
verstanden nimmer, nimmer empfunden! laszt
ihm seinen schaum im becher! ihm die
sprache, die an der empfindung hinstreift.
Stolberg 2, 294.
hierher auch die kühne übertragung:
es war der gute apfelbaum,
(der wirt) bei dem ich eingekehret,
mit süszer kost und frischem schaum
hat er mich wohlgenähret.
Uhland ged. 60.
vereinzelt in alter sprache schaum, vom badewasser des kindes Jesu als heilmittel gegen krankheit:
die vrowen tûchte gût getân,
ob si den schûm vienge.
pass. 35, 54 Hahn;
swa si den schûm hin streich,
alles leit von im entweich.
41, 89.
c)
im engeren sinne: schaum von festen stoffen, welche durch schmelzen, sieden, kochen oder durch gährung in wallung gebracht, leichtere, unreine bestandtheile an die oberfläche ausscheiden (schaum auswerfen, spumare Stieler 1744), von der sie dann gewöhnlich, um den stoff rein zu erlangen, abgeschöpft, abgeschäumt werden (den schaum abnehmen, despumare Steinbach 2, 393).
α)
von metallen schlacke, scoria, mnd. schume spuma, metallschlacke Schiller-Lübben 4, 151ᵃ, namentlich in älterer sprache technischer ausdruck: daʒ eisen dœnt haiserleichen und sein schaum haiʒt ze latein scoria und haiʒt ze däutsch sinder. Megenberg 479, 26; sein (des bleies) schaum behelt silber. 481, 19; des goldes überfluʒ, daʒ ist sein schaum, haiʒt ze latein cadmia. 475, 13; schlacken heiszet man bey den bergwerken alle unreinigkeit, so von den gengen ertzen oder gültigen metallen, im schmelzofen abgehet, oder abgezogen wird ... die deutsche bibel nennet es offt silberschaum, das es auff dem silber schwimmet, wie ein gescht auffm bier, oder schaum auffm wasser. Mathesius Sarepta 108ᵃ;
auch von schaume rein
musz die mischung seyn,
dasz vom reinlichen metalle
rein und voll die stimme (der glocke) schalle.
Schiller 11, 306.
als heilmittel: wer den selben schaum (des goldes) in diu augen träuft oder sust dar ein legt, dem peiʒt er diu mail auʒ den augen. Megenberg 475, 14.
β)
von mineralien, der durch zutritt von wasser erhitzte kalk entwickelt schaum: gypsum ist der schaum desz kalcks, sein ist vielerley. Lonicerus kreuterb. (1577) 343ᶜ. ähnlich vom salpeter: greiff mit einem löffel an den boden, thu die unsauberkeit herausz, faim den schaum darvon. Fronsperger kriegsb. 2, 219ᵇ. vom salz: so bald es auffseudt, wirfft es ein trefflichen schaum uber sich, wie ein siedend fleisch. Mathesius Sar. 127ᵃ. vom glas: die schlacken oder schaum so auffm glasz schwimmet, nennet man glaszgallen. 108ᵃ.
γ)
von pflanzen, früchten u. ähnl. die gährung des weines erzeugt schaum: wird er (der wein) aber flugs von der kelter in einen frischen keller auf die väszer gefüllet, so lieget er wol zwey oder drey tage, ehe er zu gähren anhebet, alsdann wirfft er bläszlein ... also dasz viel schaum oder hefen mit einem groszen dampff und brausen zum spunde heraussteiget. Hohberg 3, 1, 284ᵃ;
doch im (wein-)keller wirds bedenklich,
dem gefäsz entquillt ein schaum,
und erstickend ziehn verfänglich
dünste durch den düstern raum.
Göthe 56, 45.
so von einer zusammengekochten mischung von kräutern, wurzeln:
der schûm, der ab den würzen trouf.
troj. krieg 10724;
das bittere getränk, in dessen schaume
verborgen ist, was je vom wolkensaume
der mitternächte gift'ges niederthaute?
Rückert ges. werke 1, 286.
freier, schaum für gekochten kaffee:
es liegt ein Araber an einem caffeebaume,
ihm bringt in hellem gold von dem durchsüszten schaume,
den man aus bohnen kocht, die die Levante schickt,
ein nackter liebesgott, der lächelnd auf ihn blickt.
Zachariä renomm. 3, 70.
δ)
von kochenden speisen, namentlich von der fleischbrühe wird der schaum abgeschöpft; auf der milch entsteht ein schaum wenn sie zu sieden anfängt. Campe; im technischen betriebe (zuckersiederei) heiszt es den schaum fallend machen durch auslöschen des feuers, den schaum in die enge bringen, aus dem abgeschöpften schaume den brauchbaren syrup durch kalkwasser und pressen heraustreiben. Jacobsson 3, 557ᵃ; im bergbau, fettige materie, die sich auf den bergwassern sammelt. ebenda.
d)
schaum auf dem körper von lebenden wesen.
α)
von thieren. allgemein, schweisz infolge groszer anstrengung, schneller bewegung:
mit blut besprengt, bedeckt mit schaum,
nimmt jetzt des waldes nacht es (das wild) auf.
Bürger 71ᵃ.
namentlich von pferden: (ich spürte) derjenigen, derer wir gewartet hetten, frisch und sahe, dasz der schaum, wie die gäul geschäumt hetten, noch da lag. Götz v. Berl. 72; sein (des reiters) pferd ganz von schaum bedeckt. Eichendorff 3, 348;
ûʒ sînem rosse dranc der schûm.
troj. krieg 32716;
führe den schecken zum stall, und futtr' ihn, Jürgen, mit haber;
doch erst trockne den schaum, dasz er kühl werd' ehe du tränkest.
Voss 2, 207;
vom sattel tropft das blut (des reiters), vom zaum
und spült hinunter staub und schaum.
Lenau 1, 388 Koch.
besonders vom speichel, der zu schaum verwandelt, vor das maul des thieres tritt, sowol aus übergroszer anstrengung, als aus innerer erregung, wut u. ähnl. (s. geifer theil 4, 1. 2 sp. 2564). schaum vor dem maule haben, spumas ore agere Steinbach 2, 393; ein wüthender eber, von wilden rüden gehetzt, mit den gefletschten hauern schaum und blut .. um sich schleudernd. Eichendorff 3, 189;
mit sînem schûme solgete er (der geträumte eber)
daʒ bette und al die bettewât.
Trist. 13536;
(vom Cerberus:) den skûm er ût den monde warp
heit, bitter ende sûr.
Eneide 3236 Behaghel;
wîʒer schûm dem wurme
ûʒ dem slunde schôʒ.
Albr. v. Halberstadt 19, 184.
übertragen von lasterhafter krankheit: da spritzt es (das laster) den eitrichten fressenden schaum aus stirn und wangen und mund. Schiller räuber 1, 3. auch hier besonders von pferden:
das pferdt frasz das gebisz mit schaum,
sah zorniglich und sprach (zum esel) 'gib raum!'
Waldis Esop 1, 33, 11;
... seyd nicht so unverständig,
wie gäul und mäuler seyn, die eh nicht werden bändig,
als wenn ihr wildes maul ein scharffer zügel zwingt,
dasz ihnen blut und schaum durch beyde leftzen dringt.
P. Fleming 18;
mein (des rosses) spielend maul voll schaum; mein wohlgewölbter
rücken,
trug jeden starken mann.
Aszmann von Abschatz glückw. an gekr. häubter (1704) 65.
β)
von menschen, speichel, geifer, der als schaum vor den mund tritt, bei gewissen krankheiten, epilepsie, raserei u. ähnl. schaum vor dem munde eines kranken zeichen des nahen todes Paracelsus 2, 2, 12ᵇ, zeichen der tobsucht 483ᵇ. der wuth: blut! war mein erster gedanke, blut! mein letzter. schaum auf dem munde renn ich nach hausz, wähle mir einen dreyspitzigen degen, und damit in aller hast in des ministers hausz. Schiller räuber 3, 2;
sie (die dichterlinge) krümmen sich im staub und lästern.
ihr eignes gifft, ihr schaum, begeiffert sie.
Pyra u. Lange 57 neudruck.
bei drohender erwürgung:
swenn der tiufel darzu schurget,
daʒ vil manger wirt gewurget (im turnier),
daʒ vor dem munde lît der schûm.
renner 11554.
nur vereinzelt auch vom schweisz des menschen:
rôt und wîʒ geblüemet   trüeg ich von rôsen kranz bî edelen kriuten,
noch sanfter danne sie (die männer und ihre rosse) truogen
den schûm (im kampfgewühl) sô wîʒ und rôten.
jüng. Titurel 4088.
