Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

schöffenstuhl, m.

schöffenstuhl, m.
stuhl, sitz eines schöffen; auch dasselbe wie schöffengericht, vgl. dazu schöffenbank, schöffenstube; ferner ein juristisches collegium, dessen beisitzer den namen schöffen führen Adelung; scheffenstuhl Alberus dict. rr 4ᵇ, schöpfenstuhl, scabinatus Stieler 1715, eine bestellte gesellschafft von rechtsgelehrten, die schwersten sachen zu entscheiden, collegium juris consultorum, quod responsa juridica dat Frisch 2, 220ᵃ; mhd. scheffenstuol Lexer handwb. 2, 682. Scherz - Oberlin 1433. Haltaus 1645. Wallraf 76 (scheffenstoil), vgl. noch Wander 1460.
1)
stuhl des einzelnen schöffen: hevet he scepen stul dar, he is dar ok dingplichtich. die 's scepenen stules dar aver nicht ne hevet, de sal des hogesten richteres ding suken, svar he wonehaft is. dissen stul ervet die vader uppe sinen eldesten sone. Sachsenspiegel 3, 26, 2. 3 (auf dem bilde ist der schöffenstuhl vierbeinig ohne lehne); item fragete der scholteisz die scheffene, wa ein scheffen odir me abegingen und andere an der staid gekoren worden, die den scheffenstule mit den andern gesellen nit besitzen wolden, wie man die dringen salde, daʒ sie recht wisten mit andern yren gesellen? Grimm weisth. 2, 216 (Bacharach 1386); auch wart gewist, das niman nit in den scheffenstoil ensolle besitzen, es en were dan sache, das er hette und besege ... etliche der hobsgude. 6, 643 § 3; wanne auch ein schöffen zu Franckfurt stürbe, oder seinen schöffenstul uffliesze. urk. von 1366 bei Haltaus 1645; wann der erwürdige .. herr Cune ertzbischoff von Trier von sinen besundern gnaden den scheffenstuel zu Trier, der yme neulichs von dode herrn Stepfens Wuchs ledig ist worden, mir hait gegeben, und mich darin gesetzet. urkunde von 1372 ebenda;
da sprach ein greis mit silberhaar,
vom schöppenstuhl emporgerichtet.
Voss 6, 64.
der schöffe legt seinen eid ab auf den schöffenstuhl: uf ihre eyd, so sie auf den ehegenannten schöffenstuhl gethan. Grimm weisth. 3, 418; vgl.: und ermante die scheffen obgenant ir eyde, die sye dem scheffenstule und dem gericht getan hetten. 477.
2)
die gerichtsbehörde oder das collegium der schöffen eines gerichts: in welchs herrn teyl des entbrech, in demselben teil sol der herr nemen, das der schöpffenstul bestalt wurde. Grimm weisth. 3, 579; den die unsern meinen, das die schöppen, die itzt den schöppenstuel uff dem berge, der darumb 'uff dem berge' heist, das die von dem berge das gerichte vor dem Rohlande inne gehabt und nicht die vom tal, sondern, so die geschlechte von dem berge verstorben sindt, haben sich die vom tale des schöppenstuls unterwunden, und haben so das gerichte vor dem Rohlande und auch des tals gerichte alle beyde innen, wiewol die unsern meinten .. man solte billich aus innungen und gemeinheit auch in den schöppenstuel kiesen. Spittendorf 82; was ein schöppenstuhl so gerichtet hat, das richtet ein anderer umgekehrt; und derselbe ein andermal ebenso. Bode Montaigne 4, 65; der schöppenstuhl, der in groszem ansehn weit umher steht, ist mit lauter leuten besetzt die der römischen rechte unkundig sind. Göthe 42, 45 (Gottfr. v. Berl. 1); übertragen auf wissenschaftliche streitigkeiten: ich musz daher meinen nachfahren hinterlassen die sache dereinst vor ein competentes gericht zu bringen, weil ich den gleichzeitigen schöppenstuhl durchaus nicht anerkenne. 60, 26.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1896), Bd. IX (1899), Sp. 1446, Z. 32.

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Zitationshilfe
„schöffenstuhl“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sch%C3%B6ffenstuhl>, abgerufen am 26.07.2021.

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