γ)
schaum des pferdes als merkmal guter oder schlechter qualität des thieres: so werden auch die pferde, die ein feuchtes maul haben, darum gelobt, weil ein dicker weiszer schaum ein zeichen ist, dasz ihnen dasz gebisz angenehm, und dasz sie gesund sind. Hohberg 2, 133ᵇ; so musz auch der schaum nicht dünn, flüssig, bleyfarb oder gelb seyn, dann es bedeutet auch ein flüssiges hirn und böses temperament des kopfes. ebenda. ähnlich als krankheitszeichen: da ist sonderlich das haubtwehe oder siechthum der pferde, welches sehr hart zu erkennen, doch sind etliche umstände, die es etlicher maszen verrathen, als .. dünner schaum, so zähe aus dem munde fällt, und dergleichen. 2, 197ᵃ. schaum von pferden aber auch als heilmittel bei gewissen menschlichen krankheiten: Marcellus sagt, dasz vor die schwindsucht, wann sie auch in der extremitet ist, das beste und gewisseste mittel sey, wann man den schaum oder speichel vom rosz in warmen wein 3 tage nach einander eingiebt. 2, 187ᵃ. ebenso niederd.: welk minsche vorghiftnisse an dem live hefft, de schal nemen eyn vet perd unde laten dat rennen, went id schume, unde nemen den schumen in eyn schottelen, unde do to deme schumen like vel soltes unde twie also vele etekes, unde drinck dat, so spiggestu de vorghiftnisse ut. quelle bei Schiller-Lübben 4, 150ᵇ.
2)
ein stoff kann durch fortgesetztes schlagen, quirlen, reiben oder durch starkes kochen, schmelzen vorübergehend vollständig aufgelöst und in schaum verwandelt werden. eiweisz wird zu schaum geschlagen. Campe. für gewisse speisen: der conditor schlägt sahne zu schaum für bestimmte backwerke. seife wird zu schaum zerrieben beim waschen, der barbier schlägt schaum vor dem rasieren. metalle und thierische stoffe können bei sehr hoher temperatur zu schaum zerschmelzen, zerkochen. bildlich, mnd.: dyn sulver ist vorkeret in schumen. quelle bei Schiller-Lübben 4, 151ᵃ.
3)
selten, dichterisch schaum übertragen auf schaumähnlichen dunst von luftgebilden. vom regenbogen:
ach! dasz man schimmernd glas für gold und perlen hält.
dasz der gewölckte schaum gefärbter regenbogen
dem schnecken-blutte wird desz purpers fürgezogen!
Lohenstein Cleopatra 25, 871.
vom wogenden morgennebel:
nun breitet sichs, nun steht es überm schaume;
was steigt herauf? ein bild aus kühnem traume,
o Säntis, Säntis, deine maiestät!
Droste-Hülshoff 1, 413.
4)
vereinzelt schon mhd., häufig und in den verschiedensten wendungen seit beginn des nhd. wird das wesen, die beschaffenheit des schaums durch beiworte oder sätze näher bestimmt.
a)
nach dem eindruck auf das gesicht wird näher bestimmt:
α)
farbe, in schönem bilde, weiszer schaum:
sîn hâr was im brûn gevar,
von wîʒem schûme drûffe gar
als eʒ eins winders wære besnît.
Wolfram v. Eschenbach Willeh. 59, 11;
segel schwellen!
grüne wellen,
weisze schäume.
Göthe 2, 45;
silberner schaum:
sie (die sonne) hängt dem fuhrmannspferd zum maule
den weiszen schaum.
Immermann 13, 189;
Amalia, reitzend wie Cypria war,
als sie eine welle des meeres gebar.
sie schlüpfte aus silbernem schaume empor,
begrüszt von der götter olympischen chor.
Schubart (1829) 3, 29;
himmel und erde verschwinden am donnernden felsenerschüttrer
(dem Rheinfall);
nur, o geliebte, dein bild malt sich im silbernen schaum.
Matthisson 1, 132.
die beschaffenheit und farbe des stoffes wirkt auf die färbung des schaumes auf der oberfläche: (er sah) wie jeder fallende (regen-)tropfen einen sich elastisch erweiternden kleinen kreis im schon stehenden wasser bildete, wie weisze blasen aufsprangen oder schwefelgelber schaum sich absetzte. Reichenau aus unsern 4 wänden 177; freier:
lippen, die scharlach und rosen bedecken,
welche der marmol der wangen umflicht,
rühret von purpurnem schaume der schnecken,
euere göttliche lieblichkeit nicht?
Hoffmannswaldau auserles. ged. (1695) 274.
umgekehrt:
ihr felsen hart unnd raw,
ihr klippen von schaum graw.
Venusgärtlein 145 neudruck.
β)
die sichtbare beweglichkeit, das auf- und absteigen des schaumes: spritzender schaum;
wie ein fester damm den sturm gedrungner wellen,
wie sehr ihr schaum sich bläht, zurücke zwingt zu prellen.
Haller ged. 91 Hirzel;
laut mit jubelgeheul braust hin die entkettete welle,
und den zerstäubenden schaum dampft sie als opfer des siegs.
Kinkel ged. 178.
in beziehung auf die schnelle auflösung des schaumes:
ich neulich merkets toben (des meeres),
währt etlich stunden kaum,
da war all macht zerstoben,
zerschmolzen aller schaum.
Spee trutzn. 20 Balke.
gern in vergleichen:
o, schau mich an! ich zergeh wie schaum.
wenn aus dem grabe die distel quillt,
dann zuckt mein längst zerfallnes bild
wohl einmal durch deinen traum!
Droste-Hülshoff 1, 132;
dort, wo die graue cathedrale,
ein riesenhafter zeitentraum,
entsteigt dem düstern trümmermale
der macht, die auch zerrann wie schaum.
315.
α und β verbunden:
kaum hatt' er den (zauber-)kelch gegeben,
als es in dem wunderding
brausend an zu gähren fing
und mit macht herauszustreben,
gleich als ob der traube leben
perlte drinnen; sich erheben
thät alsbald der weisze schaum
höher denn des kelches saum.
Stolberg 1, 187.
b)
nach dem gehör. der schaum zischt, rauscht u. ähnl.:
die lippen nur kaum
an jäsendem schaum
des rothen safts (weins) zu nätzen.
L. Schnüffis Mir. flötl. 219;
wie schon Aurorens rosenhand
des himmels schimmerndes gewand,
umrauschet von der wogen schaum,
in Thitons kühlen hallen webte.
Stolberg 2, 33.
c)
nach dem geschmack bestimmt: süszer schaum des weines; süsz schmeckt der schaum auf torten und anderm feinen gebäck.
d)
nach dem gefühl, weich:
ich möcht' vom höchsten baume
mich stürzen in die flut!
ich möchte zu weichem schaume
verspülen meine glut!
W. Müller ged. 2, 109.
seidener schaum, zugleich a treffend, übertragen:
das summt' und säuselt mir wie traum,
wie surrender bienen lesen,
als sei ich einst ein seidener schaum,
eine spitzenmanschette gewesen!
Droste-Hülshoff 1, 189.
e)
nach seiner leichtigkeit: und wie? meine freunde! alle diese erworbenen göttlichen vollkommenheiten fahren dahin, wie leichter schaum auf dem wasser. Mendelssohn Phädon 3. gespr.;
Rheinwein, von ihnen hast du die edelste (seele),
und bist es würdig, dasz du des Deutschen geist
nachahmst! bist glühend, nicht aufflammend,
taumellos, stark, und von leichtem schaum leer.
Klopstock 1, 113;
ich werde seyn! wenn alles untergeht, ...
und selbst der Montblanc in der wandlung strom,
der tausendarmig sich durchs weltall windet,
mit jeder spur, wie leichter schaum, verschwindet.
Matthisson 1, 107;
doch unser poet, seit jahren erwägt sein geist die gefährliche
laufbahn:
was andern ein spiel blosz dünkt, was leicht, wie den schaum, von der fläche sie schöpfen; —
er findet es schwer, ihm liegt es so tief, ja, tief, wie die perle des tauchers!
Platen 282ᵇ.
5)
wie nach 1, c der schaum von ursprünglich festen stoffen selbst feste bestandtheile aufweist, so enthält auch der schaum des unreinen, salzhaltigen oder sonst wie gesättigten wassers unlösliche theile, die sich nach dem zerplatzen der luftblasen als kruste niederschlagen: verherteter schaum der da an die ror ansitzt, adarca Maaler 348ᶜ; im vergleich:
wo sand'ge höhn den sund umborden
sanct Georgs, wie schaum, der starr geworden.
Immermann 13, 98.
der schaum des meeres, verkrustet und festgesetzt:
aus dem haupt entrieb er den schaum der öden gewässer.
Voss Odyss. 6, 226.
der so durchsetzte schaum ist mit fruchtbaren bestandtheilen geschwängert, aus ihm wird nach griechischer mythe die schönheitsgöttin Ἀφροδίτη ἀναδυομένη geboren. häufig mit theilweise verworrenen und gesuchten bildern aufgenommen von der mythologisierenden dichtung seit dem 17. jahrh.: diese Venus steigt schon ganz vollendet aus dem schaume des meeres empor. Schiller über anmuth u. w. 6;
man saget, Venus sey entsprossen
nur blos her aus des meeres schaum.
S. Dach 469 Österley;
und wie aus einem schaume
das geile Venus-weib in kalter meeres-schosz
empfangen und gebohrn.
P. Fleming 261;
hat schaum und muschel dann mich (Venus) göttin lassen werden,
dasz man mich itzt verlacht im himmel und auf erden.
Hoffmannswaldau der aus d. himmel verb. Cupido;
(es ist wahrscheinlich) das die geschwellte flut
des blau-gesaltznen schaums, geschwängert durch das blut,
des himmels saamen sey.
auserles. ged. 231 (1695);
allein es hat es selbst der götterfürst bekennet,
die liebe, die zuvor in seiner brust gebrennet,
disz feuer hätte sich wie staub und rauch verlohrn,
nachdem die Paphie der schwangre schaum gebohrn.
235;
ahndend, welch ein wunder werde,
welch ein götterwerk aus schaum,
träumten himmel, meer und erde
tief der wonne süszen traum.
Bürger 1ᵇ.
anders gewendet:
man sagt: die Venus sey, ihr wesen zu verstellen,
nicht nach gemeiner art, besonders aus den wellen
in einer muschel helm empfangen und gezeugt,
wo sie des meeres schaum gewieget und gesäugt.
Hoffmannswaldau auserles. ged. 171.
eigenschaften des schaums mit dem wesen der liebe verglichen:
gewiszlich, saltz und schaum kömmt deiner (Aphrodites) eigenschafft
und würckung ziemlich bey.
231.
in freier übertragung:
aus solchen quellen (der liebe) strömt ein unergründlich meer,
von diesem stieg und kam der heyden Venus her,
als zwischen saltz und schaum ihr zuckerkand zerflossen.
Günther 1060.
scherzhaft übertragen:
sohn vom schaume des meers, lieblich gebräunter (meerschaum-) kopf.
Voss 3, 9.
6)
mundartlich schum niedriges gras Hunziker 232 (ob hierher gehörig?). technisch soviel als feinste art des zum flechten gebrauchten strohes Meyer convers.-lexicon (1851) 2, 7, 529.
II.
übertragung, übergang auf unsinnliches gebiet. namentlich in gehobener nhd. schriftsprache werden in zahlreichen bildlichen, auf geistiges und sittliches hinzielenden wendungen concrete eigenschaften des schaumes übertragen auf
1)
abstracte dinge, meist in vergleichen mit betonung des oberflächlichen, trügerischen, wertlosen des schaumes und mit tadelndem beisinne.
a)
der schaum als blendend, prickelnd, aber wertlos; von oberflächlicher halbbildung, blendendem witz im gegensatze zum tiefen, klaren, prunklosen wissen: da, wo man berechtigt ist, eine strenge bestimmung der begriffe zu erwarten, gab das dichterische genie nicht selten bilder, auch wohl statt wahrhafter gedanken blendenden schaum. Götting. gel. anzeigen (1806) 495; begierig schlürfte er (Heinrich Heine) den schaum von jedem Pariser feuertranke. Treitschke d. gesch. 4, 422; er studirte vielerlei durcheinander, nippte von allem nur den schaum und nur das sonderbare vermochte ihn zu fesseln. Heinr. Seidel aus der heimath 169;
gedankenwechsel ists, was gleich dem stosz
und gegenstosz kämpfender wogen bricht,
bricht den gelehrten schaum und hellet auf
des tiefstudierers stehenden pfuhl.
Herder zur schön. lit. u. kunst 4, 47;
armer schlucker, du wähnst, du habest den Roszbach getrunken.
was in dir sprudelt und braust, ist hippocrenischer schaum.
gegengeschenke (1797) 5;
o nein! er (der franz. feind) beschlich uns vorlängst in der sitten gift,
in der gleiszenden sprache schaum.
Stolberg 2, 310.
in ähnlichen bildern, nach schaum I, 1, c:
dies thät ich, als mein witz noch gar zu unreiff hiesz,
und wie ein siedend fett den schaum voran verstiesz.
Günther 376.
von der erzählungskunst, ohne tadelnden nebensinn:
ich hing an seines mantels saum,
berauscht von seiner lippen süszem schaum.
Rückert 11, 231.
mit hefe zusammen: indesz werden (in mehr als einem sinne) deutsche hefe und französischer schaum bald sich senken, und das geistige ungetrübt nachlassen. J. Paul friedenpr. 45. ähnlich meist mit tadelndem, ironischem beisinn, das seichte hervorhebend oder an die bedeutung 'blendwerk, prunk' streifend: (in Klopstocks liedern ist) wirklich etwas zu viel orientalischer schaum und christliche gegenstände (sind) orientalisch behandelt. Herder z. schön. lit. u. kunst 2, 30; und das grosze heer unserer süszen müssiggänger mit dem schaume der weisheit, dem papiergeld der empfindung, und galanten zoten zu bereichern. Schiller 2, 343;
so denk ich, theurer freund, und lasse
die geister von der höhern klasse
den alten wein aus Rom und Griechenland
mit ihres witzes schaum durchwässern.
Gotter 1, 427.
dem begriff 'einbildung' sich nähernd:
wenn er (der frivole) die blase schaut in seinem schaume,
scheint sie weltkugel seinem dünkeltraume.
Lenau 1, 414 Koch.
b)
schaum in bildern und vergleichen, welche die vergänglichkeit und nichtigkeit alles irdischen, seines leides und seiner lust veranschaulichen. allgemein vom leben, von der zeit: (ich) habe posto gefaszt, den schaum der zeit von mir weichen sehen und muth bekommen, mir ein liebes häusliches verhältnisz zu gründen. Immermann 1, 191;
jüngling, o sieh, da ziehet hin
spreu im strom (der zeit). prächtig ziehn
die schäume.
Herder zur schön. lit. u. kunst 3, 138;
das leben schalt ein blöder mann,
als schaum im bach, als wasserblase.
Voss 6, 38;
was ist leben? hohler schaum,
ein gedicht, ein schatten kaum!
Gries schauspiele Calderons 1, 281.
schaum der sterblichkeit, das vergängliche am menschen:
da unsre todtenasch' ein schaum der sterbligkeit,
der winde gauckelspiel, wird heylig eingeweiht.
Lohenstein Epicharis 125;
was! sie (die woge) dröhnt? welch gräulicher schall!
wo war's, wo ist es gewesen?
wind und schaum! — was hab ich doch heut
von der wasserhose gelesen?
Droste-Hülshoff 1, 248.
mehr das wertlose einer bestimmten lebenszeit betonend:
sie (die junge) opfert blüth und kern, ich (der alte) nur den schaum der jahre.
Lohenstein Epicharis (1665) 120.
von einzelnen vorgängen und empfindungen im gefühlsleben des menschen: mancher schaum des lebens, der weisz und zart und leicht ihn sonst erfreut hätte, erkältete jetzt als graues schweres wasser seine brust. J. Paul Titan 5, 139. der oberflächliche, leichte lebensgenusz, die freude dem schaume des perlenden weines verglichen:
dieses ist es, das höchste, zu gleicher zeit das gemeinste;
nun das schönste, sogleich auch das abscheulichste nun.
nur im schlürfen geniesz du das und koste nicht tiefer;
unter dem reizenden schaum sinket die neige zu grund.
Göthe 1, 386;
auf den goldenen spiegelflächen
perlt der freude frischer schaum.
lasset oben ab uns zechen!
ohne schaum kein schöner traum.
W. Müller ged. 2, 29.
die freude, das glück der schaum auf der oberfläche der stürmischen lebensfluten:
der zucker unsers lebens
ist nur ein schaum, der gall' und wermut deckt.
Neukirch über das flüchtige glücke;
ich will nicht länger thöricht haschen
nach trüber (lebens-)fluten hellem schaum,
hab' aus den augen mir gewaschen
mit thränen scharf den letzten traum (vom glück).
Lenau 1, 126 Koch.
lust des lebens und das leben selbst zerrinnen dann wie schaum:
veränderliches spiel und traum von trucknem schaum,
was treugst du mich noch hier? ich kenne dich ja kaum,
so musz ich dich alsbald tod, für das leben nennen.
Mühlpfort 856;
hienieden was ist lust und glück? ..
ein wasser, das von bergen rinnt,
ein schnee, ein nebel, schaum und wind:
auf erden mag nichts bleiben.
E. M. Arndt (1860) ged. 462;
ach die bunten schäume jenes meers der lust
sind zerronnen, und der blasse flecken blieb.
Rückert (1882) 5, 50;
sondern weil nun (im alter) selbst kein traum
bringt, was jenem wachen (der jugend) gleiche,
keiner lust so süszen schaum,
der nicht jenen leiden weiche.
167.
in anderem bilde:
den kern (der nusz) heisz ich das ewig leben,
die zeitlich freid den schum dor neben.
den schum zuͦ kuwen sindt wir goch,
dem kernen synnen wir nit noch.
Murner schelmenz. 43 neudruck.
freier, von der liebe:
eine kleine weile nur
schlegt doch diese liebes-uhr,
die, wie flut verschwimmet,
wie ein schaum der erstlich göscht,
und ein füncklein bald verlöscht,
ob es gleich erst glimmet.
Venusgärtlein 19 neudruck.
mehr verblaszt:
und viele werden leben, die, wie mich,
die liebe tränken wird mit ihren schäumen.
Rückert 5, 82.
entgegengesetzt, vom leid:
auf unserm leben schwimmt wie schaum
ein wenig müh und kummer;
das leben ist ein morgentraum,
der tod ein kurzer schlummer.
Stolberg im musenalm. für 1787 s. 11;
nicht senke im traum
die verzagende brust;
das leid ist der schaum,
in der tiefe die lust.
Kinkel ged. (1857) 392.
c)
in weiteren, freieren übertragungen, immer das nichtige, flüchtige hervorhebend. vom eide:
wer dieses duftes sog, es erscheinet flugs
das schwarze weisz ihm! tugend, erbarmen sind
ihm namen; eide, schaum der woge.
Stolberg 2, 120.
vom traume, dem wesenlosen schattenbild, ohne leben und erfüllung:
traut nicht zu viel auf seinen (des deutschen Michels) traum,
er träumet hart am morgenthore,
ein solcher traum wird nimmer schaum.
Arndt ged. 424;
liebste! nicht den eitlen schäumen
glaube, sondern glaube mir!
mehr als blumen, mehr als träumen,
glaub' ich, liebste, selber dir.
Rückert 1, 387;
da sprach sie (die maid im traumbilde) schnell: sei bald bereit,
ich wasche dir dein totenkleid!
und als sie dies gesprochen kaum,
zerflosz das ganze bild wie schaum.
H. Heine 1, 14 Elster.
verblaszt, mehr nach II, 1, a weisend:
wir (die dichtarten) sind verändert! stolzes thatgepränge
zu keinem ziel und zweck ist uns ein schaum,
verwirrtes wogen unverständ'ger menge,
von allen träumen ists der schwerste traum.
Göthe 4, 25.
freier:
und was er (Dürer) schaffet und schenket, sind bilder seines traumes,
sind bilder aus fernen welten, dem land des goldenen schaumes.
G. Freytag 1, 302.
für traum selbst gesetzt:
und leider ist auch sie wie jene (die gestalt der geliebten und Aphrodite)
nur ein gebild der schäume.
Rückert 5, 189.
d)
sehr häufig wird schaum formelhaft verbunden
α)
mit gleichbedeutenden ausdrücken: feim und schaum (s. belege bei feim);
schöne seyn fliehet gleich wie ein traum,
wie göscht und schaum.
Venusgärtlein 14 neudruck.
β)
mit sinnverwandten worten, namentlich mit traum (s. oben unter c), im plural:
wie sich die zeit des verstandes verschiebt,
da doch die jahre nicht säumen;
leider in träumen und schäumen
sind mir so viele verstäubt und verstiebt.
Rückert 5, 306;
o hoffnung, hab' ich da gedacht,
wie bald zerrinnen träum' und schäume!
Droste-Hülshoff 1, 214.
sprichwörtlich: träume sind schäume. Simrock 10449; der vater arbeitete emsig fort und sagte: träume sind schäume, mögen auch die hochgelahrten herren davon denken, was sie wollen. Novalis (1805) 1, 12. alliterierend mit schein, der trügt: wie sein ganzes thun nur schaum und schein ist. Schiller 14, 6; sie wuchs auf unter leuten, deren eigentliches geschäft es ist, alle ihre stunden in schein und schaum zu verzetteln. Immermann 5, 112; mit spreu, bei jedem windstosz verwehend:
im kleinen leicht, im groszen schwer.
so vergeht der Deutsche nimmermehr.
hält er sich fest das wörtlein treu,
zerstäubt vor ihm alles wie schaum und spreu.
Arndt ged. 664;
vereinzelt mit raum:
des lebens raum und schaum gleicht einer tageslänge.
Mühlpfort 28.
e)
in sprichwörtern, redensarten: sihe dich für; schaum ist kein bier. Eiselein 545. so auch niederd. schum is neen beer. Schiller-Lübben 4, 151ᵃ; schaum ist kein bier. schein trügt. Schottel 1135ᵇ. mundartlich: dat vergêt as schûm oppem water. Woeste 234ᵃ.
2)
schaum übertragen auf lebende wesen und ihr verhalten.
a)
in der bibelsprache nach I, 1, c. der sündhafte mensch, das sündhafte volk ist für gott wertlose metallschlacke; die sünde ist der schaum: dein (Jerusalems) silber ist schaum worden. Jes. 1, 22; (gott will sich an Jerusalem durch dessen feinde rächen) und musz meine hand wider dich keren, und deinen schawm auffs lauterst fegen, und alle dein zyn weg thun. 25. das bild vom schmelzofen ist durchgeführt: du menschenkind, das haus Israel ist mir zu schaum worden, alle ir ertz, zihn, eisen und bley, ist im ofen zu silberschaum worden. darumb spricht der herr herr also, weil ir denn alle schaum worden seid, sihe, so will ich euch alle gen Jerusalem zusamen thun, wie man silber, ertz .. zusamen thut im ofen, also wil ich euch auch in meinem zorn und grim zusamen thun, einlegen und schmeltzen. Hes. 22, 18—20. hierher auch: mit eur peicht tuet ir ab nuer den oberen schaim, aber die schwären sund beleibent an dem grunt. cod. Germ. mon. bei Lexer handwb. 2, 687 (unter scheim).
b)
das von flüssigkeiten oben abgeschäumte unreine, übertragen auf schlechte menschen. jetzt ersetzt durch auswurf, abschaum (theil 1, sp. 96), das schon Adelung als hochd. üblicher bezeichnet. schaum in dieser bedeutung in quellen des 16. bis 18. jahrh. beliebt: in summa alle muͦszige schlingel (unnütze vögel) vatter verderber und galgenasz der schaum von buben, halt in der statt Rom offentlich hausz. Fischart bienenk. 230ᵇ; du schaum von allen rechtschaffenen kerlen, hast du auch so viel hertze, dasz du mich provociren kanst. Chr. Weise erzn. 90 neudr.; unter andern umständen würde er ... vielleicht ein schaum der bösewichter, oder das muster eines thoren geworden sein. Lessing 1, 186;
o rechter schaum der welt! o tadler ohne sinnen!
was meinet ihr doch wol durch miszgunst zu gewinnen?
Rist Parnasz 34;
dich hat die freche rott, dich hat das tolle toben
und leichter buben schaum an ehr und macht verletzt,
eh' als an meinen hals das richt-beil ward gesetzt.
Gryphius (1698) 1, 272;
als leichter buben schaum gleich einer flut aufflieff,
und frech, ich weisz nicht was, durch alle fenster rieff.
301;
(die rache spricht zu dem tyrannen:)
schaum der boszheit, pest der welt,
erden-wurm, wen trotzest du?
632;
ziht dieser buben-schaum nicht selber seinen köpffen
kwal und verdammung zu?
Lohenstein Epicharis 102;
flieht ihn, er ist wie ich ein schwätzer und verräther,
ein feind des freyen staats, ein schaum der übelthäter.
Lessing 3, 354;
dasz man ihnen (den negern), als dem schaum der erde,
kaum noch luft giebt schwanger von der pest,
dasz man schlimmer, als die schlechtste herde,
wie insektenbrut, sie faulen läszt.
Seume (1826) 1, 134.
schaum und hefe formelhaft verbunden: kerl, den man mit recht den schaum und die hefen des adels nennen konnte. ehe eines weibes 77;
verläugnungswort dir; hef' und schaum, du lügst!
(word of denial: froth and scum, thou liest).
Shakesp. lustige weiber 1, 1;
milder:
man kennt, man überlebt des nachruhms ewigkeiten,
die der gelehrten schaum, die schmeichler unsrer zeiten,
einander ohn erröthen weihn.
Hagedorn 2, 47.
c)
allgemein nach I, 4 eigenschaften des schaums mit dem lebenden wesen verglichen, auf sie übertragen, das vergängliche betont: denn der könig zu Samarien ist dahin, wie ein schaum auf dem wasser. Hosea 10, 7;
auch den schlummernden (toten), die hier (auf erden)
schnell wie schaum verschwanden.
Matthisson 2, 240.
das wertlose hervorhebend:
den dein zorn
schmettert sie all (die widersacher), als schaum der nichts wehrt, zu der erden.
Weckherlin (1648) 274;
man kan selbst Jupitern kein fetter opfer schlachten
als fürsten, die ihr volk für schaum der Thetis achten.
Lohenstein Epicharis 25.
von körperlicher schönheit:
der stirne taffelwerk, des halses helffenbein,
der lichte carmasin der rothen mundcorallen,
die alle dauchten ihr nur leerer schaum zu sein.
Hoffmannswaldau auserles. ged. (1695) 114.
im übergang vom vergänglichen zum trügerischen, vom teufel:
der teufel selbst, dem jener (Faust) sich ergeben,
ist nur des gottbewusztseins trübung,
ein traum von gott, ein wirrer traum,
des tiefen meers vergänglich bunter schaum.
Lenau 2, 202 Koch.
in den begriff 'falsch' übergleitend, mundartlich: he is so valsk, as schuum up dem water. brem. wb. 4, 711.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1893), Bd. VIII (1893), Sp. 2349, Z. 26.

schäumen, verb.

schäumen, verb.
spumare, despumare.
A.
Formales. denominativbildung zu schaum, die formale entwicklung läuft der des substantivs parallel. ahd. scûmen Graff 6, 496, mhd. und mnd. schûmen, dän. skumme, schwed. skumma, engl. scum Skeat 536ᵃ, mnld. scumen, nnld. schuimen. spät mhd. und früh nhd. starkes schwanken in der schreibung des wurzelvocals: schumen, schaumen, schimen, schaymen, spumare Dief. 549ᵃ, schimnen mhd. wb. 2, 2, 223ᵃ. zusammenziehung des diphthonges in o: do kam er (der eber) under die herd der lemer, und stalt sich enmitteln unter sich, warf sie ungestümglich umb mit umb sich howen, schomen und die zen ze weczen. Steinhöwel Äsop 195 Österley. verschärfung durch doppelconsonanz:
indem so kumpt der alte man
gegangen zu der kammer in,
schummet als ain eberschwin.
Zimm. chr. 1, 591, 48.
besonders häufig findet sich die abweichung ai, ay: schaimen in den vocabul. von 1419 und 1429 bei Schm. 2, 418; der unterkoch soll das flaisch verschaimen. Scheirer dienstordnung von 1500 ebenda; ein leib von wein angezündet, schaymet leichtlich inn unlauterkeyt. S. Franck laster d. trunkenh. (1531) Fᵇ (entsprechendes s. unter schaum A, sp. 2349). in neueren mundarten oberd. faimen bevorzugt, vgl. Schm. 1, 718. 2, 418. schweiz. schume Hunziker 232, schumma Tobler 401ᵇ, niederd. mit und ohne umlaut schümen Schambach 187ᵃ. Woeste 234ᵃ. brem. wb. 4, 611. Mi 78ᵃ. ten Doornkaat Koolman 3, 157ᵇ. umlaut findet sich schon früh, s. die belege oben und Lexer handwb. 2, 816 schöumen. der umlaut dringt aber nur langsam in hochdeutschem gebiete durch. während Luther ausschlieszlich scheumen, später schlesische dichter fast nur schäumen schreiben, finden sich bei Logau formen mit und ohne umlaut neben einander. in der heutigen schriftsprache nur umgelautet in gebrauch, vereinzelt alterthümelnd die umlautlose form aufgenommen:
ein reinliches mädchen (die seife im rätsel) .. das aufwalle mit schaumen,
wenn es mir küszt den daumen.
Rückert 11, 269.
von den lexicographen haben Maaler 348ᶜ, Dasypodius und Henisch, letzterer unter faumen, feumen, geiffern 1023. 1047. 1441, nur schaumen, Steinbach 2, 393 ausschlieszlich schäumen; Stieler 1744 und Frisch 2, 166ᵇ stellen die umlautlose form vor die umgelautete. Adelung und Campe billigen eine im Oberdeutschen übliche trennung in intransitives schaumen und transitives schäumen. flexion immer schwach. vom part. präs. vereinzelt ein comparativ gebildet:
um den opferhellen schenktisch und den schäumenderen pokal.
Voss 3, 192.
das part. prät. geschäumt, ahd. giscûmit Graff 6, 496 wenig im gebrauch. geschaumt, despumatus Henisch 1530, 59, meist durch beschäumt ersetzt, vgl. bei Schiller:
(das stolze rosz) knirrscht voll ungeduld in die beschäumten zügel.
6, 391.
auch durch schäumend oder mit schaum bedeckt (s. nachher B, VI). vgl. feimen theil 3, sp. 1451.
B.
Bedeutung und gebrauch. die ältere sprache zeigt sich freier und reicher als die neue.
I.
intransitiv, schaum erzeugen, aufwerfen: schaumen, schaum gäben oder auftryben, agere spumas, spumare. Maaler 348ᶜ. nach der ursache des schaumes wird meist zugleich das schnell, heftig bewegt werden oder, reflexiv gedacht, das sich bewegen empfunden, ebenso wird oft schon der der thätigkeit des schaumerzeugens folgende zustand des mit schaum bedecktseins gefühlt, ohne dasz eine strenge sonderung dieser nebenbedeutungen möglich wäre.
1)
von leblosen dingen.
a)
im eigentlichen sinne von concreten stoffen, flüssigkeiten (nach schaum B, I, 1, ac); absolut (vom badewasser des kindes Jesu):
daʒ bat schaumen began.
kindheit Jesu 88, 33;
wellen, wogen schäumen:
man sieht das wasser schäumen,
die wellen heben an erschrecklich sich zu bäumen.
Brockes 1, 118;
(gott) weisz, warum der völker schwall
so ungestüm sich bäumt,
und wog' an wog' in donnerhall
aufbrandend tost und schäumt.
Voss 5, 51;
auf, und es schäume die woge, die wilde!
Platen 164;
ob auch die woge brandend um ihn schäume.
167ᵇ;
über ihm und seinen jugendträumen
seht ihr nun die kalten wogen schäumen.
Lenau 1, 198 Koch;
wo nur die kalte woge schäumt
und sterbelieder singt der wind.
2, 190.
besonders vom meer:
kaum schäumt das meer, kaum zischt das wetter.
Creuz 1, 174;
schwarz wie nacht, brausest du auf, meer!
wie wogt, wie krümmt sich und schäumt brandung!
Voss 5, 124;
hinunter schauend in die weite see,
die an den felsenufern brandend schäumt.
Grillparzer 3, 240;
was schäumt das meer, was wälzt es sich,
und bäumt an das gestade?
Droste-Hülshoff 1, 430;
(Napoleon) der auf Helena, wenn rings die meerflut schäumte,
beim sturme sich zurück in seine schlachten träumte.
Lenau 1, 211.
im vergleiche:
du (gott), welcher bald als sturmwind saust,
bald haucht als lüftchen mild,
heut wie ein weltmeer schäumt und braust,
wie brünnlein morgeh quillt.
Arndt ged. (1860) 331.
vom flusz, bach, wasserfall u. ähnl.: und in der tiefe rauscht und schäumt in wilden gischten und flocken — wie ein brauender wolkenstrom — der wildbach. Rosegger waldschulmeist. 116;
als donnr'er
rauschet der strom, schäumt', fliegt, stürzt sich herab
ins blumengefild', und im fall
wird er silber, das emporstäubt!
Klopstock 1, 169;
Jordan, Po und Tiber,
sie schäumten voll von heldenblut
der Deutschen.
Herder z. schön. lit. u. kunst 3, 163.
unpersönlich:
wahrlich, vetter, es schäumt und schwemmt,
es brüllt um der klippe zinken!
ruhig, mein junge, die springflut kömmt,
lasz sie steigen, sie wird schon sinken.
Droste - Hülshoff 1, 248.
mit näherer bestimmung namentlich des ausgangspunktes und zieles, vollständig in den begriff 'schäumend sich bewegen, herabstürzen' fallend: in dem klaren wasser, das ungern (aus dem kühlen walddickicht) in die wärme hinaus rann, um über klippen zu schäumen. Heinse Ardingh. (1787) 1, 117;
so sehn wir nicht den wilden regen,
der über hohe dächer schäumt.
Zachariä 413;
sitzend unter grünen bäumen
hören sie den wasserfall
über glatte kiesel schäumen.
Hölty 140 Halm;
wie schön der mond die wellen
des erlenbachs besäumt,
der hier durch binsenstellen,
dort unter blumen schäumt.
Matthisson ged. 85;
den wilden bach,
er sieht ihn jach
ins thal herunterschäumen.
Hebbel 7, 24.
das gefühl der lebendigen thätigkeit bei schäumen wie bei kochen u. ähnl. verben hat zur personification geführt:
ragen klippen
dem sturze (des falles) entgegen,
schäumt er unmutig
stufenweise
zum abgrund.
Göthe 2, 58;
die wogen stürzen sich heran;
doch wie sie auch sich bäumen,
dem schiff sich werfend in die bahn,
in toller mühe schäumen.
Lenau 1, 194 Koch;
bis in seine tiefste quelle
schäumt der alte Rhein vor groll,
flucht der schmach, dasz seine welle
fremdes joch ertragen soll!
übersetzung einer ode Friedrichs des groszen in Treitschkes deutscher geschichte 1, 53.
b)
verengt von künstlich zum schäumen gebrachten geschmolzenen, gekochten, moussierenden stoffen, getränken u. s. w.: unangesehen, dasz die seck nit wie ein fleischbrü oder etwas siedents schäumen, wissen doch die müller denselbigen den feim abzustreichen, dasz bisweilen ein metzen oder zwo getraids mit kleben bleibt. Kirchhof wendunm. 1, 334 Österley; der zucker scheumet viel unflat aus. Stieler 1744;
schäumet champagnerwein nicht in deinem umkränzeten becher.
Zachariä 407;
die wahre liebe gleicht dem guten deutschen wein;
er wird dem alten nie zu alt zum trinken sein.
und schäumt zum rausch er dir in dem pokal nicht mehr,
so trink als arzenei die letzte flasche leer.
W. Müller ged. 2, 322;
vom punsch:
siedend sprudelt
sein gemisch und schäumt, und strudelt
im pokal! im pokal!
Voss 6, 9;
vom bier:
schenk vull beer, dat brœsig un klar as oelj', ut der buddel
schümt, un kribbelnd de knaaken erwarmt.
Voss 2, 127;
unpersönlich, vom metall:
im innern (der erde) siedets, schäumt und schleudert wilder
durchs feuermeer furchtbare schreckensbilder.
Göthe 4, 201.
c)
übertragen, im bilde; gewöhnlich mit starker betonung des lebendig beweglichen, an personification streifend. von lebensfluten:
auf! auf! wach auf her Christ! schau wie die winde toben!
wie mast und ruder knackt! itzt sinkt dein schief in grundt!
itzt schäumbt die wilde flut, wo flack und segel stundt
uns mist compas und raht! bald kracht die luft von oben!
Gryphius sonette 19 neudruck;
rieselnd hört er (Merlin), springend schäumen
lebensfluten in den bäumen.
Lenau 1, 402 Koch.
in den mannigfachsten wendungen vom lebenssaft, der den körper, das herz durchflutet, vom blute: des herzens woge schäumte nicht so schön empor, und würde geist, wenn nicht der alte stumme fels, das schicksal, ihr entgegenstände. Hölderlin 2, 65;
ihn fröstelt, fröstelt, obs drinnen schäumt,
wie fluten zum strudel rinnen.
Droste - Hülshoff 1, 283;
das blut ist toll, und gährt und schäumt,
weil ich den bösen traum geträumt.
H. Heine 1, 17 Elster.
zeichen nahen todes:
du (gift-)pflanze, tödtest mich — schon schäumen meine säfte —
ein arzt entdeckt vielleicht in dir einst heilungskräfte.
Creuz 1, 236.
es schäumt aber auch das blut von lust und liebe, die lust im blute:
wenn blut und lüste schäumen,
so stärke meinen geist,
dasz er sich auch in träumen
aus Satans netze reiszt.
Canitz 47;
an Tinians gestad, wo meer und lüste schäumen.
Creuz 2, 160;
(Christi dornenkrone)
soll mein fleisch mit diesen dornen ritzen,
wenn die wilde lust im blute schäumt.
Schubart ged. (1829) 1, 112;
der könig sprach: einst rang ich so gut,
einst fühlt' ich mein junges königsblut
von kraft und von liebe schäumen,
heut' möcht' ich von jugend träumen!
G. Schwab 1, 184;
in freier übertragung:
(gott spricht) ich schaue gern hinein in diese erden,
in ihnen sprudelt mir ihr eignes blut,
der, mag es auch zu baum und blume werden,
doch mir nur schäumt in jugendlicher glut.
Hebbel 8, 170.
vom weine ausgehend:
denn so lang die lebensquelle
an der lippen rande schaumt,
ist der jammer weggeträumt,
fortgespült in Lethes welle.
Schiller 11, 395;
die jugend braust, das leben schäumt,
frischauf! eh der geist noch verdüftet.
12, 59.
mit begriffsvertauschungen, wo schäumen dann meist an die bedeutung überschäumen rührt; so becher für wein:
becher schäumten in die runde.
Jacobi 5, 216.
in weiterer übertragung:
fand das höchste wesen schon kein gleiches,
aus dem kelch des ganzen wesenreiches
schäumt ihm die unendlichkeit.
Schiller 4, 51;
von einem wunderbecher
hab' ich mit angst geträumt,
woraus dem durstgen zecher
die höchste fülle schäumt.
Hebbel 8, 143,
noch freier:
und also wird der süsze kusz, ...
(durch die kraft des giftes) von gall und wermuth schäumen.
Günther 968.
kessel für das darin kochende wasser:
doch wie der kessel (der papiermühle) quillt und schäumt.
Droste - Hülshoff 1, 287.
mehr verinnerlicht, herz für blut:
ists (das herz) ein wildes, ungezäumtes,
wird es im tumulte scheu,
todestrunken glüht und schäumt es
und zertrümmert sein gebäu.
Lenau 1, 104 Koch.
unpersönlich: in dessen herzen es vielleicht von dem entschlusse, zu den Römern überzugehen, eben jetzt, jetzt hier vor mir, kocht und schäumt! Klopstock 8, 124. besonders freie übertragungen und kühne bilder: von den weiszflockigen, leicht wie schaum herabstäubenden 'kätzchen' der weide: er trat ins warme thal hinab, die weiden schäumten und ihr same spielte in seiner wolkenflocke eh' ihn die erde befestigte. J. Paul Tit. 2, 219. vom wirren durcheinanderflieszen des schaumes im ausgeführten bilde: es zogen mir wolken, wallungen über das gehirn her, und als ich in die wirbel sah, in denen das wasser zwischen den granitblöcken sich dreht, um dann schäumend vor- und hinabzustürzen, so wurde mir, als wirble und schäume es mir gerade so in meinem armen kopfe. Vischer auch einer 1, 68; (die phantasie) schäumt zornig zischend, brandend, brüllend über das selbst bereitete hindernisz dahin. 71;
ein rauschend ungeheuer, schäumt
das dampfboot durch den Rhein, den blauen.
Droste - Hülshoff 1, 318.
2)
von lebenden wesen, zum zeichen höchster anstrengung, erregung; häufig verinnerlicht von eifer, wut u. ähnl.
a)
von thieren, namentlich vom pferde: schäumen, als ein schwitzendes pferd am leib, sudore spumare. Frisch 2, 166ᵇ;
diu ros von müede schûmden.
Lanzelet 2568;
wie dort ein streitbar rosz vor ehrbegierde schäumt.
Bodmer krit. ged. 52 neudr.;
es schäumen die hengste, die schwerter erklirren.
Fr. Müller 1, 262;
ob auch das rosz sich grauend bäumt
und knirrscht und in den zügel schäumt.
Schiller 11, 277.
in vergleichen:
als ein eber schûmen (: sûmen).
troj. krieg 27279;
den wilden kenn ich, weisz, dasz huld ihn nur erbittert,
dasz er, vom joche wund, noch ungestüm sich bäumt
dem ungeheuer gleich, das an der kette schäumt.
Gotter 2, 325.
der körpertheil wird genannt:
so sie (die hunde) im dieffen thal verlauffen
und die berg auff und ab durchschnaufen
alsdan in erst die waffel schaumpt.
Fischart gl. schiff 377 (2, 189 Kurz);
des rosses flanke schäumt über den bügel.
Droste - Hülshoff 1, 336.
b)
von menschen, jetzt nur wenig üblich; selten, nur in älterer oder niederer sprache, so viel als stark schwitzen, mnd.: he was in also groter hette entfenget, dat he gans swetede und syn licham de schumede. Schiller-Lübben 4, 151ᵃ. vom gierigen esser: er friszt, das ihm das maul schäumt; Boie schmiert das mark auf geröstete semmel und schmazt, dasz ihm das maul schäumt. Bürger briefe 1, 352; bei starkem durste:
woluf, wir wend uns nit lang sumen!
mich dürstet, das ich möchte schumen!
so gsich ich an dim spüwen wol,
du hieltist ouch ein stifel vol.
Manuel weinspiel 184 neudruck.
häufig bei gewissen krankheiten, tobsucht, fallsucht u. ähnl. ahd.: inti (der epileptische) scûmit inti gisgrimmôt zenin (et spumat et stridet dentibus). Tatian 92, 2; mhd. swenne er alsô hin vellet unde lît unde schûmet (bei fallender sucht). Berthold v. Regensburg 1, 518, 2; im älteren nhd. namentlich in der bibelsprache: einer aber aus dem volck antwortete, und sprach, meister, ich habe meinen sohn herbracht zu dir, der hat einen sprachlosen geist, und wo er in erwischet, so reisset er in, und scheumet und knirschet mit den zeenen, und verdorret. Marc. 9, 18; und als bald da in (Christus) der geist sahe, reis er in (den sohn) und fiel auff die erden, und waltzet sich und schewmet. 20; sihe der geist ergreifft in, so schreiet er als bald, und reisset in, das er schewmet. Luc. 9, 39; sie schaumeten ausz dem maul ... so ist es ein vorbott der gegicht oder fallenden siechtagen. Paracelsus 2, 12 B. im vergleich (vom gedicht, das aller regeln spottet):
wie ein betrunkner lallt, wie ein beseszner schäumt,
und wie ein kranker oft bey hitz und fieber träumt.
Bodmer krit. ged. 60 neudruck.
vom wütenden menschen: schäumen vor wut, vor zorn scheumen. Stieler 1744; heftig erzürnt sein, valde iratum esse. Frisch 2, 166ᵇ. in älterer sprache auch mit von für vor: (ein starker lastträger) war so sehr erboset, dasz ihm das maul von zorn schäumete. Olearius pers. rosenth. 2, 36. gern der eber zum vergleiche herangezogen (s. oben 2, a): da ward er (Goffroy) vor zorn bleich und grimmig, und schaumet wie ein wildes schwein. buch der liebe 274ᵈ; (der hauptmann) schäumt wie ein eber. Schiller räuber 2, 3 schauspiel;
da liegt er, schweist und schaumt, fast als ein wildes schwein.
Rompler 105;
jezo verbindt ihn (Segest) zum nachtheil der Deutschen
sein nur in blut zu löschender hasz mit dem grimmigen Nero,
der von wuth und rache noch schäumt.
Wieland Hermann 65 neudruck.
mit weglassung der näheren bestimmung des grundes oder der art absolut gebraucht, zu einem synonym von toben verblaszt:
die welt rast, tobt, schaumt, strampft.
Logau 1, 189, 97;
sie schäumen, das ist nichts; sie solten sich erhenken.
Günther 483;
wann er (Timon) bey heiserm schmähn des gegners namen nennt,
bei jeder antwort schäumt und jeden satz begeifert.
Hagedorn versuch einiger ged. 55 neudr.;
es starrt ihr (des zauberweibes) haar, sie schäumt, sie raast, sie heult.
Pyra u. Lange 137 neudr.
zugleich an den begriff überschäumen rührend:
Hippias zäumt pferde wol, kan nicht seine zunge zäumen,
die von lügen, schmach und schand, immer toben wil und schäumen.
Logau 3, 64, 43.
mit ironischem, tadelnden beisinne von verschiedenen ausgängen aus verblaszt zu den begriffen des zügellosen, übermütigen thun und treibens, des eitlen schwatzens u. ähnl., auch hier meist an überschäumen anklingend: er (der herzog) schäumt wie eyn trutziger und übermütiger mensch. Aimon B 1ᵇ;
man musz aber solchen (übermütigen) gsellen weren,
und nit zu viel gewalts einreumen,
das sie nit irs gefallens scheumen.
Waldis Esopus 4, 55, 56 Kurz.
unpersönlich (über fälschliches binden durch e und s bei zusammensetzungen): jetzo schäumt's in allen büchern e und s. J. Paul doppelwörter 12. im bilde vom überlaufenden kochtopfe: gleich wie ein siedend topf mit blasen scheumet und ubergehet, also scheumen sie (die übelthäter) und gehen auch uber mit vielem gewesche, des ir hertz voll ist. Luther 3, 302ᵇ. von der angestrengten bewegung ausgehend:
er (der disputant) redet, dasz der mund ihm schäumt,
ein ungeduldig wort, das läuft die andern über
und setzet den verstand fast in ein hitzig fieber.
Chr. Wernicke auf Rebuffus.
II.
in älterer sprache namentlich zahlreiche transitive wendungen, gewöhnlich von personen.
1)
schäumend ausstoszen, von innerer bewegung der seele gesagt, ausgehend von wut schäumen; meist mit angabe des zieles, auf, gegen, wider jemanden:
hett' auch ein mensch gedacht:
dasz, die wir so geliebt, ja noch mehr lieben wolten,
auf uns solch meyneydsgift verräthrisch schäumen solten?
Lohenstein Epicharis 101;
so schäumt Suillius auf mein unschuldig leben
verläumdungsgifft und jäscht.
115;
traut ihr die herrschafft euch der welt nicht zu erkämpffen,
umb die Rom gall und gift auf alle völcker schäumt.
Lohenstein Sophonisbe 68, 355.
vom munde des menschen: das hertz des gerechten tichtet was zu antworten ist, aber der mund der gottlosen scheumet böses. spr. Sal. 15, 28; in freierer anwendung: solchen beschlusz solte billich solch edict haben, und war keines bessern werd, auff das es für aller welt so unverschampt seine eigene schande eraus scheumete. Luther 5, 301ᵇ; mein hertze schäumte wider denselben heimlichen gifft und galle. Plesse 3, 99; scheinbar ohne object:
unwillkürlich zittert
vor seiner häszlichkeit das laster; schäumt erbittert
auf den, der es entlarvt.
Gotter 2, 64;
so knirscht und schäumt, so fletscht und grinst kein Römer
auf seinen feind, als wie ein jude deiner (des Herodes) partei auf einen vom Antigonus.
Rückert 9, 243.
selten von thieren im vergleiche:
wie ein gereiztes thier, das zorn und geifer schäumt.
Schlegel bei Campe.
vereinzelt dichterisch, mit persönlichem dativ:
du gestürzte (Babylon)! wie lang schäumte dein taumelkelch
dem erdkreis verführung, wahn, wuth und tod!
Klopstock Mess. 20, 708.
2)
schäumen machen, zum schäumen bringen, wie oben (s. I, a anfang), mit den nebenbegriffen schäumend bewegen, mit schaum bedecken, verbunden:
es schäumt der nahe Belt aus freuden seine wellen.
Mühlpfort (1698) 78;
schlaft ihr? wollt ihr wieder träumen,
da das wachen kaum begann?
und die zeitenwogen schäumen
noch die brandung himmelan.
Arndt ged. (1860) 397.
niederdeutsch in älterer sprache häufig das meer schäumen, das wasser des meeres durch das darüber fahrende schiff zum schäumen bringen. daraus entwickelt sich früh im munde der zu see heerenden die bedeutung 'seeräuberei treiben' (vgl. holl. de zee schuimen, franz. écumer les mers oder les côtes), dann absolut, allgemein, rauben, plündern: hebben se ere haͤpeninge up dat schüment und rovendt gesettet unde de lande vel erger, als vorhen vorheret und vorteret. quelle bei Schiller-Lübben 4, 151ᵃ. daneben auch wegschäumen, schnell weglaufen, aus dem nd. bei Campe. aus beiden entwickelt sich ein absolut gebrauchtes schäumen, das land raubend, milder, bettelnd durchstreifen (holländ. schuimen gaan, schmarotzen), landstreichen; noch mehr verblaszt sich herum treiben, namentlich herumstreichen vom weidevieh. vgl. Schiller-Lübben 4, 151ᵃ.
3)
so viel wie abschäumen, despumare, den unreinen schaum von der oberfläche einer kochenden masse abnehmen. Campe: schäumen, das fleisch abschaumen, despumare. Frisch 2, 166ᵇ; technisch wachs, zucker, syrup schäumen; wer hönig in sich trinket, daʒ niht geschäumt ist, den plaet eʒ. Megenberg 293, 32; schûme die wirtz mit einer vensterehten schüʒʒel. buch v. gut. sp. 15; eine meerkatze sitzt bei dem kessel und schäumt ihn. Göthe 12, 119; übertragen, mit näherer adverbieller bestimmung:
all wucher, schinderey, auffsetz,
pracktick, list, wechsel, all geltnetz
wurden (nach beseitigung des eigennutzes) auf einmal hingereumt
und als (alles) unglück hinweg gescheumt.
Waldis Esop. 4, 100, 122 Kurz.
entgegengesetzt kann schäumen auch das beste wegnehmen bedeuten (so den schaum vom champagner), jetzt ähnlich das fett, den rahm abschöpfen; so in folgendem:
(der Curtisan hat) gedacht, wirst den termin verseumen,
so wird ein andrer vor dir scheumen.
Waldis Esop. 4, 83, 88.
III.
selten in älterer dichtersprache reflexiv, für das gewöhnliche intransitive schäumen (vor wut), sich schäumend bewegen:
(gegen die bibel sind die andern bücher) eine bunte tonne,
bey welcher die vernunft sich als ein wallfisch schäumt.
Günther 983;
schau jetzt in ihm (dem kriege) die wellen der säfte,
wie sie sich rasend schäumen zu gift!
Creuz (1769) 1, 161.
vereinzelt mhd. sich reinigen von einer anschuldigung, an das transitive ab-, hinwegschäumen streifend:
sô daʒ du dich wider in
vor allem meine schûmest.
Konr. v. Würzburg lieder 32, 146 Bartsch.
IV.
besondere, veraltete, mundartliche bedeutungen. ganz vereinzelt in alter sprache schäumen unpersönlich, vollständig mit träumen sich deckend (vgl. oben schaum II, 1, d, β). s. mhd. wb. 2, 2, 223ᵃ. schweiz. schumma, melken Tobler 401, vom schäumen der milch beim melken her.
V.
part. präs. schäumend. im eigentlichen sinne den bedeutungen von schäumen folgend, häufig dem nebensinne des verbums entsprechend adjectivisch und adverbial, soviel wie mit schaum bedeckt, als vertreter des wenig gebräuchlichen part. passivi.
1)
als attributives adjectiv.
a)
vom wasser, meer, strom u. ä.: die nacht der wälder, die unten aus felsenstücken und schäumenden wetterbächen herauf die lichten gipfel streckten. Hölderlin 2, 79; da streckte das meer, die eifersüchtige wittwe des enthaupteten Falieri, die schäumenden wellen wie riesenarme empor. E. T. A. Hoffmann 2, 147; eine verfallene, unbewohnte wassermühle, ... von zwei andern seiten vom schäumenden flusz umgeben. Eichendorff 3, 368; der see war ganz leer und nur die leise schäumende brandung sah Victor im abendwinde, der sich indessen gehoben hatte, längs den felsen der insel spielen. Stifter der hagestolz 86; weithin hörte man das rauschen der schäumenden brandungen. Vischer auch einer 2, 147;
herscher der schäumenden wasser-kristallen,
Thetis verehret dir perlen aus schnee.
Lohenstein Cleopatra 33, 1111;
aber den augenblick sprang der tapfre jüngling vom wagen,
faszte die blasse Diana, und hob sie aus schäumenden fluthen.
Zachariä 336;
aber was leuchtet mir dort vom felsen glänzend herüber
und erhellet den duft schäumender ströme so hold?
Göthe 1, 314;
wind ist der welle
lieblicher buhler;
wind mischt vom grund aus
schäumende wogen.
2, 59;
aber geheftet den blick auf den bach, der voller hinabstürzt,
gleit' ich sanft, wie ein traum, gegen die schäumende flut.
Voss 3, 88;
dicht zur rechten donnert' herab der zürnende waldstrom,
nur sein donner betäubt den sinn, die schäumenden wogen
birgt uns felsgesträuch und modernde tannen am abhang.
Hölderlin 1, 49 Köstlin.
schäumender wassersturz,
welteitelkeit!
Rückert 5, 198.
in vergleichen: der sommer war nun bald zu ende .. die natur, die, wie ein schäumender springquell, emporgedrungen war in allen pflanzen und bäumen, stand jetzt schon da vor meinem verdüsterten sinne, schwindend und verschlossen und in sich gekehrt, wie ich selber. Hölderlin 2, 46;
es (das leben) brauset wie ein schäumend meer,
das keine ufer kennt,
und wirft uns tropfen hin und her
im wilden element.
Arndt ged. (1860) 283;
an den gruben vorbey, wo ein ewiger schnee sich gelagert,
bis zur Kochel, die tief sich in schäumenden bogen hinabstürzt.
Körner (1827) 4, 339;
übertragen:
strebst du nach ernster gedanken bewegung,
platzen die schäumenden perlen alsbald.
Kinkel ged. 468.
b)
von andern flüssigkeiten, getränken u. ähnl.:
labe dich! — mir auch, mädchen,
diesen schäumenden trank.
Göthe 2, 69;
dann betrachtet sie (das mädchen) oft des schäumenden mostes bewegung,
gieszt das fehlende zu, damit die wallenden blasen
leicht die öffnung des fasses erreichen.
1, 342;
schäumendes bier auch brächte, den krug vorkostend, ein mägdlein.
Voss ged. 2, 306.
auch hier häufig begriffstausch:
andere (winzer) trugen die last (der weintrauben) mühsam zur schäumenden kelter.
Voss 2, 216;
brüdern, die vor vielen jahren
unsres bundes glieder waren,
die der bund stets ehrt und liebt,
sei ein schäumend glas geweiht.
aus dem akadem. lustwäldlin (Altdorf 1794);
genieszt den reiz des lebens,
man lebt ja nur einmal,
es blinkt uns nicht vergebens
der schäumende pokal.
deutsche studentenlieder des 17. u. 18. jh. 208 Keil,
und die schäumenden gläser
unter jubelgesang erklangen zur ehre der freiheit.
Hölderlin 1, 50 Köstlin;
bist du, mein herz, selbst wider dich im bunde?
was soll der volle schäumende pokal,
was die unendlichkeit dem mann der stunde?
Herwegh ged. 169.
c)
von lebenden wesen: wenn aber man auf aim stain vint ain schaumendeʒ pfärt und ainen man darauf, der ain zepter in der hand hât, der ist den guot, die gewalt über die läut habent. Megenberg 472, 13;
sie nun lösten die rosse, die schäumenden unter dem joche.
Voss Odyss. 4, 39;
das wilde schäumende rosz.
Lenau 1, 196.
in freieren wendungen: vom berge rann im mondschein der strom wie schäumendes blut hinunter. Tieck 8, 88;
Pux, hier koste das stück von der klapperschlange mit schierling, ...
und die gebratene kröte, mit würziger tunke von asa,
schäumender priestergall' und geläutertem katzengeifer.
Voss 2, 261;
nun harrt' er (der könig) und harrte mit schäumendem mund.
Bürger 34ᵇ;
schon hat ihn (den jüngling) die eine (welle) wütend verschlungen,
und über sie kommen die andern gesprungen,
die um die gierige neidisch schwärmen
mit schäumendem rachen und wildem lärmen.
Lenau 1, 197.
sehr frei, vom auge, das durch überstarkes licht geblendet ist:
trunknen vom letzten strahl
reisz mich, ein feuermeer,
mir im schäumenden aug,
mich geblendeten taumelnden
in der hölle nächtliches thor.
Göthe 2, 69.
2)
prädicativ und adverbial.
a)
vom wasser, meer, strom u. ähnl.: alsdann tobt er (der strom) schäumend über felsen fort. Heinse Ardingh. (1787) 2, 310;
fürchterlich schlug in das meer des todes der schlag! und die wasser
fuhren schäumend empor, und die erd' und der himmel erschollen.
Klopstock Mess. 8, 502;
wo gelbe bäche aus den ritzen schwacher
mit moos bewachsner felsen schäumend stürzen.
Schubart ged. (1829) 2, 248;
und wo im felsengrunde
der eingeklemmte flusz
sich schäumend aus dem schlunde
auf räder stürzen musz.
Göthe 1, 128;
felsen stehen gegründet, es stürzt sich das ewige wasser
aus der bewölkten kluft schäumend und brausend hinab.
317.
oft siz' ich träumend
am schattenquell, der schäumend
die füsz' umwallt und kühlt.
Voss 5, 142;
so wüthet nicht der hochgeschwollne bach,
der schäumend seinen damm durchbrach.
Schiller 6, 371 (Aeneis),
und wie mit des fernen donners getose
entstürzen sie (die wasser) schäumend dem finstern schoose.
11, 221;
hoch zu bergen aufgehoben
schwillt das meer, die brandung bricht
schäumend sich am fusz der klippen.
344;
am felsenvorgebirge schroff,
das von des meeres wellen troff,
die schäumend es umrangen.
Platen 23ᵃ;
die welle, die der sturm bewegt,
die schäumend an die klippe schlägt.
Lenau 2, 199 Koch;
bildlich:
im unflathspfuhl der jüngeren Babylon,
dort, wo die gräuel ihrer erwürgungen
der höh' entspülten, wo der sumpf die
lüfte verpestend und schäumend aufgohr.
Stolberg 2, 286;
vom blut:
des lebens purpurstrahl
fährt schäumend aus der kleinen ritze (blut beim aderlasz).
Schubart (1829) 2, 71;
da fühlten wir das blut so keimend treiben,
als müss' es immer frisch und schäumend bleiben.
Droste - Hülshoff 1, 202.
b)
von getränken, auch vom gefäsze:
wie aus einer ader, schäumend
in den becher rinnt der wein.
Hebbel 7, 50;
hier schenkt sie die pokale voll,
dasz schäumend jeder überquoll.
8, 141.
auf geistiges gewendet:
schäumend beut die zauberische schale
die natur den auserwählten dar,
truncken von der schönheit göttermahle
höhnet glück und zeit die frohe schar.
Hölderlin 1, 29 Köstlin;
reichet doch die erinnerung mir den zauberischen becher
schäumend und voll.
48;
ausgetrunken ist der kelch,
der mit sinnenrausch gefüllt war,
schäumend, lodernd, bis am rande.
H. Heine 1, 234 Elster.
c)
von lebenden wesen; vom wütenden eber:
ûf des küneges hof er kam
schûmende unde wetzende.
Trist. 13521.
vom kranken, epileptischen menschen: ahd. inti gicnusit in erda uualzôta scûmenti (et elisus in terram volutabatur spumans). Tatian 92, 4. vom wütenden menschen: schäumend auf die erde stampfend. Schiller räuber 1, 2 schauspiel; so rief er schäumend vor wuth und stiesz mir den dolch, den er schnell hervorgezogen, in die brust bis an das heft. E. T. A. Hoffmann 8, 378; übertragen von der wut selbst:
er (der sultan) starrt umher, will fluchen, und die wuth
bricht schäumend jedes wort an seinen blauen lippen.
Wieland 22, 222.
mit übergang des bildes vom schäumenden rosz auf das personificierte schiff:
renne, flieg', verhasztes schiff,
kaum entzügelt noch vom anker,
schäumend durch die wogenwüste.
Eichendorff 5, 147.
VI.
das part. pass. geschäumt, mit schaum bedeckt, als adjectiv wenig belegt (s. oben unter formalem):
mich (Venus) hat zuerst ein feld von der geschäumten flut,
durch meiner muschel schiff aus Thetis schosz erhoben.
Mühlpfort 77.
ebenso der substantivierte infinitiv:
als der sonst sanfte flusz mit ungeheurem schäumen
an dem durchbohrten rand' und ausgerisznen bäumen
den grausen zorn auslisz.
Lohenstein Cleopatra 16, 543;
der wagen troff voll blut, der hengste sprung und schäumen
bliesz feuer-funcken aus, die bahn rein auszuräumen.
Mühlpfort 283;
nimm weg der flasche schäumen!
es schäumt heut keine lust.
Rückert 5, 175;
im bilde:
bin ich doch gestrafft genung, ...
dasz mir so viel gram und wachen kraft und leben abgekürzt
und der lästrer bittres schäumen jeden bissen brot verwürzt.
Günther 864.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1893), Bd. VIII (1893), Sp. 2360, Z. 42.

scheumen, verb.

scheumen, verb.,
s. schäumen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1893), Bd. VIII (1893), Sp. 2625, Z. 57.

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schwäherin schöpfquelle
Zitationshilfe
„schäumen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sch%C3%A4umen>, abgerufen am 02.08.2021.

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